Kulturcampus - Neuentwicklung Uni-Campus Bockenheim (Planung)

  • Land schlägt Ansiedlung der HfMDK in Bockenheim vor

    Es gab viele Diskussionen um die Zukunft der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK), zuletzt heute. Die letzten Neuigkeiten und einen Plan der FAZ zum Campus Bockenheim gab es hier Ende Juni (ab #117). Heute schlägt das Land Hessen bzw. Finanzminister Karlheinz Weimar offiziell in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Oberbürgermeisterin Petra Roth, Planungsdezernent Edwin Schwarz und Hochschul-Präsident Thomas Rietschel vor, die Hochschule auf den Campus Bockenheim umzusiedeln.


    Hier die Pressemeldung des Finanzministeriums:


    [INDENT]Hessens Finanzminister Karlheinz Weimar eröffnet Perspektiven für die Zukunft des Campus Bockenheim in Frankfurt am Main. „Ich schlage vor, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst auf dem frei werdenden Universitätsgelände unterzubringen“, sagte Weimar heute im Rahmen einer gemeinsam mit Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth abgehaltenen Pressekonferenz. „Damit hat der Campus Bockenheim die Chance, sich nach dem Abzug der Goethe-Universität zu einem lebendigen und vielfältig genutzten Quartier zu entwickeln, das den Ruf Frankfurts als kulturelle Metropole stärken wird“, so der Finanzminister. Die nun vom Land Hessen vorgeschlagene Lösung trage insbesondere den Wünschen und Bedürfnissen der Musikhochschule Rechnung.


    Weimar: „Nach der Verlagerung der Institute der Goethe-Universität an den Campus Westend und Riedberg kann die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst nach Bockenheim umziehen. So entsteht das wichtigste Element eines neuen Kultur-Campus in Frankfurt.“ Entlang eines neu zu schaffenden Grünzugs vom Studierendenhaus bis zum Umfeld des Bockenheimer Depot können nach Angaben des Ministers Institute und Institutionen aus den Bereichen Musik, Tanz und Darstellender Kunst angesiedelt werden. Weiter sagte der Minister, er hoffe, dass sich auf diese Weise auch die für das Gebäude der Universitätsbibliothek bestehende denkmalschutzrechtliche Problematik angemessen lösen lasse.


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    Ergänzend dazu ein paar Daten und Fakten, die in der Pressekonferenz genannt wurden:


    • Das Gebiet soll in einem zweistufigen städtebaulichen Wettbewerb entwickelt werden (1. Räumliche Ordnung / 2. Architektur der Gebäude).
    • Für die Hochschule vorgesehen sind Flächen von 32.200 qm + 5.900 qm Erweiterungsfläche (BGF), Kosten: rund 120 Millionen Euro.
    • Für Wohn- und Büroflächen wurden Zahlen genannt von jeweils etwa um 100.000 qm, wobei das zunächst geplante Verhältnis Büro-/Wohnraum von 70:30 zugunsten des Wohnraums nun auf 50:50 verändert werden konnte. (Jedoch kommt kein zusätzlicher Wohnraum hinzu, sondern das Verhältnis ergibt sich durch Abzug von ursprünglich geplanten Büroraum für die Hochschule und Kultureinrichtungen)
    • Erhalten werden sollen die frühere Druckerei, das Studierendenhaus, das Amerika-Institut, das alte Pharmazie-Gebäude und einige Kramer-Bauten (darunter auch zwei Gebäude am Botanischen Garten).



    Plan: Vorläufiger Entwurf, präsentiert auf der Pressekonferenz des Hessischen Finanzministeriums


    Zum vorläufigen(!!) Plan ein paar Worte:

    • Die roten Gebäude will das Land behalten (bzw. bauen), diese sind zur Nutzung durch die Hochschule vorgesehen. Darunter hervorzuheben sind:

      • Ein kleines Hochhaus mit 8-10 Stockwerken, das mit der KfW gegenüber korrespondiert, für die künstlerische Ausbildung (Arbeitstitel: "Probenturm")
      • Ein Konzertsaal neben oder in Verbindung stehend mit dem Studierendenhaus (Arbeitstitel: "Konzertsaal des 21. Jahrhunderts")
      • Die Nutzung der denkmalgeschützten Uni-Bibliothek durch die Hochschule stellt sich als schwierig dar, weil die Archivräume 5 Meter hoch sind, für normale Nutzung zu viel, für eine Zwischendecke zu wenig. Die Tendenz geht hin zum Abriss und Neubau, im Falle eines Neubaus wurde eine besondere Architektur in Aussicht gestellt.


