Wirtschaft, Politik, Forschung, Gesellschaft

  • Im Ernst: Ihr "zumindest" legt nahe, dass Sie auch auf Bundesebene Unregelmäßigkeiten unterstellen. Haben Sie da mehr zu bieten als das Raunen des Verschwörungstheoretikers? ... weil es in rund 10 Prozent der Wahllokale Pannen gegeben habe.


    Ich hätte jetzt von Ihnen gerne mal Klartext: Gehen Sie von schlechter Organisation aus (die ist unstrittig), oder behaupten Sie, dass es in Berlin bewussten Wahlbbetrug zugunsten bestimmter Parteien gegeben hat? Wenn Letzteres, dann bitte Belege!

    Logik "Verschwörungstheorien" im Jahre 2021: Es ist immer die Frage wer diese ausgibt. Habe ich als Bürger Zweifel, bin ich ein sogenannter "Verschwörungstheoretiker". Machen das die gelobpreisten Führer bzw. Experten dann ist dem bedingungslos zu folgen. Z. B. der Irak hat Massenvernichtungswaffen, sie, lieber Mitforist würden dem Kriegsgschrei heute sicher zujubeln. Zum Glück gab es damals diese heute als "Verschwörungstheoretiker" bezeichneten Subjekte auch in der deutschen Regierung und in den Medien. Danke Verschwörungstheoretiker Fischer/Schröder, das war damals eine Sternstunde unserer Geschichte.

    Aber wir akzeptieren und tolerieren ja heute im Jahre 2021 auch die systematische Ausgrenzung von sogenannten "Nicht-Geimpften". Ich hätte mir das für unser Land mit seiner Geschichte niemals mehr vorstellen können. Wie geht es mit den heute "nur" Ausgegrenzten weiter? Oder wen grenzen wir morgen aus, die Feindbilder sind schnell gewechselt und unser Land ist nun geübt darin. Aha ich weiß... „alles Verschwörungstheorie“. Jawoll, Marsch Marsch und immer nach unten treten, das ist der neue ideale Staatsuntertan.


    Zurück zu meinem Einwurf #954:

    Mein "zumindest". Sollte es auch bei der BTW in Berlin Unregelmäßigkeiten gegeben haben, so würden diese auf die gesamte Bundesebene nicht gravierend ausfallen. Bei der Berlin-Wahl sind jedoch auch ihre angeführten "10 Prozent Pannen" entscheidend.

    Was sie mit "bewussten Wahlbetrug" meinen ist mir unbekannt. Lieber Mitforist, es ist nicht Demokratie den ganzen Tag über irgendeine Koalition und Posten zu debattieren, das sind Folgen eines Wahlergebnisses.

    Wenn aber die Wahl an sich sehr zweifelhaft abgelaufen ist, so sollte zumindest (!!) um Schaden von der Demokratie abzuwenden eine saubere Neuwahl durchgeführt werden, mit was für einem Ergebnis auch immer und wenn es das gleiche ist wie jetzt.

    Unser Land rennt als selbsternannte moralische Großmacht durch die Welt insbesondere Europa und verkündet die lupenreine Demokratie. Nicht nur peinlich sondern auch ins höchst Unglaubwürdige manövriert sich dieses Land (dem ich Größenwahl unterstelle) das in seiner Hauptstadt keine saubere Wahl durchführen kann!

  • In der Berliner Zeitung gibt es Informationen über den Inhalt des Sonderierungspapiers von RGR. Darin wird u.a. erwähnt, dass die SPD das von den Linken geführte Bauressort übernehmen wird.

    Evtl. war das Berliner Ampel-Geblinke dann so eine Art Scharade von Giffey, mit dem Ziel die Verhandlungsmasse zu erhöhen, um den Linken das Bauressort aus den Fingern reißen zu können. Wir wissen ja, dass sie Freunde bei Signa und vermutlich noch anderen Immobilienentwicklern hat. Für Berlin wäre das tatsächlich die wohl beste Nachricht in der ganzen Mieseria. Man muss auch mal hoffen dürfen. :daumen:

  • Wenn aber die Wahl an sich sehr zweifelhaft abgelaufen ist, so sollte zumindest (!!) um Schaden von der Demokratie abzuwenden eine saubere Neuwahl durchgeführt werden, mit was für einem Ergebnis auch immer und wenn es das gleiche ist wie jetzt.

