Zukunft des Rathausforums / Marx-Engels-Forums

  • Naja bis dort überhaupt irgendwas gebaut wird,wird eh noch sehr viel Zeit vergehen.Ich finde die Stimmmannpläne für den Fernsehturm aber einfach nur schrecklich und unpassend.Ich finde man kann den Fernsehturm doch nicht einfach wegrationalisieren und ihn in irgendeinem Block verschwinden lassen.
    Das Bauwerk ist ob man es Optsch mag oder nicht eines der Symbole unserer Hauptstadt.Deswegen sollte man meiner Meinung auch den Bereich des Fernsehturms im Falle einer Bebauung in einen Platz einfügen.

  • Ich denke man sollte bei der Debatte um den großen Freiraum zwischen Fernsehturm und Spree nicht vergessen, daß zu dem Zeitpunkt, an dem eine groß angelegte Entwicklung überhaupt erst möglich wird (also nach Fertigstellung der U5 2017, wenn es nicht wie bei der U55 wieder drei Jahre länger dauert) ein ganz anderes, dichteres Umfeld in diesem Teil der Innenstadt herrschen wird: der Schloßplatz wird bebaut und das Umfeld Friedrichswerdersche Kirche wird verdichtet sein, das Quartier am südlichen Hackeschen Markt wird lange fertiggestellt sein, das Molkenmarktquartier wird im Bau sein, und auch der Alexanderplatz selbst wird bis dahin weiter verdichtet sein...
    Ich denke, daß es im Prinzip ein Luxus ist, dann eine so großzügige Freifläche als Gegengewicht im Zentrum zu haben; daß es nötig ist, diese neu zu konzipieren und heutigen Bedürfnissen anzupassen ist unbestritten; vor allem die Schneise und Barriere Spandauer Str. muß zurückgebaut werden, die Verbindung zum Sockelbereich der Bauten an der Karl-Liebknecht-Str. muß verbessert werden, ebenso wie es eine Aufwertung und Überarbeitung dieses Sockelbereichs geben muß...
    Eine attraktive Innenstadt muß differenzierte Raum- und Nutzungsangebote vorhalten, neben dichten, kommerziell genutzten Bereichen auch Freiflächen verschiedenen Charakters, klassisch wie beim Lustgarten, oder eben auch eine großzügige Spielwiese für den homo ludens mit Erholungs-, Aktivitäts- und Sportangeboten für verschiedene Altersgruppen und soziale Schichten, und das OHNE mit einem notwendigen Konsumzwang verbunden zu sein...
    Ich denke, das sollte das Leitbild bei der Entwicklung des großen Freiraums zwischen Fernsehturm und Spree sein, und bei der oben angesprochenen Veranstaltung wurde ja auch erwähnt, daß es in den ersten Jahren des kommenden Jahrzehnts einen internationalen Wettbewerb zu seiner langfristigen landschaftsplanerischen Entwicklung geben soll.

  • Wie Urbanist bin ich der Meinung, dass eine "attraktive Innenstadt differenzierte Raum und Nutzungsangebote vorhalten muss...". Es ist eine Frage der Balance. Wieviel Grün im Verhältnis zu wieviel Verdichtung, wieviel kommerzieller Nutzung im Verhältnis zu viel nicht-kommerzieller? Hier lohnt sich meines Erachtens ein Blick in die Vergangenheit und ein Blick nach aussen. Die Bevölkerungsdichte in Paris ist doppelt so hoch wie die in Berlin. In der Innenstadt ist sie dreimal bis viermal so hoch. Ähnlich in Madrid. Auch im historischen Vergleich ist die Bevölkerungsdichte in "Gross-Berlin" um 1/3 gesunken - innerhalb des S-Bahnrings sogar noch stärker. Grossstadt ist nicht Kleinstadt. Berlin ist nicht Freiburg im Breisgau und sollte es auch nicht sein wollen. Zu einer funktionierenden, prosperierenden Innerstadt im Sinne der europäischen Stadt gehört nun mal ein hohes Mass an Verdichtung. Dieses hohe Mass an Verdichtung war und ist wichtige Voraussetzung für die soziale, wissenschaftliche und kommerzielle Innovationskraft dieser Städte. In welche Richtung sich Berlin bewegen sollte ist aus meiner Sicht daher klar. Die Vorkriegsenge des Marienviertels wird es - aus guten Gründen - sowieso nicht mehr geben. Ich bin überzeugt davon, dass Berlin in der Summe mehr von einer Bebauung als von einem weiteren Sitzplatz für Touristen profitieren würde.