    • Der gelbe Riegel soll gemeinsam mit fünf städtischen Kulturinstituten genutzt werden, für die die Stadt derzeit Mietkosten von 800.000 Euro jährlich hat. Die Besitz- und Nutzungsverhältnisse werden vertraglich geregelt, wie genau steht noch nicht fest.
    • Der Bereich "B1-Block A+B" im Norden soll durch die ABG und OFB entwickelt werden (Wohnraum, ca. 24.000 qm).
    • Das Bockenheimer Depot bleibt weiter in städtischem Besitz und soll durch die Hochschule mitgenutzt werden.
    • Die denkmalgeschützten schwarzen Altbauten um das Senckenbergmuseum sollen alle an die Dr. Senckenbergische Stiftung übertragen werden, die sie der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und dem Physikalischen Verein zur Nutzung überlässt. Derzeit herrscht dort ein Chaos, was die Besitzverhältnisse betrifft.
    • Der Rest wird an private Investoren verkauft. Der südliche Bereich hat dabei die letzte Priorität, dort soll verdichtete und auch höhere Bebauung möglich sein.


    Zeitlicher Plan:

    • Das Wohngebiet im Norden sowie die ersten Gebäude der Hochschule könnten 2015 begonnen werden, wenn alles gut klappt.
    • Der Bau von Bürogebäuden hängt vom Markt ab (wenn es Investoren gibt sofort, ansonsten ...)
    • Der Umbau/Neubau des Bibliotheksgebäudes hängt vom Wegzug der Bibliothek ab, die als letztes Uni-Gebäude Bockenheim in Richtung Campus Westend verlassen wird – nicht vor 2018/19.


    Abschließend:

    • Weimar möchte die Bedeutung Frankfurts damit auch als Ort der Kultur international stärken (neben der Bedeutung als Finanzplatz).
    • Roth bedankte sich ganz brav für die vielen vergangenen und zukünftigen Investitionen des Landes in die Stadt.
    • Schwarz stellte in Aussicht, dass der Aufstellungs- und Offenlegungsbeschluss der Stadt bis Ende 2010, spätestens 1. Quartal 2011 erfolgen soll. Danach folgt der Satzungsbeschluss.
    • Rietschel erwartet einen "lebendigen Kulturort" und "international austrahlenden Produktionsort" und ist sich sicher, dass dieser Ort viel Gastronomie anzieht.

    4 Mal editiert, zuletzt von Torben () aus folgendem Grund: kleine Ergänzung und Korrektur

  • Begeisternd! Hört sich fast ausnahmslos gut an. Kaum ein anderer Ort auf dem Stadtgebiet dürfte sich besser für solche Pläne eignen als der Campus Bockenheim. Investitionen des Landes in Höhe von rund 120 Millionen Euro sind natürlich auch ein Wort.


    Zu loben der Erhalt der Dondorf-Druckerei. Auch das Studierendenhaus hat sicher Qualitäten. Angesichts des "Kreativ-Clusters", den Bockenheim dadurch (wieder) erhält, lässt sich der Schwund beim Wohnraum gegenüber der alten Planung leicht verschmerzen. Zumal ja am aktuellen Standort der HfMDK auch für Wohnungsbau zu verwendende Flächen frei werden. Und sich die jetzigen Pläne nach einem ausgewogenen Mix aus Bildung, Kultur und Wohnen sowie Gastronomie, Einkaufen und Arbeiten anhören.


