Molkenmarkt, Klosterviertel - Neuplanung und kleinere BV

  • @ Architektur-Fan. Les einfach mal das Gestaltungshandbuch. Dann kannst dir auch deine fast schon hysterischen und unpassenden Unkenrufe sparen.

    Nein, ich lese das Gestaltungshandbuch nicht, weil ich bereits schon weiß, dass es im Klosterviertel keine Leitbautenkonzept gibt.


    DerBe Du hast keinen Anstand!

  • … dann verrate uns doch bitte einmal, welche historischen Leitbauten Du meinst. Mir fallen da auf Anhieb keine ein.

    2 Mal editiert, zuletzt von Camondo ()

  • Mir fällt spontan das "Graue Kloster" ein und die Idylle des Jüdenhofs.
    Aber das ist mir weniger wichtig als ein berlintypisches, attraktives (!) Gebäude, das sich in der Sichtachse des Mühlendamms befindet.
    Das müßte doch drin sitzen!

  • Wettbewerbsergebnisse für den Block B/1 veröffentlicht

    Auf der Website der WBM wurde am 13.11.2025 bekanntgegeben: "Der erste Realisierungswettbewerb für die Bebauung des Areals am Molkenmarkt für den Block B1 in Berlins historischer Mitte ist entschieden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hatte in Kooperation mit der Wohnungsbaugesellschaft Berlin Mitte mbH (WBM) den Wettbewerb ausgelobt.

    Nach Durchführung eines europaweiten Teilnahmewettbewerbs zur Auswahl der Teams im Frühjahr dieses Jahres startete mit Ausgabe der Auslobung Mitte Juli 2025 die Entwurfsphase für die Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Die Teams bestanden zum Teil aus Arbeitsgemeinschaften von bis zu drei Architekturbüros. Das Wettbewerbsgebiet ist in drei Planungsbereiche (Lose) aufgeteilt, die sich jeweils aus mehreren Gebäuden

    zusammensetzen.

    Nach kompakter Bearbeitungszeit von rund neun Wochen wurden im September für die Lose 1 und 2 jeweils zehn Arbeiten eingereicht, für das Los 3 sind neun Arbeiten eingegangen.

    Unter dem Vorsitz des Architekten Prof. Dr. Vittorio Magnago Lampugnani prämierte die Jury jeweils drei Preisträgerinnen bzw. Preisträger in den jeweiligen Losen. Das Preisgericht würdigt ausdrücklich die ausgesprochen hohe Qualität in der Ausarbeitung aller Beiträge und empfiehlt der Bauherrin einstimmig, die mit den 1. Preisen ausgezeichneten Arbeiten zu realisieren."


    Es folgen die Ergebnisse für die drei Parzellen. Um den Beitrag möglichst knapp zu halten, werden nur die Ansichten, Gebäudemodelle und städtebaulichen Modelle zur Verortung der Lose gezeigt. Das vorliegende Bildmaterial aber auch weitere Ansichten, Grundrisse und Lagepläne sowie die drittplatzierten Entwürfe sind auf der Website der WBM verlinkt.


    LOS 1: 1.Preis an Hild und K. aus München / Happel Cornelisse Verhoeven aus Rotterdam / Modersohn & Freiesleben aus Berlin


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    LOS 2: Ein 1.Preis an Duplex Architekten GmbH aus Hamburg / Gort Scott aus London / Kim Nalleweg Architekten GmbH aus Berlin


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    Ein 1.Preis an blrm Architekt*innen GmbH aus Hamburg


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    LOS 3: 1.Preis an EckertNegwer Suselbeek aus Berlin/ Baumeister und Dietzsch aus Berlin


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    Alle Informationen wurden von der (c) WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte GmbH veröffentlicht

  • Woah! :huh: Da bin ich aber mal positiv überrascht!
    Ich bin ehrlich gesagt voll von derzeitiger, langweiliger Architektur-Stangenware ausgegangen, was bis auf blrm Architekt*innen überhaupt nicht der Fall ist. Wir sind zurück in der Postmoderne der 90er mit einzigartigen und einfallsreichen Fassaden. Manche werden meckern, ganz klar. Postmoderne ist nicht jedermanns Fall. Womöglich etwas zu exzentrisch? Aber für so ein bedeutendes Quartier lieber was außergewöhnliches als die gleiche graue Langweile wie überall sonst in Berliner Neubauvierteln. Der Spree-Bogen oder das Quartier Schützenstraße sind bis heute attraktive Berliner Orte geblieben.

  • Abwarten!


    Laut eines Berichts von Entwicklungsstadt.de liegen die Baukosten der aktuellen Entwürfe deutlich über den festgelegten Richtwerten. So überschreiten die Baukosten für die erstplatzierten Entwürfe insgesamt 60 Mio Euro. Gemäß dem Auslobungstext werden aber Baukosten-Richtwerte von insgesamt 48,7 Mio. Euro verbindlich vorgegeben. Die Baukosten für die Koszengruppen 300 und 400 analog DIN 276 belaufen sich wohl auf 4.500 EUR/m². Laut Aussage von WBM-Geschäftsführer Lars Dormeyer in einer Anhörung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen des Abgeordnetenhauses am 30. Juni 2025 ist das Projekt aber nur finanzierbar, wenn die Baukosten für die Kostengruppen 300 und 400 maximal 3.580 EUR/m² betragen.


