Leipzig: Old Industry - Umgang mit Industriedenkmälern

  • ^ Zu den Thalysia-Höfen gab es vor ein paar Tagen auch einen Artikel in der LIZ, worin z.B. stand, wie der Schrott nach der Entrümpelung recycelt wird sowie dass über 100 Meter Bauzaun vom Graffitiverein verschönert wird.



    Bei den Albert-Bleichert-Werken (CG-Gruppe) gibt es auch Neuigkeiten (ohne Fotonachweis): Nachdem das Gelände umfangreich entkernt und entrümpelt wurde, werden nun die ersten Industriebauten zur bevorstehenden Sanierung eingerüstet.




    DrZott hat uns schon von den Plagwitzer Gewerbehöfen (ebenso Projekt der CG-Gruppe) vor kurzem berichtet. Ein paar Fotos als Ergänzung noch von mir. Das Berliner Label Crunchfit hat viel Werbung für sein neues Fitnessstudio in Leipzig gemacht. Es bleibt mir ein Rätsel, wie man bei den vielen Alternativen ausgerechnet für Fitnessstudios soviel Zeit und Geld investieren kann. Aber der Markt ist offensichtlich da und wird hart umkämpft. Egal, hier noch ein paar Fotos von mir:


    Crunchfit an der Zschocherschen Straße. Fühlt ihr schon den Unterschied?




    Crunchfit von der anderen Seite (hinten rechts). Daneben in dem noch eingerüsteten Teil hat ein Massivholz-Möbelladen eröffnet.





    Auf der anderen Seite der Markranstädter Straße fühlt man sich wie in Detroit. Aber es ist auch hier nur eine Frage der Zeit, bis die ehemalige Maschinenfabrik Swiderski neu entwickelt wird.






    Überhaupt bietet die Gegend rauen Charme zur Genüge. Auch die Wohnbauten sind entweder marode und leerstehend oder wurden in den 90er-Jahren mehr schlecht als recht saniert und stehen jetzt halbleer, versifft und beschmiert in der Gegend rum.


    Hier eine Sanierung in der Zschocherschen Straße, von LE.Mon.hist schon einmal vorgestellt.




    Unsaniertes Eckhaus. Es ist schwer, dort vernünftige Grundrisse, die heutigen Wohnansprüchen entsprechen, zu verwirklichen, zumal auf die Fensterfronten kaum Sonne trifft. Duster und laut an der Zschocherschen Straße ist es also auch noch. Deshalb dürfte es noch eine Weile dauern, bis hier jemand investieren will.






    Die Sanierung des Altbestands beim Projekt Aurelienbogen befindet sich auf der Zielgeraden. Die Lofts am Kanal machen qualitativ einen weniger guten Eindruck. Allerdings sind entlang der Aurelienstraße weitere Neubauten geplant (wie hier zu sehen), so dass sie später nicht weiter auffallen dürften.


    Die Lofts von der Aurelienstraße gesehen. Davor werden an der Straßenkante mittelfristig, so zumindest der Plan, 5 Mehrfamilienhäuser errichtet.



    Zwei weitere Gebäude am Karl-Heine-Kanal, die ebenso zum Projekt Aurelienbogen gehören, sind ebenso fast fertig.

    Bilder: Cowboy

  • Aurelinbogen alt und nicht ganz von so weit oben.



    Sorry lieber DAvE LE, habe aber gerade nichts Besseres zu Deinen tollen Aufnahmen da.
    Anzeige aus dem Adressbuch Leipzig von 1898. Zu der Zeit konnte sich die Kommune an dieser Stellt sogar noch eine richtige Brücke über den Karl-Heine-Kanal leisten, kaum zu fassen.
    Bildquelle: digitalisierte Adressbücher der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

  • der bau des karl-heine-kanals ende des 19. jahrhunderts war ein privatwirtschaftliches projekt. folglich wurde auch der bau der ihn überspannenden brücken privat finanziert.


    bei der aufwändigen sanierung des kanals in den 90ern wurden aus öffentlichen geldern die brücken saniert. dabei wurde die könig-johann-brücke (zschochersche straße) abgerissen, in stahlbeton-bauweise neu errichtet und mit sandstein, granitporphyr und klinkermauerwerk originalgetreu verblendet. zudem entstanden mit dem karl-heine-bogen und der birminghambrücke zwei neue kanalquerungen für fußgänger und radfahrer.
    auch die aurelienbrücke nur für fußgänger und radfahrer passierbar zu machen, war teil des gesamtkonzepts. damals gab es dort hauptsächlich brachen und ruinen - und mithin kaum verkehrsaufkommen. inzwischen entwickeln sich die gebiete auf beiden seiten zu beliebten wohnlagen. wohl auch, weil man einerseits bequem die seiten wechseln kann und andererseits ruhige sackgassen situationen vorfindet.


    meines erachtens ist diese fußgängerbrücke damit ein gelungenes beispiel, wie man auch durch weniger (finanziellen einsatz und verkehrswege) zu mehr (attraktivität und lebensqualität eines stadtviertels) gelangen kann. zumal für autos und straßenbahnen die nur hundert meter entfernte könig-albert-brücke vor ein paar jahren saniert wurde.

  • Die ehemalige Notendruckerei C.G. Röder im Gerichtsweg 5-7 wird ab März saniert. Im angeblich ersten Stahlbeton-Bau Deutschlands (Bj. 1898) entstehen 56 Wohneinheiten, die lt. Projektentwickler DGG bereits alle verkauft seien. Ende 2016 können die ersten Mieter einziehen. Weitere Infos zum Bauvorhaben in der Bild.



