Leipzig: The Post - Revitalisierung ehemalige Hauptpost

  • Hotelpläne liegen auf Eis

    Unter der obigen Überschrift berichtet die LVZ heute, dass es durch einen Gesellschafterwechsel beim Besitzer Alta Fides zu einer Verzögerung der Hotelpläne und der Umgestaltung des Viertels bis zur Querstraße kommt. Aufgrund der Strukturänderungen würden geplante Projekte derzeit noch einmal geprüft. Ob die Hauptpost ein Hotel wird, sei daher momentan nicht klar.
    Seit einigen Tagen laufen Instandhaltungsmaßnahmen an der maroden Fassade, weshalb das Gebäude in Gerüste gehüllt ist.

  • Liebe Leute heute Früh sah ich doch im vorbeifahren das man alle beiden Neoschriftzüge auf der HP abbaute. Der von Bosch ist bereits weg und KIA baumelte gerade am Harken. Sah interessant aus, hatte aber leider keine Kamera um das festzuhalten :-((


    Is das nur ein Zeichen das es losgeht oder nur vorbereitende Maßnahmen?

  • Unter der Überschrift "Entscheidung für Hotelbau vertagt" berichtet die LVZ heute, dass es zwei Interessenten für die Betreibung der Hauptpost als Kongresshotel gibt, die allerdings ungenannt bleiben. Diese Aussage stammt vom neuen Vorstandsmitglied des Gebäudebesitzers Alta Fides, Rudolf Bartsch. Es werde auch aufgrund der Finanzkrise noch mindestens drei Monate dauern, bis eine Entscheidung zum Hotelbetreiber falle.


    Klingt meiner Meinung nach nach heisser Luft, aber vielleicht gibt es ja im Juni eine positive Überraschung :) Man darf gespannt sein.


    Grüße,
    *D

  • das Gebäude bleibt eingerüstet, zudem sind neue Werbebanner dran und auch ein Sicherungsnetz bzw. Schutzplanen.
    Zudem hat ja die Alta Fides ein neues Büro im Cityhochaus angemietet.
    Vielleicht doch ein Hoffnungsschnimmer auf baldige Sanierung

  • Ich kann mir denken was da los ist.
    Projekte dieser Größe werden durch Immobilienfonds finanziert. Dort brennt es aber derzeit lichterloh, da durch die derzeitige Wirtschaftskrise die Ertragsaussichten der Portfolios massiv geschwächt ist. Das führt zu hohen Wertberichtigungen und Abschreibungen.
    Jetzt neue Projekte anzufassen, steht einfach nicht auf der Agenda. Zudem muss ein Projekt zunächst den Investoren schmackhaft gemacht werden. Ob neuerliches Hotel in Leipzig da Anklang findet, wage ich leise zu bezweifeln.
    Ich sage mal voraus, daß der Bau dort noch lange auf sich warten lassen wird und auch mit geändertem Konzept realisiert wird.

  • für alle die es interessiert wie die Hauptpost einmal aussah..
    http://www.leipzig-ein-baustel…/Hauptpost1900%20001b.jpg


    Willkommen im Forum, sirwild. Das Foto habe ich in einen Link verwandelt, da Hotlinking, siehe DAF-Richtlinien, nicht erlaubt ist. Zudem gemäß unseren Richtlinien bitte immer eine Quelle unter das eingebundene Bild angeben. Gruß, Cowboy.


    ich denke das kann man unkommentiert stehen lassen..


    Leipzig war bis 1866 die Postzentrale des Königreiches Sachsen. Das Gebäude am Augustusplatz beherbergte die Oberpostdirektion.
    Im 2.Weltkrieg zerstört, wurde es von 1961 bis 1964 wieder aufgebaut. Das Bemerkenswerte an dem Neubau ist die vorgehangene Fassade aus Aluminium und Glas.


    :nono:

  • Leider bemerkenswert unspektakulär, zumindest für Otto Normal. Zwischen Europahaus bis zum Wintergartenhochaus wäre repräsentative Bebauung mal nicht schlecht. Zwei Hotels nebeneinander werten den Platz auch nicht gerade auf. Vielleicht wirds in 20 Jahren abgerissen.

  • Der eine oder andere "Otto Normal" würde vermutlich auch gerne die "bemerkenswert unspektakulären" kleinen Häuser aus der Vorgründerzeit abreissen lassen, die hier und da noch zwischen denen historistischen Mehrfamilienhäusern rumstehen, und sich an ihrer Stelle "schöne" neue Mehrfamilienhäuser mit großen Fenstern und Dachgarten wünschen.


