Dom-Römer-Areal: die Planung

  • Zu Geschichte und Architektur von Hof Rebstock am Markt siehe dieser Wikipedia-Artikel (von mir, noch nicht ganz fertig im Architekturteil):


    http://de.wikipedia.org/wiki/Hof_Rebstock_am_Markt


    Die Dreysse-Studie gibt es hier:


    http://www.stvv.frankfurt.de/parlisobj/B_509_2006_AN1.pdf


    Da diese frei verfügbar ist, erlaube ich mir mal, ein daraus entnommenes Foto mit Kommentaren zur Verdeutlichung zu verwenden:



    In Rot die Häuser, deren Rekonstruktion ziemlich sicher ist, in blau die, wo wir wahrscheinlich zeitgenössische Architektur erwarten dürfen. Markt 8 wäre aufgrund der Ensemblewirkung sicher ein Rekokandidat, war aber andererseits eine typische Mietskaserne aus dem ersten Jahrfünft des 19. Jahrhunderts, also mit Abstand einer der kunsthistorisch am wenigsten bedeutsamen Bauten des Areals.

  • Ein kleines städtebauliches Wunder zur Osterzeit :)


    Man möge mir vergeben wenn ich die Antwort in RMAs hervorragendem Artikel übersehen haben sollte, aber wieso wurde das Eckhaus denn Mitte der 20er verputzt, es ist doch recht offensichtlich auf Sicht ausgelegt?


    Ich hoffe, dass man diesen Zustand bei der Rekonstruktion wiederherstellt, zuzüglich natürlich der Braubachstraßenfassade von 1940. Ob diese wohl unter dem Putz in ihrer Konstruktion der Längsseite angepasst war?

  • Die Antwort steht tatsächlich im Artikel:


    Zitat

    Das auf Bildern zu erkennende Fachwerk war ein im Historismus beliebtes, nur aufgemaltes Fantasiefachwerk und entstammte stilkritisch der Zeit um 1870/80.


    Das Haus hat klassizistische Fenster. Das ursprüngliche Fachwerk dürfte schon bei Umbauten des 18., spätestens aber beim Einbau der Fenster im frühen 19. Jahrhundert völlig verdorben worden sein. Da keine älteren Abbildungen des Hauses existieren, und man entgegen einem existierenden Fachwerkbau auch nicht anhand der Sassen in Rähmen, Schwellen und Pfosten mehr das ursprüngliche Fachwerk extrapolieren kann, halte ich ich hier die Rekonstruktion eines klassizistischen, rein konstruktiven und dann wieder zu verputzenden Fachwerks für geboten. Wenn das Ding eh nicht in "Frankfurter Betongotik" (Zitat Walter Sage) daherkommt. Das dürfte auch für Herrn Jourdan am ehesten zu lösen sein. ;)


    P.S.: Wieso man dem bereits jetzt einen Auftrag erteilt, aber z.B. Fachleute für das Areal, die seit Jahren Arbeit da rein stecken, wie Jörg Ott mit seinem Altstadtmodell oder Dominik Mangelmann mit seinen Arbeiten zu den Fachwerkbauten – muss man nicht verstehen, oder? Oder qualifiziert das Erstellen des Hochhausrahmenplans für die Arbeit auf dem Dom-Römer-Areal?

  • Aktuelle Pressemitteilung:


    [INDENT]Nutzungskonzept für das Dom-Römer-Areal ist in Arbeit - Bürger können in Frankfurts Altstadt investieren


    (pia) Seit Beginn der Abrissarbeiten am Technischen Rathaus erreichen die DomRömer GmbH Anfragen von Bürgern, die sich im Zuge der Neubebauung des Dom-Römer-Areals für die Nutzung oder den Kauf eines der künftigen Gebäude interessieren. "Wir sammeln diese Anfragen und setzen uns mit jedem einzelnen Interessenten persönlich in Verbindung, um dessen Wünsche und Möglichkeiten zu besprechen", sagt Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der DomRömer GmbH. Unter den Interessenten seien auch solche, die eventuell ein bisher nicht für die Rekonstruktion vorgesehenes Haus rekonstruieren wollen.


