Stadt der Moderne - Stadt im Umbruch

  • @ Klarenbach:


    Dass eine Schrupfung in Chemnitz von außen nach innen aufgrund mangelnder Bekenntnisse leider nicht der Fall ist, ist mir bewusst und ich halte es für fatal. Die Begründung findet sich in meinem letzten Beitrag. Vor allem aber ist ein derart aufgeblähter Stadtkörper bei einer Schrumpfung der Stadt in Zukunft (jaja, ich weiß: sie 'wächst' um wahnsinnige 400 Menschen letztes Jahr.... wow!) nicht zu erhalten. Die von dir angesprochenen Eigenheimsiedlungen haben durchaus ihre Berechtigung, allerdings sind die Zeiten des Booms schon längst überwunden, sodass auch hier ein Ende in Sicht ist (Schlagworte: 'Zurück in die Stadt'; 'Stadt der kurzen Wege',...).


    Du magst auch recht haben, dass die Wohnungsunternehmen heute besser da stehen als noch vor 10 Jahren- wäre es denn aber noch schlechter möglich gewesen? Auch hier bin ich der Meinung, dass sich die Wohnungsunternehmen, sofern sie sich an ihre peripheren Lagen klammern, in Zukunft deutliche Schwierigkeiten bekommen werden. Die zielgruppenspezifischen Sanierungen, die du angesprochen hast, deuten meiner Meinung schon auf diesen Trend hin.


    Cottbus war meine Referenz. Chemnitz lässt sich wohl kaum mit der ostdeutschen Vorzeigestadt Jena oder auch Potsdan vergleichen. Beide Städte haben es nicht nötig zu schrumpfen. Auch spielten die wirtschaftlichen Gegebenheiten der Stadt Cottbus keine Rolle. Lediglich die Schrumpfung von außen und die Verringerung der Fläche waren für mich ausschlaggebend und da hat es Cottbus geschafft den Lehrstand deutlich zu verringern, sich zu verkleinern und dadurch auch zukunftsfähig zu machen.



    @ rotwang: Kannst du zufälllig Neuigkeiten zur Neefestraße posten?


    Grüße

  • Sonnenberg - der Wandel nimmt Fahrt auf

    Stadtstreicher Heft 11/2011
    Freiraum Sonnenberg
    Ein Streifzug von Saskia Klimpel
    http://www.stadtstreicher.de/Heft/Archiv/33348/


    Fachforum "Altbaumanagement - Eine Alternative für Innenstädte" am 01.12.2011
    Das Fachforum wurde von Stadthalten Chemnitz e.V. als vorläufiger Abschluss des NSP-Projektes "Konserviertes StadtQuartier" durchgeführt. Ziel war, das eigene Projekt mit seinen Ergebnissen im Kontext der bundesweiten Entwicklungen im Stadtumbau und anderen Projektinitiativen zu setzen.


    http://www.stadthalten-chemnit…kte/altbaumanagement.html


    Besonders von Interesse, da z.B. oben angesprochen und von Klarenbach kritisiert:


    Eckhard Heumeyer, Vorstandsvorsitzender StadtHalten Chemnitz e.V.
    KONSERVIERTES STADTQUARTIER Chemnitz-Sonnenberg
    http://www.stadthalten-chemnit…orum-altbaumanagement.pdf

  • Es wird aber deutlich, dass die Ergebnisse des Konservierten Stadtquartiers (bisher) doch sehr mager sind. Interessant ist, dass die GGG in einem Jahr 15 Wohnungen im Projektgebiet abgestoßen hat.


    Auch der Vortrag von Börries Butenop enthält einige interessante Fakten, z. B. in welche Stadtteile Zuwanderung stattfindet und wie die Einwohnerentwicklung von 2005 bis 2010 in den Stadtteilen war.


    http://www.stadthalten-chemnit…aege/boerries_butenop.pdf

  • Man muss sagen, das sich praktisch auf dem unteren Sonnenberg nichts verändert hat außer das Bilder in den Fenstern hängen. Ich persönlich denke, dass das bei der Investorensuche eher hinterlich ist. Ich bin immer noch der Meinung, die untere Zietenstraße müsste mit Bäumen bepflanzt werden. GAb es da einen Vorstoß? Die Sanierungen von GGG und SWG sind für mich sehr erfreulich. Die Häuser eine Nummer kleiner zu machen ist die richtige Reaktion auf die Nachfrage dort. Besser als die Straße durch Abriss leer zu räumen. Diese Sanierungen sind auch eine Chance für die Gründerzeitgebäude an der Zietenstraße. Man sollte jetzt zu einer aktiven Investorensuche übergehen. Das Versteigern der Häuser über Auktionen würde ich aufgeben.
    Bei uns oben an der Sebastian-Bach-Straße und am Lessingplatz stehen die Baugerüste ...

