Estrel Tower Berlin (175m | Neukölln | in Planung)

  • Warum? Weil sie schon längst einen wesentlichen Teil der Kundschaft in Berlin ausmachen, vor Corona und nach der Zeit vor 10-15 Jahren. Warum ist Berlin Anziehungspunkt für viele Menschen aus Russland und Osteuropa, wenn es dort alles gibt? Müsste man die Leute selbst fragen, sie sind ja schon da bzw. kommen wieder. Aktuell sind übrigens viele Modeschöpfer*innen aus Polen in Berlin ansässig.

  • Bousset Die verlinkte Statistik ist aber für sich genommen nicht sehr aussagekräftig.


    1) Dort geht es nur um ausländische Gäste. Berlin ist traditionell aber besonders stark bei inländischen Gästen. Zudem spielt dort die Zahl der Übernachtungen pro Gast keine Rolle. In Berlin bleiben Gäste durchaus mal etwas länger und im Schnitt für mehr als 2 Übernachtungen.

    -> Bei den für Gaststätten relevanten Übernachtungen liegt Berlin europaweit auf Platz 3 und wuchs vor Corona weiter von Jahr zu Jahr, wenngleich die Zuwächse sich zuletzt verlangsamt hatten. Zuletzt ging es trotzdem Richtung 35 Mio Übernachtungen. Zum Vergleich: London hatte über 80 Mio Übernachtungen, Paris über 50 Mio, Rom rund 30 und dann kommt erst wieder bei ca. 15-20 Mio eine Ballung (Barcelona, Madrid, Prag, Wien, München, Amsterdam, Hamburg).


    2) Das Estrel generiert sich von jeher eigene Gäste und dies neben diversen Events u.a. im Kongressbereich. Im Kongressbereich lag Berlin zuletzt immer noch in den Top 5 weltweit und mit dem BER und der direkten Autobahnanbindung wird die Lage des Estrel gegenüber dem ICC sogar noch stärker (zumal neben der Anbindung die unglaublich günstige Kombination von größtem Kongressstandort und größtem Hotelbetrieb hinzukommt). Generell ist eine Stärke des Estrel, dass man trotz des nicht genehmigten Shoppingcenters (fast) alles vor Ort hat und zugleich mit der hervorragenden Anbindung (Autobahn, ÖPNV inkl. S-Bahn-Ring, Bootsanleger, Gleisanschluss) auch problemlos viel in der Umgebung mitnehmen bzw. unternehmen kann.


    3) Zu guter Letzt war das Estrel gegenüber anderen Berliner Hotels bisher überdurchschnittlich ausgelastet (über 60%) aber zugleich auch früher wirtschaftlich als andere Häuser (laut eigener Angabe Gewinne bereits ab 30% Auslastung). Mögliche Überkapazitäten in anderen Häusern sind somit kein direktes Problem für das Estrel.


    Fazit: Ich gehe insgesamt davon aus, dass man das Estrel sogar eher zu den Gewinnern einer möglichen Konsolidierung zählen würde. Falls der Markt für Kongresse einbricht, werden die verbleibenden dennoch eher im Estrel stattfinden. Wenn in Berlin aufgrund von Überkapazitäten Hotels sterben, dann zunächst die weniger wirtschaftlichen. Wenn beim Estrel selbst mal irgendeine Säule wegbricht, wird man kreativ wie zuvor neue Angebote platzieren. Die räumlichen Kapazitäten kann man ja durchaus flexibel bespielen.


    Regent Es geht in der Regel ja nicht allein um den Warenerwerb, sondern um ein attraktives Gesamtpaket. Ansonsten müsste man die eigene Wohnung ja überhaupt nicht mehr verlassen. Allerdings weiß ich jetzt auch nicht, inwiefern die Shopping-Klientel Berlin gegenüber anderen Standorten schätzt. Es ist ehrlich gesagt nicht so mein Ding und ich habe diesbezüglich auch nicht so aktiv die Zahlen verfolgt.

  • Bousset Die Wikipedia-Liste listet die Zahl der ausländischen Besucher auf, angesichts dessen, dass sämtliche europäischen Konkurrenten um die ersten Plätze aus kleineren Ländern stammen, verzerrt das die Realität ein wenig. Was die Gesamtzahl der gewerblichen Übernachtungen betrifft, war Berlin in den Pre-Covid19-Jahren stabil auf dem dritten Platz: Ranking der europäischen Städte nach Anzahl der Touristenübernachtungen in gewerblichen Betrieben in den Jahren 2018 und 2019


    Regent generell hast du Recht, allerdings wird/wurde aus Richtung Osteuropa und Asien schon recht viel geshopped, auch wenn das wohl in den seltensten Fällen die Hauptintention für die Reise war.


