Zukunft des Rathausforums / Marx-Engels-Forums

  • Na, klar. Mehr als einen Eingang braucht's nicht. Die mit dem spießigen Neureichengranik "sanierten" Kaskaden und das postmoderne Eingangsgebäude aus den 90ern braucht auf der Westseite kein Mensch. Auf der Seite sollte wieder Stadt anschließen und das FS-Gekröse abgebrochen werden. So ergäbe sich ein janusköpfiger FS-Sockel. oder ein Hybrid - in Berlin doch modern!

  • @bato


    Du verlangst aber auch ein Bisschen viel. Genauso ist auf der Visualisierung der Turm der Marienkirche nicht zu sehen. Ich denke ihm ging es prinzipiell um das Schloss und seine Wirkung sowie mehr um die Visualisierung der räumlichen Idee einer Verbindung der beiden Pole Schloß und FT.
    Deswegen würde ich mich jatzt auch garnicht an Baumreihen und Bauklötzchenhäusern und nicht vorhandener Fußbebauung des FT reiben.

  • Konstantin
    Ich denke, Manfred Kühne hat seine Bemerkung zum Weiterverkauf restituierter Grundstücke nicht als Vorwurf formuliert. Er hat nur auf das Argument von Restitutionsbefürwortern reagiert, nach denen eine Restitution zu kleinteiligen Parzellenstrukturen führen würde. Nach seinen Erfahrungen mit dem Molkenmarkt wäre dem nicht so. Die Erben der Alteigentümer wären demnach daran interessiert, ihre Grundstücke meistbietend zu verkaufen. Die Käufer sind dann entweder spekulativ agierende Unternehmen, die auf eine Bodenwertsteigerung spekulieren und die daher das Grundstück nach einigen Jahren mit einem Wertzuwachs weiterverkaufen wollen. Oder es sind finanzstarke Großinvestoren, die mehrere Parzellen im Block entwickeln wollen und daher die aufgekauften Grundstücke zu großen Flächen vereinigen.

  • Am Friedrichswerder wurde nicht restituiert, sondern dieses Gebiet wurde noch nach dem Investitionsvorranggesetz (mittlerweile nicht mehr in Kraft) entwickelt. Aber dies hatte ich schon in meinem Veranstaltungsbericht erwähnt.

  • @bato


    Du verlangst aber auch ein Bisschen viel. Genauso ist auf der Visualisierung der Turm der Marienkirche nicht zu sehen. Ich denke ihm ging es prinzipiell um das Schloss und seine Wirkung sowie mehr um die Visualisierung der räumlichen Idee einer Verbindung der beiden Pole Schloß und FT.
    Deswegen würde ich mich jatzt auch garnicht an Baumreihen und Bauklötzchenhäusern und nicht vorhandener Fußbebauung des FT reiben.


    Würde er die Fußbebauung nicht weglassen wäre kein Platz für die den FT flankierenden Bauklötze.
    Eben ein weiterer Punkt auf der Negatvliste. Ich denke nicht, dass ich da zu viel verlange.

  • Am Friedrichswerder wurde nicht restituiert, sondern dieses Gebiet wurde noch nach dem Investitionsvorranggesetz (mittlerweile nicht mehr in Kraft) entwickelt.


    Du sagtest doch aber "Oder es sind finanzstarke Großinvestoren, die mehrere Parzellen im Block entwickeln wollen und daher die aufgekauften Grundstücke zu großen Flächen vereinigen."


    Warum war das hier nicht der Fall, wenn es doch lukrativer sein soll?

  • Hobbyist: Ich habe die Gesetzesänderung so verstanden, dass der Senat künftig nicht mehr an die Vorgabe gebunden ist dem Höchstbietenden zu verkaufen. So kann ein Grundstück künftig auch nach anderen Kriterien vergeben und entwickelt werden als maximale Verkaufserlöse für das Land Berlin zu erzielen. Also geht es künftig ja gerade nicht mehr allein darum was lukrativer ist.


    Oder geht es hier doch um etwas anderes?

  • Keine Ahnung, worum es hier genau geht.


    Klarenbach schreibt ja nur entweder ellenlange Reports und Fotostrecken oder reduziert sich auf Stichworte.


    Auf einzelne Fragen wird ja auch nicht eingegangen, da ist es schwierig eine ordentliche Diskussion zu haben.

  • Am Friedrichswerder worde das ganze Areal nach dem InVorG verstaatlicht und anschließend kleinteilig privatisiert, mit dem Verbot es innerhalb bestimmter Fristen weiterzuverkaufen.


