Alea 101 am Alexanderplatz [realisiert]

  • Ja, Hans Dampf, mitten im Altstadtbereich. Die Architekten haben sich am Cubixx und am B-Plan orientiert und nicht an der Maßstäblichkeit der Marienkirche und dem Panorama-Haus, die einzigen beiden Gebäude die nach 1970 übriggeblieben sind.


    Die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sprach seinerzeit von einem "einzigartigen Solitär am Alexanderpatz". Der Bauherr spricht in seinem Prospekt: "Der elegante, freistehende Kubus strahlt mit seinen ausgewogenen Proportionen Diskretion und Ruhe aus". So unterschiedlich können die Ansichten sein.


    Bin gespannt, was beim Bodenaushub gefunden wird. Die Gontardstraße ist ja eine der ältesten Berlins...

  • Eben, das ist die Altstadt. Platz für ultra modere Architektur gibt es in der Stadt genug. Es wäre sinnvoll besser zu warten, um dann wirklich ansprechende und passende Straßenzüge zu entwerfen. Und mit "passend" meine ich mitnichten den Alexanderplatz oder sonstigen Plattenmüll, sondern die Anlehnung an die Vorkriegsbebauung was Größe, Parzellierung und Fassadengestaltung angeht.

  • Die renommierte ZEIT schrieb weiland zum Thema Berliner Altstadt: Die Geschichtsamnäsie ist in Berlin so weit fortgeschritten, daß man sich nicht einmal darauf einigen kann, daß das Verschwinden der Altstadt durch Modernisierungwahn, Krieg und Sozialismus einen Verlust darstellt.


    Leider ist diese Amnäsie bei Vielen weit fortgeschritten. So schreibt die B.Z. von einem neuen Gesicht des Alexanderplatzes, der ist ja nun woanders, extra muros.


    Wenn Berlin hier nicht bald umsteuert sieht die ganze Altstadt aus wie der Alex oder das sog "Neue Hackesche Quartier".

  • Bereits das Cubix war ein grausamer Fehler. Und meiner Meinung nach gehört das Monstrum der Rathauspassagen komplett abgerissen und das Areal neubebaut. Wie schreibt die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte:


    "Großstädtische Kulisse


    Mit den Gebäuden an der gegenüberliegenden Karl-Lieb-Knecht-Straße und der zwischen beiden Bauensembles gelegenen parkähnlichen Anlage bildete die RathausPassage seit ihrer Fertigstellung 1969 die großstädtische Kulisse für den Fernsehturm.Die in die Höhestrebenden, fast schwebenden Wohngebäude holten Menschen und Leben an den Ort zurück."


    Ja, ganz bestimmt. Man könnte sich den ganzen Tag echauffieren.

  • Der Originaltext aus dem REDEVKO-Flyer zum "Alea 101" ist besser: "Das ALEA 101 ist als rund 30 Meter hohes Gebäude mit fünf Obergeschossen und einem Untergeschoss konzipiert. (...) Die Einzellage des Eckgrundstücks, auf dem das ALEA 101 errichtet wird, sorgt für eine ausgezeichnete Visibilität des Objektes – und damit hervorragende Markenpräsenz für Mieter. Auch in puncto Gestaltung und Ausstattung ist das ALEA 101 nicht nur „state of the art“, sondern zukunftsweisend. Der elegante, freistehende Kubus strahlt mit einen ausgewogenen Proportionen Diskretion und Ruhe aus."

  • Die Rathauspassagen, das Cubix und das Alea 101 sollte man nicht in einen Topf werfen. Während die Rathauspassagen tatsächlich einen interessanten Entwurf darstellen, der verschiedenen Einflüsse kombiniert, handelt es sich bei dem Alea 101 und dem Cubix um Fremdkörper.
    Die Rathauspassagen stehen im Übrigen unter Denkmalschutz! über die Gestaltung und die Wirkung auf das Umfeld wurden sich damals im Gegensatz zu heute tatsächlich Gedanken gemacht!

