Der Altstadt-Salon

  • ^ Ohne dass jetzt eine Stadt gegen eine andere ausgespielt wird - auf dem ersten Foto hier sieht man links von der Großbaustelle einige jener Zeilen früher Nachkriegszeit, von den hier im Unterforum immer wieder die Rede war, dass sie irgendwann Besserem weichen könnten, dem Technischen Rathaus folgend. Sie sehen aus der Nähe genauso eintönig aus wie von einem Hochhaus gesehen - weiter rechts wird es ja besser.

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  • tunnelklick: München, Nürnberg, Heidelberg, Wiesbaden, Leipzig, Limburg, Görlitz, ... soll ich fortfahren? Die haben zwar keinen Maintower, aber aus 200m Höhe würden sie allesamt eine um Welten bessere Figur abgeben als die Trostlosigkeit die sich in Frankfurt Innenstadt (=Altstadt + Neustadt) schimpft.

  • Nürnberg, schön zentral, Ecke Breite Gasse/Heidengasse macht auch nichts her.


    München - Reinzoomen so dass unten links die Schmidtstraße, oben die Kaufingerstraße liegt - für eine Stadt fast ohne Kriegszerstörung sind das ganz schön viele Flachdächer oder knappe Tarnungen derselben in Kupfer.


    Heidelberg sieht so aus wie heile Welt. Die haben alles nach Handschuhsheim gebaut, was in den 60ern und 70ern so angefallen ist. Siehe dann dort.


    Leipzig - 40 Jahre Verfall und dann, weil keine neue Belegung der Flächen stattgefunden hat, Rekonstruktionen, koste es was es wolle. Ja, so kann man das machen, wenn man 40 Jahre lang auf wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Staates verzichtet - dann gibt es weniger Veränderungsbedarf und wenn die Mode umschlägt ist noch was zum wiederherstellen übrig.


    Görlitz - ich liebe Görlitz, aber ich war halt schon 1993 ein paar Wochen dort - und das war und ist das Ende der Welt. Wirtschaftliche Relevanz keine, sobald die Leute nicht mehr zwangsweise dort bleiben mussten fiel die Bevölkerungszahl von rund 80000 auf 20000 Menschen und seither ziehen dort Wessi-Rentner hin, weil das Leben an der polnischen Grenze so viel günstiger ist, als im Westen. Natürlich wollen die im Schmuckkästchen leben - aber frag mal, was los ist, wenn ein Betrieb dort ein paar hundert Quadratmeter Bürofläche braucht... Das ehemalige Hotel Victoria ist voll und wenn man hinschaut, entstehen beispielsweise östlich und westlich vom Postplatz hinter netten Fassaden Flachdach- und Glasdachkonstruktionen, die du beim hinschauen vermutlich schon ausblendest ohne nur drüber nachzudenken.


    Schaut doch lieber, was in Frankfurt alles geht obwohl es die deutsche Stadt ist, die sich am schnellsten verändert, statt bei jedem positiven Ansatz gleich mit fundamentalistischen Rekonstruktionsträumen zu erklären, dass das alles sowieso nichts taugt. Ihr werdet die Berliner Straße nicht auf den Stand der Schnurgasse zurückbauen können und einen Rückbau der Braubachstraße wird auch niemand umsetzen, so schön der Paulsplatz zuvor auch gewesen sein mag.


    Und obendrein: Ich bin mir sicher, dass diejenigen, die die Kammbauten der Berliner Straße gebaut haben, das nicht gemacht haben, weil sie die so hässlich fanden. Die waren darauf mindestens so stolz, wie die Altstadtrekonstrukteure es heute auf ihre Leistung sind. Egal was der Rest der Welt meint.

