Frankfurter Stadtgespräch

  • @ Chewbacca
    Schließt das auch ein, dass Hessen nicht dazu gezwungen wird, seine Mittel so einzusetzen, dass seine eigenen Unternehmen nicht von anderen Bundesländern wegsubventioniert werden?
    Nein, denn der Länderfinanzausgleich ist ein im Grundgesetz verankertes Staatsziel.


    In New York vereinigt sich ungefähr soviel Politik, wie in Berlin Wirtschaft und Finanzen.
    Ich darf aus Halleluja. Die Geschichte der USA. von Joachim Fernau zitieren:
    "Gewiß, die Adresse für Staatsgeschäfte ist für die westliche Welt immer noch Washington, aber es ist eine Deckadresse für Provinzler. Eingeweihte richten ihre Briefe gleich nach New York. Es wäre Blindheit, nicht zu sehen, daß jetzt alles von dort erledigt wird."


    Wenn hier ein innerdeutsches Rennen eröffnet wäre, dann zwischen München und Frankfurt. Die blöde Mär, dass jede Branche sich in einer Stadt vereinigen müsse, damit Deutschland konkurrenzfähig bleibt, und dass diese Stadt natürlich immer nur Berlin heissen kann, reizt auf die Dauer nur noch zum Gähnen.
    Hättest du gelesen, was ich geschrieben habe, dann wäre dir aufgefallen, dass ich von einem offenen Rennen zwischen München, Frankfurt und Berlin sprach. Sich über Behauptungen zu echauffieren, die der Andere gar nicht getätigt hat, ist rhetorisch brillant, inhaltlich auf die Dauer nur noch zum Gähnen.


    Echt? Kein BBI, kein ICC, keine Berlinale, die Bahn darf nach Hamburg ziehen, wann sie will..usw.......???
    Die Bahn wollte nicht nach Hamburg ziehen. Sie ist ein Staatsbetrieb, hätte der Staat, d.h. zur Zeit Angela Merkel, gewollt das die Bahn nach Hamburg zieht, dann hätte Berlin dagegen genauso wenig machen können, wie Frankfurt gegen den Suhrkamp Umzug. Der einzelne Bahnmitarbeiter Hartmut Mehdorn und der Kanzlerinnen-Erpresser Ole von Beust wollten, das die Bahn umzieht, das Unternehmen wollte nicht. Hamburg und der gescheiterte Bahnumzug ist übrigens ein gutes Beispiel für das charakterlich höherwertige Verhalten von westdeutschen Lokalpolitikern im föderalen Wettbewerb. Wenn die Kanzlerin dem Umzug nicht zustimmt, dann verliert sie ihre Mehrheit im Bundesrat! So sinngemäß der Hamburger Finanzsenator. Das war eine echte Glanzleistung hanseatischen Fair-Plays! :cool:


    Auf das ICC kann man verzichten, die Berlinale hat Sponsoren und würde auch ohne den Kulturstaatsminister stattfinden. Und gäbe es keinen staatlichen Flughafenbau, dann gäbe es dafür private Konsortien. Die würden Internationale Flughäfen nur da bauen, wo sie sich auch rechnen. Da die Passagierzahlen in Berlin selbst in der Krise noch 3% stärker wachsen (weniger nachgeben) als an anderen Standorten, würde der BBI also so oder so gebaut.

  • Warum ging es eigentlich bisher immer ohne extremes Rennen bis aufs Blut und auf einmal wird mir meine schöne Hauptstadt fremder und aggresiver, als jede internationale Konkurrenz?
    Da entwickle ich ja richtig antinationale Gefühle!


    Naja, auf eins ist Verlass. Egal wie viel Berlin an sich zieht. Oder wie viel München oder Hamburg oder Stuttgart oder Frankfurt an sich zieht, so richtig zentralistisch sollte Deutschland net mehr werden. Der Zug ist 1933 endgültig abgefahren. Gesellschaftlich wie auch politisch. Und ich bin verdammt froh drum. Berlin wird saugen, aber irgendwann würde der Bundesrat die Notbremse ziehen.


    Dennoch wäre es schade, wenn ein gesundes Gleichgewicht zwischen den deutschen Metropolregionen, von Hamburg bis München und von Dresden bis zum Ruhrpott als strukturelles Ziel der BRD einem weltstadtskomplexgespeisten Hauptstadtwahn zum Opfer fiele.


