Wirtschaft, Politik, Forschung, Gesellschaft, Tourismus

  • Open AI kündigt Berliner Büro an
    Damit erhält Deutschland gut 1 Jahr nach der Niederlassung in München eine zweite Abteilung. In München ist man übrigens mit 12 Leuten gestartet. Für Berlin gibt es bis auf die Ankündigung selbst noch keine konkreten Infos zu Adresse, Flächengröße, Mitarbeiterzahl, Aufgaben etc. Zum Zeitpunkt hieß es nur "ziemlich bald". Dann dürften entsprechend also auch zeitnah weitere Infos fließen.
    handelsblatt.com, blogspan.net

    Einmal editiert, zuletzt von jan85 (15. August 2026 um 05:01)

  • Damit steht Berlin auf einer Stufe mit einer Reihe andere mehr oder weniger gut beleuchteter europäischer Hauptstädte (Dublin, London, Paris, Brüssel), die ebenfalls Open AI beherbergen...

    Pardon, ich könnte mich nicht zurückhalten...

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Open AI kündigt Berliner Büro an
    (...) gibt es bis auf die Ankündigung selbst noch keine konkreten Infos (...) Zum Zeitpunkt hieß es nur "ziemlich bald". (...)

    Na das passt ja vortrefflich zur allgemeinen Businesskultur in dem Bereich. 😄


    Na ja — damit es nicht in den Boulevard of Spam verschoben wird (sagte er mit einem wohlplatzierten Gedankenstrich):
    Schön für Open AI (vermutlich?). Große Erwartungen verbinde ich mit diesem Wirtschaftszweig gelinde gesagt nicht.

    Wohlgemerkt: Ich spreche von LLMs zur Erstellung von Medien. Bei dem, was sonst von Gespräch in der Mittagspause über die Presse bis hin zur Politik unter 'KI" subsummiert wird, mag einiges durchaus Fortschritt in wichtigen Gebieten bringen.

  • Die zurückgehenden Tourismuszahlen haben meiner Ansicht nach mit folgenden Entwicklungen zu tun

    • der Hipster Trend ist untergegangen, für den Berlin und Brooklyn gestanden haben. Brooklyn ist jetzt für Yuppies (Reportage hierzu auf Arte). Berlin fehlt dafür die Finanz- und Beratungsbranche die in Frankfurt, Düsseldorf und München sitzt.
    • Berlin steht für Party aber Gen Z macht keine Party und dated nicht mehr.
    • Aktuell ist Luxus und Selfcare in einer stressigen Welt gefragt. Berlin steht eher für rau und unangepasst wie wild, was Gen Z und der aktuelle Trend alles nicht ist.
    • Durch Corona ist viel der kleinen Lebenskünstler, Alternativen, kleinen Bars etc. zerstört bzw. von großen Ketten ersetzt worden. Gerade in Berlin hat dies viel von der Seele der Stadt ausgemacht.
    • Berlin steht für Linksliberal und "Woke". Hier entwickelt sich gerade der Konsens, dass dies eine Überreaktion auf frühere Ungerechtigkeit gewesen ist. Es war zwar im Grundsatz richtig, ist aber übertrieben worden und wird aktuell als nervig angesehen.
    • Berlin stand zudem für Startup Culture, die im Moment auch Probleme hat. Die Tech Unternehmen wandeln sich von PingPong hin zu normalen Unternehmen. Im Moment entstehen neue Unternehmen im Verteidigungssektor und Energiesektor in München und anderswo, womit Berlin aktuell nicht als Vorreiter angesehen werden kann. Dies gilt aktuell auch für Architektur, Kleidung, Kunst und Kultur. Subjektiv wirken die Berliner Entwicklungen bedarfsorientiert und piefig.
    • Berlin ist nach wie vor zu hässlich und mit städtebaulichen Unorten versehen sowie nicht ausreichend mit Sonnenschein und Lebensqualität bedacht, um für die Instagram Normalmenschen relevant zu sein und für die alternativen Künstler inzwischen zu teuer.
    • Das Berliner Sparen ist auch ein Problem, obwohl ich dies eher bei dem Zustand bestimmter Straßen oder dem Abgeben von Veranstaltungen wie der Love Parade als Alleinstellungsmerkmal ansehe, als bei nächtlicher Illumination. Aber auch hier gilt, Menschen fanden es vor zehn Jahren cool wenn alles etwas abgeranzt und zugeschmiert aussieht. Aktuell gilt das nicht mehr so.

      Zusammengefasst hat sich die Welt weitergedreht und ist (insbesondere Gen Z) nicht an dem interessiert, wofür Berlin steht. Zugleich wird Berlin nicht mehr in dem Maße als Vorreiter wahrgenommen und trotz großer Entwicklungen fehlt der Haushalt und die Wirtschaftskraft sich in den aktuellen Trends neu zu erfinden.

    Einmal editiert, zuletzt von LukaTonio (26. August 2026 um 19:04)

  • ^ Eine aktuelle Allensbach-Umfrage (vgl. hier) scheint die Aussage, dass Berlin nicht mehr in dem Maße als Vorreiter wahrgenommen wird wie früher, indirekt zu bestätigen. Während bei einer Umfrage im Jahr 2007 66 Prozent angegeben hatten, die Hauptstadt sei eine faszinierende Metropole und nur 14 Prozent äußerten, Berlin habe keine Ausstrahlung, stimmen heute nur noch 31 Prozent der Befragten der Aussage zu, Berlin sei eine faszinierende Metropole. 36 Prozent dagegen finden, Berlin sei eine Hauptstadt ohne Ausstrahlung.

