Frankfurter Stadtgespräch

  • Der Markt endet doch schon um 19 oder 20 Uhr. Wenn die Stadt wirklich an der Beibehaltung des Marktes interessiert wäre, wo ist dann das Problem um 22 Uhr ein Aufräumkommando mit Ordnungskräften über den Platz zu schicken, das sollte die Stadtkasse für so ein Event (max.20x im Jahr, denn es gibt auch verregnete Freitage) schon hergeben. Ich bin mal gespannt, wie die betroffenen Bürger reagieren, wieder einfach hinnehmen oder auf die Barrikaden und der Stadt die rote Karte zeigen, in welcher Form auch immer.

  • Volker Stein ist ein Auslaufmodell

    Obwohl es nicht maßgeblich ist welche Parteien bei der Entscheidung dabei waren, sollte man korrekt bleiben, dass die Grünen involviert waren. Die Ortsvorsteherin des Ortsbeirates Nordend, Frau Karin Guder, ist beispielsweise zu nennen. Übrigens ist Volker Stein (FDP) mit seiner Hardliner-Art in den Kommunalwahlen gnadenlos abgestürzt, wird das Ordnungsamt bald an Markus Frank (CDU) abgeben müssen und das weitaus weniger wichtige Dezernat „Sonstiges“ mit Bürgeramt, städtischer EDV und Stadtentwässerung führen müssen. Ein Mandat für wichtige Präzedenzfälle sieht jedenfalls anders aus.


    Laut FAZ war die Klägerin beim Frankfurter Verwaltungsgericht gescheitert, da bei geschlossenem Fenster der Geräuschpegel zumutbar sei. Die Stadt hätte auf die Probleme zwischen 0-4 Uhr morgens daher durchaus anders reagieren können als mit der Bestrafung der anderen 97%. So wären mehr Mülleimer und mobile Toiletten keine utopische Forderung, sondern im Rahmen des Machbaren, gewesen. Auch am südlichen Mainufer (z.B. um das Maincafé) und in den Parks (z.B. Günthersburgpark) wäre ein solches Vorgehen willkommen.


    Ich reagiere in diesem Fall besonders empfindlich, da ich die Liberalität hierzulande als Standortvorteil empfinde und ich eine böse Vorahnung habe wie die Entwicklung weiter geht. In London wird der Hyde Park nach 22 Uhr beispielsweise für die Öffentlichkeit komplett geschlossen (per Zaun und Schloss). In New York City ist sogar ein komplettes Alkoholverbot im Central Park angeordnet, die bösen rotweintrinkenden Picknicker sollen gefälligst zuhause bleiben. Mit anderen Worten, wir müssen nicht jeden bevormundenden Trend aus den anglosächsischen Ländern übernehmen.

  • Also ich mache mich dann mal auf den Weg zum Friedberger Markt... :D


    Zur Diskussion:
    a) Ich denke, es wird weiterhin Protesttrinker auf dem Friedberger Platz an einem Freitag Abend geben. Wer braucht schon Marktstände, wenn in der Nähe 10 Rewe sind.
    b) Wer sagt, dass es Mittwochs besser wird? Wird eben Mittwochs alles vermüllt und voll ge*****.


    ==> Ist wahrscheinlich keine endgültige Lösung. Mal sehen, was passiert... :)

  • Um den Friedberger Platz wohnt die Spezies der GrünInnen. Intolerant, spaßbefreit, dringender Wunsch nach Desurbanisierung. Zusammen mit der inzwischen in der Stadtpolitik erlangten Machtfülle konnte das nicht gut gehen.


    Dem muss ich mich leider anschließen. Allerdings wohnen hier nicht nur grüne NIMBYs, denn ich zähle mich ganz bestimmt nicht dazu, wohne aber nur eine Gehminute vom Friedberger Platz entfernt und damit in Hörreichweite der freitäglichen Party. Stört mich das ach so laute "Gegröle"? Nicht im Geringsten. Erstens findet die Party nur freitags statt. Zweitens nur im Sommer, und dann auch nur bei schönem Wetter. Drittens kann ich ganz einfach die Fenster schließen, und dann höre ich nichts mehr. Viertens ist Samstag für den überwiegenden Teil der Bevölkerung kein Arbeitstag, da sollte wohl ein bisschen Hintergrundgeräusch am Abend vorher kein Problem sein, zumal man immer noch die Fenster schließen oder mitfeiern kann. Außerdem...


    ... In deutschen Urlaubszielen wie Spanien und Italien werden nächtliche Belebung auf städtischen Plätzen ja als Zeichen von Lebensfreude und Urbanität und nicht als Bedrohung für die Gesundheit der Anwohner wahrgenommen. Wenn einzelnen Anwohnern bei Lärm von Kindertagesstätten, Schulhöfen, Live-Musik oder Lärm von grösseren Veranstaltungen immer wieder recht gegeben wird, ist der Triumphzug von Einzelinteressen über soziales Miteinander manifestiert. Das Aus für den Freitagsmarkt an der Friedberger ist keine "Peanuts-Maßnahme", es ist eine Vollwatschn für die urbane Bevölkerung Frankfurts.


    ...sehe ich das ganz genauso. In Spanien nennt man sowas "Botellón" und das gehört dort seit Jahren zur (Jugend-)Kultur.


    Es geht nicht um abendliche Unruhe, sondern um nächtliches Gegröle. Wir reden von 0-4 Uhr morgens, und zwar jeden Freitag. Es geht auch nicht nur darum, sondern um ziemlich massives Pinkeln in Vorgärten. Und es geht um Zustände, die an Mülldeponien und Verwüstungen erinnern. Mal von den Glasscherben abgesehen. Das ist alles etwas anderes als "abendliche Unruhe".


    Wenn das das Problem ist, warum stellt man dann nicht mehr Dixi-Klos und Mülleimer auf? Ist das ein Grund für eine gerichtliche Auseinandersetzung, die zum Auslöser des jetzt durchgesetzten "Aus" für den Markt wurde? Ich glaube nicht. Es gibt regelmäßig unglaublich lange Schlangen vor den wenigen Toiletten, die aufgestellt wurden. Kein Wunder, dass da ab und zu auch mal einer daneben pinkelt. Abhilfe sollte nicht allzu schwer sein.