    Damit dürfte klar sein, warum sich die Verhandlungen mit OFB und ABG so lange hingezogen haben. Gut, dass man den Mut hatte, die alte, nicht recht überzeugende Planung über den Haufen zu werfen und fast noch einmal von vorne anzufangen. Bleibt der Wunsch nach einem guten Händchen für die nun folgende Detailplanung. Der vorläufige Plan oben lässt sicher noch Spielraum für Verbesserungen.

  • Jep, der Erhalt der Dondorf-Druckerei ist eine tolle Nachricht, v.a. weil es mit dem Bockenheimer Depot ein kleines Ensemble bildet. Auch, dass Bockenheim weiterhin von Studenten tagsüber bevölkert wird, ist sehr erfreulich.


    Was ich aber schade finde, ist, dass (wie im Ist-Zustand) das Jügel-Haus so nah umbaut sein wird. Es ist das einzige Gebäude (neben dem Städel vielleicht) in Frankfurt, das ein schloßähnliches Äußeres hat. Ich finde deshalb, dass das Gebäude deutlich mehr Platz zur Entfaltung haben sollte.


    Meine persönliche Ideallösung wäre ja, dass der gesamte Campus Bockenheim östlich des JügelHauses bis zum Depot & Druckerei (auch die Universitätsbibliothek) abgerissen und nicht wieder überbaut wird, stattdessen ein schloßgartenähnlicher Garten (mit Brunnen, Statuen etc.) angelegt wird, wobei auf Höhe der Bockenheimer Landstrasse auch durchaus ein Spielplatz und/oder kleiner Skatepark sein könnte. Das hieße auch, dass die Bockenheimer zwischen Adalbertstrasse und Senckenberganlage verschwände!


    Aber das was jetzt vorgeschlagen wurde, hört sich auch vielversprechend an ... mehr aber auch nicht. Bleibt abzuwarten was letztlich rauskommt ... insofern schließe ich mich den vor mir geäusserten Bemerkungen an.

    Einmal editiert, zuletzt von merlinammain () aus folgendem Grund: Ach, nur Kleinigkeiten :-)

  • ^ Der Idee eines Quasi-Schlossplatzes stände ich ebenfalls sehr wohlwollend gegenüber. In dem von Dir genannten Bereich gibt es auch nichts, was meiner Meinung nach auch nur ansatzweise erhaltenswert wäre, und ein schöner Platz vor der Kulisse des alten Hauptgebäudes wäre ein Schmuckstück für Frankfurt am Main. Leider wird's wohl so nicht kommen, aber es ist schön zu erfahren, dass mit der Nutzung des Bockenheimer Campus durch die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) zwei Fliegen mt einer Klappe geschlagen werden (@Schmittchen: Meine Aufregung hat sich somit auch wieder gelegt).


    Was die beschriebene Campus - Atmosphäre betrifft, möchte ich hier freilich doch zwei Zahlen in den Raum stellen. Die Johann Wolfgang Goethe - Universität hatte im Sommersemester 2010 knapp 36.000 Studierende (==> Wikipedia), die HfMDK kommt auf 850 (==> gleiche Quelle). Es scheint mir schwierig zu sein, auch mit der Ansiedlung weiterer Kulturinstitute die kritische Masse an Studenten zu überschreiten, die einen "richtigen" Uni-Stadtteil ausmachen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich bin sehr froh über die heute öffentlich gewordene Lösung, aber ich denke, es wird - wenn es letztlich überhaupt so genannt werden kann - eine andere Art von Campus-Atmosphäre entstehen, als dies früher der Fall war.


    Edit: Mit "früher" meine ich natürlich die von mir selbst als Student noch erlebte Zeit vor Riedberg und Westend, als fast alles komplett in Bockenheim war.


    Ansonsten natürlich eine nahezu optimale strukturelle Lösung für Bockenheim! Wir werden sehen, was daraus (gebaut) wird.

