Abriss IBA Bauten (Ungers) / Dibag Neubauten

  • Zum Abschied sag ich leise Servus

    Da ich schon in der Gegend war,habe ich noch einen Abstecher zu den Unger Bauten hingelegt.Hier einige Bilder von der Rückseite der IBA Bauten.


    Ich finde,sie vermitteln so etwas wie Vertrautheit.Wenn ich bedenke was dort jetzt entstehen soll,finde ich den Abriss echt schade.







    Direkt schräg gegenüber den Ungerbauten,auf der anderen Seite des Landwehrkanal (Corneliusstrasse),steht Das,was man heutzutage für modern hält.



    Unweit der OMU Bauzeile steht dieser doch IMHO optisch gelungene,wahrscheinlich 70er Jahre Bau.



    alles eigene Bilder,gemeinfrei

  • Diesen abschreckenden Brutalismusklotz empfindest du als ansprechend aber an der stadtbildverträglichen Neubebauung im Bild darüber stößt du dich? Den Unger bauten weine ich keine Träne nach.Trist und fad, man könnte es für eine Einkaufspassage halten wenn die Werbung nicht fehlen würde. Die geplanten Neubauten sind in meinen Augen ein klarer Fortschritt für die Ecke.

  • Der Abriss des Ungers-Baus am Lützowplatz ist natürlich ein Skandal, schließlich bot dieser preiswerte Wohnungen in zentraler Lage. Dort gab es sehr ansprechende Wohnungen, teilweise als Maisonetten mit Gärten, und das alles zu Nettokaltmieten von rund 5 Euro. Die Bewohner dieser Wohnungen wurden gegen ihren Willen herausgekündigt, nur damit ein Investor eine Maximalrendite erzielen kann. Die wohnungen im geplanten Neubau sollen rund 11 Euro kosten.


    Durch diesen Abriss werden die immer wieder beschworenen Ziele des Senats, nach denen preiswertes Wohnen in der Innenstadt möglich sein soll und Segregationstendenzen bekämpft werden sollen, völlig konterkariert. Am Ende drohen auchh in Berlin Pariser Verhältnisse, mit all ihren bekannten Folgen, wie der Entstehung sozialer Brennpunkte an den Stadträndern.

  • Es ist ja beides richtig - sozialpolitisch sind die Ungersbauten absolut in Ordnung, dennoch finde ich sie ästhetisch schlecht. Daher weine ich eher der weiteren Vernichtung von preiswerten innerstädtischen Wohnungen eine Träne nach als dem Verlust von Architektur. Ob man mit den Neubauten einen wirklichen städtebaulichen Gewinn am doch recht verhunzten und lieblosen Lützowplatz hinbekommt, bleibt aber fraglich.


    Die sterilen und ziemlich abweisend wirkenden Edelwohnbauten an der Köbisstraße (als Beispiel) sehen zwar nett aus, zur Belebung und Aufenthaltsqualität der Gegend haben sie eher nicht beigetragen. Gleiches gilt fürs Klingelhöfer Dreieck. Vornehmes abgeschottetes Wohnen, von Leben keine Spur.

  • Lützowplatz ohne Ungers

    Ich kann dem Bau beim besten Willen keine Träne nachweinen. Er ist m. E. hässlich.


    Wie oben schon erwähnt, hoffe ich auf eine neue städtebauliche Gestaltung der Gegend.


    Der Innenstadtplan hat den richtigen Ansatz:

    Quelle: Senat für Stadtentwicklung


    Der Rückbau der Straßen führt zu einer Reurbanisierung des Quartiers. Eine Verbindung der funktionierenden Stadtviertel um den Wittenbergplatz und den Winterfeldplatz könnte gelingen mit einem lebendigen durchmischten Viertel.


    In einem Punkt würde ich den Plan aber noch ergänzen. Um den Lützowplatz aufzuwerten ist ein Abriss und ein verschlankter Neubau der Herkulesbrücke über den Landwehrkanal sinnvoll.
    Wie man hier sehen kann http://g.co/maps/53ba5 ist die derzeitige Straßenführung reine Stadtzerstörung. In einer Innestadt kann man dem Autoverkehr zumuten scharf abzubiegen ohne dafür drei bis vier Spuren zur Verfügung zu haben. Die gewonnen Flächen am Rande des Kanals sollte man zur Aufwertung des Lützoplatzes und des Bauhausarchives als gestaltete Grünflächen in Szene setzen.