  • Deutsche Städte von oben

    [FONT=&quot]Der Altstadt-Salon[/FONT]

    [FONT=&quot]^[FONT=&quot] [/FONT]Mehr solche Beiträge braucht Frankfurt, den Denkmalschutz derzeitiger Prägung wird es freuen.[/FONT]

    [FONT=&quot]Die “Kammbauten“ z. B., oder der ehemalige Rechnungshof werden durch den Stolz der Erbauer [/FONT]
    [FONT=&quot]nicht schöner oder passender für dieses Altstadt-Gebiet.[/FONT]

    [FONT=&quot]Wir hier werden natürlich die Berliner Straße nicht auf den Stand der Schnurgasse zurückbauen
    können und den Paulsplatz wieder bebauen. Aber die Verantwortlichen im Römer können es in [/FONT]
    [FONT=&quot]angemessener und vertretbarer Weise, wenn sie denn nur wollen! [/FONT]

    [FONT=&quot]Auch die Erbauer (und die Auftraggeber) z. B. der Schirn, des Tisches, des alten und des neuen [/FONT]
    [FONT=&quot]Historischen Museums und des Kubus des Kunstvereins, des MMK, des ehemaligen Technischen [/FONT]
    [FONT=&quot]Rathauses, waren und sind natürlich stolz auf ihre Werke, keine Frage.[/FONT]
    [FONT=&quot]Ebenso wie die Befehlshaber der Bombergeschwader.
    [/FONT]
    [FONT=&quot]
    [/FONT]

  • Warum werden dann keine Menschen in solche Funktionen gewählt, die dort so wie Du es gerne hättest, agieren?


    Könnte es sein, dass für die Mehrheit der Frankfurter - nicht nur die, die an Umfragen zur Altstadt teilnehmen sondern die restlichen paar Hunderttausend - andere Schwerpunkte wichtig sind?


    Und könnte es vielleicht sein, dass bestimmte Gebäude zu bestimmten Zeiten vollkommen richtig sind, auch wenn sie zuvor und einige Zeit später am gleichen Ort, für andere Menschen keinen Sinn mehr ergeben?


    Hätte man die Berliner Straße nicht bauen sollen? Hättest Du unter den Rahmenbedingungen der direkten Nachkriegszeit keinen (für damalige Vehältnisse) hochwertigen Wohnraum im Bereich der Innenstadt bauen wollen, während dort kaum noch bewohnbare Häuser standen?


    Ist nach Deinem Verständnis der Bedeutung der Altstadt, der Bau der Braubachstraße zu rechtfertigen - hier wurden unbeschädigte Bestandsbauten abgerissen?


    Und was ist, wenn man schon eine den Veränderungen der lebendigen Stadt entzogene Zeitkapsel baut, der richtige Zeitpunkt, für die Schnappschüsse, die dort abgebildet werden? Wieso kein Rückbau des Römers auf den Stand von 1900, wo das doch die Erscheinung war, die das Gebäude über den längsten Teil seines Bestands hatte? Wer sagt, dass der Gründerzeitler an Stelle X besser oder wichtiger ist als das was hundert Jahre lang davor dort gestanden hatte? Wie weit muss man rekonstruieren, bis jeder aus Überzeugung sagt, dass der erreichte Stand jetzt gut ist - und nicht aus Überdruss an weiteren Diskussionen, Um- und Rückbauten?

  • Da kann er sich wenden wie er will, eine derart trostlose Innenstadt wie Frankfurt mit dieser Unmenge an vorstädtischen Zeilenbauten gibt es leider tatsächlich nur in Frankfurt, selbst die Innenstädte von Köln und Stuttgart wirken zumindest urbaner. Und auf irgendwelche kleinen Abschnitte irgendwo reinzoomen ist ja nun wirklich nur noch lachhaft.


    Mit Xalinai mit seiner extrem eingefahrenen Meinung zum Thema Altstadt zu diskutieren ist vergebene Liebesmüh, wenn es nach ihm ginge stünden immer noch das technische Rathaus und das alte historische Museum. Von daher nur eins: Mir ist nicht bekannt, dass der Planungsdezernent direkt gewählt würde.

