Europaviertel Ost (Planung und Bau)

  • Der Boulevard wird sicherlich eher das urbane und moderne Leben betonen.


    Eben deswegen müssen da richtige Dächer drauf. Was haben denn Gebäude wo oberhalb der Traufe gar nichts mehr ist bitteschön mit Urbanität zu tun?
    Totale Einöde, erst recht wenn man von oben drauf schaut.
    Die Moderne hat da schon deutlich besseres hervorgebracht als diesen unsäglichen Flachdachwahn.

  • Es bleibt tatsächlich zu wünschen, dass die Stadt noch vernünftige Dächer notfalls verordnet, sollte der Entwurf dahingehend nicht angepasst werden. Flachdach hat nichts mit Moderni- oder gar Urbanität, sondern Kostenersparnis zu tun, und sowas sollte man in einem Stück Bauland im Herzen einer Großstadt m. M. nach nicht gerade zur Schau stellen.


    Zum Abriss der DB-Gründerzeitler muss man wohl nix mehr sagen - die Tatsache, wie sich der Denkmalschutz hier offensichtlich (mal wieder) verhalten hat, lässt wenigstens darauf hoffen, dass man in 20 Jahren genauso achtlos mit anderen "wertvollen" Gebäuden in der Stadt umgeht, beim Bundesrechnungshof könnte man ja mal den Anfang machen. :lach:


    Ansonsten schaut's zumindest in der Entwurfsvisualisierung aber alles doch recht gut und zugegebenermaßen besser aus, als ich erwartet hatte.

  • @Vivico, es spekuliert niemand hier, nur ist es eben so dass wir eben schon mal viel weiter waren als "Einkaufs- und Erlebnisbereich nur unscharf und auch nur als Baumasse"...
    Es ist anscheinend doch noch alles SEHR im Fluss, nicht?
    Daher meine Frage.

  • Vielen Dank VIVICO für die 1A Informationspolitik und Kompliment für die Renderings. :daumen: Das ist wirklich klasse! Man hat also mitbekommen, dass sich auf dieser Plattform auch Invesoren tummeln ;-)

  • @ Chewbacca: Hat ja auch keiner was von Satteldächern gesagt. Bisher erwähnt wurden nur Walmdach und Staffelgeschoss ;) mir relativ egal, wie, Hauptsache eine (wie du selbst sagst) "wie auch immer geartete definierte Oberkante" ;)

  • Also ich finde der erste Eindruck des Wohnhauses ist ganz ordentlich. Mein Dank natürlich auch an Herrn Brandt für diese tolle Informationspolitik. Aber: wird es nur bei diesem einen Wohnhaus bleiben??

  • @Chewbacca: Es ist das von Dir eingekringelte Gelände. Beim Vorbeigehen am Samstag habe ich auch schon ein Bauschild gesehen. Schön zu sehen, dass es bald losgeht. Ein wichtiger Schritt wäre natürlich die Realisierung des UEC um einen richtigen Anziehungspunkt zu bekommen. Sonst werden es die Läden am Boulevard schwer haben.

  • @ Chewbacca: Ich weiß ja nicht was an ordentlichen Dächern Retro sein soll. Nur weil man ab 1920 auf die Idee kam man müsste seine eigenen Prinzipien von wegen Funktionalität nicht beachten und könnte Dächer in unseren Breiten einfach so mal weglassen (soviel zum Thema "form follows function"...)? Dächer sind zeitlos! Flachdächer hingegen unnötiges Bauhaus-Überbleibsel.
    Aber wo hab ichs denn schlecht gemacht? Zur Fassade hab ich ja gesagt dass ich sie so ok finde. Aber ohne anständigen Abschluss des Gebäudes nach oben hin, egal ob jetz mit richtigem Dach oder wenigstens Staffelgeschossen, leidet der ganze Eindruck doch enorm. Und von oben betrachtet gibts doch nunmal wirklich nichts langweiligeres als lauter abgeflachte Quader ohne Dachlandschaften. Sieht einfach extrem billig aus...

  • Sicherlich wünsche ich mir auch einen schöneren oberen Dachabschluss, allerdings auch durchaus ein nutzbares Flachdach!
    Das Unding der modernen Dächer ist nicht, dass sie Flach sind, sondern, dass die Flachdächer nicht als Gärten und Terassen genutzt werden. Stellt euch mal vor wie genial Frankfurt aussehehen würde, wenn jedes Haus eine grüne oder anderweitig genutzte Dachtfläche als Abschluss hätte.


    Funktional betrachtet haben sich die stark geneigte Satteldächer und ihre Abwandlungen übrigends mittlerweile überlebt. Hinzu kommt, dass man sogar früher die Traufe als Abschluss besonders deutlich ausgebildet hat und die Dachfläche von der Strasse eigentlich nicht wahrgenommen wurden. Zumindest nicht in der Stadt.
    Dominierende Dächer sind eher unurban und dörflich.