    Derzeit werde geprüft, welche weiteren Häuser noch originalgetreu wiederhergestellt werden könnten, weil bisher nur für einen Teil der Gebäude historische Baupläne vorliegen. Eine Aussage über Baukosten kann daher derzeit noch nicht gemacht werden. Klar sei jedoch, dass die Rekonstruktionen erheblich teurer sein werden als konventionelle Gebäude. Bis Ende Mai werde auch mehr Klarheit über die Kosten für die Grundstücke bestehen, die in Erbpacht vergeben werden, so Guntersdorf. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kursierende Zahlen über Bau- und Grundstückspreise seien mit der DomRömer GmbH nicht abgestimmt, und sollten bestenfalls als grobe Schätzungen betrachtet werden, empfiehlt der Geschäftsführer.


    Parallel zur Masterplanung erarbeitet die DomRömer GmbH derzeit ein Nutzungskonzept für das gesamte zu bebauende Dom-Römer-Areal, das voraussichtlich in der zweiten Aprilhälfte vorlegt werden kann. Ausgehend von einer überwiegend gewerblichen Nutzung der Erdgeschosse muss ein verträglicher Nutzungsmix gefunden und einzelnen Objekten zugeordnet werden. Auch in ersten Obergeschossen wird eine gewerbliche oder freiberufliche Nutzung möglich sein, die anderen Geschosse bleiben dem Wohnen vorbehalten. Nach Abriss des Technischen Rathauses wird voraussichtlich im Frühjahr des Jahres 2011 mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen.[/INDENT]

    Quelle: Stadt Frankfurt am Main - Presse- und Informationsamt

  • Die FR berichtet aktuell über den ersten Baggerbiss und den Start des Abrisses, garniert mit einigen auch historisch verbrämten Sätzen der Oberbürgermeisterin Petra Roth. Leider ist es mir nicht vergönnt, den Abriss dieser Scheußlichkeit anders zu verfolgen als über die Bilder hier im Forum.


    Das Roth'sche Zitat "ein altes Herz mit frischem Blut" möchte ich aufgreifen und insbesondere mit Verweis auf Schmittchens Beitrag #93 fragen, wie viel von dem alten Herz denn wieder transplantiert wird bzw. wie denn aktuell die Gesamtbilanz hinsichtlich der Häuser aussieht, welche zur Rekonstruktion vorgesehen sind? Es scheint ja die erfreuliche Entwicklung zu geben, dass die Zahl der originalgetreu wiederaufgebauten Gebäude sich nach oben entwickelt. Hat jemand griffbereit, wie es im güntigsten Falle aussieht? Dann vielen Dank im Voraus für die Info, ansonsten würde ich hier in diesem Strang einmal "maikäfern" und versuchen, die Informationen zusammenzutragen.

    Einmal editiert, zuletzt von jo.ker () aus folgendem Grund: Rechtschreibfehler entfernt

  • Den aktuellen Stand habe ich anlässlich des letzten Altstadt-Forums mal anhand der Dreysse-Studie visualisiert:



    (Klicken zum Vergrößern)


    Wer sich nochmal die einzelnen Häuser zu den Nummern angucken will, hier gibt es die Dreysse-Studie:


    http://www.stvv.frankfurt.de/parlisobj/B_509_2006_AN1.pdf


    Dies ist natürlich noch nicht der "günstigste" Fall, da es meines Wissens weitere private Investoren gibt, die durchaus ein konkretes Interesse haben, dieses aber aufgrund der gegenwärtig noch immer etwas nebulösen Lage nicht öffentlich bekannt geben möchten. Ich vermute mal, wenn die Dom-Römer GmbH mehr Infos zur praktischen Umsetzung des Ganzen bekannt gibt, werden diese aus dem Schatten treten.


    Auch ist eine Reko des Neuen Roten Hauses (Nr. 41) statisch gar nicht ohne die 43 und 46 möglich, wenn man sich nicht mit einer Stahlkonstruktion lächerlich machen möchte. Insofern bleibt auch da noch manche Frage offen.

  • Vielen Dank, RMA, für die Visualisierung. Nimmt man jedes angestrebte, projektierte oder vorgeschlagene Haus für voll, wären wir bei 17 Voll oder zumindest Fassaden-Rekonstruktionen. Das hätte ich mir, ehrlich gesagt, nie träumen lassen, als die Diskussionen zur Altstadt begannen. Wenn Nr. 21 - 24 noch dazukämen (das Eckhaus Neugasse trägt keine Nummer), würde ein nahezu komplettes Hühnermarkt-Ensemble wiederentstehen - das wäre natürlich großartig!

  • Zu einem wirklich "historischen" Hühnermarkt wird es wohl kaum kommen, da die 21 und 22 klassizistische Neubauten waren, die man selbst in den klassizistisch gestimmten 1930ern als derartige Fremdkörper empfand, dass man die 22 1935 kurzerhand abriss und durch einen Neubau mit Erker im Heimatstil ersetzte (vgl. die von mir verlinkte Dreysse-Studie).


