Frankfurter Architekturdebatte: Wie zu bauen sei

  • Ich habe nicht geschrieben, dass es verwerflich ist. Aber hätte man im Europaviertel mit geschlossener Blockrandbebauung nicht eine viel größere Ausbeute erzielen können, was die BGFs angeht? Dieses „Kistengestelle“, um einzelne Baukörper bei größter Nähe verzweifelt irgendwie ansatzweise einer (wohl vor allem bezüglich der Ausleuchtung) Gleichberechtigung zuzuführen wirkt auf mich irgendwie unbeholfen. Illusionen habe ich übrigens keine, dass man vor 150 Jahren, als man die Gründerzeitviertel aus dem Boden stampfte, auch nicht mit Gedankengut der Wohlfahrt, sondern bereits knallharten kapitalistischen Interessen jonglierte. Freilich auf einem handwerklichen Niveau, das man heute mit dem Rastertunnelmikroskop suchen kann, aber das ist eine andere Geschichte.


    Und deine Kritik an den Ansprüchen ist natürlich berechtigt. Aber ein bisschen sollte Bauen auch erzieherisch wirken. Denn wer im Altbau in Bornheim, Nordend oder Sachsenhausen wohnt, muss ja auch damit leben, sich einen Hinterhof mit Grünflächen oder etwaige rückwärtige Balkons mit den Nachbarn teilen zu müssen. Nur weil die „Architektursprache“ der heutigen Zeit ohne Rücksicht auf irgendwelche ästhetischen „Hindernisse“ den von dir beschriebenen Egoismen Genüge tun kann, heißt ja nicht, dass es nicht auch anders ginge bzw. solche Wohnungen unverkäuflich wären. Im Umkehrschluss müssten dann ja gerade die Gründerzeitviertel mit ihren fiesen Dachschrägen und offenen Vor- oder Hinterhöfen leer stehen.


    Das von dir gezeigte Beispiel Central & Park erinnert in der Konfiguration in der Tat an eine offene Villenbebauung der Gründerzeit. Allerdings wissen wir beide auch, dass hier der Übergang zu Punktwohnhochhäusern im Grün fließend sein kann. Meine Kritik am Europaviertel richtete sich auch eher an das, was man dort im Osten sehen kann (da hatte ich aber auch schonmal was zu geschrieben).

  • @ Chewbacca: Jetzt vermischst du auch einiges. Meiner Meinung nach zeigt das Interview ein ausgeprägtes Wunschdenken bei Mäckler, dass der Realität nun mal - leider - nicht entspricht.


    Der Ansatz von Xalinai trifft voll und ganz zu:


    Dass die Leute, wenn man sie fragt, in der Mehrzahl das freistehende Einfamilienhaus im Grünen haben wollen ist eine Sache.


    Dass im städtischen Umfeld eine Blockbebauung - man kann ja aus der zu dichten Bebauung und den zugestellten Hinterhöfen lernen - das sinnvollste ist, ist eine andere.


    Wenn nun Mäckler meint
    - "Aber nur, weil sie keine Alternative sehen [lieben sie ihre Reihen-/Einfamilienhäuser]"
    und
    - "In Wahrheit lieben die Menschen ihre dichte Stadt, so wie sie ist. Nehmen wir als Beispiel die Schweizer Straße: Die Menschen wohnen dort doch sehr viel lieber als in einer künstlichen Retortensiedlung wie dem Riedberg."
    dann kann ich dazu nur den Kopf schütteln.


    Zur ersten Behauptung deshalb, weil es nun mal einen gewaltigen Unterschied macht, ob man in einer Etagenwohnung mit 10 und mehr Parteien wohnt und sich womöglich tagtäglich durch Tiefgarage & Treppenhaus mit uU 2 Kindern & Einkaufstaschen in der Hand duchschlagen muss
    oder eben gemütlich in seine ebenerdige Garage fahren kann und anschließend ungestört seinen Tee in seinem eigenem Garten trinken kann.


    Zur zweiten Behauptung: Natürlich leben diese Menschen gerne in diesen Vierteln (sonst würden sie woanders wohnen ... bestechend logisch oder?). Aber es gibt nun mal Menschen, die lieber ausserhalb wohnen, auf der grünen Wiese, die nicht gerne in Bars gehen, die den Verkehr und viele Menschen als Stress empfinden, die lieber zurückgezogen leben. Daneben gibt es auch viele die beides haben wollen. Tagsüber das städtische Leben und Abends dann doch lieber am Stadtrand den Tag ausklingen lassen. Auch diese Gruppe bevorzugt den Wohneigentum an der Peripherie bzw. im Umland.


