Fischerinsel / Petriplatz / Breite Straße

  • Ich sehe hier auch durchaus Positives im Sinne der Weiterentwicklung eines wichtigen innerstädtischen Kernbereichs:


    1. Man hat sich für eine Traufhöhenbebauung entschieden als Teil eines Stadtumbaus, der sich wieder in Richtung einer Stadtkernentwicklung orientiert. Und dies sehe ich ausdrücklich positiv, ebenso dass das Hochhaus nicht gebaut wird.


    2. Dieser Bereich kann nur schrittweise städtebaulich entwickelt werden, ich sehe dies eher als Prozess, der mittel- bis langzeitig gedacht werden muss.

  • Mit Logik hat das wenig zu tun. Städtebau muss immer mehrere Aspekte berücksichtigen: Funktionalität, Ästhetik, Geschichte und Kunst. Die Zeiten, in denen es nur nach Funktionalität ging sind gottlob vorbei und die Städträume, die nach diesem Primat errichtet wurden, haben eine kurze Halbwertszeit.

    Kann ich nicht bestätigen. Funktionalität funktioniert, wenn es richtig und ausgewogen gestaltet wird und nachhaltig ist. Wir sehen doch in Berlin wo überall Plätze umgestaltet werden? Ästhetik vor Funktionalität... schlanke Türme die als Straßenbeleuchtung verkauft werden, aber eher den Himmel beleuchten. Bestes Beispiel ist doch die Sanierung des Areals am unserem "Kulturforum". Sry, aber nachhaltig und ökologisch ist nicht zu erkennen und Funktionalität sieht anders aus. Das dient nur dem "Tourischick" ! Logisch ist das wahrlich nicht. ;)


    Ich habe nichts gegen schöne Altstädte, aber auf Teufel komm raus alles wieder rekonstruieren ist auch nicht im Sinne von lebendiger Metropolengestaltung. Aufbau wo es Sinn macht und logisch erscheint. Berlin kann aber auch ganz andere Wege gehen und sich im Städtebau komplett neuerfinden - für alle Menschen! Pragmatisch, mit Logik und Balance. Als lebenswerter Ort, wo Berliner an erster Stelle stehen und dann unsere Touristen.

  • Im Tagesspiel ist heute ein Artikel zum House of One erschienen, der auch ein Bild der aufgestellten Musterfassade zeigt. Die Musterfassade aus Backstein würde nun auf Ästhetik und Beständigkeit geprüft. Grundsteinlegung für das Haus, das eine Synagoge, eine Moschee und eine Kirche unter einem Dach vereinen soll, ist der 14. April.


    Artikel im Tagesspiegel:

    https://www.tagesspiegel.de/be…sterfassade/25456700.html

  • Man mache sich mal eine Vorstellung. Seit Jahrhunderten wird mit Backstein gebaut, viele Kirchen aus Backstein haben den dreißigjährigen Krieg miterlebt, Revolutionen, Fürsten, Könige, Kaiser, Bomben. Was zum Teufel muss hier auf Beständigkeit geprüft werden?

  • Da gibt es teilweise schon unschöne Auswaschungen und zwar nicht der Fugen, sondern der Steine. Ich habe auch schon Mauerwerk aus Ziegeln gesehen, bei denen die Fuge noch stand, aber der Stein schon mehrere Zentimeter tief weg war.


    Verwunderlich nur, warum das erst jetzt passiert und man nicht direkt geprüfte Qualiät verwendet.

  • Die Musterfassade ist bereits seit einigen Monaten auf der Baustelle zu bewundern. Du, Baukörper, hast bereits im letzten August ein Foto veröffentlicht (#1079). Hier geht es wohl weniger um die Beständigkeit des Baumaterials an sich, sondern vielmehr um die Beständigkeit der Ästhetik und ob Witterungseinflüsse zu optischen Missständen führen, die im Zweifelsfall noch rechtzeitig erkannt und durch eine andere Materialauswahl verhindert werden können. Schließlich wird nahezu die gesamte Außenhülle des Gebäudes backsteinsichtig ausgeführt. Da geht man zu recht auf Nummer sicher. Nebenbei dient die Musterfassade auch der Zurschaustellung des Gesamtprojekts, da hinter der Fassade auch Infotafeln über die Historie und das Projekt informieren.