    Aus gegebenen Anlass zwei Visualisierungen und zwei dazu passende Bestandsfoto der Notendruckerei. Die historische Wiederherstellung ist sehr löblich, aber statt "viel Grün im Innenhof" sehe ich nur PKW-Abstellplätze.






    Visualisierung: DGG-AG
    Bestandsfotos: Gärtner

  • Schön, dass es endlich wird, angekündigt wurde die Sanierung (damals durch die Kling-Group) ja bereits vor mehr als 5 Jahren. Die Wiese nebenan, auf der nur noch ein kümmerlicher Restflügel des Bibliographischen Instituts steht, wird allerdings noch sehr lange daran erinnern, welchen Schaden die phantasielose TLG im Laufe der vergangenen 2 Jahrzehnte in Ostdeutschland verursacht hat. Auch dieses Gebäude hier hätte man gern abgerissen, da man sich schlciht keinerlei Nachnutzungsmöglichkeiten vorstellen konnte.

  • Zwei Großprojekte der DGG werden jetzt konkret, ein drittes habe ich hier vorgestellt. Wie in der heutigen LVZ-Printausgabe zu lesen ist, startet diese Woche die Sanierung der Notendruckerei C.G. Röder. Das Investitionsvolumen beträgt 17 Mio Euro.


    Aus dem Artikel geht zudem hervor, dass die DGG den östlichen Teil des Polygraph-Geländes in Anger-Crottendorf erworben hat. In der fünfgeschossigen Fabrikhalle sollen 100 Wohnungen entstehen. Weitere 100 Wohnungen sollen auf dem Gelände in Form von Mehrfamillienhäuser und Stadthäusern gebaut werden. Die Arbeiten sollen noch dieses Jahr beginnen. Das Investitionsvolumen liegt bei 65 Mio Euro. Das Polygraph-Gelände war hier bereits Gegenstand der Diskussion aufgrund der Sanierung der Villa Krause.

  • Die Revitalisierung der Bleichertwerke geht, nachdem das Gelände umfangreich geräumt und die Industriebauten entkernt wurden, nur gemächlich voran. Auf der CG-Website steht der Status immer noch auf In Vorbereitung, obwohl geschrieben steht, dass die Bauausführung von Juni 2014 bis März 2016 erfolgen soll.


    Ein paar Bestandsfotos vom Sonntag:



    An der Lützowstraße ist inzwischen ein ehemaliges Verwaltungsgebäude der Bleichertwerke eingerüstet.





    Düstere Endzeit-Romantik nach wie vor am Bahnhof Gohlis






    Am östlichen Ende des Geländes an der Wilhelm-Sammet-Straße steht ein weiterer Industriebau eingerüstet.






    Gleiches Gebäude in der Wilhelm-Sammet-Straße

    Bilder: Cowboy

  • Die Sanierung des Grafischen Hofs in der Hans Poeche Straße ist angelaufen. Diskutiert wurde bereits über dieses Projekt, auch darüber, dass dieses Bauvorhaben nur halbherzig in Bezug auf die Wiederherstellung des Blockrandes umgesetzt wird. Derweil, ich war heute vor Ort, bleibt das Eckgrundstück, bei dem der Krieg die Kellergewölbe und in Teilen das EG übrig gelassen hat, gänzlich unberührt, so dass der historische Blockrand zumindest hier doch wieder entstehen sollte.



    Zuerst noch die leicht überarbeiteten Visualisierungen, meiner Meinung nach nicht zum Besseren. Die Reste der Vorkriegsbebauung sind nun gänzlich verschwunden, dafür gibt's jetzt Doppelstock-Parkplätze direkt am Fußweg. Bescheuert... *räusper*.



    An der geplanten Umsetzung der Fabrikgebäude zu Loftwohnungen gibt es dagegen nichts zu kritteln. Hier die Vorderseite:




    Und da die Rückseite:





    Zu den Bestandsfotos von heute: Am Wohnhaus sind die Arbeiten schon in vollem Gange.





    Die Industriebauten im hinteren Bereich sind noch unangetastet. Wie ihr aus der Visualisierung entnehmen könnt, werden die nach dem Krieg vereinfachten Dachaufbauten wieder entfernt und nach historischem Vorbild ergänzt. Die weiße Mauer im Vordergrund verschwindet im Laufe der Realisierung. Hier entstehen dann die Parkplätze wie sie oben auf der 1. Visualisierung zu sehen sind.




    Blick vom Grundstück auf die gegenüberliegende Straßenseite mit Jugendstil-Wohnbauten. Links im Vordergrund der vom Krieg übrig gebliebene Rest im Sockelbereich gehört schon nicht mehr zum Grundstück des Grafischen Hofs.




    Zwei Fotos auf das Eckgrundstück mit der rudimentär vorhandenen Sockelbebauung. In den Kellergewölben befindet sich ein Restaurant. Im Sommer dient das luftige EG des ehemaligen Eckhauses als Freisitz. Irgendwann wird dort wieder ein Haus stehen.



    Visualisierungen: grafischer-hof.de
    Bestandsfotos: Cowboy

  • Aus reiner Neugierde, wie schafft es denn die A-Klasse auf deinem ersten Bild vom "Erdgeschoss" in den "ersten Stock"? Darf man da kurbeln oder wie läuft das?