Zukunft des Rathausforums / Marx-Engels-Forums

  • Hier der ominöse Stufenplan als Foto der öff. Veranstaltung in der Friedrich-Ebert-Stiftung:






    Den vermeindlichen Basiskontakt, den Klarenbach zitiert hat, kann ich nicht feststellen. Wie ist es sonst zu erklären, dass Regula Lüscher den Spittelmarkt als "Ort urbaner Eleganz" bezeichnet?



    (C) selbst

  • "Ort urbaner Eleganz" :confused::nono:


    Schön wär´s! Aber gerade Petriplatz und Spittelmarkt sind diejenigen Stellen von Mitte, die am wenigsten diesem Anspruch gerecht werden und das, was bislang an Ideen gezeigt wurde, läßt nicht auf Besserung hoffen.
    Wenn überhaupt, dann wird eher der Leipziger Platz durch das Wertheim-Derivat "Lp12" einwenig Glanz und Eleganz bekommen.


    Mich machen diese weltfremden Berliner Betitelungen, die nicht nur im internationalen Vergleich lächerlich und peinlich wirken, wütend und hilflos. :bash:

  • Peinlich trifft es meiner Meinung nach recht gut. Es klingt sehr nach Möchtergern und gemessen an der eher ernüchternden Reife des gezeigten Materials muss man den Beteiligten einen massiven Realitätsverlust unterstellen.


    Überhaupt klingt alles so als ob man eine blasse Idee mit ein paar Wohlfühlworten aufpeppen wollte. Das machen Privatinvestoren zwar auch, aber deren Namenskreationen triefen nicht so widerlich mit gutmenschelnden Floskeln.

  • #2102 Da soll mittelfristig das Stadtmuseum rein. Das Märkische Museum mit seiner histrischen Collage soll ja - da zeitgenössische Kulturpolitiker damit nichts anfangen können, ein Kindermuseum werden. Finanzierung für beide Projekte ausstehend.

  • ^^ Treffend formuliert.
    Was ich nicht verstehe: Welches Gebäude ist denn gemeint, das an der Karl-Liebknecht-Straße (nördlich des Fernsehturms) als bereits "im Bau" eingezeichnet ist?

  • Märkisches Museum

    Wie bitte??? :mad:
    Das Märkische Museum mit seiner vielschichtigen historischen Collage soll ein Kindermuseum werden???
    Wann kommt Beate Uhse in die Schinkelsche Wache...? :baa:

  • Die von Konstantin geposteten Bilder sind sehr interessant!


    Mit dem Marx-Engels-Forum und dem Rathausforum kann man sich noch etwas Zeit lassen. Das Molkenmarktviertel soll ja zuerst entwickelt werden. Ich hoffe dort werden nicht zu banale Bauten entstehen!


    Ansonsten ist mir noch aufgefallen, dass auf dem Sonae Sierra Grundstück vor dem Alexa, auf dem ja mal ein Hochhaus geplant war, nach wie vor nichts konkretes zu kommen scheint.

  • Da der "Stufenplan Berliner Mitte 2013-2025" nicht nur das Rathausforum / Marx-Engels-Forum, sondern die Bereiche Friedrichswerder, Alt-Cölln und Alt-Berlin umfasst, dürfte es sinnvoll sein, die Gestaltung dieses viel größeren Bereiches in einem eigenen Thread zu diskutieren. Ich denke, diese Vorgehensweise ist auch deshalb sinnvoll, weil es auch seitens diverser Bürgerinitiativen (z.B. Bürgerforum Historische Mitte, Gesellschaft Historisches Berlin) die Forderung gibt, dieses Gebiet in seiner Gesamtheit zu diskutieren und die einzelnen Teilgebiete nicht isoliert zu betrachten. Ich habe daher einen neuen Thread "Berliner Mitte" eingerichtet und einen ersten Beitrag dazu geschrieben.


    http://www.deutsches-architekt….php?p=406755&postcount=1

  • Du hast offensichtlich recht, Konstantin.
    Zeitgenössische Kulturpolitiker können mit der Collage des Märkischen Museums nichts anfangen.
    Die Kopien, Zitate und ORIGINALTEILE verschwundener Bauten sind ein Schatz, den diese Banausen nicht würdigen können.
    Sie sind blind dafür... :???:

  • Genau. Zudem schneit die Nachricht herein, dass die Verlagerung des Stadtmuseums in die Breite Straße (nach deren Umzug in den Neubau am Tempelhofer Feld) wohl schon bald vom Senat beschlossen werden soll. Planungssicherheit und so...

