Hospitalviertel (Sammelthread)

  • update 06.04.2012

    Nur noch Schutt und Asche um die Hospitalkirche herum. Während S21 so im Fokus steht, und die Blockierer und Verzögerer volends einvernimmt, bleibt genug Zeit in aller Ruhe die halbe Stadt abzureissen :D Aber was solls, wieviel kann man auf dem Radar schon haben, bei dem Horizont...





    Und hier das (künstliche) Streitobjekt. Was für ein Prachtstück...



    Bilder: Silesia

  • Man sollte die Kirche auch noch abreissen. Das weckt nur Erwartungen die in diesem Viertel scheinbar brutalst enttäuscht werden. Immerhin scheint es dich zu beglücken.

  • Das Wengerterhaus ist absolut erhaltenswert. Wart ihr schon mal im Keller? Das ist was ganz Besonderes. Soll sich der Herr Kelsch was schämen!

  • Wenn ein Bau äußerlich offenkundig belanglos ist, wird eben plötzlich das Innere oder gar der Keller zum Weltkulturerbekandidaten erhoben. Kommt mir das irgendwie bekannt vor? Ach ja, Da Vinci. Beim Bonatzbahnhof ähnliches Schema. Hauptsache irgendwie etwas Neues verhindern.


    Wenn sich tatsächlich ein schräger Vogel findet, der ein bisschen zu viel Geld übrig hat, soll er das Häuschen gerne in seinen Vorgarten stellen. Ansonsten sollte er uns mit seinem verqueren Sendungsbewusstsein bitte verschonen.

  • Ich frage mich, wie ein Vertreter der Administration eines Architekturforums ernsthaft so einen Ansammlung von Unsachlichkeit von sich geben kann. Aber der Reihe nach:


    - Ob das Äußere belanglos ist oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle in Bezug auf den wie auch immer gearteten (Erhaltungs-)Wert. Ein Großteil von Baden-Württemberg wäre belanglos, wenn man nach dem Äußeren geht, da gerade dort ein Großteil der vorgründerzeitlichen Altbauten verputzt und optisch zunächst einmal wenig ansprechend sind. Unsaniert wie hier erst recht.


    - Nichts wird zum Weltkulturerbe erhoben. Was soll diese rhetorische Übersteigerung? Es geht um Denkmalschutz und ob das Gebäude aus dieser Sicht, also als Zeugnis für die Architektur einer bestimmten Epoche in einer bestimmten Region erhaltenswert ist. Danach sieht es für mich im Stuttgart des Jahres 2012 doch sehr aus.


    - Was wird denn neues verhindert? Etwas, was Stuttgart zum Weltkulturerbe verhilft? Oder etwas, was es noch gesichtsloser macht, als es wirklich schon ist? Glaubst du, glaubt tatsächlich irgendein Mensch ernsthaft daran, dass der Abriss des Hauses diesem Viertel oder gar der Stadt irgendwie hilft?


    - Und zu guter Letzt, wirklich ganz großes Kino, einen der wenigen Mäzenaten, die es in unserem Land gibt, und sich für Architektur, in welcher Form auch immer engagieren, als „schrägen Vogel“, „verquer“ und mit vermeintlichem Geltungsdrang behaftet zu beleidigen.

  • ein seltsamer Geist weht durch Stuttgarts Gassen...das "A" in "DAF" steht in dieser Stadt definitv für "Abbruch" und das "F" für "Freu(n)de".


    Bevor hier sofort die "S21-Verhinderer" - Keule ausgepackt und wild um sich geschlagen wird wäre doch mal folgendes interessant:


    • wie sehen die Entwürfe für den Neubau aus, der da "verhindert" werden soll
    • wie sieht das Fachwerk unter der Fassade aus


    Sollte ist das Haus im sanierten Zustand in der Lage sein, bei entsprechender Gestaltung des Umfeldes für so etwas wie Aufenthaltsqualität zu sorgen? Das hätte die Ecke wirklich bitter nötig.


    Die Stuttgarter werden, weil mal über eine andere Lösung als die Schaffung eines neuen Betonblocks nachgedacht wird, nicht gleich ins Mittelalter zurückversetzt, genausowenig wie Abbruch von Vorkriegssubstanz und Ersetzen durch Neubauten automatisch für Wohlstand oder gar Metropolenflair sorgt.