  • Man darf allerdings nicht vergessen, dass die Kammbauten bzw. Wohnriegel preiswerten Wohnraum darstellen. Das kann man von der neuen Altstadt nicht sagen, wenn man sich die aufgerufenen Quadratmeterpreise anschaut. Ein Abriss der Wohnriegel nur weil die Architektur einen stört würde die Preise für Wohnraum in diesem Gebiet stark erhöhen. Dieser Anstieg würde die Verdrängung beschleunigen und damit zu Protesten führen. Genau davor hat jeder Frankfurter Politiker im Moment bammel. Lebensqualität bestimmt sich nicht nur aus der Architektur, sondern auch darin das Menschen es sich leisten können.

  • Lebensqualität bestimmt sich nicht nur aus der Architektur, sondern auch darin das Menschen es sich leisten können.


    Da muss ich widersprechen. Architektur zieht bestimmte Menschen an...oder auch nicht. Das beeinflusst die Lebensqualität einiger Menschen sehr wohl. ;)


    Zu welchen Protesten würde die Verdrängung in der Innenstadt führen? SFA Chaoten? Die Innenstadt ist in der Tat für alle da und nicht nur für diejenigen die seit den 60gern dort günstig wohnen.

  • Die Lebensqualität eines Quartiers wird primär geprägt von Architektur auf der Grundlage der städtebaulichen Vorgaben. Es gibt aktuell Bauvorhaben in der Frankfurter Innenstadt, die Schwierigkeiten im Genehmigungsverfahren haben, weil sie bei geringerer Dichte, Enge, Höhe und mangelhafter Belichtung wie der Altstadtbezirk die "Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse" nicht erfüllen, will sagen, was die Altstadt sich an baulicher Dichte leistet wird andernorts als baurechtswidrig angesehen; ob das Lebensqualität auf Dauer wahrt, muss sich erweisen. Kuschelige Dichte allein machts nicht.

  • Das liegt an den leider immer noch völlig weltfremden gesetzlichen Vorgaben für die Maße der baulichen Nutzung. Geprägt noch immer von den Irrlehren der Charta von Athen ("aufgelockerte Stadt", "autogerechte Stadt" und sonstiger Blödsinn) und seitdem immer noch auf die Anpassung an anständige Werte wartend, sind insbesondere die Anforderungen an Abstandsflächen und die Geschossflächenzahl in der Regel derart urbanitätsfeindlich, dass dann gerne solche Idiotien bei herumkommen. Bei den Politikern fehlt das Wissen, und in den Amtsstuben traut man sich leider noch viel zu selten, diese Unsinns-Vorgaben zu korrigieren oder wenigstens zu ignorieren.
    Geht man streng nach diesen gesetzlichen Vorgaben müsste man ausgerechnet die mit Abstand attraktivsten Quartiere jeder Stadt, nämlich die Altstädte und Gründerzeitviertel komplett dem Erdboden gleichmachen und durch endless Suburbia ersetzen. Welche Art der Bebauung aber die höhere Lebensqualität aufweist (und auch generell die mit Abstand nachhaltigere Bauweise ist), sollte hoffentlich unstrittig sein.

  • ^ Dann war wohl nach Deiner Lesart die Judengasse so ziemlich das attraktivste, was der Frankfurter Städtebau an Urbanität und Lebensqualität hervorgebracht hat, oder? Und Gründerzeitviertel sind nicht per se dicht bebaut, großer Irrtum, sie beziehen ihre Attraktion u.a. daraus, dass sie gegenüber den Altstädten gerade weniger dicht bebaut sind. Der wesentliche Grund für ihre Akttraktivität heute ist die als wohltuend empfundene Proportion zwischen Straßenbreite und Gebäudehöhe. In der Zeit zwischen 1850 und 1914 sind die Straßen in Frankfurt breiter und die Gebäudeabstände sukzessive größer, d.h. die bauliche Dichte geringer geworden. Gerade in der Ära Adickes wurde die Dichte deutlich verringert. Man kann das an den Abstandsvorschriften aller Bauordnungen seit 1809 exakt ablesen. Wie doof waren denn die von Bürokraten geknechteten Bauherren der Gründerzeit, dass sie nicht mehr dem Ideal gothischer Altstädte gefolgt sind?

