Leipzig: Umgang mit Bauerbe

  • Die Stadtbau AG ist auf der Karl-Heine-Straße sehr aktiv.


    Karl-Heine-Str. 55-59
    Laut Fotos sind die Gebäude bereits saniert bzw. zumindest teilsaniert und sollen nun nochmals vollständig saniert werden.
    Die 55 und 59 waren teilweise bewohnt, die 57 leer.
    Die 57 und 59 gehörten früher der LWB. Beide Objekte hätte sicher auch die LWB mit relativ geringen Mitteln instand halten und somit im Altbau preiswerten kommunalen Wohnraum erhalten können. Hätte. Im EG entstehen wieder Läden bzw. sind bereits vorhanden.


    http://www.stadtbau.com/projek…ge=karl_heine_55-57-59_de


    Zudem
    Karl-Heine-Str. 43-45, Walter-Heinze-Str. 3


    Auf der Website heißt es "Schrittweise Restaurierung und Modernisierung der historischen Bausubstanz unter Berücksichtigung und Einbeziehung der Interessen der jetzigen Wohnungsmieter." --> ich bin diesbezüglich gespannt, ob es ähnlich wie in der Kochstraße läuft oder ob hier wirklich die Altmieter einbezogen werden und am Ende nicht statt 400 rd. 800 Euro kalt zahlen (fiktive Zahlen)


    Unter anderem soll im EG ein Bio-Supermarkt mit ca. 1300 qm Fläche entstehen. Ein weiterer denn's vermutlich? Lokale Bio-Märkte werden wohl eher selten so groß und Alnatura plant in Leipzig z.Z. keinen Standort.
    http://www.stadtbau.com/projek…?page=karl_heine_43-45_de


    Fotos siehe Website, man kann diese schlecht dort herauskopieren.

  • altbaufan


    Die Planungen der Stadtbau AG mit der Karl-Heine-Straße 55-59 laufen seit 2011/12, zunächst angestoßen unter dem Titel "Südseite" in Kooperation mit der Schaubühne Lindenfels.


    Der Bio-Supermarkt ist ein lokaler Betrieb: Biomare mit Filialen in Connewitz (Simildenstraße) und Südvorstadt (Karl-Liebknecht-Str.) - https://www.facebook.com/pages/Biomare/183827981657930
    Die Expansion nach Plagwitz stößt jedoch nicht überall auf Begeisterung.

  • Vielen Dank für die Info. Die 55-59 sind aber anscheinend als komplette Sanierung in Planung, d.h. ohne viel Rücksicht auf eventuelle Altmieter. Wenn das schon seit 3-4 J. in Planung ist, wundert es mich um so mehr, dass es erst seit 2015 auf der Website erscheint :).


    Danke auch für die Aufklärung zum Biomarkt, da bin ich mal gespannt... am 21.05. soll es soweit sein.


  • Die Expansion nach Plagwitz stößt jedoch nicht überall auf Begeisterung.


    Ist Plagwitz/Lindenau nicht das richtige Viertel für Biomare? Genauso wie die Öko-Hochburg Schleußig. Dort träumt man wahrscheinlich immer noch von einem Biomare.
    Und der Veganer-Laden hat immer noch nicht in der Könneritzstraße eröffnet, wie mal vor zwei Jahren angekündigt.


    ... am 21.05. soll es soweit sein.


    Na dann ... .

  • Weiß jemand, wozu die Rückseite vom Ring-Cafe-Haus eingerüstet wird?




    Weitere Aufrüstungen...


    Pfarramt Dresdner Straße:



    Und das Haus gegenüber soll von einer sicher nicht ganz zufällig sehr ähnlich benamten Firma in Angriff genommen werden:


    PM, 6. Dezember 2013


    ...ob das dieses Jahr noch was wird?



    6 und 7.


    weiter geht's mit der Kohlgartenstraße 55:




    Lilienstraße 1:




    Kröner- Ecke Ihmelsstraße:




    und neben der Ruine an der Ecke Wurzner / Krönerstraße wird auch fleißig gearbeitet:




    ...bemerkenswert angesichts der Lage und der Situation im Hof.

