Deutsche Börse zieht nach Eschborn

  • Eine ganz einfache Lösung für das Problem Eschborn könnte man kurzfristig anpacken. Ist zwar nicht die feine Art und auch sehr aufwendig, aber es würde Ihnen mal die Augen öffnen.
    Alle Eschborner müßten egal ob Sie nur mal nach Frankfurt rein bzw. durchfahren, oder einkaufen wollen, ins Thaeter oder Kino gehen am Eingang den Ausweiß vorzeigen bzw. an den Straßen kontrolliert werden.
    Danach könnten Sie entscheiden ob Sie einen kleinen Obulus zahlen oder wieder umkehren.;)

  • Ich bin auch Lokalpatriot und war entsetzt! In der faz online steht unter rhein main region jedoch ein artikel der es etwas relativiert finde ich... Das Argument: Besser eine "Steueroase" im selben Ballungsraum als z.B. ein steuermotivierter Konzernsitz in der Schweiz (siehe Ölkonzernholdings in Zug in der Schweiz) oder sonstwo...

  • ^^ Der Beitrag, den Du ansprichst beschreibt das Problem genau. Das Problem ist, dass die Finanzierung der Gemeinden sich auf die Gewerbesteuer konzentriert und ein gewisser Kanibalisierungsprozess eingesetzt hat. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten, eine schlechte und eine gute. Die schlechte wäre, man gemeindet die Vorortgemeinden in Frankfurt ein, der Speckgürtel würde sich dann aber nur in andere Randgemeinden verlagern oder man packt das Problem an der Wurzel und stellt die Finanzierung der Gemeinden um. Das ist jedoch eine Aufgabe der Landespolitik.


    Was hier jedoch für einen Aufschrei gesorgt hat und auch die Gefühle der Beteiligten verletzt hat, ist die Tatsache, dass es die Deutsche Börse offensichtlich nicht für nötig hält die Stadt darüber zu informieren. Das ist eine glatte Unverschämtheit und schlechter Stil. Dem Eschborner Bürgermeister kann man da keinen Vorwurf machen, dass er die Frankfurter Kollegen nicht informiert hat.


    Grundsätzlich gilt und dessen sind sich viele Unternhemer ja auch bewusst. Eschborn ist nicht Frankfurt und wird es nie sein, auch wenn im Eschborner Rathaus momentan das Adrenalin des Triumphes überkocht. Eschborn ist und bleibt eine Provinzgemeinde mit großen Gewerbegebieten, die den dort arbeitenden Menschen nicht viel mehr bieten als die Betriebskantine und die Pommesbude vor dem Büro. Nicht jeder Arbeitgeber möchte seinen Kunden und
    Mitarbeitern ein solches Ambiente bieten. Den Mitarbeitern dürfte es egal sein, schließlich war der Standort in Hausen (oder Bockenheim) auch nicht viel einladender.

  • Das sehe ich genauso. Eschborn erweitert Frankfurts Wettbewerbsfähigkeit. Dennoch müsste es irgendwie einen Ausgleich geben. Schließlich braucht das Kaff selbst die Steueroasen-Steuer nicht wirklich. Da müsste einfach mehr zurückfließen.


    Würde vielleicht ein Stadtstaatenmodell helfen?
    Es ist schon interessant, was sich da so alles versammelt hat:


    * Arcor
    * BT (Germany)
    * cisco
    * Club Med Deutschland GmbH
    * D-Link
    * DB Netz AG
    * DB Systel GmbH
    * Deutsche Bank
    * Deutsche Telekom
    * Ernst & Young
    * Eurohypo AG
    * Equant
    * Häuser der Mode
    * Hertz Autovermietung
    * IBM
    * Iriver Europe Gmbh
    * Management Circle
    * Mann Mobilia
    * Monster Worldwide Deutschland GmbH
    * Ricoh
    * Samsung
    * Techem
    * TietoEnator Deutschland GmbH
    * Vodafone
    * VR-Leasing


    sowie folgenden Behörden und Verbänden:


    * Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
    * Bundesnetzagentur (vormals RegTP) (Außenstelle Hessen)
    * Bundesrechnungshof
    * Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)
    * Hessische Gemeinschaftsunterkunft für ausländische Flüchtlinge (Q2/2005 geschlossen)
    * TÜV Hessen


    Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/E…tschaft_und_Infrastruktur

  • Das Stadtstaatenmodell wäre noch viel schlimmer, da würde überhaupt nichts zurückfließen, außer über den Länderfinanzausgleich. Die drei deutschen Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin leiden sehr unter dem Speckgürtel in den sie umgebenen Ländern.


    P.S. Die Behörden sind sicher nicht wegen der niedrigen Gewerbesteuer nach Eschborn gezogen, die zahlen nämlich keine. Deren Hauptargument dürften die niedrigen Grundstückspreise sein.

  • Wer sich darüber beschwert, dass die Deutsche Börse AG die Stadt Frankfurt nicht rechtzeitig informiert hat, muss das Argument, dass der Umzug kursrelevant ist und die Pläne damit aus insiderrechtlichen Gründen diskret behandelt werden müssen zumindest erwähnen.


    Und das Eschborn seinen Arbeitnehmern nichts bietet, stimmt wohl. Aber ab 2010 haben die 30 Mio jährlich mehr in der (mW ohnehin schon vollen) Kasse, damit kann man den Arbeitnehmern Eschborns das Leben sicherlich auf vielfältige Art und Weise erleichtern.


    Und zur Frage, ob dieses "Race to the bottom" sinnvoll ist: alles was die Kosten für Unternehmen reduziert macht den Standort Rhein-Main attraktiver und angesichts des harten Wettbewerbs um Standorte von Unternehmen a la Deutsche Börse und der krassen Defizite, die Frankfurt in Sachen Image (aus Arbeitnehmer Perspektive), Stadtbild und Entertainment-Angebot hat verglichen mit Städten wie München, Zürich oder London hat, empfinde ich das als sehr positiv.

  • mik. Viele dieser in Eschborn angesiedelten Firmen behaupten auf Ihren Webseiten, dass Sie in Frankfurt beheimatet wären. Die Firma CISCO z.B. schmückt Ihre Schau-Räume in Eschborn mit riesigen Farbbildern der Frankfurter Skyline aus. ;)

  • Das Property-Magazine bezeichnet Eschborn in einer aktuellen Meldung als beliebten "Back-Office-Standort". Besser kann man es wohl nicht ausdrücken. Konsequent, dass in Eschborn ein Projektentwickler noch nicht einmal mit dem Bau beginnen muss, um schon einen Fonds als Käufer des Objekts zu finden. Schön zu sehen am Gegenstand der Meldung, dem 67-Mio-Euro-Projekt "Eschborn Waves" mit 21.250 m² Mietfläche.

  • Ganz interessanter Beitrag über den Ruck, der wohl gerade durch die Wirtschaftspolitik der Stadt Frankfurt geht:


    http://www.fr-online.de/frankf…frankfurt/?em_cnt=1272490


    - man will sich wieder mehr auf die bereits in Frankfurt existierenden Unternehmen konzentrieren ("Bestandspflege")


    - mit der Börse wird gerungen, ob nicht zumindest einige wichtige Abteilungen bleiben (zum Wohle des Frankfurter Prestige und des der DB)


    - über eine weitere Senkung des Hebesatzes wird nachgedacht


    - die Wirtschaftsförderung wird evtl neu strukturiert


    - man befürchtet Nachahmer


    - der Entscheidung der DBAG ging ein Gutachten einer Beratung voraus (und der Beratungen kennt, weiß, dass sie Gutachten gerne an andere Mandanten zweitverwertet -> Nachahmungsgefahr!!).


    Ich wette als nächstes überdenkt man die Baupolitik!

  • Es stimmt, dass eine Region wie das Rhein-Main-Gebiet auch günstige Standorte braucht und dass die Wettbewerbsfähigkeit der Region dadurch insgesamt gestärkt wird. Insofern ist es natürlich besser für Frankfurt, wenn ein Unternehmen nach Eschborn zieht als wenn es nach etwa Luxemburg oder sonstwohin zieht.


    Aber viele Dinge, die allein (oder weit überwiegend) von der Stadt Frankfurt bezahlt werden kommen der ganzen Region zugute: Museen wie Städel, Schirn, MMK, weitere am Museumsufer oder das Schauspiel und Oper sind für Frankfurt wie für die ganze Region Rhein-Main notwendig, wenn sie mehr sein will als ein riesiges Gewerbegebiet.
    Wenn aber die ganze Region davon profitiert, dann muss auch die ganze Region für die Kosten aufkommen. Die Landespolitik muss dafür einen langfristigen Modus finden. Wenn man das bestehende System der Gewerbesteuer nicht verändern kann, dann muss eben langfristig ein Großteil der Kulturausgaben in Frankfurt aus dem Landeshaushalt getragen werden.


    Im Übrigen bietet die Gemeinde Eschborn was Infrastruktur angeht den meisten, die in den Gewerbegebieten arbeiten überhaupt nichts. Die meisten werden sich nie in die eigentliche Stadt Eschborn verirren. Eschborn-Süd liegt zwischen einer Autobahn, einer vierspurigen Bundestrasse und einer S-Bahn-Linie. Auf diesen Verkehrswegen kommen die Angestellten morgens zur Arbeit und fahren abends wieder heim. Dass Gewerbegebiet liegt halt auf Eschborner Gebiet und nicht auf dem Gebiet der unmittelbar angrenzenden Frankfurter Stadtteile Sossenheim und Rödelheim und so ist die Gewerbesteuer niedriger. Aber mit einer "selbständigen" Gemeinde Eschborn hat das überhauptnichts zu tun.

  • Das arme Frankfurt ...

    jaja, das arme Frankfurt. Das arme Frankfurt, das im Gegensatz zu den direkten Konkurrenten seine Kultureinrichtungen selbst bezahlen muss, statt sie vom Land (München, Düsseldorf) oder sogar vom Staat (Berlin ?) finanzieren zu lassen und dazu noch mit einem heftigen Steuernachteil gegenüber andere Konkurrenten (London/Eschborn etc) leben muss.


    Jaja, das arme Franfkurt. Das arme Frankfurt,das Glück hat, das innerhalb seiner Gemarkung zwei Institutionen von unermesslicher globaler Bedeutung (Flughafen (nicht das Unternehmen Fraport) und EZB) angesiedelt sind, die da auch nie weg können. Das arme Frankfurt, dass - ohne viel eigenes Zutun - der wohl wichtigste kontinentaleuropäische Verkehrsknotenpunkt ist, das arme Frankfurt, das glücklicherweise die Stadt ist, der sich als Finanzplatz etabliert hat, und in der sich - ohne Zutun Frankfurts - deswegen Finanzdienstleister aus aller Welt niederlassen. Das arme Frankfurt, bei dessen Regierung Investoren, mit milliardenschweren Investitionsvorhaben Schlange stehen, das arme Frankfurt .....ist vielleicht garnicht so arm, sondern nur dekadent, erfolgsverwöhnt und arrogant!


    Die oben genannten Vorteile bieten Frankfurt unglaublich viele Möglichkeiten, die sollten jetzt mal zu ein paar Prozent mehr ausgeschöpft werden.
    Man muss endlich aufwachen, und Investoren nicht länger als Bittsteller, sondern eher als Heilsbringer ansehen. Frankfurt meint potentiellen Investoren alles vorschreiben zu können. Das UEC ist doch das allerbeste Beispiel, aber andere gibt es Duzende. Frankfurt verschenkt durch diese investitionsfeindliche Arroganz wahrscheinlich mehr Steuermillionen als die Deutsche Börse je gezahlt.


    Erzähle einem Bürgermeister in einer strukturschwachen Region mal, dass FFM ja arm dran sei ....

  • Dass Börse und Manager wirtschaftlich handeln ist doch klar. Trotzdem hat es der Standort "Stadt" nicht leicht seine Ausgaben zu decken und gleichzeitig attraktiv zu bleiben.
    Und Eschborn ist als "Backoffice" Standort einfach auch zu nahe an der Innenstadt und außerdem noch repräsentativ von A66 und A5 zu sehen.
    Die Arcor Zentrale erhält wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit, als so manch kleinerer Wolkenkratzer in der Innenstadt.


    Ein gewisser Finanzausgleich müsste da einfach schon stattfinden. Eschborn könnte ja so billig bleiben. Aber ein Großteil der Steuern sollte trotzdem dann nach Frankfurt fließen. Wenn Eschborn nur ein paar % der Steuern aller Unternehmen abdrücken würde, dann wären das bestimmt schon mehr als die 50 Millionen, die Frankfurt verliert. Ich mache also nicht der Börse Vorwürfe, sondern eher Eschborn, bzw. der Struktur Eschborn - Frankfurt.


    krugolf
    Ich kann diesen Müll nicht mehr hören, dass Frankfurt alles geschenkt bekommen hätte oder von der Geschichte bevorteilt wurde!
    Dass Fraport so groß ist, liegt dran, dass man hier Ausbauten durchsetzen konnte. (Was eben keine Stadt am Rhein, im Ruhrgebiet, Norddeutschland oder Bayern im Nachkriegsdeutschland geschafft hat.) Und nicht an einem kaiserlichen Erlass!
    Und auch der Finanzplatz ist privatwirtschaftlich organisiert und nur aufgrund der Attraktivität Frankfurts da. Vielleicht war Frankfurt in den 50ern und 60ern einfach sehr progressiv. Vielleicht ist es deshalb in den Augen Vieler einerseits hässlich, aber andererseits auch so erfolgreich?
    Auch die Messe ist ein Unternehmen, dass sich hochgearbeitet hat. Keiner hat anderen Städten verboten in Konkurrenz zu treten!
    So ist es noch mit vielem mehr. Das alles hat sich in Frankfurt entwickelt, weil es hier immer noch mehr Unterstützung gefunden hat, als sonstwo.


    Das es viele reaktionäre, rückständige Menschen gibt ist klar. Dass das UEC ne Katastrophe ist auch.
    Aber andererseits gabs bei Gallileo den Hochhaus für Englisches-Theater Deal und beim Opernturm mehr Höhe für mehr Park!
    Die vernünftigen Ansätze sind also durchaus noch vorhanden! Wichtig ist es nur diesen Weg weiter zu gehen. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass es hier einen Forumer gibt, der jetzt die "böse" Börse als Heuschrecken oder derartiges beschimpft ;)

  • Das hat nichts mit Metropolregion zu tun (zumal wir uns hier sogar noch innerhalb der Agglomeration befinden), sondern nur noch mit Schmarotzertum. Weil nichts anderes ist das Phänomen Eschborn. Eine nur was administrative Grenzen betrifft (und genau da liegt auch mit das Problem) noch eigenständige Kommune, die von den Vorzügen der Kernstadt so sehr profitiert dass man dort gar nicht mehr weiß wohin mit all dem Geld, aber nicht im Geringsten zur Finanzierung der Attraktivität selbiger (ohne die dieses Eschborn kein einziges Unternehmen bei sich hätte) beiträgt, und zudem auch noch jedes Jahr aufs neue zusätzlichen Unternehmen und damit Steuerzahlungen aus der Kernstadt zu sich auf die Grüne Wiese lockt. Das ist nicht nur strukturell vollkommen krank, sondern auf diesem Weg fährt sich die Region irgendwann selbst gegen die Wand. Im zuletzt geposteten FR-Artikel war jetzt sogar von 120Millionen Euro die Rede die Frankfurt dadurch fehlen, was keinesfalls hingenommen werden kann.

  • Zustimmung findet bei mir die Aussage über die unerträgliche Gängelung potentieller Investoren und zahlenden Unternehmen in und durch die Stadt Frankfurt. Das Drama mit dem UEC, den Allianz-Hochhaus-Stoppern, den Degussa-Hochhaus-Kappern und den Frankfurter Flughafen-Ausbau-Gegnern spricht Bände.


    Frankfurt ist größter Nettozahler Hessens

  • Niemand hat gesagt, dass man die Lücke ganz schließen muss, Frankfurt hat ja doch auch große Vorteile gegenüber Eschborn. Man muss die Lücke aber offenbar ein wenig kleiner machen.