Leipziger Wohnungsbau

  • Im unteren Teil der Birkenstraße - knapp vor der Lützener Straße - in Lindenau, befindet sich der kleinere Neubau auf der Zielgeraden. Mehr als eine logische Lückenschließung lässt sich aber noch nicht aussagen.


    Da ist er.

    Und noch im Vergleich zu seinem sehr viel älteren Nachbar.


    Für das Projekt Zschochersche- Ecke Felsenkellerstraße hat der Tiefbau begonnen.


    Es entbehrt nicht einem gewissen Sarkasmus, diesen Neubau Gartenquartier zu nennen. Der Nachbarschaftsgarten lässt grüßen!
    Hier zwei Ansichten aus der Siemeringstraße.

    Und entlang der Siemeringstraße.

  • Auf Dauer wäre m.E. ein (Teil-)abriss der unmittelbar angrenzen unsanierten Plattenbaugebäude in der Kolonnadenstraße wünschenswert, damit diese dank neuer Eckbauten bündig auf den "alten Westplatz" mündet.


    Ich bin seit ein paar Jahren passiver Mitleser hier im Forum, aber der Kommentar hat mich jetzt tatsächlich zur Registrierung motiviert. Ich bin mir nicht ganz sicher, aus welcher Motivation sich dieser Wunsch zum Abriss der Platten speist, finde ihn aber absolut bedenklich.
    Die LWB hat ihren Bestand bereits massiv und in völlig unverantwortlicher Weise ausgedünnt und kann ihrer Aufgabe, quer durch die Stadt bezahlbaren Wohnraum anzubieten, in einer Reihe von attraktiven Vierteln schon lange nicht mehr gerecht werden. Zum großen Glück gibt es aber innenstadtnahen Plattenbaubestand, v.a. in Zentrum-West und Zentrum Süd-Ost. Diese Bauten sind nun ästhetisch kein wirklicher Gewinn, sie sind aber grundsolide, idR in ausreichend gepflegtem Zustand, mit sinnvoll nutzbaren Grundrissen. Vor allem sind sie so ziemlich die letzten Oasen, die auch Normal- und Geringverdienern ein Leben in diesen Vierteln erlauben. Dabei muss man ganz klar sagen, dass auch in diesen LWB-Platten die Mieten bereits deutlich angezogen sind. Bsp. - die Einzimmerwohnung mit 30 qm bekam man vor rund zehn Jahren im Zentrum-West warm für 220 statt 320 Euro (das sind 7,50 kalt für die Platte...), die Dreizimmerwohnung mit rund 60 qm für 375 statt 475 Euro warm.
    Ich bin wegen meiner/unserer eigenen Biographie persönlich sehr dankbar für diese LWB-Platten und halte sie für unverzichtbar, um noch irgendwie ein halbwegs normales, durchmischtes Klientel in diesen Vierteln zu halten. Ein Abriss mit anschließendem Neubau dürfte die Kaltmiete locker verdoppeln. Und auch wenn man das vielleicht im großzügigen, top-sanierten Altbau nicht so denkt, diese Platten sind idR vollvermietet, großteils an langjährige, festverwurzelte Mieter. Zu ganz großen Teilen übrigens an ein sehr angenehmes Klientel.
    Zum Glück scheinen die Platten für die LWB selbst auch die wirtschaftlichsten Bauten zu sein. Die zuletzt angekündigten Sanierungsmaßnahmen bezogen sich soweit ich das verfolgt habe ja auch auf ältere Substanz und eben nicht auf die grundsoliden Platten. Mal ganz davon abgesehen, dass subjektiv ein Großteil der sündhaft teuren Neubauten ästhetisch auch nicht viel besser als die Platten daherkommt. Im Vergleich zu sowas hier http://www.stadtbau.com/lassalle-parkvillen/ wirkt die typische LWB-Platte doch regelrecht freundlich und einladend... . Und irgendwie gehören die Platten ja auch zur Stadt und zur Leipziger Architektur dazu.
    Mit Blick auf die Wohnlage Friedrich-Ebert-Str. - wir waren vor ein paar Jahren tatsächlich mal in einer der angrenzenden LWB-Platten zur Wohnungsbesichtigung. Wenn die Straßenbahn vorbeifuhr, hat man das im ganzen Körper gespürt - das war für uns Grund genug, die Wohnung nicht anzumieten. Mich würde ja interessieren, ob die Beeinträchtigung in den geplanten Neubauten ähnlich hoch ausfallen wird.