    Unser Land rennt als selbsternannte moralische Großmacht durch die Welt insbesondere Europa und verkündet die lupenreine Demokratie. Nicht nur peinlich sondern auch ins höchst Unglaubwürdige manövriert sich dieses Land (dem ich Größenwahl unterstelle) das in seiner Hauptstadt keine saubere Wahl durchführen kann!

    Ich finde es unglaublich peinlich und würde es als angebracht sehen, diese zwingende Neuwahl von der OSZE beobachten zu lassen.

    Diese Wahl war aus meiner Sicht absolut fragwürdig.

  • "Sozial-liberal" ist für mich vor allem eine politische Konstellation der 1970er-Jahre, die zeitlich und inhaltlich vor der neoliberalen Wende der FDP und später (vielleicht vorübergehend) auch der SPD lag. Es ist ja kein Zufall, dass beim Thema "sozialer Liberalismus" immer noch Leute zitiert werden, die – wie Gerhard Baum – inzwischen stramm auf die 90 zugehen. Elder Statesmen, die einer leider fast ausgestorbenen Denkschule angehören.


    Die Kombination von "sozial" und "liberal" bringt hier im Forum derzeit Forderungen wie den Abriss günstiger Wohnungen in Mitte hervor – schließlich gebe es davon nicht genug für alle, also seien deren Bewohner "privilegiert" und es sei nur sozial gerecht, wenn es gar keine mehr gebe. Gerecht ist nur der Markt – so könnte man diese Haltung zusammenfassen. Ich wünschte, bei der FDP würden auch wieder andere Stimmen laut. Das halte ich aber unter Leuten wie Lindner und Czaja für ausgeschlossen.


    Das ist ja schön für dich, wenn du Sozialliberalismus so definierst. Anders würde ich es von dir auch nicht erwarten. Ich geb ja zu, dass der sozialliberale Teil der FDP sehr geschwächt ist (und ich daher immer mit leichten Bauchweh mein Kreuz bei dieser Partei mache), deshalb sind auch Parteien wie die Piraten und Volt entstanden. Aber von einer halbtoten politischen Strömung zu sprechen ist schon frech, in meinem privaten Umfeld sind fast alle sozialliberal (im Gegensatz zu "Linksliberalen" nach Wagenknecht) und wünschen sich wieder eine progressive Politik, bei der das Beste aus individueller Freiheit, Eigenverantwortung, Förderung und Wertschätzung von Unternehmertum etc mit einem starken und effizienten Staat kombiniert wird, der überall da eingreift, wo Marktkräfte versagen und es zu sozialen oder auch ökologischen Schieflagen kommt (Bildung, Gesundheit, Wohnungsmarkt, Arbeitnehmer/geber-Beziehungen usw).


    Im Idealfall kann das mit einer Ampel gelingen.

  • HU-Präsidentin Kunst tritt aus Protest gegen neues Hochschulgesetz zurück - TU, FU und UdK äußern geschlossen Verständnis und inhaltliche Zustimmung - Müller und sein Team bekunden hingegen Verwunderung und Unverständnis


    Und wieder einmal demonstriert der Berliner Senat mE bestürzende Unfähigkeit beim Erlassen sinnvoll umsetzbarer Gesetze und Reformen. Man schmeißt "gut gemeinte aber schlecht gemachte" (O-Ton Kunst) und nie gründlich mit gesundem Menschenverstand durchdachte oder mit Verantwortlichen der praktischen Umsetzung abgestimmte (O-Ton jan85) Novellen hin - und "wundert" sich dann noch über überfordertes Stöhnen, ungläubige Verzweiflung und Reaktionen von kollektiver Resignation bis offenen Protest.


    Hier hat man nun auf den letzten Drücker ohne jede Absprache nicht umsetzbare Vorgaben in Gesetzesform gesetzt und nachträglich launisch angemerkt, man könne das ja noch entsprechend "präzisieren". Zudem würden die Hochschulen das Ganze "absichtlich" falsch auslegen und die "Konfrontation" suchen. Eine mE sehr plausible Interpretation gerade für einen so finalen Akt wie einen Rücktritt. Zumal Frau Kunsts Begründung, in Berlin werde gerne zermürbend strukturlos irgendwie "drumherum" gewurschtelt mE einfach nur wie die Faust aufs Auge trifft. Ich denke, dass sehr viele Kräfte gerade sehr, sehr dankbar für diesen mutigen Schritt sind. Zumal Frau Kunst und ihr Urteil überall hochgeschätzt ist und sie ganz sicher nicht Unsinn daher redet, wie eigentlich selbst die Verantwortlichen sehr genau wissen müssten.