  • Wir erleben allgemein eine zunehmende Entfremdung der Menschen von ihrem Land. Das hat einerseits sicherlich mit der sich seit sieben Jahren verschlechternden wirtschaftlichen Lage zu tun, andererseits aber auch mit der stetig abnehmenden deutsch-europäischen Prägung von Großstädten in Deutschland. Das Stadtbild wandelt sich, und vielen Menschen fällt es zunehmend schwer, sich mit „ihren“ Metropolen zu identifizieren.

  • ^

    Das mag vielleicht in gewissen Bubbles so sein, in München sehe ich keine Entfremdung, im Gegenteil, das Bild Münchens ist so gut wie seit Langem nicht. Man identifiziert sich gerne mit dieser Stadt, obwohl hier auch nicht alles Gold ist was glänzt und die Lebenshaltungskosten teilweise astronomisch sind.

    Vielleicht weil es klischeehaft mehr dem aktuellen ruhigerem/konservativerem Zeitgeist entspricht. Ähnliches auch bei Hamburg und soweit ich mitbekomme auch Köln.

    Die einzige Metropole deren Anziehungskraft leidet, ist aktuell Berlin aus den von LukaTonio genannten Gründen.

  • Ich denke, diese Umfrageergebnisse haben nichts mit einer geringen Attraktivität Berlins, sondern eher mit einer einseitigen Vermarktung zu tun. Berlin hat in der Vergangenheit immer sehr stark auf Clubkultur etc. gesetzt. Dass diese Szene Berlin nicht für immer hip findet, ist natürlich und war zu erwarten.

    Dennoch ist Berlin viel attraktiver als etwa Hamburg, München oder gar Frankfurt. Allein die vielen Seen und die Wälder sind Merkmale, die weder Hamburg noch München vorweisen können. Dann haben wir immerhin drei Welterbestätten, Auch die Hochschullandschaft ist in Deutschland konkurrenzlos, auch wenn einige Gebäude besser instandgehalten werden sollten. All das ist wahrscheinlich zu wenig bekannt, aber wenn man Berlin besser vermarkten würde, könnte sich das ändern.

  • Das wäre mir jetzt neu, dass es in München keine Seen oder Wälder gäbe...

    Wenn ich am HBF in den Regionalzug steige, bin ich in 30 min am Starnberger See, in 60 min an Chiemsee, Tegernsee oder Schliersee... das sind Zeiten, da bin ich in Berlin teilweise noch nicht mal aus der Stadt raus. Von der tatsächlich nutzbaren Isar und all den kleinen Badeseen innerhalb der Stadt noch gar nicht gesprochen.

    Davon abgesehen bin ich aber bei dir, mit einem besseren Marketing, welches nicht nur auf Club- und Subkultur abzielt, könnte Berlin sein Image im In- und Ausland aufpolieren. Vielleicht auch zusammen mit Potsdam und dann mehr Richtung Kunst, Kultur, Schlösser und Parkanlagen. Dass ihr eine riesige Museumsinsel habt, hat sich mittlerweile rumgesprochen, was da aber außer einer Nofretete drinsteht ist der breiten Masse glaub ich weniger bekannt.

  • Hallo,

    ich würde die Zahlen auch nicht überinterpretieren. Durch zunehmende Obdachlosigkeit (das geht jeder Großstadt so) etc. leidet natürlich das Image der großen Städte (Die Umgebung von HH/Köln/Frankfurt Hbf sind auch nicht gerade die nettesten Ecken). Weiterhin sollte auch nicht vergessen werden, dass die Clubkultur generell (seit Corona) nicht mehr so attraktiv ist und auch gerade die Jüngeren eher die Entspannung wie Camping im Grünen suchen.

    Ein Teil der geringeren Touristenströme in 2025 ist natürlich auch der Fußball EM zu verdanken, weil die Hotels im Sommer 24 preismäßig viele Städtetouristen vergrault haben, was nun wieder gerade gerückt wird. Ein weiterer Aspekt sind die vielen Kulturbaustellen. Wenn das Pergamonmuseum wieder eröffnet oder das Museum für Moderne am Kulturforum geht es wieder aufwärts.

    Aber generell stimme ich zu: Wenn der Senat eine kreative/alternative Stadt sein will, dann muss er diesen Szenen auch Freiräume geben, sie also mit günstigen Immobilien versorgen und dauerhaft sichern. Denn wenn man bedenkt, wieviel alternative Kultur noch vor 20/30 Jahren direkt in der Innenstadt war, hat es sich schon geändert. Auf der anderen Seite kann man natürlich sagen, dass bsp. durch Ersetzen des Tacheles durch das Fotografiska die Stadt erwachsener geworden ist.

    Und last but not least: In welcher Zeitung/Medien steht nichts von "dit is Berlin" "failed state Berlin" "Kriminalitätshauptstadt Berlin" etc.? Das verfängt sich halt auch in den Köpfen und wird in den Umfragen wiedergegeben.