  • Sandro, für Dich ist vielleicht die Zuschauerfrage aus der heutigen Freien Presse interessant, weil dort im Prinzip die nächste Ersatzvornahme angedroht wird, und zwar in Harthau:


    Was passiert mit dem baufälligen Haus an der Harthauer Straße 44, fragt Leser B. Eschl aus Harthau. Der Fußweg dort sei wegen des Hauses schon seit Jahren auf die Fahrbahn verlegt worden, was auf der schmalen und abfallenden Strecke besonders im Winter für Fußgänger sehr beschwerlich sei.


    Die Absperrung sei erforderlich, weil das Gebäude nicht mehr standsicher sei und die Gefahr bestehe, dass Bauteile herabstürzen, teilt die Pressestelle des Rathauses mit. Der Eigentümer sei aufgefordert, die Gefahr zu beseitigen und die Ruine abzureißen. Die Frist dafür ende am 29. Februar 2012. Sollte der Eigentümer der Aufforderung bis zu diesem Termin nicht nachkommen, werde ein Eingreifen durch die Behörde angedroht. (mib/kl)


    Bei der Harthauer Straße 44 müsste es sich im Luftbild um dieses Gebäude handeln.

  • Danke. Ich schaue einmal ob sich noch etwas bewegen lässt. Die Lage ist gut. Alle die dort saniert haben, erreichen Vollvermietung zu 5,50 kalt. Das Haus selbst ist allerdings in einem schlechten Zustand.

  • Ich würde mal die Frage aufwerfen, wo denn die Gründerzeitfans hier im Forum den Abriss von Gründerzeithäusern akzeptieren würden.


    Derzeit stehen in Chemnitz rund 16000 Altbauwohnungen leer, diese Zahl wird sich nach den Prognosen der Stadtverwaltung bis 2020 nicht wesentlich verändern, nach 2020 ist ein weiterer Einbruch der Nachfrage zu befürchten. Chemnitz wird also nicht um den Abriss von Gründerzeithäusern in erheblicher Zahl herumkommen. Wenn man rechnet, dass jedes Gründerzeithaus rund 10 Wohnungen beherbergt, dann gibt es in Chemnitz rund 1600 Gründerzeithäuser zuviel.


    Deshalb stellt sich die Frage, wo diese Abrisse verortet werden sollen. Auch hier wird zwar geschrieben, wo überall nicht abgerissen werden soll - nicht an der Bergstrasse, nicht an der Hartmannstrasse, nicht an der Neefestrasse, nicht in Harthau. Wo aber nun der notwendige Abriss von Altbauten realisiert werden soll, darüber schweigen sich die Gründerzeitfans aus. Der eigenen Glaubwürdigkeit dient dieses Ausblenden von Realitäten jedenfalls nicht.

  • Warum und wieso wurde hier auch schon ypsen mal von mehreren Personen erläutert. Die Gründerzeitviertel liegen allesamt zentraler als die großen Neubausiedlungen. Bevor man also Altbauwohnungen abreisst und so Straßenzüge weiter zerfleddert sollte man vorrangig dort überschüssigen Wohnraum abbauen. Danach kann man immernoch beurteilen was abgerissen werden muss und was nicht. Letztendlich sind sanierte Altbauten attraktiver und für das Stadtbild wichtiger, zumal die Platten ebenfalls sanierungsbedürftig sind.

  • Ich habe nirgendwo geschrieben, dass ich den Abriss dieses Gebäudes nicht akzeptieren würde. Dazu kenne ich weder den Zustand noch die Situation in Harthau genau genug. Den Vorschlag, 1600 Gründerzeithäuser abzureißen, lasse ich besser unkommentiert.

  • Die Situation, welche Sie (Klarenbach) beschreiben, ist die, in welche uns die in den letzten 20 Jahren Verantwortlichen gebracht haben.
    Die Antwort auf die Frage, die Sie immer wieder stellen ist; die großen Wohnungsgesellschaften werden ihre Plattenbaubestände kein 2. mal sanieren können, weil sie abgerissen werden müssen. Die kleinteilige Kernstadt muss erhalten und weiter entwickelt werden. Da liegt der Schlüssel für den Erfolg der Stadt Chemnitz. Wir werden auch nicht darum herum kommen, die Innenstadt an ganz anderen Stellen neu zu bauen, wie es derzeit noch geplant ist.


