Stadt der Moderne - Stadt im Umbruch

  • Immer wieder bleibt die schwierige Frage, ob man über vollmundige Ankündigungen berichten soll oder nicht. Ich mache mal eine Ausnahme und verweise darauf, daß die seit fast einem Jahr geschlossene Chemnitzer Markthalle (http://de.wikipedia.org/wiki/Markthalle_(Chemnitz)) nach den Plänen des Eigentümers vielleicht schon zum Jahreswechsel 2009/10 als Sport- und Kulturzentrum wiedereröffnet werden soll. Geplant ist wohl eine Vierfeld-Sportarena mit Gymnastikräumen mit einer Kapazität zwischen knapp 3100 Plätzen (Basketball) und über 4500 Plätzen (Boxen). Das Kultusministerium habe in Aussicht gestellt, dass die Hälfte der förderfähigen Kosten von geschätzten 12 Millionen Euro bezuschusst werden könnten.


    Ich erlaube mir zu ergänzen, daß direkt nebenan die Hartmannhalle steht - mit einer Kapazität von etwa 3000 Plätzen bei Basketballspielen...


    Unterdessen werden am Geburtshaus des Chemnitzer Künstlers Karl Schmidt - Rottluff Sicherungsmaßnahmen vorgenommen (Video unter http://www.sachsen-fernsehen.d…x?ID=1095&showNews=321641). Rettung in letzter Sekunde, aber ohne wirkliche Sanierung nur etwas Zeitgewinn...


    Zudem steht seit gestern fest, daß das Stadion des CFC auf dem Sonnenberg für 1,3 Mio. Euro auf einen halbwegs aktuellen Stand gebracht wird (neuer Eingangsbereich, Toiletten, Parkplätze, Rasenheizung). Darauf werde ich sicher noch etwas näher eingehen, sobald weitere Details bekannt werden. Und im immer nahezu endlosen Weihnachtsurlaub bleibt bestimmt genug Zeit, um auf dem Kaßberg auch die schönen Seiten von Chemnitz fotografisch zu dokumentieren...

  • ^Weshalb wurde die Markthalleden geschlossen Wäre es nicht sinniger, neue Betreiber für die jetzige Halle zu finden, als unnötig der Hartmannhalle Konkurrenz zu machen?

  • Das Konzept mit kleinen Läden und Gastronomieeinrichtungen ist seit Jahren nicht richtig in die Gänge gekommen. Deshalb wurde nach einem Strohhalm gesucht, den man dann mit dem Sportentwicklungskonzept der TU Chemnitz gefunden hat. Dort würde angeblich der Bedarf für eine weitere Sporthalle in der Innenstadt nachgewiesen. Wenn man darüber aber nur einen Moment nachdenkt, kan man davon ausgehen, daß es sich hier nur um eine Seifenblase handelt...

  • Ich habe gesucht, ob es der Artikel aus der Welt schon verlinkt ist, aber nichts gefunden. Hier wird in einem längeren Abschnitt speziell auf Chemnitz eingegangen:


    Deutschland verliert sein architektonisches Gedächtnis
    Während sich der Denkmalschutz auf einer Messe in Leipzig selbst feiert, zerstören Abrissbirnen in vielen Städten des Ostens ganze Gründerzeitsiedlungen
    Dankwart Guratzsch- In: Die Welt, Ausgabe v. 17. November 2008
    http://www.welt.de/welt_print/…onisches-Gedaechtnis.html


    Falls dort nicht mehr online, auch z.B. hier eingestellt:
    http://freiberger-altertumsverein.de/forum/read.php?3,2057

    Einmal editiert, zuletzt von LE Mon. hist. () aus folgendem Grund: Nebensatz nachgereicht.

  • Über das Chemnitzer Wächterhaus in der Zietenstraße 70 erschien am 18.11.2008 in der Chemnitzer MoPo ein Artikel von Corinna Karl, in der einer meiner ganz großen Lieblinge aus Chemnitz zu Wort kommt:


    Auch sind schon weitere Wächterhäuser ins Auge gefasst worden. Die GGG gab ebenso Vorschläge für neue Projekte des Vereins ab. Doch an vielen Stellen kommt die Rettung zu spät: „Wir folgen den Städtebauzielen und schaffen Freiflächen für die Nachnutzung“, sagt GGG-Sprecher Erik Escher (27).
    http://www.stadthalten-chemnit…20Morgenpost_18112008.pdf


    Gegen die GGG ist die LWB nahezu ein Amt für Denkmalpflege. Allerdings hat nun auch die GGG begonnen, sich von ihren Beständen zu trennen. Wer also Interesse hat:
    http://www.ggg.de/?id=79


    Die GGG will in absehbarer Zeit die (meines Erachtens auch erhaltenswerten) neoklassizistischen Gebäude in der Reitbahnstraße sanieren. Im ehemaligen Kinderkaufhaus und später Schlecker, dem imposanten Eckgebäude „reba 84“, haben sich junge Leute des „Vereins zur Wiederbelebung kulturellen Brachlands“ eingerichtet. Die Gegend im Luftbild:
    http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000
    Sie wohnen in dem Haus und betreiben in der großen Ladenfläche ein kleines Café, naja, mehr eine Theke ;-) mit kostenlosem Kicker und Billard, organisieren Konzerte, Lesungen, Diskussionsveranstaltungen, vor allem, aber nicht nur zu Themen der politischen Linken usw. So wird beispielsweise morgen, den 6. Januar, eine Informationsveranstaltung zu dem geplanten „experimentellen Karree“ durchgeführt:
    http://ki23.blogsport.de/2009/…as-experimentelle-karree/


    Das Kinderkaufhaus wurde ihnen nach einer Hausbesetzung in der nahegelegenen Karl-Immermann-Straße 23 im Sommer 2007 von der GGG selbst als Ausweichobjekt angeboten. http://ki23.blogsport.de/ ; Fotos: http://flickr.com/photos/reba84


    Die Bedeutung des Projektes für das Viertel haben mittlerweile sogar Stadt und Presse erkannt:
    „CHEMNITZ - Die Stadt gibt dem Reitbahnviertel die Sporen. Nächste Woche berät der Stadtrat über das Entwicklungskonzept für den Stadtteil hinter dem Tietz. Demnach soll es endlich aufwärts gehen mit der lange vernachlässigten Ecke, die bisher eher für ihren Leerstand und Vandalismus bekannt ist.