  • Ich finde das ganze Gezeter schon ziemlich fragwürdig bis witzig. Das vergammelt das Häuschen über Jahre und Jahrzehnte. Denkmalgeschützt ist es auch schon seit vielen Jahren nicht mehr. Grund: zu wenig historische Bausubstanz. Wirklich eingehend geprüft hat das keiner, selbst das Alter ist nicht bekannt. Dass viel Historisches noch vorhanden ist darf aber bezweifelt werden. Und in den Denkmalschutz ist der Bau damals anscheinend sowieso nur aufgrund einer reinen Sichtprüfung von Außen gekommen.


    Interessiert hat der ganze Prozess und der Zustand fast keinen.


    Doch jetzt, wo der Besitzer den Bau abreissen will, da springen plötzlich die Leute aus allen Ecken des Landes herbei, schreien "Nein", und kommen im besten aktionistischen Hauruckverfahren mit Ideen, Wünschen oder Forderungen.


    Wie wäre es eigentlich, wenn man in Zukunft so etwas proaktiver angehen könnte, anstatt immer in der letzten Sekunde angerannt zu kommen? Denkmalschutz hin oder her, das Alter des Gebäudes hin oder her, hier haben viele großen Bockmist gebaut, aber es ist garantiert nicht der Besitzer gewesen. Und sorry, alleine schon deswegen sollte man das Gebäude (und auch das Hotel Silber) als warnendes Symbol abreissen (oder gerne auch versetzen), damit so ein Chaos in Zukunft nicht mehr passiert.


    hans.maulwurf :
    Nein, das Gebäude allein kann die Aufenthaltsqualität des Viertels und der Straße nicht im Geringsten anheben. Schau dir einfach mal das Bild weiter oben an. Ich würde da radikal alles abreißen und von vorne anfangen.
    Und ich würde - welch Schock - beim Neubau tatsächlich das von dir so verhasste Baumaterial Beton verwenden. Wenn ich ganz dreckig drauf wäre, dann würde ich sogar noch Glas verwenden (Fenster müssen ja sein). Beim Stahl wäre ich mir dann allerdings doch nicht so ganz sicher, weil ich befürchten müsste, dann von mit Fackeln und Mistgabeln bewaffneten Bürgern aus der Stadt gejagt zu werden. Insofern würde die Garantie nur zwei Wochen betragen, da Beton ohne ein Stahlgeflecht im Inneren nicht so stabil ist.

  • http://m.stuttgarter-zeitung.d…88-92b2-413b8bc09715.html


    Also, ich verstehe die Welt nicht mehr. Im Ausgangsartikel der Stuttgarter-Zeitung ist doch alles dargestellt.


    Das Gebäude ist gerade nicht vom Denkmalschutz erfasst. Die Begutachtung brachte die Erkenntnis, dass von einem Verlust von mindestens 70 Prozent der originalen Bausubstanz auszugehen ist. Das Gebäude ist mithin nicht erhaltenswert.


    Die Denkmalschutzvorschriften des Staates stellen doch einen gewaltigen Eingriff in die Rechte des Eigentümers dar und können deshalb nicht nach Lust und Laune angewandt werden. Zudem ist das Denkmalschutzamt gerade nicht für die Stadbildpflege zuständig.*


    Es ist insgesamt ärgerlich, dass den zuständigen Behörden immer öfter keinerlei Kompetenz zugebilligt wird und stattdessen mit laienhaften Argumenten Unvertretbares verteidigt wird!*In diesem Kontext ist es durchaus angemessen die Beteiligten als Querköpfe zu bezeichnen.


    RMA ärgert sich hier über Unsachlichkeiten, bezeichnet im selben Beitrag aber alle neue Architektur als gesichtlos und ermisst die bestehende Bebauung pauschal als vorrangig erhaltenswert.*
    Das ist schon unfreiwillig komisch.

