Leipziger Kaffeeklatsch (plaudern, träumen, ankündigen)

  • Das sehe ich genauso. Der Stadtwerke-Teilverkauf wäre angesichts der angespannten Haushaltslage nicht verkehrt gewesen, zumal die Risiken überschaubar gewesen wären. Leider hat man es falsch kommuniziert, weshalb die Gegner eines Verkaufs leichtes Spiel hatten. Aber die Sache ist nun vom Tisch.

  • Ich habe mit gutem Wissen und Gewissen gegen den Stadtwerke-Verkauf gestimmt. Die Stadtwerke machen jedes Jahr Millionen Euro von Gewinn, welcher den kommunalen Unternehmen zugute kommt. Zudem werden Aufträge an Unternehmen aus der Region vergeben. Das Geld bleibt somit auch in der Region. Leipzig ist in den letzten 60 Jahren genug ausgeblutet, da muss man nicht auch noch das letzte Tafelsilber verjubeln. Auch wenn es aus heutiger Sicht natürlich auf den ersten Blick ganz nützlich erscheint. Aber langfristig war die Entscheidung gegen den Verkauf auf jedenfall richtig. Statt eines großen Geldsegens fließt die Kohle eben erst nach und nach ins Stadtsäckel. Gar nicht mal so schlecht. So ist man wenigstens mal gezwungen über Ausgaben genauer nachzudenken und haut die Kohle nicht sinnlos zum Fenster raus.

  • legende, es ging nur um einen t e i l verkauf der stadtwerke, die anteilsmehrheit wäre in städtischem besitz geblieben. (soviel zum thema "mit gutem wissen".)
    die stadtwerke-gewinne reichen nicht mal aus, um die zinsen der städtischen schulden zu zahlen.


    immerhin ist dein letzter satz richtig. er beantwortet, warum die von dir immer mal wieder gewünschten strassenbahntunnel nicht realisierbar sind.


    im übrigen hat der bürgerentscheid eine bindungskraft bis 2011. früher oder später wird man um privatisierungen nicht herum kommen können. bis dahin heisst es eben: sparen, um die zinsen zu bezahlen.

  • ^ Nun gut, der Teilverkauf ist erstmal durch, das sind gelegte Eier. Die Stadtwerke-Gewinne reichen vielleicht nicht zum Zinsenzahlen aus, allerdings werden beispielsweise die kompletten betrieblichen Verluste der LVB durch die Gewinne der Stadtwerke gedeckt. Wie man das bei entsprechend geringeren Gewinnüberweisungen (wenn überhaupt, da ein Anteilseigner > 50% die Gewinne ja auch auf Null runterrechnen könnte - und ja, ich behaupte, spätestens bei der nächsten Krise würde über einen Verkauf weiterer Anteile nachgedacht werden) künftig zu leisten vermag, ohne Leistungen extrem einzuschränken, konnte bzw. wollte seitens der Verkaufsbefürworter leider nie so richtig dargelegt werden. Auch deswegen war das Bürgerbegehren erfolgreich.


    Grundsätzlich gehe ich aber konform, früher oder später wird man um Verkäufe nicht herumkommen, allerdings sollten diese dann nicht in einem Schnellschuss vom Stadtoberhaupt durchgeboxt werden, sondern muss den Bürgern in allen ihren Konsequenzen erklärt und begründet werden.

  • leider weiss ich nicht mehr wo genau ich hier schon einmal etwas über einen eventuellen Abriss der Löwenapotheke gelesen hatte.. ich denke aber mein Zusatz passt hier ganz gut rein :)


    Folgendes entdeckte ich auf http://www.leipzig-ein-baustellenmosaik.de


    Aber auch andere Gebäude in der Innenstadt sind vom Abriß bedroht und sehen einer neuen Bestimmung entgegen:


    So z.B. das Gebäude der Löwen-Apotheke in der Grimmaischen Straße - die älteste 1425 gegründete Apotheke Leipzigs.




    ..weiterhin heißt es auf der Seite


    Oder das Eckgebäude Grimmaische Straße/Ecke Ritterstraße an welchem noch immer der Firmenname "Erste Leipziger Baugesellschaft" (ebl) steht. Die Firma entstand 1990 aus der Umwandlung des 1972 gebildeten bezirksgeleiteten VEB Baukombinat Leipzig (BKL).
    Vom Abriß bedroht auch das an der Gerberstraße gelegen Gebäude des ehemaligen
    VEB Robotron-Anlagenbau Leipzig, der zum DDR Kombinat Robotron gehörte.




    Leider wird dort keine Quelle angegeben, vllt. weiss jmd von euch mehr?


    Bilderquelle: http://www.leipzig-ein-baustellenmosaik.de




    ---- UPDATE ----


    hab den entsprechenden Eintrag im Forum grad gefunden und stell ihn nocheinmal mit hinzu, damit haben sie meine Fragen eigentl. erledigt bis auf: gibt es was neues von diesen Projekten?


    Wie ich heute vom Stadtbauamt erfahren habe wurde die Löwenapotheke in der Grimmaischen unter Denkmalschutz gestellt (80er-Jahre-Platte die vor der Nikolaikirche thront, hin und wieder als Gasherd bezeichnet) Beim großen hellgrünen(oder wie nennt man die Farbe?) 60er Jahre Plattenbau Grimmaische Ecke Ritterstraße (unten drin ist ein Schuhladen) und dem Robotrongebäude an der Gerberstraße ist hingegen kein Denkmalschutz gewährt worden. Alle drei Gebäude gehören der TLG. Antragsteller war die Stadt. Ob der Antrag Zufall, Fingerzeig oder Vorsichtsmaßnahme war, wissen freilich nur die, die es wissen dürfen.
    Zeitnah abgerissen werden sollen nun beide Bauten an der Grimmaischen!, wobei die jetztige Fassade der Löwenapotheke nachträglich wieder angebracht werden soll. An der Ecke Grimmaische/Ritterstraße soll ein Neubau im Wettbewerbsverfahren entstehen. Für das Gelände an der Gerberstraße gibt es noch keine konkrete Pläne. Abgerissen wird aber sicher werden - siehe LVZArtikel über zukünftige TLGPläne, der auch hier im Forum herumgeistert.
    Ich persönlich bin schon mal froh das Robotron und hellgrüner Plastewürfel fallen werden, auch wenn man angesichts des Bauherren gespannt sein darf (muss), was da Neues fabriziert werden wird. Dass der Bau in dem sich die Löwenapotheke befindet stehen bleibt, ist sicher nicht dolle, aber von allen drei Bauten ist es wohl der am ehesten erhaltenswerte. Und der kleinste ist er auch.






  • Den von DaveLE zitierten Artikel aus der BILD-Zeitung konnte ich leider nicht mehr finden.


    Wir nutzen und zitieren hier Artikel vorwiegend der Lokaljournalisten. Wir sollten doch einmal die Qualität der Beiträge diskutieren.






    Journalisten der Lokalpresse scheinen besonders bei der Beschreibung technischer und naturwissenschaftlicher Themen überfordert zu sein. Selbst das Überprüfen erhaltener Informationen scheinen manche der Journalisten nicht gelernt zu haben oder nicht für notwendig zu erachten. Oder sie haben einfach nicht verstanden was ihnen von Fachleuten berichtet wurde. Fachleute sprechen oft eine eigene Sprache, die von Laien nicht unbedingt verstanden wird. Die Autoren versuchen dann das Gehörte mit ihrem Erfahrungsschatz in Übereinstimmung zu bringen.



    Der von DaveLE zitierte Artikel kann dazu als Beispiel dienen.



    Die Natur sich selbst zu überlassen kann zu ungewohnten Ergebnissen führen. Unsere Wälder und Parks werden gepflegt und Bäume "geerntet". Der Tod kommt kaum vor. Wir sind es nicht gewohnt, dass Wälder sterben bzw. halten das für ein Drama, für ein allgemeines "Waldsterben".


    Wälder werden im Bayrischen Wald, im Harz und in anderen Nationalparks sich selbst überlassen und sterben erst einmal. Naturschützer und Forstwirte kennen die Probleme seit vielen Jahren – Lokaljournalisten offensichtlich nicht, trotz Internet.


    Offensichtlich hat der Autor des von DaveLE zitierten Artikels seinen Interviewpartner einfach nicht verstanden. Wenn das Ziel der Forstwirte ein Mittelwald ist, wie er angeblich oder vermutlich im Jahr 1870 bestanden haben soll (Beachtet bitte die Häufung der Konjunktive!), ist dies DAS Gegenteil von "sich selbst überlassen". Ein Mittelwald ist ein Nutzwald in dem ausgewachsene Bäume -die der Mensch z.B. für den Hausbau benötigt- neben Gehölzen die im Niederwaldbetrieb immer wieder auf den Stock gesetzt werden. Auf den Stock setzten bedeutet, die aus den Baumstümpfen wachsenden Triebe regelmäßig zu schlagen, um z.B. den Brennholzbedarf zu decken.








    Ein sich selbst überlassener Wald im Harz. Wissenschaftler aus Bayern gehen davon aus, dass ein vom Menschen nicht beeinflusster Waldumbau nach 150 bis 200 Jahren zu einem Ergebnis führen kann, welches man als "naturnah" ansprechen könnte.













    Hier ein anderes Beispiel:





    Diese Meldung haben andere User schon ausreichend kommentiert.










    Der gern benutzte Begriff "Plattenbau" als Synonym für Gebäude aus Ostzeiten zeugt auch nicht gerade von Sachverstand. Selbst Gebäude errichtet in reiner Stahlbauweise wurden als Plattenbauten bezeichnet, die dann auch noch auseinandergeschweißt wurden. Schweißen bedeutet etwas unter Wärme zusammenzufügen. Den besseren Begriff auseinanderbrennen verwenden die Journalisten wohl nicht, weil die sich nicht vorstellen können, dass der Stahl tatsächlich "verbrennt". Gerade dies geschieht aber beim Brennschneiden.




    Vor einigen Jahren prophezeiten Wissenschaftler das Ende der Stadt. Kreative könnten schließlich von jeder Alm aus mit der gesamten Welt kommunizieren .



    Statt dessen erleben Städte gegenwärtig vermutlich auch deshalb eine Renaissance, weil nur der Mensch, und nicht technische Systeme wie Computer und Internet, in der Lage ist, die zur Verfügung stehenden Informationen so zu verarbeiten, dass Innovationen entstehen. Walter Siebel schreibt dazu in "Die europäische Stadt", dass lokal gebundene urbane Milieus für wissensbassierte ökonomische Aktivitäten eine nicht zu überschätzende Bedeutung haben. Die Lokaljournalisten wollen sich da wohl raus halten.



    Kurz – besonders bei den regionalen Berichten in den Lokalzeitungen entsteht bei mir der Eindruck, Berichte aus Schülerzeitungen zu lesen. Mit Qualitätsjournalismus hat das nichts zu tun.



    Mit der Leipziger Internetzeitung scheint es einen Gegenpol zu geben. Ich bin gespannt wie sich dieses Projekt weiter entwickeln wird.





    Eigenes Foto.

  • ^volle zustimmung.
    vor allen dingen wird in der lizzy überwiegend hinter den kulissen recherchiert und von allem treiben in unserer stadt berichtet. das wörtchen sensationsjournalismus kennt man da nicht.
    bild und blaubild halten's da bekanntlich anders...

  • ^volle zustimmung.
    vor allen dingen wird in der lizzy überwiegend hinter den kulissen recherchiert und von allem treiben in unserer stadt berichtet. das wörtchen sensationsjournalismus kennt man da nicht.
    bild und blaubild halten's da bekanntlich anders...



    Über die Leipziger Volkszeitung (LVZ) möchte ich nicht mehr allzuviele Wörter verlieren. Die inhaltliche Ausrichtung dieses Blattes halte ich für dermaßen schwach, dass eine Diskussion über diese Zeitung einfach nicht mehr lohnt.
    Schade für eine Stadt wie Leipzig mit 500.000 Einwohnern, journalistisch sich eher auf provinziellem Niveau wiederzufinden!


    Den Ansatz der Leipziger Internetzeitung (lizzy) halte ich für löblich, allerdings bezweifel ich, dass mit diesem Journalismus der auf fast keine Einnahmen blicken kann, gute Berichterstattung zu machen ist. Insbesondere manche Artikel zur Stadtentwicklung sind zwar ganz gut recherchiert und verfasst; andere wiederrum sind sehr knapp und dürftig.

  • Da wir ja hier im Kaffeeklatsch sind: Gibt es eigentlich Studien darüber, wie hoch der Anteil der Menschen in der Bevölkerung einer bestimmten Zeit war bzw. ist, der die Architektur der jeweiligen Epoche (bzw. eine der existierenden Strömungen) für die ästhetisch wertvollste hält?