  • ^ Also die Judengasse hier als Bsp. anzuführen ist ein bisschen daneben. Und etwas einseitig zu deinen Gunsten argumentierst du auch: die Gebäude waren höher und haben auf einer vergleichbaren Grundfläche mehr Wohnfläche, nur mal so angemerkt.

  • ^ Finde ich nicht. Die Bebauung der Judengasse war so ungefähr das dichteste, was man sich an Bebauung vorstellen konnte. Wenn Rohne argumentiert, Abstände und geringere GFZ seien urbanitätsfeindlich und dichtere Bebauung führe zu höherer Lebensqualität, heißt das im Umkehrschluss, dass die dichteste und geschlossenste Bebauung die höchste Lebensqualität erzeugt. Mein Verweis auf die Judengasse will nur belegen, dass dem nicht bzw. nur bis zu einem bestimmten Maß so ist, denn unzweifelhaft war die Lebensqualität in der Judengasse trotz hoher baulicher Verdichtung nicht gut, sondern eher schlecht. Mein Argument ist, dass die schematische Verknüpfung und Übersetzung von etwas sehr materiellem wie der objektiv meßbaren baulichen Verdichtung mit etwas immateriellem, nicht objektiv meßbarem wie Urbanität und Lebensqualität, wie Rohne sie offenbar vornimmt, zu schlicht gedacht ist.


    P.S: Ich hätte auch auf Sao Paolo oder Hongkong verweisen können, aber warum in die Ferne schweifen...

    2 Mal editiert, zuletzt von tunnelklick () aus folgendem Grund: Nachtrag

  • Bis zur Nachkriegsmoderne waren deutschsprachige Lande sehr stark von Lokalarchitektur geprägt. Und genau das ist es ja auch, was diese letztlich so liebens- und lebenswert macht. Sie stellen noch ein Unikat im ansonsten nivellierten Einheitsbrei unserer Konsum- und Industriegesellschaft dar, wo inzwischen die Konvergenz soweit fortgeschritten ist, dass die neue Mittel- und Oberschicht in Fernost ebenso westlichen Lebensstil kopiert und die Städte der Welt immer austauschbarer werden.


    Gerade FFM, was sonst so sehr durch zeitgenössische Architektur dominiert wird, tun einzelne "Schmuck-Kästchen", die herausgeputzt oder rekonstruiert werden, auch besonders gut. Und FFM hat auch im Bombenhagel besonders viel verloren. Auf ihre eigene Art und Weise war beinahe jede deutsche Stadt vor dem Bombenkrieg ein für sich stehendes, ästhetisches Unikat. Aber FFM war ein Erbe der Menschheit.


    Ebenso wie das alte Nürnberg (Mittelalter), Augsburg (Renaissance) oder Köln (Gründerzeit) sowas wie "Gesamtkunstwerke" waren. Wir sind es auch unserer Nachwelt schuldig, dass wir uns gelegentlich über das alltägliche Klein-Klein erheben, den Blick erweitern, über die kläglich-kurze Spanne unserer persönlichen Leben hinaus blicken und sehen, dass es einfach nicht sein darf, dass z. B. vom über viele Jahrhunderte, mit den Händen von noch viel mehr Generationen errichteten, alten Frankfurt kaum mehr übrig sein soll, als alte Fotos in Schubladen.


    Auch hat die NS Generation doppelt Schuld auf sich geladen. Einerseits hatte sie den Krieg und den Holocaust über Europa gebracht, andererseits hatte sie danach die Anmaßung, in einer zweiten Zerstörungswelle abzuräumen, was der Krieg ließ, geschweigedenn nur beschädigtes wieder zu rekonstruieren und sich damit angemaßt, was keiner einzelnen Generation zusteht - nämlich das kulturelle Gedächtnis unzähliger Generationen von Vorfahren zu löschen und so deren Erbe zu vernichten - und allen nachfolgenden Generationen vorzuenthalten. Auf eine zivilisatorische Barbarei folgte die nächste, sozusagen. Dabei wäre es die Verantwortung und Schuldigkeit der NS Generation gewesen, die Zerstörung des Erbes von Jahrhunderten so gut es nur irgendwie geht rückgängig zu machen, schließlich hat diese Generation die Bombenangriffe auf Deutschland heraufbeschworen. Nur, es geschah im Wiederaufbau das genaue Gegenteil.