    Megacitys sind ja gerade "in", aber wir sollten uns nichts vormachen. Schwellenländer wie Thailand, sich alles auf eine Stadt konzentriert, wo Megacitys westliches Niveau bieten und auf dem Land Steinzeit herrscht sind für die BRD oder Europa kein Vorbild. Wenn ich mir wohlhabende europäische Länder, wie Norwegen, Niederlande, Schweiz, Österreich ansehe, dann sind das alles Länder ohne Weltstadt, ohne sozialen Moloch, sondern mit gut strukturierten hochleistungsfähigen Ballungsräumen.
    Gerade auch europäische aufsteigende Länder wie Spanien haben gezeigt, dass mehrere Metropolen und Wirtschaftszentren möglich sind. Und mir gefällt das spanische Modell mit Madrid, Barcelona, Valencia und Bilbao besser, als z.B. die doch sehr starke Fixierung der Polen auf Warschau.

    Einmal editiert, zuletzt von mik ()

  • Warum ging es eigentlich bisher immer ohne extremes Rennen bis aufs Blut und auf einmal wird mir meine schöne Hauptstadt fremder und aggresiver, als jede internationale Konkurrenz. Da entwickle ich ja richtig antinationale Gefühle!

    Weil du dir bisher Illusionen gemacht hast. Das Rennen gab es schon immer und es ging dabei nie um weniger als das eigene Überleben. Solange man auf der Siegerstraße ist, kann man sich den Kapitalismus (Soziale Marktwirtschaft ist nur ein Euphemismus) schönreden. Erst wenn man selbst (oder die eigene Stadt) verliert, kommt einem die Welt plötzlich grausam vor. Solange die Umzugswagen planmäßig von Ost nach West rollen, ist es immer der babyweiche Wettbewerb, geht es in die andere Richtung, war es die blutige Konkurrenz. Das ist die pure Heuchelei. Du lebst in Zeiten von Hartz IV. Also mach dich besser auf was gefasst!


    Dabei ist deine "schöne" Hauptstadt überhaupt nicht aggressiver als andere Städte. Ganz im Gegenteil. Hamburg hat mit allen legalen und illegalen Mitteln versucht, den größten Arbeitgeber und Steuerzahler Berlins abzuwerben. Die Rede war von bis zu 1000 hochbezahlten neuen Arbeitsplätzen für Hamburg, welche entsprechend in Berlin vernichtet worden wären. Die Hamburger haben schon überlegt, wo sie das Hochhaus für die neue Bahnzentrale hinstellen. Wenn man Hanseat ist, findet man das natürlich nicht aggressiv, dann ist der Regierende Bürgermeister von Berlin aggressiv, weil er dezent darauf hingewiesen hat, das die Bahn nicht Herrn Mehdorn gehört. Was fällt ihm ein? Frechheit!

    Naja, auf eins ist verlass. Egal wie viel Berlin an sich zieht. Oder München oder Hamburg oder Stuttgart oder Frankfurt. So richtig zentralistisch wird Deutschland net mehr. Der Zug ist 1933 entgültig abgefahren. Und ich bin verdammt froh drum.

    Die Geschichte hat kein Ende und Menschen, die sich einreden, das sich bestimmte Konkurrenzen endgültig erledigt haben, verdienen es eines Besseren belehrt zu werden. Als die Bread&Butter vor zwei Jahren nach Barcelona ging und an eine Fashion Week noch nicht zu denken war, da jubelten die Düsseldorfer "Berlin ist keine Konkurrenz mehr". Aber der Wettbewerb hört nie auf. Er geht jeden Tag weiter und nichts ist dem Wettbewerb so egal wie vergangene Siege. Frankfurter Schule? Adorno? 1968? Alles vorbei. 1933 ist wettbewerbstechnische Frühsteinzeit.


    Auch das geteilte Westdeutschland ist mit Nichten ein multipolares Land gewesen. Das Zentrum des Landes war München, die offizielle heimliche Hauptstadt der BRD. Hätte die Teilung 100 oder 200 Jahre länger gedauert, dann wären alle Entscheidungsgremien dort genauso zentralisiert gewesen wie in London oder Paris. Nun ist der Kommunismus besiegt und überall konkurrieren die Marktwirtschaften. Bist du darauf vorbereitet? Vielleicht hast du Glück und erlebst den (relativen/absoluten) Niedergang deiner Stadt, deines Landes, deines Kontinents nicht mehr. Aber bilde dir nicht ein, das Rennen wäre irgendwann vorbei.