  • [...]Dabei muss man ganz klar sagen, dass auch in diesen LWB-Platten die Mieten bereits deutlich angezogen sind. Bsp. - die Einzimmerwohnung mit 30 qm bekam man vor rund zehn Jahren im Zentrum-West warm für 220 statt 320 Euro (das sind 7,50 kalt für die Platte...), die Dreizimmerwohnung mit rund 60 qm für 375 statt 475 Euro warm.[...]


    Also 300 Euro bezahl ich für meine Studentenbuchte in Erfurt auch. Ebenfalls Platte und Wohnungsbaugesellschaft (Kowo). Nur nicht annähernd so zentral wie hier. Insofern würde ich das "deutlich angezogen" eher als noch sehr günstig bezeichnen. Ein "Normalverdiener" kann sich das locker leisten.
    Ob ein Abriss Sinn macht, ist natürlich eine andere Frage. Der alte Westplatz ist definitiv tot, auch wenn sich an der gegenüberliegenden Einmündung die ehemalige Platzstruktur noch gut erkennen lässt. Wenn dann würde es aber ohnehin nur die fordersten kleinen Gebäude der Kolonnadenstraße treffen. Wohnungspolitisch wäre das wohl weitgehend irrelevant.

  • PhilippLE : damit sind wir beim Thema Stadtreparatur versus preiswerter Wohnraum.
    Grundsätzlich hat DaseBLN Recht: unter jedem anderen Gesichtspunkt als dem des sozialen Ausgleichs müssen die LWB-Platten sofort weg. Ich sehe nicht mal das Argument

    Und irgendwie gehören die Platten ja auch zur Stadt und zur Leipziger Architektur dazu.

    , weil sie an zu vielen Orten "dazu" gehören. Direkt am Dorotheenplatz hingegen gehören sie in der Tat dazu.
    Vielleicht gibt es irgendwann die Chance, Stadtreparatur zu betreiben und gleichzeitig

    ein halbwegs normales, durchmischtes Klientel in diesen Vierteln zu halten

    - sprich: preiswert, neu zu bauen.
    Aktuell scheint die Not aber nicht so groß: es gibt noch verdammt viele Speilwiesen für Stadtreparatur in Leipzig, ohne Bestandsbauten abreißen zu müssen! ;)

  • PhilippLE : erstmal herzlich willkommen im Forum, vielleicht sollte ich öfter Abrissforderungen stellen, um die Mitgliedszahlen noch ein wenig anzutriggern ;)


    Wie du selbst schon sagst, sind die Mieten in den betreffenden Gebäuden aufgrund der Marktsituation in Leipzig in den vergangen Jahren ja bereits gestiegen und befinden sich mit den von dir genannten 8-10,5 €/m² warm damit in einem Bereich, der von der LWB (Beispiel: Neubau Elsterstrasse 59 von 1996, 6,80€/m² kalt - 9€/m² warm) oder anderen Wohnungsgesellschaften auch bei Neubauten verlangt wird - und das bei noch unsanierten Platten! Früher oder später muss diese sowieso kommen, hier könnte dann ein Teilabriss, beispielsweise nur der westlichen, leicht versetzten "Torbauten" Kolonnadenstraße 29 und 30 erfolgen. Ähnlich wie beim Unitas-Neubau am "neuen" Westplatz könnten hier neue Torgebäude die städtebauliche Situation erheblich verbessern und die nebenstehenden Platten trotzdem saniert werden. Wichtig wäre hierbei in jedem Fall die Schaffung von Gewerbeflächen im EG (deswegen auch Neubau), im Viertel zeigt sich ja ziemlich deutlich, dass dort Leben und Aufschwung herrscht, vor die vormals leerstehenden Geschäfte mit neuem Leben gefüllt werden konnten.