    Diese ganze Diskussion ist bei einem Neubauviertel aber sowieso recht seltsam. Ich freue mich über die guten Nachrichten und würde die Vivico eher für für eine zu konservative Architektur rügen. Schließlich gibt es hier nichts zu bewahren und man sollte versuchen Hamburgs Hafencity an Kreativität und Experimentierfreude zu übertreffen. Sicherlich läßt sich Mittelmaß gut kalkulieren, aber die Gewinnchancen einer aufseheneregenden Architektur liegen meines Erachtens über den Risiken.

  • @ Rohne
    Flachdächer sind heutzutage mindestens genauso dicht und funktionsgemäß wie geneigte Dächer. Diese haben ihren Vorteil in dem Moment verloren, in dem der Dachboden Wohnraum wurde.

  • Der Vorteil eines Walm- oder wie auch immer gearteten steilen Daches ist ja gerade der, dass praktisch keine Nutzfläche verloren geht, der Bau aber äußerlich einen Abschluss findet. So eine Dachkonstruktion schließt auch nicht die Nutzung der Dachfläche aus, da diese ja trozdem flach sein kann. Ich würde die Dachfläche auch immer für eine enorme Dachterasse nutzen. Ob nun mit oder ohne Grün, mit oder ohne Pool.

  • Stellt euch mal vor wie genial Frankfurt aussehehen würde, wenn jedes Haus eine grüne oder anderweitig genutzte Dachtfläche als Abschluss hätte.


    Toll, dann ist die Stadt eine einzige riesige Wiese :D (hat dann aber auch nichts mehr mit Urbanität zu tun sondern sieht eher nach Pampa aus ;) )


    Ich freue mich über die guten Nachrichten und würde die Vivico eher für für eine zu konservative Architektur rügen. Schließlich gibt es hier nichts zu bewahren und man sollte versuchen Hamburgs Hafencity an Kreativität und Experimentierfreude zu übertreffen.


    An Experimentierfreude vielleicht nicht, aber an architektonischer Qualität übertrifft der vorgestellte Entwurf die meisten Hafencity-Neubauten doch ziemlich deutlich, trotz der Mängel bezüglich Dach.
    Man will ja einen urbanen Boulevard mit gehörig Aufenthaltsqualität schaffen, da kann zu viel Experimentierfreude schnell das Gegenteil des Gewollten bewirken. Von daher überhaupt nicht zu konservativ. Plastische Fassaden wirken halt viel angenehmer als riesige schiefe Glasflächen oder auf was für Ideen so mancher Architekt ganz gerne mal kommt.


    Können wir uns denn wenigsten darauf einigen, das der Abschluss des Gebäudes nach oben hin einfach noch zu uninspiriert ist?

  • Mich würde ebenfalls interessieren, wie man sich das Einzelhandels- und Gastronomieangebot vorstellt.
    Der Boulevard wird nur ein urbaner Anziehungspunkt werden, wenn er auch Einkaufsstraße ist. Deshalb hoffe ich wie Chewbacca, dass in jedem Gebäude Läden und Gastronomie vorgesehen sind und zwar auch größere Flächen für einige Anker (wobei ich vor allem an in der Stadt noch nicht vertretene Geschäfte denke).


  • Können wir uns denn wenigsten darauf einigen, das der Abschluss des Gebäudes nach oben hin einfach noch zu uninspiriert ist?


    Ja das geht :)


    Um allerdings mal ein positives Beispiel moderner Urbanität zu nennen: Ich träume von einer Architektur wie beim Medienhafen in Düsseldorf, allerdings mit urbaner Nutzungsmischung.


    Ich finde es etwas schade das Haussmann die einzige gültige Stadtform erschaffen haben soll. Nicht das ich was gegen Paris hätte. Aber diese Form von Urbanität haben wir in großen Teilen von Frankfurts Osten, im Bahnhofviertel und auch südlich des Boulevards.
    Was jetzt gebaut wird ist sicherlich gut funktionierend, aber auch nicht wirklich was besonderes. Selbst wenn man Tonnen von Stuck auf die Fassaden klebt.
    Ich glaube kaum, dass der Boulevard auch nur annähernd mit der Zeil mithalten kann, bzw. zu einer wichtigen Flaniermeile wird. Dazu ist die Architektur einfach zu charakterlos.
    Ohne das UEC und ein Planetarium im Europapark werden da wohl nur wenige Touris oder auch Frankfurter aus anderen Stadteilen zusammenlaufen.
    Ein schlechtes Viertel oder "Millionengrab" wirds aber sicherlich auch nicht werden.