    Dann gab es im Dezember die Klage der Anwohnerin (die übrigens selbst mitfeiert und vor der Klage alles mögliche mitversucht hatte).


    Und DAS, meine Lieben, ist ja wohl das überdeutlichste NIMBY-Verhalten, das ich mir überhaupt vorstellen kann. Die Klägerin wird zwar nicht direkt namentlich genannt, das Journal Frankfurt jedoch interviewt zu diesem Thema "Anwohnerin Daniela Cappelluti", die sich ihre grüne Idylle ohne die ganzen Chaoten und Yuppies zurückwünscht und mit ihren Nordendler-GrünInnen unter sich bleiben will. Steht hier. Dreimal darf geraten werden, wer die Klägerin ist.


    Also stören sich nur Grüne an Lärm, Müll und Gestank vor Ihrer Haustür? Klar ist es schade um dieses ungewöhnliche Event - aber ... hallo?!? Ich möchte mal denjenigen treffen, den eine allwöchtentliche Party unter seinem Schlafzimmerfenster _nicht_ stört. Wer am Friedberger Platz wohnt, wohnt nicht in Alt-Sachenhausen, wo man so etwas quasi mitmietet.


    Volles Verständnis von meiner Seite für die Anwohner! Grün, Intolerant, Spaßbefreit, Deurbanisiert. Sollte ich mir merken.


    Hier ist Dein Sarkasmus leider nicht angebracht, mahlzeit. Wenn man die oben genannte Anwohnerin googlet, landet man auf deren eigener Webseite, aus der hervorgeht, dass genau diese Anwohnerin, die selbst mitfeiert (!!!), selbst in der Eventbranche arbeitet und wöchentlich einen Newsletter mit Ausgehtipps und Partys für Frankfurt und Umgebung herausgibt. Das muss man sich mal vorstellen. Welcher Partei und Gesinnung die Frau angehört, verrät ein weiteres Suchergebnis von Google, in dem es heißt, dass sie "lange Zeit als persönliche Assistentin von Daniel Cohn-Bendit tätig" war. Plädoyer abgeschlossen.


    Und dass die bösen Grünen wieder an allem Schuld sind passt natürlich gut in dieses unsägliche Gespensterbild der "Dagegen-Partei", was ja seit diversen Monaten scheinbar teilweise erfolgreich aufgezogen wird. Das geht nahtlos in die "Stromleitung-ja-aber-nicht-in-meinem-Garten"-Diskussion über.


    ^ Argument oben widerlegt. Selbst wenn Frau Cappelluti nicht die Klägerin sein sollte, was ich ja nur spekuliere, so ist sie doch unzweideutig politisch grün und Anwohnerin des Friedberger Platzes, ihre privaten Interessen (Besuch des Marktes und der Party) und ihre beruflichen Interessen (Eventmanagement) sind ebenfalls unzweifelhaft. Nur wenn die Party vor der eigenen Haustür stattfindet, dann geht das ja mal gar nicht! Klarer Fall von Doppel-NIMBY, beruflich und privat.


    Sehr erhellend zu dem Thema auch die Diskussion auf der HR-Webseite: klick


    Zum Schluss darf ich noch aus den Entscheidungsgründen des Verwaltungsgerichts Frankfurt zitieren, VG Frankfurt 5. Kammer, 11.02.2011, Aktenzeichen 5 K 4817/10.F:


    "Darüber hinaus ist bei einer Beurteilung, ob das Ermessen auf Null reduziert ist, von Bedeutung, dass dem Ruhebedürfnis der Klägerin und der Anwohnern das Interesse vieler Bürger gegenübersteht, sich auf dem [Friedberger Platz] zu treffen und zu kommunizieren. Die Beklagte [die Stadt Frankfurt] hat in ihrem Schreiben vom xx.xx.xxxx diesen Sachverhalt dahin zusammengefasst, dass dieses urbane Geschehen dem sommerlichen Freizeitverhalten des überwiegenden Bevölkerungsteils der weltoffenen und liberalen Großstadt [Frankfurt am Main] entspreche. Zu berücksichtigen ist dabei schließlich, dass jedenfalls der einzelne Bürger, der sich auf den [Friedberger Platz] begibt, sich auf seine Handlungsfreiheit und den Gemeingebrauch an diesem Platz berufen kann und es für eine Großstadt wie [Frankfurt am Main] sicher wünschenswert ist, wenn es derartige Plätze als Treffpunkt für die Bevölkerung gibt."


    Dem ist nichts hinzuzufügen. Das Bier steht kalt, ich geh' dann mal los - man sieht sich auf dem Friedberger Platz!

  • Vielleicht hätte sich das Problem ja auch schon dadurch etwas entschärfen lassen, dass man mal gegen die ganzen Falschparker aus dem Umland etwas rigoroser vorgegangen wäre. Großer Teil des Problems ist doch, dass, was als entspannter Stadtteiltreff begonnen hat, sich zu einer Massenveranstaltung für das ganze Rheinmaingebiet entwickelt hat. Anhand der Parkplatzsituation in dem Viertel lässt sich das sehr gut ablesen. Das Problem ging spätestens letztes Jahr los,und hat sich dieses Jahr nochmals drastisch verschärft. Ich, als jemand, der nicht weit vom Friedberger Platz entfernt wohnt, bekomme das hautnah mit, "leide" darunter in erster Linie dadurch, dass wenn ich am Freitagabend mit dem Auto aus der Knochenmühle (aka Arbeitsplatz) heimkomme, oft eine halbe Stunde und mehr nach einem Parkplatz suchen muss, weil die Anwohnerparkplätze von rücksichtslosen A(hem) aus HG, MTK,HU, FB und teilweise noch weiter weg vollgeparkt sind. (In letzter Zeit fallen mir immer öfter AZ-Nummernschilder auf – unglaublich!). Dass die alle Strafzettel an den Windschutzscheiben kleben hätten ist mir aber noch nicht aufgefallen.

    2 Fliegen mit einer Klappe: Das wäre
    1. eine Goldgrube für die Stadtkasse gewesen, hier mal ein paar Monate lang jeden Freitag alle Frankfurter Gemüsesheriffs durchzujagen.
    2. Wenn es sich unter den Damen und Herren aus dem Umland herumgesprochen hätte, dass das Falschparkticket jetzt automatisch auf den Preis für die Anreise per Kfz aufgeschlagen wird, hätte sichs am Friedberger Platz für Auswärtige vielleicht nicht mehr ganz so attraktiv angefühlt.

    Aber darüber hinaus muss ich hier Golden Age fast in jedem Punkt Recht geben. Das "Event" nenne ich es jetzt mal, komplett abschaffen zu wollen kann die Antwort nicht sein!

    Was mich ebenfalls stört, ist die Mentalität dahinter, urbanes Leben auch mit seinen Nachteilen nicht als Qualität, sondern an sich als Störfaktor zu begreifen und zu behandeln. Der Begriff "Urbanität" bedeutet auch, dass Menschen in der Stadt aufgrund ihres Zusammenlebens sich gegenseitig inspirieren, Ideen und gesellschaftliche Strömungen sich leichter Bahn brechen, Kreativität, Spontaneität, und das Zusammenspiel unterschiedlicher Lebensstile auf engstem Raum und Kommunikation auf eine viel direktere Art und Weise möglich ist. Das, was sich dort am Friedberger Platz aus dem Nichts heraus entwickelt hat, ist eine Ausprägung von all dem. Wenn der Stadtverwaltung nichts besseres einfällt, als auf jedes bisschen Ärgernis, das mit solchen Sachen einhergeht immer nur mit "njet" zu reagieren, dann mag das zwar für die unmittelbaren Anwohner eine Erleichterung sein, aber man muss sich in der Abwägung auch klar machen, dass sich die Stadt, wenn dieses"njet" überhand nimmt, damit einer ihrer ureigensten Qualitäten beraubt. Es ist keine Naturkatastrophe, die da über das Nordend hereingebrochen ist, sondern hier stimmen Leute mit den Füßen ab, und artikulieren auf diese Art und Weise, was sie von einer Stadt erwarten, und was ihnen anderswo fehlt!

    Also muss die Schlussfolgerung doch lauten, dass solche Treffpunkte abendlichen, sommerlichen Straßenlebens sich deshalb entwickeln, weil sie für sehr viele Leute attraktiv sind, und dass die Schlussfolgerung aus der Entwicklung am Friedberger Platz nicht lauten kann, den einzigen solchen Treffpunkt sabotieren zu wollen.

    Dass einem mal einer in den Vorgarten pinkelt kann das Problem an sich ja nicht sein, dass macht die Nachbarskatze ja auch. Warum also hat das, was mit den Anwohnern selbst begonnen hat, in so kurzer Zeit seinen Charme für die Anwohner wieder verloren? Wenn der Friedberger Platz alleine zu klein ist, die Nachfrage nach dem, was ganz richtig bemerkt, wir an Italien und Spanien so schön finden, zufriedenzustellen, ohne dass er überquillt, und die Anwohner (und Ordnungskräfte) überfordert, dann muss doch die Konsequenz lauten, noch ein paar Alternativen zu etablieren, um die Situation zu entzerren.

    Kristallisationspunkt war hier ein freitäglicher Wochenmarkt.(namentlich der Weinstand dort) Gibt es z.B. in Bockenheim auch einen? (Ich weiss es nicht). Gibt es auf dem ach so öden Goetheplatz/Roßmarkt einen? Welche Viertel in Frankfurt könnten etwas abendliche Belebung sowieso ganz gut gebrauchen? Vielleicht sollte man darüber mal nachdenken.

    Etwas mehr Kreativität und weniger Bunkermentalität bitte! Kann doch nicht so schwer sein!

    Übrigens –Das doofe Grünen-Gebashe, finde ich in dem Zusammenhang auch recht überflüssig, und am Thema vorbei. Ich frage mich, ob etwas wie die Party am Friedberger Platz in einem Milieu voller CDU-Wähler jemals überhaupt entstanden wäre. (Sagt euch hier kein Grünen-Wähler!)


    P.S.: Miguel, ich frage mich gerade, ob du es hören kannst, wenn ich bei offenem Fenster laut rülpse :D

  • Ich enthalte mich mal der Diskussion um den Markt, da ich die Situation überhaupt nicht beurteilen kann, weder Kontroversen um den Markt mitbekommen noch jemals selbst dort war.


    Aber wäre eine Verlegung da nicht passend? Wie Chewbacca schreibt sind Goetheplatz und Roßmarkt, genau wie auch die Konstablerwache abends oder nachts total verwaist. Warum überlegt man sich nicht einfach eine Verlegung an die entsprechenden Standorte? Anwohner gibt es dort zwar auch, aber deutlich weniger, Parkplätze gibt es an beiden Enden der Zeil (Fußgängerzone) durch Nahe Parkhäuser genug. Der neu geschaffene Platz an de Hauptwache ist doch auch für ähnliches vorgesehen, dort finden zu meiner Begeisterung auch relativ viel statt.
    Momentan ist es einfach abends am Wochenende rund um die Zeil einfach nur erstaunlich leer draußen, sieht man mal von den Eingängen diverser Clubs und Bars ab, aber so wirklich urbanes Leben, wie man es sich eigentlich wünscht ist eher eine Randerscheinung und leider viel zu selten in Frankfurt. Ich hasse die teuren Clubs, falsche Musik, falsche Leute, aber Party unter freiem Himmel geht doch immer, wenn es nicht gefällt geht man einfach wieder.


    Manchmal komm ich mir zu jung für diese wunderschöne Stadt vor :confused:

  • Ich finde es interessant, dass es für einige der obigen Beitragenden entweder nur urbane Frohnaturen oder die blöden Spießer gibt, die keine Feier vor der Tür haben wollen. Ich vermisse den normalen Menschen, der sich gerne mit Freunden trifft und entspannt feiert. Der Punkt ist hier, dass die Anwohner und der Ortsbeirat den Treff erhalten wollen und sich nur an dem mittlerweile extremen Ausufern stören. Müllereimer, Dixi-Klos etc. stehen doch schon lange da. Sie suchen nach kreativen Einfällen, um das Ausufern einzudämmen. Man will ja, dass laut und fröhlich gefeiert wird, aber eben nicht wie eine Horde Asos. Weitere Dixis sehen nicht schön aus, würden aber sicher helfen. Weitere Mülltonnen ebenfalls. Falschparker rigoroser aufschreiben abschleppen ist auch eine Maßnahme.


    All das haben die Anwohner und der Ortsbeirat ja gerade vorgestellt. "Die Stadt" ist in diesem Fall allerdings zweigeteilt. Bitte oben lesen...


    Und: Die botellónes sind auch in Spanien nicht willkommener Teil der Kids-Kultur, sondern ein handfestes Problem, das bspw. Andalusien vor ein paar Jahren verboten hat. Und zwar wegen des Lärms und wegen des Alkohol-Problems. Die Kids haben nämlich kein Geld und kaufen sich im mercadona um die Ecke den billigsten Fusel, den sie kriegen können und lassen sich bis morgens um 5 zulaufen. (Im Gegensatz zu Frankfurt, wo das Besäufnis schon um 4 endet.)


    Wie gesagt, ab Juni werden wir am Friedberger Platz jetzt wahrscheinlich zweimal in der Woche feiern. Mittwochs wird es nicht so lange dauern, weil man am nächsten Morgen ja zur Arbeit gehen muss.

  • Worauf basiert die Annahme, dass ab Juni am Friedberger Platz zweimal in der Woche gefeiert wird? Bisher sprechen die Tatsachen doch eher dagegen. Ein gewisser Herr Stein, der sich voll und ganz dem Gesundheitsrisiko der klagenden Anwohnerin verschrieben hat, kündigte doch schon längst an, dass die "Party" weiterhin streng unter Beobachtung der Behörden steht. Zur Not wolle man den Platz so bepflanzen, dass sich dort keine Menschen mehr treffen können. In der heutigen Ausgabe der Frankfurter Rundschau steht man überlege am Mittwochsmarkt keinen Alkohol anzubieten und den Markt um 18 Uhr zu schliessen. Es war wohl zu viel verlangt die Klägerin bzw. Event-Managerin dazu zu bringen ihr Fenster zu schliessen wie es das Verwaltungsgericht nahe legte. So opfert man ein schützenswertes Frankfurter Kulturgut am Altar der teutonischen Regulierungswut und Prinzipienreiterei :nono:

  • Die besten Beiträge sind die, für die man sowohl grüne als auch rote Schlingel bekommt... :D


    Ich muss auf das Thema "Grünen-Bashing" eingehen, das mir wiederholt vorgeworfen wurde. Ich betreibe es nicht, ich setze mich lediglich inhaltlich mit deren Programmatik und Ideologie auseinander. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass man sich in dieser Stadt und in diesem Forum rechtfertigen und verteidigen muss, wenn man kein Grünen-Wähler ist - die roten Laternen lassen grüßen. Wenn ich die grüne Gesinnung kritisiere, dann tue ich das mit inhaltlichen Argumenten und gut belegten Quellenangaben, wie oben geschehen. Die Grünen bieten nun mal nach ihrem fulminanten Wahlsieg in Frankfurt - ein gewisses Atomkraftwerk in Japan mag hier ein wenig nachgeholfen haben - eine große Angriffsfläche. Wenn hier jemand Grund zur Klage wegen "Bashing" hat, dann ja wohl ein liberal denkender Mensch wie ich. Keine Satiresendung kommt heutzutage ohne Bashing der Fast-Drei-Prozent-Partei aus; da nehme ich mir schon noch das Recht heraus, sachliche Kritik am politischen Wettbewerb zu üben.


    Zum Thema Friedberger Platz: ich halte das Vorgehen des FDP-Ordnungsdezernenten für völlig übertrieben und spare die Kritik auch an dieser Partei nicht aus. Das sollte in meinem Beitrag oben deutlich geworden sein - die hier vorgeschlagenen Maßnahmen zur Eindämmung des "Problems" sollten reichen, um ein für alle Beteiligten akzeptables Ergebnis hinzubekommen. Hier die Keule auszupacken und den Markt am Freitag abzusagen war total daneben, der Plan wird nicht aufgehen. Olaf Cunitz begrüßte übrigens gestern die Entscheidung von Herrn Stein und nahm ihn in Schutz. Interessant.


    Golden Age meinte, dass die Frankfurter Grünen weniger ideologisch und pragmatischer wären als andere Verbände. Das kann ich schlecht beurteilen, freute mich aber beispielsweise über die Haltung von Olaf Cunitz, bei der Auslegung des Hochhausrahmenplans flexibel zu bleiben und ein am Ende positives Ergebnis beim Taunusturm erreicht zu haben. Er hat zur SPD-Kritik bzgl. der Höhe des Turms gesagt, Stadtplanung sei ein Geben und Nehmen. Das war tatsächlich pragmatisch. Wir Hochhausfans und der Investor bekommen ein höheres Gebäude, der Wohnungsmarkt ein zusätzliches Wohnhochhaus, welches den Preisdruck durch größeres Angebot mindert, und die Stadt einen größeren und gepflegteren Park in der Wallanlage. Finde ich gut. Auch wenn das Wort "Hochhaus" nicht im Koalitionsvertrag auftaucht, gilt der Hochhausrahmenplan zum Glück weiterhin.


    Anders sieht es leider bei der Verkehrspolitik aus. Wenn es nach den Grünen gegangen wäre, hätten wir eine große hässliche Rampe am Güterplatz bekommen und die U- wäre zur Straßenbahn geworden. An anderer Stelle habe ich schon auf die Formulierung hingewiesen, im Koalitionsvertrag findet sie sich wieder: "Auf der Basis der Ende 2010 beauftragten Machbarkeitsstudie soll der Lückenschluss der Stadtbahn zwischen Ginnheim und Bockenheim (DII) entwickelt werden. Dabei wird eine weitgehend oberirdische Lösung angestrebt."


    Meiner Meinung nach ist die Betonung auf die oberirdische Streckenführung der reinen Ideologie entsprungen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich brauche für mein Seelenheil nicht unbedingt einen Tunnel, mir geht es nur um die Kreuzungsfreiheit. Die ist der Schlüssel zu mehr Benutzerfreundlichkeit und damit Attraktivität des ÖPNV, weil schneller für alle Beteiligten, zuverlässiger, sicherer, bequemer und wetterfest. Dass dazu in dicht bebauten Innenstadtbezirken Tunnel (oder Hochbahnen) nötig sind, ist nur eine Konsequenz aus der Forderung nach Kreuzungsfreiheit. Tunnel sind Mittel zum Zweck, mehr nicht. Leider sehen das die Grünen anders, aus mir nicht ersichtlichen Gründen. Die Kosten können es nicht sein - dazu müsste man nämlich die langfristige volkswirtschaftliche Gesamtrechnung aufmachen, und die fällt bei Kreuzungsfreiheit in dicht besiedelten und wachsenden Städten langfristig immer positiv aus. Ein Tunnel rechnet sich.


    Ein weiteres Beispiel für die doch nicht so ganz dogmenfreie Politik ist die "Milieuschutzsatzung" - in meinen Augen reine Klientelpolitik für bestimmte Bevölkerungsgruppen in den Grünen-Hochburgen Nordend, Bornheim etc. Derartiges werde ich auch weiterhin kritisieren, da mögen noch so viele rote Laternen von den Grünen kommen.


    @ Chewbacca: mach' doch mal, mein Fenster ist offen!

  • Zu Miguels Ausführungen möchte ich nun auch mal äußern.. Meine Auffassung von Politik ist, dass eine komplett *undogmatische Politik nicht wünschenswert ist. Wenn man als Partei keine (Kern-)Werte hat, sollte man vielleicht lieber eine Auflösung in Betracht ziehen. Und damit meine ich nicht, dass alle Entscheidungen nur vom jew. Ideal der Partei abgeleitet werden, aber es sollte doch einige Grundwerte geben. Wie du selbst attestiert, sind die Grünen durchaus zu Kompromissen bereit - aber soweit ich Grüne Lokalpolitik verstehe, gehört es zu den Kernwerten die Stadtplanung so auszurichten, dass gemischte Viertel entstehen / erhalten bleiben. Von daher ist deine Bewertung im letzter Punkt bzgl. der Milieuschutzsatzung ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Des weiteren könnte man argumentieren, dass diese Politik augenscheinlich eine relative Mehrheit in der Wählerschaft (der Stadtteile) gefunden hat. Deine EINSCHÄTZUNG (ob ich sie teile sei mal dahin gestellt), dass der GAU in Japan dazu beigetragen hat, DARF in einer Demokratie kein Argument sein. Wenn man anfängt Wahlen zu interpretieren, kann man so ziemlich alles machen, was man will... und so eine Entwicklung kann von keinem Demokraten gewünscht sein.
    Letztlich möchte ich noch auf die generellen Verallgemeinerungen, bzw. die Zuschreibung von Charakterzügen auf Parteien zu sprechen kommen: Jedem Parteiforscher würde hier die Haare zu berge stehen. Stadtgespräch ist daher noch eine nette Umschreibung für (nun möchte ich auch ein wenig polemisieren: ) Stammtischgespräche auf Bild-Niveau. Ist lustig, macht spass, aber zielführend und pragmatisch sicher nicht... Dass die ehem. Mitarbeiterin von Dani Rouge anscheinend unreflektiert und {Platzhalter für weitere negative Attribute} ist, kann ja wohl kaum für oder gegen die Grünen sprechen.. es wäre wohl ähnlich stupide, der CDU/CSU jeglichen Wissenschaftscodex abzusprechen, weil Herr Guttenberg in Führungspositionen eingesetzt wurde.

    Einmal editiert, zuletzt von tscheibörd () aus folgendem Grund: Korrektur: wegen fehlendem Leerzeichen wurde eine Klammer zum Smiley

  • Jetzt mal nicht hyperventilieren, bitte. Gleich ob staatlicher Dirigismus zu den Kernwerten jener Partei gehört oder nicht, nichts anderes ist das mit den Milieuschutzsatzungen, den generell 30% Sozialwohnungen in Bebauungsplänen und der Forderung an die AGB Wohnungen für 4% unter Mietspiegel zu vermieten, es ist an dieser Stelle erlaubt inhaltlich zu kritisieren. Wir sind hier in der Lounge, und die ist für solches da. Stammtischniveau vermag ich nicht zu erkennen.

  • Was der Kommentar "jetzt mal nicht hyperventilieren, bitte" soll weiß ich nicht wirklich. Warum diese persönliche Äußerung?
    Wie auch immer, damit ich nicht von noch mehr Lesern missverstanden werde, wahrscheinlich, möchte ich noch etwas erläutern, bzw. auf Schmittchens Beitrag antworten:
    Ich habe mich, wie Miguel, um eine argumentativ basierte Diskussion bemüht.
    Dabei war ich lediglich mit seinem letzten Punkt in Beitrag 1328 nicht einverstanden. Man kann gegen die Quotenreglung sein, man kann gegen eine Partei sein, aber doch bitte nicht der Partei vorwerfen, dass sie einige Dogmen hat und diese auch in einem politischen Entscheidungsprozess auch umsetzen will. Mehr habe ich nicht gesagt - und konnte auch nach nochmaligen lesen nicht mehr in meinem Beitrag erkennen.
    Zum zweiten Punkt: nicht die Diskussion im Allgemeinen, sondern lediglich der von mir benannte Aspekt, den ich zur Verdeutlichung sogar mit einem Beispiel vorgestellt habe, nämlich der induktive Schluss von Eigenschaften eines Einzelnen auf die gesamte Partei, habe ich als niveaulos bezeichnet. Um das ganze abzumildern sogar explizit auf einen hohen polemischen Grad der Äußerung hingewiesen.
    Vor diesem Hintergrund möchte ich betonen, dass die von Schmittchen kritisierten Punkte nicht Gegenstand meines Beitrags waren. Ich stimme voll mit Schmittchen überein, dass inhaltliche Kritik, im Besonderen hier in der Lounge, begrüßenswert sind.

  • Und DAS, meine Lieben, ist ja wohl das überdeutlichste NIMBY-Verhalten, das ich mir überhaupt vorstellen kann. Die Klägerin wird zwar nicht direkt namentlich genannt, das Journal Frankfurt jedoch interviewt zu diesem Thema "Anwohnerin Daniela Cappelluti", die sich ihre grüne Idylle ohne die ganzen Chaoten und Yuppies zurückwünscht und mit ihren Nordendler-GrünInnen unter sich bleiben will. Steht hier. Dreimal darf geraten werden, wer die Klägerin ist.


    Laut FR existieren bereits diverse Facebook Gruppen, die sich für den Erhalt des Friedberger Marktes am Freitag aussprechen und einen wöchentlichen Freitag Abend Flashmob auf dem Friedberger Platz planen (meine spontane Idee war ja der Römer, sollte mehr bewirken). Eine der FB Gruppen davon lautet wohl "Daniela, ich scheiß Dir in den Garten – Für den Erhalt des Friedberger Platzes"... :lach:


    Aber auch der Nordend-Ortsbeirat scheint nicht über die Verlegung auf Mittwoch glücklich zu sein. Das Thema ist wohl noch lange nicht abgeschlossen.

  • Also gut, weiter geht's.


    ... aber soweit ich Grüne Lokalpolitik verstehe, gehört es zu den Kernwerten die Stadtplanung so auszurichten, dass gemischte Viertel entstehen / erhalten bleiben.


    Dagegen ist auch nichts zu sagen. Gut durchmischte Viertel sind für viele Leute attraktiver als solche mit "sozialer Monokultur". Die Frage ist nur, wie man diese Durchmischung erreichen oder erhalten will. Meine Kritik an der Milieuschutzsatzung war Dir nicht detailliert genug, das liefere ich gerne nach.


    Ich glaube, dass eine solche Satzung zukünftig Investitionen in das Nordend und andere betroffene Stadtteile - die nun mal Hochburgen der Grünen sind, wie man an den Wahlergebnissen ablesen kann - eher unterlassen werden, weil die Kosten nicht mehr in dem Maß wie vorher durch Mieterhöhungen wieder hereingeholt werden können. Hier haben wir aber ein "grünes Dilemma", denn auf der einen Seite will man ja (und wollen wir wohl alle) mehr Investitionen in energetische Maßnahmen, um den Energieverbrauch zu drosseln. Auf der anderen Seite sollen aber die Mieten möglichst überhaupt nicht steigen dürfen. Die erste schwierige Frage ist schon mal, wo eine "milieukonforme" Energiesparsanierung aufhört und wo eine "Luxussanierung" anfängt. Ich könnte diese Frage nicht klar beantworten, und ich glaube auch nicht, dass man diese Frage mit staatlichen Eingriffen regeln kann. Das sollte der Markt entscheiden dürfen. Ich vermute aber, dass sich Haus- und Wohnungseigentümer zukünftig zweimal überlegen werden, ob sie in solchen milieugeschützten Stadtteilen noch teure Revitalisierungen vornehmen werden, wenn dadurch nur Kosten, aber kein finanzieller Nutzen entstehen darf.


    Als Alternative hätte ich eher das offensichtliche Marktversagen abgemildert, das wir hier vorliegen haben. In Frankfurt werden seit vielen Jahren jährlich hunderte, wenn nicht sogar tausende Wohnungen zu wenig gebaut. Das zusammen mit der wirtschaftlichen Prosperität und den rosigen Zukunftsaussichten führt zu steigenden Preisen am Wohnungsmarkt, da eine steigende Nachfrage einem viel zu kleinen Angebot gegenübersteht. Soweit sollten wir uns einig sein. Wenn von den Mietpreissteigerungen hauptsächlich wenige zentrumsnahe Viertel betroffen sind, wodurch teure "Luxussanierungen" überhaupt erst möglich wurden (weil die Nachfrage danach besteht und weil die hinterher hohen Mieten auch bezahlt werden), sollte man nach meinem Verständnis besser versuchen, das Angebot an anderer Stelle entsprechend auszubauen. Sprich: weitere Stadtviertel müssen attraktiver werden, neue, zusätzliche Baugrundstücke müssen schnell ausgewiesen werden.


    Aus irgendeinem Grund wird das Angebot durch private Investoren nicht der Nachfrage entsprechend ausgebaut. Woran könnte das liegen? Meiner Meinung nach liegt es vor allem an allen möglichen regulatorischen Einschränkungen, die Investoren davon abhalten, hier viel mehr Wohnungen zu errichten. Und eine Milieuschutzsatzung gehört ganz sicher ebenfalls zu diesem "Abschreckungsarsenal". Anstatt also zusätzliche Hürden für private Investoren aufzubauen, in den Frankfurter Wohnungsmarkt zu investieren, würde ich als Stadt lieber alles daran setzen, dass das Angebot an attraktiven Wohnvierteln größer wird. Das würde Preisdruck vom Nordend nehmen und deutlich nachhaltiger wirken als alle Satzungen zusammen. Abgesehen davon ist jede zusätzliche neue Luxuswohnung, die in dieser Stadt entsteht (beispielsweise in der alten Diamantenbörse), gut für alle Einwohner dieser Stadt, auch diejenigen, die sich dort keine Wohnung leisten können. Denn dadurch fragen die Vermögenden, die sich solche Wohnungen leisten können, keine luxussanierten Wohnungen z. B. im Nordend nach. Ich kann daher die Kritik an solchen Vorhaben nicht nachvollziehen.


    Wenn man anfängt Wahlen zu interpretieren, kann man so ziemlich alles machen, was man will... und so eine Entwicklung kann von keinem Demokraten gewünscht sein.


    Wie bitte? Seit wann darf man denn Wahlen nicht mehr interpretieren? Jeder Journalist macht das, jede Partei, die gesamte Öffentlichkeit. Ich stelle die Wahl ja nicht in Frage. Ich interpretiere die Kommunalwahl so, dass sie ganz sicher von Ereignissen beeinflusst war, die nichts mit der Frankfurter Kommunalpolitik zu tun hatten. Anders kann ich mir nicht erklären, warum in nahezu allen Kommunen in Hessen die Partei, die am stärksten auf den Ausstieg aus der Atomkraft drängt, ausgerechnet bei den Kommunalwahlen (!) am stärksten gewonnen hat. Atomkraft ist aber kein kommunales Thema. Wenn es tatsächlich so wäre, dass die Kommunalwahl ausschließlich von kommunalen Themen bestimmt gewesen wäre, dann hieße das ja, dass die Kommunalpolitiker aller anderen Parteien in den letzten Jahren keine gute Arbeit geleistet hätten und dass einzig und allein die grüne Partei in allen Kommunen die jeweils besten lokalen Konzepte hätte - die allesamt nichts mit Atomkraft zu tun haben können, da diese Frage nicht auf kommunaler Ebene entschieden wird. Das erscheint mir nicht sehr wahrscheinlich. Ich glaube viel eher, dass nur wenige Wahlberechtigte tatsächlich alle zur Wahl stehenden kommunalen Parteiprogramme vorher gelesen haben, und dass die Wahlentscheidungen stark von den Ereignissen in Japan und der Energiedebatte im Land beeinflusst waren. Natürlich kommen weitere Streitpunkte dieses Landes wie z. B. Stutgart 21 dazu. Ein weiteres Indiz ist für mich, dass kaum jemand alle zur Wahl stehenden Kommunalpolitiker kennt (außer uns natürlich, die wir stets gut informiert sind ;)). In einer idealen Welt würden die Wähler auf Bundesebene bundesweite Themen entscheiden, auf Landesebene Landesthemen und auf kommunaler Ebene eben ausschließlich lokale Themen. Wir sind aber nicht in einer idealen Welt.


    Stammtischgespräche auf Bild-Niveau / der induktive Schluss von Eigenschaften eines Einzelnen auf die gesamte Partei, habe ich als niveaulos bezeichnet.


    Wow, BILD-Niveau hat mir bisher noch niemand vorgeworfen. Ich habe nicht von einer Einzelperson induktiv auf eine ganze Partei geschlossen, ich mutmaße nur, dass derartiges Verhalten eher typisch ist für diese Partei als für andere (Stichwort Energiepolitik - Ausbau von Stromleitungsnetzen und Windparks). Natürlich nicht für jeden Grünen, das habe ich nicht gesagt. Das sollte auch nur ein Beispiel sein. Weitere Beispiele neben dem Verhalten am Friedberger Platz waren die Milieuschutzsatzung und die Verkehrspolitik. Wenn diese Argumentation niveaulos ist, dann müssen die Beiträge hier in Zukunft wohl noch deutlich länger werden...

  • Hier haben wir aber ein "grünes Dilemma", denn auf der einen Seite will man ja (und wollen wir wohl alle) mehr Investitionen in energetische Maßnahmen, um den Energieverbrauch zu drosseln. Auf der anderen Seite sollen aber die Mieten möglichst überhaupt nicht steigen dürfen.


    Das Dilemma reicht noch weiter. Jahrelang haben die Grünen absolut zurecht beklagt, dass jeder, der es sich leisten kann, ins Umland zieht, ein flächenfressendes Einfamilienhaus errichtet und zur Zersiedlung beiträgt. Die Innenstädte verkammen. Seit einigen Jahren haben wir den umgekehrten Trend der Rückkehr in die Stadt, die dadurch im Kern begehrter wird, was sich in Immobilienpreisen und Mieten ausdrückt. Die Erfüllung jahrzehntelanger Wünsche und Forderungen wird als "Gentrifizierung" beklagt und mit "Milieuschutzsatzungen" bekämpft. Es geht nicht, dass die gut verdienenden Leute in die Stadt zurückkehren, aber gleichzeitig doch von den innerstädtischen Wohnungen fernbleiben.

  • ich scheine auch längere Beiträge verfassen zu müssen, um nicht missverstanden zu werden (da das ja aber viel zu oft passiert, sollte ich vielleicht überdenken, mich überhaupt einzumischen.. will ja nicht zu viele unsinnige Diskussionen erzeugen).
    Nun zur Sache: dich habe ich mit den Stammtischgesprächen überhaupt nicht gemeint, Miguel! Wie in meinem Kommentar zu Schmittchens Äußerung gesagt, empfinde ich deine argumentativ hinterlegten Ausführungen als sehr sachlich und daher angenehm als Diskussionsbeitrag zu lesen.
    Weiterhin gebe ich dir recht, jeder interpretiert Wahlen. Und wir leben nicht in einer idealen Welt. ABER, nur weil Menschen das machen, ist es trotzdem nicht ratsam die Interpretation einer Wahlentscheidung als Argument zu benutzen. Die daraus entstehenden, durchaus sehr abstrakten, Probleme habe ich ja in meinem ursprünglichen Beitrag erwähnt. Des weiteren ist mir der Zusammenhang, warum die Grünen wegen ihrer jetzigen Stärke mehr Angriffsfläche für Bashing böten, nicht klar. Ich denke, Bashing ist nur durch Fehlverhalten zu rechtfertigen, nicht durch Präsenz pre se. Nun, gerade weil Miguel so differenziert geschrieben hat, dachte ich, dass der kleine Hinweis aus Beitrag 1330 in Ordnung geht.
    Zu letzt zu deiner Erklärung zu "Millieuschutzsatzungen". Soweit, glaube ich deine Argumentation verstanden zu haben, bin aber anscheinend bei weitem nicht so gebildet wie du in diesem Gebiet. Dazu habe ich mich ja aber auch in meinem Beitrag nicht geäußert, sondern lediglich kritisiert, dass du die Meinung der Grünen als sinnloses Dogma hingestellt hast. Ob es nun sinnlos ist oder nicht, störte mich die Gegenüberstellung von vermeintlich pragmatischen Entscheidungen der Grünen einerseits gegen dogmatischen Irrglauben ihrer andererseits.
    Zur Sache noch, als Laien Kommentar aufzufassen, hätte ich noch anderes zu kommentieren: ich denke, dass eine energieeffiziente Sanierung von den Mietern angenommen wird, bei der die Kosten mittels einer Umverteilung der Nebenkosten, also der Zahlungen an die Versorger, an die Vermieter gedeckt werden. Ich finde die Diamantenbörse, oder auch Skylight für die Umgebung und jedes Viertel wünschenswert. Aber ich glaube auch, dass es so einfach nicht ist. Es scheint ja durchaus ein Verdrängungseffekt von der Innenstadt ausgehend Richtung Außenbezirke zu geben. Bis auf Enkheim und Lerchesberg sind mir keine Orte in Frankfurt bekannt, wo sich gerne Reiche außerhalb des Stadtzentrums niederlassen. Aber das kann ja auch ein falscher Eindruck von mir sein. Auch hier sehe ich keinen Widerspruch zu Lomax Beitrag. Man kann nicht beides haben.. aber es geht ja den Grünen gerade um die Mischung. Es sollen eben nicht alle draußen und dann später wieder alle drinnen wohnen, eben keine Ghettos oder Gated Communities entstehen. Die Grünen scheinen aber nicht in der Lage zu sein, das Schwarmverhalten der Schichten / Menschen in ihre Überlegungen mit einzubeziehen. Ein klares Manko.

  • Politischer Wind bläst Stein mit voller Wucht ins Gesicht

    Mittlerweile vergeht kein Tag an dem die Frankfurter Lokalpresse nicht ausgiebig über den Freitagsmarkt am Friedberger Platz berichtet. Demnach geht der Zuspruch für den Freitagsmarkt quasi quer durch die Parteien.


    Hier der Versuch einer Kurzzusammenfassung:
    - Der Nordend-Ortsbeirat (Nr.3) ärgert sich über Steins einsame Entscheidung. Grüne, CDU, FDP und ÖkoLinX möchten am Freitagtermin festhalten.
    - Grünen-Fraktionschef Bernhard Maier will gegen Lärm, Verschmutzung, Flaschenzerschlagen und Urinieren in Vorgärten vorgehen, aber die Verlegung hätte nur „die allerletzte Maßnahme“ sein können.
    - Claudia Ehrhardt (CDU) bezweifelt, dass der Markt am Mittwoch für Ruhe sorgen würde, sondern eher das Problem "potenziert" und Stein habe sich "mit seiner Entscheidung über das Stadtteilparlament hinweggesetzt, die Ortspolitiker übergangen und vor vollendete Tatsachen gestellt".
    - Der stellvertretende SPD-Unterbezirksvorsitzende Eugen Emmerling kritisiert Stein für „unvernünftigen Aktionismus“.
    - Selbst die Nordend-FDP ist nicht mit dem Vorgehen ihres Parteikollegen Stein einverstanden und fordert mehr Toiletten, Mülleimer und Polizeipräsenz.
    - Am Sa, 21. Mai feiert die SPD das Nordend-Fest am FP (13-21 Uhr); dort will man im Dialog mit den Nordendlern Vorschläge zur Verbesserung sammeln.


    Wenn man nun die deutliche Kritik aus dem Ortsbeirat hört, fragt man sich wie man dem Beschluss von Stein je zustimmen konnte oder ob man ganz einfach nicht in die Pläne eingeweiht wurde. Besonders Ortsvorsteherin Karin Guder scheint hier schlechte Informationspolitik betrieben zu haben. Sei es drum, es wird sehr einsam um Herrn Stein und der künftige Ordnungsdezernent Frank wird dem Wunsch des Ortsbeirats hoffentlich entsprechen.


    Quellen:
    Frankfurter Rundschau
    Frankfurter Neue Presse

  • Ortsbeirat beisst bei Stein auf Granit: 3 Monate Testphase

    Wie zu befürchten, zeigt sich Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) unbeeindruckt von der Kritik aus seiner eigenen Partei, dem Ortsbeirat und den Marktbeschickern. Der jetzige "Kompromiss" bzw. Diktat sieht so aus: Nach drei Monaten Mittwochsmarkt findet der Markt nur dann wieder freitags statt, wenn sich bis dahin die nächtliche Party auf dem Platz verzogen hat. Am Mittwoch soll der Markt bis 19 Uhr gehen, mit Alkoholausschank.


    Die Reaktionen variieren zwischen Zähneknirschen und Entsetzen, hier ein Zusammenfassung:
    - Die Marktleute fühlen sich in ihrer Existenz bedroht, da sie sich auf keine festen Zusagen verlassen können. Ralf Weyerhäuser, Sprecher der Beschicker kritisiert "Wer weiß, dann geht der Markt nach drei Monaten auf Freitag zurück und wir stehen im Frühjahr wieder vor der selben Situation“
    - Eine Verlegung stellt die Marktleute allerdings vor logistische Probleme. „Viele haben am Mittwoch schon einen Markt, könnten daher nicht kommen.“ sagt Weyerhäuser. So gäbe es auf einem Mittwochsmarkt im Nordend keinen Fisch, kein Biogemüse und keinen Tiroler Bauernstand.
    - Ortsvorsteherin Karin Guder gibt sich kämpferisch und sagt "Bevor es zu einer Verlegung kommt, will der Ortsbeirat erstmal die von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen realisiert sehen."
    - Christian Falk, CDU-Parteivorsitzender im Nordend bemängelt "Wir hatten den Freitag vor allem deshalb gewählt, damit berufstätige Nordendbewohner auf dem Markt einkaufen können. Und freitags arbeitet man nun mal nicht so lange wie am Mittwoch." Der Bornheimer Wochenmarkt sei eine starke Konkurrenz an diesem Wochentag und somit drohen starke Umsatzeinbussen.
    - Generell wird das Demokratieverständnis von Stein in Frage gestellt. So Falk: "Es kann nicht sein, dass durch Versäumnisse des Ordnungsdezernenten jetzt der Markt kaputt gemacht wird. Bei dieser Praxis können wir die Ortsbeiräte auch gleich abschaffen."


    Quellen:
    Frankfurter Rundschau
    Frankfurter Neue Presse

  • Bis auf Enkheim und Lerchesberg sind mir keine Orte in Frankfurt bekannt, wo sich gerne Reiche außerhalb des Stadtzentrums niederlassen. Aber das kann ja auch ein falscher Eindruck von mir sein.


    Unter den Außenbezirken Frankfurts (d.h. beispielsweise exkl. Bad Vilbel) sind durchaus einige weitere gutbürgerliche Viertel zu zählen. Große Teile von Nieder-Eschbach, Ginnheim, Dornbusch/Dichterviertel, Eschersheim und Seckbach sind beispielsweise durchaus auf Enkheimer Niveau oder höher anzusiedeln. Auch kleinere Abschnitte von Kalbach, Riedberg, Rödelheim und Harheim wären zu nennen.