Leipzig: Old Industry - Umgang mit Industriedenkmälern

  • Die Immobilienzeitung berichtet über die Projekte der CG-Gruppe. Neben dem Interdruckgebäuden, die sich im Bau befinden, den Bleichertwerken in Gohlis, mit deren Umbau demnächst begonnen werden soll, wird von einem neuen, interessanten Projekt berichtet. Die Gebäude des ehemaligen Leipziger Kommissions- und Großbuchhandels sollen von der CG-Gruppe zu einem Wohn- und Gewerbeobjekt umgebaut werden. Entstehen sollen Wohnungen auf 20000 qm und Gewerbeflächen auf 3000 qm.

    Einmal editiert, zuletzt von Stahlbauer () aus folgendem Grund: Fehler behoben.

  • Sehr schön. Ich bin gespannt, ob es eine reine Sanierung wird, oder das Ganze durch einen Neubau ersetzt wird. Ich habe nie so richtig verstanden, warum das Gebäude teilabgerissen wurde.

  • Bild Leipzig: Aus für Büros im Gasometer Nord

    Das war, wenn ich mich recht entsinne, bisher am Forum vorbeigegangen: Wie die Bild Leipzig bereits am Samstag berichtete, war seitens der Stadtwerke Leipzig ein Umbau des Gasometers Nord geplant, u.A. sollten Büros entstehen. Angeblich wurden bereits über 100.000 Euro für Planungen ausgegeben, ebenso angeblich sind ebendiese jetzt gestoppt worden. Büros widersprächen wohl den Planungen der Stadt, die seit Jahren eine eher kulturelle bzw. Freizeitnutzung anstrebt. Einzig konkrete Aussage im Artikel: "Auf dem Gelände laufen aktuell Untersuchungen zu grundsätzlichen Entwicklungsmöglichkeiten des Standortes."

  • Die Nachricht um das Gebäude der LKG ist natürlich sehr gut. Ich hatte neulich noch davon gesprochen, da das Seeburgviertel einen starken Aufschwung erlebt. Aber wie auch schon einmal geschrieben, ist Homuth immer so eine Wundertüte. Ich hoffe man kann den schlichten 1940/'50er Jahre Chic auf den Neubau übernehmen. Das beudeutet keine helle Rauhputzfassade wie beim Interdruckgebäude und auch sollten Traufhöhen eingehalten werden. Auf diverse Eingangssitutationen bin ich auch gespannt.


    Hoffentlich wird das Projekt nicht "vermasselt", und man schafft hier eine Variante die an einer Magistrale auch etwas Großstadtflair versprüht. Eine Vorlage gibt der noch erhaltene Gebäudeteil jedenfalls.

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    Neben der Messehalle 2 und dem jetzigen Olympiastützpunkt Am Sportforum ist das Gebäude der LKG eines der wenigen realisierten (Groß-)Gebäude nationalsozialistischer Architektur. Ich gehe stark davon aus, dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht.


    Abgesehen davon hoffe ich natürlich auch, dass der Blockrand geschlossen wird und das Vorhaben eine starke gewerbliche Nutzung erfährt.

  • Danke für die Fotos aus der letzten Zeit. Das Interdruck-Gebäude geht ja recht zügig voran.



    Die Sanierung der Aroma-Fabrik liegt nun endgültig in den letzten Zügen. Zwei Aufnahmen aus der Gustav-Mahler-Straße (Vorzustand).






    Weiter vorn in selbiger Straße kommt die Sanierung der Wagenfabrik Friedrich Trebst ebenso gut voran. Während der Kopfbau des Südflügels schon fertiggestellt ist...




    ...wird beim Rest noch kräftig gewerkelt.

    Foto: Cowboy

  • Im soeben erschienen CG MAGAZIN Nr. 7 werden die Projekte der CG Gruppe weiter beschrieben. Beim Projekt in der Prager Straße wird leider kein Gebäude an der Prager Straße entstehen.


    Die Bleichert-Werke in Gohlis sollen ab dem Frühjahr 2013 umgebaut werden. Neben 200 exklusiven Wohnungen soll ein Biomarkt, Gewerbeflächen, ein Parkhaus (hier "Hochgarage" genannt), ein Schwimmbad für die Bewohner und gastronomische Einrichtungen entstehen.



    Leute, die sich auch einmal als Immobilienentwickler versuchen wollen, finden im CG-Magazin viele nützliche Tipps.

  • ^ Vielen Dank für den Interessanten Link. Was das LKG-Gebäude betrifft, heisst es aber auf Seite 10:


    Vorgesehen ist, diese Altbauten zu entkernen und sie nach der Sanierung einer neuen Vermietung zuzuführen. Außerdem sollen entlang der Stephanstraße und Prager Straße hochwertige Neubauten errichtet werden.


    Hervorragende Nachrichten!

