Gentrifizierung in Hamburg

  • Gentrifizierung in Hamburg

    Mod: Beiträge aus BP außerhalb der Wallanlagen hierher verschoben.


    Und in 10 Jahren besteht die Schanze fast nur noch aus Eigentumswohnungen und die kreative Szene ist auch nicht mehr da, womit die Schanze zu einem durchschnittlichen Viertel voller langweiliger Vermögender wird. Naja, hab gehört, dass Teile von Rothenburgsort bei Künstlern immer beliebter werden.

  • (Aus BP außerhalb der Wallanlagen. Frl. Wegner: "Ich liebe dich, Donjon.")
    Oh Frl.Wegner.... endlich.



    @ DiggerD21: Die aktuelle Gentrifizierung des Schanzenviertels begeistert mich auch nicht. Dieser Stadtteil war aber ursprünglich bürgerlich und hat im Laufe der Zeit verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen. Die zentrumsnahe Lage begünstigt die aktuelle Entwicklung. Diesem Wandel sind weiter außerhalb gelegene Stadtteile nicht so stark ausgesetzt. Wer sich dem kreativen und meist knappen Broterwerb verschreiben möchte, muss sich mit diesem Verdrängungswettbewerb arrangieren.

  • Nagut, dann holt sich die Gentrifizierung halt die ursprünglich bürgerlich geprägten Viertel zurück. Allerdings greift sie bereits weiter: Mit der Zeit werden traditionelle Arbeiterviertel ebenfalls gentrifiziert. Die Anfänge dessen sieht man in Barmbek-Süd. Auf der Veddel wird es ja geradezu forciert mit dem Studentenansiedlungsprogramm.

  • Warum muss denn ie Veränderung IMMER nur schlecht sein?


    Da können alle von profitieren... Künstler suchen sich immer gerade das, was passt und bringen damit in andere Ecken auch leben.


    Die apokalytische Vorstelung, dass eines Tages kein Platz mehr für Künstler sei, halte ich für Humbug. Es wird immer Orte und Plätze und Statteile geben, die attraktiv sind.


    Was gestern die Schanze war, kann morgen schon Rothenburgsort und Vedel und Wilhelmsburg sein. Warum dann nicht übermorgen Fuhlsbüttel oder Harburg?


    Stadtteile entwickeln sich immer und erleben Hochs und Tiefs.


    Der Lauf der Dinge, der mir in letzter Zeit zu stark mit dem negativ besetzten Begriff Gentrifizierung abgetan wird, ist nichts dramatisches und nichts schlimmes.


    Ich finde viel eher dieses zutiefst konservative, verhaftetete, Besitzstandswahrende und eigentlich auch wider-der-Urbanität Verhalten einiger Personen aus Gängeviertel / Schanze / Pauli etc. schlimm.


    Stadt ist immer Veränderungsprozessen unterlegen. Ein Gebiet mit Nicht-Veränderungs-Gesetzen zu belegen, halte ich für falsch.


    Sicherlich muss man gewisse Regeln haben, die diese Heuschrecken-Immobilienwirtschaftler ein wenig in Zaum hält, aber wenn es Wanderungen gibt, sollte man diese nicht aufhalten.

  • Ich bin verlockt am Schreibtisch aufzustehen und zu applaudieren, denn ich sehe das ganz genauso.


    Die Aufwertung von Stadtteilen ist an sich eine gute Sache - mit den von Dir beschriebenen Einschraenkungen.


    Es wundert mich immer wieder sie 'spiessig' und 'wertkonservativ' das kreative und alternative Milieu auf einmal ist, wenn es um Veranderungen geht die von den betreffenden Personen ein Mindestmass an Flexibilitaet verlangen.


    Was ist denn schlimm daran, wenn die Schanze 2020 ein 'langweiliger' Familienstadteil ist, ein Art neues Eppendorf? Dann wird eben dafuer die Veddel bunter, junger, alternativer und hipper. Oder Barmbek-Sued. Oder sonstwo.


    Mich nervt ein wenig diese Grundhaltung, als koenne man nur in huebschen Altbauten und in 5 Minuten Fussweg vom Millerntor-Stadion trendy latent alternativ sein...

