diverse Projekte

  • ^ Ja, mag stimmen, aber ich glaub da gibts bessere Möglichkeiten. Halle hat soviel schöne Architektur zu bieten. Darauf sollte man sich konzentrieren und das gut verpacken und nach außen kommunizieren. So nach dem Motto: Klein aber fein.

  • Wettbewerb entschieden
    Dannheimer & Joos Architekten bauen für Kulturstiftung des Bundes


    Das Baunetz vermeldet, dass Dannheimer & Joos Architekten den Wettbewerb für den Sitz der 2002 gegründeten Kulturstiftung des Bundes für sich entscheiden konnten. Auf den Plätzen landeten Oberst & Kohlmayer aus Stuttgart und KSG, Leipzig. In der Jury saß auch Peter Kulka.


    Das Gebäude entsteht als Lückenbebauung am Franckeplatz und soll im Sommer 2011 bezugsfertig sein.

  • Die "Goldene Rose" in der Rannischen Straße wird Wächterhaus

    Seit fast 20 Jahren steht der alten Gasthof "Goldene Rose" in der Rannischen Straße 19 leer. Aus der für 2009 geplanten Vollsanierung wird erst einmal nichts. Der Eigentümer, der Münchner Wirtschafts-Anwalt und Aufsichtsratschef mehrerer Unternehmen Reinhard Pöllath, hatte seinen Entschluss, das Objekt zu sanieren, im Herbst vergangenen Jahres fallengelassen. Obwohl Baugenehmigung und Fördermittelzusage vorlagen, suchte nach einem Käufer.


    Aber dennoch zieht hier wieder neues Leben ein, denn der Verein “HausHalten Halle e.V.” ( http://www.haushaltenhalle.de/ ) errichtet hier das zweite Wächterhaus in Halle. Pöllath schuf Ende 2009 mit einer Dachreparatur die Voraussetzung dafür. Wie schon an der Lutherlinde (Triftstraße 19a) werden vor allem Studenten und Absolventinnen der Burg Giebichenstein das Haus bevölkern, in Ateliers, Werkstätten und Galerien aktiv sein. Laut dem Vorsitzender des Vereins Stephan Schirrmeister sind schon alle Mieter gefunden, darunter mehrere Mode- und Industrie-Designer, Maler und Vereine. Dem Eigentümer verschafft diese Zwischenlösung eine Atempause, um sein Vorhaben möglicherweise doch noch zu verwirklichen.


    Historischer Gasthof
    «Goldene Rose» vorerst gerettet
    Der Verein «HausHalten Halle» richtet im Gebäude in der Rannischen Straße Ateliers und Werkstätten ein
    VON HEIDI POHLE, 12.01.10, 18:01h, aktualisiert 12.01.10, 22:23h
    http://www.mz-web.de/servlet/C…65154&listid=994342720546


    http://www.goldene-rose-halle.de


    weitere Bilder:
    http://www.leerstehende-bauden…rose/startgoldenerose.htm


    Luftbild:
    http://www.bing.com/maps/?v=2&…%2006108%20Halle%20(Saale)


    ZDF-Beitrag mit sehenswerten Bildern von beiden Objekten:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek…04984/Die-Haeuserwaechter

  • Hehe... nach dem ganzen Hickhack nun doch der Abriss... Aber der Kompromiss ist nicht der allerschlechteste, zumal im Rathaus ja schon geplant worden ist, die Türme abzureißen und erstmal einen Bambuswald zu pflanzen...
    Ein Hochhaus ist an dieser Stelle das einzig richtige.


    … aber es ist hanebüchen, es jetzt neu zu bauen. Die demografische Lage und den Leerstand in der Stadt kann man nicht einfach ignorieren. Es ist auch in Halle sinnvoll, einzelne Lücken zu bebauen, aber es ist ein Fehler, so massiv neue Kapazität zu schaffen.

  • Ja, auch ich fand Halle beim Besuch in diesem Jahr gar nicht mal so verkehrt. Schlimm find ich diese Autobahn durch die Stadt. Die mag zwar funktional super sein, ist aber eine ästhetische und atmosphärische Katastrophe.


    Aus verschiedenen Gründen, dazu gehört auch der Bau der Autobahnen um Halle, ist mit zurückgehendem Verkehrsaufkommen zu rechnen. Wenn die Hochstraßenteile zwischen Riebeckplatz und Saale mal erneuerungsbedürfig sind Abriss und Ersatz durch eine einfach vierstreifige Straße sicher eine gute Wahl; evtl. ergänzt um (eine) Kreuzungsunterführung(en) an Glauchaer Platz und Franckeplatz. Mich würde mal interessieren, wie weit sowas in Halle schon diskutiert wurde.


    Halle, als Zweitalternative zur Studenten-Stadt Leipzig wird noch ordentlich vom neuen S-Bahn-Netz ab 2012 profitieren.


    Außer dass die Linien von Halle Hbf über Schkeuditz und über den Flughafen dann nicht mehr am Leipziger Hauptbahnhof enden, sondern weiter durch die Innenstadt fahren, wird sich nicht viel ändern.