    Diese zweite Barbarei wird aber bis heute nicht wirklich eingesehen, es wird nicht eingesehen, dass es über subjektive Geschmacksfragen hinaus niemandem zusteht und zustand, keinem Individuum und keiner Generation, das kulturelle Erbe von Jahrhunderten einfach vom Tisch zu wischen und für nicht mehr relevant zu befinden. Sonst würden wir über Rekos, Altstädte usw. ganz anders diskutieren. Nämlich als eine verdammte Schuldigkeit und Verpflichtung, nicht als Luxus oder Spleen oder "Historienkitsch" usw.

  • ^^wichtiger Punkt meines Erachtens:

    nicht objektiv meßbarem wie Urbanität und Lebensqualität


    Etwas so individuelles und subjektives, wie Lebensqualität in eine gesetzliche Vorgabe zu pressen ist eigentlich zum Scheitern verurteilt. Ich kenne jemanden, der sich ein Fachwerkhaus gekauft hat und die Wohnsituation dort als hohe Lebensqualität ansieht, ein weiterer Freund von mir sagte mal, er könne so nicht Leben, mit den kleinen Fenstern, wenig Licht, schiefen Wänden usw. Und so war doch, wenn ich nicht irre, die schlechte Wohnsituation, von der man im Zusammenhang mit der Altstadt vor dem Krieg häufig liest, vor allem darin begründet, dass die Häuser keine modernen Standards in Bezug auf Sanitäre Einrichtungen und daraus resultierender Hygiene hatten und durch die vornehmlich sozial schwache Einwohnerschaft auch Überbelegung der Wohnungen mit allen sozialen Folgen vorherschte. Dies wäre ja auch ohne "tabula rasa", wie man damals so schön sagte, zu beheben gewesen. Ich bin sicher, man hätte mit entsprechendem politischem Willen auch einen Wiederaufbau unter Bezugnahme auf alte Grundrisse und mit teilweisen Rekonstruktionen (unter deutlicher Verbesserung der Wohnsituation auch bei dichter Bebauung) haben können. Im zeitgeschichtlichen Kontext ist es aber auch verständlich (ich sage bewußt ja nicht richtig), dass man sich damals anders entschieden hat und mit dem Alten (politisch, ideologisch und daraus resultierend auch architektonisch) nichts mehr zu tun haben wollte. Zugegeben: leider wird es eine Diskepanz geben, was die Anzahl derer betrifft, die eine enge altstadttypische Bebauung oder auch allgemein urbane Viertel als außenstehnde toll finden, und denen, die auch tatsächlich so wohnen möchten.

  • Wie man an den noch vorhandenen Altbauten, auf dem Stand der Technik saniert, sieht, wären diese nicht nur zu erhalten gewesen - sondern sind in den Städten seit Jahrzehnten die begehrtesten Wohnlagen, durch alle Architekturmoden der letzten 30 Jahre hindurch (auch Ärzte, Anwälte oder Architekten richten ihre Praxen ja bevorzugt in zweckentfremdeten Altbauwohnungen ein und nicht in der Stahlbetonschachtel).


    Mit der Zerstörung der klassischen deutschen Stadt, die bis heute anhält, ist eine Ideologie verknüpft, die im Bauhaus ihren Anfang nahm und seitdem jeder Generation an den Architekturfakultäten regelrecht eingetrichtert wird - subtil, indem jeder, der mit einem Satteldach ankommt, schon die schlechte Note für seinen Entwurf vom Prof sicher hat und ganz explizit, indem mit einer Mischung aus Blasiertheit und Herdentrieb sehr deutlich gemacht wird, wie ein "moderner" Architekt zu arbeiten und zu gestalten habe.