  • Heute fand in der Konrad-Adenauer-Stiftung eine Veranstaltung mit dem Titel "Berlin: Die Zukunft der Stadtmitte" statt, bei der intensiv über die Zukunft des Großen Freiraumes diskutiert wurde. Ich will einen kurzen Bericht der Veranstaltung liefern, die gemeinsam mit der Stiftung Zukunft Berlin durchgeführt wurde.


    Am Anfang standen drei Referate von auswärtigen Experten, die Vorschläge zum Umgang mit diesem Raum machten. Der Stadtplaner und Architekt Kurt W. Forster referierte anhand praktischer Beispiele aus anderen Städten über die Wirkung von Freiräumen auf ihre Umgebung. Eine besonders positive Wirkung hätte der Jardin des Plantes in Paris auf seine Umgebung. Hier würde es eine große Vielfalt an Nutzungen geben. Weiterhin wäre der Jardin des Plantes auch deshalb interessant, weil er direkt am Musee National d´Histoire Naturelle liegen würde und mit diesem gut harmonieren würde. Ein ähnliches Ensemble könnte durch die Verknüpfung zwischen dem Humboldtforum und dem großen Freiraum entstehen. Diese Situation könnte daher ein Vorbild für den Großen Freiraum in Berlin sein. Skeptisch zeigte sich Forster allerdings in Bezug auf große Masterplanungen. Seiner Meinung nach wäre Urbanität nicht planbar, sondern sie könnte nur durch kleine Maßnahmen erreicht werden. Zudem wandte er sich gegen die Vorstellung, dass eine Stadt wie Berlin "eine" alles dominierende Mitte haben könnte. Berlin hätte nie ein dominantes Zentrum gehabt, diese Polyzentralität wäre ein großer Vorteil.


    Diese These wurde von Ute Maria Anna Schneider vom Büro KCAP Architects & Planers (Zürich) unterstützt. Die Qualität Berlins bestünde darin, dass es hier viele Kieze gäbe. Diese Kieze wären eine wichtige Qualität. Eine dominante Mitte hätte Berlin dagegen nie gehabt. Daher sollte es nicht die Aufgabe sein, künstlich eine dominierende Mitte zu schaffen. Ebenso fragwürdig wäre der Versuch, einen historisches Stadtgrundriss zu rekonstruieren. "Das historische Berlin" hätte es nie gegeben, sondern Berlin wäre ständig Veränderungen unterworfen gewesen. Daher sollte versucht werden, im Dialog mit den Anwohnern und Nutzern die Nutzungsqualitäten des Freiraumes zu verbessern.


    Tobias Goevert vom Central London Team der GLA Regeneration London griff diesen Gedanken auf und zeigte ganz praktische Maßnahmen aus seiner Arbeit in London. In London hätte es in den letzten Jahren konkrete Aufwertungsmaßnahmen von öffentlichen Räumen gegegen, wodurch die Aufenthaltsqualität dieser Räume verbessert worden wäre. Als konkrete Beispiele zeigte er den Trafalgar Square, die Exhibition Road, den Euston Circus und den Piccadilly Circus. Besonders erfolgreich wären aber kleinteilige Interventionen unter Einbeziehung der Anwohner gewesen. Eine solche Strategie hätte die Stadt beispielsweise an der Southbank verfolgt. Bei diesen Manahmen könnten auch historische Spuren einbezogen werden. Beispielsweise wurden bei der Umgestaltung des Ali Atab Parks die Umrisse einer zerstörten Kirche mit Terrazzoplatten nachgezeichnet.


