Molkenmarkt, Klosterviertel - Neuplanung und kleinere BV

  • BV "Klosterstraße Sixty2"


    Zuletzt hier und Vorzustand hier.

    Das bleibt für mich ein Rätsel und werde ich einfach nicht verstehen. Was um alles in der Welt motiviert jemanden, ein solches Gebäude, an dieser Stelle wo sich Altbauten angrenzen und man versucht im Molkeviertel die Verbindung von Klostervierel zu Nikolaiviertel hinzubekommen und kleinteiliger zu gestalten. Wozu braucht es dieses Gebäude in seiner Ursprungsform "aufgewertet".

    Wer da vorbeiläuft denkt eigentlich nur eines "Fremdkörper" - wer da was anderes in den Sinn bekommt, möge es mir mitteilen - ich wäre echt neugierig.

  • ^ Das Klosterviertel ist sehr heterogen, daher kann ich nicht sagen, dass das Gebäude auf mich wie ein Fremdkörper wirkt, zumal es sich ja in Höhe (zumindest in der Stralauerstr.) und Blockrand der Umgebung anpasst. Mit etwas Wohlwollen lässt sich sogar der Fensterbereich an der Klosterstraße so sehen, dass er, indem er die Höhe nicht ausschöpft, den weniger hohen Nachbarbauten visuell entgegen kommt.


    Das bedeutet nicht, dass mir das Gebäude gefiele, nur "Fremdkörper" scheint mir nicht ganz passend. Ich störe mich sehr viel mehr an der mehrspurigen, kaum begrünten und abweisenden Stralauer Straße. Hier müsste m.E. etwas geschehen.

  • Nun an der Stralauer steht doch passend dazu das leidige 60ies in noch bescheidener und beliebigerer Wirkung als zuvor - nunmehr ohne diesen letzten kreativen Hoffnungsfetzen mit dem Fischmural.

    Jetzt quält einen nur noch der Anblick von Endlos- Betonraster am laufenden Meter auf nem dusterem Glassockel.


    Man hätte diesen industriellen Baumüll aus den 60ern besser zerlegen sollen.

    Wenn hier auch nur etwas wert auf eine erkennbar positive Entwicklung, hin zu einem aufenthaltswerten Stadtraum gelegt würde, hätte man schon bei Dimensionierung, Gestaltcharakter und bei der Menge der Gross-Bauten Veränderungen vornehmen müssen.

    Stattdessen hält man an den schädlichen Elementen, in überdehnter, austauschbarer

    Karteikastenästhetik fest und vervielfacht das ganze noch mit aufgeblasenen Mietverwahreinheiten in peinlicher Vorstadtästhetik aus den frühen 90ern.


    Das ganze bleibt wie gehabt unrund und als Städtebauliche Idee gerade in seiner mehr ausflüchtenden Akzeptanz der Heterogenen arch. Sprache für das Quartier inkonsequent für mich.

    Es wird m.M auch das Gelingen des Stadtraumes in seiner organ. Einbindung und Popularisierung erschweren.


    Mir fehlt der Wille eine bürg. architektonische Tradition sichtbar werden zu lassen - die eine Glaubhafte Verknüpfung zum Nikolaiviertel und Rathaus herstellen könnte - die Gestaltung ist dafür viel zu platt.

    Es fehlt an Rekonstruktionen, historischen Referenzen und generell an kleinteiligen, individuellen handwerklich erschaffenen Fassadenadressen, stattdessen gibt’s Flächeneffiziente, Volkswohladressen mit Steildach in liebloser Baumarktromantik und „Büros“

    Da hätte man gleich in den Blaupausen für Alex, citi West oder Europacity bleiben können wenn das Niveau nicht über einen technokratischen Bauverwaltungsakt mit verordnet kostengünstiger nostalgieplattitüde hinauskommt. Willkommen im Petriviertel 2.0

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  • Wirkt für mich wie Architektur aus Mittelgroßen Städten ...

    Das Nikolaiviertel wirkt für mich wie ein völlig fehlplatzierter Marktplatz eines kleinen Provinzstädtchens ...

    Man sollte den historischen Kontext richtig einordnen.


    Als das Nikolaiviertel und der Molkenmarkt (im Spätmittelalter) entstanden sind, war Berlin tatsächlich ein kleines Provinzstädten. Von der Einwohnerzahl her war die Stadt für damalige Verhältnisse wahrscheinlich noch nicht einmal eine mittelgroße Stadt. Der Aufstieg zur europäischen Metropole kam erst viele Jahrhunderte später. Von daher verstehe ich die oben geäußerte Kritik nicht.


    Wenn die Entwürfe die Anmutung einer kleinen oder mittelgroßen Provinzstadt vermitteln, dann trifft das genau den historischen Wesenskern von Molkenmarkt und Nikolaiviertel. Mit anderen Worten: die Entwürfe gehen in die richtige Richtung.

  • ^Nur ist Berlin eben keine mittelgroße Provinzstadt mehr, sondern Metropole und Hauptstadt :D


    Wieso kann man im Zentrum dann nicht auch so bauen, dass man dem gerecht wird? Wieso muss alles immer so dröge und langweilig sein?


    Mir ist die Historie ziemlich egal, wenn es heute nicht mehr in die Gegend passt. Und wenn schon historisch, dann doch bitte auch mindestens die gleiche Bauqualität und Optik wie damals und nicht irgendein heruntergeschraubter Zwischen-Stil, der am Ende womöglich kaum Eindruck macht.


    Hätte man den modernen Architekten aus den 50ern und 60ern gesagt, dass DAS heute ein Neubauviertel wird, hätten die sich kaputt gelacht. Unsere Städte werden sich nie nach vollem Potential entwickeln können, wenn man da nicht langsam aber sicher mal eine Kehrtwende einlegt. Man könnte doch so viel interessantere und imposantere und zukunftsträchtigere Gebäude bauen. Stattdessen baut man wie in jeder mittelgroßen Stadt – weil man sich zwar an der Historie orientieren will, aber dennoch nicht ganz historisch bauen möchte. Und was ganz modernes schonmal gar nicht. Nichts halbes und nichts ganzes. Für mich echt bescheuert und einfach eine weitere vertane Chance.