  • die Meinung kommt denke ich immer auf den eigenen Standpunkt (=Wohnort) an. Leute, die nicht davon betroffen sind, können leicht von Flexibilität reden, für leute, die betroffen sind, ist diese Ausdrucksweise ein Schlag ins Gesicht.
    man sollte mal sich streng selber prüfen, wie es wäre, wenn man tatsächlich selber von Neuplanungen in irgend einer Form betroffen wäre !


    ich habe in einem anderen Thread, hoheluft-tower, sehr schöne ausgleichende Worte gelesen, such ich beizeiten noch mal raus.

  • Ich kann beim besten Willen keinen 'Schlag ins Gesicht' erkennen, es sei denn einige Menschen empfinden das direkte Aussprechen einer Wahrheit, also einer sozialen und oekonomischen Realiteat, als Schlag.


    Fakt ist: Es gibt gewissermassen ein Menschen- bzw Buergerrecht auf bezahlbaren und 'anstaendigen' Wohnraum und es gibt mehr oder weniger einen gesellschaftlichen Konzens, dass eine gewisse soziale Durchmischung und innerhalb der Stadt und innerhalb von Stadtvierteln gewuenscht ist.


    Fakt ist aber auch: Es gibt kein Vorrecht eines Buergers an einem bestimmten bevorzugten Ort zu wohnen, sofern er oder sie nicht aus eigenen Kraeften in der Lage ist diese Wohnsituation zu finanzieren.


    Veranderung ist an sich ist der Lauf der Dinge und eine gewisse Anpassung an diese Veraenderungen (in welcher Form auch immer) ueber lange Zeitraeume hinweg ist m.E. jedermann zumutbar. Es gibt kein Grundrecht auf einen staatlich garantierten Status Quo.


    Die Anpassung kann ueber Wohnortverlagerung geschehen, muss sie jedeoch nicht. Ebensogut kann sie ueber Schaffung von Wohneigentum (z.B. mit staatlicher Hilfe) andere Wohnformen (WG's, andere Wohung im selben Viertel) und Aehnliches passieren.


    Ueberspitzt gesagt: Warum sollte z.B. ein im Handwerk berufstaetiger Familienvater mit Wohnsitz in Hamburg-Horn ueber seine Steuern gezwungen sein, die Wohnsituation eines Ehepaares in der Schanze indirekt zu subventionieren, wenn diese sich aus eigenem Einkommen keine Wohung in diesem netten zentral gegegenen Stadtteil leisten koennen? Waere es nicht eher ein 'Schalg ist Gesicht' (um in der Wortwahl zu bleiben) diesem Familienvater zu sagen, dass eine guenstigere Wohung dieses Ehepaars beispielsweise in Eimsbuettel 'unzumutbar' waere? Ich finde man darf diese Dinge nicht so eindimensional sehen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Midas () aus folgendem Grund: tippfehler

  • Die Aufwertung von Stadtteilen ist an sich eine gute Sache - mit den von Dir beschriebenen Einschraenkungen.


    So wie die "Aufwertung" in vielen Stadtteilen stattfindet, ist es eher ein Verdrängungsprozess. Geringverdiener (von denen es immer mehr gibt), werden immer mehr an den Stadtrand gedrängt. Das führt langfristig zu einer örtlichen Separierung von Gesellschaftsschichten, damit auch zu Ghettoisierung. Am Ende besteht die ganze Stadt aus langweiligen, weil monotonen Vierteln. Das kann nicht im Interesse der Stadtentwicklung sein. Warum wird "Aufwertung" in Hamburg fast immer durch den Bau teurer Eigentumswohnungen realisiert? Warum kann man Stadtteile nicht auch mit bezahlbarem Wohnraum aufwerten? Warum werden keine kleinen, aber dennoch bezahlbare Wohnungen in relativ zentraler Lage gebaut?

  • Hamburg sollte mehr sozialen Wohnungsbau betreiben. Wo geschieht das den in der Hafencity z.B.? Dabei meine ich keine wohnblöcke ausschließlich für Hartz IV Empfänger, sondern angemessene Wohnungen für Studenten, Geringverdiener oder Rentner. So wird es in Wien seit jahrzehnten praktiziert. Dort kann man zentral und günstig wohnen. In Hamburg werden geringverdiener oft an den Rand des kulturellen Lebens der Stadt gedrängt. Nur in München ist es noch schlimmer. Hoffentlich erklärt sich das berühmte hanseatische Mäzenatentum mal wieder bereit und investiert in solche projekte.