  • ^ Besagtes Eckgebäude und das Nachbargebäude in der Krönerstraße befanden sich vor etwa 10 Jahren schon mal in der Sanierung. Während der Arbeiten ging dem Bauherren offenbar die Puste aus und seitdem dümpeln die Gebäude als Bauruinen vor sich hin. Hier eine Streetviewansicht.

  • ^wurde das Nachbargebäude hofseitig als Luftschutzbunker genutzt oder wie ist diese gruselige Gestaltung zu erklären?


    Zu DDR-Zeiten war dort die 'Kantine' der 18. POS untergebracht. Ich selbst ging dort auf die Schule und musste dort als Milchdienst die Milchtüten zum Frühstück abholen bzw. in der Mittagspause dort essen. Eventuell rührt die 'funktionale' Gestaltung/Anordnung der Fenster daher.

  • ^ Danke für die Info.
    Die Einrichtung von Funktionsräumen für eine Kantinennutzung könnte die Gestaltung der Fassade im Hofbereich erklären. Der Zustand des Putzes läßt aber darauf schließen, dass es sich hier um das Ergebnis der abgebrochenen Sanierung handelt. Wie auch immer, es stellt ein Musterbeispiel für missglückte Gestaltungsversuche dar.

  • Weil wir schon im Leipziger Osten sind...


    Kann sein, das sind alles alte Hüte, die ich hier nenne, aber vielleicht ist ja doch was bisher Unbekanntes dabei. (LE Mon. hist. ist ja vielleicht bereits informiert...wegen der DAF-Map?!?)


    Auf der Seite der Campus-Immobilien GmbH wird sie Sanierung der


    Ploßstraße 49 angekündigt


    http://www.campus-immo.de/aktu…rojekte/plossstr.-49.html


    Dimpfelstraße 11


    http://www.campus-immo.de/aktu…te/dimpfelstrasse-11.html


    Elisabethstraße 27


    http://www.campus-immo.de/aktu…/elisabethstrasse-27.html


    Elisabethstraße 31


    http://www.campus-immo.de/aktu…thstrasse-31-leipzig.html


    Mariannenstraße 97


    http://www.campus-immo.de/aktu…/mariannenstrasse-97.html


    Ludwigstraße 11


    und Nummer 13 direkt nebenan


    http://www.campus-immo.de/aktu…kte/ludwigstrasse-13.html


    (Laufende Sanierung hier schon mal durch Cowboy gezeigt)

  • ^ Sagt mir, wenn ich übertreibe, aber mich dünkt, rund um die Eisenbahnstraße brennt man bald ein richtiges Sanierungsfeuerwerk ab. Das Potential und die Lage sowie das jährliche Bevölkerungswachstum von über 5 Prozent (allein Volkmarsdorf über 10 Prozent im letzten Jahr) sind einfach zu verführerisch. Einzig der schlechte Ruf der Eisenbahnstraße weit über die Stadtgrenze hinaus macht dem Viertel zu schaffen.


    Derweil bildet besonders die Gegend nördlich der "schlimmsten Straße Deutschlands" (Pro7) zwischen Rosa-Luxemburg-Straße und Torgauer Platz sowohl baulich wie auch hinsichtlich der zentralen Lage das Pendant zum Waldstraßenviertel. Die Altbausubstanz ist genauso gut erhalten. Es gibt kaum Lücken und von den knapp 20 Straßenkreuzungen im Viertel sind alle Eckgebäude noch erhalten. Einzig Villen fehlen hier gänzlich.



    Ein Streifzug durch besagtes Viertel von gestern:



    Fertige Sanierung Elisabethstraße 32, 2013 schon mal von Altbaufan halbfertig gezeigt. Kein besonders aufwendiges Eckgebäude, aber mit gutem Sanierungsergebnis.


    Vorzustand Streetview








    Melanchthonstraße 6 + Nachbargebäude sind jetzt eingerüstet.