    Zufällig weiß ich zudem sehr genau, dass bspw auch sehr viele Schulleitungen aufgrund des unfähigen Senats ähnlich auf dem Zahnfleisch gehen und absehbar immer weniger vernünftige Leute noch Lust auf solche Jobs haben. Manche sind sogar mit blutendem Herz und schlechtem Gewissen aber völlig fertig und ausgebrannt noch während der Corona-Wirren abgetreten. Viele andere erwägen diesen Schritt sehr ernsthaft und halten nur noch aus Verantwortungsbewusstsein inne. Was da allein in den letzten paar Jahren für unfassbarer Mist verzapft wurde, passt in keinen Beitrag.

    Nur mal zwei der allerjüngsten Beispiele: Ohne jede öffentliche Kommunikation wurde im Juni der 23. Dezember als Ferientag gestrichen. Manche Schulen haben das erst lange nach den Ferien mitbekommen (lange nach der langfristigen Planung ohnehin). Leider nur einer von vielen, vielen, vielen Fällen, wo mal eben solche langwierigen Planungen über den Haufen geworfen wurden. Jetzt hat man es übrigens doch wieder zurückgenommen, wo bereits viele Schulen, Lehrer, Familien erneut umgeplant und u.a. teils Urlaube storniert hatten.

    Dann wurde mitten in den Herbstferien (und natürlich nach den Wahlen!) ein sofortiger Ausgabestopp für alle Berliner Schulen beschlossen, der einige Schulen sogar erst nach offiziellem Inkrafttreten erreichte. So wie manche Lehrer immer noch auf funktionsfähige Dienstgeräte warten oder fürchten, dass Datenschützer im Senat über Jahre aufgebaute Plattformen demnächst abschalten und durch katastrophale Alternativen ersetzen.

    Das sind alles völlig respektlose, schier unfassbare Vorgänge. Während der Coronahochphase passierte Ähnliches aber fast im Wochentakt. Schule wurde de facto völlig unplanbar, die Vorgaben nicht umsetzbar (gerne dutzende Seiten am Samstag gültig ab Montag und sofort zu kommunizieren). Alles letztlich auf Kosten der Schüler, die nie zuvor dringender leistungs- und tragfähige Strukturen gebraucht hätten. Gerettet haben es im Zweifel alleine die Kräfte, denen das Wohl der Kinder sogar wichtiger war als die eigene Gesundheit oder das Konto.


    So etwas zermürbt und frustriert, weil so viele engagierte Leute unnötig(!!!) zusätzlich belastet und ausgebremst wurden und werden, bis alles immer mehr zusammenbricht. Und das Ganze immer wieder und wieder und wieder. Völlig ohne Lerneffekt.


    Ich hoffe nur inständig, dass wenigstens der bedauerliche Rücktritt von Frau Kunst eine gewisse Wirkung erzielt. Immerhin war ja gerade die Wissenschaftslandschaft der ganz große Stolz von Herrn Müller, womit er eigentlich sein Vermächtnis aufbauen wollte. Dass ausgerechnet hier einer seiner letzten "Akte" solche Wellen schlägt, geschieht ihm mE nur Recht und seine zurückgelassenen weiterhin Verantwortlichen werden hoffentlich auch bald mehr als nur ein "Ui" beizutragen haben.


    Ich bin mir aber sicher, dass auch jetzt wieder Apologeten des Senats in die Bresche springen und alles als großartig verklären und umdeuten werden. Ich fühle mich dagegen einmal mehr resigniert und verärgert aufgrund der Ignoranz und Hybris dieser Verantwortlichen, die immer wieder so großen Schaden anrichten, statt ihrer Stadt demütig und nach bestem Vermögen zu dienen. Ich habe mein Berlin immer geliebt, aber wenn die nächste Legislaturperiode nicht deutlich besser statt noch schlimmer wird, erwäge ich auch einen Wegzug. Es ist irgendwann einfach nicht mehr auszuhalten, wenn man nicht entsprechend abstumpft und gleichgültig wird.


    Quellen:

    rbb

    Morgenpost via Presseportal

    Tagesspiegel

    F.A.Z.

    Die Zeit

    Sueddeutsche

  • Nachtrag: Ich habe gerade nochmal diverse Quellen recherchiert und kann für einen schnellen Überblick vor allem diesen Tagesspiegel-Artikel empfehlen, konkret ab der Zwischenüberschrift "das Vorhaben ist ehrenwert, die Richtung zu begrüßen". In der Sache (i.e. der Besserstellung von Nachwuchswissenschaftlern) sehen das viele, die meisten so wie die Zwischenüberschrift, auch Frau Kunst.