  • Herzerweichend was hier zu lesen ist. Ich kenne das Nachtleben von Madrid und Lissabon, südliches Nachtleben ist was Anderes als bei uns, mal unabhängig von der Beleuchtung. Aber schon mal nachts in Kreuzkölln gewesen? Es ist schon reichlich was los da, soweit ich dass bei der dunklen Beleuchtung erkennen konnte.

    In Berlin bin ich in 30 Minuten mit den Öffis an der Grenze zum Grunewald, Tegeler Forst oder Müggelbergen, ganz ohne Regionalexpress sowie innerhalb der Stadtgrenzen. Problem: Das steigert die Lebensqualität der Berliner, aber nicht die Tourismuszahlen denn die wollen nun mal Stadt Pur. Ich wage mal die provokante These, dass die Clubkultur bei den Tourismuszahlen immer etwas überbewertet war. Man sah und sieht Massen an Familien und Leute, die aus dem Club-Alter raus sein dürften und andere Ziele ansteuern.

    Das Image Berlins leidet auch sehr stark durch den Regierungssitz und dem damit verbundenem Hass (ich muss es leider so nennen, nach den aktuellen Kommentaren in der FAZ; da kommt der gemeine Spießer gerade richtig in Fahrt) der Provinz auf die da oben in der Hauptstadt. Dabei braucht man mit dem Rad nicht mal 10 Minuten vom Regierungsviertel, um sich in einem städtischen Umfeld wiederzufinden, dass wahlweise auch in Dortmund, Stuttgart oder sogar München sein könnte.

    Ich war gerade in Nordfrankreich. Die Bretagne ist für ihre Abneigung ggü. Paris bekannt. Man fährt lieber gerne nach Brüssel. Da war ich dann auch. Sehr schön und empfehlenswert, aber deutlich dreckiger und krimineller als Berlin. Das wird der Rest Belgiens bestimmt wieder an seiner Hauptstadt hassen usw..

    Der Vibe von Berlin ist immer noch da, so wie auch Hamburg, München und Köln jeweils ihren eigenen Vibe haben, keine Sorge.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Wir erleben allgemein eine zunehmende Entfremdung der Menschen von ihrem Land.

    Das geht aus der von "ElleDeBE" zitierten Umfrage nicht hervor. 20 Jahre sind eine lange Zeit, da nur die letzten sieben Jahre zu betrachten, greift m.E. zu kurz. Zumal über die Gründe nur spekuliert werden kann. "Klarenbach" hat bereits die Vermarktung, andere User veränderte Interessen / Erwartungshaltungen als mögliche Teilursachen ins Spiel gebracht. Inwiefern diese Umfrage für den Tourismus von Bedeutung ist, steht ohnehin auf einem völlig anderen Blatt Papier.
    Vielleicht entsteht dieser Eindruck einer "Entfremdung" bei dem ein oder anderen auch ein wenig, weil wir sehr gut im Jammern und Meckern sind. Ob diese darüber hinaus tatsächlich stattfindet, würde ich zumindest anzweifeln. In meinem Umfeld bspw. erlebe ich geradezu das Gegenteil. Regionale Produkte boomen, nicht nur im Supermarkt, traditionelle und primär nicht-kommerzielle Veranstaltungen wissen kaum wohin mit den Leuten. Es scheitert am Geld, dass nicht mehr angeboten werden kann.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Dennoch ist Berlin viel attraktiver als etwa Hamburg, München oder gar Frankfurt. Allein die vielen Seen und die Wälder sind Merkmale, die weder Hamburg noch München vorweisen können. Dann haben wir immerhin drei Welterbestätten, Auch die Hochschullandschaft ist in Deutschland konkurrenzlos,

    Dekoratives Anführungszeichen

    Das steigert die Lebensqualität der Berliner, aber nicht die Tourismuszahlen denn die wollen nun mal Stadt Pur.

    Es ist müßig, darüber zu diskutieren, welche Stadt attraktiver ist. Die Antwort auf diese Frage ist immer subjektiv, für Touristen wie für Bewohner - wäre doch auch langweilig, wenn alle nur das selbe attraktiv fänden ;) Wenn ich erzähle, dass ich mit NYC absolut nichts anfangen kann, Boston aber super finde, werde ich auch ungläubig angestarrt, aber so ist es nun mal.