  • Abrisswelle in Halle/Saale

    Die bauliche Situation in Halle hat sich in den letzten Monaten dramatisch zugespitzt. Vor allem die vielen Abrisse reißen immer neue Löcher in das Stadtgebiet.
    Hier eine kurze Übersicht über einige besonders gravierende Abrisse der letzten Zeit:
    - Ludwig-Wucherer-Straße 70 - Wohnhaus, um 1890 - Abriss aktuell im Gang
    - Gothaer Straße 1 - Gründerzeithaus - Abriss November / Dezember 2010
    - Berliner Straße / Volkmannstraße - Gründerzeithaus - Abriss im November 2010
    - Delitzscher Straße 32 - Gründerzeithaus - Abriss Oktober 2010
    - Franz-Andres-Straße 1 - Wohnhaus, um 1870 - Abriss September 2010
    - Schulstraße 11 - barockes Handwerkerhaus, um 1700, mit wertvollen barocken Stuckdecken - Abriss Juli 2010
    - Ludwig-Wucherer-Straße 7 - spätklassizistisches Wohnhaus, um 1870 - Abriss April 2010
    - Ludwig-Wucherer-Straße 5 - spätklassizistisches Wohnhaus, erbaut 1872/73, Architekt: Richard Loest - Abriss März 2010
    - Kleine Steinstraße 3 - Wohn- und Geschäftshaus, 18. Jahrhundert - Abriss März 2010
    Die Abrisse dürften auch in Zukunft weitergehen, da die Stadtverwaltung großen Wert auf hohe Abrisszahlen legt. Auf diese Weise soll das Wohnungsangebot verknappt und das Mietniveau möglichst hoch gehalten werden.
    Mittlerweile gibt es allerdings auch Konflikte wegen der halleschen Abrisspolitik. Beispielsweise plant der Landesrechnungshof von Sachsen-Anhalt eine Überprüfung der kommunalen Halleschen Wohnungsgesellschaft (HWG), weil ein Verdacht auf Fehlverwendung von Abrissfördergeldern besteht. Die HWG will sich allerdings nicht überprüfen lassen und stattdessen gegen den Landesrechnungshof klagen.

  • "Abrisswelle in Halle/Saale"

    Hallo Klarenbach, vielen Dank für deinen Beitrag, aber ich muss dich korrigieren. In der Tat sind die von dir aufgelisteten Abrisse geschehen, aber die Begründung, dass dies die Stadtverwaltung betreibt um hohe Abrisszahlen zu erreichen, ist Unsinn. Richtig ist, dass es in Halle 2010 verstärkt Zwangsabrisse bez. Abrissverfügungen durch die Stadtverwaltung gegeben hat. Dies hängt damit zusammen, dass Halle wie keine andere vergleichbar große Stadt in Deutschland ist, die einen Reichtum aus geschlossener Dichte von historischer Bausubstanz besitzt. Bedauerlicherweise ist aber auch 20 Jahre nach der Deutschen Einheit nicht alles saniert worden, mit der Folge, dass die verbliebenen unsanierten Häuser (meist Gründerzeit) mittlerweile in einem so katastrophalen Zustand sind, dass sie sich zu einer Gefahr entwickelt haben.


    Begonnen hat alles mit dem stark beschädigten Haus Kl. Steinstraße 3, das mit dem Beginn des Frühjahres in sich zusammenbrach und fasst eine Frau getötet hätte. Seit diesem Zeitpunkt ist durch ein lokales Pressemedium Druck aufgebaut worden, diese Ruinen zu beseitigen, was ich persönlich als vollkommen überzogen ansehe. Infolgedessen hat in der Tat die Verwaltung verstärkt Zwangsabrissverfügungen erlassen. Mit der Folge, dass die Häuser Gothaer Straße 1, Delitzscher Straße 32, Franz-Andres-Straße 1 und LuWu Nr. 70 per Abrissanordnung abgebrochen werden mussten. Allesamt waren diese Häuser Ruinen. Bei der Franz-Andres-Straße 1 und LuWu Nr. 70 folgen aber Neubauten und schließen die Lücken wieder. Bei der LuWu Nr. 5 und 7 gab es keine Abrissverfügung, sondern der Eigentümer hat einen Antrag auf Denkmalsabbruch gestellt und genehmigt bekommen, weil diese Häuser - ebenfalls Ruinen - aus wirtschaftlicher Sicht unzumutbar geworden war zu sanieren; es erfolgen ebenfalls Neubauten, die die Lücke wieder im Straßenzug schließen werden. Berliner Ecke Volkmannstraße ist kein Gründerzeithaus gewesen, sondern ein Haus aus den 20er, das im Stil der Gründerzeit gebaut wurde, aber zwischen 3 Straßen eng eingekreist wurde; eine Verwertung ist selbst für Liebhaber unserer Altbausubstanz als absolut aussichtslos eingestuft worden. An besagter Stelle erfolgt eine gewerbliche Neubebauung.
    Die Schulstraße 11 ist ein sehr schwieriger Fall gewesen: Das Haus wurde 2000 an die jüdischen Alteigentümer restituiert, aber leider erfolgte keine Sanierung, noch nicht einmal eine Sicherung. Der Zwangsabbriss durch die Verwaltung halte ich nach wie vor für falsch, aber wenn ein Eigentümer nichts unternimmt und sein Haus verfallen lässt, stößt man an Grenzen.
    In deiner Aufzählung fehlt der Abriss eines Eckgebäudes am Böllberger Weg, welches ich für einen großen Fehler halte, weil dahinter sämtliche Objekte saniert wurden.