  • Crimplene


    Die Dreiecksbeziehung Allianz, CoBa und DreBa scheint derzeit tatsächlich unter keinem guten Stern zu stehen, aber resultieren diese Probleme wirklich aus Frankfurt? Da bin ich anderer Meinung.


    War es nicht die Münchner Allianz, die die Frankfurter DreBa so richtig abgewirtschaftet hat? Die defizitäre Investmentbank DrednerKleinwort hätte schon vor Jahren geschlossen werden müssen. Der Versuch Allianz Versicherungen in Filialen der DreBa zu verkaufen, ist zudem gnadenlos gescheitert. Die Commerzbank hingegen stand bis zum Kauf der Dresdner eigentlich recht gut da. Leider baute sich schnell Druck auf, da die chinesische Staatsbank ICBC die DreBa mit Vehemenz kaufen wollte. Die Bundesregierung war strikt gegen diese Lösung und ist der CoBa sehr entgegen gekommen. Nun muss die Commerzbank leider mit dem Schaden leben und die Dresdner einen schmerzhaften Konsolidierungskurs unterziehen.


    Aber zurück zum eigentlichen Punkt: Die Frankfurter Bankenlandschaft hat sich bisher achtbar aus der Affäre gezogen (Ausnahme KfW) besonders im Vergleich zu München und Düsseldorf. Das ist keine Schadenfreude, sondern ein Qualitätsmerkmal für die Bankenmetropole.

  • Mensch Guderian, dass die Bahn aber von Frankfurt nach Berlin umziehen musste, geht natürlich in Ordnung!? In Hamburg hätte sie sich immerhin um einen weiteren starken Geschäftsbereich erweitert. Da ging es ja nicht einfach so um ein "pures" Abwerben oder Herrn Mehdorns Liebe zu Hamburg.


    "Die Rede war von bis zu 1000 hochbezahlten neuen Arbeitsplätzen für Hamburg, welche entsprechend in Berlin vernichtet worden wären." Mhh, warum gilt das Argument nicht auch für andere Städte?


    Und was waren bitte bei Hamburg die illegalen Mittel im Vergleich zum Berliner vorgehen?


    Der Berliner Flughafen wird übrigens nur deshalb vom Staat gebaut, weil sich kein privates Konsortium fand, dass den neuen Flughafen unter gegebenen Umständen auf eigene Kosten bauen wollte. (Unter anderen Bedingungen wäre dies möglich gewesen, aber die Politik wusste es ja mal wieder besser...)


    Was Du immer wieder missachtest, ist die Tatsache, dass wir Berlin den Erfolg, den es durch echte Standortvorteile hat, nicht neiden. (Kultur, Größe, Hauptstadt, günstige Mieten etc.). Es geht nur um die Subventionierung! Es ist schon verwunderlich, dass ausgerechnet die wirtschaftlichen Hauptstädte der größten Zahler, Frankfurt und München, die höchsten Steuersätze in Deutschland haben, Berlin aber deutlich darunter liegt.

  • Guderian


    ich denke, hier haben inzwischen viele deinen punkt verstanden, dass das arme berlin ja so viel zu leiden hatte und nun doch endlich seinen angestammten platz als einzige stadt in deutschland einzunehmen versucht und dabei jedes mittel recht ist und eigentlich der böse westen doch vielleicht noch was drauf legen könnte.
    aber vielleicht kannst du das ja ab jetzt in den entsprechenden berlinthreads verbreiten, denn hier dürfte das keinen mehr interessieren. ihr habt einen maroden verlag unter aus vieler sicht dubiosen unständen bekommen, also gut. das thema ist sowas von durch.
    argumentativ zu erwiedern scheint mir da einfach nicht sinnvoll, eventuell machst du einfach einen thread auf, warum berlin besser ist und frankfurt, hamburg, und wer nicht noch alles die bösen...
    stadtgespräch frankfurt ist das hier kaum mehr...


    just my some cents

  • Volle Zustimmung Garcia!


    Was wir zur Zeit an Umzügen - vor allem nach Berlin - erleben ist zu großen Teilen einem verzerrten Wettbewerb geschuldet.
    Da wir hier im Frankfurt-Forum sind möche ich da auch ganz konkret die Region beschuldigen, ihren Leistungsträger auszusaugen anstatt zu unterstützen.