    Goevert regte an, auch rund um den Großen Freiraum in Berlin solche kleinteiligen Interventionen zu praktizieren. Beispielsweise wäre es sehr schnell möglich, die Sockelgeschosse der Rathauspassagen / des Komplexes Karl-Liebknecht-Straße und die Fußbebauung des Fernsehturms durch die Ansiedlung von Künstlern und Start-Up-Unternehmern aufzuwerten.


    Nach diesem Einstieg präsentierten drei Vertreter der AG Mitte der Stiftung Zukunft Berlin erste Ergebnisse der bisherigen Diskussionen in der AG Mitte. Wolf-Dieter Heilmeyer knüpfte an die Ideen der Vorredner an. Auch er plädierte für eine bessere Nutzung der Sockelgeschosse und der Fußbebauung. Weiterhin sollten Räume für Bürgerfeste geschaffen und die Gestaltung des Spreeufers verbessert werden. Zudem plädierte er für eine Aufwertung der Radialstraßen in die Innenstadt.


    Cordelia Polinna machte deutlich, dass es in der Berliner Innenstadt in den nächsten Jahren eine massive Verdichtung geben würde. Diese Verdichtung würde als Ausgleich eine Attraktivierung des Großen Freiraumes erfordern. Ein Hauptproblem wäre vor allem der Autoverkehr, der eine Verknüpfung des Großen Freiraumes mit den angrenzenden Stadtteilen erschweren würde. Daher wäre eine Verkehrsberuhigung unverzichtbar. Außerdem müssten die Wege am Spreeufer besser gestaltet werden. Ihre Benutzbarkeit müsste durch breitere Treppen und rollstuhlgerechte Rampen erbessert werden. Weiterhin sollte das Marx-Engels-Forum als "große öffentliche Bühne" inszeniert werden.


    Bernhard Schneider meinte, dass auch die Stiftung Humboldtforum einen Beitrag zur Aktivierung des Freiraumes leisten könnte. Sie könnte beispielsweise diese Freiflächen bespielen.


    Nach der Pause kamen die Vertreter der einzelnen Fraktionen im Abegeordnetenhaus zu Wort, um ihre Position zum Großen Freiraum darzustellen. Daniel Buchholz von der SPD, Franziska Eichstädt-Bohlig von Bündnis 90/Die Grünen (diese vertrat Antje Kapek) und Kathrin Lompscher von der Linken sprachen sich für den Erhalt des Freiraumes aus. Stefan Evers von der CDU meinte, dass es in der CDU noch keine klaren Vorstellungen zu dem Thema gäbe. Einerseits gäbe es eine Tendenz in Richtung historische Stadt, andererseits gäbe es auch Bedenken, weil die aktuellen Neubauten in Berlin keine Werbung für eine Neubebauung wären und weil man Urbanität nicht am Reißbrett planen könnte. Philipp Magalski von den Piraten sagte, dass es bei ihnen noch keine Position zu dem Thema geben würde.


    Anschließend gab es noch eine Diskussion. In seinem Schlusswort skizzierte Volker Hassemer von der Stiftung Zukunft Berlin die weiteren Pläne der Stiftung. Demnach wäre es das Ziel, gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und den Fraktionen einen Kriterienkatalog für weitere Planungen an diesem Ort zu definieren. Weiterhin ist eine Veranstaltung mit den Anwohnern des Großen Freiraumes geplant.


    Insgesamt fand ich die Veranstaltung sehr produktiv. Ich habe die Veranstaltung ja auch besucht, weil ich wenig Ahnung von den Diskussionen habe, die innerhalb der CDU geführt werden. Alles in allem war ich positiv überrascht: Die Diskussionen verliefen durchweg sachlich, und ich hatte auch nicht den Eindruck, dass es unüberbrückbare Positionen gäbe. Ich denke, dass es einen großen Fortschritt zu der Veranstaltung vor gut einem Jahr in der Bauakademie gegeben hat. Damals prallten noch unversöhnliche Positionen aufeinander, und im Saal gab es zeitweise tumultartige Szenen. Da war das heutige Klima ganz anders.