    Entweder man hat eine extrem dicke Haut und ist souveräner Profi und ignoriert das Geschnattere der Architektur-Intelligentia, wie das zB Patzschke offenbar macht, und plant, was den Menschen gefällt und lässt sich das Genugtuung genug sein - oder man pilgert, wie die meisten, zum Tankstellendach an der Potsdamer Straße in Berlin und krönt dieses zum schöpferischen Höhepunkt der Weltarchitekturgeschichte.


    Diese soziale Dynamik in den Architektur-Fachkreisen der Planer, Denkmalschützer (!), usw. prägt vor, was in unseren Städten passiert. Ich sage nur ein Stichwort, "Senckenberg". Mehr muss man, gerade in FFM, hoffentlich nicht mehr sagen, um auf die Sackgasse hinzuweisen, in der die zeitgenössische Architektur sich befindet. Und ja, eine Rückorientierung - nicht auf einen einzelnen Baustil sondern auf einen Fundus aus Jahrhunderten, ja Jahrtausenden, europäischer Baukultur - könnte durchaus hilfreich sein, zu neuer Inspiration zu finden. So müssen Gewerke zB bei einer fachmännischen Rekonstruktion wieder mehr machen, als nur die Schutzfolie von Katalogware der Baustoffindustrie abzuziehen und diese schnell an den Stahlbeton ranzudübeln. Da sind noch richtige Zimmerleute, Schlosser, Spengler usw. gefragt. Handwerkliche Arbeit am nachwachsenden Material (Holz) bzw. naturnahen Material (Ziegel, Schiefer, usw.).


    Und schon sind wir bei ganz brandaktuellen Herausforderungen, wie die Problematik, dass die gegenwärtige Investorenarchitektur einen Haufen Baustoff-Sondermüll (der Zukunft) nach dem anderen in die Landschaft stellt, dagegen wäre die Rückorientierung auf naturnahe bzw. nachwachsende Materialien ein guter Ausweg, zeitgemäßer in jeder Hinsicht, als der unreflektierte Griff in die Trickkiste der Petrochemie, als lebten wir noch Anno 1970. Und das ökologischste Bauen ist in der Tat einfach das "Bauen für die Ewigkeit". Fachwerkhäuser, so sie nicht zerstört wurden, werden seit Jahrhunderten bewohnt und bewirtschaftet und sind dabei vergleichsweise genügsam im Unterhalt.


    Die modernen Stahlbetonungetümer haben ständig undichte Flachdächer, undichte Betonfugen, undichte Tiefgaragen, rostender Stahl der den Beton zum Abplatzen bringt und aufsprengt, tausend andere Sanierungsprobleme. Und das in der Regel jetzt schon nach 20-30 Jahren, mit dem Sanierungsaufwand, der einem Abriß+Neubau oft gleichkommt und daher auch oft genau so verfahren wird. Und dann wird ein Neubau nach dem selben Schema erstellt, die nächste marode Altlast ist vorprogrammiert. Was für ein ökologischer Albtraum! Ja, da ist ein Rückgriff auf historisches Bauen deutlich zeitgemäßer. Gerade in FFM, mit der Fachwerkbauweise (Holz, Stroh, Lehm, Ziegel oder Schiefer für das Dach, Glas für die Fenster, arg viel mehr Materialien braucht man nicht, um ein Fachwerkgebäude im Rohbau zu errichten und wenn das Gebäude irgendwann abgerißen werden soll/muss, dann können die Baustoffe einfach auf die Deponie und verrotten).

