Molkenmarkt, Klosterviertel - Neuplanung

  • .... wozu braucht man eigentlich eine zusätzliche Busspur wenn auch noch eine Tramlinie vorgesehen ist? Das ist für mich zuviel des Guten.

    Die Busspur wird ja mit dem Radweg an dieser Stelle kombiniert. Bei Fertigstellung der Straßenbahn zum Halleschen Tor/Mehringdamm kann die dort heute vom Alex dorthin verlaufende Buslinie entfallen und, wie in den Plänen angedacht, komplett zur Fahrradspur umgewidmet werden. Das macht aus meiner Sicht schon Sinn!


    d.

  • 1. Die Verkehrsplanung stammt, wie auch der Städtebau, im Kern aus den Jahren 2004 bis 2009, der Planfeststellungsbeschluss von 2016. Der derzeitige Senat und vor allem die Grünen haben nur am Rande damit zu tun.


    2. Auch ich finde die Straßen nach wie vor zu breit


    4. Die Planung hat durchaus Potential.

    Architektenkind, ihren Aussagen stimme ich überwiegend zu. Die Planung stammt aus dem Vorgängersenat, kam jedoch jetzt in die finale Umsetzung unter VerkehrsSenat (Grün). Nur, an den Beschluss des Abgeordnetenhauses zum Planwerk Innenstadt mit Verschwenkung Gertraudenbrücke musste man sich auch nicht halten. Ich glaube zudem auch bei ihnen eine gewisse Unzufriedenheit herauszuhören.


    Was mich so vehement die Keule gegen den Senat schwingen lässt ist einfach die Diskrepanz zwischen Start und Ankündigung und das Ergebnis nach fünf Jahren. Frau Günther wurde ja als Verkehrsexpertin gesetzt, zudem ruft sie Klimanotstände aus und fordert für den Umweltsenat Verfassungskompetenz. Und dann schaue ich mir die Gesamtplanung von Charlottenstraße bis zum Molkenmarkt an und bringe das geistig nicht zusammen.

    Wo findet der Rückbau von Straßen statt, wo werden frei gewordene Grundstücke bebaut (Wohnungen Linke) oder begrünt (Klima)?

    Ja unter welcher Regierungskonstellation soll dies denn nun möglich werden, wenn nicht unter einem grünen Senat??


    Bitte schauen sie sich doch mal folgenden Link der Senatsverwaltung an:

    https://www.stadtentwicklung.b…rk_innenstadt/index.shtml (kann sein dass sie unter Google eingeben müssen).

    Darin sind im Archiv die alten Pläne/Co-Gutachter usw. zu den wichtigen umzubauenden Orten im Zentrum zu finden. Wenn sie sich die Vorschläge Molkenmarkt/Mühlendammbrücke ansehen, dann werden sie gleich erkennen was ich mit "Stadt" meine. Das sind alles Vorschläge, allerdings war der Geist damals (zumindest unter Stimmann) doch ein anderer. Damals sollte sich der Verkehr wieder der Stadt unterordnen. Heute soll sich die Stadt wieder dem Verkehr (ich weiß mit Tram und Fahrradweg) unterordnen. Wir sprechen beim Molkenmarkt ja von einem völlig neu zu bebauenden Ort. Meine Wut setzt sich ja aus mehreren Teilstücken zusammen:

    - Warum muss die Leipziger auch unter "Grün" ab Charlottenstraße so in die Breite gehen, dagegen soll die Friedrichstraße autofrei sein, hä?

    - Warum ist die seit Jahrzehnten geplante Verschwenkung der Gertraudenbrücke einfach so zu verwerfen, das ist doch keine Tram wert!

    - Warum wird auch die Gertraudenstraße nicht mehr verschwenkt, zudem auch eine Fassung des Spittelmarktes aufgegeben?

    - Warum darf die Mühlendammbrücke megabreit auch in Zukunft nur nach Notbrücke aussehen?

    - Warum muss die Einfahrt von der Mühlendammbrücke in den Molkenmarkt ebenfalls megabreit sein, so dass die zu bauenden Häuser wie Lärmwände für das eventuell dahinter liegende Quartier fungiert?

    und und und...