    Die Geschmäcker sind nun mal verschieden und das sollte & kann man ohne weiteres feststellen und zugeben. Ob es gut bzw. sinnvoll ist, ist eine andere Frage.


    Und zu deiner Bemerkung:
    "Im Übrigen finde ich die Kritik an der vermeintlichen Diskrepanz zwischen Städtebaulichen Zielsetzungen und eigener Wohnsituation verfehlt. Mäckler spricht doch hier niemandem das Recht ab, nach dem Reihenhäuschen zu streben, oder im Taunus zu wohnen."
    Ich finde diese Kritik nicht verfehlt, denn Sätze wie
    - "Ich habe fünf Kinder und glauben sie mir: Es gibt für junge Eltern nichts Langweiligeres und Hinderlicheres als den öffentlichen Spielplatz."
    und
    - "Diese Haltung „My home is my castle“ stammt aus den 50er und 60er Jahren und muss endlich als politische Zielsetzung begraben werden."
    suggerieren, dass diese Postionen auch seinem Ideal entsprechen und dienen letzlich dazu, seine Aussagen noch glaubhafter/gerechtfertigter erscheinen zu lassen.
    Wer auf diese Art & Weise Aussagen trifft, der soll dann bitte mit seinen Kindern in Innenhöfen spielen & sich eine Etagenwohnung in Sachsenhausen etc. zulegen. Ansonsten soll er es doch bitte anders formulieren.

  • Eventuell hätte ich „Büro haben in“ und „Wohnen“ schreiben sollen, da letzteres natürlich weit schwieriger herauszubekommen ist, aber du kannst ja mal gucken, wo Namen wie Coop Himmelb(l)au, Daniel Libeskind oder Zaha Hadid ihre Büros v. a. in Europa verteilt haben.



    Nope, mache ich nicht. Die Entscheidung, wo ein Architekturbüro seinen Sitz hat, ist eventuell noch ärgeren Nebenkriterien ausgesetzt, als die persönliche Wohnsituation des Architekten, und entspricht noch weniger dem immer wiederkehrenden Klischee des Heuchlers, der andren Wasser predigt, und selber Wein trinkt.
    Ich will das auch nicht weiter auswalzen, und danke, wenn du selber sagst, dass du das nicht argumenatorisch verwursten willst. Aber es gibt mit schöner Regelmässigkeit Diskussionen (nicht nur hier in diesem Forum), in denen mit schöner Regelmässigkeit die Überlegenheit des Historismus postuliert wird, und mit schöner Regelmässigkeit das Bild des Architekten als "Beweis" rausgekramt wird, der Modern entwirft, aber Altbau wohnt. Ich kenne diese Architekten aber alle nicht, die auch alle nie namentlich genannt werden, und meiner Meinung nach schon eher ein Internetmem sind, als Realität.

    aber wie gesagt, auf dem Niveau will ich eigentlich nicht anfangen. Ich verstand meinen Beitrag eigentlich auch als Statement dagegen, hier Zusammenhänge zu suchen. Ich wohne übrigens auch in 'ner Platte. Plump aus finanziellen Gründen.



    Dein Beitrag machte auf mich den Eindruck, in dieselbe oben beschreiebene Richtung zu gehen (sorry, wenn ich dich da falsch verstanden habe), und da wollte ich halt jetzt mal die Gelegenheit ergreifen, und nachfragen. Wir sind hier in der Lounge, und da sind kritische Nachfragen vielleicht nicht ganz so schnell OffTopic.
    Ich selber wohne übrigens in einer recht kleinen Wohnung im Nordend. Die Qualität, die ich mit dem Wohnen hier verbinde, lässt mich die größere Wohnung in der "Platte" verschmähen. Mit dem vermeintlichen besseren Architekturvokabular hat das aber weniger zu tun, als mit der Dichte, und den daraus resultierenden und funktionierenden Angeboten in Bezug auf Läden und Gastronomie um die Ecke, und Leben auf der Straße.
    Ähnliches findet sich in der Reihenhaussiedlung nicht, unabhängig von der Architektur.