    Bedauerlicherweise erwähnst du in deinem Beitrag nicht, dass allein im Jahr 2010 in Halle rund 50 - 70 Gründerzeithäuser saniert bez. gesichert werden. Allein auf Glaucha - einem gründerzeitlichem Arbeiterviertel - entfällt darauf etwa zwei Drittel dieses unglaublichen Sanierungsschubes, der durch die Stadt geht. Dieser „Glaucha-Effekt“ ist ein enormer Erfolg, der mittlerweile viele Interessenten aus anderen Stadtplanungsämter ostdeutscher Städte zur Nachahmung angeregt hat.


    Halles Abrisszahlen für den Stadtumbau werden eindeutig durch massiven Abriss von Plattenbauwohnung erreicht, was auch richtig ist. Allein in Halle-Neustadt, Heide-Nord etc. werden in 2010/11 etwa 1.300 bis 1.500 Plattenwohneinheiten "vom Markt genommen", was eindeutig die Verwertungschancen der halleschen Altbausubstanz erhöht. Darüber gibt es in Halle auch politischen Konsens.

  • Wodurch genau ist denn der erwähnte "Glaucha-Effekt" zustandegekommen? Wenn andere Stadtplanungsämter sich ein Beispiel daran nehmen wollen, muß kommunales Handeln einen wesentlichen Anteil daran haben. In Deinem Beitrag nennst Du einzig den Abriß von Plattenbauwohnungen. Der wird aber gerade gerade in Chemnitz immer wieder mit der für mich nicht nachvollziehbaren Begründung abgelehnt, daß sich dadurch kein Nachfrageschub für Altbaubestände erzeugen ließe. Dabei scheinen mir die beiden Städte mit ihren großen Neubaugebieten und den großen Wohnungskombinaten in städtischer Hand sehr ähnlich strukturiert. Leider bekommt man nur sehr wenig aus Halle mit, dabei wäre das beschriebene Vorgehen eigentlich vorbildlich für andere Städte, wenn die wirtschaftlichen Hintergründe und die Auswirkungen auf das Stadtgefüge nachvollzogen werden könnten.

  • Hallo lguenth1,
    ich gebe dir insorfern recht, dass man Chemnitz und Halle dahingehend vergleichen kann, dass beide Städte etwa gleich groß sind und in den 90er in vergleichbarer Größenordnung Bevölkerung verloren haben. Es gibt aber einen grundlegenden Unterschied zwischen beiden Städten, der erhebliche stadtplanerische und städtebauliche Folgen mit sich bringt. Im Gegensatz zu Chemnitz oder etwa auch Magdeburg ist Halle eine Stadt, die kaum Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg erlitten hat. Dies führte dazu, dass alle Großwohnsiedlungen (Südstadt, Silberhöhe, Heide-Nord und Halle-Neustadt (städtebaulich hat Ha-Neu eine Sonderstellung)) am Stadtrand entstanden sind. Weder die Altstadt noch die Gründerzeitquartiere sind großflächig mit Plattenbauten oder 50er/60er-Bauten überformt worden. Deshalb lässt sich das stadtplanerische Ideal vom "Rückbau von außen nach innen - und Aufwertung von innen nach außen" relativ problemlos in Halle verwirklichen. Auch aus der Perspektive das die Menschen älter werden ist das ein Vorteil im Argumentieren für den Rückbau vom Stadtrand her.


    Die Wege der Bewohner aus allen halleschen Plattenbaugebieten ins Zentrum sind deutlich länger als für die Bewohner der Gründerzeitquartiere. Ein gewaltiger stadtplanerischer Vorteil zum Retten der Altbaubestände.


    In Städten wie Chemnitz oder Magdeburg ist das leider leider nicht so einfach möglich, denn der Innenstädte sind nach dem Krieg planerisch vollkommen überformt worden mit der Folge, dass der Wohnungsbestand im Zentrum beider Städte "relativ" neu (40-50 Jahre) ist und die Menschen, die darin seit Jahrzehnten leben, dass auch weiterhin wollen. Man bekommt sie nur schwer dort raus, man wohnt ja zentrumsnah und dann noch ein Parkplatz dazu. Es gibt aus heutiger Sicht nichts Besseres. Mit sowas können die dann etwas weiter weg vom Zentrum liegenden Gründerzeitquartiere wie Chemnitz-Sonnenberg nur schwer konkurrieren. Dies hat dann aber schwerwiegende stadtplanerische Konsequenzen und das führt uns zum so genannten „Glaucha-Effekt“, den ich zu erklären versuche:


