Wohnen in Düsseldorf

  • Ich bin auch davon überzeugt, dass hohe Wohngebäude Qualität haben können - und ich denke da nicht nur an solitäre Hochhäuser.


    • Denkbar sind auch Blockbebauungen mit neun oder zehn Obergeschossen und sehr großer Gesamtwohnfläche


    • oder eben Hybriden nach dem Kathedralenprinzip: Hochhaus und Blockbebauung als Ensemble. Das Portobello ist dafür ein gutes Beispiel. Gestalterisch eröffnen sich so ganz erhebliche Chancen und das Verhältnis von Wohnfläche zu Grundstücksfläche kann sehr gut sein. Als Geschosshöhen kann ich mir hierbei 6-10 bzw. 16-22 Geschosse vorstellen und ggf. eine mehrgeschossige Tiefgarage.
  • Es wollen aber sicher nicht nur "Bonzen" nach Düsseldorf ziehen.


    Mein Vorschlag wäre den Bürobau auf einige Flächen zu begrenzen (GAP/ Kennedydamm/ Berliner Allee etc) und dort mit Hochhausbebauung dem Flächenmangel entgegenzuwirken. Gleichzeitig müsste Wohnbebauung auch über die üblichen 5 Etagen hinausgehen. 6-8 Etagen wären da durchaus möglich.

  • Ansage dazu aus dem Planungsamt: Hochhausbebauung geht nur im hochpreisigen Segment. Im Sozialbereich oder mittelpreisigen Segment führt sowas immer zu Problemen.


    Deshalb funktioniert Portobello und deshalb funktionieren gewisse südliche Stadtteile nicht: Es braucht eine gute Lage, die sich hochwertig vermarkten lässt. Welche guten Lagen außer dem Hafen, Kö und am Hofgarten gibt es, die sich für hochwertige Wohnhochhäuser eignen? Mehr Wohnhochhäuser am Rhein? Das will doch niemand.

  • Wohnhochhäuser können ganz nett sein, funktionieren aber langfristig nur als Luxus-Solitäre an ausgewählten Standorten (Portobello-Haus). Der Luxuswohnungsmarkt stellt aber ein sehr kleines und spezielles Segment dar; auch hier in Düsseldorf.


    Hochhäuser sind ideale Bauwerke zur Selbstdarstellung des Erbauers / Investors; in einigen Fällen können sie (genau wie hohe Kirch- oder Fernsehtürme) als Orientierungspunkte in der urbanen Landschaft dienen. Aber im Allgemeinen überwiegen die Nachteile.


    Im Allgemeinen ist aber das Problem der Entwicklung von ausreichendem und qualitativem Wohnraum für breitere Mieter- und Käuferschichten mit Hochhäusern nicht zu bewerkstelligen.


    In Düsseldorf geht es zudem nicht um benötigte Einzelprojekte, sondern um die nachhaltige Entwicklung ganzer Quartiere. Hier werden in erster Lnie die Bodenpreise für ausgewogene und sozial durchmischte Lebensräume entscheidend sein.


    Es geht um den Erhalt von Lebensqualität in der Stadt und darum, vor allem sozial bessergestellte Familien (Mittelschicht) wieder vermehrt nach Düsseldorf zu locken. Dafür müssen geeignete Wohnquartiere zur Verfügung gestellt werden.


    Der Flächenverbrauch ist bei Hochhäusern übrigens auch nicht wirklich geringer; rechnet man z.B. die benötigten Verkehrsflächen für den von einem Hochhaus angezogenen Individualverkehr mit ein.

  • @#146:
    Ich denke v.a. an die erweiterte Innenstadt: Golzheim, Derendorf, Düsseltal, Flingern-Nord, Oberbilk, Friedrichstadt, Bilk, Unterbilk. Vorzuziehen sind natürlich Standorte die städtebaulich neu zu ordnen sind. Intakte Altbauviertel mit solchen Großprojekten platt zu fahren macht sicher keinen Sinn.


    Günstigen Wohnraum neu zu errichten ist ohnehin schwer. Der entsteht eher durch den Verfall von Vierteln. Wohnraummangel (etwa aufgrund von niedrigen Geschosshöhen) treibt die Preise allerdings am zuverlässigsten - in allen Segmenten.

  • So entstehen aber keine nachhaltigen, urbanen Wohnquartiere - mit Anziehungskraft für kaufkräftige und gebildete Familien.
    Düsseldorf verkommt ja leider immer mehr zur Stadt der Singels und der Senioren.

  • ^Nicht so pessimistisch: Düsseldorf hat einen messbaren und sichtbaren Geburtenüberschuss - einen Wanderungsüberschuss ohnehin.


    Auf Verdichtung zu verzichten, um für Familien attraktiv zu sein, halte ich für einen Irrweg. Dörfliche Idylle kann man nur noch in Vororten des Dorfs an der Düssel erwarten. Wenn der Geschosshöhe reizvolle Freiräume (Parks, Plätze, Alleen) gegenüber stehen, dann ist das auch alles andere als kinderfeindlich.

  • Es gibt ja noch etwas zwischen Hochhaus und "dörflicher Idylle".


    In Düsseldorf finden sich zahlreiche Standorte, wo nachverdichtet werden könnte; oder auch die ganzen Revisionsflächen, wie z.B. am alten Güterbahnhof - an solchen Orten entstehen eher nachhaltige Quartiere für die Stadt.

  • ^^Klar, so etwas wie die Golzheimer Höfe. Im Moment reicht das noch, denn es gibt noch genügend Freiflächen, die bereits dadurch größere Dichte erlangen, dass man sie überhaupt bebaut. Aber es werden nicht dauerhaft immer neue Güterbahnhöfe, Fabriken und Kasernen geräumt. Grund in Düsseldorf und Umgebung wird tendenziell immer knapper und teurer werden (das kann man z.T. heute schon beobachten). Gleichzeitig gibt es nicht nur Nachfrage nach neuen Wohnungen sondern - speziell in Ddf - auch nach Verwaltungsgebäuden, Hotels, Kulturstätten usw.


    Schöne Ecken finden sich nicht nur am Landtag...

  • Zum Beitrag #144

    Beispiele hierzu bieten Paris und London mit Blockrandbebauung von 8-10 Geschossen, die hier und da - vor allem in London - mit Hochhäusern nachverdichtet wird. Darunter: Wohnhochhaus Strata, Luxus-Wohnhochhäuser am Hyde Park


    Weitere Beispiele aus der Altstadt Malagas (Andalusien), wo sogar Hochhäuser wenige Schritte von der Kathedrale entfernt gar nicht wie derer Verschandelung wirken:


    Malaga 1


    Malaga 2


    In Spanien fiel mir immer wieder die dichte Bebauung mit hohen Wohngebäuden auf - die auf keinen Fall nur von Singles und Senioren bewohnt sind.


    Ein Beispiel aus der Brüsseler Altstadt, wo die Baudichte in der Nachbarschaft des Doms geschickt kaschiert wurde:


    Brüssel 1


    Außerhalb der Altstadt ist es noch viel einfacher.


    (Die drei verlinkten Fotos habe ich selber gemacht - alle Rechte bei mir, genehmigt usw.)


    Für verlinkte Photos brauchst Du die Rechte ohnehin nicht - nur für eingebundene. Echnaton

  • Gartenstadt Reitzenstein in Mörsenbroich

    Der Bebauungsplan und die Webseite mit Erläuterungen dazu. Während im Süden anscheinend existierende Kasernengebäude umgebaut werden sollen und im Norden die angrenzenden Einfamilienhäuser bestimmte Zwänge erzeugen, an der Lenaustraße mit der Straßenbahn 712 nach Ratingen soll 3-5 (zum Teil 5-8) Geschosse hoch gebaut werden, was eine GFZ bis zu 3,2 ergibt. Bereits in der zweiten Reihe sind jedoch Häuser mit nur 2 Geschossen geplant - ich denke (angesichts der Diskussion weiter oben), östlich des Parks in der Mitte des Areals könnte man überall mindestens 3-5 Geschosse erlauben. Etwas intensiver könnte auch die Bebauung der südwestlichen Ecke des Areals werden, die an wesentlich höhere Bestandsgebäude grenzt.

  • "Die Leute wollen zurück in die Stadt"

    Unter dieser Überschrift veröffentlichte die gestrige NRZ ein Interview mit dem Präsidenten der Architektenkammer NRW Hartmut Miksch. Ferner ist über die Energiebilanz der Wohnbauten die Rede wie auch darüber, dass der Medienhafen das Wohnen braucht.

  • ^^ Während der gestrigen Führung im Quartier Central habe ich extra nach dem östlichen Bereich gefragt - wenn die Autoren des Rahmenplans und der dort tätige Großinvestor nichts gehört haben, dann ist auch keine konkrete Planung in Sicht. Nördlich von der bisherigen Wohnbebauung sieht man hier aufgelockerte Strukturen für's Wohnen - angesichts des Mangels der Wohnbauflächen sollten diese etwas weniger aufgelockert realisiert werden. Ich sage es grob und deutlich: In Düsseldorf sollte man sich von den utopischen Vorstellungen der Gartenstädte, billiger Einfamilienhäuser usw. verabschieden. Die Nachfrage nach Etagenwohnungen ist groß genug - in der besichtigten Anlage in QC mit 5-6 Geschossen gibt es 130 Wohnungen von 35 bis über 100 qm Größe; meistens 3-Zimmer-Wohnungen, in den auch Familien wohnen (es gibt sogar separate Kinderwagenräume an jedem Treppenhaus). Ein Großteil war bereits vor Fertigstellung vermietet, derzeit ist nur eine Loftwohnung (110 qm) frei.


    @156 (Güterbahnhof Oberkassel)


    Die Parkanlage im Süden hat mit 54 m zufällig die gleiche Breite wie jene in QC. An dieser könnte man nicht 3geschossige Stadtvillen, sondern - wie in QC - geschlossene 5geschossige Häuserfronten bauen. Bei entsprechender Gestaltung wären sie ähnlich schnell vermietet (oder verkauft). Im Norden des Feldes WA2 könnte eine kleine Dominante mit 7-9 Geschossen und einem Traumblick auf die Düsseldorfer Skyline entstehen.


    Im Feld WA1 wird nur das Bestandsgebäude mit 2-3 Geschossen aufgezeichnet? Sonst sehe ich keinen Grund, weniger intensiv als auf der anderen Seite der Hansaallee zu bauen, wo die Höhe 4-5 Geschossen reicht.

  • Zur Ehrenrettung von Ralf Schmitz habe ich noch ein ziemlich gutes Projekt von ihm gefunden: Neanderhof in Flingern Nord, unweit der Grafenberger Allee. Das Video dazu ist allerdings doch reichlich schwülstig. Im Innern konnte man sich die Säulen dann auch nicht verkneifen. Insgesamt aber schon respektabel, was RKW dort abgeliefert hat. Bemerkenswert ist auch, dass man so etwas nach Flingern stellt. Dieser Stadtteil nimmt eine erstaunliche Entwicklung: Abwechslungsreich, unangepasst und zur Grafenberger Allee hin zunehmend chic.


    Stand letztes Wochenende:




    Bilder: Echnaton

  • Mir gefällt das Projekt sehr! Düsseldorf braucht auch paar solche „klassische“ Sachen.:daumen:


    Das Video finde ich aber lustig... Man hat die Grenze des Süßen einfach zu weit überschritten; wirkt wie Trailer zur Verfilmung einers Goethe-Romans :lach:

  • Es erinnert mich ein bisschen an ein anderes Gebäude in Oberkassel, von dem ich immer schon begeistert war. Es steht, glaube ich, an der Lankerstr. Eine etwas originelle, aber nicht unbedingt modrne Abwechslung. Vielleicht mach ich mal Foto, wenn ich wieder in der Gegend bin.

  • Meinst Du eventuell den Karlshof; das ist auch ein Projekt von Ralf Schmitz.


    Aktuell entsteht in der direkten Umgebung, an der Mercatorstraße, ein neues Projekt von Schmitz: die Mercatorterrassen. Allem Anschein nach kommen seine Projekte sehr gut an, und fügen sich in den meisten Fällen auch gut in ihre Umgebung ein; bestes Beispiel ist besagter Karlshof.


    Architektur in der Stadt lebt von der Vielfalt!

  • Nun, eine konstruierte Verknappung lässt die Mieten eben steigen - da die öffentliche Hand offenbar eher den Vermietern und Investoren geneigt ist, statt dem Bürger, der einen bezahlbaren Wohnraum benötigt ...wen wunderts?