Stadt der Moderne - Stadt im Umbruch

  • Anscheinend gibt es jetzt jeden Tag Abrißmeldungen aus Chemnitz. Daß diese aber durchaus unterschiedlich bewertet werden können, zeigt der heutige offene Brief der "Initiative zum Erhalt des Apolloviertels". Diese macht sich stark für den Erhalt der Gebäude Gustav-Freytag-Straße 4-20 (die drei Gebäude entlang der Straßenfront: http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000) und Karl-Immermann-Str. 24 und 28 (vermutlich zwei der drei direkt angrenzenden Gebäude). Aus meiner Sicht ist es um die Häuser an der Karl-Immermann-Straße wirklich schade, für diese könnte ich mir eine Zukunft vorstellen. Die Häuser an der Gustav-Freytag-Straße sind aber fürwahr kein Verlust, so realistisch muß man die Sache schon sehen. Dennoch reißt der wirklich aufschlußreiche Offene Brief viele interessante Gedanken an, gerade zur Art und Weise der Durchführung des Stadtumbaus in Chemnitz:



    Gefunden unter http://stadtf.vs120153.hl-user…B3/viewtopic.php?f=3&t=21

  • Stolz


    Der Mann, der sich dieser Häuser angenommen hat, ist unser Eigentümer. Ein sehr netter Mensch, stets um das Wohl seiner Mieter bemüht. Von solchen Menschen braucht Chemnitz mehr. Ich bin stolz auf diesen Mann.:)

  • @ lguenth1:
    Mit dem Blick auf die einzelnen Häuser magst Du recht haben, aber im Hinblick auf das ganze Viertel möchte ich Dir widersprechen. Die Argumente hat Robin Weisbach genannt, ich brauche sie nicht zu wiederholen. Ein Abruch gefährdet das unsanierte, aber bewohnte Gründerzeithaus in Privatbesitz in der Karl-Immermann-Str. 26 und die restlichen Häuser in der Apollostraße. In Leipzig und anderswo wurde die Bedeutung dieser Häuser in der ersten Reihe schon längst erkannt, in Chemnitz will man es nicht verstehen. Der Grund wird deutlich, die GGG entledigt sich durch den Abriss zugleich ihrer Altschulden, die meist von anderen Objekten, insbesondere den 70er und 80er Platten hierauf übertragen werden.


    Die Abriß-Entscheidung ist insofern absurd, als das eigentlich genau hier das studentische Viertel entstehen soll(te). Studenten nehmen bekanntlich auch etwas Lärm in Kauf, wenn dafür die Preise klein bleiben. Die größeren Räume sind doch bei solchen Blocks meist nach hinten raus in den grünen Hof und nach vorn nur Küche und Bad. Ein studentischen Viertel braucht nicht nur Studenten als Mieter, sondern auch günstigen Mietraum.


    Aber die GGG hat offenbar andere Pläne und wünscht sich andere Mieter als Studenten oder keine. Die genau gegenüberliegenden Häuser sind vor wenigen Jahren saniert worden und jetzt nur zum Teil vermietet. Das liegt aber weniger an der Lage als an den Mitpreisen, denn für das Geld bekommt man schönere Wohnungen in einer besseren Lage.

  • Ich kann die Argumente durchaus nachvollziehen. Aber zur Straße sind es noch 30 bis 40 m, zudem gibt es Baumbewuchs. Auch die Lücken zwischen den bestehenden Bauten sollte man beachten, diese wirken in der Regel als Lärmschneisen. Und leider werden die Studenten der TU, die über reichlich Wohnheimplätze und riesige Auswahl verfügen, nicht jeden Bau retten können.


    Vielleicht bietet der von Herrn Weisbach geäußerte Gedanke vom Lärmschutzwall tatsächlich am ehesten den Ansatzpunkt für eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung?


    Aber vielleicht können sich die Eigentümer auch an die Stadt wenden und auf finanziellen Ausgleich klagen. Denn kurioserweise befindet sich Chemnitz u.a. mit ihrer Tochtergesellschaft GGG in einem Rechtsstreit, weil diese Geld für die Aufwertung der Immobilien durch öffentlichen Wege-, Stellplatz- und Parkbau in Sanierungsgebbieten bezahlen soll. So will man insgesamt eine Million Euro eintreiben (http://www.freiepresse.de/NACH…LES/CHEMNITZ/1439586.html).


    Allerdings habe ich noch nichts davon gehört, ob man für den Wertverlust durch städtische Abrißmaßnahmen auch als Hauseigentümer Geld von der Stadt eintreiben kann ;-).