    Etwas überrascht bin ich, das für dich ausgerechnet Hamburg beim Thema Wasser im Nachteil sein soll. Wenn eine deutsche Metropole den "Perk" Wasser für sich entscheiden kann, dann wäre das doch die Hansestadt, nicht? Hafen, Alster, Elbe, Speicherstadt, dazu die Nähe zur Nordsee... touristisch ist das zumindest hervorragend vermarktbar.
    Ich stimme dir, Bousset, zwar zu, dass viele Touristen eher an Stadtbesichtigung und urbanem Flair interessiert sind, als an Badeseen oder Spaziergängen im Wald. Allerdings hätte diese "andere Seite" von Berlin sicherlich noch mehr Potenzial in der Vermarktung und Image-Bildung. Es ist ja auch bei München die kurze Distanz zu Alpen, Seen und Königsschlössern, die ein nicht unwesentliches Zugpferd des städtischen Tourismus darstellt, insb. was den internationalen aus ferneren Ländern betrifft.
    Was die Effekte der "Hochschullandschaft" auf den Tourismus angeht, sind diese bei größeren Metropolen vermutlich eher zweitrangig. Anhängige Forschungseinrichtungen, Fachkongresse und internationaler Austausch generieren natürlich Besucher, ob diese Zahl aber für den Tourismus insgesamt von Bedeutung ist? Zweifellos kann Berlin eine exzellente Hochschullandschaft sein Eigen nennen, doch ist sie in Deutschland konkurrenzlos? Das würde ich eher verneinen. Dafür ist unser Land in der Breite einfach zu gut aufgestellt, was sich trotz unserer kleinen deutschen Sprachgemeinschaft auch in den Rankings niederschlägt (Q; R1, R2, R3) - und wie neulich erst hier geschrieben: weltweit rangiert Deutschland auf Platz 4 bzgl. Attraktivität für int. Studierende.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Das Image Berlins leidet auch sehr stark durch den Regierungssitz und dem damit verbundenem Hass (ich muss es leider so nennen, nach den aktuellen Kommentaren in der FAZ; da kommt der gemeine Spießer gerade richtig in Fahrt) der Provinz auf die da oben in der Hauptstadt.

    Mag sein, aber ich denke, ausländische Touristen interessiert es recht wenig, wie die innerdeutsche Stimmung in den Kommentarspalten einer Zeitung ist. Ich bin mir auch nicht sicher, ob bei deutschen Kurzurlaubern tatsächlich bewusst entschieden wird, "nein nach Berlin fahren wir nicht, weil da machen die doofe Politik". Halte ich ehrlich gesagt für unwahrscheinlich, aber ich kann mich natürlich irren. Nur zum Vergleich: Ähnlich Abfälliges liest man seit jeher in den Kommentaren bayerischer Zeitungen und im Netz über München / die Staatsregierung. Aber Kommentarspalten und Wirklichkeit klaffen dann doch stärker auseinander. Wenn das jeweils individuell wichtige Event XY ansteht, kommen sie doch alle trotzdem.
    In Berlin ist der nationale Tourismus 2025 stabiler geblieben, als der ausländische - was also ebenso gut auf die weltweite Unsicherheit und diverse Spannungen zurückzuführen sein könnte. Bei einigen der hier im Verlauf der Diskussion aufgeführten Dinge, weshalb Berlin angeblich an Strahlkraft für Touristen verloren haben soll, bin ich jedenfalls nicht überzeugt, inwiefern diese Aspekte innerhalb von nur 1,5 Jahren zu einem Rückgang der Touristen geführt haben sollen. Erst recht nicht "fehlende Beleuchtung".

  • Ich halte die ganze Diskussion um die Allensbach-Umfrage für eine Füllung des Sommerlochs und würde einen Zeitraum von 1,5 Jahren auch nicht als Beleg für einen wirklichen Rückgang des Tourismus erkennen. Nur, dass die Umfrage bei Berlinern und Deutschen durchgeführt wurde belegt für mich, dass die innerdeutsche Stimmung wiedergegeben wird. Und da ist die Landespresse gerne dabei Berlin als linksgrün versifften Kostgänger und dysfunktional niederzuschreiben, voran der Spiegel und die FAZ. Das ist vermutlich der Unterschied zu München, wo sich Abfälliges fast ausschließlich in der bayerischen Presse findet, für Berlin sozusagen der Malus der Bundeshauptstadt. Ausländische Touristen interessiert das nicht, so wie ich auch keine Zeit und Lust habe vor einem Besuch die Meinung der Landespresse zu einer Stadt im Ausland zu lesen.

    Nichts gegen Hamburg und seine Lage am Wasser bzw. Küstennähe. Was für Berlin relevant ist, ist der Freizeitwert, den seine Gewässer bieten. Ausgedehnte Kanu- oder Bootstouren, Inseln wie Valentinswerder mit nur beschränktem Zugang und Wochenendhäuschen. Da sind Köpenick und Tegel chronisch unterbewertet. Was aber prioritär noch besser vermarktbar wäre ist die Potsdamer Seenlandschaft rund um die Glienicker Brücke. Das ist sagenhaft schön und weit entfernt von allen genannten Klischees. Übrigens liegt in Brandenburg noch sehr viel mehr Potenzial jenseits des Wochenendtourismus aus Berlin, was Freizeit auf und am Wasser angeht. Die Renaturierung der Braunkohle-Fördergebiete kommt dazu und beginnt gerade erst.

  • Berlin als Szene- und Kulturmetropole hat nachwievor den Vibe auf den alle im deutschsprachigen Raum schauen. Man ist zwar weniger Magnet für Hipster, Partygänger, Alternativos oder Bohemetypen wie in den 90ern oder Nullerjahren. Dafür aber heute Influencerliebling, Foodie-Zentrum, Gründer Mekka, und Zuzugsort für exzellente Studenten aus aller Welt.