  • madmind : Beton ist ein wunderbarer Baustoff. Es kommt halt darauf an was man damit macht. In Stuttgart leider i.d.R. zu wenig, und ich kann mir wirklich nicht vorstellen dass genau an dieser Stelle Sensationelles entstehen wird.
    Mit Umfeld meinte ich den etwas heruntergekommenen Büro-Anbau, dem garantiert keiner nachtrauert und dem Eigentümer macht eigentlich auch keiner Vorwürfe. In sofern ist doch alle Aufregung umsonst...


    Trotz allem wäre doch interessant zu wissen wie das Fachwerk drunter aussieht (bzw. ausgesehen hat) und was an dieser Stelle vorgesehen ist, bevor man gleich denn Abrissbagger herbeisehnt, oder nicht?


    Das eine Metropole ein paar kleine Fachwerkshäuschen im Zentrum vertragen kann zeigt meine neue Heimat (nach über zwanzig Jahren Stuttgart von Geburt an, deshalb interessiert mich auch nach wie vor was in S passiert) Frankfurt in eindrucksvoller Weise.


    Nachtrag: selbst in seiner jetzigen Form ruft das Häuschen beim zufälligen Vorbeilaufen bei meinen Gästen Überraschung hervor, und das ohne explizit daraufhin zu weisen.

  • RMA ärgert sich hier über Unsachlichkeiten, bezeichnet im selben Beitrag aber alle neue Architektur als gesichtlos und ermisst die bestehende Bebauung pauschal als vorrangig erhaltenswert.*
    Das ist schon unfreiwillig komisch.


    Wo schreibe ich denn, dass ich „alle neue Architektur“ als gesichtslos betrachte? Es ist ja wohl mehr als eindeutig, dass es bei der genannten Abwägung einzig um den konkreten Fall geht. Unfreiwillig komisch finde ich eher, dass jemand, der sich als Jurist bezeichnet, offenbar noch nicht mal richtig lesen kann, und daraus dann Vorwürfe bastelt.


    Allerdings muss ich madmind zustimmen, wieso muss es erst soweit kommen, gerade in Stuttgart, bis wieder eine breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam wird? Primär ist daran natürlich der in der Ära Teufel wirtschaftsfreundlich ausgehöhlte Denkmalschutz an sich Schuld, der in BW mittlerweile auf das Niveau eines Kleingärtnervereins reduziert ist. Ich bin allerdings nicht der Ansicht, dass man es nun der Öffentlichkeit vorwerfen kann, diese Rolle aufgrund der politisch gewollten Schrumpfung der eigentlichen Instanz nicht übernehmen zu wollen.


    Des Weiteren sollte man auch genau lesen: das Gutachten, das von einem Verlust von 70 Prozent der Substanz ausgeht (übrigens ein feines Wort, so unverbindlich), wurde vom Hausbesitzer in Auftrag gegeben. Selbst wenn man mal davon ausgeht, dass bei der Begutachtung nicht auf, vorsichtig ausgedrückt, Befindlichkeiten des Hausbesitzers eingegangen wurde, ist auch die Frage zu stellen, wie groß der finanzielle Rahmen war, der zur Verfügung gestellt wurde.


    Die bis jetzt geläufigen Datierungen deuten auf ein oberflächliches Gutachten hin. Hätte man chemische Analysen, C14-Untersuchungen sowie Dendrobohrungen vorgenommen, lägen wesentlich genauere Daten vor. Somit scheint eher eine oberflächliche Begutachtung von ohnehin freiliegendem Mauerwerk und Bauteilen, seiner Technik sowie der Holzverbindungen vorgenommen worden zu sein. Mein Vorschlag zur Güte wäre daher ein zweites Gutachten von einem unabhängigen Institut.

  • madmind : Wie kommst du darauf, dass in einem historischen Gebäude nicht mehr viel Historisches vorhanden ist? Oder anders gefragt, wann beginnt denn die Historie? Und super, du willst das ohnehin schon in vielen Ecken hässliche Stuttgart also noch hässlicher machen, indem du dort mal wieder einen modern-belanglosen Komplex hinstellst. Wie lange dauert es denn noch, bis die Stadt völlig verunstaltet ist?


    Ich könnte mich dann mit einer Versetzung des Gebäudes zufrieden geben, wenn man sich wenigstens dazu durchringen würde, zwischen Marktplatz und Stiftskirche bedeutende historische Häuser zu rekonstruieren. Aber zu dieser großzügigen Geste zu Gunsten der Bürger dieser Stadt wird selbige wohl kaum fähig sein...


    Die Unzulänglichkeiten des baden-württ. Denkmalschutzes im Hinblick auf die Stadtbildpflege wurden hier ja bereits angesprochen. Ein Fall für den Gesetzgeber. Aber der ist ja gerade mit der Renovierung seiner grässlichen braunen Hütte im Schlossgarten beschäftigt...

  • RMA
    Ich bitte um Verzeihung. Du hast es nicht ausdrücklich geschrieben, es entstand bei mir lediglich der Eindruck.


    Du hast schon Recht, eine erneute Begutachtung könnte wohl zur Befriedung beitragen.
    Aber wer kann das? Wem wird da geglaubt?


    Meine zugegebenermaßen gereizte Antwort ist Ausdruck des Unverständnisses darüber, wie mit Verwaltungsakten in letzter Zeit umgegangen wird.

  • madmind : Wie kommst du darauf, dass in einem historischen Gebäude nicht mehr viel Historisches vorhanden ist?


    Für jemand, der sich um den Bestand Stuttgarts so massig sorgen macht, liest du die Zeitungsartikel aber überraschend oberflächlich. Guckst du hier: "Dabei habe sich herausgestellt, dass 70 bis 80 Prozent der Substanz nicht mehr original seien". (Quelle). Natürlich meckert einer, dass das Gutachten nicht stimme und so weiter und so fort. Aber das Denkmalamt hat damals eben nichts mehr unternommen. Und auch darauf habe ich mich auch bezogen. Besonderes Schmankerl: Der Denkmalschutz wurde ursprünglich allein aufgrund einer Besichtigung von Außen genehmigt (= Neubau im alten Stil? Sofort Denkmalschutz!).


    Und super, du willst das ohnehin schon in vielen Ecken hässliche Stuttgart also noch hässlicher machen, indem du dort mal wieder einen modern-belanglosen Komplex hinstellst. Wie lange dauert es denn noch, bis die Stadt völlig verunstaltet ist?


    Gib mir 15 Jahre. In der Zwischenzeit könntest du dann nach einer Wohnung in Dresden, Paris oder irgendeiner anderen Stadt suchen, in der die historische Bausubstanz erhalten geblieben ist. Ich würde jedenfalls garantiert nicht anfangen, Dir zuliebe irgendwelche Fachwerksimitate hinzustellen.


    Ich könnte mich dann mit einer Versetzung des Gebäudes zufrieden geben, wenn man sich wenigstens dazu durchringen würde, zwischen Marktplatz und Stiftskirche bedeutende historische Häuser zu rekonstruieren. Aber zu dieser großzügigen Geste zu Gunsten der Bürger dieser Stadt wird selbige wohl kaum fähig sein...


    Sprichst du jetzt auf einmal für alle Bürger dieser Stadt? Welche historisch bedeutsamen Gebäude meinst du? Wie soll das gehen, wenn viele Flächen und Gebäude wohl nicht der Stadt gehören? Enteignung? Wer soll das bezahlen? Und wie soll das Ganze eigentlich in unseren Zeiten funktionieren, in denen auch architektonisch alles bis ins kleinste vorgeschrieben und geregelt ist?


    Aber gut, diese Diskussion gehört vermutlich in den Strang Grundsatzdiskussion alt/modern.

  • ^ Keine Sorge, Oberflächlichkeit liegt bei mir nicht unbedingt vor, auch nicht beim Lesen. Wie du aus meiner kritischen Fragestellung entnehmen kannst, habe ich Probleme mit deiner fehlerhaften Subsumtion. Das Gutachten (die Frage nach dessen Richtigkeit mal außen vor gelassen) beantwortet nur die Frage der "Originalität" nicht die Frage, was ist "historisch". Und aus diesem Grunde mein berechtigter Einwand, dass diese Eigenschaft einfach vorliegt und zwar ganz unabhängig von der Denkmalwürde.


    Nichts für ungut, aber wie wäre es, wenn die Modernistenschaft mal ein wenig Kompromissbereitschaft zeigen würde? Ich verurteile auch nicht jedes moderne Gebäude per se, weil es durchaus gelungene Beispiele gibt. Es gibt genug Flächen, auf denen sich die Architektenschaft ausleben kann, mit S21 kommt jetzt noch eine weitere gigantische Spielwiese hinzu. Dann sollte man doch in der Lage zu einer großzügigen Geste sein... Ich weiß, viel zu viel verlangt.


    Selbstverständlich kann ich nur für mich sprechen, aber ich bin kaum allein mit dieser Meinung. Enteignen wird schwierig (wobei das bei S21 auch ein probates Mittel war), kaufen wäre die bessere Option oder sich mit den Eigentümern zusammen zu setzen und die baurechtlichen Rahmenbedingungen (Bebauungsplan) schaffen. Und sind wir ein reiches Bundesland oder sind wir keines? Vorschreiben kann man übrigens vieles in Architektenwettbewerben; auch Fachwerkfassaden.

  • Wie du aus meiner kritischen Fragestellung entnehmen kannst, habe ich Probleme mit deiner fehlerhaften Subsumtion. Das Gutachten (die Frage nach dessen Richtigkeit mal außen vor gelassen) beantwortet nur die Frage der "Originalität" nicht die Frage, was ist "historisch". Und aus diesem Grunde mein berechtigter Einwand, dass diese Eigenschaft einfach vorliegt und zwar ganz unabhängig von der Denkmalwürde.


    Ob "Original = Historisch" oder "Original != Historisch" wissen nur die Autoren und diejenigen, die das Dokument gelesen haben. Der Punkt ist aber doch der: wäre die nicht originale Substanz historisch oder besonders alt, dann wäre der Denkmalschutz sicher beibehalten worden. Da dem so nicht geschehen ist, schließe ich daraus, dass die nicht originale Substanz nicht so alt ist, dass man von "Historisch" sprechen kann.
    Konkret weiß ich das natürlich nicht, ich habe nur anhand der gegebenen Informationen eine Schlussfolgerung gezogen. Du weißt es aber genauso wenig, weshalb du nicht einfach behaupten kannst, dass eine historische Eigenschaft "einfach" vorliegt.
    Wie richtig oder falsch das Gutachten letztendlich ist, ist im Hinblick auf die getroffene und nicht angefochtene Entscheidung auch irrelevant, denn das Gutachten muss gut genug und richtig genug gewesen sein, um das Gebäude aus dem Denkmalschutz zu nehmen. Komischerweise hat dieser Schritt damals anscheinend keinen interessiert. Glaubten alle, dass der Bau schon stehen bleiben wird?


    Nichts für ungut, aber wie wäre es, wenn die Modernistenschaft mal ein wenig Kompromissbereitschaft zeigen würde?


    Okay, hier ist der Kompromiss: wir bauen moderne Gebäude, die klassiche Stilelemente aufgreifen und/oder neu interpretieren.


    Ich verurteile auch nicht jedes moderne Gebäude per se, weil es durchaus gelungene Beispiele gibt.


    Hmmm, da du bei den von mir weiter oben genannten Baumaterialien Beton, Stahl und Glas gleich auf "modern-belanglose Komplexe" geschlossen hast (und das noch, wo du gar nicht weißt, was ich da hinbauen würde), wage ich mal, das heftigst zu bezweifeln.


    Es gibt genug Flächen, auf denen sich die Architektenschaft ausleben kann, mit S21 kommt jetzt noch eine weitere gigantische Spielwiese hinzu.


    Okay, Gegenvorschlag: die Historiker bekommen ein paar Fachwerksfassaden, dafür dürfen die Modernisten ein paar richtige Hochhäuser in Stuttgart bauen und die Architekten sich in modernster Architektur austoben. Und das läuft dann ohne die übliche Prozedur ab, in der die Historiker ihre Fackeln und Mistgabeln aus dem Keller holen und dagegen ins Feld ziehen.
    Wärst du damit einverstanden?


    Enteignen wird schwierig


    Find ich nett, dass du scheinbar ernsthaft über diese Option nachzudenken scheinst.


    Und sind wir ein reiches Bundesland oder sind wir keines?