    „Der Stadtteil wird momentan etwas stiefmütterlich behandelt“, gibt Baubürgermeisterin Petra Wesseler (45, parteilos) zu. 1996 lebten noch 4000 Chemnitzer in dem 43 Hektar großen Gebiet, zehn Jahre später waren es nur noch 2180. 2006 standen mehr als 1000 Wohnungen leer. Bewegung kommt seit vorigem Jahr zumindest in das ehemalige Kinderkaufhaus in der Reitbahnstraße, in das ein alternatives Wohn- und Kulturprojekt eingezogen ist. …“


    Nun scheint das Projekt nach anderthalb Jahren der GGG im Weg zustehen. Sie hat in den letzten zwei (?) Jahren im Gebiet Reitbahnstraße/Brauhausstraße/Annenstraße/Clara-Zetkin-Straße etwa 300 Wohnungen in den Häusern aus den späten 50er und frühen 60er Jahren saniert.


    „Innenstadtnahes Wohnen nahe Kindergärten, Schulen und Kulturszene, in von Grün umgebenen, sanierten Quartieren aus den 1950er und 60er Jahren: Das ist das Konzept der Wohnungsgesellschaft für ihren Bestand im Reitbahnviertel. Bis Ende 2009 will die Stadt-Tochter laut Kalew alle über 1000 Wohnungen zwischen Zschopauer, Annaberger, Wiesen-, Clara-Zetkin-, Brauhaus- und Reitbahnstraße hergerichtet haben. Dabei modernisiert sie Bäder und Küchen, baut Balkone an und erneuert Fenster. Seit Mitte der 90er Jahre hat die GGG nach eigenen Angaben über 20 Millionen Euro im Reitbahnviertel investiert.“


    „Kulturszene“ ist dabei angeblich auch irgendwie wichtig, aber die ReBa 84 scheint ja dann schon wieder zuviel (Sub-)Kultur zu sein. Ob man den Kasten unmittelbar am Bernsbachplatz und damit mittleren Stadtring aber überhaupt vermieten kann, darauf bin ich mal sehr gespannt. Man hätte gern Studenten in dem Viertel (http://www.stadtwohnen-chemnit…ilkonzepte/Reitbahnst.pdf ), aber die, die da schon wohnen, fliegen anscheinend erst einmal raus. Die bereits sanierten Blöcke um die Ecke zwischen Karl-Immermann-Str. und Gustav-Freytag-Straße, wo man ebenso vor allem auf Studenten gesetzt hat, stehen meines Wissens immer noch zu großen Teilen leer. Und das damals besetzte Haus in der Karl-Immermann-Straße 23, das ehemalige Gebäude der KPD-Zeitung „Der Kämpfer“ und eines der ganz wenigen verbliebenen Häuser aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg in der Gegend überhaupt, wurde professionell verriegelt und verrammelt und fällt wohl auch wegen ungeklärter Eigentumsfragen dann irgendwann in sich zusammen.
    http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000


    Nun, das ist halt so in Chemnitz.

  • Und um nicht immer nur über Chamtz zu meckern hier eine Meldung für die Freunde des Wassersports. Auch da erkennt man die Bedeutung des Wassers für die Lebensqualität und eifert Leipzig nach. Natürlich nur in Chemnitzer Maßstäben ;-). Die Chemnitz zwischen dem neuen Weltecho und dem Falkeplatz wird seit April 2008 aufgedeck(el)t:


    http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000
    http://www.chemnitz.de/chemnit…her=1&jahr=2008&monat=004
    Auf zu neuen Ufern! ;-))

  • Man eifert nicht Leipzig nach. Die Chemnitz fließt ja nicht in Leipzig ;-)


    Besser hätte ich es gefunden, den Gablenzbach an der Brückenstraße wieder ans Licht zu holen. Das hätte viel mehr ins Stadtbild gewirkt. Aber darauf muss erstmal einer kommen.

  • Lieber cherubino, wovon träumst Du eigentlich nachts? ;-)


    Eher werden diese grottenhässliche Kaserne von ca. 1994/95 (Hartmannstraße, Am Alten Bad und Theaterstraße) und der Block am Sporthaus abgeräumt und der Mühlgraben wieder freigelegt. ;-).


    Für Ortsfremde: Hier http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000 floss vom späten Mittelalter bis zu seiner Verfüllung in den 50er Jahren (?) der Mühlgraben.


    Der Gablenzbach verschwindet ein paar km östlich der Innenstadt, genau hier:
    http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000
    und fließt dann unterirdisch parallel zur Straßenbahnschiene entlang von Adelsbergstraße, Uferstraße (aha!) und Brückenstraße auf einer Länge von mehr als 3 km der Chemnitz zu. Der 1888 angelegte unterirdische Kanal wurde vor wenigen Jahren ziemlich aufwendig saniert:
    http://www.kurt-chemnitz.de/ba…n/rl_gablenzbachkanal.htm
    http://www.kurt-chemnitz.de/do…ng%20Gablenzbachkanal.pdf
    Der Keks ist gegessen, das Ding macht so schnell keiner mehr auf. Wir sind in Chemnitz!


    Dafür wurde und wird der Kappelbach im Westen nun ans Licht geholt und renaturiert.
    http://www.sachsen-fernsehen.de/?ID=1095&showNews=254093


    Der Bernsbach wäre ja auch noch eine Variante ;-)

  • Die GGG verkündete auf ihrer Website stolz, dass 2009 über „20 Millionen Euro in die Aufwertung und Stabilisierung der Wohnquartiere investiert“ werden sollen Das wollte ich mir doch mal im einzelnen anschauen. Es betrifft:


    - den zweiten Bauabschnitt des Comeniusgebietes (214 Wohnungen), ein Neubaugebiet in Altchemnitz mit Baujahr 1957: http://www.wohnen-in-chemnitz.…ojekt_Comeniusgebiet_1351
    http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000


    - Promenadenstraße (195 Wohnungen) / am Schloßteich. Auf der Website steht dazu nichts, aber es sind wohl entweder die Platten oder das Hochhaus: http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000 Vor fast genau einem Jahr hat die GGG in der Ecke eines der wenigen erhaltenen Gründerzeit-Häuser in der Georgstraße weggeknackt: http://www.sachsen-fernsehen.d…1&aktJahr=2008&aktWoche=3


    - Waldenburger Straße in Altendorf (100 Wohnungen) – Ich nehme mal an, dass es sich um die Häuser hier handelt: http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000


    - Komplexsanierung auf dem Kaßberg, Walter-Oertel-Straße 57-63 und Horst-Menzel-Straße 25: Blöcke, die gegen 1938 in Form des Neuen Bauens entstanden sind: http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000


