Kulturcampus - Neuentwicklung Uni-Campus Bockenheim (Planung)

  • Philosophicum

    Die unerfreuliche Geschichte um die Zukunft des maroden Philosophicums endet mit einer Überraschung: Es ziehen wieder Studenten in das Gebäude! Allerdings auf andere Weise als früher, denn das Philosophicum soll zum privat finanzierten Studentenwohnheim werden. 270 Appartements sind geplant, außerdem eine Kindertagesstätte und ein Café im Erdgeschoss. Das schreibt die FAZ in der Donnerstagsausgabe.


    Den Umbau wird das Frankfurter Büro Stefan Forster Architekten planen. Käufer und Bauherr soll die RMW Wohnungsvermietung GmbH aus Attendorn (NRW) werden. Die Gesellschaft betreibt Studentenwohnheime unter der Marke "The Flag", unter anderem an der Frankfurter Adickesallee (DAF-Beitrag).


    Zwischen Gräfstraße und Altbau ist die Errichtung eines fünfgeschossigen Baukörpers geplant. Der Erweiterungsbau soll stilistisch an das Philosophicum angelehnt und baulich mit diesem über die Treppentürme (Foto) verbunden werden. So soll auch eine städtebauliche Kante zur Gräfstraße geschaffen werden. Der Bestand wird denkmalgerecht saniert. Loggien oder Balkons sind nicht vorgesehen, so dass die Fassade geschlossen bleibt. Die der Innenstadt zugewandte Seite (Foto) wird nicht verändert. Das gilt auch für die angebauten Feuertreppen an den Schmalseiten.


    In den nächsten Monaten soll der Bauantrag eingereicht werden. Eine Fertigstellung zum Wintersemester 2015/16 ist beabsichtigt.


    Der Kaufpreis für die Liegenschaft soll 8,2 Millionen Euro betragen. Ein höherer Erlös wäre für die ABG Holding möglich gewesen, die FAZ nennt 9,8 Millionen Euro als höchstes Angebot. Dann wäre das Philosophicum allerdings zu einem luxuriösen Wohnhochhaus geworden. Hochpreisige Eigentumswohnungen auf dem Kulturcampus sind aber weder von der Stadt noch von der ABG Holding gewünscht.


    Nachtrag: Inzwischen ist der Artikel online, und die FNP berichtet auch.

  • Halleluja! Wenn das Philosophicum schon stehen bleiben muss, dann erscheint mir die Beibehaltung der Fassadengestalt (ohne Balkone) und die Ergänzung des Baukörpers um eine blockrandschließende, hohe Bebauung als der bestmögliche Kompromiss, ja, als Durchschlagen des gordischen Knotens. Nach Osten bleibt das Original demnach erhalten, die unschöne Westseite wird durch den Neubau verdeckt. Das Vorhaben ist sogar einigermaßen kompatibel zum Strukturplan des Kulturcamps von Ende 2012. Der Neubau wird die Blickachse entlang der Gräfstraße schließen, auch wenn er dem Bestandsbau dadurch sehr nahe kommt und selbst etwa so schmal bleiben wird wie jener. Auch der geplante Parkstreifen bleibt möglich. Auf den Forster-Entwurf bin ich sehr gespannt.

  • Philosophicum

    ^ Ja, dafür dass das häßliche Gebäude aus Gründen des Denkmalschutzes anscheinend nicht zu Fall zu bringen ist, empfinde ich die Lösung auch als akzeptabel. Die 270 Studenten-Appartements werden zu einer Belebung des Kulturcampus beitragen, die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum für Studenten ist auch als positiv anzusehen. Vielleicht gelingt es ja dem Büro Stefan Forster Architekten trotz dieses Philomonstrums durch bauliche Raffinessen noch ein erträgliches Gesamtbild entstehen zu lassen. Auch ich bin auf den Entwurf gespannt.

  • Ein Abriss dieses schrecklichen Dings waere fuer mich nach wie vor die beste Loesung gewesen. Aber sei's drum. Mit dem Kompromiss muss/wird man leben koennen. Gute Entscheidung mit dem Studentenwohnheim! Damit entzieht man ein Stueck weit dem Krakele ueber Gentrifizierung und Luxuswohnungen die Nahrung und der Bedarf ist ja da. Das Schliessen der Flucht zur Graefstrasse ist ebenfalls positiv und mit Stefan Forster hat man jemand an der Hand von dem man ausgehen kann, dass das ganze Hand und Fuss hat wie man so schoen sagt.