  • Gab es für die Häser an der G. Freitag Straße nicht Interesse von der Uni dort Boardingwohnungen einzurichten? Möbliete Wohnungen in Uni Nähe für Leute die nur wenige Monate für Projekte an der Uni arbeiten ...

  • PRESSEMITTEILUNG 37 Chemnitz, den 19.01.2009
    http://www.chemnitz.de/chemnit…l_Anzeige&id=7916&woher=1


    Chemnitz 2020 – Leitlinien für die Stadt der Moderne
    7. StadtWerkstatt am 29. Januar in der Mensa der TU


    Für Donnerstag, den 29. Januar lädt die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig zur 7. StadtWerkstatt um 17 Uhr in die Mensa der Technischen Universität ein.
    Unter dem Thema: „Chemnitz 2020 Leitlinien und Konzeptbausteine” stehen die Ziele des Städtebaulichen Konzeptes (SEKo) und die fachübergreifend zu erarbeitende Strategie für die Entwicklung der Stadt Chemnitz zur Diskussion. In Anknüpfung an die Auftaktveranstaltung im November 2007, auf der Ziele und Entwicklungsrichtungen erstmals öffentlich diskutiert wurden, stellt die Verwaltung der Stadt Chemnitz nunmehr Entwurf und Arbeitsstand zum SEKo Chemnitz 2020 vor. Er soll mit exponierten Partnern der Stadtentwicklung und interessierten Bürgern diskutiert werden.
    Die Ergebnisse dieses Verständigungsprozesses werden dokumentiert und fließen bei der Präzisierung des Konzeptes für eine Beschlussfassung durch den Stadtrat ein.


    Die Entwicklung der Stadt ist im SEKo Konzept in 12 Leitlinien formuliert – ein Kompass für die Stadt auf dem Weg in die Zukunft.
    Die Präsentation des Konzeptes im Internet unter http://www.chemnitz.de ermöglicht auch vielen Bürgerinnen und Bürgern sich an der Diskussion zu beteiligen.


    Programm und Ablauf 7. StadtWerkstatt


    Begrüßung und Einführung in die Veranstaltung
    Barbara Ludwig Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz


    Arbeitsprozess, Herausforderungen und Kernaussagen SEKo Chemnitz 2020
    Petra Wesseler, Bürgermeisterin der Stadt Chemnitz


    Chemnitz – Stadt der Moderne: 12 Leitlinien mit Blick bis zum Jahr 2020
    Barbara Ludwig, Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz


    Podiumsdiskussion und Dialog mit den Gästen im Saal, anschließend Fazit und Ausblick.


    Podiumsgäste
    Barbara Ludwig. Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz
    Petra Wesseler, Bürgermeisterin der Stadt Chemnitz
    Heidemarie Lüth, Bürgermeisterin der Stadt Chemnitz
    Dr. Eberhard Schoppe, Geschäftsführer der StarragHeckert GmbH
    Prof. Dr. Klaus-Jürgen Matthes, Rektor der TU Chemnitz
    Simone Kalew, Geschäftsführerin der GGGmbH
    Enrico Lübbe, Schauspieldirektor, Städtische Theater Chemnitz gGmbH
    Moderation: Prof. Dr. Iris Reuther, Büro für urbane Projekte, Leipzig, Universität Kassel


    Weitere Informationen finden Sie im als Anlage beigefügten Flyer.


    Flyer 7. Stadtwerkstatt
    http://www.chemnitz.de/chemnit…n/downloads/09/pd0037.pdf



    Pressestelle
    Stadt Chemnitz

  • Stimmt, da hatte ich schon gehört, daß wohl große Nachfrage nach den Wohnungen besteht. Bei Schlafzimmern mit abschaltbarem Stromkreis aber auch kein Wunder :-)

  • Eine Frage an die Chemnitzer_innen und die sich in Chemnitz noch etwas besser auskennen. Auf dem Luftbild von MSN Live Search Maps steht das Kino "Europa 70" in der Hainstraße noch, doch es will ja in Chemnitz bekanntlich nichts heißen:
    http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000


    Durch Zufall fand ich soeben gerade einen Beitrag bei Sachsen-Fernsehen Chemnitz von Ende 2006, wonach auch das Europa 70 abgerissen werden soll.


    Freitag, 8. Dezember 2006 16:02
    Abriss: Chemnitzer Traditionskino Europa 70
    Eines der traditionsreichsten Kinos von Chemnitz verschwindet von der Bildfläche.
    http://www.sachsen-fernsehen.d…2&aktJahr=2006&aktWoche=2


    Da ich lange nicht mehr dort war, wie ist da der Stand? Haben die das tatsächlich schon abgerissen? In anderen Medien fand ich dazu nichts. Danke!