    Für die Fahrstuhl- und Treppenhausschächte und die Giebel wurden rote Klinker aus Großräschen und Zahna verwendet. Damit sollte eine optische Verbindung zum Roten Rathaus geschaffen werden. Die Fassaden der Wohnungen sind facettenartig gegliedert, was eine optische Stimmigkeit mit dem Alexanderhaus, dem Berolinahaus und dem Berliner Fernsehturm schaffen sollte. So wurde weißer Marmorsplit in hellem Wolfener Zement und Glasmosaiken aus Reichenbach verbaut.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Rathauspassagen


    Einzuräumen ist aber, dass gerade die Umbauarbeiten und Erweiterungen von RKW Rhode Kellermann Wawrowsky und Kny & Weber die Anlage enorm verschlechtert haben.

  • Eben, das ist die Altstadt. Platz für ultra modere Architektur gibt es in der Stadt genug. Es wäre sinnvoll besser zu warten, ...............


    Da steht schon lange keine Altstadt mehr. Und es ist sinnvoll sich am Cubix zu orientieren da das nun mal in Zukunft dem neuen Gebäude gegenüberstehen wird.


    Den unteren Teil des Entwurfes mit der goldenen Schrift auf den schwarzen Platten finde ich in Ordnung. Die Verkleidung des oberen Teils wird aber in der Realität sicher viel dunkler wirken als auf dem Bild.


    Aus Sicht der Einzelhandelsbeschäftigten ist aber hier, (wie bei fast allen Neubauten) störend dass ihnen kein Tageslicht bzw. Ausblick zugestanden wird. Wobei es aber vermutlich einen Innenhof geben wird von dem aus etwas Licht in die Geschäfte fallen könnte.

  • Da steht schon lange keine Altstadt mehr. Und es ist sinnvoll sich am Cubix zu orientieren da das nun mal in Zukunft dem neuen Gebäude gegenüberstehen wird.


    Natürlich stehen dort keine historischen Gebäude mehr. Wir reden schließlich über Berlin. Aber nichtsdestotrotz handelt es sich um die Keimzelle der Stadt, also um die Altstadt. Daran sollte man sich orientieren und nicht an einem unbedeutenden neuen Gebäude wie dem Cubix, das dort überhaupt nicht hingehört. Das wäre ja ein einfacher Mechanismus: ich stelle ein Gebäude hin und fortan müssen sich alle künftigen Gebäude an diesem orientieren. Es kann, nein es sollte hier nicht so laufen. Der historische Ort bedarf einer angemessenen Bebauung, die die jahrhundertealte Entwicklung nicht negieren darf! Berlin bietet genug sonstige Spielwiesen für moderne Solitäre aus Glas, Stahl und Beton. Aber nicht hier!

  • Eben, das ist die Altstadt.


    Falsch! Das WAR die Altstadt! Von einer Altstadt ist an dieser Stelle nichts mehr übrig, an dem man sich orientieren könnte (Ausnahme Marienkirche). Es wird so häufig gefordert, dass sich Neubauten an ihrer Umgebung orientieren und sich harmonisch in diese einfügen sollen und genau das tut der Entwurf. Die heutige Umgebung besteht nunmal aus Fernsehturm, Alexanderhaus, Berolinahaus, Kaufhof und Cubix.


    Die renommierte ZEIT schrieb weiland zum Thema Berliner Altstadt: Die Geschichtsamnäsie ist in Berlin so weit fortgeschritten, daß man sich nicht einmal darauf einigen kann, daß das Verschwinden der Altstadt durch Modernisierungwahn, Krieg und Sozialismus einen Verlust darstellt.