  • Leider mangelt es aufgrund der Verdammung und Tabuisierung des gründerzeitlichen Städtebaus vor allem in der Nachkriegszeit wohl nicht zuletzt aus ideologischen Gründen (noch) am Mut einer praktischen Umsetzung. Das einzige Beispiel dieser Art dürften die wohlbekannten Townhouses am Friedrichswerder in Berlin darstellen, wobei das natürlich mit geschlossener Blockrandbebauung auch eher wenig zu tun hat.


    Da beim "Neubauviertel" Sachsenhausen zwischen Deutschherrenufer und Gerbermühlstraße gibt's ja sowas auch. Allerdings auch nur (soweit ich das sehe) nur in einem Block komplett umgesetzt, die anderen beiden Blöcke sind ebenfalls nicht ganz geschlossen und der "Innenhof" partiell bebaut.


    Ich schließe mich Mäckler aber ebenfalls komplett an.

    Ich finde, dass auch das Europaviertel wunderbar für moderne "neugründerzeitliche" Blockrandbebauung geeignet gewesen wäre. Aber Pustekuchen. Nun haben wir eine Stalinallee... äh, Entschuldigung, Europaallee, die zwar versucht hat, dieses urbane, mehrgeschossige, dichte Bebauung aufzugreifen, aber dann irgendwie mehr an eine Mischung aus überdimensionierten Reihenhäusern und die gute alte Platte erinnert.

  • Es ist nun mal bekannte Tatsache, dass der Deutsche am liebsten sein eigenes Häuschen haben möchte.


    Gäbe es den Trend der Bewegung zurück in die Stadt nicht, wie könnte die Einwohnerzahl steigen? In Frankfurt mutet die vorgeschlagene vier- bis fünfgeschossige Bebauung dörflich an. Europäische Städte dieser Größe haben doppelt so hohe Blockrandbauten. Wohnhochhäuser sind nicht unbeliebt, wenn sie nicht wie Sozialbauten wirken.


    Aber es gibt nun mal Menschen, die lieber ausserhalb wohnen, auf der grünen Wiese, die nicht gerne in Bars gehen, die den Verkehr und viele Menschen als Stress empfinden


    Nicht jeder Wunsch kann erfüllt werden. Es ist bekannt, dass den meisten Verkehr gerade jene erzeugen, die vor dem Verkehr in die entfernten Vorstädte flüchten, aber dann doch täglich in die Stadt kommen.

  • Merlin, ich habe nicht vorgehabt, eine Textanalyse zu Herrn Mäcklers Essay vorzunehmen, genausowenig, wie Xalinais Beitrag, aber ich interpretiere Xalinais Beitrag so, dass er - genauso wie ich - Mäcklers Wunschdenken teilt.

    Es ist mir auch egal, wo er (Mäckler) wohnt. Das hat mit der Richtigkeit seiner Thesen nichts zu tun. Die sind entweder richtig, oder nicht. Und wenn er finnische Saunen preist und in einem Iglu in einem Kühlschrank am Äquator wohnt.

    Zur zweiten Behauptung: Natürlich leben diese Menschen gerne in diesen Vierteln (sonst würden sie woanders wohnen ... bestechend logisch oder?).



    Du bestätigst doch selbst, dass diese Nachfrage existiert, wozu soll es dann gut sein, über die Annehmlichkeiten, die andere Modelle dem entsprechend gestrickten Individuum bieten, zu philosophieren?
    Dass wir alle eine Wohnung mitten in der Stadt wollen, aber total ruhig gelegen, am Alpenrand und mit freiem Blick zur Nordsee steht doch ausser Frage!

    Innerhalb dieser nicht aufzulösenden Diskrepanz entscheidet sich der eine fürs Reihenhaus, der andere (zum Glück in letzter Zeit immer mehr) für die Etagenwohnung in der Stadt. Es ist doch keine abstrakte, akademische Frage, was attraktiver ist, sondern wird durch die Realität entschieden. Und die sieht so aus, dass die die Innenstadt umgebenden Wohnviertel die am meisten nachgefragten sind, und wer dort wohnt immer mehr darüber entschieden wird, wer es sich leisten kann. Einen klareren Indikator kann ich mir nicht vorstellen. Und eine logischere Antwort, als den Bau, oder die Umgestaltung von mehr Vierteln nach denselben Kriterien auch nicht.

