Stadtgespräch Berlin

  • [...] Würden Architekten und Investoren z.B. wie Köche oder Schuhhersteller nur etwas verdienen, wenn die Endkunden dafür bezahlen, sähen unsere Städte ganz anders aus. [...]

    Das bedeutet die Mieter in Berlin würden ihre Wohnungen und Arbeitgeber ihre Büroflächen anhand der Fassadengestaltung auswählen, egal wie hoch die Miete ist. Um überhaupt eine Auswahl zu haben, die zu mehr Qualität führt, muss das Angebot deutlich größer sein als die Nachfrage. Es müsste ein erheblichen Leerstand geben. Das ist wohl mehr Wunschdenken als Realität.


    [...] Kaum ein Hotel oder Restaurant jenseits des Low-Budget-Bereichs kann es sich erlauben, im Inneren so trostlos oder unelegant zu sein, wie es die meisten modernen Gebäude von außen sind. [...]

    Das setzt voraus, dass der Marktanteil von hochpreisigen Hotels deutlich steigen müsste. Motel One, Meiniger etc., sehen von innen auch nicht so monoton aus wie von außen.

    Es ist wie bei billigen Lebensmitteln und der Massentierhaltung, nur solange wir es uns finanziell leisten können, kann jeder einzelne Einfluss auf das Angebot ausüben. Dazu muss aber auch der Wille da sein.

  • Es ist wie bei billigen Lebensmitteln und der Massentierhaltung, nur solange wir es uns finanziell leisten können, kann jeder einzelne Einfluss auf das Angebot ausüben. Dazu muss aber auch der Wille da sein.

    Sorry, aber das ist zu einem gewissen Teil eben jene Ausrede, die sich auch auf die Architektur übertragen lässt: Niemand wird gezwungen, jeden Tag Billigfleisch zu essen, im Gegenteil, es ist weder artgerecht für das Tier noch für die Ernährung des Menschen. Folglich kann es sich auch jeder leisten, da 1x Fleisch pro Woche sicherlich nicht teurer ist als jeden Tag Antibiotikapansche.


    Genauso verhält es sich mit der Architektur - Es geht ja überhaupt nicht darum, zum Zierrat der Gründerzeit zurückzukehren. Aber die Bereitschaft, einen Bruchteil des Gesamtkosten eben auch in die Gestaltung und städtebauliche Qualität einbringen zu wollen, funktioniert nicht, wenn ausschließlich BWLer über ein Projekt entscheiden.

    Und das liegt ja auch deinem Vergleich zum Angebot - Nachfrage im Wohnungsmarkt inne: Natürlich sind Leute bereit, auch deutlich mehr zu bezahlen, wenn die Alternative schlecht angebundene Platte im Problemkiez ist. Oder man wartet und bleibt in der zu kleinen Bestandswohnung oder zieht, wie leider vermehrt zu beobachten ist, gleich raus aus der Stadt.

  • [...] Und das liegt ja auch deinem Vergleich zum Angebot - Nachfrage im Wohnungsmarkt inne: Natürlich sind Leute bereit, auch deutlich mehr zu bezahlen, wenn die Alternative schlecht angebundene Platte im Problemkiez ist. Oder man wartet und bleibt in der zu kleinen Bestandswohnung oder zieht, wie leider vermehrt zu beobachten ist, gleich raus aus der Stadt.

    Das Angebot wird aber nicht dadurch besser (Gestaltung), wenn ich auf meine Nachfrage verzichte - indem ich in der alten Wohnung bleibe, aus Berlin wegziehe, oder es noch schlechtere Angebote gibt.


    Ich denke eine bessere Infrastruktur und Wohnungsgrößen, sind nochmal ganz andere Themen. Momentan ist es ja so, dass man jede Schrottimmobilie vermietet bekommt und das müsste sich ändern. Wenn ich jetzt in Berlin online nach einer Mietwohnung schauen würde, wären Ausstattung, Lage und Grundrisszuschnitt doch erst einmal meine entscheidenden Kriterien. Eine gehobene Ausstattung und Balkon kostet auch mehr - nach dem Motto "1x Fleisch die Woche reicht, aber dann Bio", werde ich deshalb mit Familie nicht in eine 40qm-Wohnung ziehen.