  • @ Spreesurfer:
    Die Bebauung zwischen Spree und Alex ist aus mehreren Gründen reine Zukunftsmusik:


    Zuerst sind da die Restitutionsansprüche. Es sollen ca. 20 % aller Grundstücke davon betroffen sein. Aus leidvoller Erfahrung - zuletzt bei der Gebäudezeile am Schinkelpark - weiß man, daß diese Ansprüche just dann angemeldet werden, wenn es mit dem Bau losgehen soll. Bis zur Klärung der Ansprüche dauert es dann aber etliche Jahre, in denen die Vorarbeiten zwischen zu finanzieren sind.


    Dann ist der demographische Druck gleich null. Ein ganzes Areal für Hochwertige Woh- und Geschäftsbebauung zu erschließen wird vermutlich erst lohnen, wenn die Brachen und Baulücke in 1 km Umkreis geschlossen sind.


    Schließlich war die Gestaltung Teil der Hauptstadtplanung der SED-Nomenclatura. Bis heute blieb sie in diesem Bereich unangetastet. Es wird sehr wahrscheinlich aufgrund der derzeitigen Machtkonstellation heftigen Widerstand gegen eine Tilgung dieses Erbes geben.


    Wenn man sich mit den Planungen seit den 20er Jahren beschäftigt, dann findet man erstaunliche Beharrungskräfte, die sich jeweils auf viel später veröffentlichte und danach noch viel später umgesetzte Planungen ausgewirkt haben.
    Ich denke, daß Stimmann mit seinem Entwurf nur Pflöcke einschlagen wollte.
    Mit der Umsetzung rechne ich allerfrühestens in den kommenden 30er Jahren. :OK30:

  • In der aktuellen Berliner Woche findet sich ein Artikel zum Thema.


    So trafen sich laut BW letzte Woche Freitag Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD), Architekten, Professoren und Senatsplaner in einer Diskussionsrunde im Rathausforum und debattierten über die künftige Entwicklung des MEFs.


    Die Entwicklungsszenarien reichten von einem großstädtischen Park bis hin zu intensiv genutzten urbanen Räumen. Da das Gebiet die nächsten Jahre wegen der U5-Baustelle blockiert sei, bliebe noch genügend Zeit um sich Gedanken zu machen wie das MEF künftig aussehen soll.


    Von den Überlegungen die historische Mitte und den alten Stadtgrundriss zu rekonstruieren hält Bausenatorin Junge-Reyer derweil jedoch wenig. Der Freiraum würde als Grundlage der städtebaulichen Qualifizierung gesehen. Bebauungsüberlegungen seien im Zeitalter des Klimawandels äußerst kritisch zu prüfen so Junge-Reyer. Zudem sei das Areal im Planwerk Innenstadt als Grünfläche ausgewiesen.


    Weitere Meilensteine sollen demnach sein:


    • bis Ende 2011 Ausarbeitung eines Entwicklungskonzeptes und finale Abstimmung im Abgeordnetenhaus
    • ab 2012 Beginn eines Gestaltungswettbewerb der die Grundlage für eine Umgestaltung des Rathausforums sei
    • frühestens ab 2017 Beginn der ersten Bauarbeiten


    Artikel Berliner Woche

  • Ich vertrete eine ähnliche Meinung wie Richard Neutra. So ein großer freier Platz im Zentrum einer großen Stadt ist ein Luxus. Er sollte neu gestaltet werden um als Freizeitfläche in mitten Berlins zu fungieren. Andererseits ist eine Verdichtung des Gebietes rund um den Alexanderplatz dringend notwendig. Dazu braucht man aber doch nicht den Rathhausplatz zu überbauen.

  • Ich finde, es würde reichen, das MEF zu bebauen, um den Platz ein wenig zu fassen, würde neben Verdichtung ALex auch reichen, es gibt halt wohl keine zufriedenstellende Lösung, die dem Fernsehturm, Marienkirche, Rathaus allen gerecht wird. Aber die Platten an der Karl-L-Straße könnten fallen und man die ürsprünglichen Straßen zum Hackeschen wieder anschießen, dann wäre es ein richtiger Platz, der auch nach was aussieht, und eben nicht ausufernde kommunistische Wüste.