    Politisch erlebt Berlin sicherlich in der Außenwahrnehumg der Deutschen unglückliche Zeiten. In der Hauptstadt agieren 2 sehr uncharismatische Bundeskanzler (Scholz und Merz) hintereinander und treffen dabei auf die historisch schwerste geopolitische und wirtschaftliche Lage des Landes seit 1990. Das führt unweigerlich zu Missmut in der Bevölkerung, was auch auf Berlin als Regierungszentrum zurückfällt. Auf Landesebene hat Berlin seit 10 Jahren ebenfalls nur sehr piefige Regierende Bürgermeister hervorgebracht, die austrahlungslos und ohne Ideen ihren Verwaltungsjob machen.

    In puncto Stadtentwicklung hat Berlin 3 sehr starke Jahrzehnte an Aufbauleistung erlebt. Insbesondere in der Infrastrukur (Hbf, S-Bahn Ring, BER, Autobahn) . Was fehlt ist die architektonische Brillanz, wie übrigens in vielen Teilen Deutschlands. Die Stadt bräuchte mal wieder ein Leuchturm Projekt mit globaler Relevanz und Schönheit. Sowas würde auch das Interesse von potenziellen Besuchern ankurbeln.

    2 Mal editiert, zuletzt von Arty Deco (24. August 2026 um 18:59)

  • Hier mischen sich mE einige Dinge. Ich finde die Abhandlungen durchaus interessant aber insgesamt doch überzogen: Gleich eine Reihe von je für sich dramatisch bewerteten Faktoren werden zur Erklärung eines Phänomens herangezogen, das selbst in Summe nicht so dramatisch ist. Jugendliche würden dazu anmerken: "It's not so deep!"

    Die Allensbachumfrage und speziell der FAZ-Artikel dazu (Paywall) rechnen analog zu den kritischen Abhandlungen im DAF auch dramatisch mit Berlin ab. Aber mE spannend: Es geht hier ja primär um die nationale Perspektive. Und da wäre ein Attraktivitätsverlust mE primär greifbar und spürbar an zunehmend fehlenden Gästen oder einem immer negativeren Wanderungssaldo.

    1) Wie sehen die Zahlen hierzu aus?

    Tourismus:
    Nachdem Corona zeitweise alles nivelliert hat und der weitgehende Wegfall des nationalen Flugverkehrs zum BER wohl nicht half, haben sich Besucher- und Übernachtungszahlen deutscher Gäste auf je deutlich über 90% des Rekords von 2019 stabilisiert (2019: 8,5 Mio Besucher & 18,6 Mio Übernachtungen, 2024/25 je ca. 8 Mio zu 17,3-17,8 Mio). Übrigens: In fast 40 Jahren waren nur die 2 Rekordjahre 2018/19 spürbar besser als 2024/25. Auch ist es gerade bei den nationalen Gästen ja nicht so, dass es nur stetig abwärts geht. 2025 war bei deutschen Gästen nur minimal schwächer als das WM-Jahr 2024 und im ersten Halbjahr 2026 gab es wie oben erwähnt +1,8% deutsche Gäste mit -0,3% Übernachtungen.

    Wanderungsbewegungen:
    Beim Wanderungssaldo waren vollständige Zahlen schwer zu finden.
    Falls die KI das richtig zusammen gestellt hat, gab es für Berlin...
    - von 1990 bis ca. 2000 stets Wanderungsverluste zur BRD im unteren fünfstelligen Bereich (-15.000 bis -30.000).
    - von ca. 2000 bis ca. 2013 stets Wanderungsgewinne von nahe Null über vierstellig bis gerade so fünfstellig (max. +15.000, nur von 2005 bis 2013 stets stabil +10.000 bis +15.000)
    - Von 2014 bis 2025 stets Wanderungsverluste (i.d.R. -10.000 bis -15.000).
    - Aktueller Trend: 2023 negativer Ausreißer mit -17.000, 2024: -14.755, 2025: -12.486.
    Dabei finde ich spannend, dass aktuell (2025) bereits fast der identische Wert allein für Berlin vs. BB besteht wie für Berlin vs. BRD (beides gut -12.000 aus Sicht Berlins). Also ziehen aus dem Rest Deutschlands etwa ebenso viele Menschen nach Berlin wie umgekehrt weg. Wenn man dazu die gestiegenen Preise betrachtet, wo Berlin gegenüber München, Hamburg und Co klar aufgeholt hat, dann kann die Attraktivität mE nicht ganz so stark nachgelassen haben. In fast 40 Jahr gab es nur eine Phase von 9 Jahren, wo Berlin nennenswerte Wanderungsgewinne gegenüber der BRD hatte - und gerade hierdurch bzw. in eben dieser Zeit stiegen Preise so stark an, dass die Stadt eben paradoxerweise preislich immer unattraktiver für Zuzug wurde und eher das Umland profitierte. Umgekehrt wurden in dieser Phase aber auch einige vorher problematischer bewertete Gebiete in Kreuzberg, Neukölln, Wedding und Co (weiter) gentrifiziert, was dann die Frage anschließt, was Berlin denn nun wirklich unattraktiver macht: Das raue, schmutzige Milieu oder umgekehrt das cleane, biedere, preistreibende Milieu...

    Zwischenfazit: Auf nationaler Ebene ist auf Basis der nackten Zahlen kein extremer Abwärtstrend bzgl. Attraktivität zu erkennen und schon gar keine stetige Abwärtsspirale.