    Das dieser Ort heute so aussieht, wie er aussieht ist doch gerade das Resultat einer Reihe geschichtlicher Ereignisse (von Weltkrieg über Sozialismus bis Nachwendezeit). Dies zu ignorieren wäre doch Geschichtsamnäsie pur! Es haben doch nicht nur Mittelalter und Vorkriegszeit den Anspruch als 'Geschichte' bezeichnet zu werden, auch die jüngere Geschichte ist von Bedeutung und gerade für Berlin weitaus prägender und bedeutender als bspw. das Mittelalter.


    Es ist wirklich faszinierend, dass sobald irgendwelche Planungen im Bereich um den Fernsehturm bekannt werden, die Altstadt-Fetischisten mit einer derartigen Panik reagieren.

  • Einzuräumen ist aber, dass gerade die Umbauarbeiten und Erweiterungen von RKW Rhode Kellermann Wawrowsky und Kny & Weber die Anlage enorm verschlechtert haben.


    Da möchte ich deutlich widersprechen. Die Rathauspassagen waren ein schrecklich zugiger Ort der Null Aufenthaltsqualität hatte. Die Durchgänge wurden allenfalls als Urinal benutzt. Mir gefallen die Passagen auch heute nicht, aber die Nutzung und die Aufenthaltsqualität haben sich dann doch deutlich verbessert im Vergleich zum Zustand davor.

  • Ich muß Vertikal unterstützen, obwohl ich wirklich kein Freund der Nachkriegsmoderne bin. In folgendem Foto sieht man das Ensemble aus Alextreff, Rathauspassagen und Gesundheitsministerium.



    (C) Bundesarchiv, gemeinfrei


    Ob das neue Hotel an der Grunerstraße, der Cubixx und der RKW-Umbau der RHP besser sind, wage ich zu bezweifeln.


    Besonderns bemerkenwert finde ich, daß Graffunder seinerzeit die alten Trassen der Kloster und Neuen Friedrichstraße (heute: Littenstraße) in seinen Passagen berücksichtigt hat. Dieses Straßenraster berücksichtigen die Umbauten von RKW und der Neubau von Sauerbruch-Hutton nicht mehr. Da liegt das Geschichtsvandalentum wieder einmal bei den Zeitgenossen...

  • Wieso wird die Diskussion jetzt lediglich auf den Sockelbereich der Rathauspassagen beschränkt?
    Das Zitat spricht den Wohnbereich der Rathauspassagen an!

  • Wieso wird die Diskussion jetzt lediglich auf den Sockelbereich der Rathauspassagen beschränkt?
    Das Zitat spricht den Wohnbereich der Rathauspassagen an!


    Genau, und was soll uns dazu noch das 37 Jahre alte Foto sagen?


    Das Alea entsteht übrigens auf dem Grundstück auf dem dereinst der Vorgängerbau stand. Es nimmt quasi den Vorsozialistischen Stadtgrundriss wieder auf :D


    Kembo
    Laut BZ-Artikel noch in diesem Jahr :)

  • Genau, und was soll uns dazu noch das 37 Jahre alte Foto sagen?


    Mhhh, vielleicht gar nichts, weil ich mich gar nie auf jenes Zitat berief...? :lach: Das Foto stellt die generelle Unwirtlichkeit des Ortes dar, der sich heute kaum verbessert zeigt. Ausgangspunkt ist meine grundsätzliche Forderung nach einem Abriss dieses Gebäudes.


    Bezüglich Rathauspassagen bitte hier posten.
    Bato

  • Mein Beitrag bzgl. der Rathauspassagen sollte lediglich zum Ausdruck bringen, dass die Rathauspassagen mehrere örtliche Bezüge aufgreifen. Einerseits die farbliche Anpassung an das rote Rathaus, andererseits die Fassadengestaltung, die sich an das Berolinahaus anlehnt.


    Das Alea 101 führt hingegegen keinerlei Dialog mit seinem Umfeld. Es ist ein Bau ohne jeglichen Bezug zu seinem Umfeld. Das ist doch der Knackpunkt. Es ist Investorenarchitektur, die mit vgl. günstigen Tricks um Aufmerksamkeit buhlt. Die Frage ist doch, brauchen wir an dieser Stelle nicht ein "Mehr" an Stadtreparatur, statt einem autistischen Bau ohne Verankerung. Hierüber sollte der Diskurs stattfinden, ohne unwirkliche Abriss- und Totalrekonstruktionsphantasien.

