Molkenmarkt, Klosterviertel - Neuplanung

  • An dieser Stelle mal von mir vielen Dank für sehr gute Baustellendokumentation, die die Fotografen hier abliefern. Aus diversen Gründen war ich jetzt schon fast zwei Jahre nicht mehr in Berlin, fühle mich aber dadurch gut informiert.

    Beeindruckend finde ich, dass sich jetzt schon auf den Fotos eine ganz neue Urbanität an diesem geschundenen Ort abzeichnet. Bislang hatte man ein viel zu großes Blickfeld aber bald werden die verbliebenen historischen Gebäude, wie z.B. die Marienkirche, besser in den Focus rücken, wie auf dem Bild von Dexter entlang der Jüdengasse gut zu erkennen.

    Auch die Rückseite des Roten Rathauses wird sicher stadtbildprägend, wenn alles fertig ist, und man z.B. von der Mühlendammbrücke kommend darauf zu geht/fährt.

    Meine persönliche Erwartung ist, dass, gerade wegen des Roten Rathauses, roter Backstein ein prägender Bestandteil der neuen Fassaden wird und sich dort ein gutes Ensemble bildet.

  • Morgen um 17:30 Uhr gibt es einen digitalen Informations-Abend für alle Bürgerinnen und Bürger zum Stand der Arbeiten, Planungen und Beteiligungsmöglichkeiten für die Neugestaltung des Molkenmarkts. Dazu gibt es eine ca. 2-stündige Zoom-Konferenz, zu der man sich ab 17:15 Uhr einloggen kann. Alles Nähere dazu hier.

  • Update von 21.08.2021, fotografiert von mir




    Inzwischen sind die Bordsteine bis zur Rathaus komplett gesetzt und die Seitenfläche (inkl. Radweg) gen Nikolaiviertel weitgehend hergestellt. Fehlt nur noch der Asphalt...

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    Der Mittelstreifen macht hier einen schlenker nach Süden. Hier weitet sich die Straße aufgrund der Tunnelrampe auf.

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    Der Anschluss der Klosterstraße wird nur für Fuß- und Radfahrer möglich sein, Autos können zumindest auf der nördlichen Spur nicht einbiegen. Hier sind die Querungen für die Radwege erkennbar

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    Die Parkhauszufahrt ist derzeit gesperrt, allerdings hat man hier bereits den Geh- und Radwegbereich prioritär wieder hergestellt. Der fehlende Mittelstreifen wird später den PKWs auf der südlichen Spur das Abbiegen ins Parkhaus ermöglichen

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    Ich vermute, das schwere Gerät links dient dem baldigen Asphaltieren. Mit Asphalt umgossen sind in diesem Abschnitt inzwischen auch die Bereiche um die Gullideckel (links zu sehen)

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    Der provisorische Parkplatz auf der Fahrbahn vorm Rathaus, praktisch ein Ersatz für das geschlossen Parkhaus

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    Die provisorische Fahrbahnmarkierungen an der Spandauer Straße sind aufgebracht worden

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    Ganz offensichtlich wird ein geradeaus fahren in die Stralauer Straße eine Weile nicht mehr möglich sein, es gibt nur Rechts- und Linksabbiegemöglichkeiten

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    Ebenso auf der provisorischen Fahrbahn vor der Mühlendammbrücke. Hier wird ja später die Straßenbahntrasse entlang gehen. Vorerst benötigt man aber platz für den Umbau der südlichen Straßenhälfte

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    d.

  • Kurz und knapp: schrecklich und ich erkenne immer noch viel zu viel Abstand zwischen den FußgängerInnen Übergange. 🤔 Alles wird hier neu gemacht und es ist bleibt: Autogerecht. Wenig Platz für Fussgängerinnen und Fussgänger und immer noch viel unnötige Flächen...


    Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen wenn's fertig ist. 😁

  • ^Die halbe Straßenbreite hätte hier auch gereicht. Welchen Preis sind wir immer noch bereit zu zahlen, nur um hier mit dem Auto durchzukommen. Was hier umgesetzt wird, war schon vor zehn Jahren überholt. Und was für eine Fehlentscheidung, diesen unsäglichen Tunnel offen zu lassen. Ärgerlich.


    Leider wird das alles für die nächsten dreißig Jahre nun festgeschrieben…

  • Alles wird hier neu gemacht und es ist bleibt: Autogerecht.

    Aber das war doch schon von Anfang an klar. Die Planunterlagen sprachen da schon immer eine sehr eindeutige Sprache. Die Grunerstraße bleibt eine große Hauptverkehrsstraße, jedoch jetzt eben mit zwei Knotenpunkten statt nur mit einem.