    Dann lasst es doch so wie es ist, nur damit Frau Günther/Grüne/der Senat noch was präsentiert kurz vor Schluss - das hat Berlin auf diesem niedrigen Niveau nicht verdient! Für Adlershof mag diese Planung passen, für eine solche Strecke durchs historische Berlin nicht.


    Und noch ein Wort zur Bebauung am Molkenmarkt. Da haben sie Recht, diese können wir heute natürlich noch nicht beurteilen. Allerdings sehe ich diese unter schwierigen Bedingungen entstehen. Das Intellektuelle Rückgrat unserer Stadt hat stark abgenommen. Stand Stimmann noch für klare Richtungen und eine gewisse verlässliche Beständigkeit in der Stadtentwicklung. So musste ich unter Frau Lüscher leider so viele Wirrungen und Selbstkorrekturen erleben, dass man ihre Zeit nicht als zusammenhängende Ära begreifen kann. Stimmann füllte ganze Bücherregale. Eine Woche das Architekturforum lesen bringt (bei all dem Wildwuchs den es auch von uns hier gibt) mehr Interessante Aussagen zu Berlin zu tage, als von Frau Lüscher in 14 Jahren.

    Wer wird den ehemaligen Orten und deren Architektur nachspüren, oder doch nur Geschosswohnungsbau nur halt in verschiedenen Haustypologien?

    Ist übrigens auch ein Punkt warum manche bei diesen in Mode geratenen Onlinebeteiligungen kaum mehr vertrauen haben. Wo ist der Verantwortliche der für etwas steht, und wenn es nur eine Art Stimmann ist, dem ich auch x-Fehler unterstelle, aber er stand für etwas. Das ist es was ich hier oft mit "nichts" meine - heute ist es beliebig.

  • Sehr geehrter K-1,

    Ihr Frust hat nichts mit vermeintlichen Fehlleistungen der Grünen zu tun, sondern eher damit, dass Sie offenbar eine Partei gewählt haben, deren Ziele im Gegensatz zu Ihren eigenen Zielen stehen. Konkret: Sie sind offenbar ein großer Anhänger von Hans Stimmann und seinem Planwerk Innenstadt. Sie haben offenbar erwartet, dass die Grünen das Planwerk Innenstadt mit Begeisterung umsetzen würden. Doch diese Erwartung war von vornherein völlig unrealistisch: Die Grünen waren von Anfang an (also seit den neunziger Jahren) entschiedene Gegner des Planwerkes Innenstadt. Sie haben auch vor den letzten Wahlen nicht versprochen, dass sie das Planwerk Innenstadt umsetzen würden, sondern dass sie andere Vorstellungen von Stadt haben. Deshalb wurden die Grünen auch von vielen gewählt. Wenn eine grüne Senatorin jetzt das Planwerk Innenstadt revidiert, dann ist das kein Wahlbetrug, sondern die normale Umsetzung des Wählerwillens. Sie dagegen haben sich offenbar vor der Wahl nicht mit den Zielen der jeweiligen Parteien beschäftigt. Wenn Sie jetzt frustriert sind, dann ist es Ihre Schuld und nicht die Schuld der Grünen.

  • Wahlbetrug ist ein großes Wort und hier wahrscheinlich nicht zutreffend.

    Und ja, die Grünen haben nie angekündigt, das Planwerk Innere Stadt so umzusetzen, wie es damals erdacht wurde.


    Was aber eine klare Wählertäuschung ist, ist das suggerieren von einem Rückbau und einem begrünen von Verkehrsschneisen - wie es die Wahlkampagne der Grünen verspricht - und der tatsächlichen Gestaltung der in dieser Legislatur unter grüner Federführung beschlossenen Lösungen z. B. konkret am Spittelmarkt. Anspruch und Wirklichkeit liegen da in der Tat meilenweit auseinander.


    Vielleicht ist es auch nur eine Art grüne Selbsttäuschung der man durch vage Ankündigungen eines Rückbaus nach möglicherweise irgendwann erfolgreicher Zurückdrängung des Automobils auf großzügigen Brücken und Schneisen selbst unterliegt



    d.