  • Die sterilen und ziemlich abweisend wirkenden Edelwohnbauten an der Köbisstraße (als Beispiel) sehen zwar nett aus, zur Belebung und Aufenthaltsqualität der Gegend haben sie eher nicht beigetragen. Gleiches gilt fürs Klingelhöfer Dreieck. Vornehmes abgeschottetes Wohnen, von Leben keine Spur.


    Man muss auch beachten, dass nicht in jedem Viertel der Bär steppen kann. Es gibt immer eine Konzentration auf bestimmte Ausgehviertel, während es genausogut 'langweilige' Wohnviertel gibt und geben muss. Die Bauten haben meiner Meinung zu einer wichtigen optischen Aufwertung am Landwehrkanal beigetragen. Wenn man sich die Gegend anschaut, sieht man dass auch das Viertel am Lützowufer wo jetzt die Ungersbauten abgerissen werden, nicht gerade einladend sind.

  • Der RBB berichtete gestern in der Abendschau über den Abriss der IBA-Bauten am Lützowplatz (leider ist dieser Beitrag nicht gesondert abrufbar, sodass der Link zum Sendungsarchiv führt).

    3 Mal editiert, zuletzt von Mosby87 () aus folgendem Grund: Link angepasst, da der Beitrag mittlerweile nur noch im Archiv der Abendschau zu finden ist.

  • Der Abriss des Ungers-Baus am Lützowplatz ist natürlich ein Skandal, schließlich bot dieser preiswerte Wohnungen in zentraler Lage. Dort gab es sehr ansprechende Wohnungen, teilweise als Maisonetten mit Gärten, und das alles zu Nettokaltmieten von rund 5 Euro. Die Bewohner dieser Wohnungen wurden gegen ihren Willen herausgekündigt, nur damit ein Investor eine Maximalrendite erzielen kann. Die wohnungen im geplanten Neubau sollen rund 11 Euro kosten.


    Das ist nun wirklich eine billige, sozialromantische Argumentation. Die zitierten Nettokaltmieten mögen in der verklärenden Staatsfürsorge wünschenswert sein, mit einer sozialen Marktwirtschaft sind sie ohne staatliche Subvention aber nicht vereinbar. Es ist naiv zu glauben, dass Privateigentümer solche Mieten in zentralen Lagen dauerhaft anbieten können. Ein "Skandal", wie es Klarenbach meint, ist nicht erkennbar.


    P.S. Kündigungen sind immer "gegen den Willen der Mieter". 11 Euro sind sicher keine "Maximalrendite".


    Mich würde einmal die Idealvorstellung von Klarenbach interessieren. Wahrscheinlich müssen mindestens 70 Prozent der Wohnungen in Berlin in staatlicher Hand sein mit staatlich diktierten Mietpreisen. Hinzu kommt - so könnte ich mir vorstellen - eine Zuzugsbeschränkung für Menschen, die mehr als 100 Prozent über dem Existenzminimum verdienen. Leute, die schon in Berlin wohnen und mehr als 300 Prozent des EM erwirtschaften wird die überschiessende Summe mit 100 Prozent versteuert. So kann man die Gleichmacherei endlich wahrhaft jakobinisch umsetzen.

  • Bei jedem Abriss von Wohnhäusern gleich von Skandal zu reden ist ziemlich billig, vor allem wenn man aus der Vergangenheit gelernt hat wie gründlich das Konzept von Sozialwohnbauten gescheitert ist. Stichworte sind Ghettoisierung, Verwahrlosung und Wegzug von Geschäften in der Umgebung. Der eigentliche Skandal ist meiner Meinung nach, dass einkommenschwache Familien gezwungen werden in solchen und ähnlichen Monstrositäten zu wohnen, statt für diese Familien die Miete in einem normalen Haus zu bezuschussen.

  • Zitat

    Wahrscheinlich müssen mindestens 70 Prozent der Wohnungen in Berlin in staatlicher Hand sein mit staatlich diktierten Mietpreisen. Hinzu kommt - so könnte ich mir vorstellen - eine Zuzugsbeschränkung für Menschen, die mehr als 100 Prozent über dem Existenzminimum verdienen. Leute, die schon in Berlin wohnen und mehr als 300 Prozent des EM erwirtschaften wird die überschiessende Summe mit 100 Prozent versteuert.


    Wäre schon einmal kein schlechter Anfang.