    So wie Sie sich hier für die Sanierung von Plattenbauten aussprechen und wie Sie dahingehend mit Wissen aufwarten können, vermute ich, das Sie von einem der Chemnitzer Wohnungsunternehmen kommen, welche diese Gebäude im Bestand haben. Das ist nicht schlimm aber wenn das so oder ähnlich sein sollte, fände ich es ganz fair, wenn Sie das einmal erwähnen würden.

    Einmal editiert, zuletzt von rotwang ()

  • Anbei einmal etwas aus Halle an der Saale herüber kopiert:


    Der Bevölkerungsschwund betrifft nur die Plattenbaustadtteile Neustadt (ca. -45% seit 1990) und besonders Silberhöhe (ca. -55%) sowie die Südstadt. Die innerstädtischen Stadtteile nördl. + südl. Innenstadt sowie die Altstadt haben seit 1995 einen Bevölkerungszuwachs, der bis etwa 2020 anhalten soll. Von daher steht einer kontinuierlichen Sanierung der Altbauten bevölkerungstechnisch nichts im Wege.


    Von der Silberhöhe habe ich auch ein paar Bilder auf meinem Rechner. In den letzten Jahren wurden dort u.a. die beiden 22-Geschosser flachgelegt. Auf den riesigen Flächen der vielen abgerissen Riegel, werden nun tausende Bäume gepflanzt. Die Silberhöhe will sich zukünftig als "Waldstadt" vermarkten.

  • Ich habe meiner Frage nicht meine persönliche Einschätzung zugrunde gelegt, sondern die offiziellen Zahlen der Stadtverwaltung. Diese Zahlen beruhen wiederum auf einer Wohnungsmarktstudie des Büros Analyse & Konzepte (Hamburg / Droyßig). Wie schon gesagt, meine Aussagen zum Altbauleerstand sind nicht meine persönliche Einschätzung, sondern gut begründete Zahlen.


    Ich finde es daher nicht redlich, wenn einige Diskutanten jetzt so tun, als ob diese Fakten nicht relevant wären und völlig unrealistische Erwartungen entwickeln. Die Untersuchungen von Analyse & Konzepte gehen zwar von einem leichten Rückgang der Nachfrage nach unsanierten Plattenbauten aus, aber es gibt eben keinerlei Anzeichen für eine massive Verlagerung der Nachfrage aus den Plattenbauten in die Gründerzeithäuser. Auch die Vorstellungen von rotwang bezüglich der Zukunft der Plattenbaubestände sind völlig unrealistisch. Es gibt keinerlei Anzeichen für weitere größere Abrisse im Plattenbaubestand. Von allen größeren Wohnungsunternehmen kommt ganz klar die Aussage, dass sie mit den Abrissen durch sind und dass sie künftig nur noch kleinteiligere Maßnahmen (z.B. Stilllegung der oberen Geschosse) umsetzen werden. Auch die Aussage, dass die sanierten Plattenbauten jetzt noch einmal saniert werden müssten, ist falsch. Gerade die Gebäude am Stadtrand (Markersdorf Süd, Hutholz Süd) wurden nach dem Jahr 2000 saniert, da fallen in den nächsten 20 Jahren keine größeren Sanierungsarbeiten an. Zur wirtschaftlichen Lage der größeren Wohnungsunternehmen in Chemnitz habe ich schon einiges geschrieben, von einer Insolvenz sind diese weit entfernt. Ich will auch noch einmal daran erinnern, dass der massenhafte Abriss von Plattenbauten nur aufgrund des Programms Stadtumbau Ost möglich war. Dieses existiert schon jetzt nur in reduzierter Form, um 2016 wird es ganz auslaufen. Auch deshalb ist die Hoffnung auf weitere Plattenbauabrisse völlig unrealistisch.


    Mir ist schon klar, dass einige Diskutanten hier eine große Zuneigung zu den Altbauten hegen und dass sie die Plattenbauten weit weniger schätzen. Viele wünschen sich daher, dass die Gründerzeitaltbauten möglichst komplett erhalten werden sollten und dass Abrisse einzig im Plattenbaubestand erfolgen sollten. Aber hier geht es nicht um Wunschvorstellungen, sondern um die stadtplanerische Reaktion auf die objektive Wohnungsnachfrage. Und da hilft Wunschdenken eben nicht weiter, da sind Konzepte nötig, die der realen Wohnungsnachfrage und den objektiven Möglichkeiten der Wohnungsunternehmen entsprechen.