    - abgeschlossen wurden kürzlich die Sanierungen in der Clausewitz-Straße im Yorckgebiet: http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000 Aber das Ergebnis entschädigt: Für 1,6 Millionen Euro haben die Fünfgeschosser aus den siebziger Jahren eine frische Fassade mit Wärmedämmung und ein modernes Innenleben erhalten. -http://www.ggg.de/index.php?id=183


    Die Prioritäten der GGG dürften damit wohl klar sein. Aber um nicht nur zu meckern, die Villa Esche hat die GGG mit einem Aufwand von rund 6 Millionen Euro vom Frühjahr 1998 bis Sommer 2001 saniert, wobei die Stadt da einiges mitzureden hatte: http://www.villaesche.de/
    http://www.ggg.de/index.php?id=23
    http://www.historisches-chemni…schevilla/eschevilla.html


    An Mehrfamilienhäusern aus der Gründerzeit versuch(t)en sich derweil andere, z.B. die dänische Firma K/S Chemnitz Brühl, die die Häuser am Brühl fast alle von der GGG abgekauft hatte. Aber nicht immer hat es alles geklappt: Albtraum in Chemnitz. Wie sich ein schwäbischer Unternehmer im Osten verrechnetehttp://www.welt.de/welt_print/…Albtraum_in_Chemnitz.html
    Dies sind die Häuser von Wahl und Partner: http://www.wahl-partner.net/


    Hochglanzprospekte zum Stadtumbau in Chemnitz:
    http://www.stadtwohnen-chemnitz.de/index.html
    http://www.stadtwohnen-chemnit…ilkonzepte/Sonnenberg.pdf


    Und die Chemnitzer Realität:
    Sachsens Kahlschlag am Häusererbe. Damit sich die Platte-Sanierung rechnet, werden historische Ensembles abgerissen. Von Dankwart Guratzsch in: Die Welt, 11.04.2008. http://stadtf.vs120153.hl-users.com/wordpress/?p=57

    Einmal editiert, zuletzt von LE Mon. hist. () aus folgendem Grund: Rechtschreibfehler

  • Als Einführung in die Problematik Stadtumbau in Chemnitz und speziell zu den Großwohnsiedlungen nicht schlecht: http://www.asl.uni-kassel.de/t…bau_in_Chemnitz_03_05.pdf


    Einige Folien stammen offenbar von hier oder sind identisch:
    http://www.bauen-wohnen.sachse…ortrag_Wesseler_Teil1.pdf
    Man beachte vor allem die Planungen für den Sonnenberg Folie 26 und 27! Nach der Planung fallen nicht nur einzelne Häuser, v.a. an den Ecken, sondern ganze Häuserzeilen.


    Bei den gezeigten Plänen genannt, Entwickler der "Bunten Gärten" und verantwortlich für http://www.stadtwohnen-chemnitz.de: http://www.planart4.de

  • Erstmal danke für Deine umfangreichen Recherchen, da habe ich am morgigen Feiertag einiges zu tun (auch wenn manches schon hier im Thread genannt wurde). Deine Recherchegeschwindigkeit übersteigt aktuell sogar meine Aufnahmekapazitäten :).


    Einiges kann ich heute schon ergänzen. Auch wenn es kaum zu glauben ist: Bei der Sanierung an der Promenadenstraße handelt es sich tatsächlich um das Plattenhochhaus. Das wollte ich als besonderen Wahnsinn schon mal vorstellen, konnte aber leider den Webartikel dazu nicht mehr finden. Dort wurde unter anderem geschrieben, wieviele Mieter das Haus aufgrund der Sanierung verlassen mußten. Im Verhältnis zu der angegebenen Wohnungszahl hatte ich damals geschätzt, daß höchstens die Hälfte der Wohnungen vermietet war. Und einer der Mieter sagte auch gleich, daß er nicht wüßte, ob er nach der Sanierung überhaupt zurückziehen werde...


    Dagegen unterstütze ich voll und ganz die Sanierungen in der Reitbahnstraße. Das sind durchaus ansehnliche Bauten mit hoher städteräumlicher Wirkung. Leider kann ich nicht beurteilen, wie sich die Sanierungen auf den Leerstand ausgewirkt haben. Mittlerweile steht sogar das Agricola-Gymnasium zur Debatte, weil die Schülerzahlen aufgrund des Bevölkerungsschwundes der naheliegenden Stadtteile zurückgeht. Übrigens ist auch geplant, die derzeit zweispurige Reitbahnstraße (also 2+2) auf eine Spur zu verengen, um so durch Anlage von Parkplätzen etc. die Wohnqualität zu verbessern. Der verrückteste Vorschlag aus dem Stadtrat war, das Reitbahnviertel gleich komplett in "Universitätsvorstadt" umzubenennen, um die Studenten anzulocken...
    Wenn ich allerdings ansehe, welche Gebiete von Frau Wesseler im Stadtteilkonzept (http://www.stadtwohnen-chemnit…ilkonzepte/Reitbahnst.pdf) als "Auflockerungsgebiete" identifiziert werden, geht mir die Hutschnur hoch - weil es sich dabei mal wieder um die fast einzigen erhaltenen Gründerzeitbauten im Viertel handelt!

  • Ich habe überhaupt nichts gegen die Sanierung des Reitbahnstraßenviertels durch die GGG, im Gegenteil. Ich wundere mich nur, dass man einerseits diesen Stadtteil als Wohnviertel für Studenten etablieren möchte und von Kulturprojekten spricht, aber andererseits eines der wenigen Kulturprojekte "von unten" dafür erst mal platt machen wird - zumindest sieht es derzeit augenscheinlich so aus. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man keine Senioren in die Nachbarschaft der reba 84 locken wird, aber angeblich sind die ja ausnahmsweise mal nicht die Zielgruppe.


    Was man in Chemnitz offenbar nur schwer begreift, zumindest bei der GGG und auch bei nicht wenigen LokalpolitikerInnen, ist meines Erachtens, dass das angestrebte "junge Wohnen" anders funktioniert als der hochgelobte neue Senioren-"WOHN-PARK GEIBELHÖHE“ der CAWG im Beimlergebiet (Gablenz ist woanders!). Vielleicht ist das auch nicht verwunderlich, wenn man sonst nur für Senioren baut. Man will, das alles schön ist und ruhig und alle sonntags in die Oper gehen oder ins Naturkundemuseum ... . Das wird aber so bei Studenten nicht funktionieren.