  • Der Bau von preiswertem Wohnraum scheint in Hamburg nicht erwünscht zu sein. Zu klären wäre die Frage, ob die Entscheider in der Politik oder in der Immobilienwirtschaft dafür verantwortlich sind.

  • Gentrifizierung in Hamburg

    Mod: Verschoben aus Gängeviertel Hamburg


    Der Spiegel berichtet über über die Künstlerinitiativen die das Gängeviertel und das Frappant betraffen auf einer Metaebene und berichtet über eine Künstlerinitiative.


    Dies betrifft auch weitere Altbauquartiere die aufgehübscht werden sollen.

  • Bei dem Artikel fiel mir spontan ein, "mag sein, aber warum gibt es diese Debatte über Gentrifizierung nur in Berlin und Hamburg, nicht aber in München und Stuttgart was wesentlich wohlhabendere Städte sind und wo schon der Begriff der Gentrifizierung dermaßen unbekannt ist dass die meisten erst einmal danach googlen müssen". Das fällt mir schon stark auf. Vielleicht weil man das in Süddeutschland nicht als "Bedrohung" sondern als "Chance" begreift? Ich komm nicht aus dem Norden, kann nur spekulieren. Dass es diese Debatte nun aber selbst in Hamburg gibt verwundert mich schon, von Hamburg hatte ich immer den Eindruck dass diese eine "Insel des Erfolgs" in der nördlichen Hälfte der Republik ist.

  • Laut Abenblatt-Bericht moechte die Stadt die Kuenstler eventuell in die Oberhafencity (eine neue Wortkreation) umsiedeln.


    Ehrlich gesagt, stoesst mir das ganze Gerede von der 'kreativen Stadt' und das auf Druck der GAL enstandene neue wollig-weiche- Hamburger Wohlfuehl-Leitbild namens 'Wachsen mit Weitblick' sauer auf.


    Ich habe nichts gegen guenstigen Wohn- und Arbeitsraum fuer 'Kuenstler'. Ich habe nichts gegen kreativ angehauchte und leicht alternative Modelle der Stadtentwicklung. Ich habe auch nichts gegen die Grundidee, Bildung und Wissenschaft staerker in den Mittelpunkt der Ausrichtung der Stadt zu stellen.


    Nur: Ich finde die Stadt muss erst ihre Hausaufgaben machen, dann kann man sich soetwas nettes leisten. Man koennte anders ausgedrueckt auch sagen: Erst die Pflicht, dann die Kuer.


    Es passt m.E. nicht zusammen, dass es an den wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt an allen Ecken und Enden broeckelt, aber im Ach-So-Kreativen bereich fleissig geplant wird. Der selbe Senat der auf der einen Seite mit Kuenstlern und Hausbesetzern Dialoge fuehrt und nach Loesungen sucht, behindert auf der anderen Seite gezielt und massiv Milliardeninvestitionen in die Wirtschaftskraft der Stadt: Das Kraftwerk Moorburg, die Hafeninfrasrtuktur, Moebel-Hoeffner, etc.


    Irgendwas passt hier nicht zusammen.


    Zu Hamburg-Muenchen: Im Gegensatz zu Hamburg ist Muenchen nebenbei eine Stadt die ihre wirtschaftlichen Hausaufgaben gemacht und ihre wichtigen Infrastrukturprojekte beizeiten auf den Weg gebracht hat. Da ist es fuer Hamburg noch ein langer Weg hin :-(

  • Laut Abenblatt-Bericht moechte die Stadt ...


    Zitat aus diesem Artikel:
    "Grundgedanke der Studie ist es, die Stadt nicht mehr länger nur unter wirtschaftlichen Aspekten zu betrachten, sondern nach Möglichkeiten zu suchen, wie sich Hamburg auch sozial, kreativ und kulturell entwickeln kann".


    Das alte Flora-Theater am Schulterblatt wäre für dieses nur ein gutes Beispiel...

  • Ich weiss nicht, wo man solche Diskurse hier im DAF unterbringen kann, denn im Kontext 'Gaegeviertel' wird es leicht Off-Topic.