    Die beste Darstellung des Hühnermarkts in seinem vorklassizistischen Zustand hat Salomon Kleiner geliefert, der Frankfurt am Main 1725 besuchte und die Ansichten als Kupferstiche des Nürnberger Kupferstechers Georg Daniel Heumann 1738 in Augsburg unter dem Titel "Das florirende Franckfurth am Mayn" vertreiben ließ. Dieses heute wohl gesuchteste Ansichtswerk der Stadt im 18. Jahrhundert konnte ich vor einiger Zeit noch vergleichsweise günstig erwerben und stelle es nun nach und nach auf Wikimedia Commons ein. Hier die Ansicht des Hühnermarkts:


    http://commons.wikimedia.org/w…u_Franckfurth_am_Mayn.jpg


    Kleiner hat zwar vieles "barock" idealisiert (man beachte etwa den Domturm im Hintergrund), aber hat architektonische Details ansonsten äußerst detailliert wiedergegeben. Wir erkennen auf der Parzelle von Nr. 22 zwei zusammengewachsene Häuser mit hohen Ständerhallen in den Erdgeschossen, vor allem aber einem kleinen, "nürnbergerisch" wirkenden Erker, der wohl Anhaltspunkt für den Erker des Baus in den 1930er Jahren war! Interessant auch das Nachbarhaus, in den Einzelformen wohl drittes Viertel 16. Jahrhundert mit evtl. im frühen 17. Jahrhundert verändertem Dach.


    Paradoxerweise könnte es nun aufgrund der Gestaltungssatzung dazu kommen, dass evtl. interpretierende Neubauten wieder mehr den genannten gotischen Vorgängerbauten nahe kommen als den klassizistischen Neubauten. Häuser, die wie die klassizistischen Neubauten gestaltet waren, sind meines Wissens nach der Gestaltungssatzung zumindest am Hühnermarkt gar nicht möglich (schon was die Materialität, Dächer und Traufhöhen angeht).


    @ sweet_meat: Glauburger Hof ist eine Untermenge des Nürnberger Hofs. Er bezeichnete den südlichen, einst eigenständigen Teil des historischen Nürnberger Hofs, bevor dieser mit dem sog. Schmidt-Hof, dem einst eigenständigen nördlichen Teil im 15. Jahrhundert vereinigt und ab dato Nürnberger Hof genannt wurde.


    Die Nr. 6 war eine Interpretation des Renaissance-Hauptgebäudes des Nürnberger Hofs, etwas zurückgesetzt sogar fast auf dessen ehemaliger Parzelle, auf diesem Bild ganz gut zu sehen, das 1904–06 beim Braubachstraßendurchbruch zerstört wurde:


    http://commons.wikimedia.org/w…gerhof_innere_Ansicht.jpg


    Zur Orientierung: die auf dem Bild rechts zu sehende Spitzbogendurchfahrt ist die, durch die man noch heute von der Braubachstraße zum Markt gelangt. Und ja, die Nr. 6 war neben dem Kaufhaus Wronker wohl das bedeutendste Bauwerk des Reformstils in Frankfurt am Main überhaupt.

  • Leider sieht die Gestaltungssatzung meiner Erinnerung nach traufständige Dächer und ich glaube auch Lochfassaden für die Hühnermarkt-Ostseite vor. Sehr schade eigentlich, hätte hier man doch tatsächlich die Möglichkeit den Vorkriegszustand zu "verbessern". Schildknecht und Flechte (Nr 23 und 24) sind dagegen in meinen Augen absolute Pflichtrekonstruktionen, genauso wie das Haus zu den 3 Römern (Nr 34), das aber leider durch den furchtbaren Kunstverein beeinträchtigt wird, und die angesprochenen 43 und 46, denen derzeit der Tisch im Weg steht. Diese 5 noch zusätzlich zu den bereits markierten, und ich wäre weitgehend zufrieden, so denn noch ein paar weitere Gotik-Fassaden vor allem an der Markt-Nordseite (Nr 19, 20 und 28-33) großteils am Vorkriegszustand orientiert wiedererstehen und sich auch die sonstigen Nicht-Rekos gut einfügen.