    Es steht auch ausser Frage, dass sowohl kommerzielle als auch infrastrukturelle Angebote erst ab einer gewissen Dichte Sinn machen.
    Und dass Zersiedelung nicht nur deren Zurverfügungstellung entegegnsteht, sondern auch ökologisch und energiepolitisch gesehen mittelfristig nicht nur nicht wünschenswert ist, sondern auch für den einzelnen Verbraucher nicht mehr zu schultern.

    Einmal editiert, zuletzt von Chewbacca () aus folgendem Grund: Aliens ate my Buick!

  • Folgende Beiträge aus dem Projektstrang zum Europaviertel West hierher verschoben.
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    Irgendwie kann man bei einigen Kommentaren nur noch den Kopf schütteln über so wenig Substanz und doch soviel Selbstgerechtigkeit.


    Vor dem Bildschirm sitzend die Quadratur des Kreises zu verlangen mag ja einfach und befreiend sein - aber dabei alles verdammen und in Grund und Boden reden, respektiert nicht, was hier geleistet wird.


    Ich erspare mir all die positiven Leistungen des heutigen Wohnungsbaus als Gegengewicht aufzuzählen und bitte einfach nur, mal den einen oder anderen negativen Superlativ bei den Wertungen wegzulassen. Sie halten nämlich einer objektiven Nachprüfung nicht stand.

  • ^Die unbestrittenen positiven Beispiele moderner Wohnungsarchitektur können doch aber nicht als Rechtfertigung für die Hinnahme (im wahrsten Sinne des Wortes) billiger Investorenarchitektur herhalten.


    Und wenn jetzt noch an der Hoffnung festgehalten wird, dass dies nur frühe Renderings seien und dass sich alles später noch verbessern/verfeinern kann...in wieviel Prozent der Fälle war der endgültige Entwurf besser als die ersten detaillierten Renderings?


    Bis auf den Wohnturm am Taunusturm fällt mit jetzt so direkt nichts ein...


    Negativbeispiele (unter vielen) sind hier das BNP-Parisbas und T 185 oder auch das Hotel am Opernplatz.

  • Drei wenige Fakten zu der Diskussion um "die Stadt muss nicht jeden Mist genehmigen" sowie der "Hinnahme von billiger Investorenarchitektur, in die neue Mieter einziehen"


    • von den mehr als 200 Wohnungen der GWH an der Hattersheimer Str. sind nach acht Wochen noch ganze sechs Wohnungen zu vermieten.


    • der Quadratmeterpreis in den genannten Objekten beträgt durchschnittlich 13 EUR


    • bei den von der Bouwfonds errichteten Objekten handelt es sich wie bei den Objekten an der Niederhausener Str. um ETW, deren Qudratmeter-Preise zwischen EUR 3380 und 5350 liegen


    Ob das Argument daher stimmt, dass nach einigen Jahren die Mieter ausziehen und "Menschen mit gar keinem Einkommen" einziehen, mag jeder selbst beurteilen. Mir scheint, hier geht es nur um das grundsätzliche Diskreditieren.

  • ^Ich weiss nicht, welchen Beitrag sie hier gelesen haben, aber hier mal einige Klarstellungen:


    1. Rede ich im letzten Absatz nicht vom Europaviertel, sondern von MEINEM ORT und dies bezieht sich auch nur auf die langweilige Architektur.


    2. Die Aussicht mit einer zunehmend ungünstigen Bewohnerstruktur bezieht sich nicht auf wenige Jahre (genauer lesen), sondern auf Jahrzehnte. Die Plattenbauten der 70er waren ja zunächst auch sehr beliebt - bis sie es nicht mehr waren.


    3. Die Quadratmeterpreise ändern nichts daran, dass ich die Architektur einfallslos finde. Werde ich hier jetzt allen Ernstes für meinen persönlichen Geschmack "gegrillt"?


    4. Habe ich hier nicht die Entstehung von Wohnraum kritisiert, sondern die langweilige Architektur (und nur diese!). Ich weiss hier wirklich nicht, worauf die Kritik an meinen Beiträgen abzielt. Sie geht an meinem Punkt völlig vorbei.


    Bei manchen könnten man den Eindruck bekommen, ich hätte ihr Neugeborenes hässlich genannt...