    Aber gut. Die Studie schafft es wenn dem so ist ja schon in der Einleitung zu offenbaren, dass sie nicht neutral wissenschaftlich, sondern ideologisch-politisch motiviert ist. Die Aussage 'Grundgedanke der Studie ist es, die Stadt nicht mehr länger nur unter wirtschaftlichen Aspekten zu betrachten' offenbart doch den Standpunkt, dass Hamburg seitens der Stadt selbst bisher nur(!) unter wirtschaftlichen Aspekten zu betrachtet wurde.


    Ebendas ist voellig falsch, wie 30 Jahre 'kulturlastiger' Stadtpolitik belegen: Seit den 80er Jahren gab es da einen gehoerigen Paradigmenwechsel weg von ehemals wirklich eher rein oekonomisch orientierten Leitbildern und Entwicklungs-Ansaetzen: Von Hafenstrasse, und Flora, ueber die partizipativen und kleinteiligen Stadtteilsanierungen durch die STEG (nach Vorbild der Berliner STERN?), bis hin zu Leuchtturmprojekten wie der Elbphilharmonie beweisen das.

  • Ich weiss nicht, wo man solche Diskurse hier im DAF unterbringen kann, denn im Kontext 'Gaegeviertel' wird es leicht Off-Topic.


    Das hatte ich auch überlegt, vielleicht sollte man einen eigenen Thread aufmachen. Es kommen ja noch die Themen


    • Frapant
    • Flora
    • südliches St. Pauli
    • Ottensen


    hinzu, wo sich einiges bewegt /bewegt hat oder bewegen wird.



    Vielleicht kann mal jemand die Beträge verschieben.

  • Es passt m.E. nicht zusammen, dass es an den wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt an allen Ecken und Enden broeckelt, aber im Ach-So-Kreativen bereich fleissig geplant wird. Der selbe Senat der auf der einen Seite mit Kuenstlern und Hausbesetzern Dialoge fuehrt und nach Loesungen sucht, behindert auf der anderen Seite gezielt und massiv Milliardeninvestitionen in die Wirtschaftskraft der Stadt: Das Kraftwerk Moorburg, die Hafeninfrasrtuktur, Moebel-Hoeffner, etc.


    Das eine schliesst das andere doch nicht automatisch aus. Gute "Stadtmanager" schaffen alles: kulturelle, soziale UND wirtschaftliche Förderung. Ich möchte nicht, dass Hamburg zu einer Spießerstadt wird (was ja das Klischee von München ist). Aber natürlich möchte ich auch nicht, dass Hamburg so arm wie Berlin wird.


    Bayer: lass mal die dünn besiedelten Gebiete und den Stadtrand Hamburgs weg. Was übrig bleibt, könnte schon in etwa der Situation in München entsprechen. Obwohl andererseits: Hat München vergleichbare Viertel wie St.Pauli, Sternschanze, Lange Reihe? Und ja, Hamburg ist sowas wie der leuchtende Stern in der ach so trostlosen norddeutschen Landschaft. Komm doch mal hoch und schau es dir selber an.

  • bayer : wie kommst du darauf, dass Muenchen oder Stuttgart reicher waeren als Hamburg ? Das duerfte wohl auf den genauen Indikator ankommen, den man zum Vergleich heranzieht, finden laesst sich da sicherlich seitenweise Material pro und contra, aber als eindeutig wuerde ich das nicht betrachten.


    Aber davon abgesehen finde ich es gerade positiv an der buergerlichen Schicht in Hamburg, dass man hier eine gewisse Sympathie fuer Querdenker und "Aussteiger" hat, was hab ich davon, wenn St. Pauli oder die Schanze bald genauso aussehen wie Eppendorf oder Winterhude ? Zum Glueck zeigt sich in Hamburg ja, dass dieser Mix durchaus mit wirtschaftlichem Erfolg einher gehen kann. Dass man sich trotzdem reibt ist ja klar, und dass die "Kreativen" alle 10 Jahre weiterziehen muessen wird sich denke ich auch nicht verhindern lassen, hoechsten vielleicht verzoegern. Selbst Eppendorf war ja mal Hip, manch einer errinert sich vielleicht noch :)