    Es bleibt also abzuwarten, ob die Entwürfe am Ende so aussehen.


    Quelle:

    https://entwicklungsstadt.de/w…kenmarkt-wohnhaeuser-aus/


    Aufgrund meiner Erfahrungswerte gehe ich pessimistisch davon aus, dass die am Ende gebauten Gebäude kaum noch mit den Entwürfen übereinstimmen werden.

  • ^^ Postmodern finde ich zum Glück nur die Entwürfe für Los 1, ich kann diesem unruhigen 0/8/15-Misch-Stil nichts abgewinnen. Der Rest hat für mich eher etwas von modernem Neoklassizismus mit Anlehnung an die alte Planungsstruktur, gefällt mir recht gut! Einige Fenster könnten für mich noch mehr Sprossen haben und Stuck fehlt mir auch, aber ich habe schlimmeres erwartet.

  • Haha... - "Das Beste aus den 70ern und 80ern - Ihr Hitmix!!!" - Irgendwie sind wir in einem zeitgeschichtlichen Loop gefangen - aber wenn jetzt aus Kostengründen eine Plattenbauweise notwendig wird, dass ist dann ja 1 zu 1 die DDR-Architektur wie am Gendarmenmarkt, in der Friedrichstraße - oder - tata - im Nikolaiviertel...

  • ^… das war auch mein Erster Eindruck. Es erinnert stark an letzte Phase DDR-Bauten rund um den Gendarmenmarkt. Die fand ich allerdings immer sehr gelungen. Und wenn so ein Brückenschlag gelingt, why not? Auf die Mischung kommt´ s an. Die anderen Lose dürfen dann gern etwas zeitgemäßer gestaltet sein, Sonst wird‘ s auch wieder sehr speziell.

  • ^


    Diese Assoziation hatte ich auf den ersten Blick auch, gepaart mit der Erinnerung an die Neuen Hackeschen Höfe. Insgesamt nicht die schlechteste Mischung. Das weckt bei mir durchaus die Hoffnung auf ein zufriedenstellendes Endergebnis.

  • Mein erster Gedanke war tatsächlich auch Dresdner Altmarkt, aber dann wäre es gut so.


    Positiv überrascht bin ich auch von der Höhe.

    Sieben Stockwerke oberirdisch ist nicht kleinstädtisch.

  • 1.Preis an Hild und K. aus München

    Yeah! Mein liebstes Architekturbüro! Und der Teil des Entwurfs, der ihre Handschrift erkennen lässt, ist auch gewohnt gelungen.


    Eines sieht man hier ganz deutlich, aber das konnte man auch vorher schon wissen: viele strikte gestalterische Vorgaben bzw. eine historisch fundierte und aufbereitete Vorstellung davon, was man haben möchte, führen zu hochwertigen Ergebnissen. Die Behauptung, solche Vorgaben behinderten die Kreativität, ist hier deutlich widerlegt. Ähnlich kreative Entwürfe für Wohnbauten sieht man selten.


    Wie sehr im Diskurs der Bezug zur Geschichte verlorengegangen ist, deute ich in die Assoziationen, die ihr geäußert habt. Klar kann man sich an Postmoderne, DDR-Postmoderne oder Stalinbarock erinnert fühlen, aber genauso an Architektur der 1920er oder um 1800, wie etwa ein Blick auf die Alte Münze in ihrer ursprünglichen Form zeigt. Giebel, Bogen, Risalite usw. werden heute schnell als "retro" bezeichnet. Die längste Zeit der Geschichte sagte man dazu "Architektur".


    Gegenüber den Siegerentwürfen fallen die Drittplatzierten tatsächlich deutlich ab. Diese erinnern mich stark an den Wettbewerb zur Breiten Straße, dessen Ergebnisse zwar in Ordnung waren, aber für den Molkenmarkt war eine Schippe mehr draufzulegen. Insofern entsprechen die Ergebnisse exakt meinen Erwartungen. blrm Architekt*innen werden hoffentlich noch aussortiert, es gibt für deren Baufelder ja zum Glück noch einen zweiten 1. Preis.


    Nun wäre interessant zu erfahren, was genau die großen Kostentreiber sein sollen. Dass es die Fassaden sein sollen, glaube ich nicht so recht, dem würden bisherige Erfahrungen eher widersprechen. Aber vielleicht könnte man auch den Anlass nutzen, nicht nur über Kosten des Quartiers, sondern auch über die Kalkulation der Einnahmen nochmal neu nachzudenken.

  • In der Tat, die Postmoderne kehrt zurück!