  • Wie kann man eigentlich eine Veranstaltung als 'produktiv' ansehen, bei der eine Mehrheit der Teilnehmer offenkundig entweder kein Interesse oder grundsätzlich ablehnend jeder Änderung des Status Quo gegenüber stehen? Nur ein weiteres heimeliges Schultertätscheln der staatlich geprüften Verhindererfraktion, die nun schon seit Jahren die Berliner Stadtenwicklung mutwillig paralysieren.

  • Hm, ich fands zwar interessant, den Experten zuzuhören und auch ein paar Fakten zu erfahren. Wirklich neue Erkenntnisse gabs aber letztendlich nicht, außer vielleicht noch mal die Ansichten der Fraktionen zu hören (am meisten Spaß gemacht hat die Lompscher (positiv)). Bis auf Evers haben aber alle gesagt, man solle die Freifläche belassen. Aber naja, der Kuchen in der Pause war gut :D.

  • Wie kann man eigentlich eine Veranstaltung als 'produktiv' ansehen, bei der eine Mehrheit der Teilnehmer offenkundig entweder kein Interesse oder grundsätzlich ablehnend jeder Änderung des Status Quo gegenüber stehen?


    Die Teilnehmer lehnen ja nicht die Änderung des Status Quo ab, sie sind sich nur bei der Bebauung noch nicht sicher. Abgesehen von der Dame der Linken habe ich bei niemandem das Gefühl gehabt er wolle dort nichts verändern.


    Trotzdem fand ich den letzten Beitrag aus dem Publikum eigentlich am vernünftigsten. Der Herr meinte man solle doch bitte erstmal abwarten bis die Entwicklung im Klosterviertel in die Gänge kommt und dann sehen, ob wir auf die Art und Weise wie wir es dort vorhaben wirklich die Stadt kreieren können, die wir uns vorstellen. Er meinte auch, dass jeder der Zeitdruck vorgaukelt dies nur aus Eigeninteresse tun würde (um zum Beispiel ein Ergebnis selbst noch erleben zu dürfen - was ich bei den größtenteils grauen Köpfen vor Ort gar nicht mal so unvorstellbar finde).


    Produktiv im Sinne einer Lösungsfindung der aktuellen Diskussion (die ja nicht zwangsläufig auf Bebauung hinauslaufen wird) fand ich die Veranstaltung daher schon.


    Auch wenn ich Herrn Evers nachvollziehen kann, der meint man müsse beim Abbau der U-Bahnbaustelleneinrichtung wissen wie es weitergehen soll, so würde ich mir doch auch wünschen das Klosterviertel erst einmal wachsen zu lassen. Dass es dazu keine (?) öffentlichen Veranstaltungen gibt, obwohl die Planung ja schon viel konkreter ist, finde ich gelinde gesagt seltsam. Auch wenn man sich über dortige Baumassen quasi einig ist, ist ja noch nicht gesagt wie die Vergabe der Grundstücke funktionieren soll oder ob Flächen für öffentliche Einrichtungen oder Kindergärten oder ähnliches "reserviert" werden sollen. Man will ja schließlich ein funktionierendes Viertel, an das das Marienviertel später anschließen kann!


    Letztlich sollten wir zu allererst (auch schon beim Klosterviertel) entscheiden ob wir eine Stadtmitte wollen, die der gängigen Praxis des Immobilienmarktes unterworfen wird (da ist es dann fast egal ob die Fassaden wie am Dresdner Neumarkt oder wie in der Hamburger Hafencity aussehen) oder ob wir im ach so kreativen/alternativen Berlin nicht auch den Mut und die Ideen haben anderen Spielern das Ruder zu überlassen. Gängige Filialen, Büros und hochpreisige Wohnungen will ich per se nicht verteufeln, aber als Aushängeschild meiner Heimat will ich sie ungern sehen. Und die Stadtmitte wird nun mal eine Art Aushängeschild sein, sie wird unsere Vorstellung von Stadt und Gesellschaft manifestieren und nach außen tragen.

  • Ich finde es erschreckend wie sich Parteien in jeden erdenklichen Bereich des Lebens einmischen.
    Niemand will die Positionen von Parteien zu Bebauung hören. Dies ist nicht deren Aufgabe und da haben die auch nicht dran rumzuwerkel.