Molkenmarkt, Klosterviertel - Neuplanung

  • Warum sollten die senatseigenen Gesellschaften nicht im Prinzip in der Lage sein eine Weiterführung des Nikolaiviertels zu bauen wenn es dafür Finanzierung und eine politische Mehrheit gibt?

    Dir ist bewusst dass die Idylle (?) des Nikolaiviertels als volkseigener Wohnungsbau von VE Baukombinaten überwiegend in serieller Typenbauweise errichtet wurde, also von einer noch sehr viel höher aggregierten und kollektivistischeren Variante sozialen Wohnungsbaus als das was jetzt als Bauherrenschaft zur Debatte steht?

  • Dir ist bewusst dass die Idylle (?) des Nikolaiviertels als volkseigener Wohnungsbau von VE Baukombinaten überwiegend in serieller Typenbauweise errichtet wurde, also von einer noch sehr viel höher aggregierten und kollektivistischeren Variante sozialen Wohnungsbaus als das was jetzt als Bauherrenschaft zur Debatte steht?

    Und ist dir bewusst, dass die Baukombinate nicht aus eigenem Antrieb das Nikolaiviertel historisierend gestaltet haben, sondern weil es der erklärte politische Wille war? Und genau diesen politischen Willen lässt RGR schmerzlich vermissen und deshalb werden die WBGs den Teufel tun, irgendwas historisierendes am Molkenmarkt zu errichten! Wenn ihnen das keiner diktiert, machen die das auch nicht.

  • Urbanist : Das ist meines Erachtens irrelevant. Relevant ist der politische Wille - oder die politische Vorgabe. Das Nikolaiviertel war der Versuch einer strauchelnden DDR, durch teilweise Rückbesinnung auf das preussische Erbe der stetigen Abwanderung der Leistungsträger etwas entgegen setzen. Deswegen durfte / sollte so gebaut werden. Der politische Wille der heutigen Regierung dagegen zielt überall hin - nur nicht auf eine Stärkung dessen, womit sich das klassische Bürgertum identifizieren könnte. Ist schliesslich nicht deren Kundschaft. Deswegen scheint es völlig unschlüssig, dass die städtischen Wohnungsbaugesellschaften von ihren Besitzern ermutigt werden, dort besondere historische Bezüge zu bauen.

  • Das Nikolaiviertel war der Versuch einer strauchelnden DDR, durch teilweise Rückbesinnung auf das preussische Erbe der stetigen Abwanderung der Leistungsträger etwas entgegen setzen.

    Das finde ich nicht ganz schlüssig; schließlich hatte die DDR es in den 80ern nicht nötig der "Abwanderung der Leistungsträger" ausgerechnet die Rückbesinnung auf das preußische Erbe entgegenzusetzen, dafür gab es ein anderes, wesentlich robusteres Bauwerk.

    Ich denke dass die Rückbesinnung auf historische Architektur zu dieser Zeit in der DDR eher auf den zu dieser Zeit dominanten intellektuellen Zeitgeist namens Postmoderne zurückzuführen war, der einige Jahre zuvor auch schon in westlichen Ländern diese Entwicklung ausgelöst hatte. Während der 80er Jahre war es eine Zeit lang ein ausgeprägter kultureller Konsens, dass ein Ausweg aus der Krise der modernen Architektur die zumindest teilweise Rückwendung zur Vergangenheit sei, daher auch die politischen Mehrheiten für solche Projekte.

    Wir leben aber heute unbestreitbarer Weise in einer anderen Zeit, und zumindest in Berlin gibt es für solche Projekte offenkundig keine politische Mehrheit mehr. Vielleicht hat es damit zu tun dass die große Mehrheit der Bevölkerung andere Sorgen und Interessen hat als die Forumsmitglieder hier? Vielleicht sind die Aufgaben der Zeit auch ganz andere als die der 1980er Jahre?

    Vielleicht ist nicht die Hinwendung zur angeblich seligmachenden Vergangenheit die relevante Fragestellung, sondern wie ein funktionsgemischtes, verkehrsvermeidendes, dichtes, kleinteiliges, sozial inklusives, dekarbonisiertes und kreislaufwirtschaftsfähiges Quartier dort entsteht?

  • ... überwiegend in serieller Typenbauweise errichtet wurde, ...

    überwiegend ja, aber nicht ausschließlich.


    Im Nikolaiviertel gibt es neben den Reko-Platten in serieller Typenbauweise ja auch einige historische Leitbauten. Einige Leitbauten wurden rekonstruiert wie die Gaststätte "Zum Nußbaum" oder die Gerichtslaube. Das Ephraim-Palais war eingelagert und wurde wieder aufgebaut. Und genau um diesen Wiederaufbau von explizit benannten Leitbauten geht es auch im Bereich Molkenmarkt / Klosterviertel, wie es auch Wolke Eins in Beitrag #1016 bereits geschrieben hat.

  • Es gibt diese Petition - ja. Aktuell läuft aber auch ein Wettbewerb - Ende des Jahres soll es da erste Ergebnisse geben. Die weiteren Schritte kann man auf der Molkenmarktinternetseite nachlesen. - Das ist der aktuelle Stand des sog. "politischen Willens". Letztlich hätten die Rekobefürworter schon bei der Bebauungsplanerstellung damals unter Stimmann sich melden müssen - die seitdem aktuellen Festlegungen des gültigen Bebauungsplans wird man wohl nicht mehr anfassen, weil das unabsehbare Zeitverzögerungen bedeuten würde (noch mal ein Verfahren von 5 - 10 Jahren???). Vielleicht ermöglicht ja der Bereich Jüdenhof eine Rekomöglichkeit vom Baurecht her (???). Bei allen anderen Bereichen sind ganz andere Baukörper und zum Teil auch Straßenfluchten vorgeschrieben, als die historischen bis 1930.