    Die Leute aus der Reba84 nennen sich etwas vermessen Raumpioniere. Aber Pioniere waren es auch, die mit ähnlichen Kultur-Projekten zu Beginn der 90er Jahre in der Leipziger Südvorstadt oder in Connewitz und in der Dresdner Äußeren Neustadt aktiv wurden. Es geht dabei nicht um die paar Punks und Hausbesetzer im Umfeld, sondern um Projekte wie NaTo, Werk II, Scheune und andere mehr. Die waren es, die den Ruf als Szeneviertel begründeten. Ich glaube nicht, dass es den starken Zuzug in genau diese Viertel ohne solche Pioniere gegeben hätte. Die hippen, „jungen“ und jetzt immer teureren Viertel sind eben nicht in Reudnitz, Lindenau oder Pieschen entstanden, obwohl die (baulichen) Voraussetzungen nicht viel anders waren.


    Chemnitz hat so etwas nie gehabt. Jetzt scheint sich mal so etwas ähnliches in kleiner Form zu entwickeln in der Nachbarschaft zum Weltecho, Südbahnhof und ein paar kleineren Cafés und Anlaufpunkten auf der Reichenhainer Str. in Richtung Uni. Viel gibt es da ja nicht in Chemnitz, wo Leute unter 35 hin gehen können und wollen. Die Rahmenbedingen könnten eigentlich ganz gut sein. Wenn man also Studis will und Kultur, warum lässt man dann die Reba84-Leute nicht werkeln? Sollte das Projekt wirklich schief gehen, kann doch das Eckhaus später immer noch saniert werden. Es geht ja nicht kaputt oder verloren. Warum lässt man sich, wenn man schon Studenten und Kultur will, nicht auf dieses experimentelle Karree ein? Wohnqualität für Studenten sind nicht nur Fernheizung, Fahrstuhl, Klicklaminat und Einbauküche. Habt ihr eigentlich mal gekuckt, mit welchen Vorteilen GGG und andere Gesellschaften ihre Angebote für Studenten in ihren Hochglanzbroschüren und auf der Website anpreisen? Eine lebendige, für junge Leute attraktive Stadt sieht anders aus als Chemnitz.


    Ich kann mir jedoch gut vorstellen, wie das Ganze enden wird. Die Leute in der Reba84 bekommen ein, zwei Ersatzangebote als Alibi, allerdings zu klein, verschwammt oder am hinteren Ende von Siegmar, um guten Willen zu zeigen. Jedenfalls fliegen sie raus und dann wird mächtig saniert, wobei die letzten drei Gründerzeit-Häuser am Ende der Fritz-Reuter-Straße, die z.T. wirklich marode sind, auch noch wegmüssen, um das Karree zu öffnen. In die beiden längeren Flügel ziehen keine Studenten, denn wenn sowie schon nichts zum Weggehen in der Nähe ist, können die auch in den Blöcken an der Vettersstraße oder der Wartburgstraße wohnen bleiben, da haben sie es wenigstens nicht so weit bis zur Uni. Also ziehen die Leute da hinein, die in der Nachbarschaft wohnen, aus den letzten paar alten Häusern in der Ritterstraße, Zetkinstraße, … vielleicht noch aus dem Lutherviertel. Die Häuser stehen dann endgültig leer – Abbruch! Der Kopfbau am Bernsbachplatz wird nicht voll, denn dafür ist es dort zu laut und zu viel Straßendreck. In die Verkaufsfläche kommt wieder ein Drogeriemarkt, der sich hält oder auch nicht, aber erst einmal Mieten einbringt. Es wird so, wie es in Chemnitz immer läuft. Und man kann sich sogar noch auf den Fahnen schreiben, sich dem Stadtumbau zu stellen. Man hat ja saniert, aber was will man machen, wenn die Studies dann nicht einziehen? Dann vermietet man halt an die, die in Chemnitz in ausreichender Zahl leben: Senioren. Ich habe wirklich nichts gegen Senioren, aber hier hat man sich schon einmal dazu durchgerungen, eine klein wenig andere Alterszusammensetzung dieses Wohnviertels anzustreben.
    Ich wäre nicht traurig, wenn ich mich geirrt hätte. Aber vielleicht täusche ich mich ja auch bei den StudentInnen der Technischen Universität Chemnitz, die jeden Abend mit dem Auto zu Mutti nach Hause nach Flöha oder Annaberg fahren. Ich habe (auch deswegen) woanders studiert ;-).

  • Wenn man aus der Sichtweise der ReBa 84 argumentiert, ist das schlüssig. Aber wie könnte die Argumentation der GGG aussehen? Beispielsweise so:
    "Wer ein alternatives Kulturprojekt betreibt oder dort vom Eigentümer geduldet wird, der muß immer damit rechnen, sich etwas anderes suchen zu müssen. Schließlich muß die GGG in erster Linie sehen, daß sie Geld verdient. Und bei 25% Leerstand in Chemnitz wird sich für die paar versprengten Alternativen wohl eine andere Bude finden lassen. Zumal aus einem Reitbahnviertel auch in tausend Jahren kein Connewitz und keine Neustadt werden wird..."


    Und das scheint mir wirklich relativ aussichtslos. Klar kann die ReBa 84 als bunter Farbtupfer funktionieren, aber niemals macht man aus dem Reitbahnviertel eine "Universitätsvorstadt". Die Stadtteile, die dafür prädestiniert wären, liegen leider am anderen Ende der Stadt (Sonnenberg). Somit bleibt am ehesten das Lutherviertel. Vielleicht sollte man sich hier nach einer Alternative umschauen, aus dem Bestand der GGG käme vielleicht die Clausstraße 64 in Frage (wird aber mit 550 m² wohl zu klein sein). Insgesamt würde ich auch dafür plädieren, es mal eine Weile mit dem Status quo zu versuchen, letztendlich wird aber wohl niemand wegen dem Südbahnhof oder der ReBa 84 ins Reitbahnviertel ziehen...

  • Auch wenn es kaum zu glauben ist: Bei der Sanierung an der Promenadenstraße handelt es sich tatsächlich um das Plattenhochhaus. Das wollte ich als besonderen Wahnsinn schon mal vorstellen, konnte aber leider den Webartikel dazu nicht mehr finden.