    Wenn das Land oder die Stadt nicht als Investoren auftreten, dann ist dieser Punkt irrelevant, da der Bauherr bestimmt, wieviel Geld ausgegeben wird.
    Ansonsten gilt: wenn die öfentliche Hand schon selber baut bzw. investiert, dann soll sie erst einmal die Schulen und andere öffentliche Einrichtungen baulich sanieren. Dann können wir gerne über großzügige Gesten sprechen.

  • Wiederum: Ich finds gut, wenn sich jemand aufrichtig auch für andere Regionen interessiert und mitdiskutiert :daumen:.


    Es kommt wohl darauf, an was man darunter versteht. Mit dem Auto durch Stuttgart fahren konnte man auch schon vor dem Krieg. Die Frage ob Autobahnen oder Straßen so breit wie 2 Häuserblöcke durch eine Stadt hindurch führen müssen darf gestellt werden und die Meisten beantworten sie heute mit Nein.

    und am zielstrebigsten dem Wahn von der autogerechten Stadt hinterherhechelte.

    Das läßt sich anhand der entstandenen Infrastruktur sowie im Vergleich ähnlich großer Städte schlicht nicht belegen, eher ist sogar das Gegenteil der Fall. Schau am besten auf die Karte. So ist das Stuttgarter City-Ringle geradezu der dem IV zugestandene kleinstmögliche Ausgleich dafür, dass wesentlich autofreundlichere Lösungen nicht realisiert wurden. München zum Vergleich besitzt fast drei große Straßenringe.


    Zum Beispiel sind auf der vielbeschworenen "Stuttgarter Stadtautobahn" Tempo 60 erlaubt, sie wird von vielen Ampeln unterbrochen und mündet noch mitten in der Stadt im zweistreifigen Heslacher Tunnel ;).


    Ob eine Stadt autogerecht ist, erkennt man am besten an den Staus, die anzeigen, ob die Straßenkapazität ausreicht, den Verkehr abzuleiten und da sieht es alles andere als günstig in Stuttgart aus. Das ist natürlich zu einem großen Teil der engen und dicht bebauten Kessellage geschuldet. Zwar hatte man zu Zeiten als noch tatsächlich nur für das Auto geplant wurde, ein gut ausgebautes Straßennetz in den Hanglagen angedacht. Doch entscheidend dafür, ob eine Stadt in diesem Sinne autogerecht ist, sollte nach meiner Überzeugung immer noch die gebaute Realität und weniger der angedachte Plan sein. Insofern, Stuttgart wäre möglicherweise eine autogerechte Stadt, wenn der Hund nicht geschissen hätte.


    Wie bei Stuttgart 21 sollte Kritiker von außerhalb - so er echtes konstruktives Interesse hat - aufpassen, nicht nur die massenmedial dominierenden Antis anzuhören. Zu leicht geht er sonst auf den Leim.



    Aber man könnte sich durchaus mal die Frage stellen, ob ein überschaubares Projekt wie in Frankfurt am Main nicht auch Stuttgart gut tun könnte. Selbst in Frankfurt am Main, einer ebenfalls erer ist in Stuttgart, entschuldige, einfach nur entsetzlich.

    Bezüglich Rathaus und Marktplatz wirst Du kaum jemand finden, der das anders sieht. Habe selbst an dieser Stelle mehrfach entsprechend beigetragen .


    Es fällt aber doch auf, daß ausgerechnet Stuttgart immer wieder in folgender Weise kritisiert wird:
    - keine Wasserfront wie in Dresden oder Hamburg
    - kein Altbau wie in Nürnberg oder Leipzig
    - keine Lebensart wie in München
    und jetzt
    - nicht einmal Rekonstruktion wie im seinerseits schon viel zu modernen Frankfurt


    Was hier völlig vergessen wird, ist der eigene Charakter von Stuttgart. Stuttgart muß keine andere Stadt kopieren, sondern hat genug positive Eigenart, allen voran die grandiosen aussichtsreichen Halbhöhenlagen und die Schlösserlandschaft der ehemaligen Residenzstadt.


