Zucker-Bär-Villa - [vor dem] Verfall [bewahrt]

  • Zucker-Bär-Villa - [vor dem] Verfall [bewahrt]

    Im Südosten von Nürnberg, etwas abseits gelegen, gleich neben dem U-Bahnhof 'Rothenburger Straße, an der Holzschuherstraße liegt das Areal der ehemaligen Süßwarenmanufaktur Zucker-Bär.


    Seit Jahren verfallen die Gebäude so vor sich hin. Eine Briefkasten-Firma, mit dem vertrauensheischenden Namen "Beamten-Treuhand" hat sich hier kräftig verspekuliert. Seit vielen Jahren tut sich hier nichts. Der Verfall des Areals schreitet voran.


    Erwähneswert ist vorallem die einstige Fabrikanten-Villa. Hier gingen seinerzeit berühmte Jugendstil-Künstler, allen voran Olbricht und Behrens ein und aus..... Heute regnet es zu Dach rein.


    Eine Fotoreportage war vor Tag und Jahr in der NN/NZ veroffentlicht
    http://suche.nordbayern.de/dia…129&nr=12&catch=10&man=NI.


    Weitere Bilder sind in einer WWW-Dokumentation aus 2007 zu sehen http://www.industriezerfall.de/Zucker%20Baer/index.htm


    Die Bezirksheimatpflegerin hat mit einem 'Branndbrief' am 15.05. den Baureferenten aufgefordert die überfälligen Notsicherungsmaßnahmen anzugreifen. Der Bürgerverein St.-Leonhard-Schweinau berichtet darüber... http://bv-leonhard-schweinau.de/


    Doch wie so häufig bei Fragen des Denkmalschutzes Funkstille und Desinteresse im Baureferat.....


    Nun geht der Notgeschäftsführer in die Verwertung. Der Erhalt der Zucker-Bär-Villa ist natürlich eine schwere 'Hypothek'; derartige Zwänge vermindern allemal den potentiellen Verwertungserlös des Grundstückes. Und dartn haben die Gläubigerbanken, allen voran die Hypo-Real-Estate, und Konsorten natürlich höchstes Interesse. Durch unvorsichtige Beleihungspolitik vergangener Tage stehen sie hier schwer in der Kreide und wollen den Geldverlust durch abzuschreibende Kredite natürlich möglichst minimieren.... Der Abbruch der Villa käme dem sehr entgegen.


    Spannende Frage - wird der Denkmalschutz Opfer der geplatzten Spekulationsblase? Bleibt die Baukultur und ein Stück Industriegeschichte deshalb auf der Strecke?


    Was denkt Ihr über die diese Melange aus behördlichem Versagen, Spekulation und geduldetem Verfall?

  • Es läuft seit Jahrzehnten der immer selbe Spielplan aus behördlichem laissez-faire in Kombination mit freigiebiger Abbruchgenehmigung im "rechten" Moment. Wenn dann der Vorhang fällt, ertönt der peinliche Abgesang auf einen "traurigen Unfall", dessen "wahrer Dimension sich niemand bewusst war" und "der sich garantiert nicht wiederholen werde".


    Die peinlichen Ablenkungsmanöver des Baureferenten Richtung Ansbach stehen bei der Bewertung dieses Vorgangs schon für sich und ich denke der klangvolle Namen der zu bedienenden Gläubigerbank ist dazu noch das krönende Sahnehäubchen um das Trauerspiel dem richtigen Genre zuzuordnen.


    In der Sache wird über die stadtbildprägende hinaus auch die kulturgeschichtliche Dimension der Villa resultierend aus dem Wirken dieses Herren nur allzu gern unterschlagen.

  • fortschreitende Zerstörung durch Desinteresse.....

    Der Baureferent - Wolfgang Baumann - spielt auf Zeit. Eigentlich wollte er die Sache im Stadtplanungsausschuss nämlich auf die lange Bank geschoben haben und überhaupt nicht behandelt wissen. Erst auf Dringlichkeitsanfrage gelang es, den CSU-Antrag zur Villa Zucker-Bär noch vor der Sommerpause im Stadtplanungsausschuss überhaupt zur Behandlung zu bringen.


    Viel Neues wusste die Stadtverwaltung nicht zu berichten, stattdessen attackierte der (inzwischen auf breiter Front in die öffentliche Kritik geratene) Baureferent in einer vorab verbreiteten Presseerklärung die Bezirksheimatpflegerin Dr. Kluxen, die die Stadt aufgefordert hatte ihren gesetzlichen Pflichten nachzukommen und die unbedingt erforderlichen Notsicherungsmaßnahmen vorzunehmen. (Das Gebäude ist undicht, Fenster sind herausgebrochen, Feuchtigkeit dringt ein, und weil sdas Innere leicht zugänglich ist werden wiederholter Vandalismus und Brandstiftungsversuche befürchtet.
    Der Baureferent verhöhnte das als wörtlich "Schönheitsreparaturen" und erntet für diesen unsachlichen Vorstoß heftige Kritik aus dem Bezirkstag und vom Bürgerverein.
    http://bv-leonhard-schweinau.d…ttacken-des-baureferenten


    Es wird nunmehr kolportiert, der Verkauf des gesamten Geländes stehe unmittelbar bevor. Der Eigentumsübergang wird in der Ferienzeit erwartet....


    Übrigens:
    Bei der Zucker-Bär-Villa handelt es sich nicht um irgendeienen "alten Kasten", um 1900 herum waren die dort bestehenden Werkstätten ein Kristallisationspunkt des deutschen Jugendstils. Hier gingen Friedrich Adler, Peter Behrens, Joseph Maria Olbrich und Walter Scherf seinerzeit ein und aus ....