  • ^ Da ich ebenfalls der Meinung bin, dass wegen der "schönen" und "hoch-qualitativen" Häuser auf lange Sicht kein attraktives Viertel be-/entsteht, möchte ich Europäer doch mal bitten auch darzulegen, wodurch der Eindruck zu Stande kommt, dass es nur ums grundsätzliche Diskreditieren ginge. Deine "Argumente", bzw. Fakten, Europäer, zur Ist-Situation direkt nach Fertigstellung der Wohnungen sagen ja nun mal gar nichts zu der Entwicklung aus (wie du ja auch durch "mag jeder selbst beurteilen" andeutest).
    Vondaher die Frage: was genau ist deine Aussage? was sind deine Argumente, dass die Entwicklung positiv ausfällt?

  • Der Europäer meint, dass durch die bei der Erstvermietung erzielten, vergleichsweise hohen Mietpreise und die Käuferselektion bei den ETW durch die ebenfalls recht hohen Quadratmeterpreise von vorneherein eine Besiedelung mit Menschen erzielt wird, deren Einkommensniveau und gemutmaßtes Verhalten einer Verslummung sicher vorbeugt.


    Darüberhinaus scheint es so zu sein, dass die Wohnungen weggehen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln - ein ausreichendes Potenzial an Kaufkraft ist dementsprechend auch vorhanden.


    Andererseits waren die Waschbetonblöcke an der Siegmund-Freud-Straße/Gießener Straße Anfang der Siebziger auch mit Gutverdienern belegt und der Sonnenring (Mailänder Straße) ging als Luxusgut übern Tisch.

  • ^ du lieferst, ja selbst die Entkräftung deiner(?) / Europäers Argumente.. und ich hatte nachgefragt, weil Europäer eben nur Fakten zum Ist-Zustand geliefert hat und überspitzt unterstellt hat, dass direkt die untersten sozialen Schichten Nachmieter werden. Es ist mM davon auszugehen, dass eine solche Entwicklung eher langsam geschieht.
    Damit ich das besser bewerten kann, würde mich mal interessieren, ob die Wohnungen nur von Leuten gekauft werden darrt, die auch dort einziehen werden? Dass sich Investoren momentan um Wohnungen reißen, die auf 10 Jahre wertstabil sind und Rendite abwerfen hat ja nichts mit der langfristigen Bewertung des Viertels zu tun. Man muss halt auch sehen, dass momentan viel Geld am Markt ist, dass irgendwo investiert werden "möchte" und Immobilien hier vielen als sinnvoll erscheint. Zumal die Wohnungen ja in Frankfurt gebraucht werden.
    Da es aber um eine Vorhersage zu der Zukunft des Viertels geht, sind es in der Tat Mutmaßungen und persönliche Bewertungen (Verslumung wegen äußeren Rahmenbedingungen vs. Bewahrung des Status quo wegen vorhandenen Mietern, ETW). Doch warum wird den Menschen, die sich auf Beispiele der Vergangenheit beziehen (z.B. der von Xalinai genannte Sonnenring), grundsätzliches Diskreditieren vorgeworfen?!
    Das hat nichts mit einem Diskurs zu tun.. Ich unterstelle Europäer ja auch nicht einfach, dass er von den Investoren beauftragt ist, das Viertel zu verteidigen, nur weil er zwei Postings hat, passend zum Europaviertel Europäer heisst und eine nicht auf Fakten beruhende Verteidigung in Kombination mit nicht Würdigung der anderen Meinungen an den Tag legt. (Der letzte Satz ist nur als Beispiel aufgeführt, wie meiner Meinung nach eine Diskussion mit "europäischen" Ansatz aussähe. Mir ist die Motivation, mit der jeder einzelne an der Diskussion teilnimmt, ziemlich egal, solange argumentiert wird.)

  • monotonen Einheitsklötze ohne jeglichen individuellen Wiedererkennungswert unterscheiden sich lediglich durch die Hausnummer. Das wirkt kasernenartig...


    aber die Stadt muss ja nicht jeden Mist genehmigen...

    Und die jetzt noch dort einziehenden Familien mit Kindern und gutem Einkommen werden nach und nach ausgetauscht gegen solche mit geringem/gar keinem Einkommen. Natürlich müssen auch diese Menschen irgendwo unterkommen...


    Also diese Sätze hier oben sind nicht von mir, aber wenn von "kasernenartig", "jeder Mist" und "diesen" Menschen (mit "gar keinem Einkommen") geschrieben wird, dann aber auf der anderen Seite die Objekte, die gerade im Bau sind und um die sich ja die Diskussion dreht, gar keine Mietwohnungen, sondern ETW mit Wohnraum über 200qm für ein Penthouse sind, dann ist mir zumindest die Argumentation, dass heute zwar Menschen mit Geld, danach aber Menschen ohne Geld dort einziehen (in ETW!) nicht eingängig.


