Wirtschaft, Politik, Forschung, Gesellschaft

  • Get Your Guide zieht in größeren Hauptsitz

    Das Startup zur Planung von Freizeitaktivitäten u.ä. will seine bislang auf zwei Standorte verteilten 350 Mitarbeiter im alten Umspannwerk Ampere in Prenzlauer Berg zusammen ziehen und zugleich innerhalb von rund zwei Jahren bis zu 450 neue Jobs schaffen. Die Umbaukosten sollen ca 10 Mio betragen (vorher hat Zalando die Räumlichkeiten genutzt).
    Quelle Morgenpost

  • Fusion von Car2Go & DriveNow: Zentrale in Berlin

    http://www.manager-magazin.de/…ingereicht-a-1228230.html
    https://www.wiwo.de/unternehme…lin-steuern/23091552.html
    Demnach fusionieren DriveNow (BMW [& Sixt]) und Car2Go (Daimler), das neue Unternehmen und weitere darin eingebrachte Mobilitätsdienstleistungen der Autohersteller (Apps wie Moovel, ReachNow, Mytaxi, ParkNow etc.) soll seinen Sitz in Berlin haben.
    Wo genau die Zentrale angesiedelt wird, wollte ein Daimler-Sprecher demnach noch nicht sagen. Tatsache ist, dass Daimler derzeit im ehemaligen Kaufhaus Jandorf in Mitte Büros herrichten lässt: http://www.deutsches-architekt…php?p=602231&postcount=96


    Ansonsten findet sich bestimmt etwas z.B. in der Europacity - Cube?

  • ^Das habe ich auch gerade gelesen und war freudig überrascht. Tatsächlich soll die Autovermietung langfristig nur eine Säule in einem wachsenden Konvolut digitaler und analoger Dienstleistungen darstellen. Als Begründung wird u.a. genannt, dass beide Konzerne jeweils 50% halten sollen und somit eine Ansiedlung in Stuttgart oder München nicht in Frage gekommen sei. Zudem biete die StartUp-Metropole Berlin günstige Voraussetzungen für künftiges Wachstum. Auch eine Kooperation mit der ebenfalls in Berlin angesiedelten digitalen Dienstleistungstochter von VW (oder Teilen davon) sei laut Analysten künftig denkbar. Ähnlich war es ja auch bei der ehemaligen Nokia-Tochter Here, die letztlich für mehrere Mia Euro von einer Bietergemeinschaft um BMW, Mercedes und VW-Tochter Audi übernommen wurde.


    In Zukunft steckt in praktisch jedem deutschen Auto wohl auch zumindest ein Stück Berlin, auch wenn man das dem fertigen Produkt natürlich nicht ansieht. Ebenso wie kaum jemand darüber nachdenken dürfte, dass Daimler schon seit Jahren bzw teilweise Jahrzehnten viele seiner klassischen Dienstleistungen von Berlin aus betreibt (das Motorenwerk in Ludwigsfelde ist da schon eher bekannt). Oder dass Continental in Berlin u.a. für Renault Elektromotoren entwickelt. Ein ganz klein wenig Autostadt ist Berlin inzwischen also auch. Auch hier zeigt sich der Trend, dass viele etablierte Konzerne Teile ihrer Entwicklungsabteilung nach Berlin verlagern, gerade auch im Zusammenhang mit den jeweiligen Digitalisierungsstrategien.

  • Sky gründet Startup-Ableger in Berlin

    Der bekanntlich inzwischen in einer Übernahme befindliche britische Medienkonzern Sky hat nach entsprechenden Aktivitäten in London und San Francisco nun auch Startup-Ableger in Israel und Berlin angekündigt. Man wird voraussichtlich primär mit bestehenden Startups kooperieren, um besser mit Konkurrenz wie Amazon und Netflix mitzuhalten. Berlin komme dabei eine große strategische Bedeutung zu.
    Welt.de

  • Siemens - Innovationscampus

    Siemens plant ein Innovationszentrum für 500 bis 600 Millionen Euro auf einer Fläche von 940.000 qm an der Nonnendammallee in Spandau zu errichten. Oder es wird weltweit ausgeschrieben. ...


