Frankfurter Stadtgespräch

  • Stadtwohnen: Vortrag und Diskussion in Frankfurt

    Am 27. November 2007 wird im Frankfurter DAM eine Studie der Wüstenrot-Stiftung vorgestellt, die sich mit „Stadtwohnen. Geschichte und Perspektiven“ befasst.


    Der Veranstalter führt so ins Thema: „Stadtwohnen ist im Gespräch: Architekten, Planer und Investoren propagieren neue ‚Townhouses‘, gestapelte Maisonettewohnungen, Stadtvillen, Hochhausappartements, Lofts und anderes mehr als zeitgemäße urbane Wohnungstypen und Stadthäuser.


    Ein interdisziplinäres Team von Architekten, Stadtplanern, Historikern und Stadtsoziologen hat in einem Forschungsprojekt erstmals eine umfassende, bis ins 16. Jahrhundert reichende Geschichte des Stadtwohnens erarbeitet: eine Geschichte dessen, was in Deutschland entstand, eingebettet in die wichtigsten Entwicklungen in anderen europäischen Ländern.


    Der Abend beginnt mit einem Vortrag von Tilman Harlander, Universität Stuttgart. Es folgt eine Podiumsdiskussion „Stadtwohnen – Trends und Perspektiven“ mit Dieter Bartetzko, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Tilman Harlander, Universität Stuttgart, Robert Kaltenbrunner, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, und Gerhard Matzig, Süddeutsche Zeitung. Die Moderation hat Georg Adlbert, Geschäftsführer der Wüstenrot-Stiftung.


    Termin: Dienstag, 27. November 2007, 19 Uhr. Eintritt frei. Anmeldung unter info@wuestenrot-stiftung.
    Ort: Deutsches Architektur-Museum DAM, Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt/Main


    Quelle: Baunetz, 26.11.2007

  • Endlich wird mal ein Tabuthema öffentlich angesprochen: Die Zukunft der Wohnblocks aus der ersten Wiederaufbauzeit auf dem Gebiet der ehemaligen Altstadt. Bezüglich der Bebauung südlich des Doms wurde bei einer Podiumsdiskussion der Projektentwicklungsgesellschaft UPG ein Abriss und eine Neubebauung mit hochwertigen Wohnhäusern gefordert. Mehr in dieser Vorabmeldung der FNP mit dem Titel "Abreißen bis zum Main".


    Sicher würde dies zu einer Belebung führen, denn sämtliche dieser Areale wirken tatsächlich tot. Natürlich nicht die gesamte Innenstadt, wie dies bei dieser Diskussion von einer Seite geäußert wurde. Der Planungsdezernent hat auch noch einmal bekräftigt, dass er Wohnhochhäuser zwar in erster Reihe zum Main für nicht genehmigungsfähig, in zweiter Reihe aber für möglich hält.


    Edit: Zu diesem Thema nun auch auch ein Artikel in der Rundschau.

  • Ich bin grundsätzlich auch dafür die Gegend um den Dom neu zu gestalten. Allerdings sollte man hier sehr bedacht vorgehen und sich bei der Entwicklung viel Zeit lassen. Wenn ich richtig informiert bin, gehört das Areal städtischen Gesellschaften und somit hat die Stadt alle erdenklichen Möglichkeiten. Hochwertiges Bauen finde ich grundsätzlich richtig. Man muss aber hier auf eine soziale Durchmischung achten. Heute leben hier Durchschnittsverdiener und weniger gutsituierte Famlien. Auch an diese Leute muss denken. Man kann nicht alle diese Menschen aus der Innenstadt vertreiben.


    Es gibt hier m.E. zwei Möglichkeiten:Entweder eine teilweise Weiterführung der neuen Altstadt oder aber eher die Bauten in der Größenordnung derer aus der Jahrhundertwende. Zu sehr verdichten würde ich im zweiten Fall nicht. In jedem Fall muss es ein offenes Viertel werden. Man kann hier unterschiedlicher Meinung sein, aber aus meiner Sicht muss ein Haus immer einen irgendwie gearteten Abschluss haben (i.d.R. ein Dach). Auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Auf jeden Fall dürfen es keine langweiligen Kisten werden, wie ich sie auf dem Degussa-Areal befürchte. Der größte Fehler der bei so großen Arealen immer gemacht wird, ist der Einheitsbrei der ensteht. Jedes Haus muss individuell geplant werden, auch wenn die Ausführung dann durchaus koordiniert erfolgen kann.