    Glaucha war historisch gesehen eine mittelalterliche Vorstadt der Stadt Halle – also sehr zentrumsnah. Um die Jahrhundertwende vollständig gründerzeitlich überformt, hat es nach der Wende 1989/90 nicht annähernd mit den übrigen größeren Gründerzeitquartieren Schritt gehalten. Der Sanierungsstand im Jahr 2007 lag nur bei etwa 50 Prozent, 30 Prozent Leerstand und ein hohes Maß sozialer Segregation kennzeichneten diesen Stadtteil. Also sehr vergleichbar mit Chemnitz-Sonnenberg oder dem Leipziger Osten. Diese Ausgangslange führte 2007 zu einem Pilotprojekt im Rahmen der IBA 2010. Mit Fördermitteln wurde ein unabhängiger Eigentümermoderator beauftragt, unabhängig von den Interessen der Stadt und allen Wohnungsgesellschaften, die in Halle am Markt aktiv sind, um den Kontakt mit den Eigentümer in Glaucha aufzunehmen und Konzepte zur Sanierung, Sicherung und Aufwertung ihrer Bestände zu unterbreiten. Dabei wird jedem Eigentümer im Rahmen der „Städtebauförderung“ oder „Aufwertungsprogramm Stadtumbau Ost“ Fördermittel bereitgestellt. Für ein Gründerzeithaus im Straßenzug bis zu 100.000 Euro und für ein Eckgründerzeithaus in schwieriger Verkehrslage bis zu 150.000 Euro. Im Durchschnitt wurden bisher pro Objekt sogar nur 60.000 Euro ausgegeben, weil die Eigentümer in der Regel nie die volle Summe wollten, um aktiv zu werden. Auf der anderen Seiten führt die völlige Unabhängigkeit des Eigentümermoderator dazu, dass von Anfang an Dialogbereitschaft der Eigentümer besteht, weil sie wissen, dass der „Eigentümermoderator“ nicht Handlager anderer Wohnungsgesellschaften ist. Dieser Umstand ist sehr sehr wichtig, denn in fast allen ostdeutschen Großstädten mit solchen Problemen ist nicht die Bevölkerungsentwicklung Ursache für das Nichtsanieren von Gründerzeitquartieren, sondern weil das Vertrauensverhältnis von Privaten auf der einen und Stadtverwaltung/Wohnungsgesellschaften auf der anderen massiv gestört ist. Die Gründe auszuarbeiten, führt an dieser Stelle zu weit.


    Dem Eigentümermoderator Gernot Lindemann ist es etwa bei 30 unsanierten Gebäuden in Glaucha gelungen, dass die Eigentümer sanieren oder an sanierungswillige Investoren verkauft haben, der Rest sichert seine baufälligen Häuser. Zusätzlich mit Hilfe der Stadt wurde eine Standortgemeinschaft gegründet, die alle sozialen Akteure des Viertels zusammenbringen will, um die Kommunikation und Interaktion zu stärken – dies entfaltet wirklich Kräfte im Viertel; ich war selbst sehr positiv überrascht, dass heutzutage so was noch funktioniert.


    Zugegebenmaßen muss man sagen, dass die halleschen Gründerzeitquartiere noch einen weiteren nicht unwesentlichen städteplanerischen Vorteil haben. Wiederum der Nichtzerstörung im Krieg geschuldet, hat es in Halle keine Neuordnung des Verkehrsraumes gegeben. Außer der extremen Weitung des Riebeckplatzes sind fast ausnahmslos alle Hautverkehrsstraßen in Halle zweispurig – Halle ist so gesehen im Verhältnis seiner Größe eine vollkommen autounfreundliche Stadt. Dies hat aber der den Vorteil, dass fasst alle Gründerzeitquartiere weder durch überbreite Straßen zerschnitten werden noch das vier- oder gar sechsspurige Trassen die Innenstadt von den angrenzenden Wohnquartieren abschneiden. Sondersituation ist die Hochstraße, die aber nicht mit der Zerstörung des ursprünglichen Verkehrsraums entstanden ist, sonder mitten durch den breitesten Bereich zwischen Alstadt und Glaucha geführt wird. Ihre Existenz wird zunehmend infrage gestellt mit der Erosion von Ha-Neu. In Halle ist der Übergang zwischen Altstadt und Gründerzeitquartier ausgesprochen fließend. Dies führt dazu, dass vor allem die Randkanten der Gründerzeitquartiere „gehalten werden können“, weil die Emissionsbelastungen verhältnismäßig gering sind. Dadurch wirkt Halle – wie viele Besuche immer wieder bestätigen - als relativ stark verdichtet und kompakt. Der Nachteil ist, Halle kann nur schwerlich den heutigen Ansprüchen eines auf motorisierter Basis getragen wirtschaftlichen Wachstum mithalten. Ökonomisch gesehen, kann Halle bei den wirtschaftlichen Wachstumszahlen mit den autofreundlicheren Städten wie Chemnitz, Dresden, Magdeburg oder Leipzig nicht mithalten. Ähnlich ergeht es auch Erfurt. Hat also alles seine Vor- und Nachteile. Hinzukommt allerdings noch, dass es im Vergleich zu den kreisfreien Städte Sachsens und Thüringens für Halle und Magdeburg überhaupt keine Eingemeindungen nach 1989 gegeben hat, sodass die Besserverdienenden und großen Unternehmen nicht in der Stadtstatistik auftauchen.

  • Abrisswelle in Halle/Saale

    Roland
    Sicher sind Leerstände und Abrisse komplexe Probleme, die vielfältige Ursachen haben. Allerdings bin ich schon der Meinung, dass die hallesche Lokalpolitik einen großen Anteil an der ganzen Misere hat.


