Leipzig - natürlich

  • Der doch relativ kleine Hainer See scheint sich zum am intensivsten genutzten See im Leipziger Neuseenland zu entwickeln. Größere Protestbewegungen gegen die Bebauung der Ufer mit Wohn- und Freizeitgebäuden und gegen Boote sind mir nicht aufgefallen.



    Wohngebäude am "Lagune" genannten Bereich des Hainer Sees.
















    Eigene Fotos.

  • Das sieht ja alles recht chaotisch aus. Vielleicht ist es auch der ungewohnte Anblick solcher Häuserreihen am See. Aber ich denke, ein paar Vorgaben an die Bauherren hätte hier ein harmonischeres Bild bescheren können. Die vielen weißen Fassaden irritieren mich auch etwas. Geht das an einem See denn lange gut? Selbst im "Inland" behelfen sich ja manche schon mit einem Spritzschutz aus Kies ums Häuschen um die Fassade zu schützen. Wenns hier mal richtig schüttet, dürfte das für die Häuser einer Fahrt durch die Waschstraße gleichen, nur mit umgekehrtem Ergebnis.

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    Für die kleineren, im Bau befindlichen "Häuschen" wird eine Wohnfläche von 140 qm angegeben.
    Einige der Ferienhäuser stehen schon einige Jahre dort. Bislang kann ich keine größeren Verschmutzungsprobleme erkennen.


    Weiß ist im Moment die bevorzugte Farbe im Leipziger Neuseenland.



    Der Hafen Zwenkau im Frühjahr 2016
















    Eigene Fotos.

  • ^ Danke für die Bilder. ich war dieser Tage auch mal am Zwenkauer See. Ganz schönes "Würfelhusten" da, aber durchaus nicht billig. Ich bin überrascht, dass die Baufelder weggehen wie geschnitten Brot, ist die Verbindung nach Leipzig aufgrund des ehemaligen Tagebaus rings um Zwenkau alles andere als optimal.


    Im Mai soll dann lt. Bauschild der Strandabschnitt mit Beachvolleyball und Lounge fertig sein. Wenn der Hafen fertig ist, die Baufelder komplett bebaut sind und noch mehr Gastronomie hinzukommt, wird Zwenkau sicher ein recht beliebtes Ausflugsziel sein. Wie viele der anderen neuen Seen setzt man auch beim Zwenkauer See auf Touristen aus ganz Deutschland. Die Preise für Ferienwohnungen und -häuser, Campingplätze etc. sind im Vergleich mit "richtigen" Urlaubsregionen ganz schön heftig. Ob die Rechnung aufgeht, wird man sehen.


    Noch ein bisschen Klatsch gefälligst? Eins der "recht chaotisch" aussehenden Häuser am Hainer See ist das Wochenendhäuschen vom Leipziger OB und seiner neuen Flamme (22 Jahre jünger).

  • Das noch im Bau befindliche Gebäudeensemble heißt Z1 Das Haus.



    Bildquelle: Stahlbauer


    Ansicht vom Hafenbecken


    Straßenansicht in Richtung Hafen

    © BKS Architekten Trier

  • Ich bin überrascht, dass die Baufelder weggehen wie geschnitten Brot, ist die Verbindung nach Leipzig aufgrund des ehemaligen Tagebaus rings um Zwenkau alles andere als optimal.


    Ich fand es besonders von den Ersten, die dort gebaut haben, ganz schön mutig. Auch heute sind noch jede Menge Baugrundstücke zu haben. Der vom Projektentwickler vorgegebene Baustil, ist in dieser Masse ein neuer Anblick, jedenfalls im gründerzeitlich geprägten Leipzig. Für mich aber immer noch besser, als die merkwürdige Mischung in Zöbiker mit Südtiroler Bauten und Astrix-Fincas.




    Zwenkauer Kuben












    Eigene Fotos.

  • für sich genommen haben viele der neuen kuben-villen am zwenkauer hafen sicher ihren architektonischen reiz. dennoch kann ich nicht so recht nachvollziehen, warum man gerade dort bauen und wohnen sollte.


    vom cospudener und markkleeberger see ist man viel schneller in der stadt. in dreiskau-muckern hat man größere grundstücke und den charme eines alten ortskerns in halbinsellage. und am hainer see hat man den privaten zugang zum wasser.


    hier hingegen hockt man am "falschen" seeufer mit nordausrichtung, braucht ewig in die city und hat - wegen dauerhaft fehlender bäume und bodentiefer fenster - weniger privatsphäre als auf jeder penthouse-terrasse.


    zusammengefasst: die häuser und wohnungen bieten sicher viel raum, licht und komfort. aber als gesamtpaket gibt es meiner meinung nach in und um leipzig deutlich attraktivere angebote.