  • Abyssalon: sobald eine Zeitmaschine erfunden wird, kann man dazu sicherlich auch die "Bewohner" vergangener Zeitepochen befragen :lach: Wenn es aber darum geht, wie sehr sich der Durchschnittsmensch, der nicht als Bauherr, Architekt o.Ä. fungiert, mit Architektur beschäftigt, wirst du in der Vergangenheit wohl keine Epoche finden, in der Architektur bzw. die architektonische Gestaltung der Städte mehr "Durchschnittsmenschen" interessiert hat als heute. Abgesehen davon würde mich der Erkenntnisgewinn interessieren, den du dir davon versprichst. Das "Killerargument" für architektonische Diskussionen? :)

  • Historischer Tatrazug


    Endlich ist er wieder unterwegs, der historische Tatrazug der 60er Jahre. Im Sommer 2006 wurden sie ausgemustert, 3 Jahre später verkehrt er wieder: Jedoch im Originalzustand von 1969.



    Tw1602+Bw520 im Gleisdreieck Lützschena.


    P.S. Abwechslung tut immer gut :D

  • DaseBLN: Nein, es geht mir nicht um das Interesse an Architektur, sondern darum, ob der Großteil der Bevölkerung, so wie es heute ist, die Architektur der Vergangenheit schöner findet/fand als die heutige/der jeweiligen Epoche.

  • ^ Hast du denn dazu eine Studie an der Hand, die _nicht_ im APH oder im Seniorenzentrum angefertigt wurde? Sicherlich gibt es an heutiger Investorenarchitektur einiges zu kritisieren und sanierte Gründerzeitler erfreuen alle Altersgruppen - allein aufgrund dessen aber davon auszugehen, dass "ein Großteil der Bevölkerung" die Architektur der Vergangenheit schöner findet, ist ziemlicht weit hergeholt. Ich für meinen Teil kann mich an alten _und_ neuen Gebäuden erfreuen, sofern sie gut sind.

  • Ich kenne keine Studie, deshalb habe ich nach einer gefragt. Ich weiß auch nicht, was APH ist. Ich kann aber aus meinem Umfeld berichten. Ich bin 20, mit Seniorenheimen habe ich weniger zu tun. Es geht nicht um spezielle Gebäude, ich finde z.B. den Universitätsneubau, zumindest den am Augustusplatz, sehr gelungen, ebenso das Gewandhaus. Mir geht es um das moderne/postmoderne Bauen im Allgemeinen, das oft einfach glatt,gerade,grau,klotzig aussieht.

  • ^ Ich zitiere ausnahmsweise:


    [...]der Großteil der Bevölkerung, so wie es heute ist, die Architektur der Vergangenheit schöner findet[...]


    Deine Meinung sei dir unbeschadet, mit Uni-Neubau und Gewandhaus kann ich ja auch durchaus mitgehen. Ich finde es nur seltsam, dass in solchen Diskussionen immer wieder von sich selber aufs Allgemeine geschlossen wird, was du in dem obigen Zitat ja ebenfalls machst. Erinnert mich (leider) an Leserbriefe in der LVZ, da sind auch immer alle Bekannten gegen den Citytunnel, finden das Café Felsche hässlich, etc.


    Zum Thema: nicht zuletzt haben sanierte Gebäude ihren Erfolg auch heutigen Standards und Designs zu verdanken - ohne minimalistische Möbel keine Loftwohnung, ohne modernes Bad kein vollvermieteter Altbau. Hat weniger mit Architektur zu tun, ich weiß, aber doch viel damit, ob man Vergangenes pauschal als besser bezeichnet.


    PS: das ist das APH


  • Zum Thema: ... Hat weniger mit Architektur zu tun, ich weiß...


    Muss man diese Argumentation verstehen?


    Es ging hier ja eben gerade um die äußere Gestaltung eines Gebäudes, die Architektur, welche eben die gesamte Öffentlichkeit betrifft und nicht um die innere Ausstattung, die reine Privatsache ist.

  • ^ Der Nebensatz war extra für dich, liebe LEgende. Den darfst du also auch gern im Zitat drin behalten. Nehmen wir doch mal das Beispiel Gründerzeitler: saniert sind sie in der Bevölkerung sehr beliebt, unsaniert werden sie als Schandfleck bezeichnet. Wir hier im Forum schätzen diese Gebäude auch architektonisch und städtebaulich, der Durchschnittsbewohner aber eher wegen der wohnlichen Qualitäten. Aus der Beliebtheit von Gründerzeitlern also direkt auf die absolute Präferenz dieser Architektur (so es diese denn angesichts der zahlreichen in dieser Zeit gebauten Neo-XXX-Stile überhaupt gibt) seitens der Bevölkerung zu schliessen, ist ein Trugschluss. Ich hoffe jedenfalls immer noch, zu Erfahren, auf welcher Grundlage die Pauschalaussage "die Architektur der Vergangenheit wird heute von der Bevölkerung präferiert" fußt.


