Potsdam: Wiederaufbau Stadtschloss

  • Zu 275:
    Warum greift bei einem Landtag überhaupt das Urheberrecht des Architekten?
    Schließlich sind die Landtage und der Reichstag die höchsten Repräsentanten unserer Demokratie. Sie sind das Symbol dafür, dass die Stimme eines jeden Menschen das gleiche Gewicht hat. Und dann darf ein einziger Mann bestimmen wie der Landtag über die nächsten Jahrzehnte auszusehen hat?
    Der Architekt ist schließlich gesetzlich zur Zustimmung von Änderungen verpflichtet wenn das Interesse des Eigentümers das Urheberecht des Architekten überwiegt.
    Und wann wenn nicht bei Beschlüssen von gewählten Volksvertretern soll das der Fall sein?
    Somit müsste der Landtag schalten und walten können wie es ihm beliebt und nur auf Volkes Stimme hören.

  • "Landtag Brandenburg" ist ein Eigenname und zumal in der Schreibung selbstverständlich "korrekt". So wie man vielleicht im Alltag vom "Potsdamer Rathaus" sprechen mag, so würde alles andere als "Rathaus Potsdam" zB sehr seltsam als Türschild aussehen. Das neue Wappen gefällt mir gut, der rote Farbklecks kontrastiert enorm mit der weißen Umgebung. Rein gestalterisch ein ("unbeabsichtigt") schönes Ergebnis.


  • ...Schließlich sind die Landtage und der Reichstag die höchsten Repräsentanten unserer Demokratie.


    Na der Reichstag .. das war einmal. Nennen wir es Bundestag! und der höchste Repräsentant ist der Bundespräsident, no?

  • Hätte man den großen, weißen Adler nicht vielleicht rot hinterleuchten können, so dass sich ein leichter roter Umriss darum gebildet hätte, bei dem man das Kunstwerk auch tatsächlich an der ebenfalls weißen Wand entdeckt hätte?
    Schon äußerst ironisch, wie Herr Kulka im Nicht-Schloss das Zepter schwingt, findet ihr nicht? ;)

  • Na der Reichstag .. das war einmal. Nennen wir es Bundestag! und der höchste Repräsentant ist der Bundespräsident, no?


    Da wir hier von Gebäuden reden, Reichstag und nicht Bundestag, so heißt der nun mal.
    Der Bundespräsident ist der Repräsentant von Deutschland und nicht spezifisch vom demokratischen System. Das sind die Parlamente und eben Symbolhaft ihre jeweiligen Gebäude.

  • Es sind die kleinen Dinge im und am neuen Landtagsgebäude, mit denen man die Erfolge des Wiederaufbaus offenbar zunichte machen will: Erst war es das rund 500.000 Euro teure Kunst-am-Bau-Projekt, in dessen Rahmen das Stadtschloss mit einem sinnlosen Schriftzug und zwei primitiven Pavillons "verschönert" wurde. Dann kam es zu dem kleinkarierten Streit um den weißen Adler im Plenarsaal, an dessen Stelle nun mehrere große Bohrlöcher prangen. Und als Zugabe gibt es jetzt noch schicke Überwachungskameras an der Schauseite des historischen Barockbaus. Was folgt als Nächstes?

  • Nicht übertreiben. Ich verbuche das als "Startschwierigkeiten". Wenn das bei diesem Megaprojekt wirklich die einzigen aktuellen Probleme sind dann ist die Sache spitze gelaufen. Immer bedenken wie wenig Erfahrung die ganzen Gewerke heutzutage mit den alten Bauformen (zB die ganzen Steinmetzarbeiten) haben bzw. wie wenig Erfahrung auch dahingehend existiert, wie sich diese im Zusammenspiel mit modernen Bautechniken und Baustoffen verhalten (beispielsweise verbirgt sich hinter der historischen Fassade moderner Stahlbeton). Da muss man ja sicherlich teilweise Pionierarbeit leisten bzw. Unikate anfertigen. Auf Baustellen ist ja man ja heutzutage gewohnt hochgradig standardisierte Teile und Abläufe zu verwenden. Dass sich das Endergebnis derart sehen lassen kann - wenn man sich nicht auf letzte Details konzentriert - macht mich eigentlich ziemlich optimistisch. Ironisch könnte man sagen, dass es uns leichter fällt alte Schlösser zu rekonstruieren als Flughäfen zu bauen (auf der Museumsinsel in Berlin läuft es ja auch sichtlich rund mit dem Bau).

  • Ironisch könnte man sagen, dass es uns leichter fällt alte Schlösser zu rekonstruieren als Flughäfen zu bauen (auf der Museumsinsel in Berlin läuft es ja auch sichtlich rund mit dem Bau).


    Die Bauphase des BER war auch nicht das Problem...