  • Ich finde Frankfurt hat die schönsten Hochhäuser in Europa, einen tollen Opernplatz, die Taunusanlage, die aufgewertete Flusslage, Campus Westend mit IG Farben...es wird so langsam ein Schmuckstück.


    Aber das Europaviertel halte ich für einen Rückschritt und eine falsche Konzeption. Das Wohngebäude ist einfach langweilig, der Europaboulevard vollkommen überdimensioiert...dadurch geht man ein Risiko ein, hier eine unbelebte Ödnis zu schaffen. Wo stehen denn funktionierende Boulevards: Königsallee, Kudamm, Unter den Linden. Doch das Europaviertel wird eher wie die Karl-Marx-Allee (oder wie auch immer sie jetzt heisst). Kalt, da leer. Wirklich jammerschade. Was die Gebäude anbelangt fehlt mir ein Identitätsfaktor, bei dem ich weiss: ich bin jetzt im Europaviertel. Mir gefallen die Flussbauten zum Beispiel in diesem Sinn, auch das Westend. In anderen Städten sieht es für mich als Aussenstehender zum Beispiel in der Hafencity hanseatisch aus. In London weiss man gleich, man ist nun in Maida Vale oder South Kensington.


    Es gibt irgendwie nichts zündendes im Europaviertel wie zum Beispiel den Werkbundsiedlungsentwurf, den Medienhafen, die Berliner Townhäuser. Meine Hoffnung liegt dann eher noch auf dem [Ostteil] edit: Westteil, wo zumindest der quadratische Park eine unverkennbare Note für das Viertel verheisst.

  • Der Park liegt doch im Westen?


    Aber sonst volle Zustimmung! Der Boulevard alleine wird einfach niemanden hinter dem Ofen hervorlocken, obwohl er sicherlich nicht häßlich ist. Die Dimensionierung halte ich allerdings für angemessen. Ich hätte den Gebäuden eher noch ein bis zwei Stockwerke mehr gegeben, damit sie nicht gänzlich hinter den Alleebäumen verschwinden.


    So wie der Boulevard jetzt gebaut wird, muss er zwischen zwei Attrkationspunkten gespannt werden um wirklich zu gut zu laufen. Insofern hängt vieles von einer Attraktion im Park ab. Da war doch mal ein Planetarium geplant, bevor man es ins UEC verlegt hat?

  • Passt nicht so ganz hier her, ist in diesem Zusammenhang aber doch recht interessant: Ein Interview mit dem scheidenden Direktor des Steigenberger-Stammhauses "Frankfurter Hof", heute in der Rundschau. Als Österreicher dürfte Gerhard Mitrovits die Stadt einigermaßen neutral betrachten, und er lebte lange genug in Frankfurt um sich ein Urteil bilden zu können.


    Mitrovits sagt, Frankfurt habe ein gutes Image, müsste aber viel mehr aus sich machen. Und hier führt er zwei Dinge an: Einerseits fehle eine wirklich gute Kongresshalle. Das "Congress Centrum an der Messe sei von seiner Kapazität her nur für Seminare geeignet". Als Kongress-Stadt müsse Frankfurt Berlin und Wien den Rang ablaufen. Andererseits brauche Frankfurt endlich ein internationales Unterhaltungsangebot. Dieses sieht er vor allem im projektierten UEC richtig untergebracht.


    Natürlich spricht hier vor allem ein Hotelier, der nicht zuletzt um die Auslastung am Wochenende besorgt ist. Und doch sind das m. E. interessante Gedanken. Vor allem wenn man bedenkt, dass das Europaviertel locker das Potential hat, die beiden genannten Lücken füllen zu können.

  • vondraussen:


    Sorry, aber Du vergleichst Äpfel mit Birnen. South Kensington, Hafencity, Medienhafen, die Berliner Townhäuser sind entweder alte gewachsene Viertel oder müssen sich an den Flusslauf anpassen. Da sind sehr viele Ansatzpunkte, die aufgenommen werden müssen und können.


    Im Europaviertel ist das komplett anders: Hier muss auf den Reissbrett was neues entstehen, vergleichbar mit dem Postdamer Platz in Berlin, wobei dieser den riesengrossen Vorteil hat, mitten im Zentrum zu liegen, während das Europaviertel doch eher am Rand liegt. Das schränkt die Möglichkeiten ein, auch was die zu erzielenden Preise betrifft.


    Klar, wünschen kann man sich immer viel, und da stimme ich Dir völlig zu. Aber die Realisierung? Besser eine Realisierung - als eine Brache für weitere 10 Jahre?!


    Der Vergleich mit der Frankfurter Allee in Berlin gar nicht schlecht: Der letzte grosse Boulevard den man in Europa angelegt hat! Vielleicht gibt's in Madrid (Bauboom!) ja noch ein paar neuere (gelungene?) Beispiele, aber schwierig ist die Errichtung eines Boulevards das allemal.