    Die Frage ist doch, wie man Investoren dazu bewegen kann mehr in die Gestaltung und Umgebung zu investieren, auch wenn man es nicht auf die Kaltmiete umlegen kann. Konzeptvergaben, oder mehr Wettbewerbe wären da eine Möglichkeit.

  • ^hat man ja auch gesehen - selbst der irre Florian Schmidt hat letztens in einem Interview zugegeben das der Vorstoß mit dem Mietendeckel in Berlin, letztendlich die Umwandlung in Eigentumswohnungen beschleunigt hat. Die einfache Erkenntnis, dass man bei hoher Nachfrage einfach mehr Angebot liefern muss ist für die Linke einfach sehr schwer zu verstehen. Durch Corona hat man nun sogar nochmal einen Vorsprung gewonnen, denn die Einwohnerzahl selbst ist in 2020 ziemlich genau um 0% gestiegen.


    Mod: Bezieht sich hierauf. Bitte bleibt sachlich und beachtet die Forennetiquette!

  • Die einfache Erkenntnis, dass man bei hoher Nachfrage einfach mehr Angebot liefern muss ist für die Linke einfach sehr schwer zu verstehen.

    Und für die Liberalen ist halt schwer zu verstehen, dass Angebot und Nachfrage zwar eine Rolle spielen, aber keineswegs die einzige auf einem hochspekulativen Markt mit immer größerem Kapitaleinsatz. Es ist so einfach, es sich einfach zu machen...

  • ^Steckt in deinen Worten auch irgendeine Lösung für die abgrundtief asoziale Wohnmisere, unter der Berlin aktuell zu leiden hat? UrbanFreak plädiert für mehr Angebot - nicht mehr und nicht weniger. Und es ist exakt das, was Berlin auf hochdramatische Weise fehlt. Da kannst du dir deine FDP-Ressentiments schlichtweg mal hinstecken, wo die Sonne nicht scheint. Ich schreibe das als jemand, der im Leben nicht einmal die FDP gewählt hat. Aber im Angesicht einer für unzähliche Familien und Bürger hochdramatischen Lage den benannten Bedarf von mehr Angebot am Markt mit einer so flachen Replik abtun zu wollen, ist wirklich sehr, sehr schwach.

  • ^ Habe ich gegen mehr Angebot argumentiert? Nein. Ich habe lediglich festgestellt, dass wir es mit mehr zu tun haben als einem Angebotsdefizit. Wenn Du diese Feststellung für "flach" hältst und "Scheel und die Seinen" für alles verantwortlich machen willst, sei Dir das gegönnt. Dann kannst Du sicher auch erklären, warum sich in London oder Paris selbst manche Banker kaum noch eine Wohnung leisten können (ganz ohne das Wirken der Linkspartei) .


    Der "Immobilienboom" und seine Folgen sind – zumindest für die Metropolen – ein globales Phänomen. Nein, ich weiß nicht, wie das zu lösen ist. Aber ich werde nicht so tun, als wüsste ich es, indem ich ein lokales Bauressort allein dafür verantwortlich mache.


    (Und spar Dir bitte den beleidigenden Tonfall. Wir sind beide erwachsen.)

  • ich bin nur noch genervt von dieser debatte.


    Zitat "Architektenkind":

    "aber keineswegs die einzige auf einem hochspekulativen Markt mit immer größerem Kapitaleinsatz."

    "Nein, ich weiß nicht, wie das zu lösen ist. "


    Aha. Erkenntnisgewinn = 0.


    Konkreter Vorschlag: Wenn man die Zeit in der Pandemie genutzt hätte um den Rand des Tempelhofer Feldes zu bebauen, gäbe es wahrscheinlich bereits genug Wohnungen. Und durch das 30% Modell des Berliner Senats, gäbe es damit auch sogenannte "Bezahlbare Wohnungen".

  • Für mich ist die Lage in Berlin seit vielen Jahren viel zu dramatisch für diesen ordinären Tribalismus. Wer auch immer das sozial existenzielle Bauressort für sich reklamiert, muss damit rechnet, hart kritisiert zu werden, wenn er total versagt. Und die oben beschriebenen banalen 60-Quadratmeter-Wohnungen in einem banalen Kiez für vollkommen unerschwingliche Wahnsinnssummen sind der sehr, sehr traurige Beweis für Letzteres.

  • ^ Sehr schöner Zirkelschluss. Architektenkind hat versucht, dir zu erklären, dass "die oben beschriebenen banalen 60-Quadratmeter-Wohnungen in einem banalen Kiez für vollkommen unerschwingliche Wahnsinnssummen" vielleicht nicht unbedingt die alleinige Schuld eines lokalen Bauressorts sind, du begründest dessen "totales Versagen" (das du ins Thema gebracht hat) wiederum genau damit, um dich dann über ordinären Tribalismus zu beschweren. Ich vermute, du kannst richtig dufte mit dir selbst diskutieren.

  • Zu dem Thema passt ein Interview der Berliner Zeitung mit dem Immobilienökonomen Andreas Beck zu den hohen Kaufpreisen für Wohnungen. Er sieht eine gesamtdeutsche Immobilienblase, die durch die niedrigen Hypothekenzinsen und große Mengen an Kapital getrieben wird. Derzeit seien die Immobilienpreise um bis zu 50 Prozent überbewertet. Allerdings geht Herr Beck davon aus, dass die Werte wieder zurückgehen. Aufgrund der demografischen Entwicklung sei langfristig mit einer sinkenden Immobiliennachfrage zu rechnen. Daher rät er vom Kauf von Immobilien ab, für ihn ist der Kauf von Immobilien ein "Hochrisikoinvestment".

    https://www.berliner-zeitung.d…perte-sagt-nein-li.189984

  • Das Problem liegt doch hauptsächlich in der Anspruchshaltung der Menschen die denken sie hätten ein Anrecht darauf innerhalb des S-Bahn Rings wohnen zu können. Als ob es ein Verstoß gegen die Menschenwürde wäre wenn man am Stadtrand oder in Brandenburg lebt.

  • Das Problem liegt nicht daran, dass es zu wenig Wohnungen gibt. Sondern daran, dass es zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt. Es wird zu viel am Bedarf vorbei gebaut, Wohnungen dienen in großem Maße als Investitions- und Spekulationsobjekte, die Ansprüche an die Größe des Wohnraums sind gestiegen sind und es wird (unfreiwillig) viel seltener umgezogen als früher.


    Auch wenn es Politiker fast jeder Couleur und die meisten anderen Menschen gebetsmühlenartig wiederholen und als einzige Lösung propagieren: Bauen, bauen, bauen ist aufgrund des Klimawandels und der fortschreitenden Umweltzerstörung nicht der richtige Weg. Jede (Neu)bebauung versiegelt weitere Fläche, reduziert Grün, trägt zur Aufheizung der Stadt bei, verbraucht Ressourcen, zieht mehr Verkehr nach sich usw. usf.

    Wohnen ist ein Grundrecht. Hier müssen mehr und strengere regulative Maßnahmen ergriffen werden. Ja, das ist ein Eingriff in den "freien Markt" - aber dieser regelt eben nicht alles von alleine, jedenfalls nicht für alle und erst recht nicht für die Umwelt.


    Ein paar Aspekte:


    Leute müssen z. B. in kleinere Wohnungen umziehen können, ohne das Gleiche oder sogar mehr als vorher an Miete bezahlen zu müssen (und letztlich in ihrer zu großen Wohnung bleiben).


    Der Wohnungsbau sollte vorzugsweise - besser noch ausschließlich - auf bereits versiegelten Flächen (brachliegenden Industriegeländen, Parkplätzen, Flachbauten usw.) erfolgen statt Kleingärten, ehem. Friedhöfe oder gar die grüne Wiese zu bebauen. Alternativ muss für jeden neu versiegelten qm ein anderer entsiegelt werden.


    Städte und Kommunen müssen ausreichend eigene Wohnungen vorhalten mit festen Mietpreisen.


    Ja, was das Thema Wohnen angeht, bin ich für massive Eingriffe in den freien Markt! Und dass das Thema einer großen Zahl an Menschen unter den Nägeln brennt, sieht man u. a. am Volksentscheid.


    Und nein, das muss nicht zwingend zu Zuständen wie in der DDR mit verrottetem Wohnungsbestand führen. Z. B. in Wien ist die Situation bekanntlich viel besser und Wien gilt nun nicht gerade als unattraktive und runtergerockte Stadt.