  • Der Schriftzug gefällt mir sogar ziemlich gut. Sieht schön aus und auch inhaltlich kann ich mich mittlerweile mit ihm anfreunden. Denn zum Glück kann man kaum erkennen das dies nicht ein umfunktioniertes renoviertes Schloss ist sondern ein kompletter Neubau.
    Da müssen die Schlossgegner dies schon dran schreiben.
    Wirkt für mich wie ein Eingeständnis der Niederlage und als Bestätigung, dass Rekonstruktionen funktionieren und eben kein Disneyland sind.


    Die Pavillons hingegen schaffen es leider tatsächlich das Gesamtbild erheblich zu schmälern. Ich hoffe da häufen sich die Beschwerden, denn sonst werden sie für immer bleiben.


    Mit dem Rest, moderne Türen, Geländer, sichtbare Kameras usw. kann ich leben, da hab ich eh nichts anderes erwartet.

  • Nicht übertreiben. Ich verbuche das als "Startschwierigkeiten". Wenn das bei diesem Megaprojekt wirklich die einzigen aktuellen Probleme sind dann ist die Sache spitze gelaufen. Immer bedenken wie wenig Erfahrung die ganzen Gewerke heutzutage mit den alten Bauformen (zB die ganzen Steinmetzarbeiten) haben [...]


    Die Probleme sind nicht handwerklicher sondern politischer Natur. Die Handwerker montieren die Galgen und Baumarktgeländer, die ihnen die Politik bezahlt.
    Es werden hier wirklich fast ausnahmslos alle Details völlig liederlich und ohne jede Rücksicht auf die rekonstruierte Fassade (oder bewusst zu deren Konterkarierung wie die Dinger im Hof) hingeklatscht.

  • ^^ So ist es! Kann mir doch keiner Erzählen das Leute nicht (mehr) geübt darin sind eine Überwachungskamera anzubringen ("Startschwierigkeiten") ohne dabei den Eindruck zu erwecken es hätte ein Vorschulkind getan.

  • Also ich würde vermuten dass die Ursache für solche 'Verschandelungen' weniger eine ideologische Agenda ist sondern schlicht Pragmatismus gepaart Desinteresse an einem harmonischen Stadtbild, bedingt durch mangelnde Allgemeinbildung (wahrscheinlich sind die Schulen dran schuld - wie soll man Design schätzen lernen, wenn man Kunstunterricht abwählen kann).

  • Naja, also mein Kunstunterricht bestand nur aus Bilder malen und auch da nur Menschen, Tiere und Pflanzen oder irgendwelche sinnlosen bunten Muster. Zeichnen oder gar Architektur kamen nie vor. Also wenn mein Kunstunterricht nicht nur eine negative Ausnahme war kann man auf ihn getrost verzichten.


    Dass abgesehen vom Schriftzug und den Pavillons ideologische Gründe für die teilweise sehr einfachen Ausführungen verantwortlich sind glaub ich aber auch nicht.

  • Stadtschloss erweist sich als echter Besuchermagnet

    Das Brandenburger Landtagsgebäude erweist sich laut einem Bericht der Potsdamer Neuesten Nachrichten als echter Besuchermagnet. Täglich besichtigen etwa 900 Menschen das wiederaufgebaute Stadtschloss. An Freitagen, wenn man auch ohne Anmeldung kommen kann und Gruppenführungen stattfinden, sind es nach Angaben von Landtagssprecherin Katrin Rautenberg oft sogar über 1000. Konservativ auf ein Jahr hochgerechnet wären das rund 230.000 Besucher. In Parlamentskreisen kursiert bereits das Gerücht, dass die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) das hohe Interesse an der neuen Sehenswürdigkeit zu spüren bekommt.


    http://www.pnn.de/potsdam/867395/

  • ^Na, das dürfte die Schlösserstiftung doch freuen - die klagen sonst stets über Übernutzung ihrer Schlösser und Gärten. Dann relativiert sich wieder viel.

  • Kritik an Pavillons reißt nicht ab

    Gestern wurden die sogenannten Kunstwerke im Innenhof des Stadtschlosses eingeweiht. Zu einem Eklat kam es laut einem Bericht der Potsdamer Neuesten Nachrichten dabei jedoch nicht, obwohl seit der Aufstellung immer wieder heftige Kritik an den Pavillons geübt wird.


    Vor kurzem bemängelte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Potsdamer Grünen Saskia Hüneke in der PNN, dass die kleinen gemalten Sanssoucis besonders in der klassischen Ruhe des Innenhofes, für den Kulka ausdrücklich auf die Wiederaufstellung von Skulpturen verzichte, nur lächerlich wirkten, gerade weil sie historisches Vokabular bemühten, aber im Kulissenhaften blieben. Eine auf Dauer angelegte Beeinträchtigung des Landtagshofes sei nicht akzeptabel, so Hüneke. Sie forderte eine zeitlich begrenzte Aufstellung der Pavillons, damit der Hof in absehbarer Zeit wieder erlebbar und vollständig nutzbar gemacht werden könne.