    Edit: Da bin ich ja erstaunlicherweise sogar mal halbwegs (!) einig mit der FR!

  • Immerhin gut dass man sich der Denkverbote entledigt. Man kann auch ruhig weiter gehen und auch die Wohnhäuser um den Dom in Frage stellen, wo sich mit beispielsweise dem Roseneck auch das ein oder andere Reko-Projekt anbieten würde ;)
    Was Neubauten betrifft sollten diese innerhalb der südlichen Altstadt (also südlich der Berliner Straße) ausnahmslos kleinteilig und mit schiefergedeckten Satteldächern sein und den historischen Straßengrundriss zumindest grob wieder erkennen lassen. Auf jeden Fall muss diese schlimme vorstadtmäßige Zeilenbauweise überwunden werden.
    Hat der Herr Schwarz denn auch einen Grund warum Wohnhochhäuser nicht in erster Reihe am Main stehen sollen??? Er hat es doch selbst erkannt: hochwertige Wohnhochhäuser benötigen hohe Mieten und die bekommt man nur bei hochwertigem Umfeld und welche Lage könnte hochwertiger sein als zentral und direkt am Fluss? Hochhausfrei ist das Mainufer sowieso nicht, nur sind diese Hochhäuser momentan entweder Bürogebäude oder 70er-Jahre-Platten also genau die falschen Gebäude die man an so einer Lage nun wirklich nicht braucht während Wohnhochhäuser ideal wären. Hat er sich mal wieder ein unsinniges Dogma auferlegt, aber für mich ist diese Person als Planungsdezernent sowieso schon längst gestorben.

  • Hochhäuser in erster Reihe würden aber dem Ziel widersprechen, langfristig wieder eine Mainfront wie vor den Krieg herzustellen ("weißer Mainprospekt"), wenigstens hinsichtlich Farbgebung, Dachform und Traufhöhe. Und man ist sehr wohl konsequent mit diesem Grundsatz: Seit der Genehmigung des NM-1 vor rund 45 Jahren wurde zwischen Bubis- und Friedensbrücke kein Hochhaus mehr in erster Reihe zum Main gebaut. Das NM-1 ist das einzige in solcher Lage geblieben, Interconti, Union Investment und Mainforum stehen in zweiter Reihe.


    Es muss ja auch nicht die erste Reihe sein. Am Untermainkai könnte etwa die Villa Helfmann rekonstruiert und ein Wohnhochhaus dahinter errichtet werden. Beschränkt man sich auf einen kleineren Grundriss, mehr wäre übrigens auch in erster Reihe nicht möglich, dann wäre dies locker zu machen (Fotos). Ich weiß sowieso nicht, warum es gerade bei einem Hochhaus die erste Reihe sein muss, denn es ist ja gerade einer der Vorzüge dieses Haustyps, dass man über andere Bebauung hinwegsehen kann.

  • Ich finde, dass Frankfurt sich in Sachen Kultur (also sprich auch Museen) mal richtig etwas trauen wollte, etwas ähnlich spektakuläres wie die Elbphilharmonie in Hamburg sollte in Angriff genommen werden. Am besten an der Mainfront bei der Untermainbrücke (ich weiß nicht genau ob sie so heißt), nahe dem Silvertower der EZB.


    Dort kann ich mich an einen schäbigen großen Betonkasten erinnern, der an dieser prominenten Stelle rein gar nichts zu suchen hat. Den könnte man dann auch mit etwas wirklich gewagtem (vielleicht in der Art des Guggenheims in Bilbao) ersetzen, dort würde es auffallen und anlocken - in perfekter Lage zwischen Hauptbahnhof und Römer, fast schon im Herzen Frankfurts, direkt am Main. Würde sicher auch das Stadtbild sehr verbessern und zudem das (zumindest des Nächtens totenwandlerische) Bankenviertel um einiges beleben ;)