    Es gibt eine Einigung zwischen dem Berliner Senat und Siemens die sich in einem ersten Konzept und einem Eckpunktepapier für die Entwicklung der Siemensstadt widerspiegelt. Damit rückt die Möglichkeit den Innovationscampus in Berlin anzusiedeln näher. Als Alternative ist u. a. Singapur ein Kandidat.
    Gemeinsam mit anderen Partnern gibt es die Idee auf dem Campus moderne Forschungs- und Bürokapazitäten zu schaffen, und auch Wohnungen sind geplant. Im Mittelpunkt steht der Übergang von der realen in die digitale Welt.
    In diesem Jahr noch soll die engültige Entscheidung über den Standort fallen.


    Q: Tagesspiegel


    Im Zuge dieser Möglichkeit wird auch daran gedacht die Siemensbahn, eine stillgelegte S-Bahntrasse, wieder zu aktivieren.


    Q: Tagesspiegel


  • Im Zuge dieser Möglichkeit wird auch daran gedacht die Siemensbahn, eine stillgelegte S-Bahntrasse, wieder zu aktivieren.


    Nach reiflicher Überlegung wird die S-Bahn die einzige sinnvolle Möglichkeit sein, dieses Verkehrsproblem zu lösen. Die Anbindung würde über die im Bau befindliche S21 zum Hbf. erfolgen können. Die Straßenbahn wäre dann für den Verkehr innerhalb Spandaus sinnvoll: U Haselhorst - Daumstraße - Wasserstadt - Streitstraße - Altstadt Spandau. Es bleibt eben bedauerlich, dass man in der Wasserstadt Oberhavel keine Fläche für eine möglichst kostengünstige Querung der Havel durch die S-Bahn berücksichtigt hat. Hakenfelde ist jetzt schon recht dicht besiedelt und an einem Endbahnhof der S-Bahn an der Streitstraße könnte ein Stadtteilzentrum entstehen, welches hinsichtlich der Zahl der noch dort entstehenden Wohnungen auch seine Berechtigung hätte.

  • Bayerwahl gut für den BER?


    Ich vermute, dass die Bayern-Wahl positiv für den Hauptstadtflughafen BER sein kann, und zwar in doppelter Hinsicht:
    - Weil die Freien Wähler, wenn sie denn, wie es aussieht, mitregieren werden, entschieden gegen eine dritte Startbahn am Flughafen München sind, was den anderen und damit auch dem Berliner Flughafen zugute kommen könnte.
    - Und weil die Stellung der CSU im Bund geschwächt wurde und damit auch die des CSU Verkehrsministers, von dem man vermuten oder argwöhnen kann, dass ihm der bayerische Flughafen näher ist als der Berliner und der BER in ihm keinen lebhaften Unterstützer hat.

  • ElleDeBE: Die CSU wird ja zunächst einmal eher im Land sowie entsprechend im Bundesrat geschwächt, nicht in der Bundesregierung. Von daher glaube ich nicht an einen direkten Effekt auf einen Bundesminister. Dass ein solcher zugleich Vertreter einer Regionalpartei ist, kann natürlich gewissermaßen zum Problem werden. Aber da müssen eben ggf. die größeren Koalitionspartner und die Opposition regulierend einwirken. Das klingt ja auch im Artikel durch, dass so eine Rhetorik eher Wahlwerbung/ Wahlkampfhilfe für die Landtagswahlen darstellt. Das sollte also letztendlich keine allzu große Rolle spielen.