    Edit: Überschneidet sich ein wenig, aber ich lass es mal drin.

  • Dass Berlin eine Shopping-Metropole sein soll und das den größten Teil der Besucher ausmachen soll wage ich zu bezweifeln.

    Da fehlt es dann doch an so einigen Internationalen Marken und Ketten die man in anderen Städten immer findet.


    Berlin war und ist Magnet durch die Vielfalt auf allen Ebenen und in allen Bereichen. Das ist es was die Stadt ausgemacht hat, ausmacht (mit Corona Bremse) und auch wieder ausmachen wird.

    Schaut man sich diverse Youtube Videos von internationalen Reise-Vloggern wird genau das bestätigt.


    Ein Teil von dem ganzen ist im Business-Bereich das Konferenz- und Kongressgeschäft, welches mit dem Wegfall des ICC schwer zu kämpfen hatte.

    Berlin war international einst Konferenz- und Kongressstadt Nummer 1. Und hier springt das Estrel Projekt in die offene Lücke.

    Auf die Sanierung und Verfügbarkeit des ICC wird man sicherlich noch mindestens 10 Jahre warten müssen, falls es nicht an die Privatwirtschaft veräußert wird.

  • Warum? Weil sie schon längst einen wesentlichen Teil der Kundschaft in Berlin ausmachen, vor Corona und nach der Zeit vor 10-15 Jahren. Warum ist Berlin Anziehungspunkt für viele Menschen aus Russland und Osteuropa, wenn es dort alles gibt? Müsste man die Leute selbst fragen, sie sind ja schon da bzw. kommen wieder. Aktuell sind übrigens viele Modeschöpfer*innen aus Polen in Berlin ansässig.

    Das Berlin aufgrund der räumlichen wie auch kulturellen Nähe Anziehungspunkt vieler Osteuropäer ist, ist ja unbestritten. Aber in der Regel kommt man um zu studieren und zu arbeiten, oder um „Business“ zu machen. Geschoppt wird in erster Linie um es gewinnbringend in der Heimat weiterzuverwerten – gebrauchte Fahrzeuge, hochwertiges Werkzeug, Maschinen oder Maschinenbauteile. Zum Klamotten shoppen kommt doch kaum mehr jemand extra nach Berlin, warum auch? Die Zeiten wo Oligarchen nach Berlin gejettet sind um Markenklamotten zu kaufen sind längst vorbei – da gibts ganz andere Destinationen. Und der BER wird sicherlich auch nicht durch sein Warenangebot zum großen Umsteige-Hub. Gegenüber anderen Flughäfen, z. B. Dubai, Istanbul, aber auch Madrid, Heathrow oder Amsterdam spielt man hier ein paar Ligen tiefer. FRA ist auch nicht wegen seines Shopping-Angebots zum Hub geworden.


    Nochmal ein kleiner Nachtrag zum Thema Tourismus in Berlin. Berlin hat große Stärken im Bereich Freizeit und Kultur und insbesondere die Region um Berlin herum hat noch große Wachstumschancen was den Tourismus anbelangt. Klima- und Coronakrise zeigen das Fernreisen in der Zukunft vermutlich nichtmehr so stattfinden werden wie wir es vor ein paar Jahren noch gewohnt waren. Die großen Wachstumschancen sehe ich persönlich bei inländischen und europäischen Touristen. Asiaten und Russen werden weniger kommen (in Russland ist man auf Deutschland momentan extrem schlecht zu sprechen!), Engländer wegen des Brexit denke ich auch. Die Araber hast touristisch ohnehin schon immer mehr Richtung München gezogen. Aber da Kurztrips nach New York oder London und Fernreisen nach Thailand nichtmehr so ohne weiteres möglich sind wird Berlin als Destination bei inländischen Gästen sicherlich beliebter werden. Und genau da kommt dann auch das Estrel ins Spiel.

  • Die Zahlen sind bestimmt interessant, aber wohl nur mit Bezahlung zugänglich. Stimmt wohl, ausländische Übernachtungen sind nicht das Maß der Dinge.