    Was meint ihr? Hab ich da jetzt als ahnungsloser Außenstehender vollkommen abstruse Vorstellungen oder besteht da ein Funken Verständnis für meine Idee? :Colgate:


    Ich nehme an, du meinst die Bebauung auf dem heutigen Degussa-Areal. Mit Ausnahme der nordwestlichen Ecke wird dort kein Stein auf dem anderen bleiben, die aktuelle Planung findest du in unserem Thread zum Projekt MainTor. Ansonsten bin ich weder der Auffassung, dass es Frankfurt u. a. mit nicht gerade kleinen Zahl von unverwechselbaren Hochhäusern an Wahrzeichen mangelt, noch dass die Stadt in den letzten Jahrzehnten mutlos gehandelt hat. Vom Nachahmen anderer Konzepte halte ich wenig. Außerdem steht mit dem EZB-Neubau etwas mindestens ebenso Spektakuläres wie die von dir genannten Beispiele kurz vor dem Baubeginn.

  • Das Degussa-Areal schaut auch schlimm aus, aber das meinte ich nicht. Dass hier das MainTor entstehen wird, war mir schon länger bewusst. Ich sprach von diesem Gebäude der Oper Frankfurt. Dass es sich um dieses handelt, habe ich beim Durchstöbern einiger Luftaufnahmen vom Maintower festgestellt.
    Mir ist indes natürlich bewusst, dass man auf einen Kulturbau wie die Oper wohl nicht ohne Weiteres verzichten könnte. Aber ich empfand das Gebäude schon als außerordentlichen Schandfleck, zudem in einer absoluten Prestigelage direkt am Main und zwischen Banken- und Bahnhofsviertel. Dort gehört hochwertige Architektur hin, meinetwegen auch exzentrisch moderne (die allerdings schon - im Gegensatz zum Schauspielgebäude - zeitlos schön sein sollte).


    Wüsste nicht, was jetzt konkret dagegen sprechen würde. Klar, das Ziel sollte keineswegs sein, andere Städte dreist zu imitieren und sich eine Kopie des Guggenheim-Museums o.Ä. an den Main zu stellen. Aber nur weil man hier an einem städtischen Bindeglied vielleicht mal einen mutigen Bau wagen könnte, muss das ja im gleichen Zuge keine Kopie des Konzepts einer anderen Stadt bedeuten. Architektonische Leuchttürme werden seit Menschengedenken errichtet.
    Dann könnte man ja ins Feld führen, dass sich im Prinzip alle Metropolen der Welt kopierten. Mit der exemplarischen Aufzählung von Bilbao und Hamburg habe ich nur verdeutlichen wollen, in welche Richtung es gehen könnte. Kannst gern einen besseren Vorschlag machen, Lokalmatador Schmittchen ;)
    Wie gesagt, ich bin weder so ortskundig noch informiert, dass ich das vernünftig beurteilen könnte. Es scheint mir einfach im städtebaulichen Kontext mit der beste Standpunkt für einen Kulturbau wie den vorgesehenen zu sein.


    Danke übrigens für den Verweis auf den Artikel. Wäre das Sudfass (immerhin "Frankfurts bekanntestes Bordell") eigentlich ein schwerwiegender Verlust? ;)

  • Für mich wäre das kein Verlust. Im Gegensatz zum Sachsenäuser-Main-Ufer empfinde ich diese Main-Seite als extrem unästhetisch. Häßlichster sozialer Wohnungsbau dominiert die innerstädtische Main-Seite. :nono:

  • Das Sudfass wäre kein Verlust...wenn ich das mal so anmerken darf.... es hat seine beste Zeit schon lang hinter sich, wenn man da jetzt um 3-5 Uhr früh vorbeifährt sind kaum Taxen vorhanden, das war früher gaaaaanz anders...da nahm dann schonmal die Ein oder Andere aufgrund eines erfolgreichen Handelstages ein Taxi nach Hause...(wurde mir so berichtet von einem Ortskundigen :hmmm: )