    Die folgenden Aufnahmen sind aus der letzten Woche:


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    Beim benachbarten Besucherzentrum "Archäologisches Haus am Petriplatz" ist man bereits deutlich weiter. Trägerbohlwände sind teilweise gesetzt und es geht merkbar in die Tiefe.


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    Alle Fotografien sind durch mich aufgenommen worden und bei Verwendung mit RianMa zu kennzeichnen. Danke.

  • In der Online-Ausgabe der Morgenpost findet sich (hinter der Anmeldeschranke) ein engagiert geschriebener Artikel über Bemühungen von Baustadtrat Grote und einem Bündnis aus 14 Vereinen und Initiativen („Allianz für einen neuen Mühlendamm“), den auf 42 bis 44 Meter Breite geplanten Neubau der Mühlendammbrücke auf 34 Meter zu verkleinern. Tatsächlich stehen die jetzigen Pläne nicht nur im eklatanten Widerspruch zu Bemühungen, die Verkehrssituation um den Molkenmarkt und an der Leipziger Straße zu verändern ud den Autoverkehr einzudämmen, sondern auch mit den städtebaulichen Plänen an dieser Stelle: „Wir wollen den Petriplatz zur Altstadt zurückbauen und dann bauen wir völlig maßstabslos so ein riesiges Ingenieursbauwerk da hin“, wird Gerhad Hoya von der Gesellschaft Historisches Berlin (GHB) zitiert.

    Verkehrssenatorin Günther, die kürzlich die Pläne für den Umbau der KMA mit Verweis auf u.a. den Klimawandel noch mitten in der Realisierung (m.E. zurecht) umgestoßen hat („Das, was geplant war, ist nicht zeitgemäß“), soll, dem Artikel zufolge, eine Umplanung ablehnen. Mir schiene es unverständlich, wenn sie hier, wo verkehrs- und umweltpolitischen Argumente durch wichtige städtebauliche Anliegen noch unterstützt werden, keine Bereitschaft zur Änderungen eklatant unzeitgemäßer Pläne zeigen würde und hoffe, dass jetzt, wo noch Zeit bleibt, eine Debatte darüber angestoßen wird.

  • Ein Nachtrag zu ^:


    Gleich neben der Mühlendammbrücke befindet sich, zur Veranschaulichung, dieser selbst im Winter malerische Platz mit Berlin-untypischem Gefälle, eine der schönsten Stellen des Nikolai-Viertels:


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    Schon die Tatsache, dass der Abstand zum überbreiten und individualverkehrsreichen Mühlendamm z.Z. wegen der Bauarbeiten etwas größer ist, lässt erahnen, wie angenehm dieser Platz wäre, wenn hier die Straße auf Normalmaße geschmälert und der Verkehr reduziert würde. Dann braucht es auch keine überbreite Mühlendammbrücke mehr (siehe oben ^).


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    Hier noch Bilder von den Bauarbeiten am House of One


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    ...und am Besucherzentrum Archäologisches Haus am Petriplatz:


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    Abschließend ein Blick von der Brüderstraße Richtung ehem. Staatsratsgebäude (Südseite):


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    Alle Bilder von heute & von mir & gemeinfrei.

  • Schon die Tatsache, dass der Abstand zum überbreiten und individualverkehrsreichen Mühlendamm z.Z. wegen der Bauarbeiten etwas größer ist, lässt erahnen, wie angenehm dieser Platz wäre, wenn hier die Straße auf Normalmaße geschmälert und der Verkehr reduziert würde. Dann braucht es auch keine überbreite Mühlendammbrücke mehr (siehe oben ^).

    Und wenn die Maßstäblichkeit des Nikolaiviertels fortgeführt würde, wäre noch Platz für ein Zeile mit schmaller Gasse dazwischen. Thema Baulandknappheit.


    Südlich der Mühlendammbrücke könnte die WBM erheblich viel mehr Wohnungen realisieren und hätte noch die Chance eine gefälliger Architektur mit Parzellierung, Funktionsmischung, etc. zu realisieren.


    Also hätte, könnte, etc.

