Stadtgespräch Berlin

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    Wenn ich Flyn richtig verstanden habe, dann glaubt er zwar nicht, dass die Chaoten die Entwicklung nachhaltig ändern können, regt sich aber über einen gewissen absolutistischen Anspruch auf, der nicht nur jeden Diskurs ablehnt sondern auch Aggression/Gewaltbereitschaft als legitimes Mittel ansieht.


    Insbesondere Letzteres lehne auch ich entschieden ab.

  • ^^ Dem stimme ich zu. Ich fürchte, dass durch die Aktionen einiger Verblendeter ein echter Dialog nicht zustande kommt. Die Menschen, die Sorge vor Gentrifizierung haben, täten gut daran, sich von den kriminellen Aktionen zu distanzieren.

  • Aus Sammelthreat Berliner Westen



    „Das schöne Haus im Hintergrund“ ist eine olle im Inneren nach Linoleum und Bohnerwachs stinkende Mietskaserne aus der Nazi-Zeit. Manchmal muss ich mich doch sehr wundern hier über die unkritische Verklährtheit von allem was älter ist als 20 Jahre.


    Ja das ist ein schönes Haus. Baujahr 1931.Im Inneren dieser Gebäude riecht es schon lange nicht mehr nach Bohnerwachs.
    Das Gebäude ist Teil eines Ensembles,dass auf Grund von Kriegsschäden heute nur noch teilweise in ursprünglicher Form existiert.
    Die enorme Baumasse wurde bei diesen Zwischenkriegsbauten auf eine großstädtische aber nicht monströse Erscheinungsform sehr geschickt gelöst.
    Vielfach waren dass genossenschaftlich organisierte Bauvereine.Diese Mietskasernen stellten jahrzehntelang ein Refugium der sog.kleinen Leute dar,mit relativ strengen Regeln,weswegen solche Siedlungen oft als spiessig empfunden wurden.


    Meiner Meinung nach zählen die Zwischenkriegssiedlungen zu den städtebaulich besten,was dass 20.Jahrhundert hervorgebracht hat. Sie bieten den Bewohnern viel bessere Verhältnisse als die meisten Gründerzeitler.
    Keine engen Hinterhöfe,keine Aussentoiletten.viel Grün im Hof und oft auch vor der Tür.Balkone oder Loggia sind die Regel.
    Je nach Bautyp unterscheidet sich der Wohnkomfort.Es gibt,insbesonders bei einigen Bauten kleine Fenster,was zu geringeren Lichteinfall führt.Zum Beispiel bei den Bauten am Grazer Damm.Die Wohnungen der 20er und 30 Jahre Bautensind nicht so üppig bemessen wie die Vorderhauswohnungen der Gründerzeitler an den grossen Strassen.Wohnungen mit mehr als 200 m² sucht man bei den Zwischenkriegsbauten vergeblich.Den engen Hinterhofwohnungen sind die Zwischenkriegsbauten aber um längen überlegen.


    Zum Dach.Natürlich hat das Dach einen Sinn.Zum Wäschetrocknen,als Abstellraum,was streng limitiert und geregelt ist/war. Als heimlicherTreffpunkt
    mit der schönen Nachbarin,so mancher Berliner ist auf dem Dachboden entstanden.


    Nachfolgend ein paar Fotos von Berliner Zwischenkriegsbauten.Es gibt Dutzende solcher Siedlungen in der ganzen Stadt.Die Fotos verdeutlichen,welchen Gewinn an Raum und Wohlgefühl die großstädtische aber grüne Bebauung mit sich bringt.



    Hier nocheinmal das von einigen kritisierte Haus in der Dudenstrasse,mir gefällt es.




    Bayernring Tempelhof


    direkt neben dem Haus in der Dudenstrasse,zwischen General Pape Strasse und Loewenhardtdamm befindert sich der Schwerbelastungskörper.


    Grüner Innenhof in Schmargendorf


    Spandau Pichelsdorfer Ecke Wever Strasse



    Spandau mit Flachdach in der Wever Strasse



    direkt gegenüber steht dieser Bau,kann jeder selbst entscheiden,ob er Flachdach oder klassisches Dach bevorzugt.



    alles eigene Bilder,gemeinfrei hochgeladen mit http://www.pic-upload.de/

  • Der IBB-Wohnungsmarktbericht...


    Der Wohnungsmarktbericht deutet daraufhin, dass Plattenbausiedlungen beliebter sind als innerstädtische Gründerzeitviertel?