    Was mich viel mehr aufregt ist der Umstand, dass man es nicht schafft, den Verkehr für die Dauer der Baustelle auf das umgebende Straßennetz zu verteilen und dadurch absolute Baufreiheit zu schaffen. Wenn ich sehe, was da jetzt schon wieder für teure und langwierige Provisorien errichtet werden (vorerst asphaltierte Straßenbahntrasse usw.), könnte ich aus der Haut fahren! Dieses leidige "Bauen unter Verkehr" ist umständlich, zeitraubend und teuer.

  • Da es sich bei der Grunerstraße um eine Bundesstraße handelt (B 1), müsste die überörtliche Umleitung bevorzugt ebenfalls über Bundesstraßen laufen. Da bietet sich natürlich die B 2 an, also Unter den Linden, oder sogar gleich B 96a und A 100. Dann wird es dort zwar echt eng, aber auch nicht viel schlimmer als in anderen (west-)deutschen Großstädten. Der innerörtliche Verkehr verteilt sich dann schon auf anderen Straßen, der gemeine Berliner kennt seine Schleichwege. Aber dann wäre zum jetzigen Zeitpunkt die Baumaßnahme bereits kurz vor der Vollendung!

  • Die Mühlendammbrücke war ja mehrfach wegen der Baustelle und den Brückenschäden teilgesperrt. Nach ein, zwei Tagen Stau ging es immer wieder, da die Menschen andere Routen nahmen oder auf die Öffis umstiegen.


    Der Senat und der Bezir will nur ein neues Planfeststellungsverfahren für eine schmalere Brücke verhindern - dabei hatte R2G dafür ewig Zeit.

  • "Zwischenupdate" vom 24.08., fotografiert von mir



    Ziemlich flott geht es nun beim Straßenbau voran, diese Woche wird bereits asphaltiert. Gestern Abend wurde schon die zweite Schicht aufgetragen, auf der Webcam wirkt es fast so, als würde man bis zum Rathaus hin bald sogar die finale Schicht auftragen. Mal abwarten.


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    Auf der nördlichen Fahrbahnhälfte ist der Anschluss an den Bestand (vor dem MotelOne) bald final fertig

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    Was für eine Inbetriebnahme dann noch fehlt, ist die östliche Hälfte der Straßenkreuzung an der Spandauer Straße (im Bild unten). Ist das geschafft, könnte zumindest die nördliche Spur gen Mühlendammbrücke auf den neuen Straßenverlauf umgeklappt werden. Das gilt auch für die Geh- und Radwege.

    Die westliche Hälfte der Kreuzung ist ja bereits fertig, der Verkehr wird bald auf diese umgeklappt und es herrscht dann Baufreiheit


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    d.

  • Heute fand die Informationsveranstaltung zum aktuellen Stand der Straßenbahnplanung Alexanderplatz-Kulturforum statt. Ich habe zwei Visualisierungen aus dem Vortrag von Holger Kölling-Orb fotografiert, die die künftige Verkehrssituation am Molkenmarkt ganz gut darstellen. Man sieht, dass tatsächlich der Großteil des Verkehrs aus dem Mühlendamm in die Grunerstraße gelenkt wird. Sehr gut gefällt mir, dass die Straßenbahn einen eigenen Gleiskörper erhält und dadurch zügig fahren kann. Die umstrittene Haltestelle am Molkenmarkt soll nun doch gebaut werden.


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    Alle Fotos: Klarenbach

  • Danke für's Teilen der Bilder. Ich denke, wir sind uns fast alle einig, dass diese Verschwenkung eine großartige Sache wird.


    Wenn ich hier aber sehe, wie es am Ende doch wieder hauptsächlich 'verwaltete Verkehrsfläche' ist und nirgendwo ein eigentlicher Stadtraum angedacht ist, finde ich das schon bedauerlich und wünschte mir, man hätte den Block vor dem Stadthaus doch als neuen Platz gedacht mit selbigem als Trumpf und Fassung geplant als jetzt diese halbe Durchgangspassage. Dann hätte man einen schönen neuen Stadtplatz, der für dieses neue Viertel auch ein Zentrum bilden könnte (ob nun historisch oder nicht), und dann würde auch die große Straße nicht weiter stören, weil daneben ein wirklicher öffentlicher Platz wäre.

  • Danke Klarenbach für die eindrucksvollen Bilder, da kann ich Aixois nur zustimmen:


    Wenn ich hier aber sehe, wie es am Ende doch wieder hauptsächlich 'verwaltete Verkehrsfläche' ist und nirgendwo ein eigentlicher Stadtraum angedacht ist,


    Ich sehe auch nur Straße, Verkehr und nochmals Straße. 3 Spuren: 2 x PKW und 1 x Bus - weniger wirds nicht, da können die Gertrauden- wie Müheldammbrücke gar nicht kleiner werden.