  • Viele scheinen zu vergessen, dass Grunerstraße, Gertraudenstraße, und Leipziger Straße eine der zentralen Verbindungsachsen Berlins darstellen. Insofern ist auch in Zukunft mit einem hohen Verkehrsaufkommen zu rechnen, der nicht beliebig reduziert werden kann. Was allerdings möglich ist, ist den Verkehrsraum entsprechend der Verkehrswende klimafreundlicher aufzuteilen: Statt 3 Autospuren pro Richtung soll es zukünftig eine Tramlinie, eine Busspur und eine Radspur neben der Autospur geben. Tram, Bus- und Radspur werden also im Sinne der Förderung emissionsarmer Fortbewegungsmöglichkeiten gestärkt. Dass das alles nicht bei einer gleichzeitigen deutlichen Reduzierung der Straßenbreite möglich wäre, sollte einleuchten.


    Auch scheint vergessen zu werden, dass die Grunerstraße verschwenkt wird, um ein innerstädtisches Quartier mit Wohnungen zu schaffen. D.h. an der Stelle, wo durch eine Verschwenkung bebaubare Fläche in einem relevanten Umfang entsteht, wird dies auch gemacht. Übrigens auf Entscheidung von Regine Günther früher als ursprünglich geplant, die SPD wollte erst ein Jahr später loslegen.


    Auch beim Neubau der beiden Brücken geht es um Tempo, damit die Verkehrswende an dieser zentralen Achse noch in diesem Jahrzehnt vollendet werden kann. Dass eine Verschwenkung am Spittelmarkt bei gleichzeitiger Zusammenführung von Gertraudenstraße und der alten Gertraudenbrücke ein zusätzliches mehrjähriges Planfestellungsverfahren erfordern würde und die Verkehrswende damit auch in diesem Jahrzehnt nicht vollzogen werden könnte, sollte auch nachvollziehbar sein. Zudem wäre der Zugewinn an bebaubaren Flächen bei einer Verschwenkung der Getraudenbrücke überschaubar.


    Am Ende stellen politische Entscheidungen immer einen Kompromiss zwischen verschiedenen Erfordernissen dar. Ich denke im Abschnitt Grunerstraße bis Spittelmarkt ist ein guter Kompromiss gefunden worden, der in einem wichtigen Teilbereich den Straßenverlauf der Altstadt wieder entstehen lässt, günstigen Wohnraum schafft, ÖPNV und Radverkehr deutlich mehr Raum lässt und dabei noch Tempo bei der Umsetzung macht. Dass jede Form des Kompromisses auch Nachteile mit sich bringt sollte allen klar sein. Ich finde die getroffenen Entscheidungen stellen eine sinnvolle Abwägung aller zu berücksichtigenden Aspekte dar.

  • Beim Molkenmarkt gehe ich da ja mit. Die Straßenführung geht in Ansätzen übrigens noch zurück auf das Planwerk und wurde, wie oben von Architektenkind geschrieben, schrittweise weiter entwickelt. Das gerade entstehende Ergebnis wurde also von vielen beteiligten Politikern und Verwaltenden über die Jahre geprägt und ist auch aus meiner Sicht ein deutlicher Schritt nach vorn. Völlig neu wäre aber nun für mich, das Frau Günther als Verkehrssenatorin etwas mit dem Wohnungsbau an dieser Stelle zu tun hat. Aber das wäre dann ein anderes Thema.


    Auch beim Neubau der beiden Brücken geht es um Tempo, damit die Verkehrswende an dieser zentralen Achse noch in diesem Jahrzehnt vollendet werden kann.

    Was bitte ist den in den 5 Jahren Legislatur bzgl. dem Spittelmarkt passiert? Offenbar nichts. Und das, obwohl es Pläne gab auf die man hätte zurück greifen können. Da wäre doch viel Zeit gewesen für Wettbewerbe etc. Aber ganz offensichtlich hatte man die eigene Behörde nicht im Griff und war von den Prozessen überfordert - so mein Eindruck.

    Während nun andernorts, eher abseits gelegene, im Bau befindliche Straßenprojekte "rückgebaut" werden sollen, werden hier mit Verweis auf benötigten Platz für die Verkehrswende ganze Stadträume in bester Lage auf Jahrzehnte für Transit preis gegeben. Das soll mal jemand verstehen.