    Man kann ja gerne den Stuttgarter Marktplatz zum Häßlichsten der Republik erklären; sollte dann aber zumindest die Existenz von Schiller- und Schloßplatz erwähnen. Es wird der Eindruck vermittelt, man müsse den ganzen Tag ob des tristen Marktplatzes depressiv in einer Stadt ohne Reize versauern. Real ist: Der häßliche Marktplatz schert wenig, schon weil er sich angesichts naheliegender schöner Plätze leicht meiden läßt.


    Nicht zu vergessen, daß zwar einzelne Häuser recht nett sind, aber eine Klasse darüber stehen schon noch die Stuttgarter Schlösser. Mir scheint, dies wird von Stadtkritikern gerne ignoriert. Erst wenn auch diese nicht mehr erhalten wären, würden selbige über die untergegangene ehemalige Schlösserlandschaft klagen.


    Vielleicht nimmt man das, was (wieder) steht, als selbstverständlich. Ich tue das nicht und finde Stuttgart besitzt einen der größten Schätze mit seinem Kranz an Schlössern
    Altes Schloß
    Neues Schloß
    Schloß Rosenstein
    Schloß Solitude
    Schloß Hohenheim)


    Das Prächtigste übrigens liegt rund 10 Km vor den Toren Stuttgarts:
    Residenzschloß Ludwigsburg + Favorite + Monrepos


    Nicht zu vergessen das maurische Wilhelma-Ensemble


    Die Halbhöhen muß man einfach erleben und nicht zuletzt seien die bedeutenden Gründerzeitviertel, vor allem in S-West und S-Süd erwähnt.


    Wäre es also beispielsweise denkbar, daß in die Rettung und Erhalt dieser Schlösserlandschaft am Ende viel mehr regionales Geld geflossen ist als was neuerdings am Frankfurter Römer passiert? Und ohne sie schön reden zu wollen: Mit bundesweiten Rekonstruktionsprojekten in den neuen Ländern plus Berlin brauchen wir die Stuttgarter Wiederaufbauleistung nach dem Krieg ohnehin nicht vergleichen.



    Übrigens gibt es viele Städte die ebenfalls in "Schutt und Asche gebombt" wurden sind. Die sehen heute aber zum großen Teil subjektiv schicker aus als Stuttgart.

    Du sagst es: subjektiv. Dein Subjekt bemißt eben eine 600.000-Stadt an ihrem Marktplatz, um es etwas zu überspitzen.



    Vielleicht ist diese negative und vor allem sachlich unzutreffende Verschlagwortung von Diskussionen ein besonders häufiger Charakterzug im Raum Stuttgart. Egal ob autogerechte Stadt, Nachkriegsbausünden, Stuttgart 21 oder die neue Messe, die mit gerade einmal 100.000 qm Fläche zwar nur einen Bruchteil so groß wurde wie Pendants in Hannover, Frankfurt, Düsseldorf oder Köln, aber hier als Gigantomanie auf den Fildern umherspukte. Besonders im Zusammenhang mit Bauprojekten wird immer wieder der Eindruck vermittelt, diese Stadt sei der lebensfeindlichste Fleck auf Erden. Glücklicherweise gibt es hinter dem Monitor noch die Realität, die jenseits des Internet auf Erkundung wartet und bisweilen sogar für positive Überrachungen sorgt.

  • Stuttgart ist in der Tat keine autogerechte Stadt. Wenn Stuttgart eine autogerechte Stadt sein sollte, wie sieht dann eine autoungerechte Stadt aus?


    Es gibt in Deutschland keine autogerechten Städte. Den Gedanken dazu gab es mal in den 60ern, aber das ist längst Geschichte. Gerade die letzten 20-25 Jahre gab es nur noch Strassenrückbau, Parkplatzabbau, Vorrangschaltungen für ÖPNV und Fußgänger, Ortsumgehungen (die Anwohner entlassten sollen) werden konsequent verhindert.


    Das Verkehrsproblem in Stuttgart resultiert natürlich auch aus Pendelverkehr, aber vor allem mangelnden Alternativen (Ortsumgehungen).
    => Wer im Großraum Stuttgart von A-B möchte landet meisst auf auf der B27 oder B14. Diese beiden innerstätischen Strassen können nunmal nicht den Verkehr von 2,7 Mio. Menschen auffangen.