    Ich kenne ja auch die Verhältnisse in anderen Städten, wie in Berlin, in Potsdam, in Jena oder in Leipzig, und ich habe nirgendwo solch ein Ausmaß an Verfall gefunden wie in Halle. Natürlich hatten all die Städte ihre Nachwendekrisen, Potsdam schrumpfte beispielsweise von 143000 Einwohnern im Jahr 1989 auf 128000 Einwohner im Jahr 2001. Auch hier gab es Leerstände. Doch die Potsdamer Stadtverwaltung hat sich mit der Krise nicht abgefunden und auch kein Abrissprogramm gestartet, sondern überlegt, wie sie neue Einwohner anwerben kann. Heute zählt Potsdam 155000 Einwohner (gut, davon sind 10000 durch Eingemeindungen hinzugekommen), für 2020 werden 167000 bis 172000 Einwohner erwartet. Leerstandsprobleme und Abrisse sind hier überhaupt kein Thema, dagegen herrscht mittlerweile ein Wohnungsmangel. Ähnlich ist die Lage in Berlin oder Jena. In Berlin gab es von 2003 - 2008 Abrisse, mittlerweile werden diese Abrisse schon wieder bereut, weil die Wohnungen auch hier langsam knapp werden. In Jena gab es von 2002 - 2005 Abrisse, auch diese werden mittlerweile bereut, weil hier heute ein Mangel an preiswerten Wohnungen herrscht.


    In Halle ist von solchen Erfolgsgeschichten überhaupt nichts zu merken. Wenn man die Verantwortlichen in Halle, wie den Leiter des Stadtplanungsamtes Jochem Lunebach reden hört, dann hört man immer nur, dass man an der Krise nichts ändern könne und dass man die Leerstände einzig durch Abrisse beseitigen könne. Die Krise wird in Halle als etwas Naturgegebenes betrachtet, das nicht verändert werden kann und auf das man nur mit Abrissen reagieren kann. Diese Einstellung geht an den realen Potenzialen der Stadt völlig vorbei. Halle verfügt über eine beneidenswerte Verkehrsanbindung durch die Bahn, die Autobahn, den Flughafen und die Saale. Halle besitzt eine große Universität, eine Kunsthochschule und den zweitgrößten Technologiepark Ostdeutschlands (nach Berlin - Adlershof), dazu gibt es ein reiches Kulturleben und die Nähe zu Leipzig. Halle könnte die gleichen Erfolge wie Potsdam oder Jena erzielen. Doch aus dem Stadtplanungsamt hört man immer nur die gleichen Rezepte: Abriss, Abriss und noch mehr Abriss. Und diese Abrisse sollen nach Aussage von Jochem Lunebach nicht dazu dienen, die Stadt attraktiver zu machen, sondern das Mietniveau hoch zu halten. Ich finde diese Herangehensweise vollkommen fantasielos.


    Auch Glaucha halte ich nicht für eine Erfolgsgeschichte. Zu Glaucha muss man sagen, dass dieser Stadtteil erstens in den 80er Jahren komplett saniert wurde (Angeblich sollen dort die DDR-Spitzenpolitiker Horst Sindermann und Margot Honecker mal gewohnt haben.) und zweitens baukulturell von eher untergeordneter Bedeutung ist. In Glaucha gab es deshalb gar keinen großen Sanierungsbedarf. Daher halte ich es für einen Schildbürgerstreich, dass ausgerechnet Glaucha mit reichen Fördermitteln beschenkt wird, obwohl doch beispielsweise die Altstadt baukulturell viel wertvoller und zudem von seinem baulichen Zustand her deutlich prekärer als Glaucha ist. Wenn man den Eigentümermoderator Herrn Lindemann in die Altstadt geschickt hätte, damit er wertvolle Baudenkmäler wie die Schulstraße 11 oder die Kleine Steinstraße 3 rettet, dann hätte ich das verstanden. Aber Glaucha? Angesichts dieser Fakten halte ich den "Glaucha-Effekt" für einen teuer bezahlten Etikettenschwindel.

  • Vielen Dank für die ausführliche und sehr interessante Darstellung. Die Erfahrungen in anderen Städte schärfen immer auch den Blick für eigene Entwicklungen. Den grundsätzlichen Unterschied zwischen beiden Städten sehe ich aber weniger in den Kriegszerstörungen durch den alliierten Bombenkrieg. Dieser hat zwar das Chemnitzer Zentrum ausgelöscht, die umliegenden Gründerzeitviertel (Kaßberg, Schloßchemnitz, Sonnenberg) aber verschont. Zudem blieb das eigentliche Zentrum mehr oder weniger unbebaut, von überschaubaren Ausnahmen abgesehen. Die Kriegszerstörungen haben in Chemnitz allerdings nach der Wende zur Todsünde des Neubaus von riesigen Einkaufszentren außerhalb des Zentrums geführt, was sich bis heute verheerend auf Chemnitz auswirkt, weil sich dadurch ein attraktives Zentrum als Wachstumskern für die umliegenden Altbaubestände nur schwer entwickeln kann.