    Ein Aspekt ist mir hier beim Durchblättern noch gar nicht untergekommen: Der höchste Leerstand ist natürlich oft in sehr beliebten Wohnvierteln, da dort die meisten Sanierungsobjekte und Spekulationsobjekte sind - da es um längerfristigen Leerstand geht, dürften die einen hohen Anteil an diesen Zahlen haben, die vordergründig deine These bestätigen, dass außenbezirkliche Siedlungen besser vermietet werden, als Wohnungen in innerstädtischen Gründerzeitvierteln.

  • Die Hausbesetzter-Szene wird älter

    In Pankow hat eine Gruppe Rentner aus dem Umfeld ehemaliger SED-Anhänger eine Villa besetzt. Die Villa diente füher Erich Mielke als Wohnsitz und ist damit durchaus ein symbolträchtiger Ort, da Mielke der Chef der Stasi war und sein Name damit für brutale Unterdrückung und staatliche Willkür in der DDR-Diktatur steht. Nach der Wende zog in die Villa eine "Freizeitstätte" für Senioren ein, die nun aber geschlossen werden soll. Der Bezirk Pankow möchte das Haus verkaufen und die Freizeitstätte nicht weiter finanzieren. Im Artikel wird am Rande geschildert, wie die Symbolträchtigkeit der Villa auch heutige Generationen gefangen nimmt. Für die meisten Menschen stand der Name Mielke für Terror, für die Anhänger der SED (und heute der Linken) erzeugt der Name wohl eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl gegen die neue demokratische Ordnung, in der sie zu den Verlierern gehören.


    Meine Meinung: Man sollte diese renitenten Stasi-Rentner rausschmeissen und in dem Haus entweder ein Museum über den Stasi-Terror einrichten oder es gleich plätten. Auf keinen Fall darf es sein, dass sich die Linken hier mal wieder als Anwalt der Wendeverlierer aufspielen und den vermeintlichen Kampf Davids gegen Goliath für ihre eklen politischen Zwecke misbrauchen.


    Link zum Artikel: http://www.zeit.de/2012/35/Senioren-Hausbesetzung-Berlin

  • Induktion.


    Gegenfrage: Wer verehrt Erich Mielke auch heute noch? Du hast zwar recht, in dem Artikel wird es nicht explizit erwähnt, aber man muss kein Genie sein, um aus den vorhandenen Informationen abzuleiten, dass die Rentner um die es geht nicht gerade unter der DDR-Dikatur gelitten haben sondern eher profitiert haben. Wenn sie sich dermaßen für die Hinterlassenschaften eines hochkarätigen Politbüromitglieds und verurteilten Mörders einsetzen, müssen sie sich diesen Vorwurf gefallen lassen. Wer glaubt, dass ein normaler DDR-Bürger dem Stasi-Mielke auch nur eine Träne hinterhergeweint hat, hat offenbar in der jüngeren Geschichte nicht aufgepasst. Also, entweder standen die Rentner der Stasi nahe oder haben andernweitig von der realsozialistischen Diktatur profitiert. Die Bezeichnung STASI-Renter ist somit gerechtfertigt. Das Involvement der Linken (aka. PDS aka. SED) ist dementsprechend bezeichnend und zeigt dass diese Partei nichts in einer Demokratie verloren hat.

  • Mach mal halblang, Necrocatz. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Rentner aus der Villa eine Erich-Mielke-Gedächtnisstätte machen wollen. Nach allem, was in der Presse veröffentlicht worden ist, geht es nur um einen Seniorentreff. Erich Mielke hat in Villa ja lediglich bis 1960 gewohnt, das Haus diente also viel länger als Seniorenfreizeitstätte als als Mielke-Wohnhaus. Ich denke also, man sollte sich da mit Unterstellungen zurückhalten.


    Ansonsten ist der Artikel der Berliner Zeitung vom 30.6.2012 zu empfehlen, der die Motivation der Rentner gut beschreibt.


    http://www.berliner-zeitung.de…er,10809148,16511618.htmlsind

  • Tja, so ist das eben, wenn man überall kommunistische Verschwörungen wittert und dann Beleidigungen "induziert", anstatt die recht simple Tatsache zu akzeptieren: da wollen einfach ein paar ältere Menschen den Ort behalten, der es ihnen ermöglicht, weiterhin am öffentlichen Leben teilzuhaben.

  • Vielleicht ist ein unschöner Rückgriff aus der Klamottenkiste der Diskussionskultur angebracht, um den Sachverhalt etwas offensichtlicher zu machen. Ich rede selbstverständlich von einem Nazivergleich, aber dazu später mehr. Ich habe den Eindruck, dass meine beiden Vorredner - vielleicht aus politischer Befangenheit - meinen Punkt nicht verstanden haben. Zunächst einmal, finde ich es sehr schön, wenn ältere Menschen nicht immer nur den Rand der Wahrnehmung gedrängt werden, sondern die Gelegenheit haben sich für einander und für ihre Umgebung einsetzen. Dagegen habe ich nichts und ich finde, dass dies eigentlich in unserer Gesellschaft der Normalzustand sein sollte. Dabei ist es egal, welcher politischen Splittergruppe diese Leute angehören - dies und andere Dinge sind übrigens Errungenschaften die uns viele Menschenleben gekostet haben und auf die wir zu recht stolz sein können. Wo ich aber etwas dagegen habe, ist die Tatsache, dass manche Menschen heutzutage immer noch die Unverschämtheit besitzen, die jüngere Geschichte nach ihrem Geschmack zurechtzubiegen und die ungeheuerliche Ungerechtigkeit die von der SED-Diktatur an der Bevölkerung verübt worden ist, zu relativieren. Ich habe auch etwas dagegen, wenn ein politscher Mörder und Folterknecht verharmlost wird. Ich habe etwa dagegen, wenn die PDS/SED/Linke sich entblödet, ein paar altersstarsinnige Überbleibsel aus dem DDR-Bonzentum zu hofieren um sich als Rächer der Entrechteten aufzuspielen. So und jetzt kommt der Nazivergleich - das alles wäre in etwa so, als würde jemand einen Rentner-Treffpunkt in Hermann Görings Villa eingerichtet und ab und zu würden ein paar Politiker von der NPD vorbeischauen.

  • Ich finde es schlimm was in Berlin passiert. Ich habe das Gefühl man genehmigt bei jedem erstbesten Investor jedes Bauprojekt, hauptsache es wird gebaut. Das sieht man bei Mediaspree, am Hauptbahnhof und am Alex und verteilt in der gesamten Stadt. Es entsteht fast nur billiger Blechbau. Ich bin wirklich dafür, dass man die nächsten Jahre am besten garnichts mehr genehmigt (Überspitzung). Berlin wächst und die Freiflächen werden langfristig sehr Wertvoll sein und irgendwann finden sich Investoren die es um Berlins Stadtbild ernst meinen. Berlin muss es irgendwie schaffen, dass wieder Namenswerte Architekten ihre Hände im Spiel haben


    Von dort hierher verschoben. Dürfte hier besser aufgehoben sein.
    Bato

  • ^^
    Dass Architektur besser wird, nur weil die Grundstückspreise steigen ist eine Illusion. Sieh dir 99% der Neubauten in München an, wo´s schön teuer ist, und du wirst zustimmen.
    Überhaupt: Neubauten sehen in Berlin (trotz einiger Griffe ins Klo) fast immer um Längen besser aus als anderswo, vor allem als im reichen Süddeutschland (BW+BY), wo man irgendwann vor 30 Jahren ästhetisch einfach stehengeblieben ist.

  • Ich finde es schlimm was in Berlin passiert. Ich habe das Gefühl man genehmigt bei jedem erstbesten Investor jedes Bauprojekt, hauptsache es wird gebaut.


    Also irgendwie widerspricht der Beitrag über dir genau dieser These... das Projekt wird eben nicht so gebaut, wie ursprünglich geplant.
    Manchmal wäre es aber besser, man würde auch beim ersten Entwurf bleiben und sich nicht durch äußere Einflüsterungen beeinflussen lassen - siehe Daimler.

  • JoshuaTP: Sicher sind die bisherigen Bauten um den Hauptbahnhof und am Alex nicht so dolle. In der Gegend um die o2Arena erwarte ich auch keine gute Architektur. Aber im Osthafenbereich sieht es schon besser aus, und der Wettbewerb für die Wohnhochhäuser auf Treptower Seite hat doch einen guten Entwurf hervorgebracht. Ich würde auch nicht sagen, dass in der ganzen Stadt nichts Gutes mehr gebaut wird, im Gegenteil finde ich, dass es viele schöne und interessante Projekte gibt.


    Die Projekte hier z.B. da!Ausgewählte Architektur in und aus Berlin
    oder auf dieser Liste aus Stimmanns Buch Stadthäuser (teilweise allerdings schon etwas älter)
    oder andererseits die Bauten von den Architekten Nöfer/Kollhoff/Kahlfeld sind doch Beispiele, die zeigen, dass in Berlin ganz gut gebaut wird.

  • Hey ;) @Atze


    Ich verfluche auch nicht jede Architektur in Berlin, es gibt nachwievor Projekte die mir sehr gut gefallen das oben war wirklich überspitzt, es geht mir hier insbesondere um eben die benannten größeren Entwicklungsgebiet Mediaspree, Hauptbahnhof und Alexanderplatz. Ich finde diese Gebiete einfach zu wertvoll für so austauschbare Architektur.