    Davon abgesehen halte ich die Lebensqualität in einer Stadt, auch in deren Zentrum, für deutlich höher, wenn es eine gute soziale Mischung gibt. Davon profitieren letztlich alle und es gibt mehr Vielfalt bei Geschäften, Gastronomie und Kultur. Die zunehmende Aufteilung in innenstädtische Viertel mit überwiegend bis ausschließlich Wohlhabenden und sozial schwache Viertel eher am Stadtrand war noch nie und ist auch weiterhin keine gute Entwicklung.

  • Wenn wirklich am Bedarf vorbei gebaut würde, würde es leere Wohnungen geben, die keiner kauft. Das ist nicht der Fall.

    Es wird einfach zu wenig gebaut. Dass der Bedarf an günstigen Wohnraum naturgemäß größer ist als an hochpreisigen, ist dabei kein Widerspruch sondern zum großen Teil das Ergebnis der Politik der letzten 15 Jahre. Natürlich ist Berlin auch Opfer seines Erfolges geworden. Die wenigsten haben 2005 damit gerechnet, dass die Entwicklung so kommt, wie es dann eintrat. Und die Politik hat viel zu spät reagiert.

    Krassestes Beispiel dafür der desolate Schulneubau. Dort hatte man eine Vorlaufzeit von sechs Jahren oder zehn für die Gymnasien oder Gesamtschulen, anhand der Geburten und wusste recht genau, was auf die Bezirke zukam, sehenden Auges ist man in die Katastrophe gegangen. Das ist für mich unfassbar. Es ist ein Armutszeugnis. In München stampft man modernste Bildungszentren mit allen Pipapo aus dem Boden, ob Freiham oder Riem. in Berlin baut man bessere Container auf den letzten Drücker.


    Die Warnungen von einer Blase halte ich für nicht begründet. Seit Jahren liest man das immer wieder. Natürlich wird die Nachfrage sinken wenn die Zinsen steigen, allerdings werden die Preise bestimmt nicht um 50% fallen, das ist totaler Blödsinn.


    Nur bauen wird das Problem Wohnungsmangel nicht lösen, aber ohne bauen wird es bestimmt nicht gelöst.

    Und einen Tod muss man sterben. Keiner traut sich an die Traufhöhe, Verdichtung ist eine andere Problematik und an die gigantischen Kleingärtenflächen traut sich auch keiner ran. Leerflächen und Baulandspekulation müssten jährlich besteuert werden, Warum wird die Eigentumsquote nicht erhöht durch Mietkaufangeboten von Seiten des Senats und anderen Modellen? Das wäre ein wirksames Mittel um Menschen die ansonsten kaum Chancen hätten, zu Eigentum zu bringen. Es gibt Möglichkeiten, aber sie werden bei weiten nicht ausgeschöpft.


    Hier ein Artikel aus der TAZ ! Also wenn selbst die das so sehen....


    https://taz.de/Fehlender-Wohnraum-in-Grossstaedten/!5609116/

  • Für mich ist die Lage in Berlin seit vielen Jahren viel zu dramatisch für diesen ordinären Tribalismus.

    "Ordinärer Tribalismus" ist, wenn man eine monokausale Erklärung kritisiert und auf komplexe Verhältnisse verweist? Meinetwegen. Fakt ist: Bisher hat die Berliner Politik die Preisexplosion am Wohnungsmarkt nicht in den Griff bekommen – weder bei den Miet- noch bei den Eigentumswohnungen. Darüber darf man sich durchaus bei der Linkspartei beschweren, weil sie 2016 genau dafür angetreten war.


    Fakt ist aber auch: Jede andere wichtige Stadt in Deutschland hat ähnliche Probleme. Der Trend ist, wie erwähnt, global und hat hierzulande inzwischen selbst die Provinz erreicht. Unter den Großstädten hat Berlin längst nicht höchste Teuerungsrate (die hatte vergangenes Jahr Köln) und auch nicht die höchsten Preise – bei den Mieten liegt es auf Platz 4, bei den Eigentumswohnungen auf Platz 7.


    Versuchen wir mal, ein paar allgemeine und hausgemachte Ursachen für Berlin zu trennen.


    Allgemein sind zum Beispiel:


    - Das Wachstum der Stadt: Mehr Leute steigern die Nachfrage, folglich steigen die Preise.