    Guderian:


    Die frühere BRD war sehr wohl multipolar. Sie ist es auch immer noch. Finanzen und wichtigster Flughafen waren in Frankfurt, Verischerungen in Düsseldorf und München, Medien in Köln (Deutsche Welle, RTL, Messen wie die Photokina) und München (Filmstudios), Hamburg hatte den Hafen und Zeitschriftenverlage.
    Wobei diese beispielhafte Einteilung jetzt natürlich sehr grob ist.


    München war dabei nie heimliche deutsche Hauptstadt. Dafür ist Bayern einerseits zu sehr Freistaat und zum anderen lag damals das wirtschaftliche Gewicht viel zu sehr in NRW.


    Was wir im Moment erleben ist eine massive - und im Zeitalter der IT wirtschaftlich nicht mehr nachvollziehbare, durch Politik und Medienhype angeheizte Konzentration auf den Standort Berlin, der letzten Endes der Nation mehr Schaden als Nutzen bringt.


    Ich hätte nichts gegen eine starke, florierende Hauptstadt mit internationalen Renomee. Aber dass eben das internationale Gewicht zu Lasten des gesamten Restlandes gehen muss, ist nicht ok. Selbst as Frankfurt-Fan würde ich mich auch nicht darüber freuen, wenn alles finanztechnische von Düsseldorf oder München hier her ziehen würde. Dafür sind diese Städte zu schön.


    Und um mal was positives über Berlin zu sagen: Ich bin begeistert, wie unsere Hauptstadt einige Hollywood Produktionen auf ihr Studiogelände ziehen konnte und daurch z.B. wirklich international zur Beanntheit der BRD beiträgt - notfalls auch mit Subventionen. Das war und ist meines Erachtens der richtige Weg. Es gibt viele Branchen die immer neu entstehen. Und warum ist z.B. die Games Convention nicht in Berlin?
    Ich könnte mich auch grün ärgern, dass sie nicht in Frankfurt ist. Aber gerade im dotcom bereich haben z.B. beide Städte gepennt. und jetzt mit Umschichtungssubventionen abzuwerben fänd ich eben Mist.
    Wenn sich hingegen irgendwo entsprechende Unternehmen von sich aus konzentrieren und dann ein Umzug erfolgt ist das was ganz anderes!


    Aber gut jetzt. Da fallen mir wieder tausend Dinger ein, wo der fehlende Zusammenhalt im Rhein-Main-Gebiet Synergien und Attraktivität kostet

  • Guderian (insbesondere zu Post #561)


    Was Du vielleicht noch nicht wußtest (natürlich sehr unwahrscheinlich, weil Du ja eigentlich alles weißt): In Frankfurt gibt es eine bundesweit sehr hohe (höchste?) Psychiaterdichte. Wir brauchen die bei weitem nicht alle!!! Vielleicht kann Super-Wowi ja hier ein paar (natürlich mit dem Versprechen auf mietfreie Praxisräume) nach Berlin abwerben. Dann hast Du es nicht soweit...


    Sorry, aber das mußte raus und jetzt schreib ich hierzu auch bestimmt nichts mehr, da zwecklos! ;)

  • Das gefährliche für Frankfurt ist doch die recht wesentliche ausrichtung als Finanzmetropole - glücklicherweise versucht ja keiner der Grossen seinen Sitz nach Frankfurt zu verlegen -. Der Arbeitsmarkt in Frankfurt war lange Zeit leergefegt, für Arbeitnehmer gab es lange recht goldene Zeiten, so dass sie wegen kleiner Gehalterhöhungen bereit waren, den Arbeitgeber zu wechseln. Viel meiner Frankfurter Kollegen wohnten weit ausserhalb Frankfurts und pendelten Stundenlang täglich nach Frankfurt. die ganzen Wanderarbeiter, die am Wochenende nach Hause zu Ihrer Familie pendelten, zeigt eigentlich dass die region aus verschiedenen Gründen für Familien nicht attraktiv ist, hier spielen sicher auch die Mietpreise und dass soziale Umfeld eine grosse Rolle. Diese Situation hat sich allerdings zu laten der Arbeitnehmer verändert, die Freisetzungen in den grossen Banken werden ein übriges tun.


    Der Niedergang der Commerzbank liegt nicht allein in der Dreba begründet, diese fusion ist ja anscheinend auch politisch gewollt, sondern begann eigentlich schon mit der vollständigen Übernahme der Eurohypo die ja neben den Baufinanzierungen ein beträchtiches Kommunalgeschäft und finnazierungen im internationalen Bereich mit sich gebracht haben, die sich heute als erheblich riskant erweisen, aber bereits in den letzten beiden Jahren zu erheblichem Wertbercihtigungsbedarf führten.

  • Natürlich ist Frankfurt nur als Finanzmetropole wirklich bekannt - das wird ja auch tagtäglich so in den Medien verbreitet.
    Aber dennoch besteht Frankfurt nicht nur aus Banken, auch andere Branchen sind durchaus stark vertreten. Spontan fallen mir da Verlage und Werbeagenturen ein, sowie natürlich die IT-Branche. Gibt da bestimmt noch ein paar andere Felder.


    Und was die Attraktivität für Familien angeht, darf ich als Familienvater sagen, dass Mutmaßungen aufgrund der vielen Pendler die Realität verzerren. Fakt ist, dass Frankfurt gerade im Bereich Kinderbetreuung vergleichsweise gut aufgestellt ist (ich habe das Drama gerade hinter mir) und sehr wohl in einigen Neubaugebieten explizit auch an junge Familien gedacht wird, ich nenne einfach mal Riedberg, Frankfurter Bogen oder das Lindenviertel in Höchst. Dort ist derzeit die Situation so, dass der Markt in einigen Bereichen fast leergefegt ist - also irgendjemand kauft/mietet ja die Objekte. Ich zähle übrigens auch dazu. Dass gerade bei den günstigen Objekten die Architektur hier im Forum oft keinen Blumentopf gewinnt, ist ein anderes Thema. :lach:


    Natürlich bekomme ich in einiger Entfernung irgendwo in der Wetterau oder im Odenwald mein Reihenhaus mitsamt Grundstück billiger, aber das ist doch nun vollkommen normal und kein expliziter Nachteil der Stadt Frankfurt. Irgendwo weit draußen in der Pampa ist halt außer Wald und Wiese sonst auch nichts. Das hat halt vielen Leuten lange Zeit nichts ausgemacht, wenn man dafür ein Haus statt einer Wohnung finanzieren konnte. Zumal die Pendelei ja subventioniert wurde/wieder wird. Aber der aktuelle Trend ist doch spürbar ein anderer - zumindest erlebe ich es so.


    Just my 2 cents :)

  • Es läppert sich langsam: 9 mal rot 2 mal grün 2 mal grau


    @ mik
    Was wir zur Zeit an Umzügen - vor allem nach Berlin - erleben ist zu großen Teilen einem verzerrten Wettbewerb geschuldet.
    Es ist ja nicht so, als wenn das deutlich finanzkräftigere Frankfurt nicht versucht hätte, diese Verzerrungen Berlins durch eigene Angebote zu egalisieren bzw. umzukehren. Es hat nur nicht funktioniert, weil der Verlag selbst umziehen wollte! Darüber macht man sich in der Frankfurter Politik auch gar keine Illusionen. CDU-Fraktionschef Markus Frank sagt: "Suhrkamp hat lange auf diesen Umzug hingearbeitet - die wollten nie in Frankfurt bleiben." Berlin bietet dem Verlagswesen aus Sicht von Suhrkamp einen echten Wettbewerbsvorteil. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies Einbildung oder Realität ist, das Unternehmen sieht es so.


    München war dabei nie heimliche deutsche Hauptstadt. Dafür ist Bayern einerseits zu sehr Freistaat und zum anderen lag damals das wirtschaftliche Gewicht viel zu sehr in NRW.
    Damals vielleicht, heute nicht mehr. Warum nicht, weil sich seit Jahren eine schrittweise Gewichtsverlagerung nach München vollzieht. Seit Jahrzehnten wird München tendenziell wichtiger, andere Entscheidungszentren unwichtiger. Das Land ist noch nicht zentralisiert, aber es zentralisiert sich. Der Prozess schreitet dauerhaft fort, weil Konzentrationen (neudeutsch Clusterbildung) wirtschaftliche Vorteile bieten. Schon die pure Existenz von Städten beweist das.


    Was wir im Moment erleben ist eine ... durch Politik und Medienhype angeheizte Konzentration auf den Standort Berlin, der letzten Endes der Nation mehr Schaden als Nutzen bringt.
    Nennen wir es einen Hype, dann bleibt immer noch die Tatsache bestehen, das Berlin aus Sicht vieler Menschen und Unternehmen attraktiver ist, als anderen Städte. Ist an der Sache nichts dran, dann wird die Blase irgendwann platzen und es kommt tatsächlich zu jener Massenflucht aus Berlin. Die Bildung dieser Blase geschieht dennoch freiwillig. Niemand wird gezwungen nach Berlin (oder München) zu ziehen.


    Ich hätte nichts gegen eine ... Hauptstadt mit internationalen Renomee. Aber dass eben das internationale Gewicht zu Lasten des gesamten Restlandes gehen muss, ist nicht ok.
    Ich hab auch nichts gegen Gravitation, aber das Treppensteigen dadurch so schwer wird, ist nicht ok. Wie soll denn bitte eine Stadt internationales Gewicht erlangen, wenn sie schon national keine Bedeutung besitzt? Man kann das Eine nicht ohne das Andere haben. Ein Bekenntnis zur Multipolarität ist auch ein Bekenntnis zur internationalen Bedeutungslosigkeit. Gewicht und Konzentration sind zwei Seiten derselben Medaille.


    Selbst als Frankfurt-Fan würde ich mich auch nicht darüber freuen, wenn alles finanztechnische von Düsseldorf oder München hier her ziehen würde. Dafür sind diese Städte zu schön.
    Und diese Städte würden auch nicht hässlicher werden, wenn sie Pleiteinstitute wie HypoRealEstate und WestLB verlieren würden. Allein der Versuch, große internationale Banken abseits von Deutschlands Bankenzentrum etablieren zu wollen, zeigt wie hier der Marktwirtschaft Hohn gesprochen wird. Grade die vielen Landesbanken müssen sich entscheiden. Entweder sie bleiben bei einfachen Produkten, die sie lokal vermarkteten. Oder sie gehen nach Frankfurt, wo sie auch das Wissen finden, wie das Controlling bei hoch strukturierten Anlageprodukten funktioniert. Man kann nicht gegen den Strom schwimmen.


    Und um mal was positives über Berlin zu sagen: Ich bin begeistert, wie unsere Hauptstadt einige Hollywood Produktionen auf ihr Studiogelände ziehen konnte und daurch z.B. wirklich international zur Bekanntheit der BRD beiträgt - notfalls auch mit Subventionen. Das war und ist meines Erachtens der richtige Weg. Es gibt viele Branchen die immer neu entstehen.
    Die Filmbranche ist nicht neu entstanden! Berlin hat mit den billigeren und besser ausgebildeten Filmemachern andere deutsche Standorte verdrängt. Trotz weit höherer Subventionen der Filmförderung NRW haben die kleineren Subventionen in Berlin-Brandenburg hier zu einer Konzentration der Filmbranche geführt. Einzig verbliebener nationaler Konkurrent ist München. Es ist exakt dasselbe, was in der Verlagsbranche passiert.


    Und warum ist z.B. die Games Convention nicht in Berlin?
    Weil das Messegeschäft die meist subventionierte (verzerrte) Branche in Deutschland ist. Die GC hätte in Leipzig gar nicht erst entstehen können ohne 1 Mrd. Euro Steuergelder für den Neubau der Messehallen. Soviel Geld zu verschwenden lohnt sich für Berlin nicht. Der Messestandort boomt auch so, durch Umzüge (ILA früher Hannover, Bread&Butter früher Köln, Popkomm früher Köln), etliche Neugründungen (Typo, Premium, Fashion Week, Republica, Boot&Fun) und Wachstum bestehender Messen (ITB, IFA jetzt jährlich, Grüne Woche). Und nicht zu vergessen die vielen hundert Kongresse jedes Jahr.


    Das die Games Convention nach Köln geht, liegt letztlich daran, das der Branchenverband BIU (früher mit Sitz in Frankfurt heute in Berlin) von Herstellern dominiert wird, deren Deutschland Sitze in Köln sind und die Reisekosten sparen wollen. Ginge es nach Hotelkapazitäten oder Flugverbindungen, dann hätte die Messe woanders (vielleicht sogar in Frankfurt) stattfinden müssen. Köln ist von sich aus keine attraktive Messestadt.


    Ich könnte mich auch grün ärgern, dass sie nicht in Frankfurt ist. Aber gerade im dotcom bereich haben z.B. beide Städte gepennt.
    Weder Frankfurt noch Berlin haben gepennt. Beide Städte haben dem Verband attraktive Angebote mit reichlich versteckten Subventionen vorgelegt. Der Verband hat nach seinen eigenen Kriterien entschieden. Diese eine Messe ist aber nicht der dotcom Bereich. Da gibt es noch viel viel mehr, auch in Frankfurt.

  • Nachtrag: Crytek, Deutschlands größtes und bekanntestes Entwicklerstudio, ist übrigens auch nicht in Frankfurt gegründet worden. Sondern im schönen (und beschaulichen) Coburg, 41.283 Einwohner auf 48,3 km² und ein Mohr im Wappen. Das Unternehmen existierte schon sieben lange Jahre in Coburg bevor es 2006 seinen Hauptsitz nach Frankfurt am Main verlegte. Aus irgend einem Grund dachten die drei Firmengründer damals, ihr Unternehmen wäre in Frankfurt besser aufgehoben. Für die Coburger wird sich das Gerede von der Größe und Internationalität Frankfurts nach einem Hype angehört haben. Aber die drei Brüder haben sich dadurch nicht beirren lassen. Und wenn die Frankfurter noch nicht ganz verblödet waren, dann haben sie das Unternehmen bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie in ihrer Stadt nach Kräften unterstützt.


    Natürlich war auch diese Entwicklung schlecht für die Multipolarität unter den deutschen Computerspielstädten und ein herber Verlust für die oberfränkische Spielekultur. Aber eigentlich können wir froh sein, wenn überhaupt eine deutsche Stadt in dem Bereich etwas Bedeutung erlangt. Hamburg, Köln, München, Stuttgart und Frankfurt saugen ständig Unternehmen aus ihrer Umgebung auf. Das die Namen dieser Städte überhaupt irgend Jemandem bekannt sind, der nicht dort wohnt, hat nur mit Zentralisierung zu tun. Jegliche Beschwerde dieser Städte bzgl. irgendwelcher Umzüge nach Berlin ist daher pure Heuchelei. Insbesondere dann, wenn es sich wie bei Suhrkamp um Unternehmen handelt, die ursprünglich in Berlin gegründet wurden.



    EDIT: Und siehe da, Frankfurt war nicht blöd. "Die Frankfurter Wirtschaftsförderung hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben die Ansiedlung von 33 Unternehmen gefördert, wodurch 500 Arbeitsplätze entstanden seien. Als Beispiele nannte Martens-Jeebe das Unternehmen Crytek, das Computerspiele herstellt, ..." Unnötig zu erwähnen, das geförderte Ansiedlung nur ein Euphemismus für subventionierte Abwerbung ist. Schafft eure eigene Wirtschaftsförderung ab, dann könnt ihr euch auch guten Gewissens über die anderer Städte beschweren! Das ist doch in deinem Sinne, garcia?

  • Zur Abwechslung mal wieder was Positives :)
    Das genehmigte Bauvolumen in FFM betrug 2008 1,71 Mrd. Euro (inkl. dem 500 Mio Brocken EZB). Das ist bundesdeutscher Spitzenwert! Auch für 2009 ist Frankfurt lt. Edwin Schwarz trotz Finanzkrise "gut aufgestellt".
    Details unter FAZ.net

  • Hauptversammlungen von Post und Postbank in FFM

    Überraschend finden dieses Jahr die Hauptversammlungen der Bonner Unternehmen Deutsche Post (21.04.) und Postbank (22.04.) in der Frankfurter Jahrhunderthalle statt. Das berichtet die FNP. Bisher hatten diese Veranstaltungen in Köln stattgefunden, und zwar in der früheren Kölnarena. Die sei aber zu groß, weswegen man nach Frankfurt ausweiche, so ein Post-Sprecher.


    Ob da die Deutsche Bank ihre Finger mit im Spiel hatte ... ;)

  • Auf der Seite der Stadt Frankfurt kann man erfahren:


    Magistrat beschließt Umgestaltung des Buchrainplatzes




    Schon vor ein paar Jahren habe ich Ähnliches gelesen, damals betraf es die
    Große Friedberger Straße - später war es die
    Schäfergasse – und irgendwann wurde auch die Hasengasse erwähnt.


    Im letzten Jahr war die Straße (Platz) An der Staufenmauer / Fahrgasse dran gewesen – und jetzt hat es den Buchreinplatz erwischt...


    Leider befinden sich alle zuvor genannten Straßen nach wie vor im Ihrem „ursprünglichen“ Zustand und es findet sich auf der Seite der Stadt auch nichts neues darüber...

  • Interconti Frankfurt


    Ein Hotel, dass für mich zu den SCHLIMMSTEN Schandflecken gehört, die Frankfurt zu bieten hat, ist das Interconti...


    Dummerweise komme ich an diesem Kasten jeden Tag vorbei und rege mich von mal zu mal mehr darüber auf...!


    Wie kann ein Hotel dieser Kette in einer derart prominenten und wichtigen Stadt wie Frankfurt bitte solch ein Erscheinungsbild haben? Mittlerweile ist man ja bei drei Fassaden angekommen: das vom Main aus gesehen links angebaute Treppenhaus ist dunkelgrau verkleidet, das an der rechten Seite des Gebäudes überhaupt nicht und das Hotel selbst steht vor Dreck auf der Fassade... Auch die alten Fenster in unterschiedlichen Tönungen tragen nicht gerade zu einer Entschärfung der Optik bei.


    Frage in die Runde: Meinen die das ernst??? Wieso sehen die keinen Handlungsbedarf? Die Konkurrenz wird ja nicht gerade kleiner... Ich verstehe das wirklich überhaupt nicht...! Schließlich geht es beim Interconti um ein Hotel in prominentester Lage. Für Leute, die am Main spazieren gehen, Besucher der Stadt, die über die Brücke fahrend an diesem Ding vorbei müssen etc. ...


    Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass hier im Forum mal von einer Sanierung, bzw. Aufwertung gesprochen wurde... Den Beitrag finde ich allerdings nicht mehr...


    Hat der Hotelkonzern finanzielle Probleme? Falls ja, nehme ich meine Kritik natürlich zurück... Falls nicht, schüttele ich weiterhin jeden Tag zwei mal den Kopf, wenn ich von Sachenhausen kommend über die Brücke fahre...!


    -------------
    Mod: Kein Projekt, daher verschoben.

  • ^ "Schön" nach dem aktuellen Geschmack ist das Interconti sicher nicht. Jedoch trifft Deine Kritik nicht ganz den Nagel auf den Kopf: Die Fassade von beiden Flügeln besteht auch einem sehr hochwertigen Naturstein, schau es Dir mal aus der Nähe an. Diese hat allenfalls eine gewisse Patina, die Fassade steht ganz sicher nicht vor Dreck.


    Den Anbau mit dem Fluchttreppenhaus finde ich persönlich recht passend, aber das kann man ganz sicher unter Geschmackssache abhaken.


    Was beide Geäude vielleicht mal nötig hätten sind neue Fenster, soweit man das aus der Ferne beurteilen kann, und - da bekleckert sich das Interconti wirklich nicht mit Ruhm - eine Neugestaltung der Außenanlagen zum Main: Diese sind für ein fünf-Sterne-Haus ziemlich peinlich.


    Ob die Intercontikette in irgendwelchen Schwierigkeiten steckt, vermag ich nicht zu sagen. Wir buchen dieses Hotel immer wieder gerne für hohe Gäste - es ist eines der besten Häuser der Stadt und zu Messezeiten regelmäßig ausgebucht. Alle Gäste waren bisher im Main-Seitigen Teil untergebracht und vor allem über Lage und Aussicht sehr begeistert.

  • Hi Mahlzeit...


    Ich verstehe was Du meinst... Dennoch kann man (wie Du es ja selbst bemerkt hast) als 5-Sterne-Haus eine gewisse Außenwirkung haben oder sollte sie zumindest anstreben. Diese hat das Interconti in sämtlichen Belangen nicht... Patina hat für mich etwas liebenswertes, morbides - hat auf jeden fall aber Charme... Diese verdreckte Fassade (die zum Main hin viel dreckiger ist als auf der Straßenseite) geht wirklich gar nicht. Der Natrustein macht auf der Straßenseite noch halbwegs was her, auf der Mainseite hingegen nicht... Das Gebäude selbst ist sicherlich gar nicht schlecht - es könnte, bzw. SOLLTE halt nur mal generalüberholt werden...


    Vom Service des Interconti habe ich auch nur Gutes gehört, aber den kritisiere ich ja auch nicht. Viel schlimmer, dass ein so gutes Haus sich so schlecht darstellt.


    Angesichts des Zustandes aber kann es einfach nicht mehr lange dauern, bis sich was tut... Ich hoffe es zumindest...