    Viele scheinen zu vergessen, dass Grunerstraße, Gertraudenstraße, und Leipziger Straße eine der zentralen Verbindungsachsen Berlins darstellen. Insofern ist auch in Zukunft mit einem hohen Verkehrsaufkommen zu rechnen, der nicht beliebig reduziert werden kann.

    Denn genau deshalb verstehe ich den verbissenen Kampf gegen die A100 nicht. Diese Strecke wäre doch die Möglichkeit, hier den Verkehr zu reduzieren!


    Grundsätzlich:

    Urbanität ist halt was anderes als Platz für Fußgänger und freie Fahrt für alle Verkehrsteilnehmer, wenn auch garniert mit berankten Straßenbahnmasten. Die Achse zwischen Potsdamer und Alex hätte durch ihre unterschiedlichen Bauten und Abfolgen/Querschnitte eigentlich echt viel Potenzial als spannender Stadtraum. Gerade der Spittelmarkt als kleinräumigeres Scharnier zwischen dem großzügigen Raum bis zur Charlottenstraße wäre als Kontrapunkt zu dieser großen Geste aus DDR-Zeiten wichtig - auch um das dann anschließende, architektonisch ziemlich verkorkste und zugige Stück bis zur Mühlendammbrücke erträglicher zu machen.


    d.

  • Leider gab es keine realisierungsfähigen Pläne für die Straßenbahn, auf die man hätte zurückgreifen können. Der alte Senat hatte 2015/2016 lediglich Trassenuntersuchungen durchgeführt. Die Vorplanung begann erst Anfang 2019. Die Entwurfsplanung soll in diesem Jahr beginnen. Die Genehmigungsplanung soll dann ab 2023 folgen, die Ausführungsplanung ab 2025. All das kann man im Vortrag von Holger Kölling-Orb von gestern nachlesen. Und dann hatte ein besonders genialer Verkehrssenator noch im Jahr 2000 für 1,85 Mio Euro Gleise in der Leipziger Straße verlegen lassen, obwohl es noch keine Planungen gab und keine Aussicht auf eine schnelle Inbetriebnahme dieser Gleise bestand. Diese Gleise sind mittlerweile unbrauchbar. Erst der jetzige Senat hat die Straßenbahnplanung auf den Weg gebracht. Und dass das deutsche Planungsrecht recht kompliziert ist und Planungen deshalb lange dauern, dafür kann der Senat recht wenig. Umso wichtiger ist es, dass die Straßenbahn nicht durch endlose Querelen verzögert wird.

  • Jedem Tierchen sein Plaisirchen - es geht aber doch nicht um die Straßenbahn sondern Berlin. Man kann sich doch nicht unter dem Deckmantel einer beschleunigten Verkehrswende einem Neudenken und der Wiedergewinnung von Stadt als Lebensraum und Erlebnisort verweigern. Was hier entsteht ist banal und langweilig, jeder Verkehr kriegt seine Spur. Hier verwirklichen sich Bürokraten, nicht Kreative. Im Resultat bleibt es der langweiligste Ort Berlins.

  • Viele scheinen zu vergessen, dass Grunerstraße, Gertraudenstraße, und Leipziger Straße eine der zentralen Verbindungsachsen Berlins darstellen.


    Übrigens auf Entscheidung von Regine Günther früher als ursprünglich geplant, die SPD wollte erst ein Jahr später loslegen.


    Auch beim Neubau der beiden Brücken geht es um Tempo, damit die Verkehrswende an dieser zentralen Achse noch in diesem Jahrzehnt vollendet

    1. Die Leipziger Straße von Leipziger Platz bis Charlottenstraße ist auch eine zentrale Verbindungsachse, warum muss sie ab Charlottenstraße so in die Breite gehen / breit bleiben?


    2. Das Problem ist ja diese Frau Günther, hätte sie etwas Weitblick hätte sie auch die Verschwenkung Spittelmarkt verstanden, auf dieses "früher" könnten viele gerne verzichten.