  • ^^
    Ich halte die gefundene Lösung - nach der unsäglichen Hängepartie samt Erpressungsversuchen durch die sog. "Nachbarschaftsinitiative" - für einen guten Kompromiss. Erstens entstehen nun keine Luxuswohnungen, der Angst vor weiterer Gentrifizierung wird somit der Boden entzogen. Zweitens wird die fürchterliche Treppenturm-Fassade an der Gräfstraße durch einen Anbau "versteckt" und gleichzeitig der Blockrand geschlossen; mit der unveränderten Fassade an der Innenstadtseite kann ich mich anfreunden.

  • Sicher sehr viel besser als Eigentumswohnungen - insbesondere, weil studentischer Wohnraum in Frankfurt fehlt.


    Allerdings: Schaut euch mal die Mietpreise an: http://www.the-flag-frankfurt.…t-appartements/index.html


    890 Euro Warmmiete für ein 34qm-Zimmer - das ist heftig. Und auch die kleineren Zimmer mit 20qm schlagen noch mit rund 750 Euro zu buche.


    Da muss man sich schon fragen, welcher Student sich das leisten kann?

  • Philosophicum: Initiativen sehen Skandal

    Oben habe ich die Frage gestellt, welcher Student sich die gesalzenen Mietpreise in den geplanten "Studentenwohnungen" im Philosophicum leisten kann. Stadtteil-Initiativen haben dafür die passende Antwort gefunden: Sie sprechen von einer "Studenten-Elite" und von "luxuriösem Wohnen" im Philosophicum. Genau darauf läuft es wohl hinaus. Schade.
    http://www.fr-online.de/stadte…--,26042926,28393260.html


    Das Land Hessen sollte sehr viel mehr in ECHTE, günstige Studentenwohnheime investieren. Denn der Anteil der Frankfurter Studenten, die einen Wohnheimplatz finden, ist viel niedriger als z.B. in München, wo es ganze Stadtviertel mit Studentenwohnheimen gibt:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Studentenstadt_Freimann


    Ich würde mir (nachdem das gemeinschaftliche Wohnen aus dem Rennen ist) ein staatliches Wohnheim im Philosophicum wünschen.

  • Erwartbare Reaktion. Interessant mal wieder, dass diejenigen, die von allen anderen Kompromissbereitschaft erwarten (in diesem Falle Kaufpreis, Fristverlaengerung, etc), selbst so flexibel sind wie Betonpoller. „Luxuswohnheim“, „Geldmaschine“: So wird eben das eigene Weltbild wieder zurechtgerueckt.


    Ich unterstelle mal, dass die urspruenglich geplanten Mieten der „Initiative“ nach Kauf und Umbau nicht zu halten gewesen waeren, OHNE dass letztendlich weitere Forderungen nach Subventionen gestellt worden waeren oder am Ende eine Insolvenz mit Bauruine gestanden haette. Die Kalkulation hatten Fachleute schliesslich von Anfang an als nicht belastbar gehalten (siehe FAZ vom 01.04.2014).


    Frage an die „Initiative“: jetzt vielleicht doch lieber abreissen? ;)

  • Das was ich an der Aussage der Initiativen interessant finde, ist die Annahme, dass die "Edelstudenten" und "Elite-Studenten" in solch ein Wohnhaus überhaupt ziehen würden.
    Besagte Gruppe von Studenten zieht entweder in WGs in 100+qm Wohnungen oder aber sie mieten gleich vollkommen alleine eine Wohnung. Papi zahlt's.


    Das Philosophicum muss schon ein bombastisches Ambiente erhalten um "Elite-Studenten" die Bereit sind 400 EUR aufwärts für 12qm zu zahlen (am besten mit Gemeinschaftsbad im Flur), zu locken.
    Ich sehe das Ganze sehr gelassen; schauen wir wie sich das Philosophicum entwickelt. Ich kenne das Gebäude von innen, bin sehr gespannt wie sie das Gebäude für diese "Elite" herrichten wollen.