    Vielmehr sehe ich andere ausschlaggebende Punkte. Ganz wichtig ist aus meiner Sicht, daß Halle-Neustadt deutlich früher gebaut wurde als das Heckertgebiet. Da die Altersstruktur der Neubürger sicherlich wie in der ganzen DDR vergleichbar war, sind die Hallenser eben auch 10 Jahre eher in einem Alter, das sich auf die Vermietungszahlen negativ auswirkt. Wenn aus Halle-Neustadt statistische Angaben dazu vorliegen, wäre ein Vergleich sicher aufschlußreich.
    Den zweiten Grund kann ich nicht belegen, allerdings scheint es mir so, als hätten die in Wohnungsgesellschaften, die große Bestände in Halle-Neustadt halten, weniger Bestände in den Vorkriegsstadtteilen. Die GGG in Chemnitz hatte dummerweise riesige Gründerzeitbestände in ihrem Besitz, die - aus meiner Sicht - nach der Wende konsequent für Verwahrlosung und Abriß freigegeben wurden, um die wirtschaftlich wichtigeren Plattenbauviertel zu erhalten. Auf dem inzwischen fast durchsanierten Kaßberg war das nicht der Fall. In Halle hat die HWG aufgrund der früheren kommunalen Trennung offensichtlich überhaupt keine Bestände in Ha-Neu (dort ist hauptsächlich die GWG tätig, oder?). Die eigenen Neubaubestände (bspw. Silberhöhe) waren von den Umwälzungsprozessen nach der Wende vielleicht mehr betroffen und deshalb von einer weitsichtigen Politik eher aufzugeben.
    Diese Bereitschaft zum Rückbau scheint mir deshalb auch der dritte wichtige Unterschied zu sein. Sogar heute finden in Halle ja kontroverse Abrisse von Plattenbauten statt (Riebeckplatz, Steg-Hochhäuser), während Chemnitz bis heute davor zurückschreckt, seinen Bürgern die einfache Wahrheit mitzuteilen, daß solche Bauten keine Zukunft haben. Ich bin mir auch sicher, daß in die Chemnitzer Plattenbaubestände nach der Wende wesentlich mehr investiert wurde als in die Hallenser.


    Ein mit Deinen Schilderungen vergleichbares Projekt wie in Glaucha findet auf dem Chemnitzer Sonnenberg statt ("Konserviertes Stadtquartier"). Dabei fehlt es aber an den erwähnten massiven finanziellen Anreizen, zudem ist ein wesentlicher Teil der Gebäude im Besitz der GGG, die nach wie vor kein Geld für die Sanierung von Altbauten bereitstellt, sich aber hoffentlich über kurz oder lang wenigstens von diesen Beständen trennt.


    Klarenbach : Potsdam und Jena sind meines Erachtens nicht mit Städten wie Halle oder Chemnitz vergleichbar. Zum einen sind sie wesentlich kleiner, zum anderen ist die wirtschaftliche Situation gravierend anders. Potsdam hat mit Berlin ein Zuzugspotential in Millionenhöhe vor der Haustür, Jena ist die Umstellung von Plan- auf Marktwirtschaft außergewöhnlich gut gelungen.
    Abrisse im Plattenbaubestand sind auf jeden Fall richtig, da diese Wohnungen auf dem Mietmarkt immer unattraktiver werden. Steigende Mieten in der Stadt sind auch das beste Mittel, um die relativ kostenintensiven Investitionen in die Altbaubestände zu erzeugen. Das soll natürlich nicht heißen, daß man die in Halle abgebrochenen Altbauten nicht vielleicht hätte retten können. Die in den 80er Jahren sanierten Altbaubestände in Chemnitz (Brühl, Sonnenberg an der unteren Zietenstraße) stehen übrigens fast komplett leer, obwohl die Wohnungen dadurch zwar heutzutage trotzdem unvermietbar, aber immerhin in einem guten Erhaltungszustand sind. Da muß in Glaucha doch etwas richtig gemacht worden sein, soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann.


    Kurz: Mit konsequentem politischen Handeln hätte man in Chemnitz so viel erreichen können. Ich werde versuchen, über die interessante Entwicklung in Halle auf dem Laufenden zu bleiben. Wünschenswert wäre ein Abriß der fürchterlichen Hochstraße, aber auch in Halle-Neustadt gab es bei meinem letzten Besuch vor einem halben Jahr noch mehr als genug Abrißbedarf. Über weitere Beiträge zu aktuellen Entwicklungen in Halle hier würde ich mich freuen, zu einem ständigen Blick auf halleforum.de fehlt die Zeit.

  • Abrisswelle in Halle/Saale

    @Iquenth1
    Hier noch einige Informationen zum Umgang mit den Großsiedlungen in Halle:
    Tatsächlich sind in den halleschen Großsiedlungen zahlreiche Häuser abgerissen worden. Allerdings wurde dabei kein konzentrischer Rückbau "von außen nach innen", sondern ein disperser Rückbau praktiziert. Vor allem das Wohngebiet Silberhöhe besteht mittlerweile aus verschiedenen Siedlungsinseln.


    Die Ursachen für diesen dispersen Rückbau sind einerseits die Wohnwünsche der Bürger, die sich nicht einfach nach Belieben umsiedeln lassen, andererseits befinden sich auch in den Großsiedlungen viele Gebäude im Eigentum von Genossenschaften oder Privateigentümern, die man nicht einfach zum Abriss zwingen kann. Folgerichtig sind die Pläne des Stadtplanungsamtes für konzentrierte Abrisse am Rand regelmäßig gescheitert.