    Impressionen von der Eisenbahnstraße





    Die Eisenbahnstraße 45 ist eingerüstet. Daneben die Nr. 43 war tagelang im Gespräch, weil die Decken durchgebrochen sind und das Gebäude einzustürzen drohte. Im DAF wurde ausführlich berichtet.




    Im Eckgebäude Elisabethstraße/Konradstraße wird seit Wochen entkernt.




    Zwei Häuser daneben kündigt sich auch eine Sanierung an. Ich glaube, es ist die Konradstraße 49.




    Noch ein paar Impressionen aus der Mariannenstraße parallel zur Eisenbahn- und Ludwigstraße.



    Mariannenstraße 82




    Gehweg Mariannenstraße




    Je östlicher man kommt desto mehr fällt der noch unsanierte Bestand auf. In der Mariannenstraße zwischen Idastraße und Bennigsenstraße ist fast der ganze Straßenzug noch unsaniert und unbewohnt. Das wird sich sicher bald ändern.




    Mariannenstraße 114: Marode, aber die Substanz scheint sehr gut erhalten.





    Die andere Straßenseite ist jedoch vor Jahren schon saniert worden. Das verwundert insofern, weil die Rückseite nach Norden ausgerichtet ist.




    Ausbauhaus Ludwigstraße 127

    Bilder: Cowboy


    Fortsetzung folgt...

  • Die Hildegardstraße wurde jüngst in Richtung Schulze-Delitzsch-Straße verlängert und es entstand eine neue Kita.





    Der Blick um 180 Grad gewendet auf den Stadtteil Schönefeld. Dazwischen verläuft die Bahntrasse Leipzig-Dresden sowie nach Chemnitz. Entlang der Bahnstrecke befinden sich jede Menge Bau- und Lagerhöfe.




    Zum Schluss noch zwei Impressionen südlich von der Eisenbahnstraße.


    Am Rabet




    Wohnhaus in der Konradstraße

  • ^ Sagt mir, wenn ich übertreibe, aber mich dünkt, rund um die Eisenbahnstraße brennt man bald ein richtiges Sanierungsfeuerwerk ab.


    [...]


    Derweil bildet besonders die Gegend nördlich der "schlimmsten Straße Deutschlands" (Pro7) zwischen Rosa-Luxemburg-Straße und Torgauer Platz sowohl baulich wie auch hinsichtlich der zentralen Lage das Pendant zum Waldstraßenviertel. Die Altbausubstanz ist genauso gut erhalten. Es gibt kaum Lücken und von den knapp 20 Straßenkreuzungen im Viertel sind alle Eckgebäude noch erhalten. Einzig Villen fehlen hier gänzlich.


    Das ist m.E. schon ein alter Hut und schon seit ca. 2 Jahren abzusehen. Großes Glück für das Viertel ist der hohe Ausländer- bzw. Migrantenanteil. Die lassen sich ihr Viertel nicht so leicht nehmen, und so wird es auch so schnell nicht zu Mietsteigerungen wie in der Südvorstadt, Schleußig oder Plagwitz kommen.


    Als Gegenpart zum Waldstraßenviertel erkenne ich die Arbeiterschließfächer des angehenden 20.Jhd. rund um die Eisenbahnstraße allerdings nun doch nicht. Ich sehe eher parallelen zu Plagwitz oder Lindenau - vor allem was das Klientel angeht. Der Mix aus HGB Studenten, Junkies, Hartzern und Migranten hat mit dem Waldstraßenviertel wohl kaum etwas gemein. Einzig der vordere Teil so bis zur Einertstraße hebt sich ein wenig von der Bausubstanz und von der Bevölkerung ab. Auch die Eisenbahnstraße hat als Hauptsraße einige großbürgerliche Mietshäuser zu bieten - ähnlich die die Karl-Heine-Straße. Mit der Waldstraße aber nicht vergleichbar.


    Je weiter hinter man kommt, desto dunkler wird es aber eigentlich, und abgesehen von der Farbe der Klinker, ähneln sich die Häuser und Wohnungen doch zu sehr. Erst jenseits des Torgauer Platzes gibt es wieder eine Veränderung. Die "kilometerlangen" Straßenschluchten der Ludwig- oder Mariannenstraße illustrieren schon etwas anderes (Stichwort Arbeiterschließfächer) als die großbürgerlichen und breiten Straßen im Waldstraßenviertel. Auch wenn im Waldstraßenviertel Straßengrün gänzlich fehlt, was m.M. am Denkmalschutz liegen könnte.