    Auch bei den Vertretern des Schlossvereins und der Bürgerinitiative Mitteschön stoßen die sogenannten Kunstwerke auf breite Ablehnung. Hans-Joachim Kuke kritisierte die Blechpavillons als unpassend, verkopft und aggresiv. Sie seien eine verspätete Botschaft gegen den Wiederaufbau des Stadtschlosses und zudem völlig an den Haaren herbeigezogen. Barbara Kuster beklagte, dass die Skulpturen alles kaputt machen und in ihren Ausmaßen den Besucher erschlagen. Temporär seien sie noch vorstellbar, langfristig aber unerträglich. Ulrich Zimmermann redete gleich Klartext und bezeichnete die Objekte als Schrott.


    Dieses Meinungsbild widerspiegelt sich auch in einer PNN-Umfrage, derzufolge sich mehr als 80 Prozent aller Teilnehmer für eine Beseitigung der Störfaktoren im Innenhof des barocken Landtagsschlosses aussprechen: http://www.pnn.de/potsdam/871809/

  • Das sind die Reaktionen auf die ich so sehr gehofft habe. Hoffentlich verläuft das nicht gleich im Sande.
    Die Reko-Gegner konnten zwar den Wideraufbau nicht verhindern, aber dafür konnten sie uns den Innenhof vermiesen.
    Durch die Diskussion darüber wirken die Gegner in der öffentlichen Wahrnehmung nun jedoch eher wie kleine Kinder denen man das Spielzeug weggenommen hat und deswegen den Spielkameraden das ihre kaputt machen wollen.
    Falls es nun wirklich dazu kommen kann dass die Pavillons irgendwann wieder abgebaut werden, waren diese hervorragende Werbung für Rekonstruktionen und ein Eigentor der Gegner.

  • Vor zwei Wochen war ich im Innenhof des Schlosses und kann den negativen Eindruck der "Kunstwerke" nur bestätigen.
    Selbst ohne diese Blech-Sansoucis wirkt der Innenhof irgendwie blutleer und steril.
    Es fehlen die Statuen auf der Ballustrade und der Gärtnerische Feinputz am Boden.
    Die uninspirierten Beton-Bänke tun ihr Übriges.
    Ich hoffe auf eine künftige, empathischere Generation, die mit dem Geist des Barock mehr anzufangen weiß!

  • Einige Bilder vom Inneren des Landtagschlosses am heutigen Tage.



    Das Foyer mit einem Modell des ursprünglichen Bauwerkes








    Blick auf die originalen Keller








    Der Parlamentssaal, nun mit kleinem roten Adler am Rednerpult







    Kunst im Bau








    Der Charme der öffentlichen Kantine







    Das noch schwarze Kupferdach


  • Danke für die Bilder, lieber Paderwan. Zum Schloss: Mit der Innenausstattung kann ich mich durchaus anfreunden - ich finde, das ist ansprechende, moderne Innenarchitektur mit gehobener Ausstattung. Und nichts anderes war verlangt.


    Diese komischen Skulpturen im Hof, diese Sanssouci-Verballhornungen, sind indiskutabel. Daran sei kein weiteres Wort verschwendet!


    Der Schriftzug "Ceci ne pas un Chateau" ("Dies ist kein Schloss") an der Fassade gefällt mir dagegen sogar ganz ausgezeichnet, weil er gleich auf vier Ebenen ansetzt: Erstens ist er einfach dekorativ und wirkt optisch auch auf diejenigen, die kein französisch verstehen. Zweitens enthält er eine Information für Passanten: "Dies ist kein Schloss!" (, sondern ein modernes Gebäude, das hinter einer Schlossfassade versteckt ist.) Dadurch wird drittens eine stolze Abgrenzung zu den übrigen Schlössern Potsdams erkennbar, die ja alle auf monarchische Traditionen verweisen: "Dies ist kein Schloss!" (, sondern ein Haus der Demokratie; hier herrscht kein König, hier diskutieren gewählte Abgeordnete.) Und viertens ist da natürlich die ihrerseits beziehungsreiche Anspielung auf René Margrittes Gemälde "Dies ist keine Pfeife", das eine Pfeife zeigt, aber nur das Abbild einer Pfeife ist.


    Der langen Rede kurzer Sinn: Ein derart hübsches und gleichzeitig vielschichtiges Beispiel von "Kunst am Bau" ist mir an öffentlichen Gebäuden schon lange nicht mehr begegnet...