Neubau Polnische Botschaft (Unter den Linden 70-72)

  • Ach, wie schade. Das geliebte Feindbild Lüscher ist gar nicht dafür verantwortlich. Aber schön, dass uns das immer wieder aufs Tablett gestellt wird.

    Danke Klarenbach für die Richtigstellung.


    Ich warte mit meinem Urteil bis zur Fertigstellung des Gebäudes. Wenn erstmal die Absturzsicherung und der Bauzaun entfernt worden ist, stellt sich das Gebäude ein bisschen besser dar. So meine Hoffnung.

  • Tagsüber könnte man das auch erreichen, würden die zurückgesetzten Bereiche einfach farbig gestrichen. Ein schönes Gebäude wird trotzdem nicht mehr daraus. Das Original, das seit 1967 an dieser Stelle stand, war immerhin ein Original (und Denkmal), während wir hier einen Retro-Stil sehen, der zu sehr vereinfacht. Man vollbringt nicht einmal mehr das Wenige, das die Moderne im 20. Jahrhundert noch draufhatte. Kunst am Bau, welche auf die Fußgänger und die Lage Bezug nahm und auch etwas Farbe und Materialvielfalt bot der Vorgänger noch. Baukulturell wird durch den Neubau nichts gewonnen.

  • Hier kann man eigentlich nur noch künstlerisch mit schön gestalteten eventuell geschmiedeten Brüstungen gegensteuern. Warum nicht in jeder Nische ein barocker Schwung oder umgekehrt oben ein schöner Baldachin, ein- und ausklappbar. Oder etwas mit transparenten Kunsstoffelementen über die gesamte Fassade verteilt. Normalerweise werden solche Aufträge Repräsentanzen und Botschaften betreffend den besten Künstlern des Herkunftlandes erteilt. Eine Botschaft ist die Visitenkarte eines Landes und sollte von etwaigen, vorhanden Gestaltungssatzungen ausgenommen sein.

  • Danke für die Eindrücke.

    Den Fotos nach, ein angenehmes Lichtdesign, dieses stimmungsvolle Glühen.


    Nur geht da abends kaum einer Spazieren.


    Im Dunkeln sind die Linden, abseits spezieller Events am Pariser Platz, dort sowieso völlig ausgestorben.

    Und für so ne Lichtshow läuft da auch keiner hin.


    Was soll man auch da.

    Um sich lediglich ne nette Putzfrauenbeleuchtung aus irgendwelchen Steintapezierten Bürokisten anzugucken braucht es keinen Abendspaziergang unter den westl.Linden.


    Ich denke schon, dass man hierzu, das Personal der vergangenen Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung, und die Senatsbaudirektion mit in die Verantwortung nehmen kann.


    Sowohl architektonisch als auch in der Funktion sind die Linden hier als Prachtboulevard völlig unbrauchbar entwickelt.


    Genauso wie Kleemann und Jakubeit ihrerzeit, mit der Glasfassade der ADK am Pariser Platz, ihre eigene alte Gestaltungssatzung für die Linden sichtlich ignoriert haben, sind auch die wenigen Neu und Um-Bauten unter den Linden aus den letzten 14 Jahren sehr großzügig mit der Auslegung der neuen Gestaltungssatzung umgegangen.

    Personell gab es über die versch. Legislaturen hinweg, hier nur eine wirksame Konstante.


    Lüscher war seit 2007 - 2021 sowohl Senatsbaudirektorin, als auch Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

    Die Änderung der Baugestaltungsverordnung erfolgte in 2009.

    Es wäre seltsam wenn sie qua Funktion keinen Einfluss darauf gehabt hätte.


    Sie wurde vom BDA mit allerlei Hinweisen und Verbesserungsvorschlägen sogar persönlich angeschrieben, als es um die Veröffentlichung der neuen Baugestaltungsverordnung zu den Linden, durch Reyer kam.