    Problematisch ist jedoch einmal mehr die Umsetzung: Als unabgestimmten Schnellschuss kurz vor den Wahlen durchgedrückt sowie finanziell, strukturell und selbst juristisch alles Andere als solide durchdacht. Kurz: Die Unis wussten vorab nichts von der konkreten Ausgestaltung und können es so auch gar nicht umsetzen wie sie müssen. Zudem könnten auch hier Gerichte alles wieder abwickeln wie schon beim Mietendeckel. Wie viel Freude so ein Vorgehen bei den Verantwortlichen auslöst, kann jeder nachvollziehen, der schon einmal derartig stillos hingeworfene Reformmonster umsetzen musste. Wie gesagt: An den Berliner Schulen ist das seit Jahren Alltag. Ebenso übrigens wie Brandbriefe, Überlastungsanzeigen und Maulkörbe.


    Anekdote am Rande: Der sächsische Kultusminister wurde einmal gefragt, wie sich sein Bundesland bei der Bildung an die Spitze setzen konnte. Seine sinngemäße Antwort: Wir haben unseren Schulleitungen, Lehrern und Schülern viele der unzumutbaren Reformen erspart, die einige andere Bundesländer ausprobiert und später oft wieder fallengelassen haben (ausprobiert ist noch nett formuliert) und sie im Zweifel einfach in Ruhe arbeiten lassen. Leider finden solche Menschen viel zu wenig Gehör, auch wenn die empirischen Ergebnisse (und jeder gesunde Menschenverstand) klar für sie sprechen.


    Oder eben wie in Berlin trial und error (leider vor allem sehr viel error). Dazu nochmal aus dem Tagesspiegel: Inzwischen würden die Koalitionäre schon zugeben, dass man die Reform doch nochmal "präzisieren" müsse. Dies sei inzwischen schon eine "traurige Routine" bei Vorhaben der Koalition. Es sagt ja schon alles, wenn Müller sagt, man habe sich da künftig noch abstimmen wollen und habe dafür auch auf Frau Kunst gehofft. Genau das meinte Frau Kunst doch mit ihrem Vorwurf des irgendwie "drumherum" Arbeitens. Vielleicht mal vorher abstimmen und gleich etwas Solides auf die Beine stellen? Ich hoffe jedenfalls immer noch, dass der neue alte Senat die Signale mal wirklich vernimmt und eine neue Kultur lebt. Möglich wäre eine solche innere Erneuerung ja (Müller, Lompscher, Scheeres sind ja bspw alle weg, die mE sehr großen Anteil an den Problemen hatten) und bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

  • Dem ist ja eigentlich nichts hinzuzufügen.

    Was mich dabei immer wieder frustriert ist die relative Gleichgültigkeit der Stadtgesellschaft. Gerade was Schule, Erziehung und Universität betrifft, müssten doch die meisten Eltern hautnah mitbekommen, dass die Schwierigkeiten in Berlin größer sind als anderswo und das seit mindestens 20 Jahren, ob zerfallene Gebäude, Lehrermangel, Stundenausfall usw. und angesichts dessen müssten die meisten doch auf die Barrikaden gehen.

    Und es ist nun mal so, dass man das der SPD zuschreiben muss, missionarisch beansprucht sie jedes Mal den Bildungssenator/in und Frau Scheres (seit 2011) muss schon leicht masochistisch veranlagt sein, anders kann ich es mir nicht erklären, dass sie seit Jahren diese - wohl berechtigte - Kritik erträgt, die natürlich im Laufe der Jahre mit Investitionsstau, einem irren Zuwachs an Schülern und fehlenden Ausbau und Lehrermangel und jetzt auch noch Corona natürlich sie zur Zielscheibe macht.


    Ich bin kein Experte in Bildungspolitik und wahrscheinlich auch nicht ganz objektiv, weil halt in München aufgewachsen, und auch kaum betroffen davon.

    Zwei Punkte sind für mich dennoch auffällig in Berlin.

    Die völlig verpasste Wahrnehmung des Bevölkerungswachstums das etwa 2010 losging und noch im Zuge der Sparen bis es quietscht Politik und vielleicht auch der problematischen Kompetenzstruktur Bezirk/ Senat der dringend notwendige Schulausbau, bzw. erst mal die Aufarbeitung des Investitionsstaus mit Renovierungen usw. von den Bezirken und dem Senat verpasst wurde.