    - Die von Theseus532 erwähnten Niedrigzinsen. Der Geldmarkt liegt seit über 10 Jahren am Boden: Institutionelle Investoren weichen auf andere Anlageformen aus – und Immobilien sind ganz vorne dabei. Milliarden strömen in den Markt und treiben die Preise.

    - Auch Privatanleger sehen in der Kombination von günstigen Krediten und steigenden Immobilienpreisen eine gute Anlagemöglichkeit und kaufen Eigentum bei niedrigen Zinsen, aber zu horrenden Preisen.

    - Daraus abgeleitet ändert sich die Angebotsstruktur: Wer wenige Mietwohnungen besitzt (z.B. einen Gründerzeitblock) hat einen hohen Verkaufsanreiz; Investoren können bis dato günstige Mietwohnungen aufkaufen und wandeln sie in teures Eigentum um. Neu gebaut wird mit Vorliebe im Hochpreis-Segment (ohne dass das Ergebnis sonderlich luxuriös sein müsste).

    - Hohe Baukosten: Ein extrem kompliziertes Baurecht und steigende Materialkosten machen den Neubau günstiger Wohnungen für private Bauherren unrentabel. Diese Aufgabe lastet fast allein auf den Schultern von Genossenschaften und städtischen Gesellschaften.


    Hausgemacht sind zum Beispiel:


    - Der niedrige Bestand an kommunalen Wohnungen (ein Kardinalfehler der Nullerjahre).

    - Der niedrige Bestand an geförderten Wohnungen (auch ein Kardinalfehler, aber längerfristig entstanden).

    - Der zu lange verzögerte und zu langsam umgesetzte Wohnungs-Neubau – zum Teil aus Rücksichtnahme auf Nimbys, zum Teil wegen falsch gestellter Weichen (Tempelhofer Feld), zum Teil wegen Planung im Schneckentempo.

    - Fehlerhafte Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung – die Politik hat zu lange mit der Hypothese der schrumpfenden Stadt kalkuliert. Als sie das Wachstum endlich erkannte, war es für vorausschauende Maßnahmen bereits zu spät.


    Den Wohnungsbestand versucht die Stadt zu horrenden Kosten wieder aufzustocken; der Neubau kommt allmählich in Fahrt, läuft aber immer noch schleppend. Außerdem stellt sie Bestand unter Schutz, den einige unter den hier aktiven Angebots-Theoretikern gerne abreißen würden (Stichwort: Wilhelmstraße). Schließlich versucht sie, in die allgemeinen Prozesse steuernd einzugreifen – inwieweit das funktioniert, wirkungslos bleibt oder gar kontraproduktiv ist, vermag ich nicht zu entscheiden (mögen sich andere hier totsicher sein).


    Insgesamt halte ich den Druck auf dem Markt derzeit für viel zu hoch, als dass die Kommunalpolitik von sich aus das Ruder herumreißen könnte. Keiner Stadt in Deutschland scheint das zu gelingen, egal wer regiert. Und andere (Welt-)Metropolen haben längst aufgegeben. Deshalb hatte ich oben geschrieben, ich kenne die Lösung nicht. Und wer sie zu kennen glaubt ("bauen, bauen, bauen"), macht es sich m.E. zu leicht.


    P.S.: Die ganze Debatte kann gerne in den Gentrifizierungs-Strang verschoben werden, dort ist sie richtig.

  • Das Problem liegt nicht daran, dass es zu wenig Wohnungen gibt. Sondern daran, dass es zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt. Es wird zu viel am Bedarf vorbei gebaut, Wohnungen dienen in großem Maße als Investitions- und Spekulationsobjekte, die Ansprüche an die Größe des Wohnraums sind gestiegen sind und es wird (unfreiwillig) viel seltener umgezogen als früher.

    Von Ideologien ist Deutschland im Jahre 2021 leider völlig infiziert, nur das Problem ist, dass sich diesen die Wirklichkeit entzieht. Jede weitere Wohnung hilft. Egal ob teuer oder billig. Wenn diese Wohnung nicht gebaut wird, dann nimmt der Reiche halt dem ärmeren seine Wohnung ab (Eigenbedarf oder Preisüberbietung bei der Suche).


    Liebes Architektenkind, sie haben die völlig überzogenen Vorschriften durch die Politik für Umwelt, Klima, "Nachhaltigkeit" etc. für Neubauten vergessen, die die Baukosten in unnatürliche Höhen treiben. Günstiger Wohnungsbau scheitert einfach schon an der Kalkulation, der Politik sei Dank.