    Man darf also schon annehmen, dass Sie als Ansprechpartner und Autorität für die Auslegung, Forderungen und Formulierungen innerhalb der Baugestaltungsverordnung von dieser einflussreichen Organisation angesehen wurde.

    Zudem wurde von ihr das sogenannte Baukollegium bereits 2008 entwickelt - dass meinte eine gewisse Baukultur für die Stadt sicherstellen zu können.

    Die bevorzugten Tendenzen dieses Gremiums unter dem Vorsitz Lüschers wurden recht schnell deutlich und die Projekte zeigten wenig Varität im Stil.


    In der Folge entstand ein Klima von vorauseilender opportunistenarchitektur das sich sehr auf eine Neumoderne Kennung limitierte und damit doch sehr auf die Person Lüscher zugeschnitten war.


    Zeit ist Geld und wer bauen möchte, verrennt sich nicht in ästhetischen Coloraturen die dann dem Bekannten Gusto einer vorgeschalteten Geschmackspolizeilichen Gremiums sowieso zuwiderlaufen.


    Für die poln. Wahl zur Architektur der. Botschaft dürfte das mittelbar nach einem bereits abgelehnten Entwurf, der sehr wohl ein Steigendes Dach und künstlerische Applikationen in Metall bereit hielt, erst recht unter dem Eindruck wachsender finanzierungsschwierigkeiten nicht unbedeutend gewesen sein.


    Der vorangegangene Entwurf zur polnischen Botschaft wurde noch ästhetisch bemängelt, u.a galten Metall-Applikationen als den Gestaltungs-Regelungen für die Linden von 1997 zuwiderhandelnd und wurden durch den Senat abgelehnt - Aus heutiger Sicht hatte der Entwurf aber m.M mehr mit den Forderungen der Verordnung gemein, als der heutige Bau der sich nicht mal mehr um ein Staffelgeschoss bemüht, das als Alternative mit Distanz im Neigungswinkel auch weiterhin gültig gefordert gewesen wäre.


    Mit dem Neuen Entwurf war dann wie beim Selbertbau und dem Entwurf zur Komischen Oper alles ganz toll - alles Projekte für die Linden in der Amtszeit Lüschers, die ihrer persönlichen ästhetischen Präferenz und ihrem dogmatischen Abwehren von Bezügen zu einem historischen Stadt- Bild der Vorkriegszeit, entsprechen.

    Die Begründung des Preisgerichtes zum Selbertbau liest sich schon Bezugnehmend auf die Einschätzung der Stadtentwicklung, sehr verbogen.


    Nur als Bsp., das in der Baugestaltungsverordnung geforderte Stehende Fensterformat soll demnach in den nahezu quadratischen Fensterformen, die wunderbar zur poln. Botschaft aufschließen, durch die geteilten Fensterflügel erreicht werden.


    Das ist doch hanebüchen.


    Wer von der Stadtentwicklung kommt zu so einer Einschätzung und wer hätte beim Entwurf der neuen Pol. Botschaft hier wie bereits beim vorangegangenen Entwurf nach Position und mit seiner fachl. und Expertise insistieren können?


    Sicher sind selbst mit hist. Referenz nicht alle Bauten Dachsichtig gewesen - ein steigendes Dach und stehende Fensterformate hatten trotzdem alle. Die Anrainerbauten der Linden waren zudem in ihrer Gestaltung trotz ihrer Individualität -durch die ästhetischen historischen Codes und dem gemeinsamen Nenner der Fraktalen unterhaltsamen Fassadenbilder, untereinander beziehungsfähig und boten damit einen genussfähigen harmonischen Anblick, der im Gesamteindruck der Linden als Repräsentative Laufmeile überzeugen konnte.


    Diese harmonische Pluralität und für einen hist Boulevard passende Opulenz ist mit der regiden Traufhöhenbegrenzung und dem puristischen Begabungen der zeitgenössischen Architektur kaum mehr vergleichbar herzustellen - weswegen der Verweis auf die hist. Konstitution hier gar keinen Sinn macht.