    Gut für das Viertel ist allerdings, dass die Sanierungsqualität durchweg recht hoch ist - von einigen leidlichen Ausnahmen abgesehen.

  • Rund um die Eisenbahnstraße hängt die Entwicklung der Preise wohl oftmals vom Sanierer ab.


    Die "Profis" sanieren denkmalgerecht, hochwertig und bauen viele DDR-Schandtaten (Presspappe-Türen statt altehrwürdigen Holztüren mit Verzierungen) aus und ersetzen sie durch originalgetreue Nachahmung. Damit steigen die Preise auch auf 6, 7, 8 Euro kalt. Bei anhaltendem Zuzug werden auch andere Besitzer nachziehen, die momentan vielleicht 4,50 verlangen und hin und wieder ein paar Cent aufschlagen, was der rechtl. Rahmen hergibt. Interessant finde ich, dass bspw. GRK als einer der größten in der Gegend bisher komplett inaktiv ist während z.B. Campus dort gefühlt fast jedes vierte Haus sanieren wird.


    Viele Einzeleigentümer, die mE in der Region Eisenbahnstraße recht oft vertreten sind, sanieren gerne relativ einfach, ggf. auch mit Fördermitteln der Stadt. ich habe schon einige Häuser gesehen, wo Asiaten, Araber, Selbstnutzer (Wächterhäuser, Ausbauhäuser, Eigentümergemeinschaften usw.) eigenhändig stückchenweise saniert haben. Diese Häuser werden also vom Preis her sicher auch weiter für 4, 5, 6 Euro zu haben sein, während man zB bei der Melanchtonstraße sehr beachtenswerte Preise erwartet (7,56 bis 9,21 €/m² KALT).

  • Hallo Gärtner,


    ich glaube, wenn du meinen Beitrag richtig gelesen hättest, müsste ich mich jetzt nicht rechtfertigen. Ich bezog mich bei meinem Vergleich mit dem Waldstraßenviertel auf die bauliche Gegebenheit (Gründerzeit), die Geschlossenheit der Straßenzüge (kaum Lücken) und die zentrale Lage. Von der unterschiedlichen Bevölkerungszusammensetzung beider Stadtviertel, die schon zu Zeiten der Entstehung vor über 100 Jahren vorherrschte, war hingegen keine Rede. Von Arbeiterschließfächern, auch wenn es Arbeiterwohnungen waren, würde ich trotzdem nicht sprechen. Das trifft dann wohl eher auf Plattenbauten zu, obwohl im Arbeiter- und Bauernstaat auch viele Akademiker dort unterkamen.



    Zitat von Gärtner

    Großes Glück für das Viertel ist der hohe Ausländer- bzw. Migrantenanteil. Die lassen sich ihr Viertel nicht so leicht nehmen, und so wird es auch so schnell nicht zu Mietsteigerungen wie in der Südvorstadt, Schleußig oder Plagwitz kommen.


    Also lassen wir die Kirche lieber mal im Dorf. Der Migrantenanteil in den Stadtteilen Volkmarsdorf und Neustadt-Neuschönefeld beträgt etwa 33 Prozent. Allein in viel teuren Städten wie München, Stuttgart und Frankfurt liegt die durchschnittliche Migrantenquote deutlich über dem des Leipziger Ostens und mir ist nicht bekannt, dass dort Migranten verdrängt werden.


    Ich schätze, dass der Wachstumstrend im Leipziger Osten weitergeht und somit auch der Zuzug von Migranten weiter anhält. Letztendlich füllen Letztgenannte die Lücke, die die Deutschen hinterlassen haben, als sie nach der Wende in Scharen in andere Stadtteile, ins Umland oder sonstwohin gezogen sind. Das sind dann auch jene, wie es LE. Mon. hist schon einmal ähnlich geschrieben hat, die sich heute am Lautesten über die Zustände im Leipziger Osten beklagen und echauffieren.