  • @ Bato, leider nimmt der Würfel eben nicht den "vorsozialistischen Stadtgrundriss" (also den 800 Jahre alten) auf sondern erstreckt sich direkt auf die Littenstraße, als sie noch zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Grunerstraße (Name in diesem Bereich bis 1969) verlief. Erst dann wurde der Fernsehturm gebaut und die letzten Reste des Marienviertels gesprengt.


    Den mittelalterlichen Straßengrundriss ignorant zuzubauen hat sich nicht einmal die DDR getraut. Graffunders RHP haben nur den Bürgersteig der Littenstraße mit einer Kolonnade überbaut und zwischen Fernsehturm und Bahnhof Alexanderplatz ging die ehem. Neue Friedrichstraße in einem kühnen Schwung direkt auf den Eingang zur heutigen Markthallenpassage (exakt auf dem Straßengrundriß) weiter.


    Der Würfel steht mit seiner Südwestseite vollständig und ohne Not auf dem mittelalterlichen Straßengrundriss. Da wurden mehrere einstige Baugrundstücke zusammengefaßt (nur so kommt man auch auf 10.000 QM Nutzfläche).



    (C) SenStadt


    Und von der Altstadt des 19. Jahrhunderts haben wir immerhin noch das Rote Rathaus, die Marienkirche und Panoramahaus. Das ist für Maßstäblichkeit nicht gerade wenig im Vergleich zur Nachkriegsmoderne: Da gibt es ja nur die Platten an der KLS und die überformten RHP.


    Das Nikolaiviertel ist schon wieder DDR-Postmoderne und weist eher Altstadtmaßstäblichkeiten auf. Der Rest ist Nachwende"architektur".


    Und demnächst kommen die Reste des Alten Rathauses hinzu, ggf. zu Teilen rekonstruiert.


    Zudem gibt es Bestrebungen, die (orginale) historische Gerichtslaube wieder aus Babelsberg an ihren alten (orginalen) Platz auf die originalen Fundamente an der Ecke Rathaus- Spandauer Straße zu versetzen. Nix Disney-Land: Alles echt.


    Last - but not least - will der Senat am Ort des Hauses von Moses Mendelssohn (Spandauer Straße 68) eine bauliche Erinnerungsstätte errichten an den großen jüdischen Aufklärer errichten. Das wird sicher auch etwas eher Kleinteiliges.


  • Den mittelalterlichen Straßengrundriss ignorant zuzubauen hat sich nicht einmal die DDR getraut.


    Mir wäre der unsichtbare mittelalterliche Straßenverlauf auch gleichgültig. Man baut doch für Gegenwart und Zukunft.


    Ich mag ja schöne alte Häuser aber diese seltsame Geschichtsbesessenheit mit der man längst vergangenen Bauten und Straßen nachtrauert verstehe ich nicht. Irgendwann sollte man sich auch mal damit abfinden dass man die Zeit nicht zurückdrehen oder auch nur anhalten kann.


    Ich habe lange in Kassel gelebt. Dort wurden 80% der Gebäude inklusive der nahezu kompletten Innenstadt im Krieg zerstört. Zweifellos waren viele der alten Häuser liebevoller gestaltet usw. und ich mag auch die alten Fotos und Filme usw.


    Aber sich bei heutigen Neubauten noch zwanghaft an die Straßenverläufe der vor bald 70 Jahren abgebrannten Fachwerkaltstadt zu halten fände ich albern.




    Und demnächst kommen die Reste des Alten Rathauses hinzu, ggf. zu Teilen rekonstruiert.


    Naja, es werden wohl ein paar Mauern in der U-Bahnhaltestelle und eine erklärende Tafel sein.