    Einmal editiert, zuletzt von jan85 (24. August 2026 um 19:52)

  • 2) Was ist nun aber mit der Wahrnehmung?

    Hier wird es mE wirklich komplex. Zum einen steht Berlin ja tatsächlich auch stark für das, was aktuell gerade auch aber nicht ausschließlich von der AfD massiv medial ins Feld geführt wird (aber auch u.a. vom Bundeskanzler). Spannend finde ich hierbei wie die Allensbach-Umfrage selbst aufgemacht ist. Sie fragt mE zu etwas, was sie in den Fragestellungen bereits unterschwellig selbst impliziert.

    - Die Leitfrage ("faszinierende Metropole mit echtem Glanz": 31% vs. "keine Hauptstadt mit Ausstrahlung": 36%) ist ist weit gespreizt ohne Abstufungen. Das erklärt mE potentiell die vielen Enthaltungen (33%) und in Zeiten vieler Krisen und ohnehin schon global recht negativ geprägter Wahrnehmung die entsprechende Tendenz zur negativeren Sichtweise.
    Ungünstig finde ich, dass man dabei zwei gerade für die nationale Perspektive nicht deckungsgleiche Bezeichnungen wie "Metropole" und "Hauptstadt" wählt statt sich für eins zu entscheiden oder ggf. zu beiden separat zu fragen. Zwar auch schon 2007 so...
    - ...aber diesmal wird in der selben Umfrage auch gefragt, wie gerne man "viel Geld" für "Berlin als Hauptstadt" zahlt. Zitat: "Berlin erhält viel Geld von den anderen Bundesländern. Finden Sie das in Ordnung, weil Berlin als Hauptstadt eine besondere Stellung und besondere Kosten hat, oder finden Sie das nicht in Ordnung, weil Berlin als größte Stadt des Landes sich selbst finanzieren können sollte?". Für mich eine klare Suggestivfrage und eben potentiell lenkend für andere Fragen.

    - Auch wurde je mit Auflistungen gefragt, was die größten Probleme und Stärken der Stadt sind.

    Problem-Items:
    "Kriminalität" (69% Zustimmung), "Drogen im öffentlichen Raum" (64), "manche Stadtviertel sind heruntergekommen" (59), "Armut, Obdachlosigkeit" (53) und "größer werdender Einfluss des Islam" (52) sowie weitere wie "Langsamkeit der Behörden", die seltener ausgewählt und nicht im Übersichtsdiagramm dargestellt wurden.

    Stärken-Items:
    "Vielfalt von Geschäften und Restaurants" (60%), "reiches Kulturleben" (59), "Geschichte, die man in Berlin überall erleben kann" (51), "Seen am Stadtrand und in der Umgebung", "viele Kulturdenkmäler", "pulsierende Metropole" (je 40-50), "besonderes Lebensgefühl" (35), "Weltoffenheit der Bewohner", "enorme Entwicklung seit der Wiedervereinigung", und "Architektur" (je 30-33%).

    Ich finde, die gewählten Probleme wirken greifbarer und relevanter als die Stärken und zudem gehen die Probleme auch stark in eine bestimmte Richtung.
    Auch spannend: Im Artikel werden die Stärken anders als die Probleme weder sichtbar als Diagramm hervorgehoben noch ebenso genau mit Prozenten belegt. Man weiß so z.B. nicht, ob "pulsierende Metropole" nun von 40, 45 oder 50% ausgewählt wurde. Aber so oder so sind es hier deutlich mehr als bei der Leitfrage, wo man Metropolfunktion gegen Hauptstadtfunktion abwägen muss. Anders gesagt empfindet man die Stadt wohl deutlich eher als Metropole, wenn man sich keine Gedanken um ihre Hauptstadtfunktion oder gar deren Finanzierung machen muss.

    - Ebenfalls interessant: Wenn man die Stadt in einer Skala von -5 bis +5 einordnen sollte, gaben 1994(!) 58% ein eher positives Zeugnis von +1 Punkten aufwärts und 9% ein negatives Bild von -1 Punkten abwärts an. In 2026 liegt der positive Wert mit 52% mit mindestens 1 nur leicht niedriger, der negative mit 26% von -1 abwärts aber deutlich höher. Aber auch hier müsste man ja objektiv feststellen, dass trotz rückläufigem Trend noch immer doppelt so viele Menschen eher positiv urteilen wie negativ (wiederum Kontrast zur Leitfrage), während die Mittelposition schrumpft. Betont wird im Artikel nur der Anstieg des Negativanteils.

    - Gefragt wurde übrigens auch
    a) wie reizvoll man verschiedene deutsche Großstädte allgemein findet (1. HH: 48%, 2. München: 47%, 3. Berlin: 34%, 4. Dresden: 30%, keine weiteren Erwähnungen)
    b) wie gerne man dort leben würde (1. München: 24%, 2. HH: 23%, 3. Berlin: 13%, 4. Leipzig/Dresden: 10%, 6. Köln: 8%, 7. Stuttgart/Düsseldorf: 7%, 9. Frankfurt: 4%)
    c) wo man umgekehrt explizit nicht leben will (1. Berlin/ Frankfurt: 46%, 3. Leipzig: 29%, 4. Stuttgart: 28%, 5. Dresden: 27%, 6. Köln: 26%, 7. Düsseldorf: 25%, 8. München: 18%, 9. Hamburg: 13%).