  • Danke auch von mir für die Visualisierung, RMA. Ich hoffe auch, dass sich noch einige Privatinvestoren finden, die sich für die Rekonstruktion der Häuser begeistern können. Wenn ich das Geld hätte, würde ich mir ernsthaft überlegen, eines der Grundstücke zu erwerben und ein Haus wiederaufzubauen. So ein unverwechselbares und historisch dokumentiertes Haus in der Innenstadt fände ich wesentlich reizvoller, als einen zweckmäßigen Wohnbau aus der Retorte. Hoffentlich gibt es genug Menschen, die das sehen wie ich, aber andere finanzielle Möglichkeiten haben :).

  • Achtes Haus soll rekonstruiert werden

    Habe eben auf faz.net einen Artikel über den Weideraufbau des Areals gefunden, der bestätigt das nun das achte Gebäude rekanstruiert werden soll.
    Viel neues enthält der Bericht nicht, er ist vorallem eine Zusammenfassung des Begins der Abrucharbeiten.


    Ich wollte Ihn Euch trotzdem nicht vorenthalten, vorallem weil er 'ne aktuelle Infografik über den offiziellen Stand der Dinge enthält (in der auch die Schirn enthalten ist):
    http://www.faz.net/s/RubFAE83B…Tpl~Ecommon~Scontent.html


    Die Infografik:
    http://www.faz.net/m/%7BD9655C…18A28AE99E5%7DPicture.jpg


    Quelle: http://www.faz.net/

  • Es sind schon noch weitere Neuigkeiten in dem Artikel enthalten:


    • Zuerst soll das Stadthaus errichtet werden. Beginn für die Überbauung des Archäologischen Gartens ist für September 2011 geplant. Im März 2013 soll das Stadthaus eröffnet werden. Die überarbeiteten Planungen des vier Preisträger sollen noch vor der Sommerpause vorliegen.



    • Noch im gleichen Monat, März 2013, soll die Bebauung der 29 Parzellen beginnen.



    • Laut Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH wird der östliche Ausgang der U-Bahn-Station nun definitiv nicht in der Goldenen Waage platziert. Rolltreppe und Treppe sollen statt dessen im Erdgeschoss des gegenüberliegenden Hauses enden. Also in dem Gebäude, das an Position 18 auf dem Dreysse-Plan stehen soll. An dieser Stelle (Markt 8) stand der Große Rebstock, hier das betreffende Blatt der Dreysse-Studie.



    • Das im Artikel erwähnte achte Haus ist die Braubachstraße 21, dazu oben Beitrag #93.
  • Keine Rekonstruktion der Königshalle

    Unabhängig von der Diskussion um Art und Anzahl der zu rekonstruierenden Altstadthäuser beschäftigen auch andere mit diesem zentralen Ort verbundene Themen die Stadtverordneten.


    Wie in einem Artikel der FNP zu lesen ist, lehnt die Regierungskoalition aus CDU und Grünen einen Wiederaufbau der Königshalle auf dem Areal des Archäologischen Gartens ab. Die von den Freien Wählern vorgeschlagene Errichtung der Kaiserpfalz in Form eines den alten Dimensionen entsprechenden Ensembles nannte die Vorsitzende des Dom-Römer-Ausschusses, Heike Hambrock (Grüne), "indiskutabel".

  • ^^
    was m.E. auch richtig ist! Ich bin zwar ein Rekobefürworter wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind wie ausreichende Dokumentation (was ja hier nicht der Fall ist) oder wenn kein zwischenzeitlich gebautes Baudenkmal zerstört werden muss.
    Aber ein Gebäude sollte vor allem noch einigermaßen im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung verhaftet sein (Dresdner Frauenkirche, Rathaus Wesel, Schloss Herrenhausen um einige Beispiele zu nennen - also erst vor max. 70 Jahren zerstört), um eine Reko zu rechtfertigen. Etwas aufzubauen, was seit x Generationen vergessen ist, halte ich dann doch für übertrieben und erinnert mich an die pseudo-mittelalterliche Wiederherstellung von Burgen im 19. Jh. Meine Argumentation beinhaltet natürlich, dass jetzt in ganz Deutschland mal schnell mit den Rekos begonnen werden sollte, bevor es zu spät ist.

  • Nach Ansicht von Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH, können bis zu 23 Gebäude originalgetreu rekonstruiert werden. Das schreibt die FNP. Die übrigen seien nicht hinreichend dokumentiert.


    40 Interessenten für Häuser auf dem Dom-Römer-Areal gibt es inzwischen. Die meisten davon möchten Altstadthäuser rekonstruieren.