    Das mit den Wachstumshemmnissen in Bayern und auch Frankfurt dürfte eher seine Auswirkungen haben. Ich denke, dass nach Fertigstellung des BER eher die Lufthansa mit ihrer Lobbyarbeit für die Regulierung von Startrechten ein ernstes Problem darstellt. Wenn man dagegen erfolgreich angehen kann, werden EasyJet, Ryanair sowie große überregionale Airlines aus Asien und Co den BER schon zunehmend bespielen. Daher ist die erste Prämisse: Endlich fertig stellen. Die zweite: Regulierung des freien Wettbewerbs durch Lobbyismus politisch und ggf. rechtlich hinterleuchten und bekämpfen.


    Was die Lufthansa über vermeintlich fehlende Wirtschaftskraft der Region, fehlende DAX-Konzerne etc. lanciert, ärgert mich jedenfalls deutlich mehr als irgendwelches Gedöns von einem CSU-Minister. Wobei beide Seiten letztlich natürlich ins gleiche Horn blasen. Nur stellt sich mE die Frage, weshalb die Lufthansa den Standort Berlin einerseits verlacht und andererseits die Hände auf die Startrechte von konkurrierenden Airlines (u.a. aus dem Ausland) hält. Sollen die Konkurrenten doch auf's falsche Pferd setzen und damit auf der Nase landen.


    Im übrigen hat man bei der Lufthansa wohl nicht bemerkt, dass Berlin von jeher ein Teil des Doppelhauptsitzes von Siemens ist, mit der Deutschen Bahn zudem einen Konzernhauptsitz mit DAX-Format hat, mehr als jeder zweite DAX-Konzern und zahlreiche weitere große Unternehmen hier u.a. ihre wachsenden Digitalisierungseinheiten angesiedelt haben (im Falle von VW soll daraus sogar eine strategisch wichtige, eigenständige Marke mit elfstelligem Jahresumsatz werden), einige Startups bereits eine höhere Marktkapitalisierung erreichen als kleinere DAX-Konzerne wie u.a. die Lufthansa selbst, Bundesregierung, Behörden und Landesvertretungen sowie der größte nationale Forschungsstandort und am engsten konzentrierte Tourismushotspot ebenfalls ein hohes Verkehrsaufkommen bewirken. Alle diese Interessengruppen haben ihren Bedarf an einem starken Flughafen mehrfach hinterlegt.

  • Siemens - Innovationscampus

    Am Dienstag (spätestens) wird der Regierende Bürgermeister angerufen und darüber informiert wie die Standortwahl ausgegangen ist, also ob in Asien oder Siemensstadt ein Innovationscampus für die digitale Welt entsteht. Wenn Berlin den Zuschlag erhält will Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser am Mittwoch gemeinsam mit Michael Müller das Projekt vorstellen.
    Q: Tagesspiegel

  • ^ Morgen um 9.00 Uhr gibt es im Roten Rathaus eine Pressekonferenz mit Joe Kaeser und dem Regierenden BM M. Müller. Es sieht gut aus, dass die Entscheidung für Siemensstadt verkündet wird.
    Q: Berliner Zeitung


    Der RBB will aus Parlamentskreisen wissen, dass Berlin den Zuschlag bekommen hat.
    Q: RBB

  • Siemensstadt 2.0

    Leider habe ich keinen Link zur PK gefunden. Im ARD-Videotext steht, dass 5 Forschungsbereiche in Berlin angesiedelt werden:
    -Energiesysteme
    -Elektromobilität
    -Industrie 4.0
    -Internet der Dinge
    -Künstliche Intelligenz


    Neben Labors/ Forschungseinrichtungen sollen auch Büros und moderne Produktionsanlagen entstehen. Scheinbar sollen hier u.a. Startups (ob Partner, eigene Ausgründungen oder Zukäufe) agieren. Zudem soll aber auch ein Stück Stadt geschaffen werden: Wohnen, Gewerbe, mindestens eine Schule und ein Hotel.