    Auch ist in einem (inzwischen gelöschten) Beitrag davon die Rede, dass ich so tun würde, als ob man "ihr Neugeborenes hässlich nennt". Trifft auf mich nicht zu, weil ich das DAF entdeckt habe als Informationsquelle, die mir FFM noch sehr viel mehr näher bringen kann. Neue Stadtgebiete, die bspw. bzgl. der Mieteinheiten sofort komplett von der Bevölkerung aufgenommen werden (das meinte ich mit der Angabe des Vermietungsstands), nur ob eines weiteren Renderings (vielmehr gibt es ja nicht von den Bouwfonds-Parzellen) mit den Worten Mist und kasernenartig (ab) zu werten, ist meines Erachtens substanzlos. Und, keine Sorge, ich bin kein Vertreter einer Baufirma (wie mir ja auch unterstellt wird), ich wohne lediglich (gerne) dort.


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    Mod: Beiträge 128#ff hierher verschoben. Substanzmangel hin oder her - diese Diskussion hat sich weit vom Projekt Europaviertel entfernt und ist daher in der Lounge weit besser aufgehoben.

  • erstmal danke fürs verschieben.. ufert ja doch etwas aus ;)


    zu Europäer,
    erstens: dir wurde nicht unterstellt, dass du von einer Baufirma bist, bitte lese meinen Beitrag genauer. Vielleicht sind dir die anderen mit ihrer Meinung aber etwas zu nahe getreten.. dass du wohl auch emotional mit dem Viertel in Verbindung stehst, schreibst du ja selbst. Vielleicht waren einige Äußerungen ja gar nicht so böse gemeint?! Und ich sehe auch keine grundsätzliche Diskreditierung - wie du schreibst.
    zweitens: ich habe extra nachgefragt, wer denn diese Besitzer sind, die die ETW kaufen, um beurteilen zu können, ob die Eigentumsverhältnisse die Situation im Viertel nachhaltig beeinflussen wird, bzw. eine gewisse Konstanz verleiht.
    drittens: ich kenne die Pläne der Häuser nicht, daher ist das als reine Mutmaßung zu verstehen, aber ein Bekannter hat mir mal von einem Projekt erzählt, wo genau folgendes gemacht wurde: Große Wohnungen waren so "angelegt", d.h. es waren zwei Bäder und Anschlüsse / Platz für eine zweite Küche vorhanden, dass durch das einziehen einer Wand und der Schaffung einer neuen Eingangstür zwei Wohnungen entstanden. Da dies im Rahmen der "normalen" Renovierung nach ca.15-20 Jahren nach Bau geschah, waren die Kosten hierfür vergleichsweise überschaubar und in kurzer Zeit über die Mieten wieder erwirtschaftet.
    Aber wie auch immer, ich habe ja bereits zugegeben, dass es letztendlich eine Wertefrage ist, ob man eine Entwicklung wie bei den 70er Jahre Klötzen erwartet oder nicht. Die Zeit wird einzig Aufklärung liefern.

  • Die oft genannten "70er Klötze" sind ein Beispiel, ein anderes sind Gründerzeitviertel:


    Urban, von hoher handwerklicher Qualität, dekorativ, einst oftmals die Viertel der Begüterten. Und was passierte nach einigen Jahrzehnten mit vielen der heute höchst gefragten, innenstädtischen Lagen? Eine Vermietung an Studenten-WGs war vielerorts noch die hochwertigste Nutzungsart.


    Was ich damit in die Dikussion einbringen will: Dass es vollkommen illusorisch ist, zu denken man können die Entwicklung von Quartieren über einen Horizont von 30, 40 Jahren durch welche Maßnahmen auch immer vorbestimmen. Selbst ein ausgesprochenes Villenviertel wie das Westend hatte seine "weniger guten" Jahre.


    Dass im Europaviertel (wie eigentlich überall) der Einheitsbrei regiert ist natürlich trotzem ein Fakt, und hängt maßgeblich damit zusammen, dass Nachfrage = Mainstream = Einheitsbrei ist.