  • Auch die Aussage, dass die sanierten Plattenbauten jetzt noch einmal saniert werden müssten, ist falsch. Gerade die Gebäude am Stadtrand (Markersdorf Süd, Hutholz Süd) wurden nach dem Jahr 2000 saniert, da fallen in den nächsten 20 Jahren keine größeren Sanierungsarbeiten an.


    Diesen Zeitraum nahm ich an. Dann bin ich Mitte 40 und möchte immer noch in einer schönen Stadt wohnen.
    Lieber Klarenbach, Sie können sich weiter an statistischen Betrachtungen laben; derart Ansichten haben aus Chemnitz das gemacht was es heute ist. Ich engagiere mich weiter für den Erhalt von Gründerzeitgebäuden. Mein Verstand und vor allem mein gesunder Sinn für Schönheit empfiehlt mir das. Ich bin jung genug um noch zu erleben, wer Recht hatte. Ihre Plattenbauten tragen nichts zur Entwicklung der Stadt bei weil Sie in ihrer Ästhetik banal sind. Damit ist das Ende dieser Architektur vorgezeichnet. Und vergessen Sie nicht, jetzt kommt eine Generation in die Verantwortung, die einen anderen Anspruch hat ...

  • Rotwangs Artikel kann ich eigentlich wenig hinzufügen. Aber vielleicht sollten Sie (Klarenbach) zur Kenntnis nehmen, dass es bei Fragen der Stadtentwicklung allgemein und Stadtarchitektur im Speziellen nicht allein auf die wirtschaftlichen Interessen und "objektiven Möglichkeiten der Wohnungsunternehmen" ankommt. Viel entscheidender ist gerade hier in diesem Forum der architektonische Qualität und die damit verbundene Lebensqualität der Stadt. Für Sie mag eine Stadt nur eine Ansammlung von Schlafstätten sein, die wirtschaftlich sinnvoll strukturiert und verkehrstechnisch günstig erschlossen sind. Für viele andere Menschen ist die Stadt ein gewählter Lebensraum, der durch die große Anzahl von Menschen und dichte Bebauung eine höhere Vielseitigkeit hervorbringt als jede weitläufige Trabantenstadt. Als Kaßbergbewohner kann man schon mal verzweifeln, wenn man keinen Parkplatz findet. Das nehme ich aber gern in Kauf, denn ich erreiche fußläufig in wenigen Minuten die Innenstadt, das Kino, den Supermarkt, mehrere Bäcker, Obst- und Blumenläden, Apotheken, Buchladen, Bushaltestelle, Bahnhof und diverse Kneipen. Wenn wir dann in der Dämmerung nach Hause gehen und uns die schönen und gut vermieteten Häuser ansehen (gerade in der Weihnachtszeit), dann wissen wir, dass wir hier richtig sind. Dafür nehme ich den Parkplatzmangel in Kauf, dafür verzichte ich auch auf den Winterdienst und auf den unverstellten Blick ins Gebirge.
    Das mag Ihnen banal und wenig rational vorkommen. Als Kind des Heckert-Gebiets kann ich diesem Stadtteil durchaus auch positive Erinnerungen abgewinnen. Aber dort zu wohnen wäre für mich nicht mehr denkbar. Die Neubaugebiete wurden geschaffen, um billigen modernen Wohnraum zu schaffen, als die Städte noch wuchsen und für den Altbau kein Geld mehr da war oder da sein durfte. Meine Eltern waren seinerzeit auch froh vom Lutherviertel mit Ofenheizung und Klo auf halber Treppe in die Platte ziehen zu können, zumal mit kleinen Kindern. Es wurden mit den großen Wohnungsunternehmen Strukturen geschaffen, die diese Wohnungen bauten und unterhielten. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Städte schrumpfen, es werden weniger Wohnungen benötigt. Dafür sind die Mieten höher und damit ist wieder Geld für Altbauten da. Eine rein wirtschaftlich materielle Sichtweise (in Chemnitz gern gepaart mit postsozialistischer Regulierungswut) hilft jedoch im urbanen Lebensraum nicht weiter. Im Gegenteil, warum sollte ich mich als Bürger der Stadt für die wirtschaftlichen Möglichkeiten der großen Wohnungsunternehmen interessieren? Warum sollte ich denen das Wort reden und warum tun Sie es? Zum Glück gibt es mittlerweile genügend private Investoren und sogar für Gebäude wie die Neefestraße 83 fand sich jemand, man wollte ihn offenbar nur nicht haben. Die Bürger der Stadt entscheiden, ob sie in einer Stadt leben wollen oder nicht. Die Interessen welcher Wohnungsbaugenossenschaft auch immer sind sekundär.
    Nicht jeder Altbau ist erhaltenswert. Nicht alles alte ist automatisch schön und jeder Neubau automatisch hässlich. Genau genommen sind doch die Platten mit ihren 20-30-40 Jahren auch schon Altbauten. Nur ist ihr architektonischer Wert in aller Regel nahe Null. Also weg mit den "wertlosen Plattenaltbauten an den Stadträndern"!