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    Auf Seite 10 findet man auch eine Visualisierung. Erkennbar ist, dass das Altgebäude an der Prager Straße weiter genutzt wird. Daneben ist an der Prager Straße kein Gebäude erkennbar.

  • Danke für den Fund!


    Bei den Bleichert-Werken (wie ich finde eines der spannendsten, kommenden Projekte in Leipzig) bin ich mit den Visualisierungen der CG-Gruppe nicht vollends glücklich. Das an dieser Stelle nicht ein weiteres großartiges Ensemble wie die Spinnerei entsteht war natürlich klar (man will ja schließlich Geld verdienen), aber leider wird wohl recht viel Substanz verloren gehen. (Siehe Bild, die rot markierten Gebäude werden wohl 0815 Neubauten weichen müssen)


    http://imageshack.us/a/img11/8889/bleichertvis.jpg


    http://imageshack.us/a/img51/8164/bleichertviscg.jpg



    Die gelb markierten "Einschnitte" bzw. Innenhöfe finde ich, sofern Fenster mit ursprünglicher "Sprossung" eingesetzt werden, gut gelungen.
    Die hinteren zwei Lichthöfe sind dann leider des Guten zuviel. Und hoffentlich soll der Unterschied zu den ersten keinen Neubau andeuten (die Fassade passt nämlich nicht wirklich zur jetzigen.)


    Auch die Begrünung muss meiner Meinung nach nicht sein. Industriearchitektur sollte auch ohne Pseudo-Park wirken dürfen/können.


    Trotzdem schön, dass dieses Areal nach 20 Jahren Verfall bald endlich angegangen wird.


    Nachtrag:


    Auch der blaue Bereich fällt wohl vollständig weg, wie eine zweite Visualisierung deutlich macht:


    http://imageshack.us/a/img254/9735/bleichertviscg2.jpg


    Genauso wie alle Verbindungsbrücken zwischen den Gebäuden. Das ist wirklich richtig schade, und für mich unverständlich. Dass man das nach hinten raus eng und niedrig bebaute Areal lichten möchte, ist das eine, der vollständige Abriss schöner Industriesubstanz, um an deren Stelle totlangweilige Penthouse-Würfel hinzuklatschen, aber sicherlich keine Lösung im Sinne des Denkmalschutzes.


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    Hinweis der Moderation: Die Einbindung der Bilddateien wurde in Links geändert. Bitte künftig auf die Richtlinien für das Einbinden von Bildern achten! Vielen Dank.
    Bato

  • @ Stahlbauer: ich würde hier mal dem explizit formulierten Text mehr Glauben schenken, also etwas in eine unkommentierte Visualisierung, die vielleicht einfach den zu sanierenden Bestand aufzeigen soll, hinzuinterpretieren.

  • Danke für das Foto-Update aus Plagwitz und Lindenau. Schon beachtlich, wie schnell Projekte in Plagwitz und Lindenau jetzt umgesetzt werden. Vor einiger Zeit herrschte beim letzten Abschnitt der Buntgarnwerke noch jahrelanger Stillstand, von einer Sanierung am Aurelienbogen ganz zu schweigen, jetzt wird mit hohem Zeitdruck gebaut, als ob die Gebäude schon immer heiß begehrt waren. Eine sehr gute Entwicklung, wie ich finde, die sicherlich auf den starken Zuzug nach Leipzig in den letzten Jahre zurückzuführen ist.

  • Schleußig: Abriss Schornstein


    Nächste Woche wird in Schleußig der nächste, nicht mehr genutzte, industrielle Schornstein abgerissen. Er befindet sich im Industrie-Ensemble Holbeinstraße Ecke Stieglitzstraße, darunter ist das Café "Kesselhaus" bekannt. Der Abriss beginnt am 3. Dezember und soll bis 21. Dezember 2012 andauern.

  • Update 15. Dezember '12

    Fortschritt an der Bauer-Brauerei:




    Interdruckgebäude:






    Industriegebäude Salomonstraße 5-9:





    Bilder sind ausnahmslos von Gestern

  • Hansa Real Estate entwickelt Mühle in Großzschocher

    LVZ, 28.12.2012
    Mühle in Großzschocher wird saniert
    Firma Hansa Real Estate investiert knapp acht Millionen Euro / Technik-Zeugen bleiben erhalten


    Die Firma Hansa Real Estate hat das 5000 Quadratmeter große Areal der Mühle in Großzschocher von der Agrargenossenschaft Kitzen erworben. Ab nächstem Frühjahr bis 2014 soll die Mühle saniert und für knapp acht Millionen Euro in eine Wohnanlage mit dem Namen "Wellenwerk IV" umgewandelt werden. Unter dem Namen Wellenwerk hat der Leipziger Bauprojektentwickler bereits zwei große Wohnanlagen in Wahren geschaffen sowie jüngst ebenfalls eine alte Wassermühle in Knautkleeberg denkmalgerecht saniert. "Alle diese Objekte liegen an der Elster oder ihren Nebenarmen, verfügen über eine von uns errichtete Brücke und viel Grün zum Entspannen", erklärte der Vorstand Eckhard Stiegele. Der Name "Wellenwerk" sei eine Verbindung der Industriegeschichte der Orte mit ihrer Lage am Wasser.


