Halle an der Saale

  • In einem der verbliebenen Gebäude hat sich ein alternatives Kulturzentrum etabliert.









    Bis vor einiger Zeit stand auch hier ein Gebäude.


    Leipziger Turm an der Leipziger Straße.







    Sanierte Gebäude in öffentlicher Hand.





    Altstadtstraßen.







    Typische Nachnutzung anstelle abgerissener Gebäude




    Eigene Fotos.

  • Auf der bingschen Vogelperspektive sind die Gebäude am Töpferplan noch zu sehen. Deren Abriss ist trotz der offensichtlich ruinösen Bausubstanz sehr bedauerlich. Sicher wird man auf dieser kleinen, von Straßen umgebenden "Insel" auch in ferner Zukunft keine Bebauung mehr anstreben. Gerade solche Dinge machen eine Stadt wie Halle aufgrund der nicht erlitten Flächenbombardements und des dadurch fast vollständig erhaltenem Wegenetz aus meiner Sicht aber gerade interessant.

  • Nicht nur, dass diese verwilderte Brache als "Platz" bezeichnet wird ist grotesk, sondern ebenso, dass auf dem Schild steht, jener Platz sei kein öffentlicher Parkplatz und dass dort die dauerhafte Sperrung ab 03.04.2000 noch 14 Jahre Wildwuchs später angekündigt wird. Als ob noch irgendein Bekloppter auf die Idee käme, dort sein Fahrzeug abzustellen.


    Brachen und ungenutzte Flächen sind sicher kein auf Halle bezogenes Problem, aber diese brachiale Verödung von Leerflächen inmitten der Stadt ist schon auffällig. Und Brachflächen sind nicht die einzige Skurrilität der Händelstadt, wenn ich mir die Fotos so betrachte. Unerreicht schräg die Plattenbauten auf den letzten 4 Bildern von diesem Beitrag.

  • Weitere Fotos aus dem Steintor-Viertel


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    Das erste Foto zeigt ein Teil der Universitätsklinik mit dem Institut für Anatomie. Hier ist auch die bekannte Meckelsche Sammlung beheimatet.
    http://www.meckelschesammlungen.uni-halle.de/
    Hier zwei Fotos von mir.




    Schade, das du die Straße auf deinem zweitem Foto nicht weitergegangen bist. Hier ein paar Fotos von mir.







  • Die Leipziger Volkszeitung widmet der Schwesterstadt Halle und deren Imageproblemen eine ganze SEITE .


    Die LVZ stellt die These auf, dass zu Ostzeiten die Machthaber in Halle Erfolg hatten mit ihrem Versuch der Schaffung des "neuen Menschen". Für die großen Chemiebetriebe benötigte man flexible Arbeitnehmer, die heute in Leuna und morgen in der Lausitz arbeiten. Dadurch konnte sich keine Beziehung der Menschen zu ihrer Heimatstadt Halle/Halle-Neustadt entwickeln, meint die LVZ. Die sich für Halle einsetzenden Protagonisten im Artikel sind überwiegend keine Hallenenser, sondern stammen aus Sachsen. Zitiert wird der Architekturjournalist der WELT Dankwart Guratzsch mit den Worten: "Völlig konkurrenzlos in Deutschland bietet Halle das Bild einer unzerstörten Großstadt des 20. Jahrhunderts." Guratzsch stammt aus Dresden.


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    2 Mal editiert, zuletzt von Stahlbauer () aus folgendem Grund: Moderatorenhinweis beachtet.

  • Danke Stahlbauer für den Link aus der LVZ.


    Teil I


    Heute geht es in das Paulusviertel, das ein Teil der Nördlichen Innenstadt ist. Das Viertel wurde um 1900 rund um den Hasenberg Sternförmig angelegt und besticht mit seiner zahlreichen Bebauung aus der Gründerzeit und des Jugendstils. Auf dem Hasenberg wurde zwischen 1900 und 1903 die Pauluskirche gebaut.












  • Nach gefühlt 100 Jahren (real seit ungefähr 20 Jahren) war ich heute für ein paar Stunden in Halle, um nach so vielen Bildern und Diskussionen mir ein eigenes Bild von Halle zu machen. In etwa einer halben Stunde ist man von Leipzig Hbf mit der neuen superflüsterleisen S-Bahn in der Händel-Stadt. Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Ich war begeistert von Halle und mir fällt es schwer, jetzt nicht in reine Lobhudelei zu verfallen.