  • Auch wenn es Politiker fast jeder Couleur und die meisten anderen Menschen gebetsmühlenartig wiederholen und als einzige Lösung propagieren: Bauen, bauen, bauen ist aufgrund des Klimawandels und der fortschreitenden Umweltzerstörung nicht der richtige Weg. Jede (Neu)bebauung versiegelt weitere Fläche, reduziert Grün, trägt zur Aufheizung der Stadt bei, verbraucht Ressourcen, zieht mehr Verkehr nach sich usw. usf.

    Wohnen ist ein Grundrecht. Hier müssen mehr und strengere regulative Maßnahmen ergriffen werden. Ja, das ist ein Eingriff in den "freien Markt" - aber dieser regelt eben nicht alles von alleine, jedenfalls nicht für alle und erst recht nicht für die Umwelt.

    Ich lese wirklich selten solche realitätsfernen Kommentare und noch seltener kommentiere ich solche. Die Tatsache das dein Beitrag aber scheinbar 8 Personen aus diesem Forum begeistert, nötigt mich dazu. Gleichzeitig reflektiert sie das seltsam abstruse Weltbild so mancher Berliner Politiker.


    Ist euch eigentlich bewusst das Deutschland in den letzten Jahren um Millionen (!) Einwohner gewachsen ist?! Wo sollen die denn leben wenn nicht mit „bauen, bauen, bauen“?!


    Es hat doch hier niemand etwas dagegen, wenn man bereits versiegelte Flächen benutzt, wie z.B. den verf***** Rand des Tempelhofer Feldes aber uups, warte – doch ein paar Irre schon. Also dann: Wo willst du bauen? Wie willst du (schnell) dafür sorgen, das rasante Bevölkerungswachstum abzufangen? Nach Herkunft Wohnungen zuweisen? Nach politischer Einstellung? Wollen wir losen? Egal was du tust, wenn es nicht genug Wohnraum gibt, wird das über den Preis geregelt. Und bei billigen Wohnungen wird Berlin noch aufpassen müssen, dass sich kein illegaler Schwarzmarkt mit noch höheren Preisen bildet.

    Die Lösung lautet nach wie vor: bauen, bauen, bauen und dann können sich alle freuen (bis auf die hoch verschuldeten), wenn die Blase platzt.

  • Zur Lösung der Wohnungsfrage kann man ja mal in zwei Länder schauen, die dieses Problem „on the fly“ lösen. Da gibt es einfach riesige Wohnungsbauprogramme, die vor allem mit Bauen in die Höhe den innerstädtischen Druck lösen.

    USA: die Bevölkerung wuchs seit 1990 um 80 Mio Menschen auf 329 Mio. Da wird vor allem in den Innnestaedten massiv nachverdichtet. Deutschland haette in der USA Analogie heute 105 Mio Einwohner.

    Israel: Wachstum der Bevölkerung seit 1990: 100% (von 4.4 Mio auf 8.8 Mio), die Bevölkerung wächst pro Jahr um 1.8% , das waren dann in Deutschland ca 1.5 Mio neue Bürger pro Jahr. In Tel Aviv gibt es mehr Hochhausprojekte als in D zusammen. Mal umgerechnet auf die Einwohnerzahl Berlins: wenn die Berliner so bauen würden wie die Israelis, dann würden pro Jahr 23.000 neue Wohnungen entstehen (2020 in Berlin: 16.000). 7000 neue Wohnungen mehr pro Jahr würde die Lage schon deutlich entspannen.

    Daten: central bureau of statistics, housing starts 2020.

  • Das Problem liegt doch hauptsächlich in der Anspruchshaltung der Menschen die denken sie hätten ein Anrecht darauf innerhalb des S-Bahn Rings wohnen zu können. Als ob es ein Verstoß gegen die Menschenwürde wäre wenn man am Stadtrand oder in Brandenburg lebt.

    Ein Umzug nach Karow, Helle Mitte oder gleich Wildau ist für viele eben mit einem deutlichen Rückgang an Lebensqualität verbunden.

    Dass man einer solchen Zäsur im eigenen Leben nicht freudstrahlend entgegenmarschiert kann ich gut nachvollziehen - ein wahrgenommenes Anrecht erkenne ich daraus nicht.