    PS: Laut dem "Sonneberger", der sich wiederum auf die FP beruft, soll das denkmalgeschützte Vorderhaus erhalten bleiben und der Kinosaal im Hinterhof fallen. Ist das schon geschehen?
    http://sonnenberg-chemnitz.de.…ownloads/Zeitung04_de.pdf

  • Ein Artikel aus der Freie Presse wohl vom 21. Januar als Kommentar unter dem Artikel zum Experimentellen Karree im Reitbahnviertel
    22. Januar 2009 um 10:01 Uhr
    “Kein Szeneviertel wie Leipzig-Connewitz”
    Verein “Experimentelles Karree” im Reitbahnviertel gegründet -Studentenwohnungen und Stadtteilgarten geplant

    http://ki23.blogsport.de/2009/…mentelle-karree/#comments


    Wo ist das Chemnitzer Kneipenviertel?
    Wo ist das Chemnitzer Studentenwohngebiet?
    Wo ist das Chemnizter experimentelle Karree?
    Die ersten Fragen müssen wohl unbeantwortet bleiben. Bis auf weiteres. Ja, vielleicht bis das experimentelle Karree ein Erfolg geworden ist. Dieses formiert sich, platziert sich, ja man muss sagen, gebiert sich gerade selbst. Zwischen Bernsbachplatz und Clara-Zetkin-Strasse soll ein urbaner Selbsterprobungsraum für Spezies aller Art entstehen. Was das sein soll?

    Beitrag des Chemnitzer Radios UNiCC vom 13.01.09 - zum Hören:
    http://www.radio-unicc.de/typo3/index.php?id=172&tx_ttnews[pS]=1232701522&tx_ttnews[tt_news]=855&tx_ttnews[backPid]=140&cHash=bf9371568d


    Integriertes Handlungskonzept Reitbahnviertel
    EFRE Förderung Nachhaltige Stadtentwicklung 2007-2013
    Arbeitsberatung 1 2 . Juni 2008 (Kleine Stadteilkonferenz)
    Dipl. - Ing. Christian Voigt, Stadt Land Fluss
    http://www.reitbahnviertel.de/…le%20Voigt%2012.06.08.pdf


    Diese Seite dient als Informationsplattform über die Entwicklungen und Aktionen im Reitbahnviertel. Sie finden hier alles Wissenswerte, Kontakte und Termine über das Reitbahnviertel.
    http://www.reitbahnviertel.de/

  • Nun auch ein Selbstnutzer-Projekt in Chemnitz:


    Agentur StadtWohnen-Chemnitz
    Die Agentur ist ein Beratungsangebot der Stadt Chemnitz, dass sich an interessierte Eigentümer und Nutzer mit Interesse an gemeinschaftlichen Wohnformen richtet.
    http://www.stadtwohnen-chemnitz.de/


    Wie im Dezember angekündigt, wird ein erster Standort für die Realsierung von Stadthäusern in Chemnitz vorbereitet. Für das Quartier Hauboldstraße wird eine Planverfahren mit mehreren Architekturbüros durchgeführt, um vielfältige qualitativ hochwertige Lösungen für die Bebauung zu erhalten. Die Stadthäuser sollen als neue Form des Eigenheims für selbstnutzende Wohneigentümer beispielgebend auch für andere innerstädtische Lagen sein.


    Siehe vor allem "Häuser im Bestand".


    Und im Bereich Hauboldstraße / Lohrstraße / Further Straße / Eckstraße / Müllerstraße in Schloßchemnitz am schönen Chemnitzfluß sollen zwischen Gründerzeithäusern die ersten Stadthäuser entstehen:
    http://www.stadtwohnen-chemnit…n/stadthaus/haubold.html#
    http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000

  • Die Gebäude für das Selbstnutzer-Projekt sind wieder ein sehr interessantes Fundstück. Genau damit ist aber auch das Kernproblem genannt: So ein Programm muß offensiv bekanntgemacht werden, die Einstiegshürden müssen so niedrig wie möglich liegen. Die Seite läßt einfach zu viele Fragen offen, gerade was Preise und Kosten betrifft. Die Informationen zu den Häusern sind zudem sehr lückenhaft.