    Ausgangspunkt der Diskussion war die Frage, ob die Besucher und Touristen wieder kommen, da sage ich: ja. Und bei der weiteren Entwicklung ging es mir darum aufzuzeigen, wo mögliche Potentiale sind. Kulturelle Einrichtungen hat Berlin nun schon sehr viele, die einen Besuch der Stadt schmackhaft machen. Kongresse gibt es auch. Potentiale sehe ich deshalb noch beim Shopping. Wer in der Mall of Berlin oder im KadeWe vor Corona unterwegs war kriegt mit, dass die nicht vornehmlich die Bedürfnisse der örtlichen Bevölkerung decken, das ist lange vorbei.


    Und nein, der BER wird nicht zum Shopping-Flughafen, Helsinki-Vantaa ist es auch nicht. Es fällt nur auf, dass sich Helsinki zunehmend auf Bedürfnisse der chinesischen Touristen einstellt. Es ging mir darum aufzuzeigen, wie man es anderswo clever geschafft hat, wichtiges Ziel von Flügen aus China nach Europa zu sein und Helsinki ist nicht Dubai, London oder Istanbul. Wir täten in Berlin gut daran, das touristische Potential Chinas und Indiens zu nutzen. Nur als optimistischer Vorschlag gemeint, wie es nach Corona weitergehen könnte.

  • Achso, ich hatte dich so verstanden das ausländische Touristen wegen des Shoppings nach Berlin kommen, nicht das da noch Luft nach oben ist. Ja, Potential ist da sicherlich mehr als genug da. Ob der Rot-Rot-Grüne Senat aber unbedingt Shopping-Touristen anziehen will wage ich mal in Frage zu stellen.

  • Ich bin heute am Standort des zukünftigen Estrel-Towers vorbeigekommen und habe die ersten Bauarbeiter getroffen, die von meinem Interesse sichtbar beeindruckt waren. Seit heute ist der Parkplatz nicht mehr benutzbar, das Parkplatz-Schild (leider auf dem Foto nicht sichtbar) wird morgen abmontiert. Man hat heute begonnen Beton- und Asphalt-Schichten abzutragen, für die Baustelleneinrichtung für das Großprojekt, wie mit der Vorarbeiter sagte. Es geht jetzt wohl tatsächlich los.....

  • ^Und die guten Nachrichten gehen weiter: Laut geschäftsführender Direktorin seien trotz Corona keine zusätzlichen Verzögerungen mehr zu erwarten. Man arbeite neben den erfahrenen Architekten auch wieder mit Projektplanern zusammen, mit denen man bisherige Bauvorhaben immer erfolgreich und im gesetzten Zeitrahmen habe realisieren können. Ob sich das bei so einem Projekt alles 1 zu 1 übertragen lässt, sei mal dahingestellt. Aber gute Grundvoraussetzungen sind es allemal.


    Und tatsächlich wird das Estrel meinen bisherigen Eindrücken nach hervorragend gemanagt. Das gilt auch für die extrem schwierige Coronazeit. Während der Ausfälle hat man neben Etablierung eines eigenen Corona-Testzentrums und diversen Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten auch das hauseigene Kongresszentrum ECC mit einem Auditorium für 800 Teilnehmer komplettiert sowie ein modernes digitales Studio für weltweit streambare Hybridevents eingerichtet (ein Teil der Teilnehmer ist also anwesend und der Rest kann zuschauen bzw. wird zugeschaltet). Von diesem Streamingstudio hatte ich kürzlich schon mal was gehört. Ist wohl gerade für Berliner Verhältnisse ziemlich state of the art.


    Vom Coronamanagement des Senats sei man hingegen "sehr enttäuscht". Der Verband habe schon zum Jahreswechsel ein Konzeptpapier übergeben. Seither habe man nichts mehr groß dazu gehört und müsse im worst case bald mit Stornierung diverser Kongresse und Veranstaltungen rechnen. Ist aber eigentlich auch nur das gleiche in blau, was ich auch von den Schulen kenne und woanders höre. Diese Stadt wird mE insgesamt eher schlecht als recht gemanagt. Zum Glück gibt es aber auch in allen Bereichen fähige Leute, die viel auffangen, sodass uns nicht alles voll auf die Füße fällt. Aber gut, freuen wir uns lieber auf den Turm.

    Das Interview

  • Auf die Sanierung und Verfügbarkeit des ICC wird man sicherlich noch mindestens 10 Jahre warten müssen, falls es nicht an die Privatwirtschaft veräußert wird.