    Etwas anderes: Ich bin sehr froh, dass es Leute wie Rotwang gibt, die sich engagieren und damit tatsächlich etwas bewegen! Gerade das beweist mir, dass es auf bürgerschaftliches Engagement ankommt mehr denn je. Ich denke bzw. hoffe, dass auch in den zuständigen Stellen der Stadtverwaltung mehr und mehr die Einsicht einzieht, dass die Stadt nicht nur ein Sammelsurium von Immobilien ist, sondern Lebensraum von immerhin noch 240.000 Menschen.

  • Lieber hkremss,
    ich respektiere Ihre Vorliebe für Gründerzeitaltbauten und ich halte auch nichts davon, Gründerzeitaltbauten gegen den Willen der betroffenen Bewohner abzureißen. Ich teile auch Ihre Haltung, dass Stadtentwicklungskonzepte im Einklang mit den betroffenen Bewohnern ausgehandelt werden müssen.


    Allerdings will ich diese Forderung nicht nur auf die Bewohner von Gründerzeithäusern beschränken. Es gibt auch viele Bürger, die gern im Plattenbau wohnen und die keinerlei Bedürfnisse haben, in der Innenstadt oder in Gründerzeitquartieren zu wohnen. Auch was als schön empfunden wird und was nicht, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ich habe etliche Gespräche mit Bewohnern von Markersdorf Süd und Hutholz Süd geführt, und sie alle erklärten mir, dass sie sehr gern in diesen Gebieten wohnen würden und dass das Wohnen in Gründerzeitquartieren für sie nicht in Frage käme. Bei diesen Bürgern handelte es sich übrigens nicht nur um Senioren mit DDR - nostalgischen Neigungen, sondern es waren auch viele junge Familien darunter. Diese Bedürfnisse verdienen den gleichen Respekt wie die Interessen der Gründerzeitbewohner. Ich fand es daher völlig falsch, dass die GGG gut belegte Wohnblöcke in Hutholz Süd gegen den Willen der betroffenen Bewohner abgerissen hat.


    Von einigen Diskutanten hier im Forum wird diese Vorgehensweise nicht nur nicht kritisiert, sondern es wird sogar die Forderung nach noch massiveren Abrissen von Plattenbauten erhoben, und dass, obwohl klar sein dürfte, dass diese Forderung nur gegen die Interessen der betroffenen Bewohner durchsetzbar ist. Auch Sie schreiben: "Also weg mit den "wertlosen Plattenaltbauten an den Stadträndern"!" Diese Position finde ich völlig unakzeptabel. Solche Abrissplanungen wären nur durchsetzbar, wenn man die Bürgerbeteiligung auf null reduzieren würde, wenn man die Planungen über die Köpfe der betroffenen Bürger hinweg entscheiden würde, wenn man die Bürger dann gegen ihren Willen aus ihren Wohnungen herauskündigen würde. Letztendlich fordern Sie nichts anders als die Zerstörung der Lebensräume der dort lebenden Bewohner. Ich halte solch eine Verfügung über die Lebensräume anderer Bürger für eine Anmaßung und für ein Zeichen von Respektlosigkeit. Wie würden Sie es finden, wenn die Bewohner von Markersdorf Süd den Abriss Ihres Hauses und Ihre Umsiedlung nach Markersdorf Süd fordern würden? Ähnlich geht es den dortigen Bewohnern, wenn der Abriss ihrer Häuser gefordert wird. Von den Interessen der Wohnungsunternehmen, die die Umsetzung solcher Planungen ohnehin verhindern würden, will jetzt mal ganz schweigen.