    Das klingt natürlich erst einmal extrem vielversprechend. Da Siemens die Grundstücke ja bereits besitzt und Senat sowie Bund ja zudem Verkehrs- und Dateninfrastruktur fördern, dürfte sehr viel Geld direkt in den Innovationscampus fließen. Auch Partner aus Wissenschaft und Forschung sollen mW gewonnen werden. Andererseits gehen die geplanten Wohnungen, Geschäfte, Schulen, Hotel etc womöglich mit in die 600 Mio ein. Solche Details werden wir womöglich im Laufe der nächsten Tage und Wochen noch erfahren. So oder so ist von der größten Einzelinvestition seit dem Zweiten Weltkrieg die Rede.

  • Berlinovo

    Das im Zuge des Bankenskandals 2001 gegründete, landeseigene Unternehmen Berlinovo solle ab 2020 keine Bürgschaften des Landes Berlin mehr erhalten: https://www.rbb24.de/politik/b…nkredite-buergschaft.html
    https://www.tagesspiegel.de/be…warzer-null/23628878.html
    Das Land schirmte die in Schieflage geratenen (geschlossenen) Immobilienfonds ab – in Höhe von mehr als 20 Milliarden Euro. Berlin sei inzwischen im Besitz von 99,5 Prozent der Anteile, es gebe noch 299 (von einst 50.000) private, externe Zeichner, die bis spätestens 2031 Zeit haben sollen, ihr Rückgaberecht zum Nominalwert plus 15 Prozent wahrzunehmen.


    Das Kapitel Bankenskandal könne man vsl. 2020 mit einer "schwarzen Null" abschließen. 109 noch gehaltene auswärtige Immobilien würden bis dahin verkauft. Insofern habe Berlin von der aktuellen Lage am Immobilienmarkt profitiert.


    Aktuell hat die Berlinovo demnach 20.500 Wohnungen in der Hauptstadt, darunter 6.500 teils möblierte Appartements. Hinzu kommen u.a. 2.800 Studentenappartements im Bestand und in der Planung.

  • Gemischte Nachrichten

    Mercedes investiert 500 Mio und baut in Berlin Komponenten für e-Autos!
    Bei Daimlers Elektroautostrategie soll die Hauptstadt eine wichtige Rolle spielen. Hier sollen die 165kg schweren elektrischen Antriebsmodule aus 60 Komponenten zusammengesetzt werden. Zudem soll das Werk bis 2022 komplett klimaneutral arbeiten.
    Quelle wired.de


    MAN wandelt Werksschließung in Neuausrichtung um
    Etwas weniger euphorisch aber doch verhalten optimistisch macht die Ankündigung von MAN, dass die Auflösung des Berliner Standorts abgewendet werden konnte. Das Werk spezialisiert sich auf die Produktion von Turbogetriebemaschinen und wird künftig der einzige Standort hierfür sein. Leider können damit nur 380 von 500 Stellen gerettet werden aber es ist immerhin deutlich besser als es lange aussah.
    tagesspiegel.de


    Online-Portale für Auto(gebraucht)handel konzentrieren sich in Berlin
    In Berlin tummeln sich immer mehr große Portale für den Handel mit Gebrauchtwagen. Der Markt boomt. Allein 2017 wurden nur in Deutschland 7,3 Mio Gebrauchtwagen verkauft (vs. 3,4 Mio Neuwagen). Der durchschnittliche Preis erreichte hierbei immerhin 11.250 Euro (vs. 30.350). Somit hat dieser Markt ein Jahresvolumen von rund 80 Milliarden. Entsprechend erzielte Marktführer Auto1 im ersten Halbjahr 2018 mit 460 Mio die höchste Finanzierungsrunde Europas. Die großen Autokonzerne wollen ihren Teil vom Kuchen. Daher hat VW binnen eines Jahres erfolgreich die eigene Plattform Heycar (für relativ junge, hochwertige Gebrauchte mit Garantie) aufgebaut, an der sich inzwischen auch Mercedes beteiligt. Das Startup hat bereits über 80 Mitarbeiter und bezog jüngst neue Büroräume für bis zu 200 Angestellte. Zudem wurden kürzlich Pläne veröffentlicht, künftig auch Neuwagen online zu verkaufen - und im Gegenzug gleich wieder Gebrauchte in Zahlung zu nehmen. Neben den Autos selbst sollen auch alle nötigen Dienstleistungen wie Finanzierung, Reparaturen, digitale Updates usw. als "Sorglospakete" angeboten werden. Nach Daimler und BMW beginnt VW in Berlin zudem ja auch einen eigenen Anbieter im Car-Sharing. Der Ansatz vom Fahrzeughersteller zum digitalisierten Mobilitätsdienstleister wird immer besser erkennvar. Andere Gebrauchtwagen-Plattformen richten ihren Fokus indessen auch auf andere Märkte in Schwellenländern.
    tagesspiegel.de
    autohaus.de
    manager-magazin.de