    Der Markt sucht in Deutschland vielleicht schon seinesgleichen. Mir fällt zumindest kein anderer ein, der so interessant angelegt ist wie der in Halle, dass einem Architekturliebhaber fast die Spucke wegbleibt. Er ist nicht rund, er ist nicht eckig und schon gar nicht bekommt man den gesamten Markt aufs Foto gebannt. Um eine Vorstellung von der einzigartigen Dimension zu bekommen, muss man einfach dort gewesen sein. Er ist sehr weit gefasst mit Gebäuden aus unterschiedlichen Epochen, in der Mitte dann der Rote Turm, dahinter die Marktkirche. Von der Großen Ulrichstraße aus kommend, den Roten Turm vor Augen, bekommt man ebenso Städtebau auf allerhöchstem Niveau präsentiert. Die anderen drei Höhepunkte in der Altstadt: Die Franckesche Stiftung, Moritzburg und die Gegend um den Stadtgottesacker. Dazwischen viele urige Gassen, die sich hier und da zu kleinen und größeren Plätzen öffnen und, wenn ich richtig gezählt habe, drei stattliche Einkaufsstraßen.


    Halle präsentiert sich ungeschminkt und mitunter ein wenig schäbiger als andere Städte. Die Stadt verstellt sich nicht, um Scharen von Touristen aus aller Welt zu gefallen. Das finde ich eigentlich sympathisch, aber ein bisschen mehr darf's schon sein, um das ramponierte Image aufzupolieren. Da gebe ich Stahlbauer voll und ganz recht. Ich meine, die Altstadt könnte mit ein bisschen mehr Anstrengung beispielsweise zu Erfurt oder Heidelberg aufschließen. In der öffentlichen Wahrnehmung jedoch rangiert die Stadt in einer Liga mit Offenbach, Bochum und Magdeburg, was eigentlich völlig absurd ist. Ein paar Touristen - ich habe zu meinem Erstaunen nicht einen einzigen in Halle wahrgenommen - könnten in Halle die fehlende Kaufkraft kompensieren. Dass die Stadt an der geringen Kaufkraft leidet, merkt man schnell. Die Leipziger Straße zwischen Riebeckplatz und Leipziger Turm ist zwar gesäumt mit schönen Gebäuden, aber die Ladenzone birgt eine Fülle an Asia-Textilshops, Bollywood-Moden, Internetcafés und einem Thor-Steinar-Laden, dessen Fensterfront bis zur Unkenntlichkeit mit Antifa-Graffiti, Farbbomben und Teer zugekleistert ist. So was würde man andernorts den Touristen sicher auch nicht zumuten.


    Zum Schluss noch ein Verweis auf Paderwans Halle-Galerie. So habe ich die Stadt heute trotz typischen Aprilwetters auch wahrgenommen. Halle begeistert.

  • Für die gesamte Region wäre es mehr als positiv, wenn Halle sich besser vermarkten könnte. Die Infrastruktur ist in den letzten Jahrzehnten in Mitteldeutschland gut ausgebaut worden. Das könnte man ja nutzen. Der Flughafen Leipzig ist ja nicht gerade übermäßig ausgelastet. Von daher könnten ein paar Gäste mehr nicht schaden. Offensichtlich reicht eine attraktive Altstadt allein nicht aus, Gäste in Scharen anzulocken. Eine aktuellere Statistik als DIESE konnte ich auf die Schnelle nicht finden. Halle findet sich mit 347.879 Übernachtungen im Jahr 2012 auf Platz 60 der beliebtesten Städtereiseziele in Deutschland wieder. Städte wie Kassel, Magdeburg, Chemnitz oder Bochum haben deutlich höhere Übernachtungszahlen vorzuweisen. Alles Städte ohne historische Altstadt.