  • Ähm, beim Schauspielhaus musst du differenzieren @Erbsenzähler.
    Der östliche Teil ist in der Tat ein grässliches Abfallprodukt moderner Architektur, der westliche Teil hingegen ist nur ein furchtbar umgebauter Altbau. Zusammen mit dem Schuhmann-Theater war es wohl der einzige bedeutende Jugendstilbau Frankfurts und ebenso wie dieses hat es den Krieg relativ intakt überstanden ist dann aber in den 60ern der Modernisierungswut zum Opfer gefallen, im Gegensatz zum Schuhmann-Theater allerdings glücklicherweise nicht abgerissen worden sondern es wurde nur die Fassade abgeschlagen, die Kuppeln beseitigt und dann so ein primitiver Glaskasten drumrumgebaut und an der Ostseite dieser seltsame Torso den du angesprochen hast ergänzt. Das Gebäude soll mit einem weiteren modernen Anbau der nicht weniger hässlich ist als der Bestand erweitert werden (Thread dazu hieß "Erweiterung der Bühnen-Werkstätten" oder so).

  • Aus dem Goetheplatz-Thread, das Foto ist von Gizmo23:
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    Wo ich das Foto von Gizmo gesehen habe, kam mir eine Idee...


    Welche super Möglichkeiten bieten sich für die Gebäude in dem roten umrandeten Gebiet für eine zukünftige Entwicklung:


    1A-Innenstadtlage, nach der Verkehrsberuhigung der Hauptwache umschlossen von Fußgängerzone, Parkhäuser in Hülle und Fülle in 5 Min. Fußmarsch erreichbar, viel Renovierungsbedürtiger Bestand aber kaum Altbauten erkennbar, S- und U-Bahn direkt vor der Tür, und und und


    Was man hier für ein hervorragendes Projekt mit viel Shopping (wuerde noch nicht mal jemanden stören da direkt an der Zeil, nicht im Europaviertel), Kultur, viele Cafes mit Open-Air Bereich auf den Plätzen, ein kleines Hotel mit schönen Türmchen (max. 50m), Bars und Clubs, damit auch abends was los ist und KEINE normalen Ketten die auch auf der Zeil zu finden sind... und ganz wichtig, das Ensemble muss hochwertig wirken, mit Naturstein z.B., und vielleicht auch klassische Architektur (Bögen, Portale, Säulen, usw.) bekommt man bestimmt auch hin ohne kitschig zu wirken...oben links in der Ecke könnte man was ausgefallenes vielleicht auch hohes bauen, das man die ganze Zeil schon sehen würde (Landmark), direkter Zugang zur B-Ebene bauen, Lieferantenzufahrt vom Goetheplatz-Parkhaus, etc.


    Das wäre mal ein geiles Projekt!!! :daumen: :daumen: :daumen: (ausnahmswiese 3 Daumen hoch)



    Sorry etwas off-topic und wirr, aber den Gedanken musste ich grad mal loswerden! ;)


    Gebt mir 1 Mrd. Euro... SOFORT!

  • Aus dem Thread "Hochhaus an der Matthäuskirche":
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    So sehr ich mich über neue Hochhäuser auch freue, aber das mit der Villa hat einen sehr sehr bitteren Beigeschmack, dass ich in diesem Fall sogar auf ein Scheitern des Projektes hoffe.


    Einfach nur pervers wie jetzt wieder mit Altbauten in Frankfurt umgeganen wird.


    Kurze Beipflichtung: Siehe KfW-Thread - der Neubau an der Südarkade (gegenüber des Senckenbergmuseums - die eine Villa hats schon in Stücke gehauen, das andere Sandsteinmeisterwerk wird vll. 2008 nicht mehr erleben...:mad: :Nieder: :mad: :mad: :mad: :mad: Im Kettenhofweg dieses kleine klassizistische Ding - weg! In der Schubertstraße (das Haus neben dem Struwelpetermuseum) - weg - wir ham se ja, die augentröstenden Altbaufassaden, und zwar en masse ---- also wieso schützen?!:mad: :mad: :mad: (das war ironisch gemeint)... Wieso werden nur so viele Abrissgenehmigungen erteilt?!?! Auch Bäume fallen so viele...:Nieder: :Nieder:

  • Was ich noch weniger verstehe ist, warum die Altbaufassaden abgerissen werden, aber 50iger-Jahre-Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Genauso bei der Matthäuskirche. Das Ding gehört abgerissen. In irgendner Online-Zeitung schrieb jemand, daß endlich die herbe Schönheit der 50iger-Kirche anerkannt werde. Also in meinem Heimatkaff haben wir genauso ein Ding, nur daß es aus den 70igern ist und daher Orange gestrichen. Ich bin mir sicher, daß die das auch gelb anstreichen würde, dann könnte man die Matthäuskirche abreißen.