  • Berlin bleibt Deutschlands Startupmetropole

    Nicht zuletzt durch den auf den letzten Metern gescheiterten Google-Campus begehren andere Regionen zunehmend gegen die Vormachtstellung Berlins im Startupsektor auf. Unter anderem in der Süddeutschen Zeitung erschien eine ganze Reihe kritischer (teilweise erstaunlich schlecht recherchierter) Berichte mit dem Tenor, dass so etwas beispielsweise in München nie passiert wäre und Berlin durch seine Arroganz schon bald die Rechnung bezahlen werde. Aus Hessen heißt es seit Jahren verschnupft, dass Frankfurt das logische FinTech-Zentrum darstelle und aus NRW hieß es nun sogar, man habe Berlin inzwischen zumindest als Bundesland bei der Summe von Neugründungen abgehängt. Tatsache ist, dass Berlin laut diversen Fachleuten durch den Google-Campus wohl eine große Chance verpasst haben könnte. Tatsächlich hat sich nicht nur hier die Politik milde gesagt unkooperativ verhalten und am Ende in Person von Berlins größter Wirtschaftschefin Pop sogar noch den Ausstieg befürwortet. Auch die Zeit der billigen Mieten und großen Brachflächen ist vorbei. Steht Berlin jetzt also tatsächlich direkt vor der Wachablösung?


    Eher nicht. Zumindest noch nicht. Aktuell wächst Berlin weiter über dem Bundestrend. Allein 2017 stieg die Zahl sozialversicherungspflichtiger Stellen noch einmal um 58.000. Die Beschäftigungsquote steigt damit um 1% und erreicht 76,2% (Bundesschnitt: 79,2%). Der Aufholtrend geht hier weiter. Auch die Wertschöpfung wird voraussichtlich weiter über dem Bundestrend zulegen. Was hat das alles mit der Digitalwirtschaft zu tun? Diese ist seit Jahren der größte Wachstumstreiber. Legt allein 2018 voraussichtlich wieder um 10% zu (Gesamtwirtschaft vermutlich um 2,5 bis 3%). Die Umsätze und Gehälter liegen gerade im Startupsektor über dem Bundestrend. Ganz zu schweigen vom Zugang zu frischem Kapital. Berlin zog 2017 ganze 3 Milliarden Risikokapital an (gesamt NRW unter 100 Mio, die gesamte BRD 4,3 Mia, also außerhalb der Hauptstadt 1,3 Mia), allein im ersten Halbjahr 2018 bereits wieder 1,6 Milliarden (BRD gesamt: 2,4 Mia). Bereits rund 60% der deutschen Dax-Konzerne haben ihre Digitalisierungseinheiten in Berlin angesiedelt, hinzu kommen zahlreiche weitere deutsche und internationale Konzerne und auch Mittelständler. VW hat bekanntlich eine eigene digitale Konzernmarke in Berlin gegründet und hofft langfristig auf zehnstellige Umsätze. Siemens setzt bei seiner größten Einzelinvestition der Firmengeschichte ebenfalls auf Innovation und neue Wertschöpfungsketten (bis hin zu innovativer Produktion). Selbst der Bund sieht das Potential ein und hat Berlin bspw neben den klassischen Regionen der Autoindustrie zu einem der Schaufenster/ Förderregionen für Elektromobilität gemacht. Statt Frankfurt wurde Berlin zum offiziellen FinTech-Hub ernannt und hier entsteht nun auch die (erste?) Modellstadt für digitale Gesundheit. Nicht weil der Bund Berlin bevorzugen möchte, sondern weil die entsprechenden Grundlagen es mehr als nur nahe legen. Die FinTechs etwa wären ohnehin weiter hier geblieben/ neu entstanden und gewachsen.


    Quellen:
    morgenpost.de zur Gesamtlage der Wirtschaft
    n-tv.de zum Risikokapital 2017
    nzz.ch zum Risikokapital im ersten Halbjahr 2018
    rbb24.de zur Wertschöpfung der Berliner Startups
    rbb24.de zum Status Quo der Berliner Startupbranche

  • Führt das momentane Wachstum zu breitem Wohlstand?

    Diese Frage stellt sich mir immer wieder. Die Politik setzt das oft fast automatisch voraus. Aber zugleich sieht man in der Stadt auch permanent Elend und Verwahrlosung. Durch das Wachstum wird es auch enger, teurer und mE teilweise auch rauer. Ich muss jedoch einräumen, dass ich hierzu nicht genügend fundierte Analysen kenne. Mit gefühlten Wahrheiten sollte man ja immer vorsichtig sein. Offensichtlich ist jedoch, dass es eine sehr komplexe Situation gibt und nicht alle im gleichen Maße partizipieren oder überhaupt Vorteile davon haben (z.B. wenn die Miete deutlich steiler ansteigt als der Lohn).


    Zumindest die offiziellen Statistiken sind jedoch zumeist erfreulich. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen liegen erstmals seit der Wende unter 150.000 bzw. bei 7,7%. Noch erfreulicher sieht es in Brandenburg aus, ganz besonders im bevölkerungsstarken Speckgürtel. Unser Nachbarland erreicht inzwischen 5,8% Gesamtquote, der Landkreis Dahme-Spreewald sogar 3,6%, also geradezu Bayerische Verhältnisse. In der fernen Uckermark liegt man hingegen bei über 10 Prozent. Die Kontraste sind somit sogar krasser als in Berlin, wo es von 5,7% in Steglitz-Zehlendorf bis rauf zu 11,4% in Neukölln geht. Interessant finde ich ferner, dass inzwischen 11.200 Flüchtlinge Arbeit gefunden haben. Dies sei insbesondere auf Erfolge in Bezug auf Sprachförderkurse und damit einhergehende Sprachkenntnisse zurückzuführen. 24.500 Flüchtlinge sind noch als Arbeitssuchende eingestuft, 8.750 als Arbeitslose. Das ist insgesamt immerhin schon deutlich besser, als ich erwartet hatte. Bildung/ Sprache und Arbeit gelten als wichtige Schlüssel für Integration. Hoffentlich lässt sich das noch weiter ausbauen. Ein weiterer Indikator für den Wohlstand ist die Überschuldungsquote der Bevölkerung. Hier nähert sich Berlin mit nunmehr 12,4% langsam aber stetig dem Bundesschnitt von gut 10% an, Brandenburg liegt sogar leicht darunter.


    Quellen:
    rbb24.de zum Thema Arbeitslosigkeit
    morgenpost.de u.a. zum Thema Beschäftigungsquote von Flüchtlingen
    rbb24.de zum Thema Überschuldungsquote

  • Diese Frage stellt sich mir immer wieder. Die Politik setzt das oft fast automatisch voraus. Aber zugleich sieht man in der Stadt auch permanent Elend und Verwahrlosung. Durch das Wachstum wird es auch enger, teurer und mE teilweise auch rauer.


    Ersteinmal vielen Dank für Deine interessanten Berichte. Die Frage beschäftigt mich auch. Ich fürchte, dass sich breiter Wohlstand nicht einstellen wird. Es wird langsam besser werden, aber es wird leider viele Schattenseiten geben. Das war in der Geschichte Berlins schon immer so. Aber was wäre die Alternative? Ich habe die depressiven Zeiten der End 90er und 00er Jahre in Erinnerung. Sinkende Einwohnerzahlen, Abbau von Arbeitsplätzen etc.. Einer Stadt ohne Zuzug von Menschen, die mit ihrer Arbeit Wachstum generieren wollen, fehlt die Existenzgrundlage.


    Als hier Geborener verfolge ich mit Interesse die wachsenden (und in anderen Ländern durchaus üblichen) Ressentiments gegen die Hauptstadt. Ungefragt teilen mir häufig Leute mit, dass Berlin nicht ihr Fall ist. Für mich als Berliner gleichen große Teile Deutschlands einem gedanklichen Sanatorium, aber die Höflichkeit gebietet es, darauf nicht herumzureiten. Dann lasse ich das einfach so stehen. Berlin ist eben schnell und fordernd.


    Wenn etwas in Berlin schief läuft, geifert man gerne. Wenn etwas gut läuft, dann sieht man sofort die angeblich berlintypische Arroganz. Da ist viel Angst, dass sich Berlin irgendwas wiederholen könnte, was nach der Teilung der Stadt veloren ging. Siemens, Lufthansa, Allianz und Deutsche Bank wurden in Berlin gegründet, gone forever...


    Und plötzlich entwickelt Berlin wieder eine unternehmerische Dynamik trotz Verschuldung, weil es wieder so ist wie ehedem Wer etwas anders machen will und nicht in ausgetretenen Pfaden die Karriere antreten möchte, der geht eben nach Berlin. Aber nur darin liegt die Chance, dass bundesweit neue Ideen und Wirtschaftszweige entstehen. Soweit das Wort zum Sonntag;)

  • Bousset: Natürlich profitieren die anderen Regionen von der Dynamik Berlins. Die ganzen Konzerne siedeln ja nicht umsonst hier Entwicklungsabteilungen an. Berlin bildet sehr viel aus und lockt auch extrem viel Humankapital aus aller Welt an. Hinzu kommen nun auch zunehmend globale Investitionsmittel und Ideen, wie kürzlich beim Einstieg des finanzstärksten Versicherers der Welt in die FinTech-Schmiede Finleap. Was hier über die verschiedenen Sektoren wächst, wird natürlich auch deutschlandweit geerntet: Indem das Personal direkt mit mehr Gehalt abgeworben wird oder indem die fertigen Ideen dann wieder an den Stammsitz oder die Produktionsstätten fließen. Wirklich bedrohlich wird es erst, wenn tatsächlich alte Wirtschaftsfelder umgepflügt und ersetzt werden und ggf. gleich die gesamte Wertschöpfung inklusive Produktion neu entsteht. Dafür hat Berlin zumindest im großen Maßstab aber überhaupt nicht den Platz. Mehr Schlagkraft hätte man dann schon eher gemeinsam mit Brandenburg. Aber selbst dann sehe ich mehr Nutzen als Schaden für andere Regionen.

  • Noch mehr Gründergeist

    Riesiger Startup-Hub in Schmargendorf geplant
    Auf dem Areal der ehemaligen Tabakfabrik Reemtsma in Berlin Schmargendorf soll innerhalb der nächsten 5-6 Jahre in enger Bebauung auf 5 bis 6 Etagen sowie 200.000 Quadratmetern u.a. ein neues Gründerzentrum angesiedelt werden. Außerdem soll es 1-2 Hotels, Nahversorgung, Gastronomie und Freizeitbetrieb (Kino, Theater, Schwimmbad) geben. Wohnungen sind hingegen nicht geplant, auch weil die Politik hierbei häufiger Steine in den Weg lege (Wink mit dem Zaunpfahl, Frau Lompscher). Insgesamt sollen dennoch 1 Milliarde investiert und 10.000 bis 20.000 Jobs abgesiedelt werden. Betriebe können von 400 bis 5.000 Quadratmeter anmieten. Das Interesse sei schon jetzt gewaltig. Das Areal ist laut Artikel größer als der Potsdamer Platz und das Investitionsvolumen noch höher als die geplante Startsumme bei Siemens!