  • Gebäude der Kategorie "nicht originalgetreu rekonstruierbar" könnten doch allerdings ohne Weiteres auf eigenes Gutdünken von den zukünftigen Bauherren "rekonstruiert" werden, zB. was die Fassade betrifft, falls dies von den Bauherren gewünscht wird - denn die Gestaltung der Nicht-Rekonstruktions-Gebäude wird zwar wohl einen Rahmen erhalten - eine Fassade à la Ursprungshaus wird dabei jedoch sicherlich nicht davon ausgeschlossen sein.

    Einmal editiert, zuletzt von Andi_777 () aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • Es ist natürlich in der Tat die Frage zu stellen, was man unter "hinreichend dokumentiert" versteht. Die Frage habe ich Herrn Guntersdorf auch persönlich im vorletzten Dom-Römer-Ausschuss gestellt, aber nur eine typische, kryptische "Politikerantwort" erhalten.


    Vor allem auf meinen Hinweis, dass in der Römerberg-Ostzeile, vom Großen Engel einmal abgesehen, keinerlei Planunterlagen vorlagen, die über das hinausgehen, was man für sämtliche Gebäude des Dom-Römer-Areals als Minimum besitzt (also Entwässerungspläne für die Grundrisse, Treuner-Skizzen für die Fassaden sowie Farbfotografien bezüglich der farblichen Gestaltung), ist man nicht weiter eingegangen.


    Insofern ist die Frage zu stellen, ob man nun tatsächlich einen höheren Anspruch bei der Rekonstruktion anstrebt als vor 30 Jahren, oder es anbetrachts der Anzahl an Interessenten für eine Rekonstruktion schlicht politischen Willensträgern gegen den Strich ging oder geht, dass nun doch mit einer so großen Anzahl von Rekos zu rechnen ist, und auf dem Wege der vermeintlichen Unmöglichkeit eine Deckelung erreicht werden soll.

  • Guntersdorf ist kein Politiker. Dein Spürsinn für Intrigen aller Art in Ehren, RMA, aber warum sollte Guntersdorf dann 23 Gebäude nennen? Das ist ja eine verhältnismäßig hohe Zahl (mit der man vor nicht langer Zeit einvernehmlich zufrieden gewesen wäre). Wäre es nicht plausibler, wenn er dann insgesamt nur 10 oder 12 Häuser für möglich halten würde?


    Weitere Neuigkeiten: Das geplante Stadthaus wird sehr viel kleiner! Nach der Überarbeitung werden von den 4.000 Quadratmetern Fläche aus dem Architektenwettbewerb gerade noch 730 Quadratmeter übrig bleiben. Nur noch zwei Etagen sind geplant, nämlich ein sechs Meter hohes Geschoss über den Ausgrabungen und eine Etage darüber für repräsentative Veranstaltungen. Das Gebäude soll die rekonstruierte "Goldene Waage" nicht überragen. Wie beabsichtigt sollen die überarbeiteten Entwürfe bis zur Sommerpause vorliegen. Das schreibt die FR an dieser Stelle.


    Das klingt doch schon mal sehr viel vernünftiger als die noch im Wettbewerb gestellten Vorgaben. Auch gut, dass bei der gestrigen Sitzung des Sonderausschusses Dom-Römer der Antrag abgelehnt wurde, das Stadthaus als "kritische Rekonstruktion einer Aula Regia" auszuführen (siehe auch #94). Angesichts der antragstellenden Fraktion war das auch nicht anders zu erwarten.


    Edit nach RMAs Beitrag: Der letzte Satz ist missverständlich. Besser wäre gewesen, diesen so fortzusetzen: ".., weil deren Anträge regelmäßig unbesehen von der Mehrheit der anderen Stadtverordneten abgelehnt werden".

  • Mit den Antrag haben sich die BFF echt ins Knie geschossen, okay. Ansonsten haben sie aber in der Vergangenheit oft Anträge gebracht, die teils von weit größerem Sachverstand geprägt waren als die vieler anderer Fraktionen im Römer. Insofern sollte man sie nicht pauschal verurteilen.


    Die Neuigkeiten zum Stadthaus sind in der Tat erfreuliche. Sehr viel wird jetzt m. E. von der Dachgestaltung abhängen, wo wohl keiner – das wurde ja in der Vergangenheit selbst im Ausschuss betont – den "Dresden-Effekt" haben möchte, wo man von der Frauenkirche auf gefakete Mansarddächer mit Klimaanlagenaufsätzen guckt.