    Vielleicht können wir uns ja darauf einigen, dass mehr Bürgerbeteiligung dem Stadtumbau gut täte, dass man Häuser nicht gegen den Willen der betroffenen Bewohner abreißen sollte und dass insgesamt ein etwas respektvollerer Umgang mit den unterschiedlichen Bedürfnissen gut wäre.

  • Eben jene Bürgerbeteiligung welche Sie ansprechen, hat es bei den Abrissen von Gründerzeitgebäuden nicht gegeben. Dafür gibt es Beispiele, so die Mietshäuser an der Körnerstraße, an der Pestalozzistraße, Klaffenbacher Straße etc. Bewohner wollten sogar Häuser kaufen und sanieren. Letztendlich sind wir da aber jetzt wieder bei der Eröffnung der Threads hier angekommen. Wir drehen uns im Kreis.
    Nun muss man aber feststellen, das in Chemnitz offensichtlich jede Wohnungsgesellschaft ihre eigenen Interessen vertritt. Letztendlich kann man das den jeweiligen Geschäftsführern gar nicht mal anlasten. Sie sind ja auch nicht angetreten die Stadt zu gestallten.
    Also was machen wir jetzt?

  • Klarenbach: Es würde der Diskussion generell guttun, wenn Sie kurz darstellen würden, welches persönliche Interesse Sie am Erhalt der Plattenbaugebiete haben. Für mich ist es nach den bisherigen Beiträgen naheliegend, dass Sie eine Position in einem der Wohnungsunternehmen bekleiden. Wohlgemerkt: Ich hätte damit kein Problem, sondern möchte nur ungefähr einordnen können, mit wem ich es zu tun habe.


    Ich brauche Ihnen wahrscheinlich auch nicht sagen, dass die von Abrissen betroffenen Mieter zwar verständlicherweise anfangs wenig begeistert davon sind, nach dem vom Wohnungsunternehmen finanzierten Umzug in eine meist bessere Alternativwohnung aber rückblickend keinerlei Probleme damit haben. Viele andere Städte haben gezeigt, dass solche Schritte im Sinne der Stadtentwicklung gangbar und richtig sind. Zumindest sollte eine Stadtpolitik aber den Mut haben, Investitionen in perspektivlose Stadtteile wie das Yorckgebiet bleiben zu lassen. Es ist schon absurd, wenn die CAWG in einem Stadtteil mit einem Altersdurchschnitt über 60 Jahren und nahezu ohne Geburten zusätzlich zu den bestehenden Spielplätzen weitere von der Stadt bezahlt haben will.


    Ansonsten darf man gerne auch den Blick in die Kleinstädte des Umlandes schweifen lassen, wo die demographische Entwicklung teilweise schon weiter ist als in Chemnitz. Ich kenne keine kleinere Stadt, in der die Plattenbaugebiete florieren würden, ganz im Gegenteil. Ich war heute erst wieder bei einem Kumpel in Hainichen, der dort momentan noch im immer leerer werdenden Plattenbaugebiet wohnt. Der hat sich einige hundert Meter weiter ein Bauerngebäude gekauft, dass er trotz des Aufwandes und der Kosten in den nächsten Jahren sanieren wird. Das ist nur eines von vielen derartigen Beispielen - ähnliche Beispiele in umgekehrter Richtung ohne finanzielle Motivation kenne ich persönlich nicht.

  • @Iguenth1
    Ich kann Ihnen versichern, dass ich keinerlei Positionen in der Wohnungswirtschaft bekleide. Ansonsten finde ich Ihre Frage schon etwas seltsam. Mit dem gleichen Recht könnte ich Sie fragen, warum Sie ein Interesse am Erhalt von Gründerzeitaltbauten haben, und ich könnte Sie verdächtigen, ein Eigentümer von Altbauten oder ein Funktionär von Haus & Grund zu sein. Aber auf diesem Niveau wollen wir doch nicht diskutieren oder?

  • Wegen Gefahr durch das angrenzende Gebäude Chemnitztalstraße 164 (Luftbild) wurde die Chemnitztalstraße zwischen Quer- und Dorfstraße ab Donnerstag halbseitig gesperrt. Anwohner hatten gemeldet, dass Gesimsteile vom Gebäude auf den Gehweg fallen. Der Privateigentümer habe angekündigt, bis zum heutigen Freitag sämtliche losen Teile vom Haus abzunehmen.


    Am 03.01.2012 wurde vermeldet, dass die halbseitige Straßensperrugn wieder aufeghoben werden konnte, weil der Eigentümer alle losen Teile vom Haus abgenommen habe.