    Ein Geschmäckle hat das Ganze für mich, weil die Umfrage inklusive der mE an mehreren Stellen mindestens subtil implizierten Bias von der FAZ beauftragt wurde, die ja eine lange Tradition von berlinkritischer bis mindestens latent berlinfeindlicher Berichterstattung auszeichnet und dann auch den Artikel so aufmacht.
    Dass Frankfurt im Vergleich der größten deutschen Städten ja noch schlechter abschneidet (weniger globale Attraktivität oder Positivpotential als Wohnort bei umgekehrt identischer Ablehnung als Wohnort s.o.), wird ausgerechnet in einem Frankfurter Medium nicht zum Thema. Betont wird, wo Hamburg oder München weiter vorne liegen oder wo Leipzig und Dresden nah dran sind.
    Ausgiebig thematisiert man, wie kritisch Berlin gerade auch im eigenem Umland erlebt werde und dass die meisten Befragten in jüngerer Zeit in Berlin waren. Somit entstehe die Ablehnung explizit nicht durch medial geprägte Vorurteile, sondern durch reales Erleben. Wobei ich mich direkt frage, inwiefern 69% problematische Kriminalität live erlebt haben könnten. Kommt mir anhand von Statistiken und eigenem Erleben nicht so wahrscheinlich vor. Wenn es um reale Erlebnisse ginge, müssten mE Armut/Obdachlosigkeit und Müll deutlich(!) über Kriminalität oder gar dem Einfluss des Islam rangieren. Letzteres überhaupt ein sehr diffuses Item, das mE latent in der selben braunen Suppe köchelt wie Merz (Migranten = "Probleme im Stadtbild", "kleine Paschas") und AfD ("Messermänner und Kopftuchmädchen").

    - Sogar ein Zitat von Fontane hat man ausgegraben, um sein Negativurteil zu belegen: "Je berlinischer man ist, je mehr schimpft man und spöttelt man auf Berlin. Dass dem so ist, liegt nun aber nicht bloß an dem Schimpfer und Spötter, es liegt leider wirklich auch an dem Gegenstande, also an unsrem guten Berlin selbst."
    Zur Erinnerung: Fontane lebte in einer völlig anderen (heute ironischerweise gerne verklärten und zur positiven Vergleichsfolie stilisierten) Zeit und erlebte entsprechend ein Berlin in einem nie dagewesenen Wandel. Er fremdelte u.a. mit den individuellen Folgen der rasenden Industrialisierung (prekäre Verhältnisse im Arbeitermilieu, auf welche er oft mehr oder minder versteckt anspielt) wie auch mit den noch zu den existenziellen Sorgen hinzu kommenden gesellschaftlichen Spannungen und Widersprüchen (speziell überkommene Normen und Moralvorstellungen eines starren Standessystems, welche zunehmend nicht mehr zu den Bedingungen passten).
    Wenn der Artikel hier eine Art Kontinuität im Erleben der Stadt suggeriert oder vielmehr bemüht, merkt man wie oberflächlich und einseitig man sich bei der FAZ tatsächlich mit Berlin beschäftigt. In der Philosophie sagt man (konkret Heraklit) ja bekanntlich schon, man könne nicht zwei mal in den selben Fluss steigen, weil es beim zweiten Mal nicht der gleiche Fluss sei und man sich auch selbst verändert habe.

    Fazit: Milde ausgedrückt arbeiten im Berlin-Ressort der FAZ keine großen Philosophen. So sind mE auch gleich beide Befunde der Titelzeile "nicht mehr arm und nicht mehr sexy" so pauschal falsch oder klar zugespitzt (selbst wenn man nur das eigene Datenmaterial zu Grunde legt - aber eben ganzheitlich und differenziert liest). Passender wäre dann schon "weniger arm aber auch weniger sexy".

    Ungleich spannender und erhellender wäre mE ohnehin die Frage vom Zusammenhang aus Preisniveau und Attraktivität bzw. ob man sich Berlin auch gerade aufgrund der stark gestiegenen Preise nicht mehr ganz so sehr gönnen/leisten möchte oder kann. Oder aber ob die Veränderungen, welche die Stadt teurer gemacht haben, sie zugleich auch weniger attraktiv erscheinen lassen. Interessanterweise fragt die FAZ via Allensbach aber null in diese Richtung ("nicht mehr erschwinglich", "zu bieder und steril geworden" etc).

    2 Mal editiert, zuletzt von jan85 (24. August 2026 um 20:01)

  • Wirtschaftlich ist Berlin durch zig Krisen nach 2020 in eine Stagnation hineingerutscht. Man ist zwar noch ein Mü überm nationalen BIP Wachstum aber defacto bewegt sich kaum noch etwas. Berlin ist in Deutschland der Einäugige unter den Blinden. Wenn man ganz genau hinschaut hat Berlin noch nicht einmal im Startup Bereich bis auf Zalando Wesentliches zustandegebracht.