  • Das wäre doch eine ideale Fläche für eine Bauaustellung. Jahrmarkt der Architekturen. Erstmal müssen jedoch die Restitutionsansprüche geklärt werden. Es hat ja auch keine Eile. Es gibt genug Freiflächen, die es zu bebauen gilt.

  • In Berlin ist eh alles gleich "Luxus", und wenn sichs um einen neue Zebrastreifen handelt. Das ist kein Platz, sondern eine riesige leere Fläche. Es würde doch auch reichen, wenn man - wie wir es hier beim Molkenmarkt und den Stadthaus immer wieder diskutieren - den Block unmittelbar vor dem Rathaus, wie man ihn auf Reinhards Link sieht, unbebaut ließe. Es bliebe immer noch genug Freifläche, aber immerhin hätte sie eine vernüntige Einfassung, die nicht an zwei Seiten aus geschäftigen Straßen besteht. Aber OK, der Bedarf für weitere Häuser ist z.Zt. eh nicht da, insofern...Die Babauung des MEF wär fürs erste genug. Vielleicht gäbe das der Fläche vor dem Rathaus ja schon genug Platzcharakter.

  • Wie schon in einem älteren Beitrag erwähnt, unterstützt auch der Architekten- und Ingenieur-Verein (AIV) zu Berlin die Forderung nach einer Rekonstruktion des historischen Zentrums und ließ damals verlautbaren man plane einen Wettbewerb für die künftige Gestaltung des Geländes.


    Dies wird nun in die Tat umgesetzt. Der 155. Schinkel-Architekten-Wettbewerbs 2010 steht ganz unter dem Motto "neue alte Mitte" Berlins. Die Abgabefrist wurde auf den 25. Januar 2010 festgesetzt. Es wird mit 400 Teilnehmern gerechnet.


    Artikel Mopo

  • Als ich meinte, das MEF sei ein großer Luxus für Berlin und sollte deshalb unbebaut bleiben, hieß das nicht, das man die Freifläche nicht modernisieren sollte. Ich war vor zwei Jahren da und muss ehrlich sagen, dass der Platz nicht gerade zum Verweilen einlädt. Trotzdem bin ich optimistisch, dass sich gute (Landschafts)Architekten finden lassen sollten, die es schaffen würden, das ganze Gebiet aufzuwerten ohne den Platz zu bebauen, zB. durch neue Straßenbeläge, Grünflächen, Parkbänke, etc.Auch wenn ich sonst eher für eine Rückkehr zur Bebauungsdichte (nicht Architektur) der Vorkriegszeit bin, so finde ich doch, dass in diesem Fall dies nicht angebracht wäre, da die riesige freie Fläche mitten in Berlin schon zu sehr in der Vorstellung von Berlin der Leute verankert ist. Ich persönlich kann mir eine urbane Bebauung an dieser Stelle nicht vostellen.

  • Kann man für "Marx-Engels-Forum" im Zuge eines Umbaus nicht einen besseren Namen finden? Mir sind Benennungen nach Politikern und Ideologen grundsätzlich suspekt, gleich welcher "Richtung". Wie hieß der Bereich zB noch im 19. Jahrhundert?

  • bayer


    Geht es nach Wikipedia so hieß das Marx Engels Forum vor seiner Fertigstellung (1986) schlicht und ergreifend nur Marienviertel, das vor seinem Abriss eben ein Bestandteil des "alten" Stadtkerns Berlins war.

  • Tönt doch gleich sympathischer. Hm, also wurde noch bis in die 1980er in der "Hauptstadt der DDR" historische Bausubstanz zugunsten von sowjetischer Monumentalgestaltung abgerißen? Weil, wenn dieses "Forum" erst 1986 fertiggestellt wurde...was war dort zuvor?

  • Die Antworten auf diese Fragen sind vielfach nachzulesen. Ich machs mal ganz kurz: Ein paar Häuse (z.B. Post) standen noch bis in die 60er (siehe auch Google Earth, da kann man Berlin Bilder von '45 und '53 ansehen), wurden aber abgetragen. Dann lange Grünfläche ohne großes Rondell in der Mitte und schließlich, '86, Marx und Engels.