  • Beim Archäologischen Haus am Petriplatz (zuletzt #1.128 ) ist man nun überirdisch.



    Hier, zur Erinnerung, der Projektentwurf:



    Mit Fernsehturm und Altem Stadthaus:



    Seitenblick auf den Springer Campus:



    Alle Bilder von heute & von mir.

  • ^Eine vergebene Chance, da stimme ich dir zu. Ich glaube man hat hier versucht einen Kompromiss zu finden: Schließlich lag hier ja vorher die mittelalterliche Altstadt Berlins. Trotzdem wirkt dieser kleine, klobige Bau an dieser Stelle absurd.


    Willkommen im Forum, by the way! :)

  • ^^ Och, ich finde den Entwurf nicht schlecht. Die Fassade wird aus hellem Backstein bestehen, und es gibt einige interessante Details (die man auf dem Baustellenschild nicht sieht). Auch wird es gut zum "House of One" daneben passen. Ich bin gespannt.


    Willkommen, ebenfalls!

  • Auch von mir bekommt es mindestens eine 2+.


    Hintergrund: Ich war schon immer ein Fan von Klinker und einer Art wuchtiger Eleganz (oder so...) und bevorzuge daher auch Romanik gegenüber Gotik und mag z. B. auch Chipperfield.


    Das House Of One finde ich schon toll. Das neue Gebäude hatte ich noch gar nicht auf dem Zettel. Das wird zusammen mit House Of One und dem "Capri-Haus" ein super Ensemble und eine angemessene Antwort auf die doch recht breite Straße.

  • Ich kann Architektenkind nur zustimmen. Die Visu auf dem Bauschilds ist wirklich gruselig. Allerdings scheinen sich auch die Proportionen der Fenster und der Loggia sehr zum Negativen verändert zu haben.


    Ich hoffe daher sehr, dass es dennoch so gebaut wird wie im Wettbewerbsentwurf von 2012. Der Entwurf gefiel mir hinsichtlich der Materialität, Gebäudestaffelung und Proportionierung sehr gut. Ich glaube das gerade zur Scharrenstrasse mit dem House of One, ein schöner gefasster Stadtraum entsteht.


    Hier nochmal die Wettbewerbsdarstellung:

    https://www.baunetz.de/meldung…um_in_Berlin_3040697.html


    Ein Wettbewerbsbericht aus der Bauwelt:

    https://www.bauwelt.de/dl/738255/bw_2013_6_0008-0009.pdf


    ...und mit Modellfoto:

    http://www.berliner-historisch…aeologisches-zentrum.html

    Weiß jemand von euch, ob das Wohn- und Geschäftshaus im Anschluss auch bald gebaut wird? Es wäre sicher gut hier einen anderen Entwurf zu realisieren, um etwas Varianz zu schaffen.

  • Nur die Materialität wird mich hier überzeugen können. Ansonsten ist der Entwurf für diese zentrale Stelle minderwertig...

  • Das wäre echt ein bisschen schade wenn es statt des Wettbewerbssiegers das Bauschild wird.

    Allerdings gefällt mir die Raumwirkung nach wie vor gut.

  • Die letzten Bilder der Baustelle des Archäologischen Hauses am Petriplatz stammen vom 20. Juni [#1.130]! Inzwischen hat sich nicht viel, aber doch etwas getan. Hier einige Eindrücke von heute. Noch lässt sich nicht allzuviel sagen, aber ich freue mich über jedes Gebäude, das hier entsteht, diese wenig attraktive Gegend verdichtet und den – gerade bei grauem Wetter - regelrecht trostlosen Blick auf die Hochhäuser der Firscherinsel etwas verdeckt.





    Die Scharrenstraße bekommt langsam Konturen.



    Aller Bilder von mir & gemeinfrei.

  • Danke für die Bilder - Trostlosigkeit trifft’s auf der Ecke ganz gut auch wenn zu befürchten ist, dass das zu erwartende Gebäude mit seiner kühlen Flächenbetonung, im Einklang mit den Bestandsplatten in der Straße, sich eher als Bollwerk gegen eine optische Aufwertung und Vitalisierung verstehen wird, wenn ich den Entwurf richtig deute. Ich lasse mich durch das Ergebnis aber gern eines Besseren belehren.