  • tunnelklick, ich habe nie gesagt, dass Lebensqualität linear mit der baulichen Dichte quasi bis ins Unendliche steigen würde. Aber ist halt schon schwer, richtig zu lesen und dann auch noch zu verstehen, gell... :nono:

  • Was die Frankfurter “Altstadt“ ausmacht

    [FONT=&quot]Der Altstadt-Salon[/FONT]

    [FONT=&quot]Für Leute die sich in der so genannten “Altstadt“ nicht so gut auskennen, hat Adama, bewusst oder [/FONT]
    [FONT=&quot]unbewusst, ein sehr gutes Beispielbild hier eingestellt:


    http://www.deutsches-architekt…hp?p=551327&postcount=550
    [FONT=&quot]
    [/FONT][/FONT] [FONT=&quot]Frankfurt am Main / MainTor-Projekt III: der Bau, #550[/FONT][FONT=&quot] zweites Bild[/FONT]
    [FONT=&quot]Schön die verschiedenen Vorkriegs- und Nachkriegsbauten zusammen stehen zu sehen. [/FONT]

    [FONT=&quot]Links ist eines der gut erhaltenen, kleineren Siedlungshäuser zu sehen, mit vorgartenähnlichem [/FONT]
    [FONT=&quot]Außenbereich und Nadelbaum, keine Seltenheit hier. Rechts mit dem gestreiften Muster das [/FONT]
    [FONT=&quot]Archäologische Museum, dazwischen ein hohes Dach des rekonstruierten Karmeliterklosters (Institut für [/FONT]
    [FONT=&quot]Stadtgeschichte). Einzige Probleme hier sind die Hinterlassenschaften der Hunde im Grünbereich und [/FONT]
    [FONT=&quot]Parkplätze natürlich.[/FONT]
    [FONT=&quot]Diese Straße ist ein absolut urban-toter Bereich. Absolut tote Hose. Noch nicht mal ein Kinder-[/FONT]
    [FONT=&quot]Spielplatz in der Nähe.[/FONT]

    [FONT=&quot]Auto- und Fußgänger eine Seltenheit, kein Durchgangsverkehr. Geschäfte und Gastronomie keine, bis [/FONT]
    [FONT=&quot]auf den Klosterhof um die Ecke und dass was in den Neubauten im Hintergrund einzieht. Ganz nahe [/FONT]
    [FONT=&quot]aber, in Richtung Rücken der Aufnahme, der brodelnde Römerberg, den man durch einen breiten [/FONT]
    [FONT=&quot]Hausdurchgang erreichen kann. Das kann dann manchmal ein Schock für zarte Gemüter sein.[/FONT]

    [FONT=&quot]An dieser Situation hier wird sich auch in hundert Jahren nichts mehr ändern.[/FONT]

    [FONT=&quot]Für die Bewohner hier ist das ein Segen. Selbst für viel Geld werden sie das nicht aufgeben. [/FONT]
    [FONT=&quot]Zu Fuß in wenigen Schritten am Main oder am Römer oder an der Hauptwache oder auf der Zeil oder [/FONT]
    [FONT=&quot]in der Goethestraße oder an der Alten Oper oder im Frankfurter Hof Café trinken oder am Theater und [/FONT]
    [FONT=&quot]Schauspielhaus oder am Museumsufer, und und und. [/FONT]
    [FONT=&quot]Ich an ihrer Stelle auch nicht.[/FONT]

    [FONT=&quot]Wenn da eine große Wohnung frei würde, würde ich sie sehr gerne nehmen, wie viele andere [/FONT]
    [FONT=&quot]natürlich auch, auch natürlich für höhere Miete als vergleichsweise für so ein Haus üblich. [/FONT]
    [FONT=&quot]Das ist natürlich absolut illusorisch, das würde schon mal gar nicht öffentlich inseriert werden.[/FONT]

    [FONT=&quot]Das im Hintergrund nur das WINX zu sehen ist, verharmlost diese unwirkliche Szenerie hier noch [/FONT]
    [FONT=&quot]extrem. Wenn man sich hier aufhält steht man praktisch beinahe am Fuße der riesigen Hochhäuser [/FONT]
    [FONT=&quot]der Skyline rechter Hand, ein Steinwurf entfernt, wie auf den anderen Bildern darüber und darunter zu [/FONT]
    [FONT=&quot]sehen, so meint man, wenn man den Kopf in den Nacken legt und rechts hinaufblickt.[/FONT]

    [FONT=&quot]Es gibt noch mehr und andere ähnliche Beispiele im engen Altstadt-Bereich, vom größeren [/FONT]
    [FONT=&quot]Innenstadtbereich mal ganz abgesehen.