  • Das ist ja eher ein gutes Zeichen, wenn dort trotz der von dir beschriebenen Nachteile hohe Nachfrage herrscht. Ich kann das um ehrlich zu sein nicht beurteilen. Allerdings werden Richtung Leipzig die Preise für derartige Grundstücke wahrscheinlich kräftig ansteigen, sodass mancher wohl lieber auf entlegenere Seen ausweicht. Ist für die kleineren Kommunen sicher nicht das Schlechteste.

  • ^ Von entlegen kann ja eigentlich keine Rede sein. Das Nordufer, das aktuell zum autofreien Naherholungsgebiet umgestaltet wird, liegt ja teilweise schon auf Leipziger Flur. Die Anbindung ist nur vergleichsweise schlecht, weil man aufgrund des Sees erstmal nach Süden durch Zwenkau muss, um nach Leipzig zu kommen. Mit der Kirche ums Dorf sozusagen.


    Günstig sind die Grundstücke auch nicht, gibt einen ordentlichen Aufschlag, wenn man in Seenähe wohnt. Und mit der Ruhe ist es spätestens am Wochenende vorbei, wenn Hinz und Kunz aus der Stadt und aus dem Umland dort einfallen: Knatternde Motorräder, Parkchaos etc., kennt man ja.


    Dafür sollen Nationalspieler Per Mertesacker und seine Ulli in einem der Kuben dort wohnen (also wenn beide mal nicht gerade in London sind).

  • Während ich bei der Auswahl und dem Sortieren von älteren Gebäuden oder auch neuen Gebäuden im "klassischen" Stil wenig Probleme habe, ist mir hier aufgefallen, dass eine Zuordnung nicht immer einfach war.


    Anderes Thema: Das Hafenviertel ist zwar recht dicht bebaut, das Verkehr verteilt sich aber (noch). Bis zum Kreisverkehr. Der gesamte Verkehr zum und vom Hafen geht in Zwenkau über eine Straße: Die Leipziger Straße. Dort wird wohl in Zukunft so mancher Nerv blank liegen.


    Auf der Coverkarte des BAEDEKER-Reiseführers Leipzig-Halle heißt der Ort übrigends Zwergau.

  • Nun hat auch BILD den Hainer See entdeckt.


    Insgesamt 12 Angelhütten sollen gebaut werden. Vier Angelhütten stehen schon. Am Nordstrand will der Eigentümer Blauwasser Beachboxen aufstellen und vermieten. Die ersten vier Beachboxen hat man aus der Türkei herangeschafft und aufgestellt. Für eine Jahresmiete von 800 Euro kann man auf sechs Quadratmetern seine Badesachen deponieren.


    Weiter sollen am Nordstrand des Hainer Sees 62 Ferienhäusern entstehen. Ein Musterhaus wurde errichtet. 18 Reservierungen soll es geben. Im Frühjahr 2017 soll eine Marina, ähnlich dem Pier 1 vom Cospudener See, eröffnet werden.



    H E I N Z
    Muss man aus Geldgeilheit wirklich jeden Quadratmeter verwerten. So hat die Natur und die Entstehung von Biotopen keine Chance.


    Heinz sollte seine Kammer mal verlassen. Allerdings besteht bei vielen Biotopen ein Betretungsverbot für normale Steuerzahler.

  • Radausflug nach Dreiskau-Muckern

    Dreiskau-Muckern, ein Dorf im Landkreis Leipzig, das zur Gemeinde Großpösna gehört und sich etwa 15km Luftlinie südlich von der Leipziger Innenstadt befindet sowie ca. 3km östlich von Espenhain, das einst inoffiziell der schmutzigster Ort Europas war. Dreiskau-Muckern sollte wie so viele andere Ortschaften der Braunkohle weichen. Dann kam die politische Wende und der Beschluss, Dreiskau-Muckern bleibt erhalten.