    Dass Erben jüd. Alteigentümer weiterverkaufen wollen muss ja nicht zwangsläufig zu nicht gewollten Großstrukturen führen. Am Molkenmarkt hindert eher die Platte der Telekom die Kleinteiligkeit, obwohl Teile der Grundstücke drunter restituiert wurden. Dass es den für Planung zuständigen Kühne nervt, wenn er auf mehr Eigentümer Rücksicht nehmen muss ist verständlich, im städtebaulichen Zusammenhang jedoch zu vernachlässigen.


    Also, kleinteiliger als vorher wird's durch Restitution allemal.

  • Problemlösungen

    Der Braunfelsentwurf bietet 3 Problemlösungen, die mMn sonst schwer zu lösen wären.


    1. Auf Grund der vorhandenen Bebauung entlang des Platzes auf den anderen Straßenseiten wäre eine niedrige Bebauung nach historischem Grundriss schwierig. Nach Braunfels werden gleich hohe Kuben auf die andere Seite gesetzt, das sieht stimmig und nach Großstadt aus.


    2. Anderes als bei einer historischen Bebauung, wird bei diesem Entwurf der Fernsehturm nicht zugebaut, kann wirken und wirkt daher nicht als fehlplazierter Betonklotz zwischen Townhouses.


    3. Sowohl die Sockelbebauung des Fernsehturms als auch die Ostfassade des Schlosses sind meiner Ansicht nach keine architektonischen Lichtblicke, die so verschwinden würden.


    Zudem wird um den Fernsehturm bereits in dem von Braunfels vorgeschlagenen Kuben oder Klötzeraster gebaut.


    Was ich so mitbekommen habe, geht es gerade der östlichen Bevölkerung der Stadt darum, dass dort obwohl sie bereits mit dem Tiergarten einen der größten Parks Europas besitzen, Grün mit Aufenthaltsqualität erhalten bleibt. Mit der Sichtachse wäre das spektakulär erfüllt und würde an andere große Hauptstädte erinnern.

  • Mit Verlaub, aber wie geschichtsvergessen und blind müsste Berlin sein, um auf einen Aufmarschplatz und Propagandapark (MEF) eine monumentale Sichtachse á la Germania folgen zu lassen? Und das inmitten der historischen Keimzelle der Stadt? Idiotisch, absolut irre.


    Es kann für das Marienviertel nur eine Lösung geben: der großen Historie der Umgebung gerecht werdende Neubauten auf den früheren kleinteiligen Grundrissen.


    Große Kirchen hat man früher auch nicht freigestellt oder inszeniert, das ist eine Marotte der Moderne des 19. Jahrhunderts; vielmehr waren sie selbst Inszenierung genug, erhoben sich über die Häuser. Ähnlich würde es sich da mit dem Fernsehturm verhalten, das wäre eine viel interessantere Wirkung als die Einöde heute.
    Darum braucht man sich gar nicht weiter zu sorgen.


    Was aber die Öffnung des Schlüterhofes angeht und damit den Verzicht auf Stellas verhunzte Spreefassade: ja, bitte! Genau so machen. Vielleicht noch mit einem Kolonnadengang o.ä., damit man als Besucher des Forums den Rundgang zu Ende bringen kann, ohne nass zu werden oder dergleichen.
    Ist zu diesem späten Zeitpunkt aber alles sehr unrealistisch.


    Zumindest über eine ansprechendere Gestaltung des Spreeufers sollte man aber nochmal nachdenken. Auch da liefert Braunfels einen guten Ansatz mit dem Schauraum und den seitlichen Treppen.

  • Monumentale Sichtachsen sind seit der Antike ein klassisches Mittel von Städtebau. Aller möglichen Kulturen und politischen Systeme. Das nun irgendwie mit den damaligen Germania-Planungen im Speziellen zu assoziieren ist meiner Meinung nach nicht zielführend. Ich bin die weggeduckte deutsche Nachkriegsmentalität bzgl. Stadtplanung einfach leid. Es droht nicht das Ende der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, wenn wir mal wieder mehr als reine Zweckmäßigkeit zum Maßstab machen. Das ist daher für mich wirklich kein Einwand.

  • Witzig, ist es doch bislang eben genau die propagandierte Zweckmäßigkeit, welche zuerst die letzten Überreste der Keimzelle Berlins und schließlich ihre Krone, das Stadtschloss, abgeräumt hat - und anschließend Unfug bis zum abwinken hat entstehen lassen (DDR-Außenministerium, Aufmarschplätze, MEF, Ballast der Republik usw.).


    Schluss mit diesem geschichtsvergessenen Tabula Rasa. Eine Monumentalachse statt eines urbanen Marienviertels wäre nicht nur eine unfassbare Platzvergeudung, sondern auch ein weiterer Akt stadtplanerischer Barbarei. Sowas fällt ja nicht mal der Lüscher ein, und die ist schon eine Katastrophe für Berlin mit ihren identitätslosen, androgynen Allerweltskisten.


    Ich möchte daran erinnern, wie urban und vital dieses Viertel bereits aus der Vogelperspektive einmal wirkte - wir sprechen über dieses Areal:



    Quelle: http://www.berliner-historische-mitte.de/
    (Sehr unterstützenswerter Verein übrigens, der den teilweisen Wiederaufbau der Altstadtviertel vorantreiben will!)


    Ein koloriertes Luftbild der historischen Mitte von Berlin anno 1920.


    Zu sehen sind Heilig-Geist-Viertel, Marienviertel, Nikolaiviertel und das Klosterviertel mit dem Molkenmarkt in der dicht gedrängten Altstadt.
    Etwa zentral am oberen Bildrand beim Bahnhof beginnt der Alexanderplatz. Die Spree trennt die Kernaltstadt von der Spreeinsel mit den Museen, dem Dom und dem Stadtschloss.

  • Es kann ja hier nicht wirklich um eine Komplettrekonstruktion gehen, das ist unrealistisch.


    Aber die urbanen Strukturen fehlen beim MEF. Die müssen wiederkommen. Eine geschichtsvergessene, öde, von Modernistenkisten gesäumte breite Achse kann doch ausgerechnet im historischen Zentrum dieser so gequälten Stadt keine zufriedenstellende Antwort sein.


    Noch einige historische Impressionen für die weitere Diskussion...


    Blick vom Rathausturm über das alte Marienviertel nach NW, mit Stadtschloss, Unter den Linden, Dom und Museumsinsel, etwa um 1910

    Urheberrechte abgelaufen, eigene Postkarte


    Blick in die andere Richtung, über die Dächer des verdichteten Heilig-Geist-Viertel und des angrenzenden Marienviertel, um 1900

    Urheberrechte abgelaufen, eigene Postkarte


    Blick Richtung Stadtschloss, 1891

    Wiki

  • ^^ Also wenn es den Fernsehturm nicht geben würde, wäre ich für eine Bebauung wie auf deinen Fotos.
    Ich wäre für eine ähnlich dichte Bebauung bzw. ein zweites Nikolaiviertel entlang einer von Braunfels vorgeschlagenen Sichtachse

  • Es wird doch für einen guten Architekten möglich sein, einen vernünftigen Übergang zwischen einem hochverdichteten Altstadtquartier (mit welcher Architektur auch immer) und dem FS zu finden. Eine Sichtachse bliebe ja stets durch die Bischofstraße, nur eben nicht bis zum Schloß.

  • Ich will noch nachtragen, dass die Berliner Zeitung am 28.10.2013 einen Artikel über die Ausstellung "Geraubte Mitte" veröffentlicht hat. Der Artikel bewertet die Ausstellung differenziert. Einerseits lobt er, dass die Schau hervorragend inszeniert worden wäre. Andererseits kritisiert er inhaltliche Schwächen. So würden die Eigentumsverluste im Stadtkern nicht in den gesamtstädtischen Kontext eingeordnet. Vergleiche mit Enteignungen beispielsweise im Tiergartenviertel, in Charlottenburg oder im Friedrichshain würden fehlen. Weiterhin würde die Ausstellung verschweigen, dass viele Planungen der NS-Zeit eine Kontinuität zu Planungen der Kaiserzeit aufweisen würde.
    Zudem vertritt der Autor Nikolaus Bernau die Meinung, dass es der Ausstellung nur bedingt um die Aufklärung der Verbrechen an den Berliner Juden gehen würde. Stattdessen würde die Revision von hundert Jahren Stadtplanungsgeschichte in diesem Gebiet angestrebt.


    http://www.berliner-zeitung.de…dt,10809148,24810968.html


    Noch eine Bemerkung zu Konstantin: Der Rechtsanwalt Gunnar Schnabel hat sich auf dem Symposium auch sehr skeptisch über die Folgen der Naturalrestitution im Stadtkern ausgesprochen. Er warnte vor "Rechtsstreitigkeiten bis zum Sankt Nimmerleinstag". Und Schnabel ist ja nun kein Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.