    Das andere Problem liegt in der ursprünglich von der SPD besetzten natürlich richtigen Forderung, dass Bildung allen gleich zur Verfügung stehen sollte. Was in den siebziger Jahren und danach noch zu einer Öffnung der Gymnasien und Universitäten für viele Arbeiter und anderen - damals - bildungsfernen Schichten geführt hat, wurde dann im Laufe der Zeit eine ideologisch heftig besetzte Auseinandersetzung über den richtigen Weg.

    Berlin war da besonders eifrig und wollte auf Teufel komm raus ihr Bildungskonzept durchsetzen und hat damit genau das Gegenteil erreicht, was es wollte. Es hat zu einer stärkeren Polarisierung geführt und Verlierer sind diejenigen, die eigentlich mehr Bildungschancen bekommen sollten.


    Der Privatschulen- / konfessionellen Schule Anteil wurde immer größer, weil gerade viele Eltern, die selbst den klassischen Weg gegangen sind, sich um die Ausbildungsqualität sorgten - ob berechtigt oder nicht, kann ich nicht beurteilen, ist aber letztlich irrelevant - und die SPD hat es durch ihre ideologiemotivierte Politik (Gesamtschule) nicht geschafft diese Menschen zu überzeugen, sonders sie vor den Kopf gestoßen. geradezu als Gegner behandelt.

    Zudem war die Sozialstruktur in Berlin mit vielen Stadtvierteln mit hohen Migrantenanteil eine Überforderung für jedes Bildungssystem, das hat es auch nicht leichter gemacht.

    Und Corona hat nochmal gezeigt, dass wieder genau diejenigen leiden, die eh schon benachteiligt sind. Und ein Ruhmesblatt für den Bildungsstandort Deutschland war und ist diese Zeit bestimmt nicht, ob jetzt in Berlin oder Bayern, die Defizite sind da überall zu sehen.

    Besser verdienende Eltern und selber bildungsaffin können vielleicht noch eher dafür sorgen, dass ihre Kinder leistungsmäßig nicht allzu sehr abfallen. Für sehr viele andere ist das einfach nicht machbar und das ist einfach nur deprimierend.

    Die SPD hat durch eigenes Versagen wesentlich dazu beigetragen, dass Berlin in der Bildungspolitik da steht wo es jetzt ist, ziemlich weit unten im Vergleich zu allen anderen Bundesländern.

    Und der Weg zu Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Bayern oder andere, die vielleicht eine weniger progressive Bildungspolitik verfolgt haben, haben bessere Gesamtergebnisse vorzuzeigen auch unter denjenigen, denen sich die SPD angeblich so verpflichtet fühlt.

  • Theseus532 "Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert". Genau das. Man will um jeden Preis etwas vorzeigen und Schlagworte wie jahrgangsübergreifendes Lernen oder Inklusion klingen immer positiv (und könnten bei passenden, ausreichend flexiblen Voraussetzungen auch tatsächlich oft gut umgesetzt werden). Wenn man überlastete Strukturen aber immer wieder unter hohem Zeitdruck mit engen, verbindlichen neuen Pflichten beschießt, wird das selten gut gehen.


    Für mich persönlich ist gute Politik immer funktionierende Politik. Und funktionierende Bildungspolitik ist für mich mit die wichtigste Sozialpolitik, die es geben kann. Tatsächlich gehen in Berlin seit Jaren vor allem die Benachteiligten immer weiter verloren (eine Inflation der Noten und Abschlüsse, Streichen des Sitzenbleibens sowie ein bundesweit beispielloses Zurückhalten von Ergebnissen unabhängiger Vergleichsarbeiten sollen das vertuschen). Und ausgerechnet die verantwortlichen "progressiven" Eliten ersparen den eigenen Kindern gerne die Auseinandersetzung mit diesen tollen, ständig neu gestalteten Strukturen und nutzen Privatschulen. Funktioniert hat beispielsweise mal die Vorschule, die alle Kinder vor Schuleintritt auf ein gewisses Grundniveau hob (ggf. bei Härtefällen auch in zwei Jahren), statt Kinder mit Defiziten und wachsender Frustration irgendwie durchzuschleifen. Wurde vor Jahrzehnten mal von der SPD abgeschafft und der Fehler trotz kollektivem Flehen nie wieder korrigiert. Heute wollen das nur noch CDU und ausgerechnet die AfD zurück bringen, womit es faktisch tot ist...

