Karl-Liebknecht-Straße 14 - Büro am Alex

  • Hier sieht man, wie nahe das Grundstück an der Marienkriche liegt, einem der ältesten und wichtigsten Baudenkmäler Berlins. Gerade deswegen ist es so schrecklich, was hier gebaut zu werden droht.

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    Dazu muss man aber auch sagen, dass die gesamte bereits vorhandene Bebauung neben und gegenüber der Marienkirche ebenfalls Schrecklich ist und keinen Anschluss zu diesem Baudenkmal bildet. Mein persönliches Empfinden richtet sich da als erstes nach der Gestaltung der Fassaden der umliegenden Bebauung, nicht etwa nach Höhe und Ausmaß.


    In anderen Metropolen gelingt das aber auch nur mäßig gut. Beispiel aus New York.

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  • ^ Ja, richtig. Ich meinte aber nicht, dass das, was hier entstehen soll, gestalterisch oder architektonisch an die Marienkriche anschließen sollte, sondern vielmehr, dass die Qualität der Architektur der Nähe zu diesem bedeutenden Bau und der zentralen Lage Rechnung tragen sollte, damit eine allmähliche Aufwertung überhaupt vollzogen wird. Das, was hier zu entstehen droht, würde nicht nur über Jahrzehnte den desolaten Ist-Zustand verfestigen und verstetigen, zumindest das geplante Hotel würde das bescheide jetzige Niveau noch einmal unterbieten. Es droht hier m.E. eine innerstädtische Bausünde ersten Ranges.

    (Schönes Foto, übrigens.)

  • Interessant auch, wenn der Fernsehturm vom Baukollegium städtebaulich als das absolut Allerheiligste betrachtet wird, zu seinen Füßen aber architektonischer Unrat abgeladen werden darf.

  • Bevor Du die üblichen Verdächtigen verhaftest, bitte nochmal ab hier nachlesen. Spoiler: Es ist eine sehr verworrene Angelegenheit mit Streit zwischen Alt-Besitzer und Investor und einer seit Ewigkeiten bestehenden, bald auslaufenden Baugenehmigung. Das Baukollegium trifft keine Schuld.

  • ^Ich weiß, ich wundere mich nur, dass der große Aufschrei hier aber ausbleibt, was ich an dieser Stelle für Berlin wirklich tief, tief bedauere. Außerdem wurde die Marienkirche selber ja auch innerhalb der Debatte um die mögliche Umgestaltung des Rathausforums immer nur als sekundäres Element betrachtet. Vielleicht weil sie kleiner ist als Rathaus und Fernsehturm, was ich wiederum sekundär finde.

  • Ehrlich gesagt: Was an die Ecke kommt, ist mir gar nicht so wichtig. Wenn hier mal der Blockrand geschlossen wird und es, sagen wir mal, kein zweites Moxy am Ostbahnhof wird, finde ich das schon in Ordnung.


    Der große Elefant im Raum ist hier meiner Meinung nach der Fernsehturm, oder besser gesagt: dessen skulpturatiger Umbau. Dieser ist zwar sehr 60s-chic, ist aber so nahe und unschön an dem Haus an der Karl-Liebknecht-Straße (das die DDR-Führung im Zuge der Platzgestaltung wohl abreißen wollte aber es leider irgendwie verbaselt hat), dass es alles total verbaut. Ich glaube an einem Punkt sind nur 3 m oder so dazwischen.


    Man möchte instinktiv Turm und Panoramahausein dick gepolsterte Wundpflaster ankleben :(


    Normalerweise dürfte zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Rathausstraße nichts anderes als der Fernsehturm stehen* (leider sehr unwahrscheinlich).


    Sehr ernst überlegen sollte man allerdings, dem Sockelbereich des Turms ein Neu-Design mit kleinerem Fußabdruck zu verpassen, damit eine so angenehm wie mögliche Symmetrie hergestellt wird.




    *und die Marienkirche natürlich, falls das irgendwie anders verstanden wurde...

  • < Der Sockelbereich des Fernsehturms ist doch schon längst verhunzt. Durch diese grünlich blinden Scheiben, das schreckliche Körperwelten-Museum. Die Brunnenkaskade ist seit Jahren außer Betrieb .... Klar wenn man alles verschandelt und vergammeln läßt kommt eines Tages der Ruf nach Abriß.

    Ich bin für originalgetreue Rekonstruktion!

  • ^Alle bisher gezeigten Entwürfe inkl. der von Langhof Architekten überzeugen mich nicht. Wenn man aber die Fussbebauung des FT als Anschlusspunkt nehmen möchte, dann passt der im #25 gezeigte Entwurf am besten zur Fussbebauung und zu dem schwarzen Kasten von Sauerbruch.