    Beispielsweise gab es 2006 Pläne, den am Rande der Stadt gelegenen Wohnkomplex 6 (WK 6) in Halle-Neustadt flächig abzureißen. Gegen diese Abrisse gab es massive Proteste von einer Bürgerinitiative und von Hauseigentümern. Ein Grund war, dass der WK 6 in der Nähe des Erholungsgebietes Heide und des Heidesees liegt und daher attraktiver als die zentraleren Wohnkomplexe von Halle-Neustadt ist. Zudem wandte sich der städtische Verkehrsbetrieb HAVAG gegen einen Abriss des WK 6, dieser hatte erst 2003 eine Straßenbahnlinie in den WK 6 gebaut. 2007 schließlich musste das Stadtplanungsamt die Abrissplanungen zurücknehmen. 2009 hat ein wichtiger Eigentümer im WK 6, die Halle-Neustädter WG, mit der Sanierung seiner Bestände begonnen.


    Weiterhin gab es Pläne, den Wohnkomplex Südpark in Halle-Neustadt flächig abzureißen. Der Eigentümer des größten Teils der Gebäude (eine französische Investorengruppe) entschloss sich allerdings 2008, seine Bestände komplett zu sanieren.


    Derzeit gibt es im Stadtplanungsamt Planspiele für einen kompletten Abriss des südlichen Teils des Wohngebietes Silberhöhe. Die Hauseigentümer setzen dagegen auf die Sanierung ihrer Bestände. Die Wohnungsgenossenschaft Freiheit hat 2008/2009 den südlichsten Teil der Silberhöhe aufwändig saniert, die Wohnungen sind dank ihres freien Blicks auf die Landschaft sehr beliebt. (Geplant wurde die Sanierung übrigens vom Chemnitzer Büro AIC Ingenieurgesellschaft für Bauplanung.) Ein weiterer Hauseigentümer, die WG Eisenbahn, hat 2009/2010 umfangreiche Sanierungen in der südlichen Silberhöhe (Dresdner Straße, Coimbraer Straße) durchgeführt.
    Die Folge: Halle wird immer mehr zur perforierten Stadt.

  • Zitat gelöscht. Bitte gemäß den Richtlinien keine ganzen Beiträge zitieren. Gruß, Cowboy.


    Klarenbach


    Ich gebe dir Recht, wenn du feststellst, dass in Halle noch auffällig viele Häuser - vor allem im Altstadtbereich - nicht saniert worden sind. Bitte vergleiche aber nicht Städte mit einander, die man nicht vergleichen kann. Gerade das von dir genannte Potsdam hat schwere Zerstörungen kurz vor Kriegsende erlitten, sodass die nach der Wende zu sanierende historische Bausubstanz beherrschbar war und wie lguenth1 schon festgestellt hat, fungiert Potsdam als Wurmfortsatz von gut Verdienenden aus Berlin.


    Ich widerspreche dir energisch, wenn du schreibst, in Halle wird mit Abrissen geantwortet. Das ist definitiv falsch. Von Seiten der Stadt und Landes werden reichlich Fördermittel bereitgestellt, um gerade schwierige vorgründerzeitliche Baudenkmäler in Ordnung zu bringen. Nur ist dieser Prozess sehr mühselig. Die Investitionssumme für die DENKMALGERECHTE Sanierung eines Barock-, Rokko- oder Renaissancehauses in Fachwerkausführung ist enorm; unvergleichlich zu einer Gründerzeithaussanierung. Die Renditeaussichten sind sehr marginal, aber nur Private können so was überhaupt stemmen. Deshalb ist notwendig, ein fördermittelrechtliches und steuerrechtliches Finanzierungskonstrukt aufzubauen, was in seiner Kompliziertheit der Genehmigung der mittleren Denkmalbehörde, also des Regierungspräsidiums, benötigt. Ihr dürfte nicht unterschätzen, wie umständlich dieser Weg ist.


    Ein Beispiel:
    Brüderstraße / Ecke Kl. Steinstraße ist ein aus Haus von 1600, bekannt unter "Alte Marktwirtschaft", wird ab Frühjahr angefasst; die Prüfung dauerte aber zwei Jahre!


    Im letzten Jahr wurde die Rannische Straße 9 (verputzter Renaissance-Fachwerkbau aus der 2. H. 16 Jh.). Auch hier war die Vorarbeit enorm.


    Seit letztem Jahr wird ein Ensemble angefasst, welches die meisten schon aufgegeben haben: Mittelstraße 17-19 http://www.mz-web.de/servlet/C…Artikel&aid=1286541155318.


    Auch die Talamtstraße 9 (16. Jh.) wird angefasst.


    Gegegenwärtig gibt es in Halle laut Stadtverwaltung im Altstadtbereich insgesamt 22 Objekte (incl. die aufgezählten Sanierungsobjekte), die aufgrund ihres Bauzustands als gefährdet eingestuft sind. Wer Interesse an der Liste, kann sich ja melden.