    Erfreulicherweise entscheidet aber nicht Otto Normal über den Denkmalstatus, sondern die Fachbehörden. Und die haben mit enstprechender Begründung auch das Postgebäude unter Schutz gestellt. Gehen wir also besser davon aus, dass es auch in 20 Jahren noch steht, als Zeugnis seiner Zeit und mit welcher Nutzung auch immer. Es sei denn, der Denkmalschutz wird weiterhin torpediert und in Frage gestellt. Dann wackelt er aber als Ganzes und nicht nur für Bauten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

  • Das Problem ist doch, dass die Fachleute offensichtlich Architektur anders sehen als Otto Normal und dementsprechend die Wichtigkeit anders bewerten. Während "normale" Menschen das Schöne suchen, sieht der Fachmann darüberhinaus mehr. Das ist doch ganz ähnlich wie in der Musik, nur mit dem Unterschied, dass ich nicht in ein Neue-Musik-Konzert gehen muss, wenn es mir nicht zusagt. Aber Architektur ist, zumal an solcher Stelle, nuneinmal Massenware. Damit müssen auch Nichtfachleute leben. Es geht mir auch nicht darum, das plötzlich nicht mehr Fachleute entscheiden sollen, was schutzwürdig ist und was nicht. Aber diese Diskrepanz der Sichtweisen ist problematisch, oder?

  • die hauptpost war zur zeit ihrer entstehung keine "massenware".
    sie war der erste versuch einer aluminium-vorhangfassade in der ddr.


    stilistisch durchkomponiert, musste bei der technologie noch improvisiert werden. insofern stellt sie auch baukonstruktiv keine massenware dar.


    um mit einem misverständnis aufzuräumen: beim denkmalschutz geht es nicht um "schönheit", sondern um den schutz von baudenkmälern.

  • Massenware in dem Sinne, dass alle Menschen mit ihr klarkommen müssen, gerade weil sie an einem solchen Ort steht. Schon klar, aber den Menschen geht es in der Regel um Schönheit. Aber mal abgesehen von der Architektur: Zwei Hotels nebeneinander am Augustusplatz, dass schmerzt, wenn man sich vor Augen führt, wie dieser Platz einst aussah und welche Bedeutung er hatte.

  • fällt bei mir unter phantomschmerz.


    das alte postgebäude wurde seinerzeit übrigens auf dem gelände einer der ausspannen vor dem grimmaischen tor errichtet. insofern stünde eine wiederbelebung der hauptpost als hotel durchaus in der tradition des ortes.

  • Ich weiss gar nicht was ihr habt ! Der Augustuisplatz war sicher ein mal ein Beispiel wilhelminischer und anderer überkommener Achitektur. Das gerade er so stark im Kriege zerstört wurde und die Jahre der SED-Hrrschaft im noch schlimmer zugesetzt haben ist aber ein Faktum, dass nicht zu leugnen ist und ebensowenig kann man leugnen, dass eine komplette WIederherstellung weder jemals möglich noch sinnvoll war und ist.


    Und ich denke mit dem was wir nun am Augustusplatz bekommen werden kann man mehr als zufrieden sein !


    Die Bauten der Universität lassen die architektonische Tradition an diesem Ort schmerzlich wieder bewusst werden, erinnern durch ihre äußere Formgebung an das Gewesene und sind dennoch ein mutiges und sehr gekonntes Beipsiel heutiger Architektur, welches in jedem Falle würdig ist diesen Platz dort einzunehmen. Welche Stadt bitteschön hat denn solche Universitätsbauten von Vater Staate bekommen ? Da kann man abe erstmal lange suchen !


    Gewandhaus und Uni-Hochhaus wurden saniert und ergänzt und sind ebenfalls keine MAssenwar e der DDR sondern eher mal mutige Beipsiele jener Zeit, die es ebenfalls nicht verdient haben einfach bseitigt zu werden wie mittlerweile so vieles aus der DDR-Zeit in Leipzig. Das gerade am Augustusplatz so viel überkommen und erhalten bleiben wird ist doch in meinen Augen eher ein Glücksfall für die Stadt ! Das muss man mal ehrlich bekennen !!!


    Wartet mal ab bis alles fertig gebaut und saniert ist. Dann wird dieser Platz der einzige in Leipzig sein, der Wahrhaftigkeit widerspiegelt und Bauten aus allen Epochen der Geschichte der letzten 120 Jahre ( oder länger? ) aufweisen wird.


    Und das sind eben über einen langen Zeitraum gewachsene Strukturen ! Etwas auf das viele andere Städte, in denen ganze Quartiere in wenigern Jahren des Aufbaus nach dem Kriege hingeklotzt worden und heute verkommen, da sie keine Lebensqualität bieten und in jener Zeit einzig dazu dienten möglichst schnell Wohnungen zu schaffen um die vielen Flüchtlinge etc. unterzubringen.