  • Das mit den fehlenden Touristen unterschreibe ich sofort. Es ist in der Tat auf den ersten Blick merkwürdig. Auf der anderen Seite kommen die natürlich nicht von alleine und Halle hat erst in den letzten Jahren zaghaft um Touristen geworben. Anders als bei Chemnitz (Erzgebirge) fehlt z.B. ein offensichtliches, nahes Naturerlebnisgebiet mit spektakulären Landschaften und auch die große Industrie ist eher in Chemnitz. Kassel hat die Dokumenta und zieht alleine dadurch auch in der Nichtsaison Kunstkenner an - neben dem natürlich grandiosen Landschaftspark und Schloss Wilhelmshöhe. Und Magdeburg ist neben Landeshauptstadt natürlich auch Domstadt und bietet insgesamt eher spektakuläre Höhepunkte, die auch in kleineren Deutschlandführern stehen. Bochum ist fast doppelt so groß wie Halle... Hingegen rangieren andere, nur knapp größere NRW-Städte (Mgladbach und Gelsenkirchen) hinter Halle.
    Aber Halle ist eben unbekannt. Händel zieht wohl kaum, die Altstadt kennt auch kaum einer und hat große (und imo auch schönere) Konkurrenz im nahen Erfurt, die Kunstmuseen sind gut, aber auch überregional nicht so sehr von Bedeutung, genauso wie die Burgen/Schlösser. Vielleicht ändert sich etwas, falls die Franckeschen Stiftung ins Weltkulturerbe aufgenommen werden. Davon abgesehen ist die Hotellandschaft von Halle aber auch alles andere als prickelnd. Mal sehen - Halle ist auf meiner Liste für die Durchfürung einer Tagungsveranstaltung in drei Jahren...

  • Aber Halle ist eben unbekannt.


    Das ist sicher das Problem.


    Das mit der Industrie sehe ich nicht so. Gerade um Halle finden sich viele große Industriebetriebe, besonders der Chemie- und Energiebranche. Die Arbeitsproduktivität ist hier die Höchste in Ostdeutschland. STUDIE



    Auch die Anzahl größerer UNTERNEHMEN im Großraum Halle kann sich durchaus sehen lassen.


    Der Weinberg Campus in Halle gilt als der zweitgrößte Wissenschafts- und Technologiepark in Ostdeutschland, neben Berlin-Adlershof. Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle ist die größe Kunsthochschule in Ostdeutschland.


    Das könnte man doch besser nutzen.


    Das Erzgebirge als "spektakulären Landschaft" zu bezeichnen, würde mir jetzt nicht einfallen. Das Saaletal ist auch ganz nett. Dafür gibt es um Halle jede Menge Weltkulturerbestätten der UNESCO. Ob die Frankesche Stiftung da mithalten kann, weiß ich nicht.

  • Klar, die von Dir genannten Punkte gibt es. Aber sie ziehen nicht so wirklich. Den Weinberg Campus kenne ich, weil wir mit der Uni dort kooperieren. Aber leider ist das auch ein wirklich misslungener Campus in meinen Augen, trotz der Größe. Touristisch wird das auch kaum vermarktet - geht auch schwer und sonderlich viele Besucher kommen da nach meinem Gefühl auch nicht hin. Die großen Industriebetriebe sind ja dann auch ein bisschen von Halle weg. Bitterfeld Leuna Buna, klar, aber da zieht 1. Leipzig auch was von weg, 2. die kleineren Städte an sich (Bitterfeld immerhin mit ICE-Anschluss) und 3. ist das natürlich dann auch wieder nicht so groß und vor allen Dingen auch nicht so schöne Industrie wie z.B. in Wolfsburg oder Ingolstadt...
    Und die Kunsthochschule: Naja. ich bin Pendler auf der Strecke und irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass da alle eher von Berlin aus pendeln und es ihnen fast peinlich ist, dass sie aus Halle sind. Aber natürlich sind das rein objektiv ganz nette Punkte.


    Und das mit dem Erzgebirge: Im den neuen Ländern gibt es sieben große "Landschaftsgebiete", die Touristen ziehen: Ostsee, Seenplatte, Spreewald, Harz, Thüringer Wald, Sächsische Schweiz und eben das Erzgebirge und letzteres ist sicherlich nicht das unbekannteste und unbeliebteste davon. Das Saaletal finde ich persönlich zwar auch super, aber das wird touristisch kaum vermarktet. Und ganz ehrlich: Halle ist kaum ein guter Ausgangspunkt ins Saaletal. Da sind doch Naumburg und insbesondere Jena die Städte, die ich dann empfehlen würde.