    Mal grob skizziert (natürlich ohne Hintergrundwissen um Grundstückseigentümer etc. / Türkis: WINCON-Neubau, Blau: potenzielle LWB-Neu- oder Umbauten):



    Basiskarte: Openstreetmap (ODbL)

    2 Mal editiert, zuletzt von DaseBLN () aus folgendem Grund: Skizze hinzugefügt

  • ^ Ich schließe mich Dr. Zotts Meinung an, dass es noch ganz andere Spielwiesen der Stadtreparatur gibt. Aber sicher wird das Thema in Zukunft weiter in den Focus rücken und dann zu vielen emotionalen Debatten führen. Am Johannisplatz vor dem wogetra Wohnblock oder entlang der Arthur-Hoffmann-Straße am Bayerischen Bahnhof kann man Blöcke schließen ohne Gebäude abreißen zu müssen. Das wären für mich die spannenderen Projekte.

  • ^ Wird Klinker analog zur Industriekultur jetzt zum Markenzeichen bei Neubauten in Plagwitz?


    Beim Neubau in der Industriestraße, miumiuwonwon hat oben #2177 schon Bilder gepostet, sind weiter die Gerüste gefallen. Auch hier ist viel Klinker zu sehen. Gefällt mir sehr gut.







    Die Asylunterkunft am Barnet-Licht-Platz bzw. Prager Straße / Ecke Kregelstraße mit künftig 306 Plätzen wächst. Eröffnung soll in diesem Dezember sein.






    Die Asylunterkunft an den Tierkliniken mit 369 Plätzen sollte im August an den Start gehen. Wie's aussieht, tat sie's wohl auch.





    Beim Lückenschluss Altenburger Str. 50 sind jetzt franz. Balkone hinzugekommen. Das EG ist immer noch nicht fertig.






    Der Neubau von der Stadtbau AG in der Fichtestraße ist jetzt auch fertig.






    Der Neubau August-Bebel-Str. 76 wurde meines Wissens auch noch nicht in der finalen Gestaltung gezeigt.



    Bilder: Cowboy

  • ^ Wird Klinker analog zur Industriekultur jetzt zum Markenzeichen bei Neubauten in Plagwitz?


    Beim Neubau in der Industriestraße, miumiuwonwon hat oben #2177 schon Bilder gepostet, sind weiter die Gerüste gefallen. Auch hier ist viel Klinker zu sehen. Gefällt mir sehr gut.
    http://i196.photobucket.com/al…/IMG_0424_zpsutdbcvcx.jpg
    [IMG]http://i196.photobucket.com/al…/IMG_0425_zpsfvtlwmpa.jpg
    http://i196.photobucket.com/al…/IMG_0426_zps3n8spvhw.jpg
    [...]


    Wobei die schlicht verputzte Fläche hier etwas komisch daherkommt. Bei einem Altbau würde ich sagen, hier wurde ein Bombenschaden repariert. Außerdem hätte man rechts ebenso wie es links geschehen ist, die Klinker bis in die Mitte der fensterlosen Fläche ziehen sollen. So sieht das etwas abgebrochen aus und die direkt angrenzende Fensterachse wirkt fast geschluckt.

  • Neubauvorhaben Zschochersche- Ecke Eduardstraße

    Was ich an dem Vorhaben eigentartig finde, zumindest sieht es von den Bildern her so aus, ist, dass es eine Lücke zu den Gebäudenachbarn gibt. Es kann sein, dass in der Eduardstraße ein Grundstück zwischen dem Neubauvorhaben und dem Stadthaus existiert, dass einen anderen Eigentümer hat. Nichts desto trotz würde ich es begrüßen, wenn hier der Block geschlossen wird.

  • Zum Neubau in der Industriestraße

    Zitat von Saxonia

    Außerdem hätte man rechts ebenso wie es links geschehen ist, die Klinker bis in die Mitte der fensterlosen Fläche ziehen sollen. So sieht das etwas abgebrochen aus und die direkt angrenzende Fensterachse wirkt fast geschluckt.


    Ich verstehe, was du meinst. Die Gliederung der Putz- und Klinkerflächen ist links wie rechts des Gebäudes allerdings gleichmäßig. Die vermeintliche Diskrepanz ergibt sich aus der Asymmetrie der Fensterachsen. Würde man die Klinker wie auf der linken Seite bis in die Mitte der fensterlosen Fläche verlängern, wäre die Ausgeglichenheit zwischen Putz- und Klinkerfläche an der Front zur Industriestraße gestört.