    Leipzig hat hier wirklich eine Chance erkannt und etwas Einmaliges geschaffen, auf das man mit Recht stolz sein kann !

  • @ Abyssalon: was ist denn gegen eine Hotelnutzung einzuwenden? Und vor allem gegen gerade mal 2 Hotels am größten geschlossenen Platz Leipzigs? Ohne Hotelnutzung gäbe es den halben rekonstruierten Neumarkt in Dresden nicht... Tatsache ist nunmal, dass das Zeitalter der großen innerstädtischen Postgebäude vorrüber ist - Leipzig kann sich glücklich schätzen, dass die Gebäude zum Teil noch existieren (zwei wurden ja gerade renoviert), eine neue Nutzung muss also gefunden werden. Ich wäre gespannt auf deine Alternativevorschläge (wohlgemerkt, wie du schreibst "abgesehen von der Architektur")


    @ Tarsis: Sehe ich ähnlich. Der Augustusplatz umfasst beispielhafte Architektur beinahe jedes Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts (bis auf die Kriegsjahrzehnte) und des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts:


    • Dresdner Bank: 1910/11
    • Kaufhaus Bamberger & Hertz: 1912
    • Bankhaus Kroch: 1927/28
    • Europahaus:1928/29
    • Opernhaus: 1956-60
    • Hauptpost: 1961-64
    • Hotel Deutschland: 1962-64
    • Uniriese/City-Hochhaus: 1968-72
    • Gewandhaus: 1977-81
    • Probensaal des MDR: 1999-2002 (?)
    • Egeraat-Bauten: 2006-2010


    Wer sich für die Baugeschichte und die früher existierenden Gebäude interessiert, kann sich das interessante Buch "Der Leipziger Augustusplatz - Funktionen und Gestaltwandel" bei Google komplett anschauen.

  • Bei Gebäuden geht es aber numal unterm Strich wesentlich um die Optik und damit letztlich die Schönheit und nicht um die baulichen Hintergründe. Das interessiert vielleicht den ein oder anderen Ingenieur, Kunsthistoriker oder Architekten.


    Die ehemalige Fußgängerbrücke am Gördelerring ("blaues Wunder") war bis zu ihrem Abriss auch ein einmaliges Zeugnis ihrer Zeit und super funktional. Ich fand sie zumindest spitze, da man von oben schön den Verkehr beobachten und fotographieren konnte. Aber warum kam sie weg? Weil sie eben unschön aussah. So einfach ist das. Ich hab damit heute kein Problem mehr, weil ich es nachvollziehen kann.


    Und bei der Hauptpost wird es eventuell irgendwann mal ähnlich sein. Vom Hotel Deutschland (heute Radisson SAS) ganz zu schweigen. Klar ist es irgendwie ein Vertreter seiner Zeit bzw. eigentlich nur derer, die es erschaffen haben. So wie letztlich jedes Gebäude, welches irgendwann mal gebaut wurde und heute noch gebaut wird.


    Aber jedes Gebäude muss spätetens im Laufe der Zeit beweisen, dass es von der Bevölkerung angenommen wird. Die Hauptpost hatte nun mehr als 45 Jahre Zeit dafür. Dass sie in den letzten Jahren unter Denkmalschutz gestellt wurde, verwundert mich nicht wirklich. Sind es doch diejenigen gewesen, die damit zu DDR-Zeiten aufgewachsen sind und Erinnerungen damit verbinden und aufgrund des Untergeganges der DDR wenigstens etwas "ihrer" Vergangenheit retten wollen. Viel schönes gab es ja ab den 60ern nicht mehr in der DDR.


    Und wenn wir schon von Epochen und Gleichberechtigung reden, dann sollten wir nicht vergessen, dass die gesamte Ostseite, die Nordseite, die Südseite und die Südwestseite aus DDR-Zeiten stammen! Einzig die Nordwestseite stammt aus Vorkriegszeiten und an der Westseite wird ja bekanntlich derzeit noch gebaut.


    Warum man also am bedeutensten Platz der Stadt die mehr als optisch durchschnittliche Hauptpost für alle Ewigkeit erhalten soll, ist mir mehr als schleierhaft. Wegen einer Alu-Vorhang-Fassade? Soll dieser Fakt ernsthaft das alleinige Kriterium und der ausschlaggebende Punkt sein? Viel mehr würde ich in diesem Fall einen Abriss in erheblichem Ausmaß von der architektonischen und städtebaulichen Qualität eines Nachfolgerbaus abhängig machen! Solange das nicht gegeben wäre, was derzeit durchaus sein kann, dann würd ich die Hauptpost auch noch stehen lassen. Bei dem DDR-Gebäude mit der ältesten Apotheke Leipzigs in der Grimmaischen Straße soll es ja ähnlich gewesen sein. Da hat man den Bau aus Angst vor den miserablen Neubauten der TLG lieber unter Denkmalschutz gestellt. Ach ja, und vielleicht wäre es ja auch gar nicht mal so schlecht, wenn man auch mal die Einwohner fragen würde. Schließlich müssen die damit leben.