  • Ich habe noch nirgendwo eine Quelle gefunden, nach der die Mieter zum Wohnen im Ungers-Bau gezwungen worden wären. Vielmehr haben viele Artikel übereinstimmend berichtet, dass die Bewohner sich in der Wohnanlage wohl gefühlt hätten und dass sie gegen ihren Willen zum Auszug gezwungen worden wären. Daher kann die Wohnanlage so schlecht nicht gewesen sein.


    http://www.berliner-zeitung.de…9148,11752124,item,1.html


    Was die Rolle der städtischen Wohnungsgesellschaften betrifft, so zeigt auch dieses Beispiel ganz gut, dass städtische Wohnungsunternehmen für die Gewährleistung einer sozialen Mischung unverzichtbar sind. Privateigentümer dagegen neigen in der Regel dazu, in ohnehin schon teuren Lagen noch mehr teuren Wohnraum zu schaffen und den Wohnraum in billigen Lagen zu vernachlässigen. Durch dieses Verhalten wird aber die sozialräumliche Polarisierung der Stadt verschärft, bis hin zur Bildung von sozialen Brennpunkten. Daher sehe ich keine Alternative zu einer Stärkung städtischer Wohnungsgesellschaften.


    Dies hat im übrigen auch der Senat erkannt, deshalb soll die Zahl der städtischen Wohnungen auf mindestens 300.000 aufgestockt werden. Im Januar hat die SPD das Papier "Berlin - Stadt des Aufstiegs" beschlossen, dass eine Aufstockung des städtischen Wohnungsbestandes bis 2020 auf 340.000 Wohnungen vorsieht.


    http://www.spdfraktion-berlin.…apiere/zukunftspapier.pdf


    Ansonsten ist auch ein Blick über den Berliner Tellerrand ganz lohnend: Wien verfügt mit einem Anteil von rund 25 Prozent Gemeindewohnungen und weiteren 25 Prozent gemeinnützigen Wohnungen über einen wesentlich größeren Sozialwohnungsbestand als Berlin. In den Gemeindewohnungen beträgt die Durchschnittsmiete 5 Euro inklusive Betriebskosten. Die Erfahrungen mit diesem Bestand sind gut, weil es dadurch gelungen ist, die Segregation in Wien zu begrenzen.


    http://www.faz.net/aktuell/wir…er-500-euro-11654251.html

  • Diese ganze Sozal-Wohnungsbau- und -vermietungsideologie beruht auf der Fiktion, daß soziale Gerechtigkeit durch Eingriffe in den Markt geschaffen werden kann.


    Ich habe drei Jahre bei der Wohnungsbauförderungsanstalt NRW gearbeitet und weiß, daß selbst ein riesen Aufwand an Verwaltung und Gesetzgebung auf Landes- und Gemeindeebene diese Gerechtigkeit nur formal schaffen kann.
    Neben dem beträchtlichen Subventionsvolumen zur Abfederung der Härten des Marktes ist ein ähnlich hoher Aufwand an Verwaltung erforderlich.
    Es ist eine irrsinnige Geldvernichtungsmaschinerie.


    Letztendlich ist ein die Nachfrage leicht übersteigendes Mietangebot der beste Mieterschutz.

  • Klarenbach: Der Verweis auf Wien mit den angeblich guten Erfahrungen ist absurd. Findest Du es gut, dass das Wohnrecht von Sozialwohnen vererbbar ist? Du weisst offenbar nicht, dass durch diese Beschränkungen im kommunalen Wohnungsystem die Korruption blüht und gedeiht und von irrwitzige Bestechungssummen für Mietverträge in Kommunalwohnungen bezahlt werden.


    Aber zurück zum Thema: natürlich ist ein Teil Sozialwohnen sinnvoll. Hier aber am Lützowplatz reisst ein Privateigentümer sein Haus ab und baut ein Neues. Wo ist da der Skandal? Dass der Staat den Privaten nicht enteignet?

  • Aus Steueraufkommen mitfinanzierte Sozialbauten nach nur ~ 20 Jahren Nutzungsdauer abzureissen,ist m.E. nur schlecht darstellbar.
    Den Bauten ist ihre eigene Großzügigkeit zum Verhängnis geworden.Relativ großes Grundstück mit niedriger Bauhöhe/dichte.Der Neubaukomplex wird deutlich mehr vermarktbare Fläche bieten,weswegen sich der Abriss lohnt.Ähnlich verhält es sich am Barbarossaplatz,wo die Vorbereitungen für den Abriss begonnen haben.