    Geplant ist die Schaffung von 25 Eigentumswohnungen mit Größen von 50 bis 250 Quadratmeter. Nach Plänen des Architekturbüros Peter Homuth soll die die alte Backsteinoptik wieder betont werden, dazu große Terrassen und Balkone angefügt werden. Ein eigenes Blockheizkraftwerk soll die Energiekosten dämpfen. Dabei wolle die Hansa Real Estate technische Einbauten, die noch wie vor 100 Jahren erhalten geblieben sind, bei der Sanierung des Gebäudes erhalten und für künftige Nutzer sichtbar erhalten. Ähnlich sei man schon im "Wellenwerk III" an der Seumestraße vorgegangen, wo imposante Zahnräder im Mühlenhaus hinter Glas gezeigt werden.


    Laut einer Übersicht unter http://www.cash-online.de/wp-c…-Denkmalschutzobjekte.pdf liegt der Verkaufspreis bei ab 2.590 Euro pro Quadratmeter und die Mieterwartung bei 7,00 Euro pro Quadratmeter,
    Lage und Luftbild des Objektes: http://www.dafmap.de/d/lhal.html?id=1457&mt=2&zoom=18


    Die LVZ informiert recht ausführlich über die Geschichte des Geländes und stützt sich dabei auf das Buch von Werner Franke über Großzschocher und Windorf: Bereits im 12. Jahrhundert sollen die damaligen Rittergutsherren (?) eine Wassermühle und zwei Wehre in der nahen Elster errichtet haben, um den Wasserstand regeln zu können. Im Jahr 1568 verkaufte der Adelige Benno Pflugk die Mühle an Gregor Seiler. 1658 können die Herren Bruno und Otto von Dieskau das Anwesen zurückerwerben und wieder mit dem Rittergut vereinigen. Ein steinernes und damit Mühlengebäude wurde 1703 von Johann Balthasar Breitschuh errichtet. Friedrich Wilhelm Kabitzsch schaffte 1840 als erster Großmüller in Deutschland das Lohnsystem ab und kaufte stattdessen auf eigene Rechnung Getreide und verkaufte das Mehl. 1865 stieg Anton Zickmantel in das Geschäft ein und entwickelte die Firma zu einem der größten und modernsten Mühlenbetriebe in Sachsen, der auch über einen Park, mehrere Villen und sogar eine eigene Telegrafen-Standleitung nach Leipzig verfügte. Turbinen und schließlich Dampfmaschinen ersetzen die Wasserräder. Getreide wird aus ganz Sachsen und Thüringen angeliefert. Neben der Mühle entstehen eine Gasanstalt, Schmiede, Schlosserei, Schafzucht sowie und eine Brauerei und ein Gasthof. Am 20. Februar 1944 wird das Gelände stark bombardiert und nach der Befreiung der Besitzer enteignet. 1964 übernahm die LPG "Florian Geyer" das Gelände, nutzt es später jedoch nur noch als Lager und zur Hühnerzucht. Seit Anfang der 1990er Jahre steht das Areal völlig leer.


    Jens Rometsch bezeichnet das Projekt als "neues Zentrum für den Ortsteil". Im daneben liegenden Bereich der früheren Schafzucht will Jörg Schiffner von der Kampfkunstschule "Yoseikan Dojo" den alten Dreiseithof in ein Freizeitzentrum verwandeln. Auf der anderen Seite in Richtung Dieskaustraße plant die Stadt ein Eigenheimgebiet.

  • Interdruck


    Das Interdruckgebäude Ende Dezember:


    Wie es scheint, wird der Eingangsbereich doch denkmalgerecht erhalten und nicht wie auf den Visualisierungen gezeigt aufgebrochen:


    Fassade an der Salomonstraße:


    Neubau entlang der Dresdner Straße:


    Gesamtensemble:


    Bauer-Brauerei


    Ensemble am Täubchenweg:




    An der Spohrstraße - der Schornstein wird scheinbar erhalten:


    Einfahrt zur Tiefgarage:


    Insgesamt ein sehr schönes und interessantes Ensemble, dessen Einzelteile aber recht verstreut wirken und das leider nur durch die bereits in Bau befindlichen Beton-Aussenmauern zusammengehalten wird.


    Derweil erhält um die Ecke das Fabrikfragment zwischen Gerichtsweg und Gabelsbergerstraße eine Farbauffrischung: