Leipzig: Umgang mit Bauerbe

  • @ leipziger, ich war auch ganz verblüfft, dass die Rennbahntribüne so schnell fertig wird. Meines Wissens wurde erst im Herbst '07 mit der Sanierung begonnen. Bleibt nun zu hoffen, dass auch die übrigen Gebäude wie z.B. die um 1924 errichteten Stallgebäude wieder auf Vordermann gebracht werden.


    Ein herausragendes Wohnhaus, das mir aufgrund seiner dezenten Jugendstilornamentik gefällt, wurde auch soeben von der GRK-Holding wie gewohnt vorbildlich saniert. Es steht am Nordplatz/Ecke Am Kickerlingsberg (Zentrum-Nord), direkt ggü. der im Bau befindlichen Tropenhalle Gondwana (Bilder vom Baufortschritt gibt es von mir morgen im Zoo-Thread). Einfach traumhaft.



    Im Kontext zur Michaeliskirche (sorry, bisschen schräg das Bild)




    Schöner Hauseingang




    Balkone zum Nordplatz hin


    Bilder von mir

  • das ist ja krass.
    wird wohl vermutlich keine echte fachwerkkonstruktion sein? aber fügt sich gut in die umgebung ein. auch durch details wie die sockelzone. auf dem bauschild steht "weitere projekte in vorbereitung". mal sehen, ob da noch mehr passiert. zu wünschen wäre es.

  • Die um 1860 errichtete Villa Karl-Liebknecht-Str. 2 in der quirligen Südmeile wird derzeit aufwendig saniert und in ihren historischen Zustand zurück versetzt. Sehr schön.


    So soll das Resultat in naher Zukunft aussehen



    Und so sah die Villa vor ihrer Sanierung aus. Ziemlich verstümmelt und verwahrlost






    Die Sanierung erfolgt geschützt unterm Wetterdach


    Erstes Bild von mir, die letzten 5 von "leipziger".

  • Gute Nachrichten für die Käthe-Kollwitz-Straße im Bachstraßenviertel:


    Die sechs nebeneinander stehenden Gründerzeitmietshäuser Käthe-Kollwitz-Straße 91-101 werden bis Anfang 2009 durch die Markkleeberger Immobilienfirma Margaux saniert. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen, 60 Wohnungen sollen insgesamt entstehen. Anstelle der bereits abgerissen Hinterhäuser ist eine Tiefgarage geplant, auf deren Deckel eine kleine Grünanlage vorgesehen ist.


    Margaux hat in den vergangenen Jahren zusammen mit der 3D Projektentwicklungsgesellschaft im Bachstraßenviertel bereits etwa ein Dutzend Gründerzeithäuser saniert (letztes Projekt war die Schreberstraße 4 neben der alten Aromafabrik). Was die Sanierungspraxis betrifft kann ich sagen, dass diese Firma konsequent modernisiert und die historische Ausstattung (Stuckdecken und historische Innentüren) leider immer entfernt. Die Fassaden und das Treppenhaus werden allerdings wie üblich entsprechend der Vorgaben des Denkmalschutzes aufgearbeitet und wenn nötig rekonstruiert.


    Angesichts der extremen Lärmbelastung in dieser Straße (Hauptverbindung zwischen City und Leipziger Westen, unsaniertes Gleisbett) kann man über die unsensible Sanierungspraxis hinwegschauen, denke ich. Hauptsache es kommt wieder Leben rein. Und darüber hinaus würde ich dieses Bauvorhaben nach den Sanierungen in der Jahnallee im vergangenen Jahr vor allem als einen weiteren Hoffnungsschimmer für die von hohem Leerstand und Sanierungsstau geprägten Leipziger Magistralen werten.

    Käthe-Kollwitz-Straße 91-101, 2005:



    Und auch für die Aromafabrik in der Schreberstraße deutet sich eine Lösung an. Margaux hat wie die LVZ heute berichtet, das Gelände vor kurzem gekauft und möchte es im kommenden Jahr sanieren. Von „hochwertigen Wohnungen“ die dort entstehen sollen ist die Rede. Die Jugendmusikakademie oder eine Grundschule, die der benachbarte Verein „forum thomanum“ für sein Campus-Projekt dort plante ist damit aber zunächst einmal vom Tisch. Gespräche über eine mögliche Kooperation soll es aber noch einmal geben. Selbst wenn am Ende nur Wohnungen entstehen sollten, ist das eine großartige Entwicklung für das bereits zum Abriss freigegebene Industriedenkmal.


    Aromafabrik 2005:



    Bilder: bauksaten

  • WARUM ENTFERNT MAN DENN STUCKDECKEN UND HISTORISCHE INNENTÜREN??? Das macht die Wohungen doch gleich viel unattraktiver!!!??? :confused: in Berlin können sich Vermieter, die solche Altbauwohnungen besitzen, vor Interessenten nicht retten.

  • ^ Ui, Berlin als gutes Beispiel von Altbausanierungen entbehrt nicht einer gewissen Komik (Stichwort: Entstuckungsprämie). Nein, in Leipzig bin ich mit der Sanierungsmoral ganz zufrieden. Was die Häuser in der Käthe-Kollwitz-Str. angeht, so zeigen schon die Bilder, dass es sich um ganz einfache Gründerzeithäuser in einer vielbefahrenen Straße handelt, wo man bei dem großen Überangebot an Wohnungen in der Stadt schon froh sein muss, dass es dort überhaupt vorwärts geht. Ich teile die Meinung von baukasten (danke für den informativen Beitrag), dass man über eine unsensible, nicht denkmalgerechte Sanierung bei diesen Häusern großzügig hinwegschauen sollte.

  • Cowboy: „Was die Häuser in der Käthe-Kollwitz-Str. angeht, so zeigen schon die Bilder, dass es sich um ganz einfache Gründerzeithäuser in einer vielbefahrenen Straße handelt…“


    Ganz einfach oder nur nicht so stark geschmückt. Mir gefallen diese schlichten Gründerzeitler aus den 1860er und 1870er Jahren, besonders die Gestaltung der Treppenhäuser. Die finde ich häufig sogar besser als bei den vielen späteren Neo-Stil-Gründerzeitlern mit ihren imitierten Marmorsäulen und den schrecklichen Schinken im Eingangsbereich. Ich finde es deshalb grundsätzlich nicht weniger schade, wenn in solchen Gebäuden die Inneneinrichtung raus fliegt. In diesem konkreten Fall muss man aber wohl einfach der Vorreiterrolle von Margaux im Bezug auf das Beleben von Gründerzeitlern an lauten Ausfallstraßen einen gewissen Tribut zollen.
    Generell muss man leider konstatieren, dass (gefühlt) bei fast 50% der Sanierungen nach der Wende der Großteil der Inneneinrichtung vernichtet wurde. Diese Firma ist also keine Ausnahme. Und was Berlin betrifft, verhält es sich dort nach meinem Eindruck genau umgekehrt. Während man in Leipzig so gut wie jede Fassade und jedes Treppenhaus (inkl. der Wohnungseingangstüren) wieder in den Originalzustand zurückversetzte, dafür aber das Innere vernachlässigte, so ist in Berlin zwar äußerlich selten rekonstruiert worden, Dielen, historische Türen und Fenster mitsamt der Beschläge und die Stuckdecken in den Wohnräumen sind aber scheinbar häufig belassen bzw. aufgearbeitet worden.

  • ist das nicht reine spekulation, darüber zu diskutieren, was in den häusern in der k-k-s vielleicht noch an originalsubstanz vorhanden ist und eventuell verschwinden könnte? das auf dem foto zweite haus von links wurde kurz nach dem krieg aus trümmerziegeln errichtet und ist bis heute unverputzt geblieben. stuck wird es da ganz sicher keinen geben. die anderen häuser machen auch nicht gerade den eindruck.


    zur aromafabrik: wenn das klappen würde, wäre es super! solche ensembles sind ja überhaupt nicht reproduzierbar. sehr gut, dass margoux auch den schornstein sanieren will.

  • ^^
    Wie viel von der Inneneinrichtung noch da ist, weiß natürlich niemand genau. Die Häuser wurden aber seit ihrer Errichtung wenn dann nur zu DDR-Zeiten durch die Mieter in Selbstleistung modernisiert. Kann schon sein, dass da die ein oder andere Tür oder Stuckdecke verschwunden ist. Das Meiste wird sich aber erhalten haben. So etwas wieder aufzuarbeiten, daran hat Margaux/3D kein Interesse. Die haben bisher immer so genannte Neuwertmodernisierungen durchgeführt, bei der nun mal die historische Wohnungsausstattung komplett ausgetauscht wird. Das wird auch diesmal nicht anders sein.

  • Schöne Fotos "leipziger".


    Es wäre schön wenn die Sanierungswelle auch mal auf den Leipziger Osten überschlegt. Gerade im Osten ( Torgauer Platz ) sind Gebäude vom Verfall bedroht.

  • Eines muss man der Firma Margaux allerdings zu Gute halten: die legen einen großen Wert auf schön gestaltete Innenhöfe, ein Faktor, den man nicht unterschätzen sollte.

  • Am Johannisplatz wird gerade das Eckhaus in der Johannisgasse saniert.





    Was ich noch interessantes gefunden habe ist das alte Papierlager in der Talstraße und das Gelände gegenüber. Weiß von Euch jemand, was mit den zwei Geländen passiert? Es sind ja Grundstücke mit Vergangenheit und Sie sind Citynah.





    Bilder von Dr.Faust

  • hier mal ein paar bilder von meiner alten grundschule am Nordplatz... finde die gegend allgemein sehr gelungen.. inklusive der Nordstraße...







    bilder von .L.E.

  • Was ich noch interessantes gefunden habe ist das alte Papierlager in der Talstraße und das Gelände gegenüber. Weiß von Euch jemand, was mit den zwei Geländen passiert? Es sind ja Grundstücke mit Vergangenheit und Sie sind Citynah.


    Das alte Papierlager liegt im sog. Graphischen Viertel, wo sich einst auf engem Raum über 2200 Unternehmen in der Buchbranche, darunter knapp 850 Verlage, drängten. Der Investitionsdruck erreicht seit ein paar Jahre auch dieses Viertel, so dass ich guter Dinge bin, dass dort bald was passieren wird. Die von dir gezeigten Gebäude scheinen außerdem alle gesichert zu sein, weshalb kein Grund für Überstürzungen besteht.


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    Ein Projekt in Sachen Altlastenbeseitigung gibt es aktuell auf dem Gelände der ehemaligen Färberei im Stadtteil Wahren. Über 90 Jahre lang gelangten hier chemische Rückstände in die Böden. Das Erdreich sowie das Grundwasser sind heute dementsprechend verseucht, und müssen mittels Erdaushub saniert werden. Danach will ein Investor auf dem gereinigten Gelände sog. Mehrgenerationenhäuser errichten. Ich hätte ja weiterhin so meine Bedenken, auf das ehemalige Gelände der (Schön)Färberei zu ziehen...



    Alte Färberei von 1899 (in Betrieb bis 1991). Inwieweit es um die Zukunft des Gebäudes bestellt ist, entzieht sich meiner Kenntnis.



    Das Gelände, das derzeit saniert wird.


    Eigene Fotos

  • Aus der Dienstberatung des Oberbürgermeisters:


    Gebäudesicherungsprogramm: Rettung für Sternwartenstraße 38/40


    Die akut vom Einsturz bedrohten Baudenkmale Sternwartenstraße 38 und 40 aus den Jahren 1862 bzw. 1873 können gerettet werden. Oberbürgermeister Burkhard Jung stimmte dem Vorschlag vom Baubürgermeister Martin zur Nedden zu, im Rahmen des Gebäudesicherungsprogramms für die vom Eigentümer geplanten Baumaßnahmen an Dach, Fassade und Außenanlagen der beiden Wohngebäude bis zu 250 000 Euro zur Verfügung zu stellen. Davon kommen 80 Prozent über die Sächsische Aufbaubank aus dem Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“, 20 Prozent steuert die Stadt aus Eigenmitteln bei. Ziel der Maßnahmen sind Modernisierung und Instandsetzung der beiden historisch und städtebaulich wichtigen Gebäude.


    „Das Beispiel zeigt wieder einmal, dass es in den Erhaltungsgebieten der Stadt möglich ist, Bauwerke und Ensembles von geschichtlicher, künstlerischer und städtebaulicher Bedeutung umfassend zu sanieren“, kommentiert Martin zur Nedden. „Mit den Häusern Sternwartenstraße 38 und 40 können zwei wichtige Exempel für das hohe Niveau im Leipziger Mietwohnungsbau des 19. Jahrhunderts erhalten werden. Wie hoch ihre gestalterische Qualität ist, kann man ja jetzt noch trotz ihres schlechten Bauzustandes an den Straßenfassaden erkennen. Als Teil der auf der Südseite der Sternwartenstraße noch geschlossenen Blockbebauung aus dem 19. Jahrhundert sind sie ein wesentliches gründerzeitliches Element.“ Beide Bauwerke stehen auf der Prioritätenliste 2 A des Gebäudesicherungsprogramms, das unbedingt zu erhaltende Gebäude an Nebenstraßen umfasst. Aufgrund ihres derzeitigen kritischen Bauzustandes musste ein Teil der Sternwartenstraße bereits für den Verkehr gesperrt werden.


    Quelle: Stadt Leipzig

  • gute sache, die häuser stehen wirklich kurz vorm einsturz.


    passend zum thema:


    das land sachsen plant eine umzugsprämie.


    diskussionsstand: leute, die aus abzureissenden wohnblocks in innerstädtische altbauten vor baujahr 1949 in ausgewiesenen sanierungsgebieten ziehen, sollen dafür 1500 euro extra pro haushalt bekommen. "haus und grund" fordert die doppelte summe.


    was haltet ihr davon?

  • kurz und knapp: hervorragend. geld geschenkt für urbanität. und so hervorragend die plattenbauten zu ihrer zeit waren, es wird zeit für eine rückkehr zu wuseligen stadtstrukturen. ein wenig berlin kann den sächsischen städten nicht schaden ;)