  • Bitte mehr Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit

    Import



    Zitat von Potsdamer Platz Arcadien

    ähem-- und was ist mit dem tunnel am adenauerplatz unter dem kudamm???
    nicht so schnell mit steinen werfen hier!


    Eure Antworten sind ziemlich suboptimal. Das ist das, was ich meine. So macht es keinen Spaß zu diskutieren, wenn das Gegenüber eine mehr als offensichtlich tendenziöse Herangehensweise hat und nicht an einer ernsthaften Diskussion interessiert ist.


    Fällt es Euch so schwer, einzugestehen, daß das Ost-Zentrum eine einzige urbane Todeszone ist/war? Im Gegensatz zum Westen?


    Ich bin selbst DDR-Bürger. Anders als unser Kätzchen muß ich die DDR und alles Linke nicht zwanghaft dämonisieren. Ich habe eine neutrale und differenzierte Haltung.


    Da hilft es auch nicht, die Fehlentwicklungen des Westens zu zitieren und dann auch noch auf verhinderte Fehlentwicklungen hinzuweisen. Was soll das?


    Wir sind hier doch nicht, um unbedingt recht zu behalten. Die City West war bis in die 90er ein Mythos und brodelnde Urbanität. Das Ost-Zentrum um den Alex ist in der Fläche heute noch nahezu tot - abgesehen vom Alex selbst.


    Ich weiß echt nicht, was ich bei solchen Beiträgen noch sagen soll.


    Da Ihr offenbar noch nie in Berlin ward, empfehle ich Euch beim nächsten Besuch mal die Karl-Marx-Allee anzuschauen, die Mollstraße, die Alexanderstraße, die Karl-Liebknechtstraße, den Leninplatz, die Leninallee.


    Einige Sünden aus DDR-Zeit sind ja leider schon weg. Wenn wir in 30 Jahren im Osten eine brodelnde City aufgebaut haben, dann habt ihr vielleicht doch noch recht.


    Ich gehe nicht auf jedes Detail ein. Man kann zu allem von Euch Gesagten leicht selbst die Gegenargumente finden. Es macht so einfach keinen Spaß. Ich bezeichne solch eine Art der Diskussion als ein "Sich Dummstellen".


    Blöderweise sind im Osten Gropiusstadt und Märkisches Viertel mitten im Zentrum zu finden und es wurden massenhaft Vorkriegsüberreste und -strukturen zerstört. Nach meinem Empfinden beträgt die Versündigung an der Stadt im Westen nur ein Viertel des Wertes, den der Osten zustande gebracht hat.


    PS: Der Adenauerplatz ist nicht der Wittenbergplatz oder die Joachimstaler. Ich hatte mir übrigens auch schon beim Schreiben gedacht, daß dieser Gag kommen wird. Danke Arcadien.

  • Statt hier rumzupolemisieren solltest Du besser auf Argumente eingehen - so haben sich das die Griechen zumindest bei der Erfindung des Begriffs "Diskussion" gedacht.


    Es ist doch völlig egal ob Du selbst in der DDR "Bürger" warst (jetzt ja offenkundig nicht mehr - mangels DDR ) oder nicht. Es ist auch unwichtig, dass ich geborener Berliner bin und meine Stadt kenne.


    Entscheidend ist doch, ob es zwischen dem autogerechten Städtebau und der Architektur der 70er Jahre wesentliche und strukturelle Üterschiede zwischen Ost und West gibt - und das kann ich nicht erkennen.


    Wenn Ulbricht das Berliner Schloß nicht gesprengt hätte hätte es der Westberliner Senat mit dem Charlottenburger Schloß gemacht. Ganze Stadtviertel wie an der Lindenstraße in Kreuzberg sind für den den DDR-Platten in nichts nachstehenden Mehringplatz abgebrochen worden. Diese Beispiele liessen sich beliebig vermehren.


    Und die City-West "bis in die 90er" als "Mytos und brodelne Urbanität" zu bezeichnen kann nur ein schlechter Witz sein. Ich bin da aufgewachsen, das einzige was da geblubbert hat war der Wasserklops.

  • Du gehst nicht auf Argumente ein und polemisierst. Schade. So hat es keinen Zweck.


    Ergänzung: Ich finde im Umfeld des Breitscheidplatzes nicht annähernd eine solch monströse Architektur und in solch einem Ausmaß wie um den Alexanderplatz. Wenn man diesen erheblichen qualitativen Unterschied offenbar leugnet, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.


    So macht das Diskutieren halt keinen Spaß. Es gibt erhebliche strukturelle Unterschiede im Ost- und Westberliner Städtebau. So ist das nun mal.


    Dies hat sehr offenkundig politisch-gesellschaftliche Ursachen. Was soll man da noch sagen?