    Ich finde den Abriß bedauernswert,gerade auch aus steuerpolitischen / wirtschaftlichen Gründen.

  • Die Möglichkeit einer deutlich bessere Ausnutzung nach Abriss gilt im übrigen auch für viele andere Bauten aus den 50er und 60er-Jahren. Das wird uns hier im Forum noch häufig beschäftigen.


    Die Nutzungsdauer ist in der Tat kurz. Aber ein Blick nach Tokio zeigt, dass es noch kürzer geht.


    In summa also bedauerswert hin oder her - rechtens ist es alle mal.

  • Das ist eine mühsige Debatte.


    Aus der jahrzehntelangen Erfahrung weiss man dass der Sozialstaat besonders den Menschen nützt, für die er nicht gedacht ist. Damit ist kein Mißbrauch gemeint, sondern die Mittelschicht die auch ohne Geld von "Vater Staat" klar kommt bzw. sogar mehr Einkommen hätte wenn nicht zuerst soviel abgezogen und über Umwege wieder zurückgegeben würde (abzüglich Bürokratiekosten versteht sich). Weswegen das Gro der Menschen ja auch versucht sämtliche ihnen "zustehende" Leistungen mitzunehmen.


    Die Menschen die wirklich materielle Hilfe brauchen scheitern oft schon daran dass notwendige Dokumente und Nachweise nicht aufbewahrt werden und anderen grundlegenden Dingen, das sind Menschen die zuvorderst Hilfe von Mensch zu Mensch, persönliche Betreuung, bräuchten. Stattdessen werden sie mit monatlichen Zahlungen auf's Girokonto, TV und Discounter ruhig gestellt und von den Straßen geholt. Aufbewahrt.


    Sozialer Wohnungsbau und Wohnraumförderung hat exemplarisch häufig daran gekrankt. Einerseits hat man "Ghettos" geschaffen, in denen sich die Bewohner gegenseitig "herunterziehen", das Umfeld prägt Menschen eben, anstatt auf Durchmischung zu achten. Daraus scheint man ansatzweise gelernt zu haben, weil man neuerdings große Wohnprojekte gemischt plant, nur einen kleineren Anteil an Sozialwohnungen (was, reflexartig, von Sozialpolitikern alter Schule gleich wieder als mangelhaftes Engagement im Sozialen Wohnungsbau fehlinterpretiert und kritisiert wird). Andererseits krankt er daran, dass man mit viel Steuergeld Menschen fördert die das Zuckerl gerne mitnehmen aber es eigentlich nicht brauchen, es ist schön wenn Familien mit Zweiverdienerehe die Mietwohnung 200 Euro unter Marktmiete erhalten, aber wirklich existentiell brauchen sie diese Föderung nicht, obwohl sie die Einkommensgrenzen gerade noch so einhalten bzw. erst während des Wohnens überschritten haben.


    Typischer Fall: Familie zieht mit Baby ein, braucht ja eine größere Wohnung, die Mutter bleibt daheim, das Einkommen ist noch unter der Einkommensgrenze, das Kind wird älter, die Mutter geht wieder arbeiten und das Familieneinkommen übersteigt die Einkommensgrenze - die Familie muss aber deswegen nicht ausziehen, was ja auch eine Härte wäre, stattdessen sollte man aber z.B. den Hartz IV Satz für "angemessenen Wohnraum" erhöhen, was Sozial Schwachen sofort zu Gute kommt, dessen Berechtigung stets anhand des Einkommens neu geprüft wird. Auch wird damit die in meinen Augen größte Ungerechtigkeit der Agendapolitik rückgängig gemacht, dass Menschen aus ihrem gewohnten Umfeld gerißen werden aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit - was, das kann man sich denken, vorallem dazu führt dass Menschen sich aufgeben und richtig "tief fallen". Job weg, Teil der Ersparnisse, dann noch das eigene Zuhause, die Nachbarschaft mit allen Bindungen...so macht man Menschen emotional kaputt.


    Gleichzeitig würde man damit in der Breite die Vermischung fördern und "Ghettobildung" entgegenwirken, es gibt in Großstädten große Wohnanlagen mit entsprechend niedrigen Mieten die fast nur noch von Langzeitarbeitslosen bewohnt werden. Dass bei so einem Umfeld die Perspektivlosigkeit zementiert wird braucht man denke ich nicht groß erläutern. Da muss man die Menschen rausholen.