    1993 noch hatte der Ort 50 Einwohner gehabt. Dann flossen Fördergelder und vor allem Kreative und Handwerker zogen in Folge nach Dreiskau-Muckern. Heute zählt die Ortschaft wieder über 500 Einwohner, davon sollen 126 Kinder sein. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt lt. Wikipedia bei 30 Jahren. Die unmittelbare Nähe zum Störmthaler See birgt zusätzlich touristisches Potenzial. Und auch baulich ist das Dorf eine einzige Erfolgsgeschichte:


    Ein so ursprüngliches, typisches nordwestsächsisches Dorf mit komplett erhaltenen Dreiseitenhöfen, die meist sehr gut in Schuss sind, gibt es sonst wohl kaum im Leipziger Südraum zu sehen. Hier scheint die Zeit vor 200 Jahren stehengeblieben zu sein, und so müssen die vielen Dörfer, die die Braunkohle geschluckt hat, schon ausgesehen haben, als Napoleons Truppen vorbeikamen.



    Ein paar fotografische Eindrücke aus Dreiskau-Muckern:















    Bilder: Cowboy

  • Frühlingswanderung durch den Auenwald zwischen Leipzig und Schkeuditz.






    Spuren europäischer Geschichte in einsamer Gegend.








    Die Entwicklung der Seenlandschaften um Leipzig zieht die Besucher an. Im Auenwald besuchen die Menschen z.B. die Domholzschänke. Sonst ist es hier ruhig geworden.










    Eigene Fotos.

  • Der Leipziger Auenwald wirkt natürlich, ist aber seit mindestens 1000 Jahren vom Menschen geprägt. Die Flüsse wurden reguliert und für den Antrib von Mühlen genutzt. Die Luppe hat vom Reichsarbeitsdienst ein neues Bett gegraben bekommen. Das bringt heute Probleme mit sich. Das Flußbett liegt tief und die Luppe gräbt sich weiter ein. Dadurch trocknet der Auenwald aus, die Artenzusammensetzung verändert sich hin zu mehr trockenliebenden Pflanzen. Mit dem Projekt " "Lebendige Luppe" will die Stadt Leipzig den ursprünglichen Auwaldcharakter erhalten bzw. wieder herstellen.


    Im Frühjahr sind alte Lehmgruben wassergefüllt.
















    Eigene Fotos.

  • Manche Wege kann man eigentlich nur zu Fuß gehen.












    Die Deichkronen sind bereits heute für Fahrradfahrer recht gut aus gebaut. Es gibt Pläne, eine Fahrad-Schnellstrecke zwischen Leipzig und Halle/Saale zu bauen. Ein Mitarbeiter der Mitteldeutschen Zeitung aus Halle hat die Strecke schon einmal getestet.






    Eigene Fotos.

  • Zu Ostzeiten haben Peter Guth, Bernd Sikora und der Fotograf Peter Vogel das Buch Leipziger Landschaften veröffentlicht. Die Texte von Peter Guth kann man heute nur mit einer gewissen Verwunderung lesen. Der Lehmstedt -Verlag bringt demnächst wieder einen Band mit Leipziger Landschaftsfotos von Norbert Vogel auf dem Markt.



    Im Ostband "Leipziger Landschaften" wird die Neue Luppe fast schwärmerisch beschrieben. Brücken seien harmonisch in die Landschaft eingepasst, eine ausgewählte Bepflanzung wäre eine optimale Anpassung an den natürlichen Auenraum in der Verwirklichung eines ästhetischen Programms; Zeichen für ein Umdenken hin zu landschaftsbewußten Handeln seien erkennbar. Das klingt doch nach: "Es war doch nicht so schlecht - im III. Reich."


    Heute sieht man das Projekt des Reichsarbeitsdienstes etwas anders.


    Neue Luppe heute










    Die Entwicklung des Fahrrades scheint noch nicht abgeschlossen zu sein.








    Eigene Fotos.

  • Stahlbauer: wie immer besten dank für deine fotos.
    das ist hier eine galerie, kein diskussionsstrang. darum nur ganz kurz:


    alle texte - und damit auch die von peter guth - müssen im zeitlichen kontext ihrer entstehung betrachtet werden.


    wenn man sieht, in welch brachiale betonrinne in der ddr die weiße elster südlich von leipzig rund um einen braunkohletagebau verlegt wurde:


    http://blog.luro.de/wp-content/uploads/2013/08/DSC01420.jpg


    wird klar, dass es guth weniger darum ging, die luppe-regulierung im dritten reich zu loben, sondern dadurch indirekt (aber für damals geübte leser leicht dechriffrierbar) die völlige aufgabe jeglicher ökologischer und ästhetischer standards in der ddr-endzeit zu kritisieren.


    bei autoren, die unter der knute der zensur veröffentlichten, muss immer zwischen-den-zeilen-gelesen und über-bande-mitgedacht werden, sonst kann man ihren texten nicht gerecht werden.


    aus diesem blickwinkel betrachtet, wirst du guths texte sicher besser verstehen.