    Ich möchste bei der Gelegenheit auch noch mal Stahlbauers Beitrag #1028 aufgreifen: grundsätzlich gehe ich mit der Kritik an der LVZ konform, möchte aber doch auch darauf hinweisen, dass die Qualität der Beiträge zu städtebaulichen Themen extrem vom Autor abhängt. positive und negative beispiele wurden hier ja bereits desöfteren gepostet. Im Vergleich zu anderen mir bekannten Tageszeitungen wird allerdings ebendiesen städtebaulichen Themen in der Zeitung oft Platz eingeräumt, kaum ein Tag vergeht ohne wenigstens einen kleinen Bericht.


    Dresden zeigt m.E. übrigens, dass auch 4 Tageszeitungen (okay, zwei Bouldevardblätter plus 1 Ableger der LVZ) nicht unbedingt für eine höhere Qualität sorgen.

  • DaseBLN: Natürlich hast du recht, wenn du sagst, man sollte das, was man aus seinem Umfeld hört, nicht für repräsentativ halten. Auffällig ist es dennoch, dass mehr Touristen nach Dresden kommen als nach Leipzig, das liegt mit Sicherheit zu einem großen Teil an den repräsentativen Gebäuden. Wäre dass Bildermuseum interessant gebaut worden, würden vielleicht auch mehr Leute reingehen. Im Übrigen ging es mir garnicht um Gründerzeitbebauung, sondern ursprünglich darum, inwieweit Architektur als schön empfunden wurde und wird. Möglicherweise gibt es für das Schönheitsempfinden, ähnlich wie in der Musik, allgemeingültige Grundlagen, wie also Elemente wahrgenommen werden und welche Wirkung sie erzeugen. Und möglicherweise spiegelt die Architektur bis zu einem gewissen Grad die Gesellschaft wider, aber da ist die Architektur momentan zu einem Großteil zurückgeblieben (meine Meinung, belehre mich eines Besseren).

  • ^^
    Meinst Du nicht das Du es Dir ein bißchen einfach machst und von einem subjektiven Standpunkt versuchst, allgemein gültige Aussagen abzuleiten. Du hast dahingehend Recht, dass mehr Touristen nach Dresden fahren als nach Leipzig. Ja und? Übrigens nach Berlin kommen nochmal wesentlich mehr Touristen als nach Dresden. Was sagen diese Zahlen über die Architektur einer Stadt aus?!


    Ich würde mich entschieden dagegen aussprechen, subjektive Wahrnehmungen und Empfindungen zu bestimmten Bau-Epochen, wie z.B. die des Historismus als allgemein gültig hinzustellen. Mal davon ganz abgesehen, dass es keine einheitlichen Bau-Epochen gibt und Architektur immer von neuen Ideen und Konzepten lebt und sich nicht konservierend verhält, dass war zum Glück schon immer so.

  • Da ich die Gelegenheit habe tagtäglich Touristen und auch Leipziger bei der Stadtentdeckung zu beobachten, weil ich sie ihnen zeige, kann ich sagen, dass es dieses allgemeine Architekturempfinden durchaus gibt. Dabei liegt der Fokus der Bewunderung, ganz klar nicht auf den Nachkriegsbauten. Zumindest seh ich das für Leipzig so. Ausnahmen gibt es freilich auch, bestes Beispiel hierfür ist die moderne Gestaltung des mittleren Hofes von Specks Hof über den wirklich gestaunt wird oder die Stadthäuser auf dem ehemaligen Kohleplatz der Buntgarnwerke. Uniriese, Marktgalerie und Neubauten am Deutschen Platz stehen in der Gunst der Betrachter sicherlich ebenfalls nicht schlecht da, aber im Vergleich mit Waldstraßenviertel, Albertina oder Ferdinand Lassalle Straße ist die Wertschätzung bedeutend geringer. Natürlich gibt es auch immer Leute die andere Prioritäten setzen, m.M. nach aber gilt dies nicht für mehr als zehn Prozent der Leute die ich bisher erlebt habe.