    Zum Glück wurde die Verschwenkung der Grunerstraße schon vor dem grünen Verkehrssenat beschlossen, sonst hätte man die jetzige Transitbetonstrecke, die den Molkenmarkt und das Klosterviertel planierte noch erneuert - natürlich dann mit Tram im extra breiten Gleisbett, Klarenbach hätte es noch mehr gefreut.


    Alles ist Verkehrs- und Transitraum - nirgends Stadt. Allein, was für eine fette Verkehrsfläche da zwischen Stadthaus und Nikolaiviertel entsteht. Stadt steht da in guter deutscher Stadtbautradition nur im Weg. Im Grunde kulturhistorisch interessant, wie doch auch Personen, die sich für grün halten oder darunter firmieren, also der Umwelt verschrieben oder diese zumindest nach außen romantisieren, sehr akribisch einem kühlen deutschen Rationalismus fröhnen. Das Unerwartete, Zufällige oder gar Romantische, das Stadt auch sein kann, steht dem nur noch im Wege. Eine Unebenheit, ein kleiner Schlenk, eine Art städtischer "Eingang" zum Vorplatz des Stadthauses - undenkbar. Alles ist kühl, zackig - ohne Eigenschaften. Ich habe im Geiste schon das Aussehen der Bebauung im Kopf.


    Ich kenne aber die Antworten hier schon: das geht nicht, weil die weil das. Man konnte hier Stadt neu planen und wie lange tut man dies schon? Und für welches Ergebnis?

  • Es war schon länger absehbar, aber jetzt, wo der Umbau der Straße immer deutlicher Konturen annimmt, deprimiert es mich doch, wie sehr der Mut gefehlt hat, diese riesige und die beiden Ursprünge des heutigen Berlins auseinanderreißende Verkehrsschneise zu reduzieren und zu bändigen. An einer Stelle scheinen sogar vier (!) Straßenspuren in einer Richtung (!) zu bestehen. Zusammen mit der Kür der phantasielosen neuen Mühlendammbrücke, der nicht Verschwenkung Gertraudenbrücke und der Minimallösung am Rathausforum/M.-E.-Forum nach wievielen (?) Jahren Planung und Bürgerbeteiligung ergibt sich mir gerade ein wenig günstiges Bild von dem Elan sowie der Kreativität, Durchsetzungskraft und Innovationsfreudigkeit der Verantwortlichen.

  • Aber es ist doch nun mal so, dass diese eine Hauptverkehrsader von Berlin ist. Immerhin jetzt mit Strassenbahn Busspuren etc.


    Was mich eher erschreckt, ist der Gedanke, dass die neuen Gebäude an der Straße genau so einfallslos werden könnten, wie in der gezeigten Baumassenstudie.

  • Alles ist Verkehrs- und Transitraum - nirgends Stadt. Allein, was für eine fette Verkehrsfläche da zwischen Stadthaus und Nikolaiviertel entsteht. Stadt steht da in guter deutscher Stadtbautradition nur im Weg. Im Grunde kulturhistorisch interessant, wie doch auch Personen, die sich für grün halten oder darunter firmieren, also der Umwelt verschrieben oder diese zumindest nach außen romantisieren, sehr akribisch einem kühlen deutschen Rationalismus fröhnen.

    1. Die Verkehrsplanung stammt, wie auch der Städtebau, im Kern aus den Jahren 2004 bis 2009, der Planfeststellungsbeschluss von 2016. Der derzeitige Senat und vor allem die Grünen haben nur am Rande damit zu tun. Die Planungsgeschichte samt künftigen Straßenverlauf ist hier nachzulesen.


    2. Auch ich finde die Straßen nach wie vor zu breit und hätte mir weniger gewünscht. Dennoch darf man nicht unterschlagen, dass die Grunerstraße derzeit von 113 Meter Breite (vom Rathaus zur Platzkante) auf 37 Meter Breite (vom Rathaus zur neuen Gebäudekante) eingedampft wird. Auch der Platz selbst wird umbaut. Das wird den Raumeindruck stark verändern. Die "fette Verkehrsfläche" (bzw. ungenutzte Platzfläche) "entsteht" nicht, sie wird deutlich verkleinert - wenn auch nicht deutlich genug.


    3. "Nirgends Stadt" ist schlicht nicht wahr: Die Bilder zeigen die Außenseite eines neuen Viertels, in dem es viel Platz für Stadt geben wird. Der neue Molkenmarkt wird nicht dieser Verkehrsraum sein, sondern ein kleiner, von allen Seiten gefasster Platz hinter der ersten Bebauungsreihe - mit Öffnung zum Stadthaus und ganz ohne Verkehr.


    4. Die Planung hat durchaus Potential. Ob sich das ausschöpfen lässt, wird von den Realisierungswettbewerben abhängen. Darüber können wir diskutieren, wenn Entwürfe vorliegen.