    Der Senat wollte es 2017 von Asbest befreien lassen, um es überhaupt an Investoren vermitteln zu können, seitdem habe ich nichts mehr gehört. Das ICC ist wahrscheinlich überhaupt nicht mehr (wirtschaftlich) sanierbar. Man müsste es quasi komplett entkernen, weil so ziemlich alle Grundrisse in dem Gebäude modernen Anforderungen nicht mehr genügen. Wie weit hier Eingriffe überhaupt möglich sind (das Gebäude unter Denkmalschutz) weiß ich nicht.

    Ich habe nicht das Gefühl, dass sich hier viel bewegen wird in den nächsten Jahren. Der Hotspot für Business-Kongresse hat sich auch vor Tegels Schließung bereits zum BER/Estrel verlagert und es ist nicht damit zu rechnen, dass Geschäftsreisende bald nennenswert mit dem Flixbus anreisen. Für Fach- und Verbrauchermessen ist die Messe nebenan bereits gut aufgestellt, der Fokus des Senats liegt auch augenscheinlich eher darauf, dessen Hallen zu modernisieren, um hier nicht den Anschluss an z.B. Frankfurt zu verlieren, die stark in ihre Messen investiert haben in den letzten Jahren. An das ICC wird sich niemand ran trauen, fürchte ich.

  • Nach den Verschiebungen Jahr für Jahr hatte ich ja doch so meine Zweifel, ob es wirklich noch was wird und war um so freudiger über den Beitrag von hampelmann überrascht, dass es wohl nun wirklich los geht.


    Da mich dieses Projekt auch schon seit langem interessiert und auch ich nicht die erwähnten Bilder im Thread finden konnte, habe ich letzte Woche und heute mal einen Umweg am Estrel vorbei gemacht, um mir selbst kurz ein Bild machen zu können.


    30. Mai 2021

    Der nord-westliche Teil des Parkplatzes ist abgetragen


    05. Juni 2021

    Die ehemalige Auffahrt zum Parklatz und der komplette nördliche Teil des Parkplatzes sind abgetragen.



    Alle Fotos dieses Beitrages wurden durch mich am 30.05.2021 bzw. 05.06.2021 aufgenommen / CC0 1.0

  • Mal sehen ob unser antikapitalistisch agierender Senat überhaupt noch in Zukunft Fluggäste aus dem Nicht-EU-Ausland auf Berliner Gemarkung einreisen lässt?


    Die Berliner Regierungen hatten schon immer eine schrecklich große Klappe zur Industrie-Ansiedlung ohne wirtschaftlich wirklich attraktive Konzepte.


    Das ICC wird weiter gammeln, und der Estrel Tower wird die geplanten CO2 Steuern spätestens bei Fertigstellung spüren, weil dann zB Warschau oder Budapest für unsere zahlenden Gäste aus Singapore, Manila, Mumbai und Dubai viel interessanter als Kongressort sein wird. (Glaube keiner, Warschau oder Budapest werden nicht genug Abgaben-Schlupflöcher finden, ihre weltweiten Fluggäste gehörig über EU-Struktur-Ausgleichsmaßnahmen zu subventionieren).

  • ^^^^

    Was hat die CO2-Steuer nun mit dem Senat zu tun? Und wiese soll der "antikapitalistisch agierende" Senat in Zukunft keine Fluggäste aus Nicht-EU-Länder einreisen lassen?


    Au Backe, was für ein Geschwurbel...

  • ^Ganz davon abgesehen, dass die CO2-Steuern auch künftig ganz sicher nicht den Löwenanteil bei den Gesamtkosten eines internationalen Kongresses ausmachen werden. Berlin stand bei Kongressen seit über 15 Jahren in den weltweiten Top 5 (2019 war es Platz 3, aktuell ruht das Geschäft ja weitgehend).


    Die Chancen werden mit einem nochmals leistungsfähigerem, attraktiveren und noch besser angebundenen Kongresshotel ansonsten definitiv nicht schlechter werden. Da muss man mE nicht viel unken.

  • < Das gleiche Konzept war ja auch beim ICC angedacht mit dem Bau eines Hotelturms direkt neben dem Kongresszentrum. Und der Senat hat ja noch 2018 diese Pläne vehement unterstützt. Umso unverständlicher, dass dies nun nicht mehr gelten soll. Aber Verlässlichkeit ist halt so eine Sache in Berlin.