  • Auf der Seite des Investors sind Visualisierungen, die wir hier, glaube ich, noch nicht hatten. Das Gebäude wurde jetzt etwas mit grün verziert. Dafür fallen die Auskragungen (das einzige spannende an dem Gebäude) etwas kleiner aus. Auch die Fahrradrampe ist weg:





    Copyright: Formac-Consult

  • ^ Danke für die Bilder. Man sieht auch eine etwas stärkere Betonung der Vertikalen, vor allem beim Übergang zum Altbau. Nicht mehr ganz so daneben wie zuvor, der Ecke aber immer noch unangemessen.

  • ^^ Sehr interessant, danke. Wenn ich das richtig deute, ist eine Umgestaltung des Bestandsbaus vorgesehen, dort, wo jetzt die Ladenflächen sind, was für eine Einigung zwischen beiden Parteien spricht. Dadurch ist der überarbeitete Entwurf gerade im Innenhofbereich deutlich besser un man konnte überhaupt auf die Kritik des Baukollegiums reagieren, was wiederum hoffen lässt, dass dieser Entwurf vom Baukollegium akzeptiert wird und uns die größte Katastrophe an dieser Stelle, die Rückkehr zum grottigen, aber genehmigten Hotel-Entwurf, erspart bleibt.

  • < Der Sockelbereich des Fernsehturms ist doch schon längst verhunzt. Durch diese grünlich blinden Scheiben, das schreckliche Körperwelten-Museum. Die Brunnenkaskade ist seit Jahren außer Betrieb .... Klar wenn man alles verschandelt und vergammeln läßt kommt eines Tages der Ruf nach Abriß.

    Ich bin für originalgetreue Rekonstruktion!

    Die Brunnenkaskaden waren den gesamten Sommer über in Betrieb und auch schon mindestens die zwei Jahre zuvor.

    Der Sockelbereich ist durch die Einbauten der Läden in der Tat nicht mehr im Originalzustand, das ließe sich aber in kurzer Zeit ändern. Dieser steht übrigens genauso unter Denkmalschutz wie der Fernsehturm selbst.


    Zum eigentlichen Thema - die neuen Visualisierungen sind zwar nicht der Knaller, versprechen doch aber mindestens, dass der Investor diesen verwirklichen wird und nicht den schrecklichen Entwurf, der den Geist der 1990er ausstrahlt.

  • Der Entwurf überzeugt mich grundsätzlich auch - vor allem ist er mit dem Fernsehturm umso einiges stilsicherer und Verträglicher als die anderen Neubauten am Platz


    Die größte Herausforderung und hier noch recht gut gelöst, ist für mich der optische Anschluss ans Panoramahaus - das klemmt irgendwie - scheint mir aber Gestalterisch kaum lösbar es sei denn man hätte sich n.m.E konsequent an die Betonung der Vertikalen oder wenigstens an die Geschosshöhen gehalten.


    Ich denke es fehlt eine deutliche Vision für die Art der Verdichtung und Gestaltung an der Stelle - um Die wenigen Vorkriegsbauten stärker in Einklang mit Ihrer Umgebung zu bringen, was schon durch die gewaltätigen Volumen der Wohnbebaung an der Liebknecht. nahezu unlösbar scheint.

    Wenn man nicht aufpasst werden Marienkirche und noch stärker das Panoramahaus einmal mehr zum lästigen historischen Sprengsel.


    Während die Marienkirche sich noch in ihre monumentale Eigenschaft retten kann - findet das Panoramahaus bis auf die sichtbaren Reste des Bahnhofsgebäudes nirgendwo so recht Anschluss und könnte in die Schusslinie geraten denn In die Denkmalliste ist es auch nicht eingetragen worden so weit ich weiß -

  • Man sieht dem Gebäude an, dass es für die Horizontale entworfen wurde und nachträglich um vertikale Elemente ergänzt wurde, um ihm die Wirkung zu nehmen. Dabei ist man aber nicht konsequent genug gewesen. Kann ich den neuen Seitenflügeln noch recht viel abgewinnen, fällt vor allem der Mittelteil mit den schmalen Vorhängeblechen(?) ab. Hier hätte ruhig ein "echter" vertikaler Bruch drin sein können, der das Gebäude in 3 Segmente teilt, statt diese Teilung nur "billig" zu simulieren. Der Riegel ist lang genug, um mehr Kleinteiligkeit zu vertragen. Grundsätzlich aber eine Verbesserung.

