S21-A1 Turm am Mailänder Platz, 66m (in Bau)

  • Was heißt "Rücklauf" bescheiden, der Investor Strabag hatte damals 9 renommierte (weitgehend üblich verdächtige) Architektur-Büros eingeladen (UN Studio nahmen nicht teil).

    Ah, ok. Hatte das nicht mehr genau in Erinnerung.


    Wenn 8 renommierte Büros mitmachen, sollte schon mehr rauskommen. Selbst die drei Preisträger (Plätze 1 - 3) sind unterdurschnittlich.

  • Beitrag von Betonkopf ()

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  • Ich erinner mich noch dunkel, dass Strabag eigentlich nicht den erst platzierten , sondern den zweit platzierten bauen wollte. Aber es bei dem Architektenbüro des zweit platzierten eine persönliche Beziehung zu Strabag gab und man dieses von Seite der Stadt als Vetterleswirtshaft angesehen hat und somit ablehnte. Man bestand auf den Bau des erst platzierten. Ansonsten wäre der ganze Wettbewerb eine Farce gewesen.


    Der 1 Platz hat gewonnen, aufgrund der begrünten Elementen, der Steinfassade und dem Glasband zwischen Hochhaus und Sockelbau. Strabag war das aber vermutlich zu teuer und man kam dann später mit der fadenscheinigen Begründung, dass eine grüne Fassade aufgrund der Höhe des Gebäudes und aus Brandschutzgründen nicht ginge. Es gibt genug Beispiele in der Welt mit Hochhäusern mit gleicher Höhe mit üppiger begrünter Fassade. Statt Rebstöcke sollten dann nach dem Aufschrei der Stadt ersatzweise bunte Elemente in die Fassade eingebaut werden. Daran hat sich Strabag wohl auch nicht gehalten und von der Steinfassade sehe ich auf den Bilder auch nicht viel. Oder täusche ich mich? Das ganze sieht auf den Bildern aus, als hätte man einfach graue Fassanteile an die Fassade gehängt und keine Steinplatten und ob die üppige begründe Dachterrasse kommt, bezweifle ich auch stark.


    Das Argument, dass die Fassade wie die Bibliothek aussehen sollte, kann ich mir nicht vorstellen, dann hätte alle umliegenden Gebäude so aussehen müssen. Was ja nicht zutrifft und der Wettbewerb hätte dies schon im voraus vorgeschrieben und nicht hinterher nach dem Wettbewerb. Hier hat Strabag einfach gespart zu lasten dem Aussehen des Gebäudes und die Stadt hat einfach zugeschaut. Strabag hat auch später in einem Zeitungsartikel zugegeben, dass man aufgrund der guten Entwicklung des Büromarktes in Stuttgart im Nachhinein lieber ein Bürohochhaus gebaut hätte als eine Hotelturm. Aber dies nicht mehr rückgängig machen konnte, aufgrund der unterschriebenen Mietverträgen usw.

  • Oh je, wenn "ein freundliches Grau" schon als Kompliment durch geht... Ich empfehle dem Gebäude nicht näher zu kommen, höchstens mit geschlossenen Augen. Je mehr man von den Details der Fassade sieht, desto furchtbarer wirken sie.

  • Seltsamer Weise wird es besser, je mehr man vom Gebäude sieht. Die einzelnen Elemente sind nicht wirklich schön. Aber die Anordnung der Fenster in Kombination mit den Grautönen hat was. heute beim Vorbeifahren war ich durchaus angetan, also mal abwarten...

  • Völlig daneben finde ich das Gebäude jetzt nicht. Die versetzten Fenster sind ok, den Grautönen kann ich nichts abgewinnen. Das Auge gewöhnt sich aber langsam ans Gebäude. Ich habe auch nichts gegen erwähnte Motel One & Co in München, ganz im Gegenteil, mir gefallen die dortigen Hochhäusle. Den Vergleich habe ich im Kopf auch schon gezogen, drängt sich fast auf. Für den Standort hier ist der gewählte Entwurf (bzw. dieser ähnliche Stil) aber nicht das Optimum. Gerne z.B am Pragsattel irgendwo eingeworfen, aber hier passt es nicht wirklich. Nun steht er da und wir müssen auch damit leben.


    Die Ornamentplatten hätte ich mir lieber in einer oder mehreren Linien als vertikale und/oder horizontale Gliederung gewünscht und nicht wild verteilt.