    3. Der Punkt mit der Verkehrswende gefällt mir.

    Ich denke hier liegt wie auch Klarenbach schon richtig vermutete ein Grundmissverständnis. Was ist eine Verkehrswende? Was soll das eigentlich sein? Ich habe verstanden, hier danke ich nochmals Klarenbachs Richtigstellung, unter einem grünen Verkehrssenat gibt es keine Verkehrswende.

    Aber wahrscheinlich ist auch das nur eine Definitionssache, so wie auch bis heute keiner die "geistig moralische Wende" verstand, so verhält es sich wohl auch hier. 3 Straßenbahnline (mir wurde erklärt, eine fertig, eine im bau, eine in Planung) und etwas Fahrradstreifen natürlich in grün und fertig ist die Verkehrswende.

    Mich erinnert die Definition um das Wort Verkehrswende mittlerweile an so sagenhaften Geschichten wie um Shambhala und Agarthi. Irgendwie nebulös im Nebel, esoterischer Wahn halt.

    Für mich wäre und so habe ich es vor der Wahl auch verstanden, eine Verkehrswende eine grundlegende Priorisierung und massiver Ausbau des ÖPNV.

    In Berlin sehe davon - vor allem unter der grünen Frau Günther - NICHTS!



    Sie dagegen haben sich offenbar vor der Wahl nicht mit den Zielen der jeweiligen Parteien beschäftigt. Wenn Sie jetzt frustriert sind, dann ist es Ihre Schuld und nicht die Schuld der Grünen.

    Ja da ist sicher was dran an ihrer Aussage, das habe ich jetzt auch verstanden.


    Das schlimme ist, es wird wieder die Verkehrsentwicklung-/gestaltung über die Stadtentwicklung-/gestaltung gestellt. Welcome back! Es gibt kein Argument und ich habe hierzu nichts vernommen, warum die Straßenbahn nicht einen Schlenk an der Gertraudenbrücke machen kann. Somit wird für eine Straßenbahnlinie Stadtentwicklung aufgegeben und eine mehr als 20 jährige Planung pulverisiert.

    Deshalb sehe ich Leute wie Lüscher/Günther mittlerweile als destruktive Personen. Sie handeln autistisch, zerstören Planungen ohne eine Alternative Planung vorzulegen. Wenn sie so Verkehr auf Kosten der Stadt plant hätte sie mit der SenStadt auch eine städtebauliche Alternative zum Spittelmarkt/Gertraudenstraße vorlegen müssen. So wird der Spittelmarkt ein städtebauliches Mahnmal, ein unversöhnlicher Torso.


    Frau Günther und Klarenbach sehen aus meiner Sicht vor lauter Straßenbahn die Stadt nicht mehr. Beide schauen wie gebannt (ich glaube im Psychologie-Sprech nennt man das "gebanntes schauen") auf die Straßenbahn, ohne zu verstehen, dass es sich um einen Nahzubringer handelt, mehr als ein Bus, allerdings weniger als eine U-Bahn. Sicher sinnvoll (und auch bei der Verschwenkung schon ewig mitgeplant), jedoch nicht so sinnvoll dass man dafür Stadtentwicklung im Zentrum aufgibt.


    Vielleicht sollte man Klarenbachs Rat befolgen, und nicht einfach nur das Gute in Bullerbü sehen wollen. Denn Kinder können grausam sein und wahrscheinlich hat Grönemeyer Unrecht wenn er meint, "Kinder an die Macht".

  • Es hat ja noch niemand den aktuellen Link zur Wettbewernbsausschreibung Molkenmarkt/Klosterviertel online gestellt - hier ist er:


    https://www.stadtentwicklung.b…schreibungen/molkenmarkt/


    Da kann man im Auslobungstext alles ganz genau nachlesen - welche rechtlichen oder konzeptionellen Rahmenbedingungen die Planungen bestimmen sollen, wie der weitere Verfahrensablauf ist, wer was wann geplant hat und "schuld" ist (Verkehrsplanung und alles weitere was hier diskutiert wurde) - etc... - Viel Spaß bei der Lektüre! (muss man zumindestens mal quergelesen haben, um substanziell hier diskutieren zu können)

  • Danke Stadtstruktur für den Link. Wahrhaftige 556 Seiten Pdf.