    [/FONT]

  • Großes Interesse bei Händlern

    [FONT=&quot]Gedränge um die Altstadt-Läden[/FONT]

    [FONT=&quot]135 Anfragen sind für die rund 30 Gewerbeflächen eingegangen, schreibt die FNP hier mit Datum [/FONT]
    [FONT=&quot]24.01.2017:[/FONT]
    [FONT=&quot]http://www.fnp.de/lokales/fran…adt-Laeden;art675,2439764[/FONT]

    [FONT=&quot]Aus den Branchen Kunst und Lebensmittel-Handwerk komme die stärkste Nachfrage, das sei [/FONT]
    [FONT=&quot]erfreulich.[/FONT]

    [FONT=&quot]Vom 1. Februar an, soll jetzt das lange leerstehende Stadthaus mit dem goldenen Dach, an die Firma [/FONT]
    [FONT=&quot]Lectron, eine Tochter des gemeinnützigen Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten vermietet [/FONT]
    [FONT=&quot]werden (3500 Euro für die Nutzung einen Tag lang komplett). Es sollen schwerbehinderte Menschen [/FONT]
    [FONT=&quot]in den Arbeitsmarkt integriert werden. [/FONT]

    [FONT=&quot]Aber vielleicht kann mir das mal jemand aus dem Römer, vom Magistrat oder den Dezernenten [/FONT]
    [FONT=&quot]erklären.[/FONT]

    [FONT=&quot]Das Stadthaus[/FONT][FONT=&quot] war doch ursprünglich geplant und dann gebaut worden, weil seitens der Stadt, aus [/FONT]
    [FONT=&quot]bestimmten Bereichen der Stadt, unbedingt und dringend so eine Haus, so ein Saal noch für [/FONT]
    [FONT=&quot]städtische Bedürfnisse im neuen Altstadtbereich benötigt würde.[/FONT]

    [FONT=&quot]Was ist nun aus dem ursprünglichen, wichtigen Bedarf eigentlich geworden?[/FONT]

    [FONT=&quot]Natürlich ist prinzipiell überhaupt nichts gegen solche Vorhaben, wie es die Firma Lectron vorhat, [/FONT]
    [FONT=&quot]einzuwenden. Aber ist das viele Millionen teure Stadthaus jetzt letztendlich für so eine Verwendung [/FONT]
    [FONT=&quot]gebaut worden, oder ist es insgeheim doch nur als eine der Fantasie entsprungene überbordende, [/FONT]
    [FONT=&quot]luxuriöse Überdachung des archäologischen Gartens und als Übergangsbauwerk, von der Schirn zur [/FONT]
    [FONT=&quot]neuen Altstadt, geplant und gebaut worden?[/FONT]

    [FONT=&quot]Dieser Artikel in der FNP, liest sich so, als würde bisher und auf absehbare Zeit noch nicht mal eine, [/FONT]
    [FONT=&quot]dem Haustyp gerechte Vermietung zu erreichen sein, abgesehen davon, dass die Stadt dieses Haus [/FONT]
    [FONT=&quot]selbst nicht adäquat nutzen will und kann. [/FONT]

    [FONT=&quot]Bernhard Ochs (Die Frankfurter) sagte in dem Artikel, dass er überhaupt kein Verständnis für die [/FONT]
    [FONT=&quot]Preise habe. „Die Intention war ursprünglich eine andere.“ Die Stadtverordneten seien „angeschmiert“ [/FONT]
    [FONT=&quot]worden, als sie vor Jahren von der Wichtigkeit des Stadthauses überzeugt werden sollten.[/FONT]