    Aus rein wirtschaftlichen Gründen sind die Entscheidung der GGG und eine ähnliche Sanierungspolitik bei ähnlichen Gesellschaften wie der LWB gar nicht mal so absurd. Die Bauten sind etwa halb so alt wie an den Gründerzeithäusern nichts mehr gemacht wurde. Sie sind von vornherein auf einem anderen Ausstattungsstand als die Gründerzeithäuser etwa auf dem Sonnenberg, bei denen erst noch die Toiletten von der halben Treppe tiefer in die Wohnungen hochgezogen und nicht selten dafür auch Grundrisse verändert werden müssen. Sie sind auf Zentralheizung angelegt worden. Sie bekommen zwar neue Heizkörper, aber man braucht nicht erst ein neues System planen, Mauern durchbrechen, Öfen abbrechen, Heizung ans Netz anschließen …. . Es gibt auf etwa gleicher Grundfläche wesentlich mehr Wohnungen, die dazu noch genormt sind, d.h. man kann die Sanitärausstattung, die Fenster, die Türen, die Küchen und so weiter von der Stange in großen Stückzahlen und damit billiger bestellen. Balkone sind oft wesentlich einfacher anzubringen, da die großen Zimmer (Wohnzimmer, Schlafzimmer) nach hinten raus liegen und Küche und Bad meist zur Eingangsseite. Bei Blockrandbebauung zeigen ist es fast immer anders herum und Küche und Bad gehen zum Hof raus. Wer braucht schon ein Bad mit Balkon? Selbst Fahrstühle sind machbar. Die Häuser lassen sich viel besser und einfacher dämmen als Gründerzeithäuser mit stark verzierter oder Backsteinfassade. Es gibt keinen Ärger mit dem Denkmalschutz, der bei Balkonanbauten nicht mitspielt, Sprossenfenster will, gerne die alten Türen drin lassen würde und wenigstens die Gestaltung im Treppenhaus halbwegs erhalten. Man ist sich 100prozentig sicher, wer die Häuser wann gebaut hat, wie Rechtslage ist und dass sich nicht doch noch unverhofft jemanden mit Altansprüchen auf das Haus meldet. Bei den Gründerzeithäusern ist das oft nicht ganz so klar, die werden meist unter Vorbehalt angeboten. Ansprüche Dritter nicht bekannt oder so ähnlich steht dann irgendwo. Es sind ganze Blocks, ja ganze Reihen von Blocks und nicht dort zwei Häuser, dann ein anderer Eigentümer dazwischen, dann wieder eins.


    Ein Gründerzeithaus hat weniger Wohnungen auf eine gewisse Fläche und wenn beim Abriss nach Fläche Fördergelder fließen, lohnt(e) sich das natürlich mehr. Ein Gründerzeithaus lohnt(e) nach geltenden Förderbestimmungen dank der Prämien betriebswirtschaftlich gesehen den Abbruch auch, weil es viel einfacher abzureißen ist. Zwei Tage einen Bagger mit so einem Greifarm mit Zange hingestellt, einen Mann mit einem B- oder C-Schlauch daneben, viel Wasser drauf und ein paar Kipper Bauschutt. Wenn man ganz fortschrittlich ist, werden vorher noch die Dielen rausgenommen, um woanders schöne Schalbretter für andere Baustellen daraus zu machen (z.B. Palmstraße). Dagegen geht der Abriss von einem Hochhaus wie in der Promenadenstraße nicht so leicht. Das kommt man mit einem Abrissbagger nicht weit, denn der reicht nicht mal bis zur halben Höhe. Da muss dann eine Spezialfirma ran (teuer!), die braucht viel länger (teuer!), zur Not muss man sogar sprengen (teuer und viel Aufsehen, kann auch mal richtig schief gehen!), die Betonfertigteilplatten bekommt man auch nicht so einfach mit dem Kipper abgefahren wir einen Haufen Ziegelschutt (teuer!) und wer weiß, was da nicht noch alles zur Isolation von Heizungsrohren oder in irgendwelchen Schächten genommen wurde (teuer!)


    Die nötige Infrastruktur ist zum Beispiel im Yorckgebiet vorhanden, damit werben ja auch alle: dichte Infrastruktur mit allen wichtigen Versorgungseinrichtungen. Zwei EKZs, eines davon mit dem hochtrabenden Namen „New-Yorck- Center“, das Gablenzer Hallenbad und das Freibad um die Ecke, Kindergarten, Schule, gute ÖPNV-Anbindung durch Bus und Straßenbahn usw. Insgesamt kaum oder kein Durchgangsverkehr, nur Anwohnerverkehr - die denkmalgeschützen (?) Siedlungshäuser an der etwas mehr befahrenen Yorckstraße wurden ja schon vor einer Weile plattgemacht. Das ist ein weiterer, ganz wesentlicher Unterschied etwa zur Zietenstraße. In den Gründerzeitvierteln wurden wie anderswo auch die gewachsenen Strukturen mit kleinen Eckläden und Ladenzeilen ja durch EKZs in der Nachbarschaft und die Riesenmärkte am Stadtrand zerstört. Von den Kinos in den Vierteln wie etwa dem alten „Weltecho“ auf der Augustusburger Str. (jetzt Standort eines eher obskuren christlichen Jugendzentrums) oder dem „Europa 70“ in der Hainstraße gibt es kein einziges mehr.


    Betriebswirtschaftlich gesehen stimmt die Rechnung der GGG und ich bin mir sicher, zumindest im Chemnitzer Yorck- und Beimlergebiet auch noch auf längere Sicht. Das ich diese rein betriebswirtschaftliche Betrachtung aus Sicht des langfristigen Stadtumbaus und natürlich des Denkmalschutzes für falsch halte, steht außer Frage. Nur ist das weniger eine Sache der GGG und anderer kommunaler Wohnungsgesellschaften, sondern das müssen Politik und Engagement der BürgerInnen beeinflussen. Ein Anfang wäre es ja schon, wenn die Wohnungsgesellschaften ihre Altbaubestände verkaufen und nicht nur bis zur Abbruchgenehmigung vergammeln lassen würden wie es natürlich auch aus Angst vor Konkurrenz jahrelang getan haben. Das scheint ja nun endlich loszugehen. Aber natürlich werden die sanierten Wohnblocks noch lange günstiger sein als die Gründerzeithäuser, die ja zusätzlich zu den wesentlich höheren Sanierungskosten nun auch noch die Kaufsumme "einspielen" müssen.


    Sich ständig zu fragen, warum die Leute in Chemnitz derart rückschrittlich sind und lieber in den alten zugigen Platten hausen statt in den schönen Gründerzeitvierteln, ist weder sachlich richtig noch führt es weiter. Solange sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, wird das noch eine ganze Weile so bleiben. Und wenn sich das nicht doch noch schneller ändert, sind die Gründerzeitbauten alle weg und zwischen Reitbahnviertel und dem Beimlergebiet werden die Kleingartenanlagen immer größer oder es wogen wieder Gerstenfelder.


    GESCHÄFTSBERICHT 2007 der GGG
    http://www.ggg.de/fileadmin/us…ER/GGG-GB_komplett_01.pdf
    Eines der Lösungskonzepte ist der Rückbau. In der Stadt Chemnitz wurde in den Jahren 2001 bis 2006 der Rückbau von 11.900 Wohnungen mit 34,8 Mio. EUR gefördert. Der Anteil, der durch die GGG im selben Zeitraum zurückgebauten Wohnungen, betrug dabei mehr als 60 %, insgesamt 7.163 Wohneinheiten an 395 Standorten. Hinzu kamen im Jahr 2007 weitere 1.011 zurückgebaute Wohnungen an 63 Standorten.


    Wer bei der Frage nach Informationen zum Stadtumbau in Chemnitz auf jeden Fall noch zu nennen wäre ist Patrick Pritscha, Sprecher für Stadtentwicklung der Fraktion DIE LINKE im Chemnitzer Stadtrat und Mitglied im Aufsichtsrat der GGG. Ich habe in den letzten Jahren immer mal wieder mit ihm über solche Fragen diskutiert und natürlich sind wir auch nicht immer einer Meinung gewesen. Aber es war für mich immer ein Gewinn:


    Schrumpfende Städte und Stadtentwicklung - ein Überblick
    von Patrick Pritscha, Hrsg. Kommunalpolitisches Forum Sachsen e.V.
    GNN-Verlag 2008, ISBN: 978-3-89819-280-4, 4,00 EURO
    http://www.linke-bildung-kultu…09/15/stadtumbauprobleme/


    Denkmalschutz und Stadtumbau Ost - wie weiter? Den Menschen in den Mittelpunkt stellen. 16.11.2008
    http://www.michael-leutert.de/…umbau-ost-wie-weiter.html

  • Hallo lguenth und Danke für Deinen Beitrag. Wie fühlt man sich so, wenn man im Dienste der Diskussion hier im Forum plötzlich die Interessen der GGG vertritt? ;-). Ich finde es aber gut und versuche soweit es geht, ebenfalls beide Positionen zumindest nachzuvollziehen. Es gibt gerade für Leipzig die Diskussion über die Rolle und Funktion einzelner Stadtteile und so etwas ähnliches kann für Chemnitz sicher auch nicht schaden.


    Und das scheint mir wirklich relativ aussichtslos. Klar kann die ReBa 84 als bunter Farbtupfer funktionieren, aber niemals macht man aus dem Reitbahnviertel eine "Universitätsvorstadt". Die Stadtteile, die dafür prädestiniert wären, liegen leider am anderen Ende der Stadt (Sonnenberg). Somit bleibt am ehesten das Lutherviertel. Vielleicht sollte man sich hier nach einer Alternative umschauen, aus dem Bestand der GGG käme vielleicht die Clausstraße 64 in Frage (wird aber mit 550 m² wohl zu klein sein). Insgesamt würde ich auch dafür plädieren, es mal eine Weile mit dem Status quo zu versuchen, letztendlich wird aber wohl niemand wegen dem Südbahnhof oder der ReBa 84 ins Reitbahnviertel ziehen...


    Das war der Spitzenvorschlag der FDP, über den ich doch eine Weile herzhaft lachen konnte:


    14.11.2008 FDP Fraktion regt an das Reitbahnviertel in Universitätsvorstadt umzubenennen
    http://www.fdp-chemnitz.de/serve/fraktion/anzeigen/1203.html
    Bei dem Hintergrund des Vorschlages stimme ich mit den Liberalen aber durchaus überein.


    Dr. Dieter Füsslein, FDP Stadtrat und Mitglied des PBUA, argumentiert den Vorschlag wie folgt:
    „Das Stadtgebiet, der Stadtteil zwischen Uni (Campus) und Chemnitzer Innenstadt, also die Universitäts-Vorstadt, ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Kernstadt und Uni. Hier sollten sich Forschung, studentisches Leben, Wohnen und eben auch experimentelle Wohnformen entwickeln, die die Stadt der Ingenieure sichtbar werden lassen."


    Wenn überhaupt eine Ecke in Chemnitz dafür geeignet ist, ein „junger Stadtteil“ zu werden, dann mit den genannten Argumenten die Gegend links und rechts der Reichenhainer Straße. Für Leute, die sich in Chemnitz nicht auskennen, die Diskussion aber trotzdem nachvollziehen möchten: http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000 An der Reichenhainer Straße konzentrieren sich die Gebäude der TU (Campus mag man das nicht nennen) mit den meisten Instituten, der Bibliothek, Rechenzentrum, Mensa etc. Zur Architektur der Uni können wir ja später noch was beitragen ;-)). Stadtwärts gibt es so erste Ansätze einer damit in Verbindung stehenden Infrastruktur wie Cafés (Südeck), Copyshops etc. Natürlich wohnen Studenten auch auf dem Sonneberg wie auch überall anders, aber wie gesagt, der ist von der Uni etwas weit weg. Sie verteilen sich in der Stadt mit gewissen Ballungen. Das Lutherviertel ist eine klassische Wohngegend, aber da fehlen die Kneipen, die leerstehenden Industriebauten für verschiedene Projekte und es liegt eben nicht zwischen Uni und Innenstadt/Zentralhaltestelle/Hauptbahnhof/…


    Die Clausstraße 64 ist ein normales Wohnhaus mit einigen Nachbarhäusern sowohl aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg als auch Altneubau der 60er Jahre, das für einen solchen Zweck völlig ungeeignet ist, da es erstens zu klein ist – es sind nach eigener Darstellung wohl etwa 25 BewohnerInnen in der reba84 - und zweitens ein Raum für Veranstaltungen fehlt. Ich bin als Kind in dem Haus rumgeschossen, als es noch bewohnt war, weil ich bis Mitte der 80er in dem Block an der Dürerstraße direkt daneben gewohnt habe. http://maps.live.de/LiveSearch…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000 Da sah das noch alles ganz anders aus und es standen noch einige Häuser mehr, z.B. die Clausstraße 62, die wohl erst kürzlich gefallen ist. Auf dem Luftbild ist sie noch drauf, auf der Vogelschau schon weg.


    Aber gut, in dem Forum hier geht es weder um Kindheitserinnerungen noch um die Reba84. Allerdings haben Stadtentwicklung und Stadtumbau ziemlich viel mit dem Bau- und der Sanierung von Häusern zu tun.