  • Erster Anstieg bei Corona-Sterbefällen in Berlin

    Auch wenn es (überraschenderweise!) noch nirgendwo berichtet wird, scheinen wir jetzt doch wieder einen negativen Trend zu erleben.

    Leider hat sich die Dynamik nur 3 Wochen später sehr deutlich weiter verfestigt. Die Fallzahlen steigen inzwischen rapide wie seit einigen Monaten nicht mehr, die Intensivstationen füllen sich langsam aber stetig wieder und es wird jetzt leider auch wieder mehr an Covid-19 gestorben (7, 7 und 9 Todesfälle alleine in den letzten 3 Tagen).


    Dabei gibt es sonst ja eigentlich gute Nachrichten in Bezug auf die Impfquote. Berlin liegt inzwischen offiziell bei ziemlich exakt 2 Dritteln vollständig Geimpften. Zudem soll die inoffizielle Quote laut RKI ja sogar noch rund 5 Prozent darüber liegen. Und auch bei den Genesenen soll die Immunisierung nach diversen Studien eher deutlich länger anhalten als die offiziell zu Grunde gelegten 6 Monate. Im Grunde müsste Berlin mit allein offiziell über 220.000 Genesenen zzgl. Dunkelziffer also inzwischen die für eine Herdenimmunität angenommenen 75% Immunisierung bereits erreicht bzw. überschritten haben.


    Ich befürchte nur, dass die 75 Prozent entweder für die aggressiveren Varianten noch zu niedrig angesetzt waren ODER ein recht massives Problem mit Impfdurchbrüchen besteht ODER aber einzelne, relativ geballt zusammenlebende Bevölkerungsgruppen noch deutlich zu geringe Quoten aufweisen und das Virus so immer wieder auflebt (aus verschiedenen europäischen Ländern gibt es bspw. gerade unter Migranten besonders hohe Inzidenzen, von Deutschland weiß ich es aber nicht explizit). Es kann natürlich auch eine Kombination aus diesen und möglichen weiteren Faktoren sein.


    So oder so müssen wir uns nun leider darauf einstellen, dass sich die Lage doch noch einmal verschärft, bevor es dann hoffentlich im Frühjahr endlich weitgehend überstanden ist. Ich war eigentlich hoffnungsvoll, dass wir das nicht nochmal so intensiv erleben müssen. Aber noch muss man die Dynamik erst einmal weiter beobachten.

  • Im Grunde müsste Berlin mit allein offiziell über 220.000 Genesenen zzgl. Dunkelziffer also inzwischen die für eine Herdenimmunität angenommenen 75% Immunisierung bereits erreicht bzw. überschritten haben.


    Nein. Selbst Dr. Karl Lauterbach sagt inzwischen, dass mit den derzeit zur Verfügung stehenden Impfstoffen keine Herdenimmunität zu erreichen ist. Sie stellen keine sterile Immunität her, d.h. auch Geimpfte können sich relativ leicht anstecken. Das Thema "Corona" bleibt b.a.w.

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    Diese "sterile Herdenimmunität" ist aber auch mit den altbekannten Impfungen gegen die jährlichen Influenza-Viren nicht erreichbar. Auch hier können sich gegen Influenza geimpfte trotzdem anstecken, wobei der Verlauf in vielen Fällen dann allerdings deutlich milder ist. Der Ansatz "Geimpft=Nie wieder ansteckbar" war eigtl. zu keinem Zeitpunkt jemals realistisch. Mittlerweile mehren sich die Fälle schwer verlaufender RSV-Infektionen bei Kindern. Das sind "einfache" Erkältungsviren, an denen Kinder normalerweise ihr Immunsystem trainieren und die später höchstens noch ne laufende Nase verursachen. Die vielen Abstands-Maßnahmen inklusive Schulschließungen haben wohl dazu geführt, dass da ein paar Trainingsrunden ausgefallen sind für die Kids.