    Deine Glaucha-Position kann ich nicht unkommentiert so stehen lassen: Zwar hat es in Glaucha in den 80er so genannte DDR-Sanierungen gegeben, aber die 30 Sanierungsobjekte, die es betrifft, sind ausschließlich teils extrem baufällige Häuser und waren wohl seit 100 Jahren nicht mehr angefasst worden. Gründerzeithäuser wie die Torstraße 18 und 30 und Lerchenfeldstraße Ecke Hirtenstraßen waren allesamt totale Ruinen: durchgebrochene Zwischendecken, eingestürztes Treppenhaus etc. In der Regel fasst man so was nicht mehr an, sondern baut neu. http://www.kuhnimmobilien-halle.de/maklerplus/


    Mir geht das auch nicht schnell genug, aber erzwingen kann man es in einem Rechtsstaat nicht. In Halle ist aus meiner Sicht sehr wichtig, dass es eine stärke Aufwertung des öffentlichen Straßenraumes gibt. Halle ist die Stadt der Pflastersteinstraße, die ist nicht gerade einladend, hier ist Konservierung der Stadt aus der Jahrhundertwende alltäglich.


    @ lguenth1
    "Die GGG in Chemnitz hatte dummerweise riesige Gründerzeitbestände in ihrem Besitz, die - aus meiner Sicht - nach der Wende konsequent für Verwahrlosung und Abriß freigegeben wurden, um die wirtschaftlich wichtigeren Plattenbauviertel zu erhalten. Auf dem inzwischen fast durchsanierten Kaßberg war das nicht der Fall. In Halle hat die HWG aufgrund der früheren kommunalen Trennung offensichtlich überhaupt keine Bestände in Ha-Neu (dort ist hauptsächlich die GWG tätig, oder?)."


    Das ist ein entscheidender Punkt. In Halle gibt es zwei städtische Wohnungsgesellschaften, die aufgrund ihrer Bestände unterschiedliche Interessen haben, und da kommt es der HWG zu gute, dass ihr wesentlicher Bestand Altbauten sind. Die GWG hat ausschlielich Plattenbauten in Ha-Neu. Übrigens der größte wirtschaftliche Ertrag für eine kommunale Wohnungsgesellschaft ist nicht der Abriss ihrer Bestände, sondern immer noch der Verkauf. Mit dem Stadtumbau Ost bekommt man für jeden abgerissen m² rund 60 Euro + Altschuldentilgung. Beim Verkauf würde man deutlich mehr erzielen. Also sogesehen tun die Städte und die kommunalen Gesellschaften zu Lasten ihres Vermögens viel für die Normalisierung des Wohnungsmarktes, das darf man nicht unterschätzen. Wenn aber wie von lguenth1 aus Chemnitz geschildert, die dortige städtische GGG entschieden hat, statt der Platte die unsanierten oder teilsanierten Altbaubestände abzureißen, weil man die Plattenbestände in den 90er großflächig saniert hat, ist das natürlich verherend. Nach meiner Einschätzung hat man in Halle stadtplanerisch entschieden und darüber gibt es einen großen politischen Konsens, dass man sich von den Plattenbaubeständen trennt. Die Hochhäuser, wie angesprochen, im Innenstadtbereich werden komplett verschwinden. Wie gesagt, dass funktioniert auch stadtplanerisch relativ gut. Also von meiner Warte aus beurteilt gebe ich dir recht: Wenn die GGG gewollt hätte, wäre der Stadtumbau in C anders zu machen. Vermutlich spielen hier auch in Chemnitz haushaltspolitische Erwägungen einen Grund? Sprich die GGG sollte viele Mittel über Abbrüche und Entschuldungen reinholen, damit die Gewinnausschüttung an die Stadt hoch bleibt?


    Die von Klarenbach vorgetragene Position, dass Halle eine perforierte Stadt werde, könnte höchstens nur für die Großwohnsiedlungen gelten. Stadtumbau ist ein Prozess, naturgemäß verläuft er nicht wie am Reißbrett und nicht immer geradlinig, denn die Vielzahl von Akteuren am Stadtumbau ist groß. Vollkommen klar ist aber auch, dass die Wohnugsabbrüche an der städtischen Peripherie stattfinden, in Halle also in den Plattenbaugebieten geschehen und nicht innerhalb der kompakten Stadt. Die angebrachten Sanierungen von Beständen in der Silberhöhe fanden im "wahrscheinlichen" Restkern der Silberöhe statt. Es darf zum jetzgen Zeitpunkt davon ausgegangen werden, dass es kaum eine ostdeutsche Großstadt geben wird, die restlos eine Großwohnsiedlung tilgen kann. Es wird also darauf ankommen, dass dieser Rückbau auf den "urbanen Kern" einer Großwohnsiedlung ausgerichtet wird. Damit hat man fast alles erreicht, was man braucht, da die Einwohnerentwicklung in den ostdeutschen Großstädten, wie sich gegenwärtig abzeichnet, tendenziell positiv verlaufen dürfte.


    lguenth1 sprach aber von einem Umstand, ich hoffe, ich habe dich richtig verstanden, dass die GGG in Chemnitz kaum oder gar keine Abbrüche in den Großwohnsiedlungen vorgenommen hat, sondern ihre Altbaubestände zum Stadtumbau (miss-)gebraucht?