    "Wer ein alternatives Kulturprojekt betreibt oder dort vom Eigentümer geduldet wird, der muß immer damit rechnen, sich etwas anderes suchen zu müssen. Schließlich muß die GGG in erster Linie sehen, daß sie Geld verdient. Und bei 25% Leerstand in Chemnitz wird sich für die paar versprengten Alternativen wohl eine andere Bude finden lassen. Zumal aus einem Reitbahnviertel auch in tausend Jahren kein Connewitz und keine Neustadt werden wird..."


    Natürlich kann und wird die GGG so argumentieren wie Du es beschrieben hast. Ich halte es hinsichtlich der selbsterklärten (oder doch nur von der Stadt vorgegebenen?) Ziele nur für extrem kontraproduktiv. Es bricht der GGG wohl kein Zacken aus der Krone, wenn sie ausgerechnet wohl das am schwersten vermietbare Objekt in dem Block den Leuten weiterhin zur Nutzung überläßt, immerhin bekommen sie ja im Monat sowohl die Betriebskosten als auch Miete, also mehr als bei Wächterhäusern üblich. Von außen könnte das Haus ja in dem Zuge gleich mit aufgehübscht und zum Beispiel gedämmt werden, nur wäre die Vollsanierung im Inneren nicht nötig. Dafür hätte man einen Motor für die Entwicklung des Gebietes oder doch zumindest ein sehr deutliches Signal, dass die ganzen Vermarktungs- und Entwicklungsziele ernst gemeint sind und nicht nur Sprechblasen. Es geht (mir) ja nicht (nur) um die paar Leute, sondern um die Entwicklung des Stadtteils und der ganzen Stadt. Wenn es die GGG richtig drauf hätte, würde sie die alte Arbeiter-Kneipe „Zur Bleibe“ in dem Block soweit wiederherstellen, dass man da für wenig Miete wieder in Eigeninitiative was draus machen kann. Aber eher fällt wohl das ganze Haus.


    Und Du hast auch recht, niemand wird nur wegen der Reba84 dahin ziehen. Aber von einem Kristallationspunkt aus können sich weitere Projekte entwickeln. Die Leute sind auch nicht in den 1990ern nur wegen der NaTO in die Südvorstadt gezogen, aber sie gehörte zu dem Bündel an Annehmlichkeiten und Extras, die letztendlich so eine Entwicklung beeinflussten. Für Chemnitz ist es schon viel, wenn an irgendeiner Gegend der Stadt keine unmittelbare Gefahr besteht, dass der Nachbar wegen Ruhestörung die Polizei ruft, weil nach 22.00 Uhr in Zimmerlautstärke Musik gehört wird, oder man einen freundliche Nachfrage von der Wohnungsgesellschaft bekommt, warum man schon ein paar Tage erst nach 21.00 Uhr duschen würde, da das laut gurgelnd abfließende Wasser doch die Nachbarn stört. Beides ist mir selbst in Chemnitz schon passiert!


    Beschlüsse aus der Sitzung des Stadtrates - öffentlich - vom 26.11.08
    http://www.chemnitz.de/chemnit…esse_stadtrat_b261108.asp


    Beschluss-Nr. B- 133/2008
    Der Stadtrat beschließt,
    1. Das "Entwicklungskonzept Reitbahnviertel Chemnitz, Bericht Januar 2008" gemäß Anlage 3 der Beschlussvorlage als Grundlage des städtischen Verwaltungshandelns wird beschlossen. Die Verwaltung sowie der städtische Vertreter in der Gesellschafterversammlung (Gesellschaftervertreter) werden aufgefordert, die Zielstellungen des Konzeptes "Experimentelles Karree im Reitbahnviertel" zu unterstützen, insbesondere auf eine längerfristige Nutzungsmöglichkeit des Objektes Reitbahnstraße 84 im Rahmen dieses Konzeptes hinzuwirken.
    2. Der Stadtrat nimmt das "Regiebuch Stand Januar 2008" in der Anlage 4 der Beschlussvorlage zur Kenntnis und beauftragt die Fachverwaltung den Finanzierungsbedarf nach gesamtstädtischen Prioritäten zu prüfen und im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets anzumelden. Im Juni jeden Jahres ist dem PBUA über den Fortschritt der Realisierung zu berichten.
    3. Das Fördergebiet "Aufwertung Reitbahnviertel" zur Beantragung im Programm Stadtumbau Ost - Aufwertung gemäß Anlage 5 der Beschlussvorlage wird beschlossen.
    4. Das "Integrierte Handlungskonzept für das Reitbahnviertel" zur Förderung im EFRE-Programm Stadtentwicklung 2007-2013 gemäß Anlage 6 der Beschlussvorlage wird beschlossen
    5. Die Abgrenzung des Stadtteils Reitbahnviertel als Fördergebiet im EFRE-Programm Stadtentwicklung 2007-2013 gemäß Anlage 7 der Beschlussvorlage wird beschlossen.
    6. Die Umsetzung der Beschlussvorschläge 1 - 5 erfolgt unter Berücksichtigung der Prioritätensetzung im Rahmen der jeweiligen Haushalts- und Finanzlage der Stadt Chemnitz


    Das fettgedruckte war ein Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
    http://www.gruene-chemnitz.de/content/view/743/43/


    Alternatives Kultur- und Wohnprojekt Reitbahnstraße 84 wichtig für die Stadteilentwicklung
    Freitag, 21. November 2008


    Reitbahnviertel: Mit einem Antrag im Stadtrat am 26.11. fordern die Grünen die städtischen Vertreter in der Stadttochter GGG auf, das Konzept "Experimentelles Karree im Reitbahnviertel" zu unterstützen und auf eine längerfristige Nutzungsmöglichkeit des Objektes Reitbahnstraße 84 im Rahmen dieses Konzeptes hinzuwirken.
    Hintergrund für diese Initiative sind die Verkaufsabsichten der GGG. Dadurch werden zentrale Teile des Entwicklungskonzeptes Reitbahnviertel in Frage gestellt.
    Volkmar Zschocke, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat: "In einer Stadt, in der es immer schwieriger wird, die vielen leerstehenden Wohngebäude zu erhalten, ist jede Initiative zur kreativen Nachnutzung der Häuser kostbar. In der Reitbahnstraße 84 haben Chemnitzerinnen und Chemnitzer damit begonnen, konkrete Verantwortung für Gebäude und Stadtteilentwicklung zu übernehmen. Wir fordern die GGG auf, diesem Verein das Haus nun auch längerfristig zu überlassen!"


    http://www.reitbahnviertel.de/


    In wenigen Stunden geht die Veranstaltung los, mal sehen, welche Resultate erzielt werden und in welche Richtung die Diskussion verläuft:
    http://www.stadtstreicher.de/Planer/891641


    Experimentelles Karree - Wohin geht die Reise?
    Präsentation der neuen urbanen Abenteuerfläche mit anschliessender Diskussion. Zukünftige Aktivisten sind willkommen. Das Experimentelle Karree könnte eine gelungene Intervention in den hoffnungslos erstarrten öffentlichen Raum der "Stadt" Chemnitz werden. Zustimmung von vielen Seiten - nur der kommunale Eigentümer kann sich noch nicht recht daran gewöhnen. Hier tut ein starkes Bekenntnis Not.