  • Endlich hat sich entscheidend etwas getan! Das Grundstück samt der Villa wurden an die P&P Gruppe Bayern, aus Fürth versteigert! Diese hat anscheinend schon die Alte Post an der Allersberger und den Fürther Südstadtpark in gang gebracht. Bisher wird eine reine Wohnbebauung mit der Villa als zentralem Blickpunkt geplant. Ob Läden oder ein Supermarkt dazukommen wird noch überlegt...


    http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1206025&kat=10


    Freut mich sehr! Doch allein die Überlegung gegenüber der neuen Norma Filiale einen weiteren Supermarkt einzurichten lässt mich schon verzweifeln...


    Was ist dass denn für eine Logik? Hoffentlich werden bald die Zeiträume abgesteckt, in denen etwas passieren soll. Das wird zusammen mit dem Leonhardspark ganz St. Leonhard gut tun! - hoffentlich...

  • Wenn man bedenkt das bis auf die Villa nicht bleibt, und man gespannt sein darf wie eng Bebaut wird, und die Villa dann zur Geltung kommt. Ist meine Freude doch getrübt !

  • Die rechtliche Hängepartie um das "Zucker-Bär-Gelände" hat ein endgültiges Ende gefunden. Der Verkauf an P&P ist unter Dach und Fach.


    In dem heutigen Artikel in den "nn" wird neben der Rettung der Fabrikantenvilla noch der vorgesehene Bau von Wohnanlagen mit hohem Grünanteil erwähnt.
    Letztlich ein Happy-End, denn die sehr unansehliche Ecke am Schlachthof wird mit der Bebauung des Grundstücks, der Errichtung der Schule und weiterer Gebäude auf dem Ex-Schlachthofgelände gegenüber (in einem anderen Thread im Forum) und den Umgestaltungen durch die "Frankenröhre" eine wirklich grundsätzliche Neuausrichtung erfahren.
    Da die prinzipiellen Daten bezüglich des Bedarfs an neuem Wohnraum in Nürnberg stimmen, wird wohl zumindest der Bau der Wohnanlagen recht schnell gehen.



    http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=1224319&kat=11&man=4



    D.

  • auf den Gelände tut sich was, Die mauern in den zugängen sind weg, und türen eingesetzt worden.
    Es schein innen sicherungarbeiten zu geben .

  • wie der "Nürnberger Stadtanzeiger" heute berichtet, sollen im Herbst die Arbeiten (Baufreimachung) auf dem ehemaligen Zurcker Bär Areal los gehen. Im Herbst 2012 solle das 6000 qm große Areal dann fertig bebaut und begrünt sein. Die Investition beläuft sich auf etwa 25 Millionen Euro.



    Enstehen sollen 90 Eigentumswohnungen "guten Standards". Die eigentlich dafür nicht sonderlich vorteilhafte Lage wegen der teils zweifelhaften Nachbarschaft schreckt die Investoren dabei nicht, sie sprechen von Erfolgen bei Projekten in ähnlichem Umfeld. Am Ende würde das Neubauvorhaben positiv in die Nachbarschaft hinein wirken.



    Die Gebäude selbst werden drei- bis fünfgeschossig. Architekt Jürgen Hübsch (Noris Venezia) darf ran.
    Die alte Villa wird saniert und teils als zukünftiger Firmensitz des Bauunternehmens dienen. zwischen den Gebäuden entstehen 4800 qm Grünfläche.



    Es ist auch eine Grafik des Projektes abgebildet:


    http://www.nordbayern.de/nuern…mage.ImagePolicy@72f7cbca



    D.

  • Die Villa wird dann wohl eher ein Augenschmauss für die neuen Wohnungseigentümer des Neubaus! Die Aussenfassade wird sich aber gut an den wachsenden LeonhardsPark angliedern. Daher find ichs nicht zu schade...

  • Schön, dass es endlich beginnt! :-) Mit den Neubauten und dem gegenüberliegenden Leonhards Park findet in St. Leonhard eine starke bauliche Verdichtung statt!

  • Naja ob das Grundstück Bereinigt ist weiß ich nicht so weil was da so rumgelegen hat ob da nicht noch eine Bodensanierung her muß aber wir werden sehen

  • Auf der Homepage der Architekten sind Entwürfe für die Neubebauung zu sehen:


    http://www.huebsch-ramsauer.de


    Ich finde es schade, dass der Block an der Rothenburger Strasse die Villa völlig überragt.
    Den Neubau hätte man in diesem Bereich etwas absenken können, bzw. die Randbebauung etwas "offener" gestalten können, damit die Villa von der Rothenburger Str. aus einsehbar wird.


    Eine Sichtachse zwischen den Villen auf dem Leonhards Park ist so nicht wirklich vorhanden. Ansonsten finde ich die Aufteilung gelungen.

  • Ich finds okay, es haut einen nun nicht vom Hocker, aber das für die Ecke wichtige Projekt sieht ganz ordentlich aus. Vorallem der gebührende Abstand zur Villa, die der Entwickler ja selbst als zukünftige Firmenniederlassung nützen will, ist begrüßenswert. Die Baumassen sind auch recht gut gegliedert, nur die die Übergänge zu den Altbauten, das ist mal wieder, naja...


    Interessant ist, das man nun wieder mit Laubengängen anfängt. Da diese ja gen Osten zeigen ist der gravierende Nachteil des dadurch entstehenden Lichtverlusts in den Wohnungen zur Rotheburger nicht so schlimm. Vielleicht verkauft sich eine Eigentumswohnung mit eigener "Haustür" besser?


    P.S wie wäre es mit einem neuen Namen für den Thread? Der alte ist ja nun glücklicherweise endlich obsolet.


    D.