  • Denkmalschutz ist eben mehr als nur Ästhetik.


    Was allerdings mit den verbliebenen Altbauten gemacht wird ist echt ein Drama. Ich wüsste aber nicht wie man das in den Griff bekommen könnte. Schließlich wollen die Eigentümer ja möglichst viel Geld verdienen, was man ihnen auch nicht verdenken kann. Die globale Wirtschaft funktioniert eben so. Deshalb sehe ich das Thema "Denkmalschutz" auch so kritisch.
    Wenn man z.B. die Sache mit der Großmarkthalle betrachtet, dann kann man sich mit einer staatlichen Institution wie der EZB solche Debatten leisten. Ein privater Investor wäre schon über alle Berge.


    Wie wär's mit einem pauschalen Denkmalschutz light für Gründerzeitvillen? Im Gegenzug für den Fassadenerhalt darf stilistisch angepasst aufgestockt werden? Wäre künstlerisch natürlich der blanke, verlogene Kitsch, aber irgend einen Deal mit dem beide Seiten leben können muss es ja wohl geben.

  • Brantome . Nun ja, wenn Dich das so aufregt dann wäre ja Hausbesetzung eine Alternative, oder? "Dass das schöne Westend in der Siebziger Jahren nicht vor die Hunde gegangen ist, (z.B. die schönen Gründerzeithäuser an der Bockenheimer Landstr.) hat man NUR der damaligen Hausbesetzerszene zu verdanken, also Leute um Jörg Fauser, Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit, Matthias Beltz usw..."


    Die Aussage in den Anführungszeichen stammt übrigens nicht von mir, sondern von dem ehemaligen Polizeipräsidenten Knut Müller, der 1974 die letzte "große Hausbesetzer-Schlacht" auf Polizeiseite geführt hat. Gesagt hat er es 1999, 25 Jahre danach auf einer Führung durch das Westend.

  • @porteno
    Meine Meinung, in diesem Bereich der Innenstadt liegt eine Menge Potential brach. Aber einer Milliarde Euro bedarf es da sicher nicht, um es aufzuwerten. Ich bin sogar der Meinung, daß die momentan dort vorhandene Bausubstanz weitgehend erhalten werden könnte. Dieser Bereich zeigt aber, was in der Frankfurter Innenstadt weitgehend fehlt. Inverstoren, welche sich um die sogenannten Zwischenräume bemühen.
    Warum, zu Beispiel, wenn es schon komplett neu gemacht wurde, bindet man das Allianzgebäude nicht ordentlich an die B-Ebene an. Ich meine damit nicht nur mit einem Fahrstuhl. Nein, ein entsprechend genutztes Kellergeschoss mit einem Eingangsbereich in der B-Ebene. Ein weiterer möglicher Schritt wäre die Ausdehnung der B-Ebene in Richtung Steinweg-Passage und Umbau dieser Passage auf zwei Etagen, Keller- und Erdgeschoss. Warum immer Shopping Malls als Solitäre in die Innenstädte bauen? Warum nicht Vernetzung des Bestandes. Klar könnte ich jetzt auf den Zustand der B-Ebenen (Konsti, Eschersheimer Tor, Hauptwache, ...) verweisen und sagen, daß ich nicht noch mehr davon will, aber wie verbessere ich diesen Bestand. Sicher nicht durch Schließung der unterirdischen Eingangsbereiche, siehe Conrad Electronic, Sportarena, ...). Dieser Bereich muß Teil des öffentlichen Lebens werden und nicht Rückzugsgebiet für Randgruppen und igitt-ich-muß-da-jetzt-durch-weil-ich-zur-S-Bahn-muß-Zone. Daß ist aber scheinbar eine deutsche Angewohnheit, diese B-Ebenen stiefmütterlich zu behandeln. Mir fällt jetzt spontan keine gelungene deutsche ein. Die Besrebungen gehen eher wieder hin zum Rückbau zu reinen Fußgängertunneln in denen man sich mangels Öffentlichkeit noch mehr fürchtet. Dabei gibt es weltweit jede Menge Beispiele für gelungene Lösungen. Siehe bspw. Sydney, da kannst Du Dich in den unterirdischen Shopping-Zonen verlieren und stehst plötzlich, ohne es sofort zu bemerken, im Basement des Victoria Buildings. Genau diese Vernetzung der vorhandenen Substanz meine ich. Da gibt es in Frankfurt jede Menge Potential. Siehe fehlende Übergänge (nur im Keller vorhanden) vom Kaufhof zur Zeilgalerie, apropos Zeilgalerie, wird die eigentlich auch einen oder mehrere Übergänge zu FFHV bekommen? Dieses Mall-Feeling kann ich auch erreichen, wenn ich Vorhandenes verbinde und die Zwischenräume nutze und angenehm gestalte. Aber solange der örtliche Einzelhandelsverband bei jedem neuen Quadratmeter Einzelhandelsfläche anfängt zu weinen, wird sich damit nicht viel ändern. Da sollten die Verantworlichen mal weg vom Argwohn untereinander und von Konkurrenzdenken und hin zum Nutzen des brachliegenden Potentials und des Potentials, welches sich durch neue Mitbewerber (klingt gleich viel besser als Konkurrent) ergibt.
    Manchmal täten es aber auch einfach ein paar neue Deckenplatten oder überhaupt welche und ein Wechsel des Bodenbelages.