  • Kann dir nur zustimmen, wie sich ein Viertel entwickelt kann man schwer bzw. gar nicht vorhersagen. Das Bsp. Westend und Innenstadt zeigen, dass Investitionen notwendig sind, um Qualität zu erhalten. Die schönsten Häuser in verwahrlosten Zustand, sehen aus wie Bruchbuden. Siehe das Traumhaus an der Mörtelnder, über das letztens hier im Forum berichtet wurde. Oder auch z.B. Brüssel. Dort gibt es ganze Viertel mit schönen Altbauten, die einfach verkommen - was aber auch daran liegt, dass die noch viele dieser Häuser haben, die in Deutschland zerbombt wurden.
    ABER, ich möchte dir insofern widersprechen, dass die Qualität von 70er Klötzen und den Häusern im Europavierteln eine andere ist: ich kann mir nicht vorstellen, dass in 50 Jahren nicht eher neugebaut wird, sondern renoviert wird - leider wahrscheinlich um wieder Einheitsbrei hinzustellen...

  • Zu den Beiträgen ab #132:


    Ich möchte meine Kritik noch einmal kurz zusammenfassen, da hier einiges durcheinander zugehen scheint:


    Ich kritisierte die Entwicklung großer Baugebiete durch ein und den selben Investor, weil diese nunmal offensichtlich zu copy&paste, also zu sich eher wiederholender Architektur der einzelnen Gebäude neigen.


    Für diese Investoren bedeutet es ein Investment, das Gewinn abwerfen soll. Je "günstiger" (=einfacher) die Architektur, desto größer der Gewinn, da der architektonische Anspruch dem größten Teil der potenziellen Bewohner egal ist und daher kein Preisnachlass erforderlich ist.



    Nun muss aber einfache Architektur nicht langweilig oder zumindest nicht hässlich sein. Dies erfordert aber einen fähigen Architekten, der sich auch bei normalen Wohnhäusern Mühe gibt. Dies ist aber oftmals nicht der Fall - grauer Putz/Flachdach. Das wirkt nunmal wie in den 70er-Plattenbauzonen.


    Ferner mag zutreffend sein, dass die ersten Renderings winzig sind, jedoch sollten die umgebenden Neubauten in dem neuen Viertel einen Anhaltspunkt liefern, welche Art von Ivestorenarchitektur wir erwarten dürfen. Man siehe auch den geplanten Wohnturm. Einfach grauenhaft (die Verliererentwürfe waren bedeutend besser!), aber wohl Ausdruck des Zeitgeistes in der ohnehin eher durchschnittlichen deutschen Architektur unserer Zeit.


    Wenn es nun langweilige Gebäude sein müssen, dann wenigstens abwechselnd langweilige (hoffentlich macht das jetzt Sinn).



    Zuletzt ging es auch um die Verslummung in unattraktiven Lagen. Das kann mit jedem Viertel passieren und man kann nicht 40 Jahre in die Zukunft schauen.


    Doch die jetzigen Verkaufspreise sind hier keine Garantie. Und dass es sich um Eigentumswohnungen handelt, schließt eine spätere Vermietung nicht aus (und auch nicht, dass die Mieten dann - warum auch immer - fallen).


    Schließlich waren die Plattenbauten der 70er durchaus begehrte Wohnorte. Sie boten einen hohen Lebensstandard (fließend warmes Wasser hatte nicht jeder!) und waren der Inbegriff modernen Wohnens.


    Zeiten ändern sich. Auch Gründerzeitviertel sind nicht vor Verslummung sicher. Jedoch habe ich - jedenfalls in meinem Ort - beobachtet, dass gerade die Mietskasernen mit Grünflächen/Miniparks dazwischen dieses Schicksal erlitten haben.



    Nach alledem lasse ich mir nicht nachsagen, dass ich nur des Meckerns willen handeln würde. Ich bin nunmal von der bisher gezeigten Architektur im Europaviertel schwer enttäuscht.

  • Ich kritisierte die Entwicklung großer Baugebiete durch ein und den selben Investor, weil diese nunmal offensichtlich zu copy&paste, also zu sich eher wiederholender Architektur der einzelnen Gebäude neigen. Für diese Investoren bedeutet es ein Investment, das Gewinn abwerfen soll. Je "günstiger" (=einfacher) die Architektur, desto größer der Gewinn, da der architektonische Anspruch dem größten Teil der potenziellen Bewohner egal ist und daher kein Preisnachlass erforderlich ist.