    Deshalb wäre jetzt der Zeitpunkt, wo auch auf politischer Seite smarte Leute auf Bundes- und Landesebene hervotreten um neue Perspektiven zu schaffen. Berlin braucht einen Schub wie unter Wowereit. Deutschland braucht einen Ruck. Vielleicht kommt mit einem neuen Bundespräsidenten ein frischer Wind.

    Zur Außenwahrnehmung eine persönliche Beobachtung: Ich nutze seit weit mehr als 10 Jahren kaum noch die großen dt. Nachrichten- Zeitungsportale als ersten Anlaufpunkt. Zum großen Teil suche ich gezielt nach Stichworten auf Google News um Infos und Nachrichten zu erhalten. Google hat nach meiner Wahrnehmung vor 2-3 Jahren den Algo verändert. Seitdem werden mir die Negativ Schlagzeilen verstärkt als erstes zugespielt. Unter dem Suchbegriff Berlin kommen nun Polizeimeldungen, Missstände, Pleiten, Skandale als erstes.

    :thumbdown:

    Einige Bekannte kommen zu ähnlichen Einschätzungen. Heißt: US Tech fördert Anti Berlin Stimmungen.

    4 Mal editiert, zuletzt von Arty Deco (24. August 2026 um 20:55)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Fazit: Milde ausgedrückt arbeiten im Berlin-Ressort der FAZ keine großen Philosophen.

    Fun Fact: Anscheinend war die FAZ vom schlechten Abschneiden Frankfurts so überrascht, dass sie nun gleich einen Artikel nachschieben muss, nachdem es dort sehr schön soll :)

    Mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5% liegt Berlin keineswegs ein Mü über dem Durchschnitt, sondern weit vorne. Wir sind wieder beim Thema, dass Leute wie Jan85 angegangen werden, wenn sie positive Nachrichten schreiben, während es anscheinend immer besonders kompetent rüberkommt, überall Krisen zu sehen (Verfügbarkeitsheuristik). Was dagegen hilft, ist die quantitative Beobachtung einer Entwicklung über einen längeren Zeitraum, ist aber mühseliger und eignet sich nicht für kurzfristige Erregung.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    In puncto Stadtentwicklung hat Berlin 3 sehr starke Jahrzehnte an Aufbauleistung erlebt. Insbesondere in der Infrastrukur (Hbf, S-Bahn Ring, BER, Autobahn) . Was fehlt ist die architektonische Brillanz, wie übrigens in vielen Teilen Deutschlands. Die Stadt bräuchte mal wieder ein Leuchturm Projekt mit globaler Relevanz und Schönheit. Sowas würde auch das Interesse von potenziellen Besuchern ankurbeln.

    Bei den ersten beiden Absätzen kann ich Dir zu praktisch 100% zustimmen.

    Was architektonische Brillanz angeht, bin ich aber immer wieder positiv überrascht von dem Urteil vieler Gäste. Mich überrascht u.a. wie angesagt das Regierungsviertel inklusive Band des Bundes bei vielen ist. Ich habe gleich mehrfach erlebt, dass die Besucher regelrecht berührt bis ergriffen von diesem Erscheinungsbild des modernen demokratischen Deutschlands waren (gerade ältere Damen aus den USA oder Großbritannien - vielleicht gibt es aber auch einfach besonders gute englischsprachige Führungen dazu). Ich denke, dass diese Architektur teuer aber auch symbolisch wichtig und richtig war. Auch bspw. der Hauptbahnhof wird unter den Bauwerken der letzten Jahrzehnte oft positiv hervorgehoben, auch wenn er natürlich nicht ganz an Brandenburger Tor und Fernsehturm heranreicht. Sonst ist es oft subjektiv, was mehr und was etwas weniger anspricht. Spannend und reizvoll für viele Besucher sind aber auch die Brüche, welche die bewegte Geschichte der Stadt (und zugleich Weltgeschichte) anschaulich machen. Ich habe nur den leisen Verdacht, dass die aktuellen Entwicklungen wieder stärker die Sehnsucht nach heilen Bildern und Nostalgie hervorrufen, was eher andere Städte in den Fokus rücken könnte. Belegen kann ich das freilich nicht.

    Was den unteren Beitrag angeht: Ich bin leider aktuell nicht sehr optimistisch, dass sich auf Landesebene eine Perspektive auf eine deutlich stärkere Führung und Außenwirkung ergibt. Eher im Gegenteil: Ich befürchte leider fast, wir werden absehbar mit Dreierbündnissen inkl. inneren Zerwürfnissen und Kompromissen zu leben haben und ggf. auch mit wiederholten Regierungs- und Richtungswechseln. Etwas ermutigend ist aber, dass bis auf besagte Wowereit-Jahre die Wirtschaft ohnehin meist nicht wegen aber trotz oder unabhängig von der jeweiligen Regierung gewachsen ist. Bei einem Linksbündnis wäre wichtig, dass die Realos sich ausreichend durchsetzen können (und ggf. dass kein großes Fass mit größerer PR-Sprengkraft aufgemacht wird). Abgesehen von der wirtschaftlichen Perspektive wäre mir persönlich aber auch wichtig, dass die Gesellschaft nicht immer weiter auseinander driftet. Das wird aber nicht allein die Regierung beeinflussen können.

    Die Beiträge zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhaus 2026 wurden in den entsprechenden Thread verschoben.