    Einmal editiert, zuletzt von jo.ker () aus folgendem Grund: Präzisierung "früher"

  • Naja, von den 36000 Studenten sind doch schon heute die allermeisten nicht mehr am Campus Bockenheim. Wer ist da überhaupt noch? Mathematik, Informatik und die Sozialdingensleute... sonst noch was?
    Ist besser als gar keine Studenten mehr dort.
    Schlosscharakter hat das Jügelhaus doch gar nicht, daher braucht es auch keinen Schlossplatz. Dass der Bereich bebaut wird ist schon ok. Wobei ich aber den "Platz" zwischen den ganzen B-Blöcken in der Form wie auf dem Plan noch ziemlich unausgegoren finde. Den Blick von da zum Mittelrisalit des Jügelhauses kann man auch besser in Szene setzen, jener kann auch ruhig schon von der Bockenheimer Landstraße aus sichtbar sein. Die teilweise ziemlich verkümmerten Dachzonen von Jügelhaus und Senckenbergmuseum kann man bei dem ganzen Aufwasch auch gleich mal wieder in eine würdigere Form bringen, und der Physikalische Verein bräuchte sogar eine Komplettsanierung - wie stehen dafür eigentlich die Chancen? Ich hoffe mal, im Plan wurden die zu erhaltenden Teile des Senckenbergmuseums nur falsch markiert, ansonsten würde es bedeuten, dass die entsetzlichen nördlichen Nachkriegsanbauten stehen bleiben würden, während die südlichen Originalanbauten abgerissen würden, was natürlich ganz großer Bockmist wäre.
    Die Uni-Bibliothek wird hoffentlich nicht erhalten, "besondere Architektur" braucht es auch nicht, sondern einfach was was sich wie selbstverständlich einfügt.

  • Nach langem Stillstand geht es nun Schlag auf Schlag: Erst am gestrigen Sonntag wurde der Übergang des alten Hauptgebäudes der Uni, der alten Pharmazie und der alten Physik an die Dr. Senckenbergsche Stiftung notariell beurkundet (FNP-Artikel). Heute unterzeichneten das Land Hessen und die ABG Frankfurt Holding eine Vereinbarung über den Parkplatz nördlich des Bockenheimer Depots, künftig ein Baugrundstück von ca. 10.000 Quadratmetern (FR-Artikel).


    Die ABG wird gemeinsam mit der OFB Projektentwicklung rund 220 Wohnungen und für Einzelhandel etwa 4.500 m² Bruttogrundfläche auf dem Areal bauen. Letztere soll u. a. an einen großen Supermarkt ("Vollsortimenter") vermietet werden. Knapp 80 Eigentumswohnungen sollen entstehen, die verbleibenden Wohnungen werden vermietet. Mit dem Bau soll Mitte bis Ende 2011 begonnen werden.

  • Senckenberg übernimmt Gebäude an der Mertonstraße

    Ergänzend zu Schmittchens Beitrag von 23:24 Uhr und insbes. zu dem in Torbens Beitrag #128 für die denkmalgeschützen Altbauten zitierten "Chaos, was die Besitzverhältnisse betrifft", hat sich das Dickicht nun offenbar gelichtet, wie die FR berichtet.


    Stadt, Land und Universität haben sich lt. Artikel darauf geeinigt, dass die Senckenberg Gesellschaft "sämtliche Universitätsgebäude an der Mertonstraße nutzen kann". Dieser Bereich war zwar für Senckenberg planmäßig reserviert, jedoch hielten Uni sowie Physikalischer Verein Erbbaurechte an den Grundstücken, welche sie nun aber aufgaben.


    Die der Senckenberg Gesellschaft zur Verfügung stehende Fläche wächst somit auf 2,5 Hektar. Im Gegenzug erhält der Physikalische Verein ein neues Planetarium auf dem künftigen Kulturcampus.

  • OB Roth drückt bei Bebauungsplan aufs Gaspedal

    Roths Äußerungen vor dem Stadtparlament
    Laut FR vom 2. September will Oberbürgermeisterin Roth den Kultur-Campus Bockenheim zur Chefsache machen und beschleunigen. Roth wünscht sich "ein neues Zentrum der städtischen Kulturgesellschaft." Vor dem Stadtparlament deklarierte sie ihre Absicht bis Jahresende einen detaillierten Bebauungsplan vorzustellen.