  • Also B-Ebenen noch mehr ausweiten? Nee, danke. Schon schwer genug, den Fußgängerverkehr wieder an die Oberfläche zurückzuholen und damit endlich das normale Straßenbild anständig zu beleben, da muss man diese Anstrengungen nicht noch konterkarieren.

  • Rohne : Wie bist denn Du drauf? Schon mal während der Geschäftszeiten auf der Zeil unterwegs gewesen? Da kannst kaum treten und jetzt in der Weihnachtszeit mit dem Hilfsweihnachtsmarkt wird es auf der Zeil noch enger.
    Das der Innenstadtbereich außerhalb der Ladenöffnungszeiten weitgehend tot ist, liegt sicherlich nicht an den B-Ebenen.
    Und bei dem Wiederverschließen des Hauptwachetrichters geht es darum, den Platz überhaupt erst mal wieder für den Fußgängerverkehr zu erschließen. Nach Deiner Logik wäre auch FFHV völliger Quatsch, weil dort auch massiv Fußgänger aus dem öffentlichen Raum abgezogen werden, unter anderem auch in Kellergeschosse, igitt ...;)
    Solange es die unterirdische S-Bahn und die U-Bahn in Frankfurt gibt, wird es auch Bereiche geben, welche die Haltestellen dafür zugänglich machen. Was spricht dagegen dort die Aufenthaltsqualität zu erhöhen? Außerdem bezog sich der Beitrag in der Hauptsache auf die bessere Nutzung der Übergangsräume im Allgemeinen. Dazu gehört eben auch die Schaffung neuer Wege und Verbindungen und die Erschließung und Wiederbelebung von Gammelecken.

  • Denke auch, dass hier einiges Potenzial verschenkt wird - gerade die Bereiche, die bereits sehr intensiv genutzt werden (Konstabler-, Hauptwache) müssen nicht unbedingt nur in eine Richtung abfließen. Sie könnten in den Randbereichen (v.a. Hauptwache) sehr von einer verbesserten Anbindung profitieren und selbst durchaus zu einer Belebung des oberirdischen Niveaus führen, indem sie den Verkehr um die Hauptzugänge herum verteilen.


    Viele wären dem B-Ebenen-Gefühl gegenüber vielleicht auch aufgeschlossener, wenn man die 70er Jahre Kellerloch-Ausstatung mal etwas überarbeiten würde. Eine etwas zeitlosere Wandgestaltung (keine Fliesen in Orange, Ocker oder Türkis) und Beleuchtungskonzepte, die nicht ausschließlich zweckmäßig aussehen (wie z.B. Neon hinter verstaubten Kunststoffrasterplatten) könnten das Wohlbefinden durchaus steigern.