    Dienstag, 6.1.2009 [ 18:00 ]
    Reitbahnstraße 84, 09111 Chemnitz

  • Wie fühlt man sich so, wenn man im Dienste der Diskussion hier im Forum plötzlich die Interessen der GGG vertritt? ;-)


    Das müßtest Du doch nach Deinen umfangreichen Ausführungen zur Promenadenstraße wissen :-). Aber wir wollen das nicht zu weit treiben. Denn das dort Gesagte ist zwar für sich betrachtet richtig, kommt aber nur dann zur Wirkung, wenn auch jemand in die sanierten Plattenbauten einziehen will. Und wenn man bspw. die Meldungen kennt, daß in der Innenstadt Geruchsbelästigungen auftreten, weil aufgrund des Leerstandes der dortigen Plattenbauten nicht mehr genug Abwasser entsteht, weiß man, wohin die Reise geht.
    Ich kann nur erneut auf die Leipziger Stadtteilstatistik verweisen (http://www.leipzig.de/imperia/…k-und-wahlen/lz_otk08.pdf). Wenn eine entsprechende Statistik zur Grundlage für die Stadtplanung in Chemnitz gemacht würde, gäbe es für das Heckert-Gebiet wohl keine Investitionsmittel mehr. Hier könntest Du doch Deine Kontakte in den Stadtrat mal spielen lassen - denn geführt werden solche Statistiken auch in Chemnitz. Oder gibt es irgendwo was dazu im Netz (bei Dir hat man sowieso den Eindruck, mit einer verbesserten Beta-Version von Google zu debattieren).


    Bezüglich der Reitbahnstraße 84 bin ich mittlerweile überzeugt, da muß man sich nicht unbedingt den Kopf über mögliche Alternativstandorte zerbrechen. Auch wenn man mit Ausstellungen à la "Kein Mensch ist illegal" wohl kaum den Massengeschmack der Chemnitzer Jugend trifft und 2500 Euro Betriebskosten und Miete auch eher als Spende aufgefaßt werden müssen, braucht eine Großstadt solche manchmal obskuren Farbtupfer. Wenn sich der Stadtrat bereits positioniert hat, verstehe ich aber nicht, was es da noch zu diskutieren gibt?

  • Nun, dieser Stadtratsbeschluß, den ich in der Deutlichkeit nicht erwartet hätte, wird hoffentlich etwas bewirken. Aber wenn ich das richtig verstanden habe, was immer mal aus Chemnitz zu mir herüberweht, wird die GGG den letzten Block nicht alleine sanieren. Der Flügel an der Fritz-Reuter-Straße ist wohl an jemanden anderes verkauft worden und mit dem gibt es irgendwelche Absprachen. Keine schlechte Gelegenheit, sich den schwarzen Peter gegenseitig in die Schuhe zu schieben. "Wir müssen aber doch, weil sonst werden wir vertragsbrüchig, denn der andere ... ." In trockenen Tüchern ist das Projekt noch lange nicht und das studentische Wohnen im Reitbahnviertel noch weniger. Wie gesagt, man könnte wohl einiges in die Richtung machen, z.B. die "Bleibe" wieder auf ;-) oder die Karl-Immermann 23 sanieren. Und auf der anderen Seite der Gustav-Freytag-Straße gibt es auch noch manches Haus zum "Wachküssen".



    Hier könntest Du doch Deine Kontakte in den Stadtrat mal spielen lassen - denn geführt werden solche Statistiken auch in Chemnitz.


    Hamm, sprach Schramm. Mit dem genannten Stadtrat bin ich vor über 15 Jahren in die Schule gegangen und man sieht sich hin und wieder mal, da man sich für ähnliche Dinge interessiert und sich bisweilen auf den gleichen Veranstaltungen trifft. Nach Interna werde ich ihn nicht fragen.



    Oder gibt es irgendwo was dazu im Netz?


    Ich halte die Augen diesbezüglich auf.

  • Im Netz noch nichts, aber vielleicht hier:


    Statistisches Jahrbuch 2008, 30.12.2008
    - Das Jahr 2007 in Zahlen -


    Themen: Chemnitz und seine Geschichte, Stadtgebiet und Naturverhältnisse, Bevölkerung, Bauen und Wohnen, Arbeitsmarkt und Wirtschaft, Verkehr und Fremdenverkehr, Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Bildung und Kultur, Sport, Gesundheit und Soziales, Versorgung und Verbrauch, Umwelt, Verwaltung, Preise und Einkommen (171 Seiten)

    Herausgeber:Stadt Chemnitz, Amt für Organisation und Informati
    Bezug:Stadt Chemnitz
    Amt für Organisation und Informationsverarbeitung
    Abteilung Statistik, Wahlen
    09106 Chemnitz
    Fax: 0371 488-1898
    Preis:20,50 EUR (zzgl. Versandkosten)


    Oder in der Stadtbibliothek: Ter B 04.1 Chemnitz Chem/2006-07


    Bei 171 Seiten vermutlich mehr als nur die Zahlen für die gesamte Stadt, die auch im WWW zu finden sind: http://www.chemnitz.de/chemnit…en/zahlenfakten_index.asp



    Stadtteile 2006, 14.6.2007
    Stadtteilinformationen zur Bevölkerung (Stand, Wanderungen, Geburten, Sterbefälle) und Wohnungsbestand in den Chemnitzer Stadtteilen


    Herausgeber:Stadt Chemnitz, Amt für Organisation und Informati
    Bezug:Stadt Chemnitz
    Amt für Organisation und Informationsverarbeitung
    Abteilung Statistik, Wahlen
    09106 Chemnitz
    Fax: 0371 488-1898
    E-Mail: statistik@stadt-chemnitz.de
    Preis:13,00 EUR (zuzügl. Versandkosten)


    Müßte es ja auch für 2007 aus Mitte 2008 geben. Und dann in den Bibliotheken.