    So rein von der Architektur her könnt ich mir beispielsweise übrigens sehr gut sowas hier vorstellen: http://static.panoramio.com/photos/original/11355926.jpg (Hotel Concorde in Berlin)
    Ich glaub das würde sehr gut mit dem Europahochhaus harmonieren.

  • Legende, das blaue wunder kam weg, damit behinderte menschen sich beim straßenüberqueren am goerdelerring keinen muskelkater in den oberarmen holen mussten. nicht weil sie doof aussah.

  • Ach Mensch, LEgende, waren wir da nicht schon mal weiter? Bei der Wabenfassade der Blechbüchse (oder war es woanders?) wurde bereits ausführlich erklärt, wie und warum ein Gebäude eingetragenes Baudenkmal wird. Deine Milchmädchenrechnungen ala irgendwelche alte Männer und Frauen wollen in erster Linie aus (N)Ostalgiegründen ein paar Häuser und damit "wenigstens etwas "ihrer" Vergangenheit retten" entbehren nicht einer gewissen Komik. Ähnlich bei der Grimmaischen Straße: "Da hat man den Bau aus Angst vor den miserablen Neubauten der TLG lieber unter Denkmalschutz gestellt". Eine Unterschutzstellung ist ein förmliches Verfahren, da braucht es eine Begründung. Und die würde sicher nicht akzeptiert.


    Und noch mal, es geht bei Baudenkmalen gerade NICHT "numal unterm Strich wesentlich um die Optik und damit letztlich die Schönheit und [eben doch] um die baulichen Hintergründe". --> http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturdenkmal


    Kurt Novotny (1908-1984) war ein bekannter deutscher Architekt, das Leipziger Hauptpostamt (1961-64) ist ein wichtiges Zeugniss der DDR-Moderne. Nach Sigrid Brandt (Uni Salzburg) wäre der Bau "beinahe zu einer Inkunabel modernen Bauens in der DDR geworden." http://www.kunsttexte.de/2007-…t-sigrid-5/PDF/brandt.pdf Das unterscheidet das Gebäude deutlich von jedem 08/15-Plattenbau, auch wenn Du das nicht wahrnehmen willst.


    Das "Blaue Wunder" kam auch nicht weg, weil es nur mal eben unschön aussah. Das hatte verkehrspolitische, sicherheitstechnische und finanzielle Gründe, der fast 4 Millionen Euro teure Abriss war immer noch wesentlich günstiger als eine Sanierung. Außerdem vergleichst Du mal wieder Äpfel mit Birnen, denn das Teil war kein Denkmal und unter den Fußgängerbrücken der Welt auch nicht sonderlich herausragend.


    Und nur nebenbei: In einer Stadt, die Entscheidungen über Neubauten, Abrisse und Denkmalschutz vor allem Plebisziten überlässt, würde ich nicht mal tot überm Zaun hängen wollen.

  • Ich kann dem nur beipflichten ! Wenn es bei Denkmalschutz und Erhaltung nur um das jeweilige Schönheitsempfinden gehen würde - und das ist der Tenor dessen was du da sagst - dann würden wir etliches an Baudenkmälern heute nicht mehr haben !


    Denn dieses Schönheitsempfinden unterliegt nun mal wie fast alles einem kontinuierlichen Wandel. Es gäbe heute keine Gründerzeitviertel mehr, da diese in den 60er und 70er Jahren als überfrachtete Kisten angesehen und eben auch oft abgerissen wwurden, während man sich heute eine Wohnung in einem solchen Viertel in vielen Städten kaum noch leisten kann ! Und das wäre nur eines von vielen Beispielen.


    Wollten wir alles abreissen oder austauschen was irgendwann einmal nicht mehr gefällt bekämen wir wohl arge Probleme. Und die eruopäische Stadt wirkt - abgesehen von den zerstörungen des zweiten Weltkrieges - nun einmal deshlab so heimelig und urban, weil sie über Jahrhunderte gewachsen und nach und nach ergänzt und auch umgebaut wurden.


    Deinem Empfinden nach sollten 3/4 des Augustusplatzes abgerissen und dann komplett neu bebaut werden - am besten mit den Rekonstruktionen der alten Gebäude ?


    Wie realistisch ist das?


    Und ich finde diesen Augustusplatz schön wie er ist. Wirklich trotz aller Irrungen der Geschichte gewachsen und eben icht hingeklotzt dem Zeitgeist einer einzigen Dekade entsprechend ! Da kann man reden wie man möchte - so etwas hat Seltenheitswert !