    Das muss nicht so sein. Das Berliner Projekt Lautizia wird von einem Investor entwickelt, der sich um starke Variierung der Fassadengestaltung bemüht. Natürlich nicht aus Nächstenliebe, sondern zum Zweck der Steigerung des Immobilienwertes. Im Europaviertel fehlt diese Mühe, die zum Standard gehören sollte.


    Schließlich waren die Plattenbauten der 70er durchaus begehrte Wohnorte. Sie boten einen hohen Lebensstandard (fließend warmes Wasser hatte nicht jeder!) und waren der Inbegriff modernen Wohnens.


    Wir sind nicht mehr in den ersten Wiederaufbaujahren. Die Ansprüche entwickeln sich.

  • Kritik an Platzgestaltung - Die nächste Runde

    Nachdem sich das Planungsdezernat für die Planung und Ausführung des Goetheplatz bzw. Rossmarkt Areals einiges an Kritik gefallen lassen musste, setzte sich auch gestern im Nordend die Entwicklung fort.


    Dieses Mal richtet sich der Vorwurf der Einfallslosigkeit an die Planung des neu gestalteten Martin-Luther Platzes. Die Frankfurter Neue Presse (Bericht mit Bild) berichtete heute von der Neueröffnung des Platzes der von Protesten begleitet wurde. Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) und Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) wohnten der Einweihung des neuen Platzes vor 100 Zuschauern bei. Im November 2010 hatten die Bauarbeiten begonnen und wurden für 1,4 Millionen Euro komplettiert. 7 neue Bäume, Bänke und ein ausgefeiltes Beleuchtungskonzept werden noch nachträglich entstehen.


    Kritik der Anwohner
    Ähnlich wie beim Rossmarkt meinten manche kritische Anwohner der Platz ähnelte einer "Steinwüste mit Linde" sowie "grau und kalt". Angesichts des miserablen Vorzustandes als chaotischer Groß-Parkplatz für Autos ist dieser Vorwurf allerdings ein Jammern auf extrem hohem Niveau. Wie in keinem zweiten Stadtteil wird im Nordend extrem auf Infrastruktur-Verbesserungen geachtet, daher sind die Einwände schon etwas undankbar. Nicht zuletzt der gelungene neue Belag der Berger Strasse, der neue Friedberger Platz, das neue gold verzierte Eingangstor zum Güntersburgpark, das Campo Areal oder die "roten Nasen" an Kreuzungen sind gelungene Beispiele.


    Farbwahl sollte man überdenken
    Trotzdem muss ich zustimmen, dass die Farbwahl einfach fade ist. Die große Fläche aus grauen Steinplatten mit einigen Stein-Würfeln, die zum Sitzen einladen sollen, erzeugt eine gewisse Leere. Drei breite Stufen führen auf die eingeengte Straße, die den Platz bumerangförmig umgibt. Die Verkehrsberuhigung sollte somit sicher gestellt sein.


    Weitere Projekte im Nordend/Bornheim die ins selbe Muster fallen
    Im Nordend hat diese Entwicklung auch eine Vorgeschichte: Am Rosengärtchen (Beitrag von Schmittchen) und leider auch am Neebplatz (Photo-Bericht von PornoPuma) wurde der neue Belag hellgrau gehalten, während die Bäume wie Soldaten in Reihen aufgestellt sind. Besonders der neue Neebplatz ist trotz einiger Bänke meist gähnend leer und wird nicht gut angenommen. Kein Brunnen, keine Farbe, keine interessante Aufteilung, keine belebenden Elemente, dafür aber graues Einheitsmittelmaß. Man muss von einem glatten Flop sprechen.


    Kann die Stadt aus den Fehlern bei Platzgestaltung hinzu lernen?
    So sehr es mich freut, dass man versucht mit vielen Einzel-Maßnahmen Plätze in Bornheim und im Nordend aufzuwerten, die Stadt hat keinen guten Riecher für Platzgestaltung bewiesen. Es ist offensichtlich, dass hier Fehler wiederholt werden, die man auch schon am Goetheplatz in genau der selben Form gemacht hat und aus denen man hätte hinzulernen MÜSSEN. Zu grau, zu kahl, zu monoton, zu gleichförmig und zu wenig kreativ. Das passt weder zum quirligen Nordend, noch sollte es das neue Patentrezept für Platzgestaltung in Frankfurt sein.