    Wir haben die Kleinsten geschwächt um die Ältesten zu schützen. Sind die Ältesten jetzt hinreichend geschützt, braucht es nun jedes Jahr eine Boosterimpfung oder müssen die Kleinsten nun gar auf ewig hinten an stehen? Mir scheint dieser Punkt noch nicht ganz klar, aber ich möchte definitiv keine Gesellschaft, die sich dauerhaft in Gefährdungsklassen trennt und in der sich Alt und Jung nicht mehr sorgenfrei in den Arm nehmen können. Auf einen "100%-Impfstoff" zu warten wird nicht funktionieren. Am Ende werden wir damit leben müssen, dass ein (kleiner) Teil der Krankenhausbetten jährlich für Covid reserviert werden muss, so wie auch ein (kleiner) Teil der KK-Betten jährlich für Influenza reserviert werden muss. Deswegen braucht es neben Impfungen auch gute Medikamte, die eine akute Infektion bekämpfen können. Das haben wir mit Influenza ja auch (beides parallel). Und wenn wir das haben, eine Kombination aus bestmöglich wirksamen Impfungen mit bestmöglich wirksamer Medikation, -dann muss es aber auch mal gut sein mit dem Thema.

    https://www.rbb24.de/panorama/…s-berlin-brandenburg.html

  • Daimler E-Motoren made in Berlin werden Realität - Daimler wertet Berlin laut Analysen zu einem seiner wichtigsten Deutschen Standorte auf!

    Zuletzt gab es hier und hier Details zum Rückzug vom Rückzug bei Daimlers ältesten Deutschen Werkes in Berlin Marienfelde. Nach wichtigen Antriebskomponenten, sowie einem bedeutendem Kompetenzzentrum für Software und die Weiterentwicklung der digitalen Produktion kommt nun ein weiterer Knaller: Berlin wird nun doch weiter Motoren produzieren und zwar (als mW bislang einziger Deutscher Standort) sogar E-Motoren - konkret leistungsstarke Varianten für die Tochter AMG! Ich erinnere mich noch gut, wie Berlin mal im Rennen um den kleinen Motor des e-Smart stand und wie enttäuscht ich über die Absage war. Inzwischen werden E-Smarts ohnehin komplett in China entwickelt und produziert. Dafür kommt Berlin nun am anderen Ende des Spektrums zum Zuge, eben bei besagten AMG-Performance-Varianten. Es werden zwar nicht so viele wie bei den von Zulieferern produzierten regulären Motoren der EQ-Modelle werden, aber dennoch ist es erfreulich (zumal Daimler mW hierzulande bald sonst gar keine eigenen Motoren mehr baut). Für die Pläne wird zudem noch einmal ein "kleiner neunstelliger Betrag" in den Standort investiert. Damit sollen nun auch die je nach Quelle ca. 2.300-2.500 Berliner Arbeitsplätze vorerst gesichert sein (mindestens bis 2029).

    ntv

    finanzen.net

    manager magazin

    Berliner Kurier

    Berliner Zeitung


    In der Summe bedeuten diese Investitionen eine weitere Aufwertung des Standorts. Wichtige Elemente wie große Antriebskomponenten, das hochgepriesene Bediensystem MBUX, die Navigationssoftware HERE, im Verbund mit BMW entwickelte digitale Geschäftsmodelle und nun eben auch Highend-Elektromotoren kommen künftig alle aus der Hauptstadt. Zudem werden weltweit Werksleiter und -mitarbeiter zur Schulung ins Berliner Werk geschickt und auch wichtige Software wird hier zuerst entwickelt und erprobt. Und das (kurz) nachdem man zeitweise davon ausgehen musste, dass Berlin "nur" noch als Verwaltungsstandort (u.a. Mercedes Benz Bank) eine größere Rolle spielen wird. Einige Analysten gehen davon aus, dass Daimler seine Innovationskraft nun u.a. so stark auf Berlin konzentriert, um Tesla Paroli zu bieten. Sicher möglich, im Ergebnis ist es letztlich aber unerheblich. Spannend finde ich, dass in Berlin künftig dann E-Motoren für Fahrräder (Brose), E-Roller und -Motorräder (BMW) und nunmehr eben auch Autos (Daimler/AMG) entstehen. Dazu dann perspektivisch eine Design- und Entwicklungsabteilung (Tesla) und in Brandenburg Produktion von Fahrzeugen und Batterien (auch Tesla).

  • spandauer Gute Frage. Da kann ich leider nicht weiterhelfen. Ich weiß nur, dass Berlin u.a. Kompetenzzentrum für Ventilsteuerung war bzw. noch ist. Das war auch lange eine durchaus wichtige Funktion, gerade um die vielen überall produzierten Motoren effizienter und weniger umweltschädlich zu machen. Wenn das alles ersatzlos weggefallen wäre, dann hätte Berlin schon ein Stück seiner Industrielandschaft verloren. Und danach sah es ja leider einige Zeit aus.