    Der Leipziger Osten im Faktencheck anhand der Stadtteile Neustadt-Neuschönefeld und Volkmarsdorf (Quelle Stadt Leipzig):


    Einwohner im Jahr 2000: 15.545
    Ausländer im Jahr 2000: 1508 (Quote: 9,7%)


    Einwohner im Jahr 2014: 20.919
    Ausländer im Jahr 2014: 5051 (Quote: 24,15%)


    Migranten 2010: 4663 (Quote: 27,8%)
    Migranten 2013: 6341 (Quote: 32,4%)


    Die Zahlen belegen, dass beide Stadtteile in den letzten 15 Jahre um insgesamt 35 Prozent gewachsen sind. Und man bedenke, dass immer noch viele Gebäude unbewohnt sind und entsprechend viel Potenzial dort schlummert. Im Jahr 2000 müsste quasi jede zweite Wohnung im Viertel leer gestanden haben (nichtmarktaktive Wohnungen freilich hinzugerechnet) und die Statistiken sagten einen weiteren Bevölkerungsverlust voraus. Ein wahrlich düsteres Szenario, aber nun kommt glücklicherweise alles ganz anders, denn das Bevölkerungswachstum hat erst in den letzten 3 Jahren so richtig Fahrt aufgenommen.

  • Zur Bevölkerungsentwicklung noch mal der Verweis auf eine neue Karte, der an anderer Stelle schon erfolgte, aber hier noch einmal paßt:


    Der Mitte April erschienene Ortsteilkatalog 2014 der Stadt Leipzig zeigt unter anderem die Entwicklung der Einwohner_innenzahlen der Stadt in den letzten fünf Jahren. Dabei wurde die Stadt in 100 x 100 m große Quadrate aufgeteilt und die Zu- oder Abnahme der Einwohner_innenzahlen farblich markiert.


    Den Ortsteilkatalog 2014 mit der Abbildung auf dem Deckblatt gibt es in hoher Auflösung unter den Veröffentlichungen der Fachämter der Stadtverwaltung Leipzig (http://statistik.leipzig.de/statpubl/index.aspx) bzw. direkt unter dem Link http://www.leipzig.de/fileadmi…/Ortsteilkatalog_2014.pdf.

  • Cowboy: Okay - mit "baulich vergleichbar" hatte ich mehr als nur Epoche und Geschlossenheit der Bebauung assoziiert. Insofern würde ich dir natürlich Recht geben. Ich hatte mich schon gewundert. ;)


    Es ist auch wirklich erstaunlich wieviel Potential da vor allem im hinteren Teil nach der Hermann-Liebmann-Straße schlummert. Und die Sanierungen in den 80igern waren da wohl auch ein Segen für die Häuser und so konnten die leerstehenden Häuser bis heute, wo es evtl. wieder Bedarf gibt, überstehen. Das macht die Sanierungen dann auch um einiges einfacher und günstiger möglich, da man keine Ruine wieder aufbauen muss.


    Allerdings ist schon auch interessant, wie sehr sich die Häuser und auch die Wohnungsgrundrisse gleichen. Insofern kann man schon nachvollziehen, wieso die Häuser zur Zeit der Erbauung einfach Arbeiterschließfächer waren. Aus heutiger Sicht ist das natürlich etwas anders, da der Baustil eben wieder beliebt ist - damals war es normal und in diesem Viertel die billigeste "Version Mietshaus". (Stuckelemente kamen aus dem Katalog etc...). Das ist vor allem aus historischen Gründen sehr interessant, weil man das eben an dieses Straßenzügen hervorragend ablesen kann.


    Der Vergleich mit München oder Stuttgart was den Migrantenanteil angeht macht natürlich kaum Sinn. Es ging mir eher um das Unwort Gentrifizierung, welches ich vermeiden wollte. Insofern wird evtl. dadurch eine Entwicklung wie in Schleußig oder Plagwitz vermieden oder abgemildert. Wobei natürlich fraglich ist ob Plagwitz oder Schleußig mit typischen Gentrifizierungsvierteln wie Kreuzberg oder Schanzenviertel überhaupt vergleichbar ist. Man merkt aber schon, dass Leute, die vor drei Jahren nie an die Eisenbahnstraße gezogen wären, jetzt dort ihre Zelte aufschlagen, weil es jetzt cool ist da zu wohnen.