  • Das einzige gute was ich diesem Bau abgewinnen kann, ist das es die Straßenflucht wenigstens abschließt. Sieht man ganz gut auf dem Bild von Ostkreuzblog. Weiß allerdings noch nicht genau ob ich mich darüber freuen kann. Man hätte hier (nicht weil ich grundsätzlich für hohe Gebäude bin), höher bauen müssen, ich denke eine kleine Torsituation ähnlich wie am Leipziger Platz hätte dem ganzen Bild das gewisse etwas gegeben.


    Auf der gegenüberliegenden Seite wäre nämlich noch ein Bauplätzchen frei. Meines Wissens nach ist dort nur ein Parkplatz von Kaufland.

  • < Der Sockelbereich des Fernsehturms ist doch schon längst verhunzt.

    Ich meinte allerdings eher das Zusammenspiel aus Panoramahaus und Unterbau.

    Auf jeden Fall ist der Unterbau eine absolute 60er-Jahre Perle.

    Im Gegenteil, wenn ich König von Berlin wäre, würde ich vor der stilgerechten Sanierung des Turms erstmal Panoramahaus (nebst Neubau 2020) und Alea abreißen.



    ABER On Topic:

    Ich finde den Neubau bei weitem nicht so schlecht wie die meisten anderen hier. Schon beim Stream des Baukollegiums hat er mir ganz gut gefallen. Er hat etwas 30er-Jahre-artiges an sich und die Art und Weise wie die Nordfassade changiert (durch die verschieden ausgeprägten – "Lisenen"(?) finde ich ganz raffiniert.


    Ein leicht verbautes, heimliches Kind von Deutschlandhaus (Hamburg) und Columbushaus, vielleicht, aber zum Glück nicht das Hotel aus dem anderen Entwurf (muss man mit dem noch rechnen?).

    Mithin: Der Gegend durchaus angemessen und sogar ein kleiner Aufstieg in höhere Stilgefilde. ;)


    Ich trauere allerdings immer noch ein bisschen der Langhof-Vision hinterher.

  • Der Bau ist an sich ein klassisches Handels und Bürogebäude der späten Kaiserzeit - Die Steinfassade war ursprünglich im Jugendstil gehalten - Reste davon finden sich noch an der Fassade - Es ist unglaublich müßig Informationen zu dem Gebäude geschweige denn Fotos vom Urzustand zu finden.

    Es scheint fast so als verstecke man es bereits als Querulanten in der Arealentwicklung und meine Befürchtungen diesem Bau seine Daseinsberechtigung abzusprechen scheint sich ja im Forum hier zu bestätigen.

    Als Entwicklungs- und Gestaltungshemmnis wird es schon jetzt wahrgenommen.


    Ich weise noch mal darauf hin dass, sich mit diesem Gebäude, abgesehen von der Marienkirche, der Letze Rest des alten Marienviertels, wenn auch jüngeren Datums darstellt.

    Man sollte diesen Bedeutungszug vielleicht nicht völlig außer Acht lassen.

  • ... Ich weise noch mal darauf hin dass, sich mit diesem Gebäude, abgesehen von der Marienkirche, der Letze Rest des alten Marienviertels, wenn auch jüngeren Datums darstellt.

    Man sollte diesen Bedeutungszug vielleicht nicht völlig außer Acht lassen.

    ... und ich weise daraufhin, dass Dein Argument, so gut ich es nachvollziehen kann, das Schweizer Botschaft-Argument ist.

    Hier wie auch dort im Spreebogen haben diese wie Zähne aus der Gegend ragenden Klötzchen nicht zu einer integrativen Stadtplanung geführt, sondern sie hat einen großen Bogen darum geschlagen und somit diesen Status verfestigt. Wenn allerdings, wie im Fall hier am Fernsehturm sich das ganze zu einem stadtplanerischen Gap geriert sollte man allerdings einhalt gebieten. Bei aller Nostalgie. Es ist keine Botschaft und sendet auch keine mehr.

  • Lieber camondo - ich habe die Ausgangslage Ja in meinen Bedenken durchaus verstanden - ich sehe die Situation aber nicht so verinselt wie bei der Schweizer Botschaft - St Marien und Panoramahaus lassen sich mit Geschick als Artefakte bestimmt in die Gegenwart einbinden das muss man aber auch wollen.

    Die Frage ist für mich eher abhängig von einer städtebaulichen Idee dort / denn der bisherige Eindruck ist doch recht schwammig.

    Ich würde es begrüßen wenn der Sockel des Fernsehturmes freigestellt bleibt und setze sehr auf die Hoffentlich wieder aufgewerteten Kaskaden und ihre Grünanlagen. Ob das Umfeld von St Marien als Teil des Rathausforums unbedingt so konsequent unbebaut bleiben muss ist hier für mich die eigentliche Frage in deren Beantwortung Chancen und Fallstricke stecken.