    Künftig ist man stattdessen nun aber wie gesagt Kompetenzzentrum für konzerneigene Elektromotoren sowie für digitale Fertigung inklusive entsprechender Softwareentwicklung (Industrie 4.0). Dazu die angesprochenen Bereiche, die auch in den letzten Jahren hinzugekommen sind, auch wenn es teilweise an anderen Standorten in der Stadt angesiedelt wurde. Da kommen schon einige spannende Teile der Wertschöpfung zusammen. Vor allem sind es alles zukunftgerichtete Investitionen.

  • Kompetenzzentrum für konzerneigene Elektromotoren

    So wie ich das verstanden habe doch aber nur für AMG-Motoren? Daher rührte nämlich meine vorherige Frage. Wenn man Marienfelde als bisheriges Zentrum des Dieselmotorbaus des gesamten Daimler-Konzerns mit vielleicht 500.000 Motoren jährlich durch eines ersetzt, welches nur für AMG vielleicht 10.000 E-Motoren jährlich ersetzt, wird das natürlich auch Auswirkung auf die Beschäftigung haben und die Jubelmeldungen sollten vielleicht etwas nüchterner betrachtet werden.


    Was ich mir natürlich wünschen würde wäre, wenn Marienfelde Zentrum des kompletten E-Motorenbaus des Daimler-Konzerns würde.


    BTW: ab 2023 soll es ja den neuen E-Sprinter geben, der weltweit an nur drei Standorten gefertigt werden soll. Charlotte in den USA, Düsseldorf und Ludwigsfelde südlich von Berlin. Ich konnte bisher nichts darüber finden, was da für Motoren rein kommen sollen bzw. wer die baut. Daimler selbst wohl nicht, oder? Es würde natürlich nicht nur wegen der räumlichen Nähe zwischen Marienfelde und Ludwigsfelde Sinn ergeben, wenn Marienfelde nicht nur AMG-Motoren in Kleinserien baute.

  • spandauer Ja, es steht dabei, dass es sich (zunächst?) um kleinere Serien für AMG handelt, die in England entwickelt und in Berlin produziert werden. Natürlich wäre es besser, die regulären Motoren für die EQ-Serien zu bauen. Aber die kommen bisher grundsätzlich von Zulieferern. Wenn sich daran je was ändert, wäre Berlins Status als Kompetenzzentrum für konzerneigene E-Motoren aber schon mal eine gute Ausgangsposition.


    Bei der Bewertung des Ganzen darf man mE einige Punkte nicht vergessen:

    - Andere, teils größere Standorte sind vom Wandel sehr viel negativer betroffen. Zumindest vorerst bleibt vom Motorenbau kaum was übrig und das landet nun ausgerechnet in Berlin. Zusammen mit den anderen Komponenten (große Antriebsmodule, Bedienungsystem) für besagte EQ-Großserien und die Weiterentwicklung der Fertigung inkl. Kooperation mit Siemens ist man zuletzt sehr ordentlich bedacht worden.

    - Das Werk sollte ursprünglich deutlich zurück gebaut werden und wäre zunehmend in der Bedeutungslosigkeit verschwunden oder aber ganz geschlossen worden. Es wurde wirklich hart gerungen und konkret dieser öffentliche Widerstand sowie auch die Tesla-Ansiedlung hätte die Umsetzung der Abwicklungspläne symbolisch sehr unpopulär für Daimler gemacht. Nun hat man auf Offensive umgeschaltet.

    - Die große Euphorie kommt nicht einmal nur vom Konzern, sondern gerade auch von den Gewerkschaftern und Betriebsräten. Die Berliner Jobs sind nun erheblich sicherer als sie es vorher viele Jahre waren.


    Noch zu Deinem Rechenbeispiel: Wie gesagt weiß ich auch nicht, wieviele Motoren Berlin gebaut hat. Aber man hat mW schon seit langem eher einen kleineren Anteil zum Gesamtvolumen beigesteuert und zuletzt nur noch bestimmte Diesmotoren. Ich glaube also nicht, dass es anannähernd 500.000 waren. Denn mW baut Daimler weltweit keine 3 Mio Fahrzeuge und für die prestigeträchtigen Motoren waren mW vor allem die süddeutschen Werke relevant, während Motoren für Kompaktwagen, Transporter etc gerne extern von Renault zugekauft wurden. Berlin hat mE also eher wichtige Teilkomponenten in großem Volumen geliefert als massenhaft Motoren.