    Ganz Sachsen-Anhalt ist noch viel zu unbekannt und dazu gehören auch die Weltkulturerben. Halle könnte das sicher gut mit einbeziehen, allerdings gehören Bauhaus nunmal untrennbar zu Dessau und auch die anderen sind nicht mit Halle verbunden. Warum dann also nach Halle, wenn man auch direkt bei den Stätten übernachten kann? Die Franckesche Stiftung kann von der Historie sicherlich mithalten, von der Schönheit oder Bedeutung der Architektur sicherlich nicht.

  • ^ Ich glaube, es geht nicht darum, Halle zu einem touristischen Hotspot oder ähnlichem zu machen, sondern dass sich die Stadt auch meiner Meinung nach völlig unter Wert verkauft. Die wenigen Besucher sind dabei nur ein Indiz auf die öffentliche Wahrnehmung außerhalb der Stadt. Neben der z.T. grandiosen Bausubstanz gibt es für eine Stadt dieser Größe (230.000 Ew) ein außergewöhnlich reichhaltiges Kulturprogramm. In Leipzig habe ich manchmal das Gefühl, dass die Stimmung in der Messestadt und die öffentliche Wahrnehmung außerhalb deutlich besser sind als die Lage bzw. die Situation dadurch mittlerweile spürbar Auftrieb erhält. In Halle scheint es genau umgekehrt zu sein.


    Hier und da gibt es noch mehr Bilder von Halle.



    Im Gegensatz zu Halle entsprach Magdeburg voll und ganz meinen geringen Erwartungen.

  • Ich denke bis auf Dresden, Leipzig, Berlin und Weimar sind alle Städte in den neuen Ländern, und seien sie auch noch so mit herausragender Bausubstanz und Kultur gesegnet, vergleichsweise unbekannt.

  • ^ Ach, naja, Potsdam, Erfurt, Görlitz und Eisenach können nach meiner Einschätzung auch nicht klagen. Auch Rostock ist zumindest im Sommer sehr beliebt. Aber mir ging es um das schlechte Image von Halle, das ich mir derzeit nicht erklären kann. Ein paar "Hallunken" habe ich erzählt, wie begeistert ich von ihrer Stadt war und wurde von denen prompt schief angeschaut, als ob ich nicht ganz bei Trost wäre. Das würde mir hier in Leipzig niemals passieren.


    Natürlich spiegelt sich auch die eigene (schlechte) Wahrnehmung in der mangelnden Stadtbildpflege von Halle wider. Stahlbauer hat uns davon einiges gezeigt. So ein gruseliges Pflaster vor einem historisch wertvollen Gebäude wie dem Graseweghaus würde man woanders wahrscheinlich nicht dulden.

  • Da hat Saxonia recht. Der Osten wird überwiegend von Tagesgästen besucht. Vermeldet die Freie Presse -größte Zeitung Sachsens-.


    Die Freie Presse wertet die Tourismustagung in Dresden des Landestourismusverbandes (LTV) Sachsen aus. Sachsen belegt z.B. nur Platz 8 im bundesdeutschen Ländervergleich. Vor allem ausländische Touristen finden nicht den Weg nach Sachsen. Vielleicht wird deshalb in Sachsen jeder Anstieg der Besucherzahlen um einige tausend ausländische Besucher fast euphorisch gefeiert.

  • So ein gruseliges Pflaster vor einem historisch wertvollen Gebäude wie dem Graseweghaus würde man woanders wahrscheinlich nicht dulden.



    Da muss ich Dich enttäuschen! Derartig merkwürdige Kleinpflasterplatten wurden auch auf dem Gendarmenmarkt in Berlin verlegt. - Vermutlich von hallenser Bauarbeitern.

  • Etwas außerhalb von Halle findet man in Mücheln, einem Ortsteil von Wettin eine gotische Templerkapelle.



    Zugang zum Gelände






    Templerkapelle





    Innenansichten






    Dachstuhl




    Ansicht aus dem Dachgeschoß






    Eigene Fotos.