    Auf Seite 523 gibt es eine Information zur Architektur anhand der "Online-Beteiligung".


    Warum nur bei so viel Planung, immer so durchschnittliche Architektur entsteht, irgendwie ein Paradox. Deshalb bin ich skeptisch wie das wird, die WBM hat ja auf der Fischerinsel mit dem Blauraum-Spuk gezeigt, was uns drohen kann.

  • Die Lektüre ist sehr ernüchternd. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn Berlin an dieser Stelle mal von Frankfurt/M. gelernt hätte. Dort haben sie ein abwechslungsreiches, neues "Altstadt"-Quartier errichtet, mit einer Mischung aus Rekonstruktionen, alt Anmutendem und modern verspielten Häusern. Ich fürchte, das ist für die Bundeshauptstadt wohl zu "provinziell" - schade...

  • Wie schließen Sie darauf?


    Ich habe die Ausschreibung zwar nur überflogen (Danke am K-1 für den Hinweis auf Seite 523!) und kann hier nichts finden, das auf eine minderwertige einfallslose Bebauung schließen lassen würde... das Konzept scheint sehr offen für Vielfältigkeit. An anderer Stelle wird von einer möglichst kleinen Parzellierung gesprochen, was doch auf Abwechslungsreichtum hindeuten und solche Riegel wie im Lehrter Stadtquartier verhindern würde.


    ... einzig das Einhalten der Traufhöhe sorgt bei mir für Stirnrunzeln aber hey - wachsen wir halt weiter in die Fläche - das wird uns sicher nie auf die Füße fallen.

  • Auf Seiten der SPD gibt es mit Frank Jahnke wohl Leute die den eingebundenen Wohnungsunternehmen für die Bebauung des Molkenmarkt, in ihrem Talent für ein angemessene Architektur misstrauen und sich für eine kleinere Parzellierung, Interpretationen und Rekonstruktionen wie dem grauen Kloster und einiger anderer Bauten stark machen - eigentlich so wie es sich schon bei der Bürgerbeteiligung, wenn auch wenig repräsentativ, mehrheitlich abbildete. Davon konnte man ja nichts mehr in den anschließend publizierten Leitlinien wiederfinden und der Tenor zur zukünftigen Ästhetik der Bebauung - war pflegeleicht, robust, standardisiert, kostenschonend.


    Keine Ahnung ob das jetzt Wahltaktisches Kalkül ist - die bisherig erbrachten Leistungen in Zusammenhang mit der historischen Mitte waren allesamt doch sehr ernüchternd - egal ob’s Um brücken, archäologisches Zentrum, Capri, das Blauhutprojekt archäologischer Pfad etc ging. Wenn man Glück hat findet man auch im Klosterviertel ne Latrine ausm Mittelalter die dann auf ner Wiese ausgestellt wird -auf die Bebauung stimmen sowohl subtil die ausgefeilteren Baumassenstudien entlang der Grunerstrasse als auch die zum Zuge gekommenen Wettbewerbsbeiträge an der Fischerinsel und Leipziger Straße und die studentischen Visionen ein, im Besten Fall mit Staffelgeschiss feddisch im Milieu dann ganz progressiv holzverschalte kisten mit dachbepflanzung das wars. Da kann man noch so sehr im Kommunikationsformat disneylike auf Kinderzeichnungen mit Giebelchen Fenstersimsen und Ziegelroten Dächern setzen die Realität sieht dann absehbar wohl nicht so aus.


    Ich trau dem Vorhaben erst mal nicht über den Weg - Bauherren sind Neben der Lüschernahen Bima und WbM nur noch die degewo und ein privater - was rechnet man sich da denn noch aus- selbst die WBM äußert sich skeptisch die Erwartungshaltung an ein ästhetisch genügsames Quartier womöglich mit abwechslungsreicher Programmatik und vielgestaltigen Fassadentypen mit der Kostenpressur in Gleichklang zu bringen.

    Die Vertreter der Stadtwerkstatt wollen sowieso keine historizität wie wir wissen- da flog den Interessierten Bürgern gleich im letzten onlineinfoformat die Disneyklatsche ins Gesicht.