    Etwas anderer Blickwinkel vom 25.02.2021

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    Bilder: Silesia

  • Stuttgarter Hochhäusle, oder auch was man hier für spannende Architektur hält. Gefühlt lebt die gesamte Stuttgarter Verwaltung noch in den 60/70ern, als in der Stadt tatsächlich noch so etwas wie herausragende Architektur entstand. In der Zwischenzeit hat man sich da allerdings komplett von entkoppelt und schiebt seinen eigenen Film. Ein Blick ins Ausland, ob jetzt Zürich, Wien, Straßburg, Amsterdam, Bratislava, Warschau oder Kopenhagen würde zeigen wie Stadtplanung und Architektur heute aussehen kann. In Stuttgart ist man derweil schon zufrieden wenn ein Gebäude aus der Ferne nicht „so schlimm“ aussieht oder man sich an bestimmte Ansichten „gewöhnen könnte“. Bitter!

  • Wenn man sich an etwas gewöhnen muss, an das man sich eigentlich nicht gewöhnen will, dann ist das - bitter! Die Stadtverwaltung lebt nicht in den 60ern sondern im Takkatukkaland. Unter Digitalisierung vermuten die Schnurlostelefone. Wenn du an einige Ämter eine Email schreibst, wird die erst ausgedruckt, dann 3 Tage lang durch die Stadt gefahren mit der internen Post (wehe wenn Feiertage/Wochenende), um sie in Papierform dem Empfänger zuzustellen. Der Empfänger bearbeitet sie dann, wenn es blöd läuft jedoch braucht er dafür 2-4 Tage, weil m/w/d nur 3 Bearbeitungen am Tag schafft, da alt/inkompetent/unwillig/"krank"/desillusioniert oder alles zusammen. Wenn m/w/d dann doch fertig ist, müssen noch 2-3 Ebenen drüberschauen. Wieder geht es in Papierform auf die Reise. Nach 6-10 Tagen bekommt man dann eine Antwort. Wenn es normal läuft. Auf eine E-Mail. Hat jetzt natürlich nichts mit dem Forum oder Architektur zu tun, ist aber trotzdem Stuttgart in den 2020er Jahren. Geschichten einer reichen Stadt.


    Ups, mit Architektur hat es ja doch zu tun. Man muss nur die fragen die etwas bauen wollen, die eine Genehmigung brauchen... Oder wenn man auch nur eine Baustelle einrichten will, für eine simple Renovierung z.B., dann Gnade einem Gott, an welchen man auch immer glaubt. Jahrzehnte wurde gespart an Ausstattung und Personal. Und vorhandenes Personal ist viel zu oft schwäbischer Beamtenadel in x-ter Generation. Jeder Gang zum Drucker ist zu viel, da aber E-Mails ausgedruckt werden, sind viele Gänge nötig. Naja morgen ist auch noch ein Tag und das Haus verliert schließlich nix. Keiner will sich vorstellen, wie viele Planstellen genehmigt sind und wie viele davon teils seit Jahren nicht angetreten werden können, weil man keine Räumlichkeiten findet. Man könnte natürlich 1-2 Etagen höher bauen, aber naja... Vor 2 Jahren ist mir eine Mitarbeiterversammlung im Rathaus ganz besonders in Erinnerung geblieben, auf der man sich seitens diverser Bürgermeister damit gerühmt hat, dass nun endlich keiner mehr nach TVÖD Entgeltgruppe 1 arbeiten muss, sondern man es endlich durchgesetzt hat, dass alle mindestens EG2 bekommen! Da geht es einem doch gleich viel besser. EG1, 2, 3, 4, was muss das geil sein - in Neubrandenburg, Guben, Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt etc. - aber in Stuttgart, wo gefühlt ein Drittel der Stadt allein Bonus zu Weihnachten im fünfstelligen Bereich bekommt... Da wurde dann knallhart entgegnet, man hätte doch in der Schule besser aufpassen müssen und in Rudersberg wohnt es sich auch schön. So gewinnt, hält und motiviert man Mitarbeiter. Immerhin in der Fluktuation und im Papierverbrauch ist man echt Spitze.


    Unser Hochhäusle ist halt auch schwäbischer Beamtenadel in x-ter Generation. In all seiner Pracht. Graue Eminenz,

  • Ich freue mich über jeden der sich noch so schön konstruktiv aufregen kann. 🙂

    Gefühlt sind wir zu einem Land von Konformisten geworden wo oft hinter Deckmänteln von Resilienz, Toleranz und Obrigkeitstreue (was alles wichtige Eigenschaften sind!) seine "Mir-egal-bzw.-kann-ja-eh-nichts-daran-ändern-und-falle-vielleicht-unangenehm-auf-Haltung versteckt wird.

    Und daher wird's mit uns die nächsten Jahre leider weiter abwärts gehen.

  • Ich meine, dem Bau fehlt auch ein Abschluss, falls er so bleibt wie jetzt. Das Ding sieht aus wie abgesägt. Auch müsste man hier die Fernwirkung bedenken - vom gegenüberliegenden Hang kein schönerAnblick, man sieht auf ein gestaltloses Technikgeschoss mit dem Stummel des Aufzugkerns.
    Vergleicht man den Bau mit dem Hochhaus der Friedrich-Ebert-Wohnanlage aus den 1920er Jahren auf dem Weißenhof, das in einem der Fotos von Silesia gut zu sehen ist, dann fragt man sich schon, warum qualitätvolle Architektur heute so selten geworden ist.

  • Laut dem Rendering bekommt zumindest der Sockelbau noch eine üppige Begrünung. Die man nur sieht, wenn man von oben auf das Gebäude schaut aber von unten sieht man nur trostlose Tristesse. Mit der Rendite-Maximierung wird Regent vermutlich recht haben.


    Man wird sehen, wie es aussieht, wenn Leben im Gebäude eingekehrt ist. Eine Glanzstück ist das Gebäude nicht, da hätte ich mir mehr gewünscht von der Stadt, von Strabag und vom Gestaltungsbeirat.

  • ISO711, danke für deine Bilder!


    Der Turm sieht irgendwie besser aus als der Sockelbau. Das ist eigentlich erstaunlich, weil Turm und Sockelbau über die gleiche Fassade verfügen. Vermutlich ist es die Anordnung der Fenster, die den Unterschied macht.


    Im Sockelbau sind die Fenster tief in der Fassade angebracht, was sich nachteilig auf die Optik auswirkt. Ich wundere mich über diesen nachteiligen Effekt, da sich Tiefe im Relief normalerweise positiv auf die Fassade auswirkt. Aber hier scheint es umgekehrt zu sein.

  • Der Bau neigt sich seiner Fertigstellung entgegen und da reiche ich doch noch genaue Daten nach.


    Kopenhagener Straße 3 (Turm)

    Hotel, Motel, Pension. 636 m²


    Grunddaten:

    Hochhaus

    3 Untergeschosse

    20 Obergeschosse


    Technische Daten:

    Erdgeschossfußbodenhöhe 255.46 m über NN

    Traufhöhe 320.12 m über NN (= 64,66 m)

    Flachdach



    Moskauer Straße 11 (Sockel)

    Hotel, Motel, Pension. 1034 m²


    Grunddaten:

    3 Untergeschosse

    6 Obergeschosse


    Technische Daten:

    Erdgeschossfußbodenhöhe 255.90 m über NN (0,44 m höher als beim Turm)

    Traufhöhe 278,03 m über NN (= 22,13 m)

    Flachdach


    ---


    Nimmt man nun die 64,66 m durch die 20 Obergeschosse (in denen das Erdgeschoss inklusive ist), ergibt sich eine durchschnittliche Geschosshöhe von 3,23 m. Mittig oben befindet sich noch ein Aufzugs- und Technikraum auf den Bildern von oben gut zu erkennen), den man noch zur Traufhöhe addieren muss und der scheinbar in dem Fall auch einer durchschnittlichen Geschosshöhe entsprechen dürfte (sonst durchaus das anderthalb bis zweifache). Also noch einmal 3.23 und dann wären wir bei 67,89 m Gebäudehöhe. Reiht sich also knapp unter der Wolke 7 ein.

  • Mein Beileid an diejenigen die über dem Milaneo wohnen und jetzt diese Hässlichkeit vor die Nase gesetzt bekommen haben. Die ganze Ecke sieht gefühlt gleich aus und das Hochhaus setzt dem ganzen den Hut auf meiner Meinung nach. Jemand hat die Fassaden Schnörkel schon ganz treffend als missratene Brezel Rohlinge oder einfallsloses Spritzgebäck bezeichnet. Ich habe mich sehr gefreut dass dort endlich was gebaut wird. Aber ich finde es einfach nicht schön. Vielleicht kann man die Grünen in der Stadt dazu überreden, einfach eine angehängte Fassadenbegrünung komplett um das Gebäude zu spannen um es hinter einer Grünen Wand zu verstecken

  • Vielleicht kann man die Grünen in der Stadt dazu überreden, einfach eine angehängte Fassadenbegrünung komplett um das Gebäude zu spannen um es hinter einer Grünen Wand zu verstecken

    Wenn das Gebäude eine Fassadenbegrünung erhalten soll, muss man nicht die (Stadt-)Politiker, sondern den Investor überreden.