Matthäusareal - Neuentwicklung mit 135-m-Hochhaus geplant

  • Ich finde es schade, dass man die Kirche abreißen möchte – sie steht städtebaulich hervorragend und prägt das Viertel. Statt moderner Betonwürfel mit zufälligen Lochmustern hätte man ihre ursprüngliche neogotische Gestalt bewahren oder rekonstruieren sollen. Durch frühere Modernisierungsmaßnahmen, bei denen traditionelle Elemente wie Backsteinfassade und Turm durch schlichte Glas- und Betonflächen ersetzt wurden, hat sie viel von ihrem historischen Charme eingebüßt. Das Geld für den Neubau hätte ich lieber in eine Wiederherstellung der Originalarchitektur investiert.

    Die Matthäuskirche nach ihrer Einweihung 1905

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    (Bildrechte abgelaufen)

  • ^^ darf das HH bestimmt nicht RYAN-FRA, mMn, zumal an der rechten Engstelle noch "Parken" drüber steht und hier vlt. die Einfahrt zu einer TG wäre.

    Die Hessenschau hat noch ein paar Infos. Der Bau der Kirche wird vom evangelischen Regionalverband organisiert, den Hochhausbau soll dann Becken verantworten. Der HR befrage den Pressesprecher des Verbands Ralf Bräuer betreffs eines Zeitplans. Dieser sprach von aktuell erst einmal laufenden Genehmigungsverfahren (kirchen-intern oder extern oder beides?). Wann Baubeginn und Fertigstellung sein soll, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch lange nicht fest, soweit dazu.

  • Ich muss sagen, ich bin insgesamt enttäuscht von der gesamten Gestaltung des Areals - insbesondere im Zusammenspiel mit "Das Präsidium" nebenan. Wie man auf der ersten Visualisierung sieht, wird der komplette Blockrand vom ehemaligen Polizeipräsidium zerstört. Bisher bilden historisches Polizeigebäude, Präsidium-Anbau und Kirche alle eine Einheit in der Höhe und Tiefe, was nun alles zerstückelt wird.

    Die gesamte Form des Kirchengebäudes, sowie die leicht schräge Drehung zur Straße hin lassen es eher nach einem in der Perspektive schlecht eingesetzten KI-Entwurf aussehen. Auch die frei hingewürfelten Schießscharten auf der Wandfläche sind in meinen Augen vollkommen geschmacklos. Manche sind so klein, dass sie nur noch als Taubennest oder Dreckansammlung dienen werden.

  • Fettucine: Du hast vielleicht nicht mitbekommen, dass gewisse Umstände vor 81 Jahren dazu geführt haben, dass es von der ursprünglichen neogotischen Gestalt nichts mehr zu bewahren oder zu rekonstruieren gab. Vielleicht hast du auch nicht mitbekommen, dass gewisse Umstände die Ev. Kirche zu der Entscheidung geführt haben, den viel zu großen, bautechnisch abgängigen Kirchenbau aus der Nachkriegszeit, dessen Unterhaltung ihr die Haare vom Kopf frisst, durch ein kleineres, den heutigen Verhältnissen angepasstes Gebäude zu ersetzen. Niemand braucht dort ein neogotisches Kirchenmonster, die Ev. Kirche am allerwenigsten. Rekonstruktion in allen Ehren, aber nicht immer und nicht überall.

    Einmal editiert, zuletzt von tunnelklick (27. Mai 2025 um 14:33) aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • @tunnelclick Rekonstruktionen sind doch in Frankfurt immernoch eher selten. Ich hätte es deutlich besser gefunden, die bestehende Kirchenfassade behutsam anzupassen (auch wenn nur teilweise oder leicht) und das Hochhaus wie geplant daneben zu setzen. Die ursprüngliche Kirche war architektonisch deutlich reizvoller – und so wie es derzeit aussieht, wird an ihrer Stelle bald nur noch eine Baracke stehen.

  • Das Bestandsgebäude aus den 1950er-Jahren wirkt mit seiner abweisenden Fassade zur F.Ebert-Anlage hin geradezu schrecklich – und schneidet selbst im Vergleich zu anderen Bauten dieser Zeit schlecht ab. Möglicherweise aufgrund knapper Ressourcen wurde an den Fenstern gespart: Sie sind auffallend schmal, weit auseinander gesetzt und erinnern eher an Schießscharten. Auf der schmalen Seiten gibt es überhaupt keine Fenster. Insgesamt hat das Gebäude etwas von einem düsteren Bunker. Ich war einmal im Inneren – und auch dort herrscht eine bedrückende Tristesse.

    Demgegenüber überzeugt der neue Entwurf durch seine Offenheit, Helligkeit und einladende Wirkung. Ich werde dem alten Kirchen-Gebäude keine Träne nachweinen und hoffe, dass es schnell in Angriff genommen wird.

    Einmal editiert, zuletzt von itchedSky (27. Mai 2025 um 22:59) aus folgendem Grund: Friedrich Ebert-Anlage muss es heißen, nicht Th. Heuss Allee

  • Das Kirchenschiff nicht zu bewahren, leuchtet schon ein, aber den Turm finde ich persönlich architektonisch und städtebaulich schön, einen Ausdruck von Geschichte und durch seinen Stil in der Tradition der Moderne auch gut integrierbar. Aber wie auch beim Bethmannhof scheint man in Frankfurt ja teilweise rigoros mit Altbestand umzugehen. Anderswo erntet inzwischen jeder Abriss einen Aufschrei, auch bei der Architektenschaft, die allerdings erkennbar eher ein Herz für alles ab den 1960ern hat.

    An der Visualisierung ist mir zuallererst die unehrliche Darstellung von Material und Licht aufgefallen. Ich finde auch solche Perspektiven immer fragwürdig. Der Fußgänger-Perspektive sollte, wo immer möglich, der Vorzug gegeben werden.

    Der 1,5-geschossige Gebäudeteil mit Restaurant wirkt auf mich viel zu niedrig. Neben einem Wolkenkratzer scheint so eine Unternutzung von Boden mir etwas unpassend. Zur Kirche: ob ich es als angenehm empfände, wenn mich beim intimen Moment eines Gottesdienstes die Passanten angaffen, wer weiß. Aber vielleicht sieht man da auch nur einen Veranstaltungsraum, Vorhänge gibt es ja auch. Trotzdem: zu viel Glas. Ob der kleine dreieckige Vorplatz wirklich genutzt wird oder nur eine verlorene Teilfläche wird? Dazu mal wieder der wahnsinnige Einsatz von Stahlbeton, um so eine, die Statik auf den Kopf stellende Konstruktion machen zu können. Alles schon hunderttausendmal gesehen, ebenso die durcheinandergewürfelten Fensteröffnungen und die Lamellen. Auf mich wirkt es jetzt schon etwas altmodisch, wie wird das erst in einigen Jahren sein? Der Baubeginn scheint ja noch ein Weilchen entfernt.

    Das Hochhaus finde ich noch am Überzeugendsten. Die Knicke geben dem Ganzen etwas zwar nicht Originelles, aber Interessantes. Ob die Fensterbänder so kommen, ist wirklich eine entscheidende Frage. Das Dachgeschoss sieht so aus, als würde es nicht im 90-Grad-Winkel auf dem Gebäude sitzen, sondern ihm noch einen angeschrägten Abschluss geben.

  • Leuchtet mir nicht ein, dass auch das Kirchenschiff dran glauben muss. Die aktuelle Fassade mag relativ banal und abweisend wirken (Sanierung mit ein paar kleineren Umbauten, möglichst inspiriert von der Vorkriegskirche, könnte da aber noch jede Menge rausholen), hat aber ein relativ ordentliches Stadtbild generiert, da es sich bezüglich Kubatur, Höhe und Dachform nahtlos in die Nachbarbebauung eingefügt hat.

    Da bin ich voll bei frankfurter13, finde die Zerstückelung dieses Stadtraums durch lauter Solitäre (derzeit gültige aber hoffentlich noch massiv anzupassender Neubauentwurf auf dem PP-Areal tanzt schon sehr aus der Reihe, aber dieses furchtbare komplett jegliche Fluchtlinien ignorierende Etwas das hier jetzt vorgesehen ist schießt in jeglicher Hinsicht den Vogel ab) ist absolut inakzeptabel. Und für mich sogar die noch schlechtere Nachricht als der eh schon extrem bedauerliche Abriss des Kirchturms.

    An diesem Projekt gibt es in meinen Augen absolut nichts positives (Hochhaus für sich sieht halbwegs ok aus, ist aber auch nichts weltbewegendes, zumal auch dafür noch ein weiterer Altbau geopfert wird). Von daher hoffe ich dass hier noch viele Jahre rein gar nichts passiert, bis vielleicht irgendwann mal Entscheider an die Schaltstellen kommen, die noch ein Mindestmaß an Gespür fürs Stadtbild haben.

  • „Kubatur“ ist ein passender Begriff. Denn was dort aktuell steht, ist meines Erachtens lediglich eine Kubatur – eine Volumenskizze einer Kirche. Doch Kirchengebäude sollen mehr sein als nur funktionale Versammlungsräume. Auf Wikipedia lässt sich gut erkennen, welcher depressive „Geist“ durch die Räume des bisherigen Baus weht. Man meint, den strengen protestantischen Pietismus beinahe riechen zu können – und genau darin zeigt sich, dass das Nutzungskonzept nicht mehr zeitgemäß ist.

    Es überrascht daher kaum, dass selbst die Pfarrerin keine besondere Zuneigung zu dem Gebäude empfindet. Aus dieser Perspektive ist es konsequent und richtig, die Kirche neu zu denken und anders anzugehen. Dass dabei ein Solitär entstanden ist, der sich bewusst gegen die Blockrandbebauung – und sinnbildlich gegen den „alttestamentarischen Muff“ – stellt, ist logisch und folgerichtig. Die Einfahrt in die Stadt wird dadurch zweifellos spektakulärer, und das Stadtbild wird sich sichtbar verbessern.

  • Heute haben Meixner Schlüter Wendt eine andere Perspektive des Kirchenneubaus herausgegeben. Die Konstruktion der Gebäudehülle ist dort wesentlich besser zu erkennen.


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    Bild: Meixner Schlüter Wendt

    Vom Äußeren des bestehenden Kirchturms bleibt übrigens doch etwas erhalten. Das zur Friedrich-Ebert-Anlage in die Fassade des geplanten Kirchengebäudes integrierte Kreuz ist das von der Spitze des bestehenden Kirchturms (laut FAZ). Darüber hinaus besteht für Teile der inneren Ausstattung Denkmalschutz, darunter das Altarwandrelief und das Kanzelrelief, auch für die Glasgestaltung. Der Erhalt dürfte damit sichergestellt sein, allerdings nicht zwingend am heutigen Ort. Foto des im Obergeschoss liegenden Kirchenraums:

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    Bild: C. Krienke / Landesamt für Denkmalpflege Hessen

  • Werde den Kirchenturm auch vermissen, hatte er doch etwas an das man sich gern erinnert. Da wird der Lange Franz wieder aufgebaut und dieser Turm hier abgetragen, das versteh ich nicht. Die Neubauten erwecken in mir wenig den Eindruck, dass ich mich gerne nochmal an sie erinnern werde. Dieses "alt versus neu", das Frankfurt mitunter prägt heutzutage gibts dann einfach an der Ecke nicht mehr wirklich, wie man am Rendering sehen kann. Das macht einen schon traurig, keine Frage.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Doch Kirchengebäude sollen mehr sein als nur funktionale Versammlungsräume.

    Architektonische Egotrips haben noch nie ein Stadtbild irgendwo verbessert sondern das genaue Gegenteil erzeugt. Und hier sieht man es schon an den Visus dass genau das eintreten wird.

  • Ein Kirchen-Konzept ist kein Egotrip, eher form-follows-function. Eine Konzerthalle, ein Theater, ein Einkaufszentrum oder eine Sportarena passt auch nicht immer in die Blockrandbebauung. Die Architekten hier haben schlicht ihren Job gemacht und sich Gedanken über moderne Kirchen, Zusammenkunft, Transparenz usw.. gemacht. Diese gespiegelte L-Form Struktur (links im Entwurf) zeigt, auch, dass sie einen Bezug zum Block aufgebaut haben

  • Selbstverständlich erhält die Matthäuskirche nicht den ersten Preis für den besten Wiederaufbau in der Stadt. Auch die Funktionalität ist sicherlich nicht perfekt. Und wenn man sich die Nutzung anschaut, dann war diese bei einer schrumpfenden Gemeinde nicht optimal. Doch seien wir mal ehrlich: Der Kirchturm hat auf jeden Fall eine identitätsstiftende Wirkung. Er steht für Kontinuität und eine hohe Wiedererkennbarkeit. Es ist ähnlich wie beim ebenfalls für den Abriss vorgesehenen Bethmannhof: Die Matthäuskirche gehört einfach zum Stadtbild dazu. Frankfurter, Pendler und Messebesucher aus dem In- und Ausland kennen seit Jahrzehnten den Blick auf den charakteristischen, quaderförmigen Glockenstuhl der evangelischen Kirche. Schon immer zog die Frankfurter Skyline ihre Faszination aus dem Kontrast zwischen alten Häusern und Türmen und den dahinter aufstrebenden, überragenden Wolkenkratzern. Dieser unverwechselbare Mix aus Alt und Neu wird durch den vorliegenden Siegerentwurf für immer zerstört.

    Da stellt sich die Frage, warum die Kirche mit dem stadtbekannten Turm überhaupt abgerissen werden soll. Trotz aller Gründe war die Verlockung eines lukrativen Immobiliengeschäfts wohl einfach zu groß. Für die weitere Nutzung der Kirche hätte man – wenn dies wirklich gewollt gewesen wäre – an diesem markanten Ort mit Sicherheit eine alternative Nutzung gefunden. Man denke nur an ein internationales Begegnungszentrum, einen kirchlich-kulturellen Melting Point an der Schnittstelle zur Messe. So hinterlässt das Bauprojekt am Ende einmal mehr einen faden Beigeschmack. Ein Kirchenturm mit hohem Wiedererkennungswert wird ohne Not abgerissen und durch einen beliebigen Neubau ersetzt. Der Stadt, den Investoren und auch dem Denkmalschutz scheint es reichlich egal zu sein. Die Verlierer sind einmal mehr die Bürger und Besucher der Stadt. Sie verlieren ein weiteres Stück Identität in einer Stadt, die sich zunehmend zur Unkenntlichkeit verändert.

  • Natürlich wäre der Turm der Matthäuskirche in irgendeinem Dorf kaum der Rede wert. Doch an diesem Ort ist er etwas Besonderes. Er ist das Ergebnis vieler Jahrzehnte Geschichte, und, was noch viel wichtiger ist, er steht wie kaum ein anderes Bauwerk für die extremen Kontraste, die Frankfurt ausmachen und für die die Stadt bekannt ist.

    Für mich war dieser Turm, schlicht und zugleich markant vor der Kulisse der Hochhäuser, eines der ersten Bilder, das ich bewusst mit Frankfurt verbunden habe. Umso unverständlicher ist es für mich, dass es keine klare Vorgabe war, zumindest den Turm zu erhalten, gerade wegen seiner Bekanntheit.


    Sicherlich stellt der Erhalt des Turms eine Herausforderung dar, aber sie wäre lösbar gewesen. Ein auf Stelzen gesetzter Gebetsraum mit Schießscharten erscheint mir an dieser Stelle gestalterisch unpassend.

    Alle Entwürfe des ausführenden Büros in Bezug auf moderne Kirchenbauten entsprechen nicht meinem persönlichen Geschmack. Zu kalt, zu emotionslos, regelrecht abweisend.

    Das Hochhaus ist in seiner Kubatur möglicherweise vertretbar, die übrige architektonische Umsetzung überzeugt mich jedoch nicht.

  • Ich bin auch kein brennender Fan der Entwürfe, aber wir sollten da vielleicht wirklich etwas schachlicher sowie Fakten-orientiert ran gehen und noch gleich in den Telenovela-Modus hoch schalten.

    Die Frage warum das Areal neu entwickelt werden soll Wikos , stellt sich ja schon eine zieeemlich lange Weile – das Ganze begann vor mehr als 25 Jahren. Und wir sollten vielleicht auch nicht außer acht lassen warum – denn der evangelische Regionalverband, wollte sich vor Ort gerne verkleinern und sich dem mittlerweile überdimensionierten Gotteshaus an dieser Stelle entledigen. Solche Gebäude sind ja nicht nur hübsch anzusehen, sie kosten natürlich auch jede Menge Geld in der Unterhaltung (zum Großteil übrigens Steuergeld).

    Hierzu gab es im Laufe der Jahre auch verschiedenste Entwürfe und Ideen, ob man das Gotteshaus stehen lassen und irgendwie umfunktionieren könnte, es vielleicht gar in einen Neubau integrieren könnte, oder eben nicht. Einer der jüngsten Entwürfe von „Morger Partner Architekten GmbH, Frankfurt / Manuel Herz Architekten, Basel“ hatte den Turm ja sogar bis zuletzt eingebunden und damit leider nur einen dritten Platz im Architektur-Wettbewerb erzielt.

    Ich fände es ebenso wie Adama auch schade, wenn der Turm verschwände und hätte ihn gerne integriert gesehen. Und keiner der Entwürfe lässt mich jubeln. Ich halte aber auch nicht gerade sehr viel von solchen fragwürdigen Superlativen wie...

    Dekoratives Anführungszeichen

    Die Verlierer sind einmal mehr die Bürger und Besucher der Stadt. Sie verlieren ein weiteres Stück Identität in einer Stadt, die sich zunehmend zur Unkenntlichkeit verändert.


    Frankfurt = Veränderung
    – seit der Nachkriegszeit immer gewesen.
    Das Mosaik des Phönix am Römer trifft die Essenz der Stadt eigentlich ziemlich gut. Und ja es gab auf dem Weg auch einige Stolpersteine und Fehlschläge (wie das z.B. das technische Rathaus), aber selbst die wurden dann auch oft auf Grund des stetigen Wandels wieder revidiert.

    Und es stimmt auch nicht, dass die Bürger der Stadt dabei stets verlieren – nicht mal ansatzwiese.
    Wir haben die Altstadt zurück, die Mainufer erobert und sind dabei diese auszubauen, es gibt jede Menge neue Parks, bestehende werden gerade großflächig saniert. Der lange Franz bekommt seine historische Gestalt zurück, die vormals hermetisch abgeriegelten Business-Quartiere im CBD erhalten öffentliche Durchwegungen und Nutzungen, komplett versiegelte tote Plätze werden entsiegelt und erhalten Bäume und Pflanzen, der ÖPNV wächst, die Museumslandschaft auch... Meines Erachtens wird Frankfurt stetig besser, es arbeitet an sich und das konstant! Natürlich kann es sein, dass einem nicht alle Entwicklungen persönlich zusagen. Aber aus einem ungeliebten Projekt abzuleiten, die City würde sich „zunehmend zur Unkenntlichkeit verändern und die Bürger würden dabei stets verlieren“ wird Frankfurt meines Erachtens so gar nicht gerecht.


    Nun aber mal wieder zurück zum Projekt, vielleicht sollten wir mal die öffentliche Präsentation der Entwürfe abwarten und dann mal schauen, warum, weshalb und wieso die Architektur so gewählt wurde. Und was zum 3ten Platz der Variante mit dem integrierten Kirchenturm gefüht hat, vielleicht gibt es dafür ja sogar nachvollziehbare Gründe!?

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Und es stimmt auch nicht, dass die Bürger der Stadt dabei stets verlieren – nicht mal ansatzwiese.
    Wir haben die Altstadt zurück, die Mainufer erobert und sind dabei diese auszubauen, es gibt jede Menge neue Parks, bestehende werden gerade großflächig saniert.

    Wenn, dann musst Du mich schon richtig zitieren. Von "stets verlieren" habe ich nichts geschrieben. Wie auch immer, natürlich steht Frankfurt am Main für Veränderung - das ist auch gut so - das gehört auch zur DNA der Stadt. Ich selber freue mich auch über (fast) jedes neue Hochhausprojekt in der Stadt. Trotzdem muss man bei stadtbildprägenden Gebäuden mit Weitsicht agieren und kann nicht alles damit begründen, dass sich die Stadt immer wieder Wandeln und verändern muss. Mir wäre es lieb wenn Gebäude wie z. B. das Schumanntheater und das Rundschau-Haus noch in der Stadt stehen würden. Und so ist es auch bei der Matthäuskirche. Es gibt immer eine Möglichkeit den Kirchenturm stehen zu lassen und in ein Neubauprojekt zu integrieren. Wenn der Wille da ist.

  • "Wille" ist das Stichwort. Mir geht es wie vielen von Euch: Den Turm habe ich liebgewonnen, und ich würde ihn gerne auch zukünftig als identitätsstiftenden Kontrast inmitten des Hochhauspulks sehen.

    Allerdings ist es nicht gottgegeben, dass die Eigentümerin – die evangelische Kirche – dem Erhalt ihres Kirchturms besondere Priorität einräumt. Der Vorstandsvorsitzende des Ev. Regionalverbands und Stadtdekan von Frankfurt saß in der Jury mit nur drei weiteren Juroren: Dieter Becken, Marcus Gwechenberger und Tobias Vogel (Stadtplanungsamt). Funktionale Aspekte können eine größere Rolle spielen, zum Beispiel der Wunsch nach einem angepassten Raumprogramm und einem barrierefreien Zugang des Gebetsraumes direkt vom Gehweg bzw. Platz aus, ohne Treppen hinauflaufen zu müssen. Und das Projekt muss finanziert werden, was die Kirche ja bekanntermaßen durch Grundstückserlöse erzielen möchte. Deren Entscheidung ist letzlich zu respektieren.

    Unverständlich ist mir, warum nicht vor längerer Zeit auch der Turm mit seiner interessanten stilistischen Mischung einen Schutzstatus erhalten hat.

  • Naja, von der Kirche ist da eh nichts zu erwarten, insbesondere nicht von der evangelischen, die sich in Deutschland eher nur noch als theologische Vorfeldorganisation der linken Parteien geriert. Die massenhaften Kirchenaustritte sprechen Bände, und die rühren nicht etwa daher dass die Leute generell unreligiöser geworden wären.

    Aber es saßen ja offensichtlich auch noch zwei Vertreter der Stadt im Preisgericht. Da fragt man sich schon, was die da bei den Sitzungen gemacht haben. Das beste für die Stadt rausgeholt haben sie ganz offensichtlich nicht.

  • Sorry, dass ich da beim Antworten auf Dein Zitat (welches selbst natürlich 1 zu 1 übernommen war), nicht ganz ungenau war @wilkos. Auf „Die Verlierer sind einmal mehr die Bürger...” folgte „...,dass die Bürger der Stadt dabei stets verlieren“ – Ich wollte damit in keinster Weise deine Aussage verändern und habe sie lediglich etwas unbedacht und freier formuliert erwidert. Sorry dafür. Es ging mir dabei lediglich darum, dass ich den etwas resignierenden und verbittert klingenden Unterton der Message für überzogen hielt

    Ich bin zudem auch ganz bei Dir, dass man bei all der Entwicklung Rücksicht auf historische, prägende oder identitätsstiftende Gebäude nehmen sollte. Und ja, wir haben auf dem Weg leider auch schon einiges Verloren, was man besser erhalten hätte. Und natürlich sollte man auch nicht einfach alle fragwürdigen Entscheidungen mit dem Argument eines vermeintlich notwendigen steigen Wandels einfach so durchdrücken. Auch da gebe ich Dir absolut recht.

    Ich würde den Turm zudem auch gerne in der Skyline erhalten. Ähnlich wie @epizenturm sehe ich aber auch die teils recht komplexen Aspekte die ggf. dazu geführt haben könnten, dass der Turm im Planungsprozess der letzten 25 Jahre, irgendwann unter die Räder gekommen ist. Das macht es im Zweifel ja nicht richtiger, falls er nun abgerissen werden sollte. Ich hoffe dass die Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse zumindest ein wenig Licht ins Dunkel bringen kann und man das ganze Thema mit etwas mehr Detailwissen, vielleicht besser diskutieren kann.


    Sidenote:

    Dekoratives Anführungszeichen

    Naja, von der Kirche ist da eh nichts zu erwarten, insbesondere nicht von der evangelischen, die sich in Deutschland eher nur noch als theologische Vorfeldorganisation der linken Parteien geriert.

    Wie immer – ein unnötiger, polemischer Seitenhieb ohne jeglichen wirklichen Bezug zum Thema in die Politik. Aber es wäre ja auch schon fast überraschend gewesen, wenn der hierbei mal ausgeblieben wäre.