    Einiges kann ich mir aber dank einiger investierter Zeit selber beantworten. Beispielsweise wird das Objekt Blücherstraße 21 im Lutherviertel (http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000) als Neuzugang für das Selbstnutzer-Programm präsentiert - noch ohne Exposé. Das gleiche Objekt steht auf der Webseite der GGG zum Verkauf. Und zwar für 112.000 €. Wenn das die Preisvorstellungen sind, wird sich garantiert niemand finden, der dann noch Unsummen für eine Sanierung aufbringen muß. Dies gilt auch für die Matthesstraße 78 (65.000 €) und den Lessingplatz 10 (165.600 €).


    Gleichzeitig beantwortet das meine Frage, wohin einige der Objekte aus dem Verkaufsbestand der GGG verschwunden sind, für die keine Preisvorstellungen aufgerufen waren ("Gebot wird erbeten"). So tauchen die Glauchauer Straße 12 und die Tschaikowskistraße 70 jetzt hier auf - hoffentlich nicht als letztes Abklingbecken vorm Abriß. Drei andere Objekte bleiben aber spurlos verschwunden, hier muß man sich vermutlich große Sorgen machen...

  • Hallo lguenth1, mit der Werbung für solche Projekte hast Du sicherlich recht, zumindest was die Wahrnehmung von außen betrifft. In Chemnitz ist es möglicherweise etwas besser, da die Agentur StadtWohnen-Chemnitz bei den Wächterhäusern mit dabei ist und das erste Wächterhaus Zietenstraße 70 eigentlich ein Objekt von Stadtwohnen ist. Da werden sich schon noch ein paar Synergieeffekte einstellen, auch dank Medienberichterstattung über das Wächterhaus. Stadtwohnen Chemnitz selbst ist ja mit den verschiedensten Aktivitäten auch immer mal selbst in den Medien:
    http://www.stadtwohnen-chemnitz.de/seiten/presse.html# Wenn es im Februar mit der ersten Planwerkstatt für die Stadthäuser in Schlosschemnitz losgeht, wird das vermutlich auch noch mal anziehen.


    In Chemnitz (und Halle) gibt es ja zunehmend Töchter oder kleine Schwestern von Projekten aus Leipzig, so etwa Selbstnutzer, Wächterhäuser oder das Stadtforum. Vielleicht können die Mütter bzw. großen Schwestern noch etwas mehr durch Werbung und Tips mithelfen, dass ihre Verwandtschaft groß und stark wird. Wenn ich das richtig sehe, sind die Familienbande ja schon eng.


    Kannst Du uns hier im Forum oder mir per PM bitte sagen, um welche drei verschwundenen Häuser der GGG es sich handelt. Ich würde dann auch mal in die Spur gehen und "nachforschen".


    Sehr interessant sind die Preisvorstellungen der GGG. Kein Wunder, dass sie die Häuser nicht loskriegen. Dass es potentielle Käufer für GGG-Häuser gibt, die sich dann aber geschockt zurückziehen, sieht man ja immer wieder. Man müßte mal die GGG-Preisvorstellungen mit denen für ähnliche Häuser (Größe, Zustand, Sanierungsgrad, Lage ...) etwa in Leipzig vergleichen. Das ist zwar etwas Arbeit, aber sicher sehr instruktiv und ein gutes Argument, wenn die GGG mal wieder ein Haus wegschießt, dass sie ja leider nicht verkaufen konnte. http://www.lwb-immobilienangebote.de/
    Meine Stichprobe ergab, dass die GGG da ähnliche Preisvorstellungen wie die LWB hat, die allerdings auch für Preise über dem Marktwert kritisiert wird und das dann eben noch in Leipzig und nicht in Chemnitz ist.


    Chemnitz:
    Matthesstraße 78: 12 Einheiten: 11 Wohnungen, 1 Gewerbe - ca. 529 m² - Baujahr 1898 - Baudenkmal - 65.000 €


    Leipzig:
    Angerstraße 47: 8 Einheiten: 7 Wohnungen, 1 Gewerbe - 553 m² - Baujahr 1897 - Baudenkmal - 75.000 €
    Angerstraße 51: 10 Wohnungen: 595 m2 - Baujahr 1919 - Baudenkmal - 80.000 €
    Limburger Str. 53: ca. 538 m² - 85.000 €
    Limburger Str. 59: ca. 527 m² - 80.000 €

    Chemnitz:
    Lessingplatz 10: Eckhaus - 13 Einheiten - ca. 807 m² - Baujahr 1906 - Baudenkmal - 165.600 €
    Leipzig:
    Georg-Schwarz-Str. 72: Eckhaus - 12 Einheiten - ca. 858 m² - Baujahr 1906 - Baudenkmal - 130.000 €
    Merseburger Str. 140: Eckhaus - 12 Einheiten: 10 Wohnungen, Gaststätte, Gewerberaum - ca. 848 m² - Baujahr 1906 - Baudenkmal - 120.000 €


    Hier wird man allerdings den die Lage am Lessingplatz mitbezahlen müssen.