  • ... weil das unabsehbare Zeitverzögerungen bedeuten würde (noch mal ein Verfahren von 5 - 10 Jahren???).

    unabsehbare Zeitverzögerung? Am Molkenmarkt hat man 30 Jahre lang Däumchen gedreht. Und jetzt muss auf einmal alles ganz schnell gehen. Warum auf einmal die Eile?


    Letztlich hätten die Rekobefürworter schon bei der Bebauungsplanerstellung damals unter Stimmann sich melden müssen

    Ja natürlich! Die Rekobefürworter sind mal wieder selbst schuld.


    Bei allen anderen Bereichen sind ganz andere Baukörper und zum Teil auch Straßenfluchten vorgeschrieben, als die historischen bis 1930.

    Es wird immer irgendwelche Gründe geben, um Rekos zu verhindern.

  • Update von 24.10.2021, fotografiert von mir


    Der Anschluss der nördlichen Fahrbahnhälfte zum Bestand gen Alex ist vollständig

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    Die finale Asphalt-Deckschicht ist auf beiden Fahrbahnhälften bis kurz vors Rote Rathaus aufgebracht, ebenso ist der nördliche Radweg asphaltiert und bis auf wenige Stellen das Kleingranitpflaster verlegt

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    Die Bepflanzung der Baumscheiben erfolgt ab heute, dem 25.10...

    mk_3s4j1l.jpg


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    Direkt vor dem Rathaus dient die neue Fahrbahn als Lagerfläche für die Baustelle an der Kreuzung zur Spandauer Straße

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    Die südliche Fahrbahnhälfte ist im Grunde auch soweit, nur laufen hier noch Spartenverlegungen im späteren Gehwegbereich. Außerdem müssen noch die Lampen vollständig platziert und eben dann die Rad- und Fußwege hergestellt werden

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    An der Kreuzung Spandauer Straße konzentrieren sich die Arbeiten nun auf den mittleren Bereich. Dort wo der Bagger steht, fährt später mal die Straßenbahn auf eigenem Gleiskörper

    mk_945kea.jpg



    d.

  • Ich sehe da kaum Unterschiede zu früher. Großkotzigkeit angekündigt und im Prinzip fast dasselbe bekommen wie vorher, eine Rennbahnpiste. 🤫 Sorry, aber meine Euphorie wird hoffentlich doch noch kommen, wenn alle Häuser gebaut wurden. Bis jetzt: Nu! 🙄😅


    Danke übrigens für die Fotos!! :)

  • Wie auf der Webcam zu sehen, ist auf einem Teilbereich der neuen Grunerstraße eine bauzeitliche Fahrbahnmarkierung aufgebracht worden. Die beiden Fahrstreifen nebst Radstreifen führen in westliche Richtung, aber ich kann noch nicht ganz erkennen, welchem Zweck dies dienen soll. Weiß jemand genaueres?

  • Ah ja, heute sehe ich das auch auf der Webcam. Gestern fuhren die Autos auch noch auf der alten Strecke Richtung Westen, das hatte mich etwas verwirrt. Ab jetzt erfolgt also der schrittweise Rückbau der bisherigen Grunerstraße in diesem Bereich. Wird Zeit, dass sie vorn an der Spandauer Straße langsam mal fertig werden mit dem provisorischen Mittelstreifen, damit der Verkehr komplett auf die neue Grunerstraße am Roten Rathaus verlegt werden kann.


    [mod]Bitte nicht sinnlos zitieren! Danke[/mod]

  • Was mir jetzt erst auffällt, ist die schöne Fassung der Sichtachse zur Nikolaikirche, die die neue Bebauung herstellen wird. Zusammen mit den neu gefassten Sichtachsen zum Turm des Roten Rathauses und zum Turm des Stadthauses wird hier das Stadträumliche Potenzial der Landmarken viel besser ausgenutzt. Ich freue mich schon total auf dieses Stück zurückgewonnener Innenstadt :)

  • EmMi LuebesKind-Haus


    Originalentwurf:

    GRKcsFE.png

    © EmMi LuebesKind Stiftung


    Was gebaut wird (aber ohne Balkone):

    ZGWfEDV.jpg

    © EmMi LuebesKind Stiftung


    D1jAerA.jpg

    ROpQNXa.jpg

    © EmMi LuebesKind Stiftung


    Erklärung der EmMi LuebesKind Stiftung:

    "Die offiziell bereits genehmigten Balkone verbot uns eine Mitarbeiterin der Unteren Denkmalbehörde kurz vor Baubeginn. Da sie uns dafür keinen Grund nannte, hätten wir erfolgreich ein OK einklagen können. Angesichts der enormen Zeitläufe an den Gerichten aber beugten wir uns schweren Herzens dieser - leider erneuten - Willkür einzelner Verwaltungs-Mitarbeiter*innen."


    http://www.stiftung-emmi-luebeskind.de/

  • Da scheinen nicht nur die Balkone abhanden gekommen zu sein. Aus einer dreidimensionalen Visualisierung ist eine zweidimensionale Wirklichkeit entstanden. Alles, was an Tiefe und Plastizität für sich einnahm wurde weggespart. Sogar das Verhältnis von Öffnung zu Wand (schmalere Fenster) wurde egalisiert. So schade.

  • Ach du Schande, da ist ja fast alles schief gelaufen, was hätte schief laufen können. War der Entwurf anfangs zwar irgendwie piefig, aber in sich stimmig, hat man jetzt ein kleines Motel One gebaut.

    Und sorry, aber die Ausrede mit der "Mitarbeiterin" ist ja wohl sowas von an den Haaren herbeigezogen.