  • Mietpreise

    Schmittchen schreibt oben, dass der Betreiber der Studentenwohnungen im Philosophicum derselbe ist, der auch "The Flag" am Alleenring betreibt - eine ziemlich schliche Wohnkiste, in der trotzdem Luxuspreise gezahlt werden. Hier ein Foto von dem hässlichen Gebäude: http://www.the-flag-frankfurt.…lder/bildergalerie/12.jpg


    Über die Preise der künftigen Studentenwohnungen brauchen wird gar nicht lange zu spekulieren. Hier nochmal der Link zu den Preisen in "The Flag":
    http://www.the-flag-frankfurt.…t-appartements/index.html
    Momentan zu haben: Eine 34 Quadratmeter-Wohnung für 890 Euro Warmmiete.

  • Also ich glaube noch nicht einmal, dass Studenten (auch keine wohlhabenden) in diesen Appartments wohnen bzw. wohnen werden (allenfalls nur kurz, max. 1 bis 3 Monate, bis man was anderes gefunden hat). Für dieses Geld kann man größere Wohnungen bei gleicher Qualität mit etwas Zeitaufwand finden. Ich denke, dass diese Wohnungen hauptsächlich an vorübergehend in FFM/RheinMain-Beschäftigte vermietet werden. Indizien hierfür sind zum einen, dass die Wohnungen schon voll ausgestattet sind und zum anderen teilweise sogar als "Serviced Appartments" angeboten werden (auf der Webseite sieht man auf den Bildern auch keine Studenten o.ä.).


    Mir drängt sich der Verdacht auf, dass hier Etikettenschwindel betrieben wird, damit man mit "Studentenwohnungen" ein Wohlwollen auf seiten der Stadt, den beteiligten Behörden und v.a. der Bevölkerung erzeugen will, zumal diese Business-Appartments auf einem CAMPUS (!!!) entstehen sollen.

  • Philosophicum

    Auch diese Geschichte verläuft nicht glatt. Der Eigentümer und Bauherr, die RMW Wohnungsvermietung GmbH aus Attendorn (NRW), hat vorgestern den Vertrag mit dem Frankfurter Büro Stefan Forster Architekten gekündigt. Die je nach Perspektive unterschiedlichen Gründe können in einem heutigen FAZ-Artikel nachgelesen werden. Herr Forster hat einen Scan bei Facebook gepostet (und jetzt auch online).


    Ergänzung vom 07.12.: Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet von einer Einigung zwischen der RMW und dem Büro Stefan Forster. Es übernehmen Forsters Mitarbeiter, das Büro führt die Planung also fort.

  • Einen ersten Einblick in die Planung des Philosophicum-Umbaus vermittelt ein Grundriss. Der Erweiterungsbau soll demnach eine dreieckige Form mit gekappten Enden erhalten, an der südlichen Grundstücksgrenze sogar mit deutlich mehr Tiefe als sie der Bestand aufweist. Die Form entspricht dem Zuschnitt der Freifläche zwischen Altbau und Gräfstraße (was mir bisher nie aufgefallen ist). Die Flure beider Bauteile werden jeweils zum Zwischenraum angeordnet und über die Treppentürme miteinander verbunden. Die Bruttogrundfläche des Bestands wird mit 10.870 m² angegeben, die des Neubaus, der allerdings nur fünf Geschosse erhalten soll, mit rund 4.500 m².



    Grafik: Stefan Forster Architekten

  • Zum Umbau des Philosophicums sind erste Ansichten aufgetaucht. Als finalen Entwurf sollte man diese vielleicht besser nicht ansehen, aber eine Richtung werden sie schon weisen. Die Seite zur Gräfstraße:



    Auffällig sind die runden Fenster in der obersten Etage. An dieser Stelle gibt es bisher keine Fenster, die Fassade wurde hier mit Betonelementen ausgefacht (auf Beggis Fotos in #235 zu sehen). Das Philosophicum war nämlich nicht nur Seminargebäude der Philosophischen Fakultät, sondern beherbergte im Dachgeschoss auch das Archäologische Institut. Gewünscht war unter anderem ein Ausstellungsraum mit geschlossener Fassade, dafür mit Oberlicht. Man kann die - ebenfalls runden - Oberlichter über fünf Fensterachsen gut auf dem Schrägluftbild bei Bing erkennen. An den Außenseiten, wo die Fassade ebenfalls über jeweils drei Achsen fensterlos ist, sieht Forster dagegen konventionelle Fenster vor. An diesen Stellen sollen offenbar graue Brüstungen und eine zusätzliche Fensterteilung an den bisherigen Zustand erinnern. Die Ostseite:



    Grafiken: Stefan Forster Architekten

  • Der Architekt Stefan Forster hat heute vier Modellfotos bei Facebook hochgeladen. Auf dem Modell ist die oberste Etage weiterhin so wie sie heute ist, also teilweise mit geschlossener Fassade, wiederum teilweise mit Oberlichtern.