    Das neue für mich war aber, dass in der GGG-Liste nun die Karl-Immermann-Str. 23 (113.600 €) und 25 (90.500 €) auftauchen, die im Sommer 2007 besetzt wurden und für die dann mit der Begründung ungeklärte Eigentumsverhältnisse das Ersatzobjekt Reitbahnstraße 84 angeboten wurde, aus dem dessen Nutzer nun nach GGG-Wunsch anscheinend auch schon wieder raus sollen. In der Immermann 25 waren viele Chemnitzer_innen schon mal drin, da gab es bis 1989 eine Ausstellung zur
    KPD-Zeitung "Der Kämpfer", die immer als Pflichtbesuch in den FDJ-Jugendstunden angelaufen wurde.


    Interessant ist nicht nur, das die Verhältnisse nun offenbar geklärt sind, sondern die Mondpreise für die beiden kleinen Häuschen. Mich beschleicht der Verdacht, dass auch hier "leider keine Käufer zu finden" sein sollen, da sich die GGG offenbar nach der Sanierung der neoklassizistischen Häuser an Reitbahn- und Annenstraße aus dem Viertel zurückziehen und den Rest der Häuser, darunter auch noch bißchen Gründerzeit hier und in der Apollostraße abstoßen oder abbrechen will.

  • Noch eine Firma, die in Chemnitz mit wenigen, aber zumindest auf den ersten Blick ganz ordentlichen Sanierungen aktiv ist:
    http://www.target-immobilien.de/html/immobilienangebote.html


    Besonders interessant ist aber der Artikel auf der Website aus der Freien Presse vom 27. Oktober 2008 über ein Dissertationsvorhaben an der Bauhaus-Universität Weimar zur Außenwirkung der Chemnitzer Innenstadt:
    http://www.target-immobilien.de/Presse_Chemnitz.pdf
    http://www.target-immobilien.de/html/standort_chemnitz.html


    Der schließt mit den Sätzen: "Chemnitz kommt", titelte ein Autor. Seit etwa drei Jahren laufe die Stadt aber Gefahr, dass dieses neue Image angekratzt wird. Denn auch die umstrittenen Abrisse von Gründerzeit-Häusern bleiben den Berichterstattern bundesweit nicht verborgen.


    Wirklich Gedanken scheint man sich aber in Chemnitz darüber nicht zu machen. Die OB Ludwig jammert zwar bisweilen, dass niemand die Probleme versteht. OB Barbara Ludwig sagte im November 2008: : „Die Entscheidung zwischen Sanierung und Abriss verlangt immer die Abwägung ... zwischen dem, was wünschenswert ist, und dem, was nach einer Sanierung auch Nutzer und Mieter findet.“ Die Negativberichte über Chemnitz findet die Oberbürgermeisterin „mehr als bedauerlich“, da die Stadt „keine Chance“ bekommen habe, „über die Probleme und überhaupt zu sprechen“, schreibt die Chemnitzer Morgenpost. http://www.haus-und-grund-sach…86aeed5&id=72&news_id=510
    Unterdessen geht der Abriss munter weiter. Beispiele sind ja zur Genüge hier schon angefügt und hier noch mal etwas übersichtlicher geordnet:
    http://stadtf.vs120153.hl-user…5849cd968d5e6a6373244c739


    Mal paar Google-Treffer zu dem Promovenden Dipl.-Pol. Alexander Bergmann und seinem Dissertationsvorhaben "Deutschlands jüngste Innenstadt
    - Rekonstruktion in Chemnitz verstehen"


    http://www.uni-weimar.de/archi…toranden/dok_bergmann.htm


    http://www.uni-weimar.de/cms/a…%5D=7898&cHash=4a62c7dde6


    Sein Chemnitz-Album bei Flickr:
    http://www.flickr.com/photos/8…0/sets/72057594099595208/


    Offenbar ist er irgendwie mit dem "complizen-Planungsbüro" vernetzt, die im Stadtauftrag das Reitbahnviertel voranbringen soll.