    Ebenso lässt der Verweis auf ein durchgängig bezahlbares Wohnsegment die Wohnungsbaugesellschaften aufhorchen und unruhig auf den Stühlen werden - was bedeutet das konkret vor allem im Niedriglohnland Berlin und erst recht im Ostteil der Stadt.


    Bedeutet das soz. Wohnungsbau?

    Wohnbauten für niedrige Einkommen, mittlere Einkommen Facharbeiter, Beamte, Hilfsarbeiter Leistungsempfänger bleibt die Einwohnerstruktur und ihr Einkommensniveau im gesunden Masse heterogen oder kippt sie?


    Die Einkommensniveaus unterscheiden sich ja bis heute von Ost nach West?


    Die WBM wird da wohl dünnhäutig da man sich auch auch im Nikolaiviertel mittlerweile auf schwierige Entwicklungen innerhalb der Einwohnerstruktur einstellt das klang jedenfalls bei der Letzten Infoveranstaltung durch.

    Die dürften die Dynamik die das nehmen kann, anhand ihres breiten Portfolios durchaus glaubhaft einzuschätzen wissen

  • Laut einem Bericht in der Berliner Zeitung tritt das Baugeschehen am Molkenmarkt in die nächste Phase ein. Hierfür wird die Stralauer Straße zwischen Kreuzung Grunerstraße und Einmündung Jüdenstraße für 1 Jahr komplett gesperrt. Dadurch wird es möglich, den Bereich vor der Alten Münze aufzugraben und auch dort mit den archäologischen Untersuchungen zu beginnen.


    Der Ost-West-Verkehr auf dem Mühlendamm rollt demnach ab jetzt über den neu gebauten nördlichen Teil sowie möglicherweise auch über die provisorisch asphaltierte Fläche der späteren Straßenbahntrasse. Auf den Bildern der Webcam meine ich die teilweise Umschwenkung auch schon zu erkennen.

  • Unter diesem Link ist eine Petition für eine vielfältige Vergabe der Grundstücke auf Grundlage eines Konzeptverfahrens und ausschließlich in Erbpacht zu finden. Unter den Erstunterzeichnern sind u.A. Bern Albers, Harald Bodenschatz, Ephraim Gothe, Tobias Nöfer, Lea Rosch, Wolfgang Thierse und viele mehr. Aus meiner Sicht ist die Petition für ein vielfältiges Viertel unterstützenswert.

  • Unterstützenswert, wenn's nicht wieder so wird wie immer in Berlin. Wenn man von "vielseitig" spricht, dann kommt meistens leider nichts Gutes bei herum, siehe neueres Beispiel "Pavillon Bauten" auf der Magistale Karl-Marx-Allee. Bis Dato nur "kulturell/politische Bildung". Das heißt die Erdgeschosse werden noch weniger einladen zum spazieren gehen, denn schon heute sind Teile der KMA völlig tot, weil man der Meinung ist, dass vielfältige Nutzungen einseitig betrachtet "KUNST & KULTUR" sein sollen/müssen. Ich bin ein großer Befürworter von vielfältigen Möglichkeiten, aber im EG gehört in der Tat eine lebendige, ortsverträgliche Nutzung, wie Nahversorgung (kein Xter Späti, sondern Nutzung für den Kiez. Kiez der kurzen Wege, mit Supermarkt, kleinen Geschäften, Galerien (die man auch versteht!, In Berlin etwas schwierig!). Stadtplanung muss für alle Interessen planen, was bisher in vielen Ecken der Stadt nicht gelingt!!! Wenn ich mir die Heidestraße anschaue, wo es noch hieß: hier kommt eine vielfältige, lebendige Einkaufsstraße hin. Was ist heute? Ein Supermarkt, DM und ein Café, der Rest null einladend, null identifizierend. Deswegen wünsche ich mir für den Molkenmarkt einen hohen Anspruch, den es auch umzusetzen gilt! Nicht ein bisschen hier und dort, sondern ein GESAMTKONZEPT, für alle Menschen.