    Zum Thema Bürgerbeteiligung
    Man hat die Entwicklungen in Hamburg (Primarschule) und Stuttgart (S21) zur Kenntnis genommen und merkt, dass langwierige, demokratische Prozesse den Bürger verstärkt einbinden müssen. Es habe sich ausgezahlt die Bockenheimer Anwohner in den Dialog genommen zu haben. So wurde nicht an den Bürgern vorbei geplant, sondern der Wohnanteil gesteigert. Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) wurde hierzu von allen Parteien gelobt (ohnehin scheint Herr Schwarz derzeit eine Serie an guten Entscheidungen an den Tag zu legen).


    Forderungen der Opposition
    Auch die Opposition kann ihre Zufriedenheit mit dem Projekt nicht verhehlen. Allerdings stellten Sozialdemokraten Anforderungen an ein konkreteres Profil des Projekts. Man verlangt große Grünflächen (kleiner Park) zur Bockenheimer Landstraße hin. Außerdem plädiert man für einen Umbau des Philosophicums an der Gräfstraße anstatt diesen abzureissen.


    Quelle: http://www.fr-online.de/frankf…2798/4613524/-/index.html

  • Wohnbebauung nördlich des Bockenheimer Depots

    Oben in Beitrag #133 hatte ich vom Kauf eines Baugrundstücks nördlich des Bockenheimer Depots durch die ABG Frankfurt Holding berichtet. Auf dem heute als Parkplatz genutzten 10.000-Quadratmeter-Areal sollen ab 2011 rund 220 Wohnungen und etwa 2.500 Quadratmeter Einzelhandels-Verkaufsfläche entstehen.


    Zwischenzeitlich wurde ein Wettbewerb ausgerichtet, Auslober war die ABG Frankfurt Holding. Edit: Einer der Preisträger ist das Büro Stefan Forster Architekten (mehr dazu unten in Beitrag #148). Zwei Visualisierungen des zweitplatzierten Entwurfs:



    Innenhof:



    Bilder: Stefan Forster Architekten

  • Sehr schön, eine ordentliche Bebauung an dieser Ecke wird den Eindruck der ganzen Bockenheimer Warte zum positiven Verändern. Zur Zeit fühlt man sich an der Ecke Straßenbahnhaltestelle angesichts des "Parkplatzes", den dahinterliegenden wenig schmeichelhaften Gebäuden und dem Bockenheimer Depot eher wie in einer alten Industriebrache als im Zentrum des größten Frankfurter Stadtteils.

  • In der Tat erfreuliche Nachrichten, die Bebauung dieser Brache ist lange überfällig. Der Entwurf dürfte sich recht harmonisch in die Umgebung einfügen, eine stilistische Beeinflussung durch die jüngsten Neubauten entlang der Bockenheimer Landstraße ist offensichtlich (und sehr positiv). Noch ein bisschen mehr individuellere Ausgestaltung der einzelnen Blöcke, und ich wäre wunschlos glücklich :)

  • Ja, gefällt mir auch recht gut. Es wird wirklich mal Zeit, dass dort was ordentliches gebaut wird.


    Im übrigen, Industriebrache ist sogar völlig korrekt. Wen es interessiert:
    An dieser Stelle war bis 1978 die Straßenbahn-Hauptwerkstatt, mit ihren zahlreichen Nebengebäuden und zum Teil sehr verwinkelten Gleisanlagen. Das heute noch vorhandene sog. "Depot" ist lediglich ein Rest dieser Anlage, die ehemals bis weit in die Gräfstraße hinein reichte. Erst nach dem Abbruch der meisten Teile konnte die Straße auf das heutige Maß (mehr als die damalige doppelte Breite!) erweitert werden. Gleichzeitig wurde auch der Park- und Veranstaltungsplatz angelegt, auf dem in den 1980er Jahren sogar mal eine Film-Kulissenstadt ähnlich der Lindenstraße errichtet wurde, um eine Fersehserie zu drehen.


    Auch zwischen der vorhandenen Halle und der Bockenheimer Landstraße bis zur Uni-Bibliothek standen bis in die 80er noch einige Gründerzeitler. Die ganze Ecke hat sich in diesen Jahren geradezu dramatisch verändert.

    (Ja Schmittchen, ich hab`s nicht vergessen. Es kommt dann die Tage wieder was, und zwar genau aus diesem Bereich.)

  • Genauer war es einstufiges anonymes Gutachterverfahren, an dem neun Architekturbüros teilgenommen haben. Dabei wünschte der Auslober keine "Look-at-me"-Architektur, sondern eine sich ins nähere Umfeld harmonisch einfügende Gestaltung. Die Jury unter Vorsitz von DW Dreysse verständigte sich auf drei Preisträger. Diese sind:


    • happarchitecture
    • Forster Architekten
    • Karl Dudler Architekten


    Diese drei Büros werden nun gemeinsam gebeten, aus den Vorschlägen des Gutachterverfahrens ein Gesamtkonzept zu entwickeln und vorzulegen. Dies weil die Jury bei allen Preisträgern in den Entwürfen Pro und Contra gesehen hat und die ABG mit der Realisierung des Projektes das Ziel hatte, drei Büros zu beauftragen.


    Insofern ist die Aussage "Forster Architekten gewinnen Wettbewerb" auf der Website des Architekturbüros (die ich oben zunächst zugrunde gelegt habe) nicht ganz richtig. Anscheinend soll ein "Best-of-Entwurf" entwickelt werden. Wir dürfen gespannt sein, wie das im einzelnen geschieht und was dabei heraus kommt. Auf diese Weise könnte es tatsächlich zu der von Fachwerkhaus gewünschten individuelleren Ausgestaltung der Häuser kommen. Die Jury kritisierte bei Forsters Entwurf in der Tat die "geringe Parzellierung der Straßenfassaden" und die fehlende Gliederung der Innenhoffassaden.


    Die Begründung des Preisgerichts ist sehr interessant zu lesen, allerdings ist auch so ausführlich, dass der Rahmen hier gesprengt würde. Ich darf daher auf die Pressemitteilung der ABG Frankfurt Holding verweisen.


    Visualisierungen der beiden anderen Preisträger - der Entwurf von happarchitecture (1. Preis):



    Bild: happarchitecture / ABG Frankfurt Holding


    Die Arbeit von Karl Dudler Architekten (3. Preis):



    Bild: Karl Dudler Architekten / ABG Frankfurt Holding


    Vielversprechend auch die Aussage von Frank Junker, Geschäftsführer der ABG Holding, es sei bei diesem Architekturwettbewerb auch darum gegangen, für die kommende Neubebauung des Campus Bockenheim Standards zu setzen.




    (Gut. Und ja, die Fab Four gehen dort gerne zum Shopping, den direkten Weg über die Abbey Road, Schuhe für Paul kaufen.)

  • Also, wenn zur Abwechslung hier mal keiner meckert, dann mach ich das halt mal: irgendwie für Frankfurter Verhältnisse und an der Stelle zu massiv, ein Geschoß weniger wäre mehr und würde auch der Wirkung des Depots gut tun, das ansonsten eher erschlagen wird von der neuen benachbarten Baumasse. Vielleicht gibt sich der städtische Baulöwe ABG einen Ruck und macht aus dem 7. Geschoß wenigstens ein dezentes Staffelgeschoß.


    Ansonsten freue ich mich wie ein kleines Kind, das endlich mal dieser bescheuerte Schotterparkplatz wegentwickelt wird. Der geht mir seit Mitte der 80er auf den Keks und ist ein echtes Mahnmal dafür, wie verschwenderisch die öffentliche Hand mit seinem Kapital umgeht.

  • Ich verstehe nicht, wieso der Forster Entwurf nicht gewonnen hat. Genau so stelle ich mir innenstädtiche moderne Blockrandbebauung vor; schön auch die abgerundete Ecke, der Innenhof und die Fargebung.
    Als Anstoß für den Rest des alten Campus sicherlich nicht verkehrt.


    Aber bitte nicht so etwas wie den auf Platz drei gelandeten Entwurf; grau/weiß/kantig!?

  • Ich bin heute vor Ort gewesen und hab' mal ein paar Bilder vom Areal + Umfeld gemacht.
    Bzgl der Kritik von Immobilienmogul: Ich finde nicht, dass die Entwürfe überdimensioniert/zu hoch sind. Denn in der unmittelbaren Umgebung gibts durchaus ein paar mächtige Bauten, die aber zugegeben eher als Bausünden zu klassifizieren sind und sich nicht wirklich einfügen (v.a. Bürogebäude in der Gräfstrasse). Zustimmen muss ich aber teilweise der Kritik zustimmen, dass das Vorhaben zu nah am Bockenheimer Depot liegt. Andererseits kommt es dadurch aber nicht zu einer Verschattung (denn das zu bebauende Grundstück liegt nordöstlich vom Depot) und das Depot liegt zudem auf der exponierten Seite zur Bockenheimer Ldstr hin, was das Ganze doch ziemlich relativiert/erträglich macht.


    Aja: wie die meisten hoffe ich, dass der Forster-Entwurf sich am Ende noch durchsetzt!


    das Areal






    Wohnungen auf der Höhe von der Falkstrasse werden aufgrund dieser Sichtachse sicherlich zu den begehrteren gehören



    das Depot



    die Gräfstrasse






    Sophienstrasse



    KfW-Gebäudekomplex & Zepellinallee




    nördlicher Gebäudeteil der ehemaligen Dondorf-Druckerei (soll nach aktueller Planung - zum Glück - erhalten bleiben) ... sieht nett mit diesem Bewuchs!


  • ... irgendwie für Frankfurter Verhältnisse und an der Stelle zu massiv, ein Geschoß weniger wäre mehr und würde auch der Wirkung des Depots gut tun, das ansonsten eher erschlagen wird von der neuen benachbarten Baumasse. ...


    Im Vergleich zum Depot sind die geplanten Gebäude in der Tat sehr groß. Allerdings sind alle anderen um den Platz herum auch relativ hoch und dominierend. Gut zu erkennen in den Bildern die merlinammain gepostet hat.
    Vielleicht gelingt es ja noch in den anstehenden Plaungen diesen Konflikt abzumildern.

  • Sehr ordentliche Aufnahmen, die einen guten Eindruck des Umfeldes vermitteln. Zu Bild 9 und 10 möchte ich für Interessierte noch ein paar Zeilen schreiben:


    Wir sehen hier das ehemalige Hauptgebäude der VDO-Tachometerwerke zu Bockenheim. Die Werksanlagen erstreckten sich sowohl ein ganzes Stück die Falkstraße, als auch die Sophienstraße entlang (heute durch Wohnbebauung ersetzt). Mehrere Zufahrten von beiden Straßen waren vorhanden. Bis weit in die 1980er Jahre wurde dort produziert.


    Das Gebäude selbst bestand zunächst lediglich aus dem linken Teil bis etwa zum großen Eingang und wurde im Jahre 1929 vom Architekten Karl Engel im expressionistischen Stil errichtet. Viele Stilelemente, wie etwa das ehemals arkadierte Mansardengeschoß unter abgetreppt und weit auskragendem Hauptsims sowie der Klinkerfassade, sind leider verloren gegangen. Der rechte Gebäudeteil wurde erst in späteren Jahren im gleichen Stil angefügt. Der dahinter liegende Produktionsteil war in etwa das gleiche Konglomerat an Hallen, wie es heute noch teilweise bei der gegenüber liegenden Hartmann & Braun zu sehen ist.


    Um meine Ausführungen optisch verständlicher zu gestalten, möchte ich nochmals auf meinen vorigen Beitrag und Bild 7 mittels einer Vergleichsaufnahme aus dem Jahre 1978 anknüpfen:



    Wir sehen in etwa den gleichen Standort wie in Bild 7. Direkt vor uns die Einfahrt zur Hauptwerkstatt, auf deren Gelände sich auch eine linienmäßig benutzte Gleisschleife befand. Hier wird die von mir beschriebene massive Verbreiterung der Gräfstraße und die damalige Größe der Straßenbahn-Hauptwerkstatt besonders deutlich. Auch ist das VDO-Hauptgebäude im früheren, aber auch schon nicht mehr ganz originalen Zustand, gut erkennbar. Ebenfalls gut sichtbar ist das im Hintergrund liegende, und schon auf die spätere Straßenbreite positionierte Umspannwerk (oder was das ist) an der Ecke zur Sophienstraße. Würde der Fotograf sich jetzt ein Stück nach rechts drehen, könnten wir noch die von mir erwähnten Gründerzeitler an der Bockenheimer Landstraße sehen.


    Überhaupt sei an dieser Stelle auf die große industrielle Geschichte Bockenheims mit seinen ehemals zahlreichen Betrieben wie etwa Schörghuber, Schanzenbach, Moenus AG, Union Druckerei, und vielen anderen hingewiesen. Viele der Hauptgebäude und Fabrikhallen wurden in den Stilen der Gründerzeit von namhaften Architekten geradezu als Kathedralen der Arbeit errichtet und schrieben durchaus ein Stück Architekturgeschichte. Die dazu passende Wohnsiedlung für die Arbeiter gab es gelegentlich gleich mit dazu.


    Übrigens, auch die Adalbertstraße war von der Bockenheimer Warte aus nach Westen zu dieser Zeit höchstens halb so breit wie heute. Auch diese war zu beiden Seiten von großen Industriebetrieben (Schanzenbach/Schörghuber), die weit in die Tiefe der Grunstücke gingen, gesäumt. Auch diese industrieellen Hinterlassenschaften sind erst im Rahmen einer großen Stadtreperatur, die in den späteren 1980er Jahren ihren Abschluss fand, beseitigt worden. Bei einem Architektenwettbewerb wurden verschiedene Modelle vorgestellt, bei dem ein weit gediehener Entwurf sogar einige, teils über 20 Stockwerke hohe Wohnhochhäuser vorgesehen hatte.


    Um nicht zu offtpic zu werden, möchte ich diesen Beitrag lediglich als Information, und nicht als Diskussionsgrundlage verstanden wissen.

  • Gegen die Schande...

    In der FR hat der Architekt Jochem Jourdan in flammendes Plädoyer für den erhalt der Kramer-Bauten auf dem Unigelände verfasst. Er hält einen Abriss für einen "schwerwiegenden Fehler" und sieht in den Gebäuden und ihrer Geschichte ein "Monument der Rückkehr der Frankfurter Schule nach Frankfurt am Main, ein einzigartiges Denkmal der Versöhnung zwischen den jüdischen Heimkehrern und ihrer Stadt, Zeichen eines demokratischen Neubeginns unserer Republik". Er fordert Erhalt und Umbau für eine neue Nutzung, es solle nicht wieder "Tabula rasa" gemacht werden, eine unbeschriebene Tafel, sondern ein beschriebenes Blatt weiter geschrieben werden.

  • Wohnbebauung nördlich des Bockenheimer Depots

    Wie oben schon berichtet, werden die drei vorne platzierten Entwürfe nun kombiniert. Bisher unbekannte Grafiken und schon gepostete Visualisierungen nochmals im Überblick:


    happarchitecture (1. Preis):



    Der Entwurf wurde aus meiner Sicht verdient mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Weil hier am ehesten Einzelhäuser erkennbar sind und weil hier recht überzeugend Typologien der gründerzeitlichen Bebauung in der Sophienstraße aufgenommen werden. Dies war neben dem harmonischen Einfügen ins nähere Umfeld Vorgabe der ABG Frankfurt Holding. Die Ecklösung im Südwesten empfinde ich als deutlich feiner und eleganter als den etwas grob und schwerfällig wirkenden Vorschlag Forsters für diesen Bauteil. Ansicht vom Carlo-Schmid-Platz:



    Bilder: happarchitecture / ABG Frankfurt Holding


    Stefan Forster Architekten (2. Preis):



    Innenhof:



    Plan (mit aktuellem Rahmenplan dieses Bereichs):



    Bilder: Stefan Forster Architekten / ABG Frankfurt Holding


    Karl Dudler Architekten (3. Preis):



    Innenhof:



    Bild: Karl Dudler Architekten / ABG Frankfurt Holding