    Aber eigentlich wollte ich ja etwas ganz anderes schreiben ;-)


    Ich habe gestern bißchen nach Chemnitz telefoniert, das Kino "Europa 70" ist wohl tatsächlich weg. Was man damit in einer jeder anderen größeren Stadt und theoretisch in Chemnitz hätte alles machen können bei der Lage, darüber lohnt sich jetzt nicht mehr zu träumen. Woanders lecken sich Vereine und Künstlergruppen alle 10 Finger nach solchen Objekten wie alten Kinos. In Chemnitz hat man ein ausgezeichnetes Händchen dafür, sich durch Abriss-Schnellschüsse das Entwicklungspotential selbst zu versauen. Oder man schanzt vergleichbare Objekte Trägern zu, die bisweilen eine erstaunliche Nähe zu evangelikalen Gruppierungen zeigen, und verkauft das Ergebnis noch als Jugendarbeit.


    Weil wir gerade in der Ecke von Chemnitz sind. Eine Frage hätte ich aber in dem Zusammenhang noch:



    Ein Beispiel für sehenswerte Industriearchitektur (Hofer Straße)


    http://maps.live.de/LiveSearch…0&alt=-1000&explore=sst.0


    Weiß jemand mehr über das Objekt? Geschichte, Größe, Zustand, Eigentümer, Zukunftsaussichten? Es ist auf jeden Fall ein Baudenkmal, aber mehr kann ich im Moment weg von meinen Büchern und den Expert_innen leider nicht sagen.

  • Noch ein bißchen Lektüre für euch und im besten Falle für Damen Barbara Ludwig, Petra Wesseler und Simone Kalew:


    Jürg Sulzer
    Prof. Dr.-Ing., Architekt und Stadtplaner
    Stiftungsprofessur Stadtumbau und Stadtforschung, TU Dresden /
    Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau
    http://tu-dresden.de/die_tu_dr…etails_moderatoren/sulzer


    Werteverschiebung: Von Shrinking Cities zu Waiting Cities (2007)
    http://www.stadtforschung.com/…over/Bd5-Werte_Sulzer.pdf

  • Das so hervorragend fotografierte Industriegebäude ist die frühere Fahrzeuglampenfabrik Riemann, die auch zu DDR-Zeiten irgendwie in Richtung Fahrzeugelektrik genutzt worden sein muß. Zum Gelände gehört auch eine stattliche Villa, 1909 von Architekt Wenzel Bürger errichtet (http://de.wikipedia.org/wiki/Wenzel_Bürger). Die wurde bereits saniert und paßte deshalb nicht in meinen Bilderreigen :-). Die beiden Gebäude der Target-Immobilien befinden sich auch in direkter Nachbarschaft. Ob sich allerdings Eigentumswohnungen für über 200.000 Euro in Chemnitz verkaufen lassen, wage ich zu bezweifeln...


    Da es sich bei der Fabrik um ein riesiges Ensemble handelt, sehe ich schwarz für die Zukunft. Man sieht ja auch am Beispiel Europa 70, daß es in Chemnitz ganz schnell gehen kann. Steht denn das Gebäude an der Straße noch?


    Die verschollenen GGG-Gebäude sind folgende:


    - Reichsstraße 24, Kaßberg (http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000). Allerdings waren dort laut Exposé 5 von 6 Wohnungen vermietet, was stark dafür sprechen würde, daß es hier zu einem Verkauf gekommen ist.


    - Uhlichstraße 12, Kaßberg (Drittes Gebäude von rechts: http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000). Die 8 Wohnungen standen alle leer.


    - Casparistraße 8-10, Lutherviertel (http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000). Das 1937 erbaute Gebäude direkt nördlich des Supermarktes beinhaltet 20 leerstehende Wohneinheiten. Hier tippe ich am stärksten auf einen Abriß, was zwar einerseits schade wäre (geschlossene Straßenfront, gute Wohnlage), aufgrund der geringen Qualität des Hauses und der Ecklage aber keinen Grund zum Aufstand liefern würde. Wir sind schließlich nicht im Wunschkonzert...

  • Bei den beiden Häusern auf dem Kaßberg bin ich mir eigentlich recht sicher, dass die GGG die verkaufen konnte, und hoffe, dass da alsbald Gerüste stehen werden. Trotz der Lage des ersten Hauses direkt an der Reichsstraße und damit am inneren Stadtring wäre das ja im anderen Fall wie bündelweise das Geld zu verbrennen. Auch die Uhlichstraße 12steht in guter Nachbarschaft, da mache ich mir eigentlich wie beim gesamten Kaßberg keine Sorgen.


    Bei der Casparistraße teile ich Deine Befürchtungen. Da bin ich als Kind drinrumgeschossen, weil da ein Schulfreund wohnte. Aber frage mich bitte nicht, wie es da aussah, dass ist mehr als 25 Jahre her ;-). Was in den letzten zehn Jahren um die Lutherkirche herum passiert ist, aber schon sehr bitter. Ich fahr dort eigentlich gar nicht mehr oder nur ganz schnell durch, sonst muss ich heulen.


    Danke für die Infos zur Hofer Straße. Bei Fahrzeugelektrik denke ich an andere Gebäude, etwa Paul-Gruner-Straße, Turnstraße ... . Damit kann man prima die alleswissende Müllhalde füttern und prompt spuckt die auch gleich was aus:


    Da soll es sogar einen Bunker geben:
    http://www.bunkernetzwerk.de/i…ex.php?act=ST&f=48&t=1942
    Bunker geben wunderbare Probenräume ab ;-).


    Da fällt mir auch ein, dass hier in den frühen 90ern hin und wieder das Tanzbein geschwungen wurde. Ich war auch paar mal dabei, aber in der Zeit sah man ja noch einige Fabriken von innen, da kommt man schnell durcheinander ;-))


    Addi Jacobi über Fritz Riemann:
    http://www.stadtstreicher.de/Koepfe/119/


    In einem Beitrag zu einem anderen Sonnenberg-Abriss http://www.sachsen-fernsehen.d…1&aktJahr=2007&aktWoche=4
    schrieb MdB Detlef Müller (MdB) am 30.11.2007:


    Letzter Stand der Dinge: Die Stadt überplant ja im Rahmen des Stadtumbaus auch dieses Areal. Derzeit erarbeitet ein Architekturbüro in einer Art "Werkstattverfahren" (wie auch für andere Umbaugebiete- Sonnenberg-Bunte Gärten z.B.) umsetzbare Nachnutzungs-und Gestaltungsvorschläge, Ergebnisse liegen derzeit noch nicht vor. Weiter Infos bekomme ich am Montag.
    Wann, wie, was dann wirklich passiert- ist noch offen und v.a. mit dem Eigentümer zu klären. Soviel derzeit.
    MfG
    Detlef Müller


    Das Gebäude war mal und ist wohl noch eines der Lieblingshassobjekte des abrißfreudigen Chemnitzers, der sich über jedes entsorgte Haus freut und gleich nach dem nächsten, hier eben der Fahrzeugelektrik, schreit:
    http://tv-freiburg.regio-tv-po…1&aktJahr=2007&aktWoche=4 Und damit das alles etwas schneller geht, helfen andere auch gerne mal nach: http://tv-freiburg.regio-tv-po…9&aktJahr=2004&aktWoche=2


    http://www.fotocommunity.de/pc…/1104526/display/15397507
    S. Schmalfuß, 26.12.2008 um 19:49 Uhr
    W+P ist scharf auf die Villa. Zur ZEit kostet sie aber noch zu viel 35.000.
    Will Wahl und Partner nur die Villa oder das ganze Gelände? Entweder oder ;-).


    Das Gelände wäre, ein bißchen Geld und viel Engagement vorrausgesetzt, bestens geeignet für eine Nutzung wie sie etwa in Leipzig im Westwerk ( http://www.westwerk-leipzig.de/ ), in der Alten Damenhandschuhfabrik ( http://www.damenhandschuhfabrik.de/ ), im Tapetenwerk ( http://www.tapetenwerk.de/ ), mit Abstrichen, denn dafür fehlen in Chemnitz wohl sicher sowohl die entsprechenden Akteure als auch der politische Wille ;-), in der Gieszerstraße 16 ( http://www.gieszer16.org/ ), im Werk II ( http://www.werk-2.de/ ) und anderswo gibt. Das könnte wunderbar als Raum für Jugend, Bands, Vereine, bißchen Kunst etc. sowohl für den Sonnenberg als auch für das Yorckgebiet dienen. Auch aus dem Beimlergebiet wäre man schnell dort, nur wohnt dort fast niemand unter 50. Aber ich vergaß, die Fabrik steht ja leider in Chemnitz.

  • In einem seiner sieben Gehirne rumort es die ganze Zeit "Fahrzeugelektrik, hast Du neulich erst gelesen, aber wo? ..." Und plötzlich fällt es Prof. Dr. Abdul Nachtigaller wieder ein. Es war nicht in Nebelheim, Fernhachingen, Wolperting, Gralsund oder anderswo in Zamonien, sondern einem anderen unbiskanten Ort:


    Entwurf städtebauliches Entwicklungskonzept - Chemnitz 2020
    05.01 Städtebau und Denkmalpflege
    http://www.chemnitz.de/chemnit…edtebau_Denkmalpflege.pdf


    Städtebaulich - denkmalpflegerische Schwerpunktbereiche
    Unsaniert bzw. Teilsaniert - Nachnutzungsgeeignet
    4. Sonnenberg
    4.1 Beidseitige Bebauung der Zietenstraße (geschlossene Karrees)
    4.2 Ehemalige Fahrzeugelektrik, Siedlung Fürstenstraße und Humboldt - Platz, Jahnbaude


    Es geschehen noch Zeichen und Wunder, auch außerhalb Zamoniens. Und damit meine ich ja noch nicht mal eine erfolgte Rettung, sondern dass anscheinend überhaupt eine andere Nutzung als Arbeitsbeschaffung für Abrissunternehmen erwogen wird. Das Integriertes Handlungskonzept Sonnenberg hatte planart4 2006 erstellt, aber da war die Fahrzeugelektrik meines Wissens nicht mehr mit in dem umrissenen Gebiet. Wer weiß mehr. Mal Herrn Müller von der SPD fragen? ;-)

  • Wie ist da der aktuelle Stand?


    Tja, da sind wir wieder bei der Öffentlichkeitsarbeit. Mir war das völlig neu, daß es für diese Halle so eine Nutzung gibt. Und wenn einer Metropolis und Panzerkreuzer Potemkin mit Livemusik sehen will, dann bin ich das :-).


    Generell merkt man aber erst jetzt, wo man sich wirklich mal intensiv mit dem Thema beschäftigt, wie krass die Leerstandsproblematik in Chemnitz überhaupt ist. Über 100 überflüssige Gründerzeitgebäude bei der GGG, ganze Straßenzüge auf dem Sonnenberg verwaist, leerstehende Industriehallen noch und nöcher. Wenn man sich die dafür ursächliche Massenflucht seit der Wende vorstellt, muß man fast depressiv werden. Und in den Kleinstädten der Umgebung sieht es noch viel schlimmer aus.

  • Mit Sicherheit ist es nicht nur alles Willen und Glauben, aber davon hängt auch einiges ab. Auch die LWB in Leipzig versucht allein 132 denkmalgeschützte Häuser zu verticken. Nach meiner Einschätzung gibt es in Leipzig noch mehr private Besitzer, zerstrittene Erbengemeinschaften usw. in Chemnitz, jedenfalls sehe ich hier häufiger "Direktverkauf vom Eigentümer"-Schilder. Auch hier stehen immer noch ganz Straßenzüge leer. Die wirtschaftliche Entwicklung ist nicht viel besser als in Chemnitz, vielleicht ist es sogar andersrum, mal sehen, wie es in und irgendwann mal nach der Krise aussieht. Aber trotzdem geht man hier irgendwie anders damit um. Man kuckt nach vorne und macht, manchmal auch malt sich vieles schön. In Chemnitz wird eher gejammert und geneidet. Ich kenne die Hassliebe zu Chemnitz ja selbst. In der Ferne verteidigt man de Hamit, kaum ist man mal wieder dort, will man ganz schnell wieder weg. ;-)


    Ich brauche nur mal die SEKos vergleichen, die in beiden Städten gerade diskutiert werden. In Leipzig hat man das Gefühl, die Stadtverwaltung weiß, wo sie bis 2020 hin will. Natürlich hätte man selbst noch manch andere Ideen und Visionen, aber es gibt wenigstens was, was einem hier angeboten wird, an dem man sich reiben und über das man sich aufregen kann. In Chemnitz ist in dem SEKo nicht mal der aktuelle Stand von 2008 erfaßt, Visionen oder Zukunftsperspektiven - von ein paar neuen Schnellstraßen und "bunten Gärten" mal abgesehen - habe ich nicht entdecken können.


    Dass es in Rochlitz, Mittweida, Stollberg, Penig ... auf lange Zeit noch traurig aussehen wird, ist unbestritten. Aber wenigstens in Chemnitz sollte es vorangehen, ist ja immerhin drittgrößte Stadt in Sachsen und größer als Erfurt, die Landeshauptstadt Thüringens, als Magdeburg und Halle, als Rostock, von Potsdam und Schwerin reden wir jetzt nicht. Natürlich ist man von hohem Niveau auf den heutigen Stand abgestürzt und sicher ist der Tiefstand noch nicht erreicht. Aber ich kann mir immer noch nicht richtig erklären, warum in manchen Städten mit 100 000-Einwohner_innen mehr geht an Kultur, an öffentlichem Leben, an Engagement von Bürger_innen, von Jugendlichen, an allem ... .


    Chemnitz ist halb so groß wie Leipzig, aber doppelt so tot. Nur weil die alle dorthin hinziehen? ;-).