    Die Dachflächen sowie Freiflächen um und zwischen den Gebäuden sollen für Grünanlagen sowie urban gardening genutzt werden. Zudem soll teilweise Holz als Baustoff genutzt und Geothermie eingesetzt werden.


    Der Betreiber bleibt übrigens vorerst geheim (klingt nach einem ziemlich großen Fisch)
    Quelle tagesspiegel.de


    Sartorius gesellt sich zu Otto Bock
    Während sich der Otto Bock Campus voraussichtlich bis 2022 verzögert, hat der Pharmakonzern Sartorius nun eine erhebliche Ausweitung seiner Aktivitäten am Standort beschlossen. Aus einer kleinen Startup-Schmiede wird eine richtige Entwicklungseinheit mit 80 bis 100 Mitarbeitern aus "kreativen und IT-Bereichen" mit Schwerpunkten wie Digitales Marketing, Software Engineering, Design und Business Development. Der Hintergrund der Ansiedlung ist exakt derselbe wie bei Otto Bock selbst: Während der Konzern attraktiv für die entscheidenden kreativen Köpfe ist, besitzt der Standort des Stammsitzes nicht genügend Strahlkraft.
    Quelle morgenpost.de

  • Wohnungen sind hingegen nicht geplant, auch weil die Politik hierbei häufiger Steine in den Weg lege (Wink mit dem Zaunpfahl, Frau Lompscher).


    Wohl nicht ausschließlich Lompscher. Aus persönlichem Interesse habe ich das Projekt verfolgt. Zum einen wollte der Bezirk unbedingt Gewerbestandorte erhalten, zum anderen fürchtete der Investor auch Auflagen im Wohnungsbau wegen der benachbarten Autobahn. Aber stimmt schon, der Aufwand zur Umwidmung von Gewerbe- in Wohnflächen hätte sich für den Investor nicht gelohnt. Ebenso traurig dass man hochverdichtet baut, weil man Zeitverzögerungen fürchtet, wenn ein Bebauungsplan wegen einem Hochhaus erstellt werden muss.

  • Bousset: Stimmt schon, die Aussage bezüglich Verzicht auf Wohnungsbau bleiben im Allgemeinen und nennen niemand spezifisch: „Zum Glück, so sind die Anfeindungen aus der Politik etwas geringer“. Aber in dieser Formulierung steckt mE doch eine eindeutige Botschaft an eine gewisse Form der Politik. Da ich aus dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zumindest bislang noch nie entsprechende Dinge gehört habe, blieb für mich eigentlich nur der Berliner Senat als Adressat (und da erlebt man entsprechende Anfeindungen und bewusstes Gegeneinander in der Auseinandersetzung mit Investoren ja recht regelmäßig). Aber es kann natürlich trotzdem sein, dass hier etwas anderes gemeint war oder das Ganze eher vorgeschoben wurde.


    Gespannt bin ich ja, wer den Campus betreiben soll. Wird schon einen Grund geben, dass man erstmal nicht öffentlich genannt werden möchte. Die Causa Google Campus (oder BMW Lab) in Kreuzberg hat gehörig Wellen geschlagen, sogar international. Auch beim Euref, das heute als Erfolgsprojekt gefeiert wird, gab es zunächst gehörige Misstöne und auch im Siemenskonzern gab es heftige interne Auseinandersetzungen ob man trotz der anfänglichen Haltung des Senats trotzdem hier in Berlin investiert. Ganz zu schweigen vom Fall Hypoport...