  • Der rbb hat gestern in der Abendschau in einem 6 minütigem Video über das Vorhaben bzw. über die Kritik am Vorhaben berichtet. Eine Initiative befürchtet (nicht ganz zu unrecht), dass die Fassaden zu banal werden könnten, wenn die städtischen Wohnungsbaugenossenschaften mit der auferlegten Anforderungen dort bauen. Im Studio war Ephraim Gothe, der diese Befürchtung teilt. Er regte an, dass die Bauträger finanziell von Stadt und Bund unterstützt werden, damit am Molkenmarkt kleinteilige und anspruchsvolle Architektur entstehen könne. Er empfiehlt dem Senat sich in Lübeck, Potsdam und Frankfurt die Quartiere anzusehen, welche durch Gelder vom Bund gefördert wurden und sich von den Erfahrungen berichten zu lassen.

  • Ea muss wahrhaftig keine Kopie aus Potsdam oder Frankfurt sein, warum keinen eigenen Berliner Altstadt-Stil entwerfen? Warum muss Berlin immer von anderen kopieren? Jut, Gothe ist ja selbst Zugezogen (eigentlich überhaupt kein Problem, weil Berlin davon lebt, aber häufig hört man diese Unkreativität aus solchen Kreisen, gerade in der Politik!) und Herr Gothe hat schon einmal als Stadtrat bewiesen, wie man Berlin-Mitte, als Stadt nicht planen sollte, der Stil ist bis heute erkennbar. Klimanotstand und nichts davon zu merken, oder banalgestaltete Plätze, neue Gebiete, die entschlossen wurden. Alles Austauschbar! Ich vermisse Kreativität bei der Architektur in unserer Stadt, ich vermisse den Ehrgeiz, DAS Gesamtkonzept! Auch an diesem Ort kann man hochwertige Qualität erschaffen, in Kleinteiliger Atmosphäre!

  • Nun erst mal hat Gothe dem Senat „Empfohlen“ sich diese Beispiele anzuschauen von Kopie kann doch gar keine Rede sein zumal diese Lösungen alle für sich schon sehr unterschiedlich ausfallen und jedes Bsp für sich einen eigenen Altstadtstil entwickelt. Der kleinste gemeinsame Nenner sind die rekonstruierten Leitbauten und die sind deutlich geworden wichtig für das wiederauferstehen ganzer Quartiere, besonders ehrgeizige Neuerfindungen gehen in der Regel in die Hose.


    An der Stelle sei auch mal das Palais Kreutz das sich hier auf dem Areal befand erwähnt, Ein Barocker Bau der um 1860 quasi ein Double erhielt und damit das Gewerbeinstitut von Schinkel zu beiden Seiten einfasste. Was wäre typischer für Berlin als diese Dopplung.

    Die Quartiersbauten waren in historischer Zeit eher bescheiden - so richtig üppige Prachtbauten wie in Potsdam od Dresden waren das eigentlich nie - beim Wiederaufbau dieses Quartiers hat Berlin es also weitgehend mit bescheidenen Vorbildern zu tun, die dem Viertel einen eigenen unprätentiösen Charakter gegeben haben. Architektonisch Interessant wars doch eher noch in der Klosterstrasse. Ich hätte daher auch nichts gegen ein paar auferstandene Verlustbauten die mit dem Ort nur bedingt zu tun haben aber sehr interessant sind wie Die Münze von Gilly. Das Antikriegsmuseum lässt sich ja auch schwerlich an alter Stelle wiedererrichten weil der Platz durch die Sozietät besetzt ist. So dürfte m.M eine Mischung aus DDR Fantasiebestückung wie am Märkischen Ufer od Nikolaiviertel und einer Neuschöpfung wie bei dem Block von Rossi doch auch Berliner Tradition abbilden und sähe noch nicht mal hässlich aus - austoben kann sich bei so einem Quartier vieles - es dürfte genug Platz für viele Spielarten innerhalb dieser Stadtraumneubildung geben - man sollte sich nur nicht wieder in die Fahrwasser der Ausschliesseritis und Denkverbote begeben und auch der breite der vorstellungswelten der Bürger zu diesem Stück Stadt Rechnung tragen wenn man denn will dass man sich mit diesem Ort identifizieren möchte. Was bisher eigentlich nicht wirklich zur Leistungsbegabung der Städtebaulichen Maßnahmen mit Wettbewerb und Senatsbeschluss gehörte.