  • "Arbeiterschließfächer" ist etwas übertrieben. Die meisten der Gebäude haben keine palastartigen Treppenhäuser wie im Waldstraßenviertel oder Gohlis, aber immer noch sehr geschmackvoll. Aus Volkmarsdorf sind mir auch ein par recht protzige Beispiele bekannt.
    Die Innenhöfe sind meist unverbaut und das Anbringen von Balkonen ist problemlos möglich ohne das Straßenbild zu beeinträchtigen. Städtebaulich ist bspw. der Blick durch die Hedwigstraße auf den Turm der Heilig-Kreuz-Kirche erste Sahne.

  • Man merkt aber schon, dass Leute, die vor drei Jahren nie an die Eisenbahnstraße gezogen wären, jetzt dort ihre Zelte aufschlagen, weil es jetzt cool ist da zu wohnen.


    Und - schwuppdiwupp - ist die Gentrifizierung längst in vollem Gange. Ist mir übrigens auch aufgefallen, dass viele junge Leute bewusst in die Eisenbahnstraße ziehen. Noch mal kurz zum Thema Migranten im Leipziger Osten: Ich glaube, ein nicht unerheblicher Teil von ihnen, vor allem Türken, sind in den letzten Jahren aus Berlin und den Altbundesländern zugezogen.




    Zitat von Gärtner

    Und die Sanierungen in den 80igern waren da wohl auch ein Segen für die Häuser…


    Wo, abseits von Eisenbahn- und Hermann-Liebmann-Straße, wurden die Gebäude schon einmal einer Sanierung unterzogen? Die allermeisten Gebäude machen auf mich den Eindruck, dass seit ihrer Entstehung noch keine nennenswerten Baumaßnahmen erfolgten. Also zumindest die von mir oben gezeigte Mariannenstraße 112 sieht noch sehr ursprünglich aus, wenn ich das jetzt mal mit dem Brunnenviertel vergleiche, wo man gleich erkennt, dass da zu DDR-Zeiten schonmal dran rumgepfuscht wurde.


    In der Eisenbahnstraße wurden hingegen einige Gebäude zu DDR-Zeiten instand gesetzt. Hier tritt auch das Berlin-Phänomen gehäuft auf, nämlich das bei der Sanierung mit dem "Glätteisen" drübergegangen wurde. Bei Gebäuden wie diesen oder jenem fühle ich mich eher an den Wedding oder Friedrichshain erinnert. Ähnliche Beispiele, aber in deutlich geringerer Konzentration, finden sich beispielsweise noch in der Delitzscher Straße und in der Georg-Schumann-Straße.


    Ansonsten hier noch mal der Tipp für die Stadtführung durch den Leipziger Osten. Dave ist auch dabei.




    Jetzt noch einmal kurz in den Westen der Stadt, nach Lindenau. Das Selbstnutzerprojekt Angerstraße 51 wurde abgerüstet. Die Sanierung geht sehr gemächlich voran. Das EG wird wohl noch einige Zeit unangetastet bleiben und bildet solange einen schönen Kontrast zum Rest des Gebäudes. Eine 160qm-Wohnung kann man noch für ortsübliche 7 Euro kalt bei Erstbezug mieten. Dafür wie gewohnt viel Komfort und Fahrstuhl (was ich bei der geringen Geschosszahl überflüssig finde).



    Angerstraße 51 vor zwei Jahren

    Bild: Auenschreck





    Angerstraße 51 vor zwei Tagen




    Angerstraße 51 mit Laden für Outdoor-Bekleidung




    Angerstraße 51 mit den ebenso erst kürzlich sanierten Gebäuden Angerstraße 49a/b und 47. Achso, die komische Tür da kommt doch noch sicher weg.
    Bilder: Cowboy