  • Was ich an dem Vorhaben eigentartig finde, zumindest sieht es von den Bildern her so aus, ist, dass es eine Lücke zu den Gebäudenachbarn gibt. Es kann sein, dass in der Eduardstraße ein Grundstück zwischen dem Neubauvorhaben und dem Stadthaus existiert, dass einen anderen Eigentümer hat. Nichts desto trotz würde ich es begrüßen, wenn hier der Block geschlossen wird.


    - Nein, die Lücke gehört zu dem Stadthaus.
    - Die Lücke in der Zschocherschen Straße wird auch bleiben, weil die in der Zukunft als neue Einfahrtsstraße ins geplante Wohnquartier Naumannsche Brauerei dienen. Siehe DAVE's Beitrag hier.

  • Über das noch im Rohbau befindliche Wohn- und Geschäftshaus in der Karl-Tauchnitz-Straße, kurz vor der Einmündung in die Friedrich-Ebert-Straße (Infos zuletzt hier, Foto zuletzt da) gibt es endlich eine aussagekräftige Visualisierung.


    Bislang gab es ja nur diese Zeichnung zu sehen. Am Gerüst hängt jetzt folgende Visualisierung, die ich schnell mit dem Handy aufgenommen habe (ihr entschuldigt die Qualität). Die Aufnahme zeigt die Seite in der Wilhelm-Seyfferth-Straße.






    Macht einen sehr hochwertigen Eindruck und passt, wie schon einmal geschrieben, sehr gut in die Villenstruktur der Tauchnitzstraße.

    Bllder: Cowboy


    PS. Vor kurzem wurde ja hier auch über den Sinn des vierspurigen Ausbaus der Friedrich-Ebert-Straße und der dafür getätigte Abriss der Altbauten entlang der Strecke diskutiert, u.a. das Henriette-Goldschmidt-Haus. Nun, schaut euch die Straßenkreuzung an, wie sich der Verkehr dort drängelt. ;-)

  • Da wir heute im Stadtleben-Strang über das Für und Wider von Wohnhochhäusern in Leipzig unterhalten haben, möchte ich noch auf das Projekt der Lipsia eG hinweisen, das voraussichtlich schon zeitig im Frühjahr 2017 startet.


    Ein weiteres Hochhaus haben klm-architekten in einer "Bebauungsidee" bekanntlich für das Connewitzer Kreuz vorgeschlagen, hier ab #472 mal kurz angesprochen.


    Ich finde, sowohl Nutzungsidee (Gewerbe und Wohnungen im Basisgebäude, 400 Studentenwohnungen im Turm) als auch städtebaulich hinsichtlich einer dringend notwendigen Fassung des baulich völlig ausgefransten Kreuzes sowie als Landmarke in der Karl-Liebknecht-Straße gut durchdacht.


    Visualisierungen des Hochhauses hatten wir noch nicht.


    Das Hochhaus mit seinen geplanten 82 Metern als südliche Landmarke in der Karl-Liebknecht-Straße





    Das Hochhaus mit der Sockelbebauung, hier als "Basisgebäude" bezeichnet. Das Kreuz wäre nach Süden wieder gefasst.

    Bilder: klm-architekten

  • ... Es kann sein, dass in der Eduardstraße ein Grundstück zwischen dem Neubauvorhaben und dem Stadthaus existiert, dass einen anderen Eigentümer hat. Nichts desto trotz würde ich es begrüßen, wenn hier der Block geschlossen wird.


    Nein, neben dem Stadthaus steht eine Garage als Grenzbebauung.

  • Naja, das Hochhaus erscheint mir auch nicht wirklich als das Gelbe vom Ei...wirkt schon wie ne hochaufragende Bildstörung mit diesem rot-weiß-grauen Gesprengsel. Gibt's Alternativentwürfe?


    Die Fortführung der Villenarchitektur in klassizistisch angehauchter Moderne gefällt mir hingegen super. Gut gemacht :daumen: