Alea 101 am Alexanderplatz [realisiert]

  • Freunde, erinnert Euch bitte an die netten Renderings für das Hochhaus an der Friedrichstrasse, welche Müller-Spreer in Auftrag gegeben hat. Luftig-leicht sah alles aus - und wie das Monster jetzt aussieht ist bekannt.

  • Das Rendering, das "der Praktikant in ner halben Stunde" zusammengeschustert hat, scheint den Investor für seine Öffentlichkeitsarbeit überzeugt zu haben. Warum sonst sollte man sie der Presse geben? Der Investor steht zu diesem Ding und hält es wohl gar nicht für nötig, einen ausgereiften, detailreicheren Entwurf zu veröffentlichen. Warum wohl? Nun, dem (sorry) prolligen Konsumvieh wirds scheißegal sein! Hauptsache geil Schnäppchen und prügeln, wenn nachts um eins die Eröffnung stattfindet!
    So gesehen sagen diese beiden Bildchen sehr wohl schon ne Menge aus, eben gerade in ihrer (bewussten?) Verschwommenheit. Ich wette, in natura wirds viel schlimmer.
    Bei meinem Wunsch nach kritischer Rekonstruktion habe ich zugegebenerweise außer Acht gelassen, dass es natürlich auch tolle Glasgebäude gibt (z.B. Nouvels Laffayette), es muss in der Tat nicht immer ne Steinfassade sein. Aber die Kubatur ist eben auch entscheidend. Das versetzte Obergeschoss tötet doch jeden harmonischen Ansatz, der in der wieder aufzubauenden ALTSTADT dringend geboten wäre. Manchmal hab ich das Gefühl, die Zerstörung Berlins ist vergessen und die jetzige Altstadt(nicht)bebauung gottgegeben, so dass man sich hier wie in LaDefense austoben könnte. Isset aba nich, liebe Planer und Investoren!

  • ^^
    Mich stört an dieser Diskussion, dass die Altstadt-Befürworter, die Rekonstruktion der Berliner Altstadt als einzige planerische "Wahrheit" darstellen, so wie du es tust Baukunst. Das ist nunmal Geschmackssache. Ich plädiere auch dafür, dass das Gebiet um den Fernsehturm und MEF in den nächsten Jahrzehnten aufgewertet und entwickelt werden muss, jedoch muss das nicht zwangsläufig die Rekonstruktion der Altstadt sein. Ich habe nichts gegen eine zeitgemäße Beplanung des Gebiets und diese kann auch gerne großzügige Straßen- und Grundstücksgrößen beeinhalten, anstatt mittelalterliche Gässchen mit winzigen Parzellen. Deshalb haben meiner Meinung nach auch solche Solitäre wie das Redevco-Geschäftshaus hier durchaus ihre Berechtigung.

  • Es sollte niemand behaupten, es gebe eine einzige Wahrheit. Genau diesen Fehler haben unsere Stadtväter zu Kaisers Zeiten genauso gemacht wie die Radikalplanungen der Zwanziger und die Abrisse von Nazis und Kommunisten. Es geht darum die unterschiedlichen Schichten miteinander zu verbinden.
    Nun ist aber das Verbinden schwer, wenn aus 800 Jahren Geschichte nur zwei Bauten (Marienkirche und Rotes Rathaus) stehen, während alle anderen Häuser in den letzten 50 Jahren errichtet wurden.
    Ich bin nicht für ein Nachbau der Altstadt, aber so einen bürgerlicher Platz wie den Neuen Markt und die enge Umbauung der Marienkirche ist schon charmant. In dem neuen Konzept für das Marienviertel können doch Fernsehturm, Rathauspassagen und das ME-Denkmal seinen Platz finden. Man müßte zuvörderst die Klosterstrasse durch die Rathauspassagen wieder verlängern (alles schon von der DDR vorbereitet), Gontard- und Königstrasse wieder für den Verkehr öffnen und mit der Anlage des platzes am Neuen Markt beginnen.
    Aber zuerst bitte: Graben, graben, graben... Da gibt es noch viel Wertvolles zu finden.

  • Moment mescha! Ich habe mich zugegebenerweise unklar ausgedrückt, in dem ich einmal von kritischer Rekonstruktion und dann weiter unten vom Wiederaufbau der Altstadt sprach. Was mir persönlich vorschwebt, ist ein zeitgemäßer Wiederaufbau der Altstadt im Sinne einer möglichst umfangreichen Wiederherstellung des Straßengrundrisses. Möglichst heißt, dass sehr wohl auch moderne Platzraumkonzepte zum Tagen kommen können. Eine 1:1 Rekonstruktion auch der Gebäude ist insofern nicht durchsetzbar, als dass hier auch viele unbedeutende Gebäude gestanden haben bzw. die meisten gar nicht dokumentiert sind. Weierhin sind neue Straßenachsen dazugekommen (Karl-Liebknecht-Straße hatte vor dem Krieg einen anderen Verlauf). Zudem hat mich die Bebauung der Friedrichstadt im großen und ganzen überzeugt - moderne Architektur auf altem Stadtgrundriss. Ich bin also ziemlich offen mit der einzigen Ausnahme, dass ich mir eine maßstäbliche, "humane" Bebauung wünsche und keine Fortführung des brutalen 60er/70er Jahre Solitär-Städtebaus an dieser empfindlichen Stelle! Aber die Gedanken sind frei, es sollte über alles nachgedacht werden dürfen. An dem Sauerbruch-Hutton-Gebäude stört mich auch nicht, dass er modern ist, sondern dass er so trashig wirkt.

  • ^^
    Sowas wie der in Stimmanns neuestem Buch vorgeschlagene Vorplatz fürs Rathaus oder ein kleiner Platz an der Spree, auf dem das ME-Denkmal stehen könnte (wesentlich kleiner als das jetzige Forum). Gabs beides früher nicht, wie Du sicher weißt: an der Spree war ne geschlossene Häuserfront und am Vorkriegs-Rathausplatz war das Rathaus selbst zurückversetzt und bildete so einen kleinen Vorplatz, heute steht es in der dem Rathaus angepassten Bauflucht der Rathausstraße. Und bevor wir Haare spalten nenne ichs einfach "moderne Plätze" oder "neue, vorher in dieser Form nicht dagewesene Plätze" :)


  • Hab mich mal in der Ausstellung der Arbeiten des Realisierungswettbewerbs für REDEVCO-Geschäfts- und -Wohnhaus umgesehen. Lohnt sich anzusehen.


    Die Aufgabenstellung forderte unter anderem eine besonders sorgfältige Gestaltung der Dachfläche, da diese als "fünfte Fassade" wahrgenommen werde. Ausserdem sollten mögliche Nutzungen der Dachfläche geprüft werden, eine Begrünung war nicht zwingend gefordert.
    Das Gebäude sollte einem "urbanem Nutzungsmix" Raum bieten, allerdings mit dem Fokus auf der Funktion als Geschäftshaus. Der Innenausbau soll erst nach Vermietung erfolgen (Flexibilität). Wohnungen sollen Mietwohnungen sein, zwecks Preissteigerungen.
    An anderer Stelle in der Ausstellung wurde ausserdem erwähnt, dass die von aussen sichtbaren Markennamen in den Entwürfen Pflicht waren.



    Zu den Entwürfen:


    1. Preis Sauerbruch/Hutton
    Siehe auch: http://www.sauerbruchhutton.de…images/alexanderplatz.jpg
    Viel neues wie es mal aussehen könnte, war aus den Bildern nicht zu erfahren.
    Ganz interessant finde ich die Wohnnutzung als Maisonette mit eigenem Dach-Vorgarten, Dachterrasse und dem Wintergarten über zwei Stockwerke. Hoffentlich sieht man die Dachausstiegsluken nicht.



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    2. Preis Grüntuch/Ernst


    Mein Favorit. Ich mag hier die Patios und die kreuzartige Kombination aus Stahl und Glas. Meiner Meinung nach ein etwas arroganter Solitärbau, der sich gegen die anderen Großbauten wehren kann und einen anderen Punkt setzt. Ich finde, eine kühle und elegante Optik.



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    3. Preis Hascher/Jehle
    Siehe auch: http://www.hascherjehle.de/de-wettbewerbe/



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    Nattler Architekten


    Auch ganz interessant. Diese Welle ist ein Gegenstück zur zackigen Fernsehturmumbauung. Bemängelt wurden die Lamellen, die wohl zu einer Verschattung führen könnten.



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    Ortner/Ortner



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    Hentrich - Petschnigg & Partner (HPP)



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    Benthem Crouwel



    Alle Bilder: Stunden



    Meine Siegerliste: 1. Grüntuch 2. Nattler 3. Sauerbruch dann 4. Ortner 5. Hascher 6. HPP 7. Benthem

  • meine siegerliste:
    1. platz: nicht vergeben
    2. platz: nicht vergeben
    3. platz: nicht vergeben
    4. platz: nicht vergeben
    5. platz: nicht vergeben
    6. platz: nicht vergeben
    7. platz: sauerbruch/hutton, grüntuch/ernst, hascher/jehle, nattler,
    ortner/ortner, hpp, benthem


    Ich schäme mich fast, aber ich kann bei bestem Willen nicht ein Gebäude finden, was mir zu mind. 50% gefällt (Schmerzgrenze). Jeder hat ein nettes Detail, verpulvert jegliche Gegenliebe jedoch durch Plumpheiten, Trashelemente oder schlicht Langeweile. Ein Glasbau könnte doch so GUT aussehen... fühle mich wie ein BLÖDzeitunglesender Steinfassadenfundi, aber soll ich so tun, als würde mir auch nur ein Entwurf zusagen????? Das können die doch alle besser!
    Nur so als Spontanassoziation: Haus Hardenberg (Hardenberg/Knesebeckstr.), Hugendubel (ehem. DEFAKA) Breitscheidplatz, Saturn am Europacenter (Tschoban)...


    Die hier vorgestellten Bauten haben z.T. das Niveau wie dieser Bürokrüppel am Checkpoint Charlie (das Weiße, Blocklänge Einnehmende) oder gar eines Stadtrand-Centers!

  • Also mein Favorit ist auch Grüntuch/Ernst, die anderen Entwürfe sind an Langeweile und Einfallslosigkeit nicht zu überbieten, da muss ich meinem Vorredner Recht geben (auch wenn er einen anderen Entwurf am ehesten noch bevorzugen würde) ;).


    So eine um 45° versetztes Obergeschoss, vor allem mit der Kreuzstrebenfassade wäre schon sehr interessant, müsste dann aber etwas schwungvoller inszeniert werden, z.B. durch etwas mehr Farbe (Illumination bei Nacht, nach außen sichtbare Innenwände in starken Farben oder auch leicht gefärbte Glasfassadenelemente. Der Entwurf ist schon sehr gelungen finde ich, aber dieses Grau in Grau gefällt mir nicht, da wäre etwas mehr Kreativität gefragt, die dann aber sicher auch von den Mietern abhängt, ist ja erstmal nur ein Entwurf. Ich verstehe aber überhaupt nicht, wie der Entwurf auf Platz 1 zu dieser "Ehre" gekommen ist. :nono:

  • also ich muss richard mal recht geben. erstens frage ich mich auch, wie ein derartiger vorortbau auf platz eins landen kann. zweitens sehe ich auch den entwurf von grüntuch und ernst als besten an. trotzdessen finde ich, stimmen da die proportionen nicht mehr ganz. durch die drehung der etagen wirkt das gebäude breiter als es wirklich ist. für meinen geschmack sollte da noch mindestens eine drehung draufgesezt werden. das wirkt einfach zu flach...


    ach den entwurf von ortner und ortner finde ich zwar etwas fade, dafür aber für grundsolide. mit ein wenig überarbeitung kann daraus ein gutes projekt werden....

  • Also Einfallslosigkeit würde ich den Projekten keinesfalls vorwerfen, da wurden und werden in Berlin zu 90% schlimmere Sachen gebaut.


    Städtebaulich war an dieser Stelle seitens der Senatsverwaltung anscheinend ein Kasten gewünscht.
    Man sieht dass die Kreativität, soweit dies bei einem solchen Gebäude möglich ist, hauptsächlich ins Innere verlagert wurde.
    Auch die Flächen für die ganze Werbung waren ja anscheinend vorgegeben.


    @ buergm
    Wie kann man den Entwürfen Beliebigkeit vorwerfen und dann den absolut langweiligsten -an die Plattenbauten rings rum erinnernden- Entwurf von Ortner & Ortner loben (?) ;)

  • weiß gar nicht, wo ich von beliebigkeit gesprochen habe....


    wenn man sich mit den projekten von ortner & ortner mal auseinandersetzt, dann wird man sehen, das der entwurf hier auch nur ein rendering ist. im allgemeinen sind sie dafür bekannt ihre gebäude mit liebe zum detail zu errichten. es werden für fassaden immer hochwertige materialien verwendet. auch sind ihnen die die tiefen der fassaden wichtig (schattenspiel etc.). sowas sieht man aber auf so einem rendering nun nicht unbedingt.


    ps. das alexa nehme ich hier mal aus... ;-)

  • Seit einigen Tagen werden Baugrunduntersuchen mittels Bohrgeräten auf dem Grundstück C2 der "REDEVCO Services Deutschland GmbH" durchgeführt.


    Es scheint sich dort also tatsächlich etwas zu bewegen ...


    *schieb*

  • Nun gibt es auch einen eigenen Projektnamen...Alea 101 nennt sich das Ganze. Neben dem EKZ entstehen 24 Maisonettewohnungen in den oberen Etagen. Laut Redevco soll insbesondere die Beleuchtung am Abend hervorstechen. Hier nochmal der Entwurf in anderer Perspektive:



    Bildquelle: Sauerbruch und Hutton


    Artikel BZ
    Projektdatenblatt Redevco (pdf)

  • Sehe ich es richtig, dass dieses Gebäude zwischen Gontard- und Rathausstraße errichtet werden soll? Obwohl die Visualisierung einen recht ansprechenden Eindruck macht, so finde ich dennoch, dass man in diesem Altstadtbereich besondere Vorsicht walten lassen sollte. Es ist schließlich noch nicht ausgemacht, wie eine Bebauung hier zukünftig aussehen soll, welche Dimensionen, welche Formensprache hier Anwendung finden. Derart moderne Achitektur würde ich eher jenseits des Alexanderplatzes begrüßen, wie sie ja auch bereits umgesetzt wird.