    Zudem dienen die Bauten in ihrer einem „Prachtboulevard“ wiedersprechenden Reduktionsästhetik überwiegend distanzierten Zwecken, so dass selbst die eingeforderte Schaufensterzone bei umsetzung dort- zwar Boulevardgerecht tut aber einen überschaubares Brauchbares Angebot bereithält.

    Die Schaufenster von Selbertbau sind eher reines Feigenblattbproforma und

    bedienen wenn überhaupt auch nur schwache Partikularinteressen.

    Die Zielgruppe des Flaneurs der spontan und genussorientiert irgendwo einkehrt, existiert für diese Angebote hier gar nicht.


    Zudem frag ich mich welche Prioritäten der Denkmalschutz der sich ja auch in der Gestaltungsverordnung auslebt - hier verfolgt. Während an der KO pedantisch die Originale Steinverkleidung aus den 60ern. Wiederhergestellt wird, nahm man den Abriss des denkmalgeschützten Wiratex und zuletzt der Abriss der polnischen. Botschaft eher hin.

    Es fand sich auch kein vergleichbarer skandalisierender Widerspruch von Seiten best. Architekten und Stadt-Planer.

    Die Truppe die sich äußerst bemüßigt fühlte, gegen den Abriss des nicht mal denkmalwerten Düttmanbaues an der Urania zu demonstrieren blieb bei den Abrissen bestehender Denkmalwerte merkwürdig stumm.


    Der Umgang mit den Linden und ihre Entwicklung war seit der Jahrtausendwende doppelzüngig und völlig gegenläufig zu den Urbanen Anforderungen die ein lebensfähiger Boulevard und seine Umgebung brauchen.


    Eine Verbesserung im Angebot der Linden ist mit dem Bau der Pol. Botschaft nicht zu erwarten - die hist. rel. junge funkt.Tradition hier, hätte man n.M.E.nicht weiterführen müssen/dürfen- und wäre im Tiergarten genauso gut aufgehoben gewesen.

    Stattdessen setzt man mit ihr. hier einen weiteren wenig Aussenwirksamen Zweckbau der überhaupt keine ausreichende, sinnvolle Attraktion für die Retour des Boulevards darstellt.


    Das städtische Gefüge ist hier in der ästhetischen und funktionalen Qualifizierung derart aus den Angeln geraten dass man sich nicht wundern muss wenn nicht nur der Boulevard nicht mehr überzeugt weil das Publikum mächtig sinnfrei umherstrolchen muss und außer der Eventlocation und Knipser vorm BBT keinen Mehrwert mehr vorfindet, sondern auch die Friedrichstraße dahinvegetiert.

    Das ist das Ergebnis einer völlig fehlgeleiteten Stadtentwicklung und einer hier völlig ungeeigneten weil der Absicht eines „Pracht-Boulevards“ widerstreitenden nihilistischen neomodernen Architekturauffassung.

  • Nur geht da abends kaum einer Spazieren

    Ich war ab und zu mal abends da auch in der Dämmerung vorallem im Sommer. Da kommen auch am Abend viele Leute . Natürlich hast du auch recht nicht so viel wie am Tag.


    Letztendlich allgemein gesagt ich verstehe nicht wieso diese Botschaft so kritisiert wird. Natürlich hat jeder sein Recht auf seine eigene Meinung zu sagen. Mal gucken wie das am Ende wird vorallem gut/ schön zu sehen von Backstein Bild Bzw es erwähnt hat.


    Natürlich wenn ich die andere Botschaften sehe vor allem Richtung Adenauer Stiftung sehen die von Design / Form her besser aus. Trotzdem in diese Botschaft ( Polnische) finde ich es nicht schlecht den Bau.

  • ^^^ Oder man lässt die Beleuchtung auch tagsüber an. Vielleicht reicht das schon aus, damit die verschiedenen Eben der Fassade besser zum Ausdruck kommen. Mit LED sollte sich der Energieverbrauch in Grenzen halten.