    Ich bin auch erstmal positiv überrascht, wie ambitioniert die Entwürfe am Ende geworden sind. Auch bin ich ein Fan davon, tradierte architektonische Prinzipien als Grundlage für die Entwürfe herbeizuziehen. Die zahlreichen Gestaltungsideen öffnen aber auch viel Raum für Kritik.


    Der tempelhafte Giebel an der Ecke von Los 3 , mit darunter befindlicher Nische (ohne Figur) ist mir zu bildhaft. Die vom Loos-Haus inspirierten Fenster sind für ein Großteil des visuellen Anspruchs verantwortlich. Sollten sie gegen einfachere Fenster eingetauscht werden, rutscht das Haus ganz schnell in Richtung Belanglosigkeit.


    Auch den in Los 1 verwendeten, einfachen geometrischen Formen, wie zB den kreisrunden Fenstern oder den rautenförmigen Ornamenten fehlt es an Raffinesse.


    Am besten gefällt mir die wohlproportionierte und feinfühlig gegliederte Fassade der kleineren Parzelle von Los 3. Auch die von Duplex / Scott / Nalleweg entworfenen Parzellen gefallen mir in ihrer ziemlich elegant und vom Material her hochwertig anmutenden Fassade. Der andere erste Preis von blrm ist einfach öde und angesichts der Hinterlassenschaft auf der Fischerinsel brauche ich nicht noch mehr von diesem Büro in der Innenstadt.


    Vom Gesamteindruck her stimmt mich die ambivalente Haltung der Häuser etwas unzufrieden. So ganz ins Karikative, wie die Postmoderne, rutschen die Entwürfe (zum Glück) nicht. Dafür ist ihr Anspruch zu seriös. Dennoch wirken die Fassaden im Detail etwas naiv. Auch schaffen es die Gebäude weder so richtig klassisch zu sein und direkt daran anzuknüpfen, wo die Berliner Architekturszene mit der Entwicklung der klassischen Formensprache bis 1918 angelangt ist, noch haben sie den Anspruch, das klassische Repertoire wahrlich zeitgenössisch zu interpretieren. Übrigens habe ich mit letzterem hervorragende Beispiele, wie die Bremer Landesbank, dieses schöne Beispiel aus London, oder auch nur ein paar Blocks weiter das von Kahlfeldt höchstpersönlich entworfene Haus Unter den Linden 14 im Kopf.


    Also bleibt es am Ende bei einer etwas angestaubten Variante der klassisch interpretierten Architektur, die man in den 80ern bereits abgespeist hat.


    Abschließend bin ich heilfroh, keine 0815 Rasterfassaden mit ein paar angepappten Gesimsen zu Gesicht zu bekommen. Am Ende ist mir ein kreatives und vielfältiges Stadtquartier, bei dem so manches auch anecken kann oder fragwürdig ist, viel lieber, als endlose Belanglosigkeit und Formenarmut, die wir in Berlin zu genüge haben und leider immer noch anderswo zu Genüge bauen.

    2 Mal editiert, zuletzt von maselzr ()

  • Die anderen Lose dürfen dann gern etwas zeitgemäßer gestaltet sein, Sonst wird‘ s auch wieder sehr speziell.

    Bitte bloß keine "zeitgemäßere Gestaltung", mit der wir doch sonst schon überall großflächig gelangweilt werden.


    Auf dieser kleinen Fläche vom Molkenmarkt kann es doch gerne mal "sehr speziell", anders sein.

    Also bitte in der eingeschlagenen Richtung weitermachen.

  • Das sieht nicht so schlimm aus, wie es befürchtet wurde. Zweifel, ob die Ansprüche durch die WBM gehalten werden können, sind sicherlich angebracht. Wichtig ist es, dass genug investiert wird, um Qualität zu erzielen. Diese Investitionen können refinanziert werden, wenn der Sozialfaktor runtergeschraubt wird.


    Ich würde mir rekonstruierte Leitbauten oder Rekonstruktionen an beschädigten Altbauten wünschen.

  • Nach etwas Bedenkzeit finde ich den Entwurf für das wichtigste Gebäude, das Eckhaus zur Kreuzung Spandauer Straße hin, am seltsamsten.

    Zu geringe Tiefe, die Giebelwand mit nur einem Fenster, ein einfaches Satteldach, alles eckig und der dann plötzlich konkav eingedrückte Eingang zum Laubengang passen nicht dort hin.


    Ich hätte mir hier ein klassisches Berliner Eckhaus gewünscht, gerne mit kleinem Turm, abgerundet oder abgeschrägt.

  • dieser konkav eingedrückte Teil wird sone richtig schöne "Schmutzecke" werden. Bisschen moosig an den Rändern, paar Wasserschlieren, ein kleines Graffito....

  • Bei Eckhäusern ist es manchmal üblich die Ecke in den unteren Geschossen zum Strassenraum abzuschrägen.

    Die konkave Eckausrundung passt aber überhaupt nicht zu den benachbarten Pfeilern der Arkaden. Der schmale Giebel darüber macht das postmodere Bauklötzchen-Durcheinander dann perfekt. Ziemlich verbastelt und schlecht proportioniert.