    Südseite:



    Hier gut zu sehen die an den Zuschnitt des Grundstücks und den Verlauf der Gräfstraße angepasste Form des Erweiterungsbaus:



    Neu gegenüber den Grafiken in #277 sind die hohen Fenster der Treppentürme oberhalb des Neubaus, womöglich Zugänge zu einer Dachterrasse. Auch die Fensterteilungen der Neubaus wurden verändert:



    Modell und alle Bilder: Rolf Schafhausen, Entwurf: Stefan Forster Architekten

  • Danke für die aufschlußreichen Fotos vom Modell. Ich finde, hier wird noch wesentlich deutlicher, wie stimmig der Erweiterungsbau das Philosophicum - ja, ich traue mich, es zu sagen - ergänzt. Die im wahrsten Sinne hervorstechende Wirkung der Treppenhäuser, die eindeutig ein Gebäude mit intensiver öffentlicher Nutzung signalisieren, wird abgemildert und das Gebäude besser in den Straßenblock eingefügt. Nur bei den Fenstern hoffe ich, daß Forster nicht die im Modell vorhandenen, sondern die aus den Zeichnungen einbaut, deren Teilung sich an Originalen der späten 50er und frühen 60er Jahre zu orientieren scheint und viel besser mit den Fenstern an Kramers Bau harmonieren. Wenn jetzt noch das Fassadenmaterial gut ausgewählt wird, werden in wenigen Jahren auch Leute, die bisher darüber schimpfen, froh sein, daß das Philosophicum auf diese Art erhalten geblieben ist. Davon bin ich fest überzeugt, denn der Kramer-Bau hat einfach Klasse.

  • Das zeigt eher, wie gut der Ecke ein Abriss des Philosophicums täte. Nicht mal Forster schafft es hier eine anständige Lösung zu planen. Ein vollkommen uninspirierter monolithischer ungegliederter Klotz im schlechtesten Europaviertel-Stil den er da vor hat hinzusetzen. Gott bewahre...

  • Schließlich zwei aktuelle Visualisierungen, wieder von Stefan Forsters Facebook-Seite:



    Von den Geschossbändern abgesehen soll die Fassade des Neubau also verklinkert werden. Gut.



    Bilder: Stefan Forster Architekten

  • Das unansehnliche alte Philosophicum hinter einem Neubau zu verstecken, ist prinzipiell eine gute Idee, wenn es schon unbedingt erhalten werden soll. Ganz schlecht finde ich den Entwurf mit der Klinkerstein-Fassade auch nicht, er passt in gewisser Weise optisch mit dem Bestand zusammen. Aber für eine Wohnbebauung ist das geplante Gebäude zu langgezogen und zu wenig gegliedert. Zwei oder drei Fassadenrücksprünge und ein Staffel-Geschoss mit zusätzlichen Wohnungen hätten die strenge "Universitätsklinik-Optik" bestimmt abgemildert. Gut gefallen mir die zurückgesetzten Eingangsbereiche mit den Treppenstufen zur Straße hin.

  • Ich bin nach wie vor ein entschiedener Befürworter eines Abrisses des Philosophicums. Ich kann keinen zeitgeschichtlichen Wert erkennen; einzig eine für die damalige Zeit moderne Bauweise darf kein Grund für einen Erhalt sein, wenn dafür die Situation städtebaulich so desaströs bleibt, wie sie ist. Außerdem ist das Ding hässlich wie die Nacht finster, aber das ist natürlich meine subjektive Meinung.
    Und jetzt zum Umbauplan: wenn man die engen Grenzen des Denkmalschutzes bedenkt, hat das Büro Forster eine gute Lösung abgeliefert. Mehr Gliederung wäre noch schön, aber das mit dem wünschenswerten Staffelgeschoss scheitert wohl an der eh schon sehr geringen Breite des Vorbaus am nördlichen Ende.
    Kann bitte noch jemand diese außenliegenden Nottreppen, die an der Nordfassade des Bestandsbaus nur über die obersten paar Stockwerke gehen und damit völlig sinnlos sind, entfernen? Das gehört da nicht hin. :nono: